Die Kaffee-Revolution ist weiblich!

Die Kaffee-Revolution ist weiblich!

Es war ein sonniger Tag und ich freute mich, das Haus endlich wieder ohne dicke Winterjacke, dafür in schöner sommerlicher Kleidung verlassen zu können. Ein heller Leinen-Einteiler und ein leichter blauer Blazer waren das Outfit meiner Wahl für diesen Tag. Es war der 23. Mai 2024, als mir mein Papa eine Nachricht schrieb, die für immer meinen Blick auf Kaffee und die Reise, die er zurücklegt, um in unseren Supermärkten, Büros und Lieblingscafés zu landen, verändern würde.

An diesem sonnigen Donnerstag war ich dabei, mich auf ein Frauennetzwerktreffen vorzubereiten. Als leidenschaftliche Erfinderin und Unternehmerin war ich zu dem Zeitpunkt sehr intensiv auf Vorträgen, Veranstaltungen und Netzwerktreffen unterwegs. Während mir also die Themen „Finanzielle Unabhängigkeit von Frauen“, „Frauen in der Wirtschaft“ und „Frauen und Innovation“ durch den Kopf schwirren, öffnete ich den Link, den mir mein Papa soeben geschickt hatte.

„Die Kaffee-Revolution ist weiblich! Kaffee, fair von Frauen produziert.
Du repräsentierst ‘Angelique’s Finest – Strong Women. Strong Coffee.’ und bist das Sprachrohr der Produzentinnen aus Ruanda und Uganda in Deutschland.
Zusammenarbeit mit einem interkulturellen Team auf zwei Kontinenten: Du arbeitest mit und für 2.000 hoch motivierte Kleinbäuerinnen daran, fair produzierten Kaffee in Deutschland zu vermarkten.“

Diese Sätze stachen mir sofort ins Auge. Es waren die Sätze aus einer Stellenausschreibung der Kaffee-Kooperative, die auf der Suche nach einer Geschäftsführerin war.

„Die Kaffee-Revolution ist weiblich!“ Eine weibliche Revolution? Was genau wird denn im Kaffee revolutioniert und was muss eigentlich revolutioniert werden? Diese und viele weitere Fragen brachten bei mir eine tiefgreifende Recherche ins Rollen.

Was ich herausfand, hat mich nicht mehr losgelassen.

Frauen in der Kaffeeindustrie die ungeschminkte Wahrheit

Die Kaffeeindustrie ist eine der ältesten und größten Branchen der Welt. Jeden Tag werden weltweit über zwei Milliarden Tassen Kaffee getrunken. Doch was kaum jemand weiß: Weniger als 5% davon stammen aus fairem Handel. 70% der Arbeit auf den Kaffeeplantagen wird von Frauen verrichtet – und trotzdem landen weniger als 10% des Einkommens aus dem Kaffeehandel in ihren Händen. Frauen pflanzen die Kaffeepflanzen, pflegen sie, ernten die Bohnen und sortieren sie mit größter Sorgfalt. Aber wenn es um die Verhandlungen, den Verkauf und die Gewinne geht, stehen sie noch viel zu oft im Schatten.

Die Kaffee-Kooperative: So geht Welt verändern!

Angelique’s Finest macht es anders. Hier gehören die Frauen nicht nur zum Prozess – sie bestimmen ihn. Sie sind nicht nur Bäuerinnen, sondern selbstbestimmte Unternehmerinnen. Ihnen gehört der Kaffee. Ihnen gehört die Marke. Und damit gehört ihnen auch die Zukunft.

Die Kaffee-Kooperative ermöglicht es den Bäuerinnen, ihren Kaffee unter ihrer eigenen Marke zu verkaufen – direkt, ohne Zwischenhändler, ohne ausbeuterische Preise. Dadurch verdienen sie ein Vielfaches dessen, was sie auf dem herkömmlichen Markt bekommen würden. Und das bedeutet: finanzielle Unabhängigkeit, eigene Entscheidungen, Investitionen in Bildung, ihre Gemeinden, Gesundheit und Zukunftsperspektiven.

Ich erinnere mich noch genau an die ersten Geschichten, die ich über die Frauen aus Ruanda erfahren habe. Dative ist eine von ihnen und erzählte von ihrem Traum, ihren eigenen kleinen Kiosk zu eröffnen. Vor Angelique’s Finest war das undenkbar – heute hat sie sich von ihrem Ersparten nicht nur den Traum ihres eigenen Kiosks erfüllt, sondern hat zusätzlich ihre Plantage mit neuen Kaffeebäumen erweitert und eine eigene Schneiderei in ihrer Nachbarschaft eröffnet. Eine andere Frau, Rosette, erzählt: „Früher war Kaffee nur harte Arbeit. Heute ist Kaffee meine Zukunft.“

Das ist es, was mich antreibt. Was ich mir wünsche? Folgendes Bewusstsein: Wir trinken nicht nur Kaffee – wir treffen mit jeder Tasse eine Entscheidung. Unterstützen wir ein System, in dem die Arbeit von Frauen unsichtbar bleibt? Oder geben wir ihnen die Sichtbarkeit und die Kontrolle zurück?

Seit jenem sonnigen Tag im Mai hat sich mein Leben verändert. Ich habe mich der Mission von Angelique’s Finest verschrieben – nicht nur, weil der Kaffee unverschämt gut schmeckt, sondern weil jede Tasse ein Statement ist. Ein Statement für fairen Handel, für weibliche Selbstbestimmung, für eine gerechtere Zukunft. Und weil jede Tasse im Leben der Bäuerinnen einen echten Unterschied macht.

Und Du? Wenn Du das nächste Mal eine Tasse Kaffee in der Hand hältst – überleg Dir, woher er kommt und wessen Leben Du damit beeinflusst. Vielleicht ist es an der Zeit für eine Revolution – eine, die mit Deinem nächsten Schluck beginnt.


Die Autorin: Maura Oerding

Sie ist Erfinderin, Unternehmerin und seit September 2024 die Geschäftsführerin der Kaffee-Kooperative. Maura Oerding ist mit der Mission unterwegs, die Welt mit fairem, nachhaltigem Kaffee ein ,,Schlückchen besser zu machen“. Gemeinsam mit den beiden Co-Gründern Allan und Xaver leitet Maura die Geschäfte der Kaffee-Kooperative. Sie wollen die gesamte Ernte des Kaffees, der von den Partnerkooperativen in Ruanda produziert wird, als Endprodukt Angelique’s Finest verkaufen. Dadurch werden die Bäuerinnen und Bauern unabhängig von schwankenden Weltmarktpreisen! Für das Engagement wurden sie 2024 mit dem Fairtrade Award in der Kategorie Climate Hero Society ausgezeichnet (zusammen mit den FairActivists und der Abizerwa Women’s Association) und haben den Internationalen Deutschen Nachhaltigkeitspreis gemeinsam mit ihrem ruandischen Partnerunternehmen Rwashoscco gewonnen.

Bereits 2018 wurde die Kaffee-Kooperative auf dem 2. Platz des Fairtrade Awards ausgezeichnet (in der Kategorie ‘Handel’ hinter ALDI und vor der Deutschen Bahn Gastro) und war zusammen mit der Partnerrösterei in Ruanda für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert. Darüber hinaus haben sie mit Angelique’s Finest Strong Women. Strong Coffee. eine zweite, eigenständige Kaffeemarke etabliert und damit den ersten komplett von Frauen in Eigenverantwortung produzierten Kaffee im deutschen Markt etabliert.

Kontaktdaten:

Maura Oerding
Kaffeekoop GmbH
Rollbergstr. 28a
12053 Berlin

Telefon: +49 30 20967926
E-Mail: info@kaffee-kooperative.de

LinkedIn Maura Oerding

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Regretting Motherhood – Wenn Frauen ihre Mutterschaft bereuen

Regretting Motherhood – Wenn Frauen ihre Mutterschaft bereuen

Unter dieser Überschrift erzählen Wiebke, Melanie, Juliane und andere Frauen von ihren Gefühlen und den Problemen, sich in ihrer Mutterrolle zurechtzufinden. Sie sind mit den Anforderungen, die ihnen das Leben stellt, überfordert. Die Dokumentation der ZDF 37° Leben setzt sich in mehreren Episoden mit dem Problem „Regretting Motherhood auseinander. (Anm. der Redaktion: Die Episoden sind leider nicht mehr vollständig verfügbar. Aktuelle Beiträge zum Thema findest Du auf Youtube im Kanal 37 Grad.). 

„Ich liebe meine Kinder, aber ich bedauere die Mutterschaft“ erzählt Wiebke. Eine Mutterschaft wird oft als eine der glücklichsten Erfahrungen im Leben einer Frau dargestellt. Doch was, wenn die Realität nicht den romantischen Vorstellungen entspricht? Was, wenn eine es Mutter bereut, Kinder bekommen zu haben? Dieses Phänomen, bekannt als „Regretting Motherhood„, ist ein Tabuthema. Es wird gar nicht oder nur selten darüber gesprochen. Dabei ist es wichtig, Frauen, die mit solchen Gefühlen kämpfen müssen, nicht zu verurteilen, sondern ihre Gefühle ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und Lösungsansätze zu aufzuzeigen.

Die Ursachen des Mutterseins ohne Glück

Laut einer deutschen Studie aus dem Jahr 2015, gaben 20 % der insgesamt 2045 befragten Eltern an, dass sie die Entscheidung, Kinder zu bekommen, bedauern.

Es gibt viele Gründe, warum Frauen bereuen könnten, Mutter geworden zu sein. Oft sehen sie sich nach der Geburt eines Kindes nur noch auf ihr „Mutterdasein“ reduziert und vermissen das bunte Leben vor der Schwangerschaft. Sie haben das Gefühl, ihre frühere Identität verloren zu haben, und kämpfen mit der vorgegebenen neuen Rolle als „glückliche Mutter“, die ihnen von der Gesellschaft auferlegt wird. Die ständige Verantwortung und die damit verbundenen körperlichen und emotionalen Belastungen sind oft erdrückend, insbesondere wenn ein stabiles soziales Umfeld fehlt oder kaum weitere Hilfe vorhanden ist. Wenn Mütter keine oder nur geringe Unterstützung vom Partner, der Familie oder Freunden erhalten, kann das Gefühl der Isolation entstehen, das die Belastung zusätzlich verstärkt.

Viele Frauen empfinden es zudem als belastend, dass sie sich nicht mehr selbstbestimmt handeln können und sich so frei entfalten können wie vor der Geburt. Plötzlich stehen eigene wie die Verwirklichung eigener Träume, die Zeit für Hobbys und erst recht Karriereaussichten hinten an. Das kann zu Frustration führen. Auch die Erwartungen der Gesellschaft an „die perfekte Mutter“ setzen Mütter unter enormen Druck. Alles perfekt meistern zu müssen macht oft hilflos und führt zu Enttäuschung von sich selbst. Jederzeit liebevoll, geduldig und engagiert zu sein, ist eine unrealistische Vorstellung, die bei vielen Müttern ein Gefühl der Unzulänglichkeit hervorruft. In manchen Fällen kann auch eine postpartale Depression der Auslöser dafür sein, dass sich Frauen mit ihrer Mutterschaft nicht wohlfühlen. Diese ernste psychische Erkrankung wird leider oft nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, sodass betroffene Frauen zusätzlich mit einem Gefühl der Einsamkeit und Überforderung kämpfen. Ein weiterer Einflussfaktor ist die sogenannte Transgenerationale Weitergabe von Traumata. Es handelt sich hierbei um psychologische Belastungen, die über Generationen hinweg weitergegeben werden. Sind Verlusterfahrungen oder belastende Familiengeschichten in der Ahnenreihe erlebt worden, kann sich das auf die heute lebenden Frauen auswirken. Sie fühlen sich in der Mutterrolle unwohl oder emotional überfordert. Diese Gefühle erhöhen das Risiko für das Bereuen der Mutterschaft.

Lösungsansätze für betroffene Mütter

Frauen, die ihre Mutterschaft bedauern, sind keine schlechten Mütter. Sie werden von echten, oft unerwarteten Gefühlen regelrecht überfallen. Es ist wichtig zu lernen mit diesen Emotionen umzugehen. Offene Gespräche mit anderen Müttern oder Vertrauenspersonen, um entlastende Perspektiven zu gewinnen, könnten ein erster Schritt sein. Der Austausch mit Gleichgesinnten kann helfen, sich verstanden zu fühlen. Betroffene Mütter dürfen sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Therapeutische Unterstützung kann helfen, die belastenden Emotionen zu verstehen und besser damit umzugehen. Ein Therapeut kann individuelle Strategien aufzeigen, um mit der emotionalen Belastung umzugehen und langfristige Lösungen zu erarbeiten.

Die Betreuung durch andere Personen sicherzustellen und dann Zeit für sich einzuplanen, einem Hobby nachzugehen oder sich kleine Auszeiten zu gönnen, hilft sicher, das eigene Wohlbefinden zu stärken. Selbstfürsorge darf kein Luxus sein, sondern ist eine Notwendigkeit, um emotionale Erschöpfung zu vermeiden. In einer Ehe oder Partnerschaft trägt nur eine ehrliche Kommunikation dazu bei, die häuslichen Aufgaben besser zu verteilen und die Belastung für die Mutter zu verringern. Für sie muss der Druck, alle Erziehungs- und Haushaltsaufgaben allein bewältigen zu müssen, überwältigend sein. Daher sind die Mütter aufgefordert, die Verantwortung zwischendurch abzugeben und Unterstützung einzufordern. Ein wichtiger Schritt, mit der Situation besser klarzukommen, ist die Akzeptanz der eigenen widersprüchlichen Gefühle. Es ist in Ordnung, zwiespältige Emotionen zu empfinden und diese offen anzusprechen. Die Vorstellung der perfekten Mutter ist reine Theorie. In dieser Rolle Fehler zu machen, ist menschlich und normal. Kritik daran ist nicht angesagt, auch nicht als Selbstkritik. Sich als Mutter oder Eltern mit Menschen in gleicher Situation auszutauschen, kann sicher hilfreich sein. Gerade in Selbsthilfegruppen können Mütter offen über ihre Erfahrungen sprechen, ohne Angst vor Verurteilung haben zu müssen.

Fazit – ein gesellschaftlicher Wandel ist nötig

Anstatt Mütter, die mit ihrer Rolle hadern, zu stigmatisieren, müssen wir als Gesellschaft offen mit diesem Thema umgehen. Eine glückliche Mutterschaft darf keine erzwungene Pflicht sein, sondern eine bewusste Entscheidung. Sie muss von Unterstützung, ehrlicher Aufklärung und realistischen Erwartungen begleitet werden. Wir müssen aufhören, Frauen einzureden, dass Mutterschaft automatisch Glück bringt. Besser ist es, realistische Bilder zu zeichnen, die auch die vielen Herausforderungen und Schwierigkeiten sichtbar machen.

Frauen, die sich in ihrer Mutterrolle unglücklich fühlen, brauchen Verständnis und Hilfsangebote. „Regretting Motherhood“ ist kein Zeichen von Versagen, sondern ein Ausdruck von ehrlichen Emotionen, die ernst genommen werden müssen. Die Gesellschaft muss lernen, betroffenen Frauen mit Empathie zu begegnen und sie dabei zu unterstützen, Wege zu finden, die ihnen helfen, mit ihrer Situation umzugehen. Denn nur durch Offenheit und gegenseitiges Verständnis kann ein Klima geschaffen werden, in dem Mütter sich nicht allein gelassen fühlen.


Videos zum Thema

  • Kinder bekommen – ja oder nein? (verfügbar bis 12.12.2027)

Quellen

Wie können wir uns für den Fortschritt wappnen?

Wie können wir uns für den Fortschritt wappnen?

Die Entwicklung neuer Technologien hat sich in der Vergangenheit um ein Vielfaches beschleunigt. Das sorgt nicht nur für Freude, sondern stellt den Menschen auch vor die Herausforderung, mit diesen Errungenschaften Schritt zu halten und umzugehen.

Die Klagen über Schnelllebigkeit, beschleunigte Prozesse und permanente Informationsflüsse werden lauter. Das Gefühl der Überforderung wird häufiger wahrgenommen und sorgt für Unsicherheit. Während früher das Wissen über Bücher transportiert wurde, steht uns heute unfassbar viel Wissen per Mausklick zur Verfügung.
Daraus ergeben sich jedoch weitere Fragen: Vor welchen Herausforderungen werden die Kinder von heute in der Zukunft stehen? Werden wir von der Technik abgehängt, die sich immer schneller weiterentwickelt?

Prof. Harald Lesch beschäftigt sich in der Terra X-Doku „Faszination Universum: Im Bann der Technik“ mit Hinweisen aus der Vergangenheit, die uns einen leichteren Umgang mit zukünftigen Technologie-Entwicklungen ermöglichen können.

Er nimmt den Zuschauer u. a. mit in die Erkenntnisse Alexander von Humboldt, der auf seinen Forschungsreisen nach Mustern und Gesetzmäßigkeiten in der Natur gesucht hat. Ebenso schaut er auf die die Entstehung des Periodensystems oder die Zeit der Industrialisierung. Er zeigt auf, dass frühe Entdeckungen oft zufällig entstanden sind und sie erst durch die Grundlagenforschung wesentlich beschleunigt wurden.

Auch wenn wir heute schon weiter sind, können wir aus der Vergangenheit lernen. Die Bildung muss darauf ausgerichtet werden, die Neugier der Lernenden hochzuhalten und eigenständiges Denken zu fördern. Das reine Faktenwissen in Kombination mit Allgemeinbildung und dem sogenannten „nutzlosen“ Wissen bildet die Basis, um den Fortschritt zu verstehen und mit ihm mitzuhalten. Die Freude am Entdecken, die Lust Fragen zu stellen, Rätsel zu lösen muss gefördert werden, um durch Wissen und eigene Erfahrungen die Welt selbst entdecken zu können.

Mit guter Allgemeinbildung und vielen praktischen Erfahrungen erhöht sich die Vernetzung in unserem Gehirn. Dadurch haben wir die Möglichkeit, Assoziationen herzustellen und Dinge miteinander zu verknüpfen; unsere Stärke ist das vernetzte Denken in Zusammenhängen. Das erhöht unsere Anpassungsfähigkeit und Flexibilität.

Wir Menschen dürfen uns auch von dem Gefühl befreien, immer schneller und vermeintlich immer besser werden zu müssen. Das sollte nur für die Technik gelten, denn diese ist  das Mittel zum Zweck. Wenn wir unser Potenzial nutzen und unsere Denkfähigkeit auszubauen, wird uns die Technik nicht (mehr) abhängen und wir können auch in der unbekannten Zukunft mit dem Fortschritt Schritt halten.

Link zum gesamten Beitrag:

ZDF Mediathek, Terra X Dokureihe: Faszination Universum: Im Bann der Technik (verfügbar bis 07.11.2031)

ARD Mediathek, Terra X „Faszination Universum: Im Bann der Technik“

Weitere interessante Links:

ZDF Mediathek, Terra X Dokureihe: Faszination Universum: Im Labyrinth des Wissens (verfügbar bis 31.10.2031)

ARD Mediathek, Terra X „Faszination Universum: Im Labyrinth des Wissens“

Mein letzter Wille – Warum ein Testament so wichtig ist und was Du beachten solltest

Mein letzter Wille – Warum ein Testament so wichtig ist und was Du beachten solltest

Ein Gastbeitrag der Notarin Eva Christine Weik aus Bochum

„Mich mit meinem Tod zu beschäftigen, macht mir Angst.“, „Ich bin doch noch so jung, da beschäftige ich mich irgendwann mal mit.“ oder „Ich schiebe das jetzt schon ewig vor mir her. Ich muss das unbedingt mal angehen.“

So oder ähnlich geht es vielen meiner Mandanten. Sich mit der Endlichkeit des Lebens zu beschäftigen ist auf den ersten Blick nicht schön. Und doch gibt es häufig ein gutes Gefühl, wenn sie sich dann um ihre Nachfolge gekümmert haben. Denn durch ein Testament kannst Du Deine Wünsche für den Zeitpunkt nach Deinem Tod aktiv gestalten.

Wann ist es sinnvoll ein Testament zu erstellen und wann ist es zwingend erforderlich?

Wenn kein Testament besteht, gilt die gesetzliche Erbfolge. Wenn Dir also die gesetzliche Erbfolge nicht zusagt, musst Du zwingend ein Testament erstellen. Aber wer sind eigentlich die gesetzlichen Erben? Das sind Kinder, Ehegatten, Eltern und Geschwister und auch entferntere Verwandte. Entfernte Verwandte werden durch nahe Verwandte ausgeschlossen (siehe Kasten). Dies ist den meisten bekannt.


Was ist aber, wenn der Erblasser zwar verheiratet ist aber keine Kinder hat? Erbt dann der Ehegatte alles? Die Antwort ist eindeutig nein, auch wenn der Irrglaube, dass in diesem Fall der Ehegatte alles erbt, weit verbreitet ist.

Der Ehegatte erbt gesetzlich neben Verwandten erster Ordnung (Kindern), sofern kein Ehevertrag besteht zu 1/2 Anteil (50%).

Gibt es keine Kinder erbt der Ehegatte ¾ Anteil (75%) neben den Verwandten 2. Ordnung, also Eltern, Geschwister oder Nichten und Neffen. Alles erbt der Ehegatte aufgrund von Gesetzen daher nie! Möchtest Du aber, dass Dein Ehegatte alles erbt, musst Du ein Testament erstellen!

Wie enterbe ich eine Person?

Ein Testament zugunsten einer oder mehrerer Personen schließt automatisch sämtliche anderen Personen von der testamentarischen Einsetzung aus. Hierin liegt eine Enterbung sämtlicher nicht benannter Personen, so dass diese keinerlei Rechte an dem Erbe haben, es sei denn, sie sind pflichtteilsberechtigt (siehe Kasten). Pflichtteilsberechtigt bedeutet aber nicht Erbberechtigt. Pflichtteilsberechtigte haben keinen Anspruch auf einzelne Gegenstände aus der Erbmasse, sondern lediglich Anspruch auf Geldersatz. Die Höhe beträgt 50 % des gesetzlichen Erbanteils. Die Erbmasse muss hierfür bewertet werden. Der Anspruch muss zudem geltend gemacht werden, entsteht also nicht automatisch und verjährt in 3 Jahren ab Erbfall.

Formvarianten des Testamentes

Ein Testament kann eigenhändig (das bedeutet handschriftlich) oder zur Niederschrift bei einem Notar/Notarin erstellt werden.

  1. Beim eigenhändigen Testament ist es wichtig, dass
  2. das gesamte Testament handschriftlich vom Testierenden erstellt wird,
  3. zu erkennen ist, dass es sich um ein Testament handelt,
  4. das Datum enthalten ist und
  5. dass das Testament eigenhändig unterschrieben ist.

Ist das Testament z.B. mit dem Computer erstellt, von einer dritten Person geschrieben oder nicht unterschrieben, ist das Testament formunwirksam und entfaltet so keine Wirkung.

Ein notarielles Testament erfolgt zur Niederschrift bei einem Notar/Notarin. Dieser/Diese bereitet das Testament nach Deinen Wünschen vor. Sodann wird Dir das Testament beim Beurkundungstermin vorgelesen und von Dir und dem Notar/ der Notarin unterschrieben.

Notarielle Testamente werden unverzüglich beim Nachlassgericht hinterlegt und automatisch nach dem Tod durch das Nachlassgericht eröffnet. Dies ist aufgrund der bundesweiten Registrierung von notariellen Testamenten im sog. Testamentsregister möglich. Das Testament kann also auch nicht unauffindbar oder zufällig verschwunden sein, weil es einer erbberechtigten Person nicht gefällt.

Wann macht ein notarielles Testament Sinn und wann reicht ein handschriftliches Testament?

Ein handschriftliches Testament reicht grob betrachtet aus, wenn Du keinen Erbschein benötigst. Das kann dann der Fall sein, wenn kein Immobilienvermögen besteht und Du jemandem bezogen auf Dein Bankvermögen eine Vollmacht über den Tod hinaus gegeben hast.

Zudem solltest Du unbedingt sicherstellen, dass das eigenhändige Testament auch gefunden wird. Eine Hinterlegung beim Amtsgericht ist ebenso wie die Aufbewahrung durch eine vertrauenswürdige Person möglich.

Wenn Du Immobilienvermögen hast, solltest Du dringend über ein notarielles Testament nachdenken. Ohne ein solches ist ein beim Nachlass beantragter Erbschein zur Umschreibung des Eigentums unumgänglich. Dies kostet viel Zeit, Aufwand und Geld.

Das eröffnete notarielle Testament erspart den Erbschein!

Was ist ein Vermächtnis und wie unterscheidet es sich von der Erbeinsetzung

In einem Testament kannst Du neben der Einsetzung von Erben auch einzelne Gegenstände an eine Person vermachen, das nennt sich Vermächtnis. Der Vermächtnisnehmer hat sodann Anspruch auf diesen Gegenstand, ist aber nicht Erbe, also nicht anteilig an der Erbmasse berechtigt und verpflichtet.

Die grundlegenden Entscheidungen für ein Testament und dessen Inhalt sind gar nicht so kompliziert. Häufig reicht ein ganz einfaches Testament aus, um die Menschen zu bedenken, die man bedenken möchte und gleichzeitig die anderen auszuschließen. Das notarielle Testament erspart den Hinterbliebenen einen Aufwand, den viele in einer Trauersituation als belastend empfinden und ebenso finanzielle Mittel.

Also: Handele selbstbestimmt, sorge vor und lass Dich im Zweifel rechtlich beraten!


Die Autorin: Eva Christine Weik, Rechtsanwältin und Notarin

Eva Christine Weik ist seit 2002 Rechtsanwältin und hatte von Anfang an ihren Schwerpunkt im Familien- und Erbrecht, seit 2006 ist sie Fachanwältin für Familienrecht. Sie hat viele Streitfälle erlebt und es liegt ihr am Herzen, diese Streitigkeiten durch entsprechend gestaltete Verträge zu vermeiden. Daher hat sie sich damals entschlossen, ihren Mandant:innen diese Möglichkeit zu bieten und die Ausbildung zur Notarin mit dem Staatsexamen vor einigen Jahren abgeschlossen.

Auf ihrem Instagram-Kanal frau_notar_in veröffentlicht sie immer wieder kleine Videos, mit leichten Erklärungen und einfachen Hinweisen, die ihren Followern ermöglichen, selbstbestimmt vorzusorgen.

Kontaktdaten:

Eva Christine Weik
Rechtsanwältin und Notarin,
Fachanwältin für Familienrecht

Kanzlei Herrmann & Weik
Hattinger Str. 350
44795 Bochum

E-Mail
Tel: 0234 – 45 27 10
Instagram: frau_notar_in

Digitales Erbe – Was passiert mit Deinen Online-Daten nach dem Tod?

Digitales Erbe – Was passiert mit Deinen Online-Daten nach dem Tod?

Das es schwierig werden kann, wenn es bei einem Todesfall kein Testament gibt, ist allgemein bekannt. Doch mit zunehmender Onlinenutzung rückt auch das digitale Erbe immer mehr ins Bewusstsein und sollte frühzeitig mit bedacht werden.

Wir sprechen dabei über die umfangreiche Sammlung der von uns angelegten Online-Konten und die über uns gespeicherten Daten im Internet, die bei den verschiedenen App-, Dienst- und Shopanbietern liegen. Vom Nutzungsverhalten bis zu Warenkörben, von Merk- bzw. Wunschlisten bis unbefristet weiterlaufende Abonnements, im Todesfall bleibt alles gespeichert und die regelmäßigen Gebühren laufen weiter auf, obwohl kein Account/Konto mehr genutzt wird.

Einige Abonnements lassen sich nur online kündigen. Nur sind dafür die hinterlegten Zugangsdaten erforderlich. Ebenso gibt es Konten, auf die nur der Zugriff mit „bekannten“ Geräten möglich ist, zum Beispiel beim Onlinebanking. Sind die Daten zum Entsperren nicht bekannt, ist es fast unmöglich, diese Konten zu verwalten, aufzulösen oder zu löschen.

So passiert es, dass beispielsweise auf Facebook noch Profile aktiv sind, doch die Inhaber bereits verstorben sind. Das Problem: keiner der Erben hat die Zugangsdaten für das Konto. Weiterhin werden Freundschaftsanfragen gestellt, alte Beiträge können kommentiert und geteilt werden. In einigen Social-Media-Kanälen können von Dir Personen benannt werden, die bei längerer Inaktivität Zugriff auf das Profil bekommen und entsprechend Deinem Wunsch agieren können.

Eine grobe (und nicht vollständige) Übersicht möglicher digitaler „Hinterlassenschaften“:

  • Accounts in Social-Media-Kanälen, wie Facebook, Instagram, TikTok, LinkedIn usw.
  • Online-Konten bei Banken und Finanzdienstleitern (z. B. PayPal, Klarna …)
  • Shopping – Händler bzw. Versandhandel (z. B. Ebay, Amazon, Otto, Zalando, Bekleidung, Baumärkte)
  • Abonnements und Streamingdienste (z. B. E-Paper + Zeitschriften, Netflix, Amazon Prime …)
  • Software- und Cloud-Dienste, wie z. B. Microsoft, Apple, Skype, Google …
  • E-Mail-Accounts und Website-Hosting
  • Weiterbildungsangebote (z. B. VHS, Podcasts …)
  • Hardware-Zugänge für Handys, Tablets, PCs …
  • Messenger-Daten, wie Whatsapp, Signal, Telegram, Threema …

Was ist zu tun?

Wenn Du Deine Angelegenheiten, zum Beispiel mit einer Vorsorgevollmacht, frühzeitig regelst, solltest Du auch an Deinen digitalen Nachlass denken.

Erstelle eine Liste mit allen Zugangsdaten, Kennwörtern, Nutzernamen und schreibe direkt dazu, was mit den dortigen Daten passieren soll. Hier ist ein Vordruck dazu. Vielleicht nutzt Du die Gelegenheit zum Ausmisten. Lösche die Konten, die Du schon lange nicht mehr genutzt hast und die nicht mehr gebraucht werden.

Benenne eine oder mehrere Personen, die sich im Todesfall darum kümmern sollen und besprich das mit ihnen. Stelle dazu eine Vollmacht aus. Im besten Fall hinterlegst Du die Personen samt Aufgabe namentlich in der Vorsorgevollmacht und in Deinem Testament.

Bewahre die Liste an einem geschützten Ort auf, wie z. B. im Bankschließfach, Tresor o.ä. und gib diese Information an Deine Vertrauensperson weiter. Ermögliche der Person den Zugang zur Liste, indem Du beispielsweise bei der Bank den Zugriff auf das Schließfach in Deinem Todesfall hinterlegst.

Bitte denke daran, die Liste immer wieder auf den aktuellen Stand zu bringen

Lass uns gern einen Kommentar hier, wenn Du bereits Erfahrung gesammelt hast, die Du mit unseren Leser:innen teilen möchtest 😊.

Weiterführende Links:

beta Institut gemeinnützige GmbH
Artikel: Digitaler Nachlass und digitale Vorsorge vom 24.11.2023
PDF-Datei: Vordruck Zusatzformular: Digitale Daten und Konten
Artikel: Vorsorgevollmacht > Sonderformen vom 28.09.2023

Verbraucherzentrale Artikel vom 10.04.2024: So regeln Sie Ihren digitalen Nachlass

Verbraucherzentrale PDF-Datei: Checkliste: Worauf ist bei Online-Anbietern zum digitalen Nachlass zu achten?  

Verbraucherzentrale PDF-Datei: Musterliste über digitale Konten

Verbraucherzentrale PDF-Datei: Muster-Vollmacht für digitale Konten

Beitrag der Schleswig-Holsteinischen Notarkammer auf ratgeber-notar.de: Den „digitalen Nachlass“ regeln vom 12.12.2022