Fürs Leben lernen – in der Schule?

Fürs Leben lernen – in der Schule?

Machen die Schule oder der Sport wirklich fit für das Leben? Sind die Jahre der Jugend (also quasi die Ausbildungszeit) wirklich darauf ausgelegt, junge Menschen auf die Realität im Alltag vorzubereiten? Was hilft den Lernenden in der Vorbereitung auf das Leben, welche Fächer machen Sinn? Gibt es alternative Konzepte? Und wenn ja, wie erfolgreich ist die Umsetzung und wo sind die (politischen) Grenzen des Lernens durch die Lehrpläne festgelegt?

Das Bildungssystem steht immer wieder in der Kritik. Ob das schlechte Abschneiden in der Pisa-Studie, Aussagen von Unternehmen, die über den unzureichenden Wissensstand der Auszubildenden klagen oder von Abiturienten, die nicht wissen, welchen Studiengang sie aus der unübersichtlichen Fülle auswählen sollen, um einen „Treffer“ zu landen. Doch das ist schon das Ende der Schulzeit, wie sieht es vorher aus?

Selbst 14-jährigen Schülern ist klar, dass sie vieles nicht wissen, wenn sie später mit der Schule fertig sind. Die Herausforderung der Wäschesortierung und der Bedienung der Waschmaschine, die Verwaltung der eigenen Finanzen oder allgemeine Kenntnisse zu (notwendigen) Versicherungen – alles Themen, die im Unterricht kaum vermittelt werden. Im WDR Beitrag „Lernen fürs Leben: Diese Schule unterrichtet in Haushalt, Handwerk & Kochen | neuneinhalb | WDR“ verneinen junge Menschen die Frage, ob sie sich für das Leben gut gerüstet fühlen.

Fragt man junge Sportler:innen danach, werden positive Lernerfahrungen genannt, wie Disziplin, Teamgeist, Durchhaltevermögen, die Freude am Gewinnen und das Aufstehen, wenn man verloren hat. Das sind durchaus wichtige Aspekte, die zukünftig sicher helfen werden. Doch was ist mit praktischen Dingen, wie selbst Kochen, Schränke zusammenbauen, Tapezieren und Gärtnern? Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Das Gymnasium in Würselen hat in einem Workshop mit Eltern, Schülern und Lehrkräften eine Lösung erarbeitet und das Lehrfach „Fit for Life“ etabliert. Ein Fach, das bei den Jugendlichen sehr gut ankommt.

Am Gymnasium Mainz-Mombach ist alles anders. Die Schule gibt es seit 2023 und Klassenzimmer sucht man hier vergeblich. Es sieht eher wie in einem Start-Up-Bereich aus, in dem es viele Einzel-Arbeitsplätze nebeneinander und anders gestaltete Räume gibt. Die Schüler lernen selbstständig und wählen selbst, was sie lernen möchten. Anhand verschiedener Themen wird der Lernstoff fächerübergreifend in Projektarbeiten vermittelt. Die Pausen können selbst gewählt und an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Die Regel ist: Wer eine Pause braucht, verlässt den Arbeitsplatz und sucht andere Räumlichkeiten auf. Das Schöne ist, dass auch Kinder, die in einem klassischen Schulsystem untergehen würden, sich in diesem Konzept gut integrieren können und sich wohlfühlen.

Im themenorientierten Lernen (TOL), werden verschiedene Kompetenzen erarbeitet, die für das Leben nach der Schule hilfreich sind. Soziale Interaktion in der Gruppenarbeit, Kreativität und die Orientierung an den Timelines bilden ein kurzweiliges „Programm“, in dem das Lernen leichter fällt als im Frontalunterricht. An dieser Schule hat sich das Lehrerkollegium überlegt, wie sie den Lernstoff vermitteln wollen. Diese Freiheiten gibt es im Lehrplan, sie erfordern aber auch ein hohes Maß an Engagement der Lehrenden. In der Vorbereitung war es sehr überraschend, dass sich fast alle Fächer aus dem Lehrplan in den TOLs abbilden lassen. Der SWR hat die 5. Klasse ein Jahr begleitet. Der Anfang war ein bisschen holprig, der Umgang mit selbstorganisiertem Lernen war für viele Schüler:innen durchaus fordernd. Doch nach der Eingewöhnung waren alle begeistert. Sogar für die Lehrer war es bereichernd zu sehen, was sich in einem Jahr bewegt hat und wie sie jungen Menschen helfen konnten, selbstverantwortlich aktiv zu sein. Der SWR-Beitrag „Schule in Deutschland: Dieses Gymnasium macht alles anders | Doku“ macht diese Entwicklung sichtbar.

Ein etwas anderes Konzept gibt es in der Goethe-Realschule Plus in Koblenz. An vier Tagen gibt es den „normalen“ Unterricht – und dann ist da der FreiDay. Der wird auch in der Schule verbracht, aber die Schüler:innen arbeiten an eigenen Projekten. Das Oberthema ist je Klasse und Halbjahr vorgegeben, die Ausführung ist dann Schülersache. Hier findet sich das fachübergreifende Lernen wieder. Positiv aufgefallen ist, dass Kompetenzen der Lernenden sichtbar werden, die ohne die Projektarbeit nicht aufgefallen wären. Diese Erkenntnis und noch weitere Einblicke in unterschiedliche Schulkonzepte in Rheinland-Pfalz gibt es im SWR-Beitrag „Die 4-Tage-Schule: Wie der FreiDay alles verändert | Doku“.

Wenn sich diese Konzepte erfolgreich weiterentwickeln, hat die Politik wohl kaum eine andere Möglichkeit, als die Lehrpläne und Freiräume für Schulen anzupassen, um solche innovativen Lernkonzepte ermöglichen. Deutlich wird jedenfalls, dass Lernen leichter fällt und noch Spaß macht. So wird Wissen vermittelt, das junge Menschen auf ein nachhaltigeres und selbstbestimmtes Leben vorbereitet – und das wirkt sich auf die berufliche und private Zukunft sicherlich positiv aus.

Wie siehst Du das? Welche Schulkonzepte sind Dir schon begegnet? Lass uns gern einen Kommentar da 😊.

Linkübersicht und weiterer Beitrag

SWR Aktuell auf Youtube: Schule in Deutschland: Dieses Gymnasium macht alles anders | Doku

WDR auf Youtube: Lernen fürs Leben: Diese Schule unterrichtet in Haushalt, Handwerk & Kochen | neuneinhalb | WDR

SWR auf Youtube „Die 4-Tage-Schule: Wie der FreiDay alles verändert | Doku

ARD Alpha Mediathek – Tagesgespräch: Joggen, Tanzen, Fußballspielen: Was kann man vom Sport fürs Leben lernen? (verfügbar bis 18.09.2030)

Schwelgen oder Bedauern? – Erinnerungen, die nicht wiederkommen!

Schwelgen oder Bedauern? – Erinnerungen, die nicht wiederkommen!

Irgendwie sitze ich vor dem Fernseher und zappe während einer Werbepause durch die Programme. Zack – ein Telefonbuch groß im Bild. Erinnerungen werden wach. Ich stehe in einer gelben (!) Telefonzelle, es riecht, wie es damals in allen Telefonzellen gerochen hat: Nach Papier, abgestandener Luft, nach Hundepipi und nach etwas Privatsphäre trotz der Straßenecke. Die Münzen zurechtgelegt, fehlt nur noch die Telefonnummer. Hm, das richtige der aufgehängten Telefonbücher nach oben klappen und den Namen suchen. Sofern die richtige Seite zur Abwechslung mal nicht fehlte, den Hörer nehmen, aufs Freizeichen warten, Münzen einwerfen und jede einzelne Zahl (meist ohne Vorwahl) drehen und dem Geräusch lauschen. Chillig, wenn ich heute so darüber nachdenke. Nicht so charmant, wenn die Schlange vor der Privatsphäre zu groß wurde.

Ich bleibe an der Sendung hängen. Vergessen ist der Blockbuster. Lieber schwelge in Dingen, die es irgendwie nur selten oder gar nicht mehr gibt. Teilweise witzig, teilweise schade – und bei einigen Produkten ist das „Vorbei“ tatsächlich das Beste. Beispiel gefällig? Die radioaktive Zahnpasta. War wohl ein Verkaufsschlager, aber dankenswerterweise vor meiner Zeit.

Die Dokuserie des ZDF „Das war dann mal weg“ macht einfach gute Laune. Bekannte Gesichter wie Michael Kessler, Florian Martens, Rhea Harder-Vennewald, Jessica Ginkel oder Anneke-Kim Sarnau, teilen bereitwillig ihre Erfahrungen – sehr kurzweilig.

In den 14 Folgen kann ich gut schwelgen. Ich sehe einen Tankwart und denke „Ja, so war das.“ Der freundliche Mensch an der Tankstelle war gelebter Service. Er sorgte nicht nur dafür, dass der Tank wieder befüllt und die Fahrt reibungslos fortgesetzt werden konnte. Er kümmerte sich zudem um saubere Scheiben und prüfte den Ölstand.

Und plötzlich war sie wieder da, die Aufregung. Der Geruch von klebrigen Flaschen und die Jagd nach der Dichtung in den Deckeln. Knibbelbilder, ein längst in Vergessenheit geratenes Highlight meiner Kindheit, verbunden mit dem Ziel, die Serie endlich zu vervollständigen.

Das Schwelgen überwiegt, auch wenn ich dem allseits beliebten Mettigel etwas hinterher weinen muss. Der Muckefuck reißt es wieder raus und erinnert mich an meine Konfirmandenfreizeit und das Frühstück in Jugendherbergen. Froh bin ich, dass mir der wohl unbeliebte Lebertran nur in Büchern und nicht auf einem Löffel im Mund begegnet ist.

Als es um runde Werbeflächen geht, sehe ich mich mit meiner Schwester nachts im Winter vor der weiß beklebten Litfaßsäule stehen. Mit Sprühdosen, einer Leiter und einer laufenden Videokamera „bewaffnet“, wurde der Glückwunsch zur Silberhochzeit unserer Eltern auf die Fläche gebracht, die im direkten Blickfeld vom Elternschlafzimmer lag. Auch vorbeikommende Hundebesitzer sind geringfügig irritiert, warum wir unser vermutlich illegales Tun mit einem Scheinwerfer beleuchten, aber na ja, wer’s bezahlt, darf‘s auch besprühen 😊.

Vom HB-Männchen über den Melitta-Mann (Egon Wellenbrink) bis zur Klementine, die von Johanna König dargestellt wurde und für Ariel geworben hat. „Hallo Herr Kaiser“ darf dabei natürlich auch nicht fehlen. Ob Dauerwellen, Poesiealbum, Rollschuhe, CB-Funk oder Kegelabende, die kleinen Ausflüge in die Vergangenheit sind gespickt mit wissenswerten Details und machen Lust auf mehr. Jetzt hoffe ich sehr, dass es weitere Folgen in einer zweiten Staffel geben wird.

Taucht bei Dir auch eine Erinnerung auf – und wenn ja, lässt sie Dich schwelgen oder bedauern?

Herzlichst

Helga

Link zur ZDF Dokuserie „Das war dann mal weg“

Uma Thurman – zerbrechlich, stark und engagiert

Uma Thurman – zerbrechlich, stark und engagiert

Taff kommt sie im Film rüber – viele kennen die beiden Tarantino-Filme Kill Bill Vol. 1 und Vol. 2. Es ist bewundernswert, wie sie sich nicht unterkriegen lässt und immer wieder aufsteht. „Die Braut triumphiert immer“, bringt Cat Thomas, Kostümbildnerin der Filme, die Story auf den Punkt. Eine Frau, die allen Widerständen trotzt, ihren „Mann“ steht und am Ende gewinnt.

Doch wie so oft in Hollywood trügt der Schein – und schöne Kulissen verbergen die bittere Wahrheit, in der Männer ihre Macht demonstrieren, ausleben und leider auch missbrauchen.

Bewegtes Leben

Uma Thurman, geboren 1970, ist die Tochter von Robert Thurman, einem buddhistischen Gelehrten und dem ehemaligen Model Nena von Schlebrügge. Sie haderte in der Schulzeit mit ihrem Aussehen, ihrer Größe und dem ungewöhnlichen Elternhaus, indem auch der Dalei Lama regelmäßig zu Gast war. Sie stand oft abseits und tat sich bei dem Aufsatz im Religionsunterreicht mit der Frage „Wer bin ich?“ sehr schwer. Erst im Schultheater stellte sie fest, dass sie mit der Darstellung anderer Rollen deutlich besser umgehen konnte als mit der Frage nach ihrem eigenen Sein.

In die Öffentlichkeit trat sie bereits mit 15 Jahren. Sie war das Titelbild der Vogue und trat damit in die Fußstapfen ihrer Mutter. Dennoch gefiel ihr das Mindset der Branche nicht – sinngemäß: Kauf mehr Zeug, damit Du besser aussiehst und Männer Dich lieben werden.

Die Schauspielerin

Zwei Jahre später begann ihre Karriere als Schauspielerin. Ihr Bekanntheitsgrad stieg durch eine ihrer ersten Filmrollen in „Henry & June“ (1990). Ihre Darstellung von June Miller wurde mit einer Oscar- und Golden Globe-Nominierung belohnt. Den internationalen Durchbruch erzielte sie als Mia Wallace in Quentin Tarantinos „Pulp Fiction“ als selbstzerstörerische Gangsterbraut (1994).

Es folgten weitere Filme, bis sie beim Dreh zu „Gattaca“ von Andrew Niccol (1997) Ethan Hawke kennen und lieben lernt. Die beiden heiraten und bekamen 1998 eine Tochter. Die Mutterrolle fordert und beflügelt Uma Thurman und sie sieht ihre Herausforderung in der Darstellung der Debbie Miller im Film „Hysterical Blindness“ von Regisseurin Mira Nair. Sie überzeugte mit der Rolle und wurde 2003 mit dem Golden Globe Award in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin – Mini-Serie oder TV-Film ausgezeichnet.

Regisseur Tarantino wollte mit ihr drehen und bereits 3 Monate nach der Geburt ihres Sohnes 2002 begann das Training und die Arbeit an „Kill Bill“ unter dem Produzenten Harvey Weinstein, DEM bekannten Giganten der Filmindustrie. Das Training war intensiv und sie musste nach der Schwangerschaft erst wieder in Form kommen. Nachdem klar war, dass es keinen hautengen sexy Jumpsuit geben würde, denn das gab es schon vielfach, sollte die Figur mit dem Kostüm etwas Starkes bekommen, das die Geschlechterrollen aufbrechen würde. Der gelbe Anzug, wurde so konzipiert, dass sie schnell raus- bzw. reinschlüpfen konnte, damit sie sie ihren Sohn weiterhin stillen und danach direkt weiterdrehen konnte.

Das Machtgefälle in der Unterhaltungsindustrie

„Vor der Kamera ist Uma Thurman die schlagfertige Frau, die es mit jedem aufnimmt. Hinter den Kulissen war Tarantino ziemlich grob zu ihr.“, so Filmkritikerin Violet Lucca. „Für eine Szene spuckte er ihr ins Gesicht, er traute Uma nicht zu, es von alleine richtig zu machen. Er hat sie oft mit einer Kette gewürgt, während der großen Schlacht mit Gogo – und immer wieder beschimpft: ‚Mach’s besser!‘, ‚Mach’s besser!‘“. Kostümbildnerin Cat Thomas erklärt: „Quentin ist ein Perfektionist. Der Tag ist für ihn erst zu Ende, wenn er das bekommen hat, was er will. Er versteht es, die richtigen Knöpfe bei seinen Schauspielern zu drücken und sie dazu zu bringen, sich unwohl zu fühlen.“

Tarantino zwingt Uma, in einer Szene mit 60 km/h durch den Dschungel zu rasen, damit ihre Haare im Wind wehen. Sie kommt ins Schleudern und hat einen Unfall, bei dem sie eine Gehirnerschütterung und bleibende Schäden an Nacken und Knien erleidet. Die Aufnahmen des Unfalls sollten nie an die Öffentlichkeit gelangen – und den Produzenten, darunter Harvey Weinstein, gelingt das immerhin 15 Jahre lang, bis 2018.

#metoo

„Er hat viele Filme und Filmemacher groß herausgebracht,“ sagt Cat Thomas, “und es ist schlimm, wenn sich Menschen, die Gutes tun, als Monster entpuppen.“ Im Oktober 2017 erheben mehrere Frauen bei der New York Times schwere Vorwürfe gegen den Produzenten – wegen jahrzehntelanger sexueller Belästigung, Nötigung und Vergewaltigung. Uma Thurman postet einen #metoo-Beitrag, der an Weinstein gerichtet ist und erklärt am Ende: „[…] Ich warte, bis ich weniger wütend bin. Und wenn ich so weit bin, werde ich sagen, was ich zu sagen habe.“ Im Februar 2018 hat sie ihre Wut im Griff und bricht ihr Schweigen in einem Interview mit der New York Times. Sie berichtet über zwei sexuelle Übergriffe, die sie durch ihn erleben musste. Im weiteren Verlauf des Interviews wird das Machtgefälle innerhalb der Unterhaltungsbranche sichtbar. Sie erklärt, dass sie während der Dreharbeiten zu „Kill Bill“ von Tarantino mehrfach beschimpft und gefährdet wurde und dauerhafte Verletzungen davongetragen hat.

Ihr Statement und Engagement

Unbeirrt von Drohungen geht sie ihren Weg, um die Ungerechtigkeit und die Doppelmoral der Filmindustrie gegenüber Frauen ans Licht zu bringen. Jede Frau soll über ihren Körper und ihre Zukunft selbstbestimmt verfügen können, daher zeigt ihre starke Stimme Missstände auf und setzt sich für ihre Kolleginnen ein.

Als der Texas Heartbeat Act am 01.09.2021 in Kraft tritt, protestieren Frauen im ganzen Land. Das Gesetz verbietet Abtreibungen ab der 6. Schwangerschaftswoche und ermöglicht Privatpersonen zu klagen, gegen jeden, der eine Abtreibung durchführt oder dabei behilflich ist. Auch Vergewaltigungstatbestände ändern daran nichts. Sollte die Klage erfolgreich sein, erhalten die Kläger mindestens 10.000 US-Dollar „Belohnung“!

Uma Thurman unterstützt die entrüsteten Frauen mit den Worten: „An alle Frauen und Mädchen in Texas, die Angst davor haben, traumatisiert und von räuberischen Kopfgeldjägern gejagt zu werden, an alle Frauen, die darüber empört sind, dass der Staat uns unsere Körperrechte nimmt, und an alle, die verletzlich sind und Schande erleiden müssen, weil sie eine Gebärmutter haben, sage ich: Ich sehe Euch. Habt Mut. Ihr seid wunderschön. Ihr erinnert mich, an meine Töchter.“
Ihre Stellungnahme wird von vielen Medien aufgegriffen. Sie nutzt ihre Reichweite, um auf die emotionale und psychische Not der texanischen Frauen aufmerksam zu machen und das System anzuprangern, dass Frauen Körperautonomie und Würde abspricht.

Seit der Geburt ihrer Tochter engagiert sie sich bei Room to Grow als Markenbotschafterin und nationales Vorstandsmitglied. Die Organisation hilft Familien und Kindern in Armut und setzt sich für Chancengleichheit ein. Sie hat einen Sitz im Kuratorium von Tibet House US , eine Organisation, die sich für die Bewahrung der tibetischen Kultur und die Unterstützung tibetischer Frauen und Familien einsetzt, insbesondere in Bezug auf Bildung und Gesundheitsversorgung. 

Sie besucht Veranstaltungen der Human Rights Campaign (HRC), eine der größten und einflussreichsten LGBTQ+-Rechteorganisationen der USA, um Gleichberechtigung, Anti-Diskriminierungsgesetze und soziale Akzeptanz zu fördern.

Hinweis in eigener Sache

Wir konnten hier nur einen kleinen Spot auf ihre Karriere und ihr Wirken und Engagement werfen. Ihre familiären Verhältnisse haben wir weniger in den Fokus gestellt. Ihr Leben und Wirken lassen sich aber in den aufgeführten Verlinkungen gut nachvollziehen, wenn Du Dich für Uma interessierst. 

Weitere Verlinkungen:

Youtube: Portrait Uma Thurman – Die stille Kämpferin Hollywoods (2024) inklusive Instagram @umathurman Unveröffentlichtes Material: Kill Bill – Volume 2, Regie: Quentin Tarantino, 2004  

Deutschlandfunk: Auch Uma Thurman wirft Weinstein sexuelle Belästigung vor (vom 05.02.2018)  

NBC News: Uma Thurman posts #MeToo message to Harvey Weinstein on Instagram (vom 24.11.2017) 

Wikipedia Eintrag Uma Thurman    

Instagram: Uma Thurman 

Arte – Kultur über Kopf: Flick Flack – Wenn Frauen zurückschlagen (verfügbar bis 26.07.2028)

Wenn Frauen zurückschlagen

Wenn Frauen zurückschlagen

Bei meinen Recherchen zu Uma Thurman, bin ich auf einen Arte Beitrag – oder eher eine ganze Serie von Mini-Dokumentationen – gestoßen. Die komprimierten Informationsbeiträge haben mich begeistert. Nur 5 min lang und sehr kurzweilig, informativ und witzig. Ehe ich mich versah, hatte ich mir drei Dokus angesehen, bevor ich mich wieder dem Schreiben zuwenden konnte 😊.

So landete ich bei Arte und der Doku-Serie „Flick Flack – Kultur über Kopf“ und zu meiner Suche wurde mir „Wenn Frauen zurückschlagen“ angezeigt. Inhaltlich geht es um Frauen, die für sich einstehen und sich verteidigen – auf der Leinwand. Diese Bilder sind in den letzten Jahrzehnten löblicherweise mehr geworden. Während es vorher nur den „sanften Weg“ in der weiblichen Darstellung gab, hat sich das mittlerweile deutlich gewandelt. Dennoch ist ein Unterschied erkennbar, ob die Filme von Männern gedreht werden oder ob Feministinnen Regie führen, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen und den „Male Gaze“ – den männlichen Blick – außen vorlassen.
Historisch betrachtet sind Gewaltakte von Frauen eine Reaktion auf ihre Unterdrückung. Die Suffragetten, die für das Wahlrecht der Frauen kämpften, wehrten sich u. a. mit Bomben. Diese Erkenntnis führt zu der Fragestellung, ob es sinnvoll sein könnte, Männern Angst zu machen. Virginie Despentes, Schriftstellerin, Regisseurin und Feministin, hat es so formuliert: „Doch an dem Tag, an dem die Männer Angst haben müssen, dass ihr Schwanz mit einem Cutter zerfetzt wird, wenn sie versuchen, einer Frau Gewalt anzutun, werden sie plötzlich ihre ‚männlichen Triebe‘ besser beherrschen können.“

Und da Uma Thurman in diesem Beitrag nur eine „Randerscheinung“ ist, werde ich ihr Thema später aufgreifen. In der Zwischenzeit möchte ich Dir die Doku-Serie von Arte „Flick Flack – Kultur über Kopf“ ans Herz legen. Mich haben die Informationsvielfalt und -dichte, die interessanten Perspektiven und die Würze der Kürze richtig begeistert. Daher habe ich Dir hier eine kleine Auswahl zusammengestellt.

„Diven – göttlich kapriziös“ stellt kurzweilig fest, dass Hildegard von Bingen unwissentlich die erste Diva (lat. Göttin) war, da ihre Stimme als göttlich galt. Doch der Begriff bekam im Laufe der Zeit einen sexistischen Beigeschmack. Zudem verschwand die männliche Form der Diva „Divo“ aus dem Sprachgebrauch und weibliche Diven galten als launenhaft und gefährlich. Der Begriff wurde immer negativer besetzt, so dass es in den 90-ern zu einer Umkehrung kam und die Bezeichnung „Diva“ zur positiven Selbstaneignung genutzt wurde. (verfügbar bis zum 26.07.2028)

„Michèle Lamy: Im Ringkampf gegen Konventionen“ – die Französin ist eine Königin der Popkultur und hat es geschafft, das Schönheitsideal auf den Mond zu schießen. (verfügbar bis zum 26.07.2028)

Der Frage „Ist Feminismus Science Fiction?“ geht dieser Beitrag nach. „Science-Fiction ist das Erzählen von „Was wäre wenn“: Was wäre, wenn alle Männer an einem Virus sterben würden und nur Frauen überleben würden? Was wäre, wenn organische Roboter mit Venusmenschen von einem anderen Planeten EINS wären? Was wäre, wenn die Gesellschaft für alle gleich wäre? Die SF ist keineswegs ein fiktionales Genre, das nur für Jungen interessant ist, sondern im Gegenteil ein mächtiges feministisches Werkzeug, das Autorinnen seit Jahrhunderten dazu dient, den realen Sexismus zu hinterfragen.“ (Quelle Arte) (verfügbar bis zum 11.09.2029)

In „Wendy Carlos: Elektro für alle“ erfährst Du, wie die erste Frau ein ganzes Album mit elektronischer Musik selbstständig komponiert, produziert und herausgebracht hat. Und das in den 70er Jahren und einer Männerdomäne. (verfügbar bis zum 31.07.2028)

In „Frauen zeigen Größe“ geht es um die Perspektive und das Körpergefühl mit der eigenen Körpergröße. Das Größe für Frauen herausfordernd sein kann, Hollywood nicht damit klarkommt, dass Schauspieler kleiner als Schauspielerinnen sein können und wie andere Weltsichten möglich sind, wird sehr charmant aufgezeigt. (verfügbar bis zum 18.09.2029)

Es gibt noch so viele Folgen mit unterschiedlichen Themen, so dass ich mir noch einige davon anschauen werde. Hast Du auch mal reingeschaut? Was meinst Du? Schreib mir gern einen Kommentar 😊.

Deine Helga

Verlinkungen

Arte – Kultur über Kopf: „Wenn Frauen zurückschlagen“ (verfügbar bis zum 26.07.2028)

Hintergrund zur Doku-Serie: Flick Flack | Kultur über Kopf

„Flick Flack – ist ein Kulturphänomen, ein Trend, ein Porträt … locker und witzig, aufgedröselt in 4 Minuten. Flick Flack will neugierig machen und unterhalten und gleichzeitig eine prägende Geschichte aus der Vergangenheit oder unserer Gegenwart erzählen. Über die Aktualität hinaus, interessiert sich Flick Flack für bleibende Ereignisse, große Paukenschläge und Verblüffendes aus verschiedensten Genres: Kino, Musik, Bildende Kunst, Bühne, Architektur, Design, Literatur… Kultur bei ARTE: unterhaltsam und zugänglich.“ (Quelle: Arte)

Hier findest Du alle Videos der Reihe „Flick Flack“ auf Arte TV

Arte Youtube Kanal  

Hass – wie kann man sich davon lösen?

Hass – wie kann man sich davon lösen?

Hass begegnet uns täglich: in sozialen Medien, auf der Straße, manchmal sogar im eigenen Umfeld. Er polarisiert, spaltet und hinterlässt Spuren – bei denen, die ihn verbreiten, und bei denen, die ihn erleben. Doch woher kommt dieser Hass? Warum scheint er in unserer Gesellschaft immer mehr Raum einzunehmen?

In der SWR Dokumentation „Tobi Krell – Wege aus dem Hass“ macht sich Fernsehreporter und -redakteur Tobi Krell auf den Weg, um der Entstehung von Hass auf den Grund zu gehen – und um Wege aufzuzeigen, wie man aus der Hassspirale aussteigen kann.

Er trifft Dominik Aigner, einen Kinderpsychologen, der sagt, dass Kinder noch nicht hassen können. Hass ist komplizierter als nur das Gefühl. Neben Affekten wie Wut, Zorn, Aggressivität und anderen Gemütszuständen passieren Dinge im Gehirn, die sich aber erst in der Pubertät entwickeln. Es ist eine Art Strategie, die eigenen unangenehmen Gefühle zu verarbeiten.

Hass kann Leben zerstören und die Menschen in der Doku wissen das. Lauren aus Toronto, die heute Menschen hilft, die aus der rechten Szene aussteigen wollen. Adnan, einen Stadtführer in Sarajewo, der Touristen die Geschichte des Bosnienkriegs nahebringt und ihn als Soldat erlebt hat. Und Any in Mexiko, die sich ihren schlimmen Kindheitserinnerungen gestellt hat und heute mit ihrer Tochter einen liebevollen Umgang hat. Sie alle machen sich für Aufklärung stark, indem sie ihre Geschichte teilen. Wie sie in den Hass reingerutscht, aber vor allem wie sie wieder herausgekommen sind.

Lauren, Mitte 30, Kanada

Lauren ist als Teenagerin in die Neonazi-Szene gekommen und hat viel Mist gebaut. Als ihr Vater, ihr bester Freund, unerwartet starb, zog sie sich zurück. Sie wusste nicht, wie sie mit ihrer Wut umgehen sollte. Die rechte Szene bot ihr ein Gefühl der Gemeinschaft, Verbindung und Zugehörigkeit. Menschen sind soziale Wesen, sie brauchen Gruppen für Sicherheit und Identität.

Sie wurde von ihren eigenen Leuten krankenhausreif getreten und erst da wird ihr bewusst, dass das keine Gemeinschaft ist. Um aus dem eigenen Hass aussteigen zu können, muss man eine andere emotionale „Heimat“ sehen. Lauren findet den Mut, wieder zu ihrer Familie zurückzukehren und stößt dabei auf offene Türen. Ihre Mutter hat erkannt, wie schnell der Hass eine Familie zerstören kann. Heute hilft sie Familien, die so hilflos sind, wie sie es damals auch war.

Adnan, Anfang 50, Sarajevo

Bosnien ist ein Vielvölkerstaat mit Bosniaken, Serben und Kroaten, die viele Jahre friedlich miteinander gelebt haben. In den 90-ern zerfiel Jugoslawien und aus ehemaligen Nachbarn wurden Feinde. Der Hass der Menschen ist bis heute geblieben, auch wenn der Krieg bereits seit 30 Jahren vorbei ist. Adnan wurde mit 19 Jahren Soldat und erlebte die Jahre der Belagerung von Sarajevo. Er wusste nicht, was es heißt Soldat zu sein, aber statt durch die Straßen zu ziehen und in Clubs zu tanzen, stand er mit einer Kalaschnikow an der Front – mit dem Auftrag, die Feinde zu töten. „Im Krieg versuchen sie, Dich in eine Gruppe zu zwängen und alle anderen sind Feinde, legitime Ziele. Das ist Nationalismus.“

Wenn man Teil einer Gruppe ist, werden Vorstellungen, Ideale und Werte oft automatisch übernommen und selten hinterfragt. Das befeuert Vorurteile und Hass. Dennoch – mit Empathie lassen sich diese Vorurteile und der Hass „überschreiben“. Dafür braucht es echte Begegnungen und Gespräche. Nach dem Krieg hat er sich ins Auto gesetzt und ist über die Brücke nach Serbien gefahren. Dort hat er gemerkt, die Serben sind nicht alle böse. Es sind Menschen wie er, genauso traurig, verletzt und von der Politik ausgenutzt. Doch viele halten an ihrem Hass fest und vererben ihn ihre Kinder.

Das weiß auch Oha Maslo. Er ist Musiker und versucht die Menschen auf kulturellem Weg miteinander zu verbinden. Er hat in Mostar eine Musikschule für Kinder und Jugendliche gegründet. Dort sind alle Nationalitäten willkommen – von beiden Seiten des Flusses, aus unterschiedlichen Familien und Glaubensrichtungen.

Any, Mitte 30, Mexiko

Gewalt ist in Mexiko ein großes Problem. Any wohnt nahe der Grenze zu den USA. Sie spricht aus eigener Erfahrung, wenn sie sagt, dass Menschen, die Gewalt erleben, selbst wütend und aggressiv werden. „Hass ist wie ein Virus, der an andere Menschen weitergegeben wird.“ Sie wurde auch mit dem „Virus“ infiziert. Any hat keine schönen Erinnerungen an Ihre Kindheit, die von Gewalt und Ablehnung geprägt war. Als sie mit 20 Mutter wurde, liebte sie ihre Tochter. Aber mit der neuen Aufgabe kamen ihre eigenen Traumata zurück. Sie brach zusammen und musste ihre Tochter zu ihrer Mutter geben.

Any fand den Weg zu ESPERE – der Schule der Vergebung und Versöhnung. Diese Schulen gibt es in ganz Mexiko und sie verzeichnen große Erfolge. Dort wird gelehrt, das Geschehene als ein Teil der eigenen Geschichte zu akzeptieren. Sie hat gelernt, mit dem Schmerz und ihren Verletzungen umzugehen. Ihre Tochter lebt seitdem wieder bei ihr. Any hat es geschafft, die Spirale des Hasses zu durchbrechen und dem „Virus“ der Gewalt Einhalt geboten.

Fazit

Mut macht der Gedanke, dass sich die Strategie „Hass“ wieder verlernen lässt. Durch Menschen, wie Any, Lauren, Adnan und die vielen Frauen und Männer, die einen anderen Umgang mit ihren Mitmenschen wählen und damit andere Menschen „anstecken“.

Wie wir finden, eine sehenswerte Dokumentation!

Verlinkung zur Doku:

ARD Mediathek: SWR – Tobi Krell – Wege aus dem Hass (verfügbar bis 05.05.2030)