Düzen Tekkal – Menschenrechtsaktivistin und Filmemacherin

Düzen Tekkal – Menschenrechtsaktivistin und Filmemacherin

Durch die ZDF-Dokumentation „RoleModels“ sind wir auf Düzen Tekkal gestoßen. Die Trägerin des Verdienstkreuzes am Bande ist Journalistin, Politikwissenschaftlerin, Menschenrechtsaktivistin und Sozialunternehmerin mit kurdisch-jesidischer Herkunft.

Sie gehört der Glaubensgemeinschaft der Jesiden an, die als ethnisch-religiöse Minderheit vom Islamischen Staat (IS) gezielten Vernichtungskampagnen ausgesetzt ist. Der Genozid (Völkermord) der IS-Terroristen an den Jesiden im August 2014 forderte über 5.000 Todesopfer. Eine halbe Millionen Menschen mussten flüchten und viele leben heute noch in den Flüchtlingslagern in Kurdistan. Dort ist die Selbstmordrate höher denn je. Die Menschen sind verzweifelt. Sie haben den IS überlebt, um jetzt vergessen zu werden. Es ist ein Tod auf Raten, der nur sehr schwer zu ertragen ist.

Von der Journalistin zur Menschenrechtsaktivistin

Es waren „ihre Leute“, die bei dem Massaker vergewaltigt, geköpft und versklavt wurden und sie flog mit ihrem Vater in den Irak. Die Dokumentation der Reise ist zu einer Chronik eines Völkermordes geworden. Als Journalistin „besuchte“ Düzen Tekkal das Land ihrer Vorfahren, wurde dort ungewollt zur Kriegsberichterstatterin und kam als Menschenrechtsaktivistin nach Deutschland zurück. „Aktivismus bedeutet Entscheidungen zu treffen, die das Leben anderer Menschen verbessern, nicht in ein Rettertum zu gehen, sondern auf Augenhöhe Probleme herauszulesen und notwendige Hilfe anzubieten.“

Die Uraufführung des Dokumentarfilms „Háwar – meine Reise in den Genozid“ fand 2017 im UN-Headquarter vor den Vereinten Nationen statt und sorgte für große politische und mediale Aufmerksamkeit.

Nach der Reise, die sie sehr geprägt hat, gründete sie mit ihrer Schwester den gemeinnützigen Verein HÀWAR.help, der sich für Menschen- und insbesondere Frauenrechte einsetzt.

Websiteauszug HÁWAR.help

„HÁWAR.help steht für eine friedliche und gerechte Welt, in der die Universalität der Menschenrechte geachtet wird: Jeder Mensch soll sich selbstbestimmt und in Sicherheit entfalten können.

Gegründet auf der Asche eines Genozids, möchten wir Menschlichkeit leben und Hoffnung spenden. Aus dem größten Schmerz, dem Völkermord an den Jesiden, wurde eine Entscheidung für den Kampf für Menschenrechte – und damit ein Kraftfeld. Aus der Verwundbarkeit wurde ein Verein: HÁWAR.help. Heute setzen wir Bildungs- und Entwicklungsprojekte in Irak, Syrien und Deutschland und mit Aufklärungsarbeit zu internationalen Krisen (z. B. Iran und Afghanistan) um.“
(Quelle: https://www.hawar.help/de/ueber-uns/mission/ am 20.02.2026)

Hoffnung

Düzen hat sich das Ziel gesetzt, Hoffnung zu vermitteln. Sie ist da, wo die Probleme sind. Sie kämpft unermüdlich, ist die laute Stimme der Frauen, die nicht für sich sprechen können. Sie ist unbequem und bleibt von Drohungen nicht verschont. Sie erklärt in der ZDF-Doku, dass viele Demonstrant:innen auf Kundgebungen (auch im Ausland) maskiert sind, aus Angst vor der Erkennung durch die Geheimdienste. Die Teilnehmer:innen sind sich der Gefahr bewusst, der sie sich aussetzen, denn die Identifizierungsversuche hören nicht an der Ländergrenze auf.

Doch sie sieht das sehr klar:

„Menschenrechtsaktivismus wird gebraucht. Offene Gesellschaften brauchen Antworten auf totalitäre Staaten, die uns sonst in Jahrhunderte katapultieren, die wir längst überwunden geglaubt haben. Daher wird unsere Arbeit immer wichtiger.“

Wichtiger ist nicht immer gut. In der Vergangenheit hat sie sich irgendwann aus den Augen verloren und versagte sich, angesichts des Leids, Freude empfinden zu dürfen. Dank ihrer Mutter konnte sie sich damals aus dieser dunklen Phase befreien und sie ist dankbar für die ganzen Mutmacher:innen und starken Frauen, denen sie bei ihrer Arbeit begegnet. Das erfüllt sie mit Freude und mit neuer Kraft. Für sie ist es ein kurzes und wichtiges Auftanken, um wieder vorangehen zu können und die Stimme zu erheben.

German Dream Award

Bereits im Jahr 2019 hat sie die Bildungsinitiative „German Dream“ gegründet, die sich für Chancengleichheit und Integration einsetzt und jungen Menschen Werte von Freiheit und Selbstbestimmung vermittelt. Seit 2022 verleiht die Initiative einen Award an Menschen, die für die Zukunft einstehen und Orientierung bieten. Es soll sichtbar werden, dass Deutschland ein Land der Chancen ist, die bewahrt werden müssen.

Daher setzt sich Düzen Tekkal öffentlich für die Aufklärung über humanitäre Krisen und Menschenrechtsverletzungen ein – sei es in Social Media, auf Veranstaltungen oder in politischen Gremien. Darüber hinaus kommentiert sie regelmäßig aktuelle politische Entwicklungen, wie etwa die Proteste im Iran, und fordert politische Verantwortung ein, etwa von Bundeskanzler Friedrich Merz, sich klarer für Menschenrechte und Freiheit starkzumachen.

Fazit

Wir konnten Dir an dieser Stelle nur einen kleinen Auszug geben und haben Dir weitere spannende Informationen unten verlinkt.

Düzen Tekkal ist ein starkes Vorbild und eine Frau, deren Worte Gewicht haben. Sie ist nah am Geschehen, sie ordnet ein und klärt auf. Es ist eine gute Idee, sie dauerhaft auf dem Schirm zu haben.

Verlinkungen zu Film- und Textbeiträgen:

ZDF-Beitrag aus der Reihe „RoleModels“: Düzen Tekkal – Menschenrechtsaktivistin (verfügbar bis 10.12.2027)

Offizieller Trailer des Films von der HÀWAR e.V. Gründerin Düzen Tekkal: „Háwar – Meine Reise in den Genozid“

Weitere interessante Artikel:

Düzen Tekkal: „Das sind keine Proteste. Das ist eine Revolution“ im Interview mit FOCUS online vom 10.01.2026

politik&kommunikation: „Wir möchten zeigen, dass dieses Land ein Land der Chancen ist“
Die Gründerin des German-Dream-Awards Düzen Tekkal spricht über die Bedeutung des Awards und blickt auf die aktuellen Krisenherde der Welt (vom 16.01.2026)

NTV-Panorama: Düzen Tekkal: „Al-Scharaa führt alle an der Nase herum“ (vom 30.01.2026)

Wikipedia: Düzen Tekkal

Julia Komp – eine Sterneköchin der besonderen Art

Julia Komp – eine Sterneköchin der besonderen Art

2016 bekam sie als Küchenchefin im Restaurant „Schloss Loersfeld“ ihren ersten Michelin Stern. Da war sie gerade 27 Jahre alt und die jüngste Sterneköchin – eine von insgesamt 17 Sterneköchinnen in Deutschland. Im Gegensatz dazu gibt es hier jedoch 301 Sterneköche.

2018 verließ Julia das Restaurant und machte eine Weltreise, um neue Aromen zu entdecken und weiter zu lernen. Damit hat sie den ersten Stern wieder „verloren“, denn der blieb in der Gastronomie, aber ihr Anspruch, ihr Ehrgeiz und ihre Neugier sind geblieben.

Als sie mit ihrem Lebenspartner Yunus 2021 in der Kölner Innenstadt das Sahila – The Restaurant und nebenan die Yu*lia Mezze Bar eröffnete, war wieder ein „Stern“ das Ziel, auf das sie unermüdlich hinarbeitete. 2023 war es dann so weit: sie bekam einen Michelin-Stern für ihr Restaurant „Sahila“ – und auch in den Folgejahren wurde sie immer wieder ausgezeichnet.

Julia Komp ist Teil des perfekt funktionierenden multi-kulturellen Teams. Sie liebt es, Fische zu filetieren und präsentiert im „Sahila“ internationale Spitzenküche, die Tradition und Moderne miteinander vereint. Sie und ihr Team lassen immer neue Menü-Kreationen als geschmackliche Weltreise entstehen. Ihre Mitarbeiter mögen die ruhige und angenehme Chefin, die zwar hohe Anforderungen stellt, aber die Menschen in ihrem Team wertschätzt. Alle Mitarbeiter dürfen sich mit eigenen oder Familienrezepten einbringen. Doch bevor diese Gerichte es auf die Menükarte schaffen, müssen sie Julia mit Geschmack und Komposition überzeugen. Die Gäste erleben eine Weltreise mit wunderbaren Gerichten und mit vielfältigen Aromen, die eigene Geschichten erzählen und für Begeisterung sorgen.

Ein Leben für die Küche

Julias Anspruch an sich selbst ist hoch: perfekt, kreativ und fleißig – mit dieser Leidenschaft steht sie jeden Tag in der Küche. Sie kümmert sich um Bestellungen, bereitet vieles vor, behält alles im Auge und geht abends zu den Gästen. Sie trägt die Verantwortung und hat ihr Leben lang hart für die Anerkennung gekämpft. Die letzten 14 Jahre hat sie in der Küche verbracht, aber das geht nur, wenn man – wie Julia – Spaß an der Arbeit hat.

Selbst an ihren freien Tagen fährt sie zu Lieferanten, denkt über neue Gerichte nach oder versucht abzuschalten. Dabei ist für das Familienleben nur wenig Zeit. In der ZDF-Dokumentation „Friederike klopft an! Julia – Sterneköchin mit Biss“ antwortet sie auf die Frage, ob sie sich vorstellen kann, Kinder zu bekommen: „Das wird eine Herausforderung. Aber das ist ja genau mein Ding.“

Julia Komp ist eine Frau, die ihre Ziele engagiert und fokussiert angeht. Ihr ist bewusst, dass ihr Leben ziemlich durchgetaktet ist und sie auch an den freien Tagen nicht nur entspannt auf der Couch sitzen mag. Sie ist lebenslustig, neugierig und möchte weiter lernen – und das lebt sie mit jeder Faser ihres Seins.

Weitere Links:

ZDF Dokumentation: Friederike klopft an! Julia – Sterneköchin mit Biss (verfügbar bis 27.03.2027)

Website von Julia Komp

Sahila – The Restaurant

Die Brust: Wissen statt Kategorisierung und Bewertung

Die Brust: Wissen statt Kategorisierung und Bewertung

„Als Gesellschaft haben wir einen übertriebenen Fokus auf die weibliche Brust. […] Es ist nicht erklärbar, warum die Brust so oft genutzt wird, um Frauen zu bewerten und kategorisieren und unfrei zu machen.“, so Professorin Mandy Mangler, Chefärztin für Gynäkologie und Geburtsmedizin an zwei Vivantes-Kliniken in Berlin.

Die Brust – kein anderes Organ hat eine so wichtige Funktion, aber sie darf nicht einfach mal sein. In der SWR-Dokumentation „Mein Körper. Meine Brüste. – Was soll der Hype?“ dreht sich alles um das weibliche Organ, dass eine lebenswichtige Funktion hat und das permanent reglementiert und sexualisiert wird.

Für eine Studie wurden 18.500 Frauen in 40 Ländern – auch Deutschland – befragt. „Wie zufrieden bist du mit Deinen Brüsten? Findest Du sie schön? Würdest du was verändern?“ Das Ergebnis besagt, dass ca. 25 % der Frauen mit ihrer Brust zufrieden sind – und über 70% der Befragten unzufrieden. 54 % der befragten Frauen aus Deutschland wünschten sich eine größere Brust.

Die Brust

Die Brust sitzt auf dem Brustmuskel, besteht aber selbst nur aus Drüsengewebe und Fett; sie hat keine eigene Muskulatur und lässt sich nicht trainieren. Ihren Halt hat sie ausschließlich durch Haut und Bindegewebe.

Brüste bewegen sich unabhängig vom Körper, quasi wie eine wabernde Masse, auf die G-Kräfte einwirken, wie auf einen Formel-1-Fahrer in einer Kurve. „Die Bewegung geht vor und zurück, zu den Seiten, nach oben und unten – alles gleichzeitig“, sagt die Dr. Nicola Renwick von der Universität Portsmouth. Die Biomechanikerin filmt die Brustbewegungen beim Sport mit High-Speed-Kameras und erklärt, dass das einer der Gründe ist, warum junge Mädchen aufhören Sport zu machen. „Sie schämen sich, weil die Brüste so stark wackeln.“ Dr. Renwick vergleicht die Aufnahmen ohne und mit verschiedenen Sport-BHs und kann genau sagen, wie das Bekleidungsstück einen guten Halt bietet. Für eine „starke Unterstützung“ muss sich die Brustbewegung um 70% verringern.

Kaum eine Frau weiß, wann ein Sport-BH wirklich gut sitzt. Viele denken, dass ein guter Halt durch Kompression entsteht, doch das funktioniert im besten Fall noch bei kleineren Brüsten. Größere Brüste brauchen bessere Unterstützung, einen Halt, der vom Unterband des BHs kommt. Teilweise ist sogar die Unterstützung jeder Brust einzeln sinnvoll, um seinem Leben und seinem Sport schmerzfrei nachgehen zu können. Kleiner (Fun-)Fact: Es gibt sogar Studien, die nahelegen, dass sich das Verletzungsrisiko am Kreuzband für Frauen erhöht, wenn sie einen Sport-BH tragen, der sie nicht genug stützt.
Natürlich hängt die richtige Auswahl der Sport-BHs immer von Sportart und Brustgröße ab. Während beim Yoga ein Soft-BH genügen kann, bietet der jedoch bei einem 10-km-Lauf keine ausreichende Unterstützung.

„Mein Körper. Meine Brüste. – Was soll der Hype?“

In der sehr empfehlenswerten Dokumentation finden unterschiedliche Perspektiven ihren Platz. Von Schwangerschaft bis (Leistungs-)Sport, von der evolutionären über die medizinische bis zur gesellschaftlichen Betrachtung bieten die verschiedenen Blickwinkel zum Teil erschreckende Wahrheiten, denen wir zukünftig im Alltag besser begegnen könnten.

Louise (Lou), eine junge Frau, die beide Brüste wegen einer Krebserkrankung abnehmen lassen musste und sich gegen einen Brustaufbau bzw. eine -rekonstruktion entschieden hat. Sie versucht sich in ihrem Körper wieder wohlzufühlen und kämpft gleichzeitig gegen eine Gesellschaft, die bewertet, verletzende Fragen stellt und sie auf ihre (fehlenden) Brüste reduziert. Lou möchte anderen jungen Frauen Hoffnung geben, dass Frau ohne Brüste leben und sich trotzdem noch weiblich fühlen kann. Dabei erfährt sie wichtige Unterstützung von der Sexologin Johanna Pantel.

Jenna, ist eine 28-jährige Hip-Hop-Tänzer- und Trainerin mit Körbchengröße G. Sie erzählt von ihrem Weg, sich nicht mehr für ihre Brüste zu schämen und wünscht sich, dass Mädchen die Unterstützung zum „richtigen“ Umgang mit ihren Brüsten bereits im Sportunterricht lernen würden.

Auch Almuth Schult, 3-fache Mutter, Fußballerin und Welttorhüterin, stellt klar, wie unangenehm und schmerzhaft es sein kann, seinen Sport ohne die richtige Ausrüstung machen zu müssen. Dazu gehört ihrer Meinung nach auch ein gutsitzender Sport-BH. Denn wenn man sich darum keine Gedanken machen muss, ist das volle Potential der eigenen Leistungsfähigkeit abrufbar.

Die hochschwangere Annika, Produktmanagerin und Ingenieurin der Elektrotechnik, und ihre Hebamme Maike Campen, kommen ebenfalls zu Wort. Sie sprechen über die hormonell bedingte Brustvergrößerung während der Schwangerschaft, über die Pflege und über die Herausforderungen, die mit dem Stillen auf die junge Mutter zukommen.

Fazit

Die Sendung hat mich mit dem Wissen und den unterschiedlichen Perspektiven auf die weibliche Brust begeistert und berührt. Es ist offensichtlich, dass wir gesellschaftlich noch einiges zu tun haben, damit eine Brust „nur“ eine Brust ist. Die Bewertung von anderen, die Kategorisierung und die Sexualisierung sollten längst nicht mehr die Gewichtung haben, die aktuell stets spürbar ist.

Mit den Worten von Jenna möchte ich schließen: „Es geht darum, ein gesundes Mindset zu besitzen. Je mehr wir darüber reden und es nicht mehr zu einem Tabu- oder sexuellen Thema machen, sondern wirklich zu einem Thema wie Fingernägel, Haare und Make-up, wird jede Frau viel glücklicher damit sein, ihre Brust genauso zu haben, wie sie ist.

Verlinkung:

ARD Mediathek, SWR: Mein Körper. Meine Brüste. – Was soll der Hype? (verfügbar bis 17.11.2029) 

Weitere Beiträge aus unserem unserem Blog:

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Alleinerziehend – Es wird getan, was getan werden muss!

Alleinerziehend – Es wird getan, was getan werden muss!

Es sieht von außen betrachtet ganz alltäglich aus: Die Organisation einer Familie als Alleinerziehende:r . Doch dieser Eindruck täuscht über die Realität hinweg. Anders als Eltern in einer Paarbeziehung tragen sie die alleinige Verantwortung für die (minderjährigen) Kinder. Teilweise ohne Unterstützung durch Großeltern oder Geschwister, wuppen sie das tägliche Leben zwischen Erziehung, Haushalt und Erwerbstätigkeit, die oft schlecht- oder unterbezahlt ist. Finanzielle Sorgen schweben wie dunkle Wolken über dem ständigen Funktionieren müssen. Es ist kaum Zeit für eigene Bedürfnisse. Das Wohl der Kinder steht immer an erster Stelle. 

  • „Ich schlafe im Wohnzimmer, damit meine drei Kinder ein eigenes Zimmer haben.“
  • „Wenn Du glaubst du kannst nicht mehr, dann darfst Du dich nicht hinsetzen und musst Dir eine neue Aufgabe suchen.“
  • „Man kann versuchen, die Rolle (der Mutter) mit zu übernehmen und ich habe auch gelernt aufzupassen, dass die Große (Tochter) nicht die Mutterrolle für die Kleine (Tochter) übernimmt.“

Drei Dokumentationen über den Alltag von Alleinerziehenden

Wir haben drei Dokumentationen aus vielen Sendungen herausgegriffen, die das Spannungsfeld von alleinerziehenden Elternteilen bodenständig, real und nachvollziehbar darlegen, ohne eine künstliche Dramatik.

Zu den Inhalten

Die zu Wort kommenden Alleinerziehenden stehen parat, müssen stets funktionieren und managen den Familienalltag. Zeit für sich können sich die wenigsten nehmen. Eher wird die Wochenarbeitszeit im Teilzeitjob aufgestockt oder ein Minijob noch dazu genommen, damit sich die finanzielle Lage verbessert.

Es tauchen Fragen auf, die sich Paare nicht stellen müssen. Was tun, wenn ein Kind mit dem Notarzt ins Krankenhaus muss und das zweite Kind nicht mitgenommen werden kann? Wie entscheidet sich (in diesem Fall) die Mutter? Warum werden die politischen Weichen nicht so gestellt, dass in solchen Fällen schnelle Unterstützung erfolgen kann? Was kann man ausrichten, wenn man als taubstummes Elternteil den Kindergarten erreichen muss, es aber nur eine Telefonnummer gibt?

In den Sendungen wird deutlich, dass fehlende Zugänge zu Hilfsangeboten, unüberwindbare Barrieren sind. Es geht um Menschen, die Unterstützung benötigen und die oft dafür kämpfen müssen, um zu bekommen, was ihnen zusteht. Zahlt ein Elternteil keinen Unterhalt, müssen für jedes Kind separate Formulare ausgefüllt und ein Rechtsbeistand beantragt werden, damit dieser das Geld einfordern kann. Die Bürokratie macht es nur noch schwerer.

Einige Fakten:

  • Im Jahr 2024 waren laut des Statistischen Bundesamtes rund 2,3 Millionen Mütter und etwa 496.000 Väter in Deutschland alleinerziehend (Quelle: Statista, abgerufen am 16.10.2025). Mehr als jeder dritte Haushalt von Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern ist auf staatliche Hilfe angewiesen.
  • Über 40% der Alleinerziehenden fühlen sich finanziell unter Druck.
  • Lt. Bertelsmann Stiftung sind 43% der Alleinerziehenden arm.
  • Rund 15% der alleinerziehenden Mütter haben Depressionen, bei Müttern in Partnerschaften sind es nur 6%. (RKI)
  • Alleinerziehende sind doppelt so oft unzufrieden mit ihrem Leben, wie Eltern in einer Partnerschaft.

Fazit

Was von außen betrachtet normal zu sein scheint, ist ein riesiger Kraftakt für die Elternteile, die sich ohne Partner:in um die Kinder kümmern. Die jederzeit mit dem Schlimmsten rechnen und hoffen, dass alles gut geht. Das ist eine starke mentale und körperliche Belastung, die große Achtung, viel Beachtung und schnellstmöglich andere Rahmenbedingungen braucht! 

Weitere interessante Links:

Die Entfremdung verfremden – Ein Artikel auf „nd Journalismus von links“ über die Retrospektive des Werks von Margaret Raspé, einer Pionierin der Videokunst, die bereits in den 70er-Jahren eine Alleinerziehende war.

Alle über einen Kamm – das Problem der Generalisierung

Alle über einen Kamm – das Problem der Generalisierung

Wenn alle Menschen in eine Schublade gesteckt werden, wird die innenwohnende Dramatik selten wahrgenommen, doch emotional docken wir schnell an: „Sind alle jungen Menschen heute nicht in der Lage, zu arbeiten, im realen Laden einzukaufen oder soziale Interaktionen zu betreiben?“
Was bewirken Generalisierungen, wem nutzen sie und was darf zur Kenntnis genommen werden, wenn sie in Gesprächen immer wieder als Stilmittel genutzt werden?

In meiner Wahrnehmung nimmt die Verallgemeinerung in der Kommunikation deutlich zu. Ob in der Berichterstattung, in Gesprächen oder in den Sozialen Medien, häufig geht es um Personengruppen, die mit einer oder mehreren Eigenschaften in Verbindung gebracht werden, die generalisierend wirken. Bei den Worten „jeder“, „immer“, „nie“, „alle“ oder „keiner“ werde ich hellhörig, dann geht es beispielsweise so weiter.

  • Immer sind es Frauen, die schlecht parken können!
  • Die jungen Menschen hocken doch alle nur noch vor dem Handy, die schreiben sich eher eine Nachricht als miteinander zu sprechen.
  • Du hörst mir nie zu!
  • Ab Ende 50 bekommt doch keiner mehr einen neuen Job, dann ist der Zug schon längst abgefahren.
  • Sobald das Studium abgeschlossen ist, fordert jeder Bewerber ein völlig überzogenes Jahresgehalt und will nur 30 Stunden in der Woche arbeiten.

Die Liste lässt sich beliebig weiterführen, doch ich möchte auf zwei unterschiedliche Aspekte besonders hinweisen: die Vor- und die Nachteile von Generalisierungen.

Nachteile von Generalisierungen

Die eben genannten Beispiele sind eher negativ und sollen zu einer bestätigenden Reaktion verleiten. Zusätzlich lassen sich diese Formulierungen gut nutzen, um (frech in den Raum gestellte) Behauptungen massiver und faktischer aussehen zu lassen. Ein Beispiel: „Die ganze Schule sagt, dass XY komisch ist – und Du hast das noch nicht gehört?“ Da wird der Gleichaltrige, der nicht in diese Mobbing-Mentalität einsteigen möchte, schon sehr in eine Ecke gedrängt. Gefühlt muss er es beim Dagegenhalten mit der ganzen Schule aufnehmen. Oder er fügt sich in die angebliche Gruppendynamik, um nicht als Außenseiter dazustehen.

Eine Ableitung aus dieser generalisierenden Aussage über alle Schüler könnte plötzlich in Elternforen auftauchen: „Auf der Schule XY wird grundsätzlich viel gemobbt. Da möchte ich mein Kind nicht hinschicken.“ Die Schule bekommt einen schlechten Ruf, die Schüler werden nur ungern als Bewerber angenommen … usw.


Pauschale Urteile verknüpfen Menschen, Gruppen, Institutionen oder Unternehmen mit einer Eigenschaft, durch die sie dann – häufig ausschließlich – definiert werden. Das kann positiv („Die Deutschen sind immer pünktlich.“) oder auch negativ sein („Die Politiker halten sich doch sowieso nicht an ihre Wahlversprechen“).  Und schon werden alle über einen Kamm geschoren, völlig egal, ob die allgemeinen Aussagen zutreffen oder nicht.

Wer in Verallgemeinerungen denkt, trifft vielleicht falsche Entscheidungen. Wichtige Details bleiben unberücksichtigt, weil der Blick durch die Generalisierungsbrille getrübt wurde.

Ein Mitarbeiter fühlt sich vermutlich ungerecht behandelt, wenn er als unmotiviert beschrieben und (unbegründet) vom Chef mit allen Abteilungskollegen in einen Topf geworfen wird. Wird seine individuelle Motivation übersehen, kann das kann zu Konflikten und Missstimmungen führen, die aufwendig wieder gelöst werden müssen.   

Wird ein Kind ständig damit aufgezogen, dass es tollpatschig ist, wird sich die Aussage in seinem Denken festsetzen: „Ist ja klar, dass mir das passiert, ich bin ja auch ein Tollpatsch!“ Was aus einer Situation entstanden ist, hat sich auf einmal verselbstständigt, beeinträchtigt das Selbstwertgefühl und kann große Auswirkungen auf gesellschaftliche Interaktionen mit sich bringen.

Ungeschickte Frau verschüttet etwas, während sie einem Mann in der Küche Tee einschenkt.

Wie entkommen wir der Generalisierungsfalle?

Wir können unsere eigene Wortwahl überprüfen und Formulierungen wie „manche“ (statt „alle“), „einige“ (statt „jeder“), „häufig“ (statt „immer“) oder „selten“ (statt „nie“) nutzen. Wir können die Behauptung hinterfragen: „Wer sagt denn genau, dass XY komisch ist?“ und uns an belegbaren Fakten orientieren.

Ein Perspektivwechsel ist ebenfalls hilfreich: Wie sieht sich der Mensch wohl selbst, der dieser Gruppe zugeordnet wurde? Hat er nicht auch andere Eigenschaften? Vielleicht teilen wir auch einige Vorlieben, z. B. unsere Liebe zum Sport? Wie würden wir uns begegnen, wenn wir uns dort das erste Mal treffen würde?

Versucht man, diesen Menschen als Individuum zu sehen, verändert sich die bisherige „Klassifizierung“: Leben seine Eltern noch, hat er Kinder, ein Hobby, in dem er aufgeht, wo verbringt er seinen Urlaub?

Vorteile von Generalisierungen

Ja – Du hast richtig gelesen. Es gibt sie, die positiven Aspekte der Verallgemeinerung.

Sie sparen Zeit, da viele Details nicht erklärt werden müssen. „Alle Schüler gehen nach dem Gong in ihre Klassenzimmer.“ Jeder wird sich die Klassenräume vorstellen können und weiß was gemeint ist. Auch wenn diese unterschiedlich sein könnten (Größe, Wandfarbe, Standort des Lehrerpults …), wäre das in dieser Aussage unwichtig.

Generalisierungen vereinfachen z. B. komplizierte Themen, wie „Stress macht krank“. Dahinter steckt medizinisches Fachwissen, aber durch die Verallgemeinerung bekommt der Laie einen Bezug dazu und kann das leicht verinnerlichen. Ebenso vereinfachen hilfreiche Faustregeln, wie „Starte Deinen Rechner wieder neu, wenn er Probleme macht.“  oder „Wenn Du Fieber hast, gönne Dir Ruhe und trinke viel.“, grundsätzliches Wissen leicht zu verankern.

Wir können über eher positive Generalisierungen aus bereits gemachten Erfahrungen lernen, um sie später auf ähnliche Situationen anwenden zu können.

Wie ist das mit KI?

Auch KI-Systeme (Künstliche Intelligenz) arbeiten mit Generalisierungen. Im Glossar des KI-Echo’s steht es wie folgt: „Die Generalisierung ist eines der wichtigsten Ziele in der KI. Sie bezieht sich auf die Fähigkeit eines KI-Systems, aus Erfahrungen zu lernen. Das System nimmt das Wissen und die Erkenntnisse, die es während des Trainings erworben hat, und wendet sie auf neue, unbekannte Probleme oder Situationen an. Die Fähigkeit zur Generalisierung ist das, was ein KI-Modell nützlich macht und verhindert, dass Systeme nur auf bestimmte Aufgaben beschränkt sind.“

Ich habe dazu ein schönes Beispiel. Wenn ich mit dem Navi in einen Stadtteil von Dortmund fahren möchte, sagt mir die Stimme an bestimmten Stellen, dass ich die „Abfahrt Donnerstag-Mengede“ nehmen soll. Anstatt die Beschilderung „DO-Mengede“ in den richtigen Kontext zu stellen, haben die antrainierten Generalisierungsmechanismen festgestellt, dass „DO- “ höchstwahrscheinlich „Donnerstag“ heißt, was mir dann ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Dennoch – beim Navigieren kann das sicher vernachlässigt werden, wenn man sich in der Region, in der man gerade unterwegs ist, auskennt. Aber was bedeutet das bei anderen Interaktionen mit der KI, wo die Verallgemeinerungen nicht so offensichtlich erkennbar sind?

Vielleicht haben wir das gut gelernt und im Hinterkopf …

Frau bedient während der Fahrt das Touchscreen-Navigationssystem am Armaturenbrett eines Autos und verwaltet Wegbeschreibungen und Routen

Fazit

Wenn mir auffällt, dass alle über einen Kamm geschoren werden, versuche ich, meine Mitmenschen darauf hinzuweisen. Das hat in der Vergangenheit auch zu Gesprächsabbrüchen geführt: „Du weißt doch, wie ich das meine!“ – Und ganz ehrlich – vielleicht weiß ich das, vielleicht aber auch nicht.
Dennoch möchte ich mich diesen globalen Aussagen ungern anschließen und lasse es selten auf sich beruhen. Doch jeder Einwand – egal ob das Gespräch weitergeht oder nicht – hilft mir, daran zu denken und meine Wortwahl ständig auf den Prüfstand zu stellen. Das geht bestimmt immer noch etwas besser 😊.

Weitere interessante Links:

Wikipedia Übersichtsseite „Generalisierung“

Artikel auf Karrierebibel.de: „Generalisierung: Komplexe Äquivalenz lösen“

Dorsch – Lexikon der Psychologie: Generalisation