Wenn Frauen zurückschlagen

Wenn Frauen zurückschlagen

Bei meinen Recherchen zu Uma Thurman, bin ich auf einen Arte Beitrag – oder eher eine ganze Serie von Mini-Dokumentationen – gestoßen. Die komprimierten Informationsbeiträge haben mich begeistert. Nur 5 min lang und sehr kurzweilig, informativ und witzig. Ehe ich mich versah, hatte ich mir drei Dokus angesehen, bevor ich mich wieder dem Schreiben zuwenden konnte 😊.

So landete ich bei Arte und der Doku-Serie „Flick Flack – Kultur über Kopf“ und zu meiner Suche wurde mir „Wenn Frauen zurückschlagen“ angezeigt. Inhaltlich geht es um Frauen, die für sich einstehen und sich verteidigen – auf der Leinwand. Diese Bilder sind in den letzten Jahrzehnten löblicherweise mehr geworden. Während es vorher nur den „sanften Weg“ in der weiblichen Darstellung gab, hat sich das mittlerweile deutlich gewandelt. Dennoch ist ein Unterschied erkennbar, ob die Filme von Männern gedreht werden oder ob Feministinnen Regie führen, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen und den „Male Gaze“ – den männlichen Blick – außen vorlassen.
Historisch betrachtet sind Gewaltakte von Frauen eine Reaktion auf ihre Unterdrückung. Die Suffragetten, die für das Wahlrecht der Frauen kämpften, wehrten sich u. a. mit Bomben. Diese Erkenntnis führt zu der Fragestellung, ob es sinnvoll sein könnte, Männern Angst zu machen. Virginie Despentes, Schriftstellerin, Regisseurin und Feministin, hat es so formuliert: „Doch an dem Tag, an dem die Männer Angst haben müssen, dass ihr Schwanz mit einem Cutter zerfetzt wird, wenn sie versuchen, einer Frau Gewalt anzutun, werden sie plötzlich ihre ‚männlichen Triebe‘ besser beherrschen können.“

Und da Uma Thurman in diesem Beitrag nur eine „Randerscheinung“ ist, werde ich ihr Thema später aufgreifen. In der Zwischenzeit möchte ich Dir die Doku-Serie von Arte „Flick Flack – Kultur über Kopf“ ans Herz legen. Mich haben die Informationsvielfalt und -dichte, die interessanten Perspektiven und die Würze der Kürze richtig begeistert. Daher habe ich Dir hier eine kleine Auswahl zusammengestellt.

„Diven – göttlich kapriziös“ stellt kurzweilig fest, dass Hildegard von Bingen unwissentlich die erste Diva (lat. Göttin) war, da ihre Stimme als göttlich galt. Doch der Begriff bekam im Laufe der Zeit einen sexistischen Beigeschmack. Zudem verschwand die männliche Form der Diva „Divo“ aus dem Sprachgebrauch und weibliche Diven galten als launenhaft und gefährlich. Der Begriff wurde immer negativer besetzt, so dass es in den 90-ern zu einer Umkehrung kam und die Bezeichnung „Diva“ zur positiven Selbstaneignung genutzt wurde. (verfügbar bis zum 26.07.2028)

„Michèle Lamy: Im Ringkampf gegen Konventionen“ – die Französin ist eine Königin der Popkultur und hat es geschafft, das Schönheitsideal auf den Mond zu schießen. (verfügbar bis zum 26.07.2028)

Der Frage „Ist Feminismus Science Fiction?“ geht dieser Beitrag nach. „Science-Fiction ist das Erzählen von „Was wäre wenn“: Was wäre, wenn alle Männer an einem Virus sterben würden und nur Frauen überleben würden? Was wäre, wenn organische Roboter mit Venusmenschen von einem anderen Planeten EINS wären? Was wäre, wenn die Gesellschaft für alle gleich wäre? Die SF ist keineswegs ein fiktionales Genre, das nur für Jungen interessant ist, sondern im Gegenteil ein mächtiges feministisches Werkzeug, das Autorinnen seit Jahrhunderten dazu dient, den realen Sexismus zu hinterfragen.“ (Quelle Arte) (verfügbar bis zum 11.09.2029)

In „Wendy Carlos: Elektro für alle“ erfährst Du, wie die erste Frau ein ganzes Album mit elektronischer Musik selbstständig komponiert, produziert und herausgebracht hat. Und das in den 70er Jahren und einer Männerdomäne. (verfügbar bis zum 31.07.2028)

In „Frauen zeigen Größe“ geht es um die Perspektive und das Körpergefühl mit der eigenen Körpergröße. Das Größe für Frauen herausfordernd sein kann, Hollywood nicht damit klarkommt, dass Schauspieler kleiner als Schauspielerinnen sein können und wie andere Weltsichten möglich sind, wird sehr charmant aufgezeigt. (verfügbar bis zum 18.09.2029)

Es gibt noch so viele Folgen mit unterschiedlichen Themen, so dass ich mir noch einige davon anschauen werde. Hast Du auch mal reingeschaut? Was meinst Du? Schreib mir gern einen Kommentar 😊.

Deine Helga

Verlinkungen

Arte – Kultur über Kopf: „Wenn Frauen zurückschlagen“ (verfügbar bis zum 26.07.2028)

Hintergrund zur Doku-Serie: Flick Flack | Kultur über Kopf

„Flick Flack – ist ein Kulturphänomen, ein Trend, ein Porträt … locker und witzig, aufgedröselt in 4 Minuten. Flick Flack will neugierig machen und unterhalten und gleichzeitig eine prägende Geschichte aus der Vergangenheit oder unserer Gegenwart erzählen. Über die Aktualität hinaus, interessiert sich Flick Flack für bleibende Ereignisse, große Paukenschläge und Verblüffendes aus verschiedensten Genres: Kino, Musik, Bildende Kunst, Bühne, Architektur, Design, Literatur… Kultur bei ARTE: unterhaltsam und zugänglich.“ (Quelle: Arte)

Hier findest Du alle Videos der Reihe „Flick Flack“ auf Arte TV

Arte Youtube Kanal  

Hass – wie kann man sich davon lösen?

Hass – wie kann man sich davon lösen?

Hass begegnet uns täglich: in sozialen Medien, auf der Straße, manchmal sogar im eigenen Umfeld. Er polarisiert, spaltet und hinterlässt Spuren – bei denen, die ihn verbreiten, und bei denen, die ihn erleben. Doch woher kommt dieser Hass? Warum scheint er in unserer Gesellschaft immer mehr Raum einzunehmen?

In der SWR Dokumentation „Tobi Krell – Wege aus dem Hass“ macht sich Fernsehreporter und -redakteur Tobi Krell auf den Weg, um der Entstehung von Hass auf den Grund zu gehen – und um Wege aufzuzeigen, wie man aus der Hassspirale aussteigen kann.

Er trifft Dominik Aigner, einen Kinderpsychologen, der sagt, dass Kinder noch nicht hassen können. Hass ist komplizierter als nur das Gefühl. Neben Affekten wie Wut, Zorn, Aggressivität und anderen Gemütszuständen passieren Dinge im Gehirn, die sich aber erst in der Pubertät entwickeln. Es ist eine Art Strategie, die eigenen unangenehmen Gefühle zu verarbeiten.

Hass kann Leben zerstören und die Menschen in der Doku wissen das. Lauren aus Toronto, die heute Menschen hilft, die aus der rechten Szene aussteigen wollen. Adnan, einen Stadtführer in Sarajewo, der Touristen die Geschichte des Bosnienkriegs nahebringt und ihn als Soldat erlebt hat. Und Any in Mexiko, die sich ihren schlimmen Kindheitserinnerungen gestellt hat und heute mit ihrer Tochter einen liebevollen Umgang hat. Sie alle machen sich für Aufklärung stark, indem sie ihre Geschichte teilen. Wie sie in den Hass reingerutscht, aber vor allem wie sie wieder herausgekommen sind.

Lauren, Mitte 30, Kanada

Lauren ist als Teenagerin in die Neonazi-Szene gekommen und hat viel Mist gebaut. Als ihr Vater, ihr bester Freund, unerwartet starb, zog sie sich zurück. Sie wusste nicht, wie sie mit ihrer Wut umgehen sollte. Die rechte Szene bot ihr ein Gefühl der Gemeinschaft, Verbindung und Zugehörigkeit. Menschen sind soziale Wesen, sie brauchen Gruppen für Sicherheit und Identität.

Sie wurde von ihren eigenen Leuten krankenhausreif getreten und erst da wird ihr bewusst, dass das keine Gemeinschaft ist. Um aus dem eigenen Hass aussteigen zu können, muss man eine andere emotionale „Heimat“ sehen. Lauren findet den Mut, wieder zu ihrer Familie zurückzukehren und stößt dabei auf offene Türen. Ihre Mutter hat erkannt, wie schnell der Hass eine Familie zerstören kann. Heute hilft sie Familien, die so hilflos sind, wie sie es damals auch war.

Adnan, Anfang 50, Sarajevo

Bosnien ist ein Vielvölkerstaat mit Bosniaken, Serben und Kroaten, die viele Jahre friedlich miteinander gelebt haben. In den 90-ern zerfiel Jugoslawien und aus ehemaligen Nachbarn wurden Feinde. Der Hass der Menschen ist bis heute geblieben, auch wenn der Krieg bereits seit 30 Jahren vorbei ist. Adnan wurde mit 19 Jahren Soldat und erlebte die Jahre der Belagerung von Sarajevo. Er wusste nicht, was es heißt Soldat zu sein, aber statt durch die Straßen zu ziehen und in Clubs zu tanzen, stand er mit einer Kalaschnikow an der Front – mit dem Auftrag, die Feinde zu töten. „Im Krieg versuchen sie, Dich in eine Gruppe zu zwängen und alle anderen sind Feinde, legitime Ziele. Das ist Nationalismus.“

Wenn man Teil einer Gruppe ist, werden Vorstellungen, Ideale und Werte oft automatisch übernommen und selten hinterfragt. Das befeuert Vorurteile und Hass. Dennoch – mit Empathie lassen sich diese Vorurteile und der Hass „überschreiben“. Dafür braucht es echte Begegnungen und Gespräche. Nach dem Krieg hat er sich ins Auto gesetzt und ist über die Brücke nach Serbien gefahren. Dort hat er gemerkt, die Serben sind nicht alle böse. Es sind Menschen wie er, genauso traurig, verletzt und von der Politik ausgenutzt. Doch viele halten an ihrem Hass fest und vererben ihn ihre Kinder.

Das weiß auch Oha Maslo. Er ist Musiker und versucht die Menschen auf kulturellem Weg miteinander zu verbinden. Er hat in Mostar eine Musikschule für Kinder und Jugendliche gegründet. Dort sind alle Nationalitäten willkommen – von beiden Seiten des Flusses, aus unterschiedlichen Familien und Glaubensrichtungen.

Any, Mitte 30, Mexiko

Gewalt ist in Mexiko ein großes Problem. Any wohnt nahe der Grenze zu den USA. Sie spricht aus eigener Erfahrung, wenn sie sagt, dass Menschen, die Gewalt erleben, selbst wütend und aggressiv werden. „Hass ist wie ein Virus, der an andere Menschen weitergegeben wird.“ Sie wurde auch mit dem „Virus“ infiziert. Any hat keine schönen Erinnerungen an Ihre Kindheit, die von Gewalt und Ablehnung geprägt war. Als sie mit 20 Mutter wurde, liebte sie ihre Tochter. Aber mit der neuen Aufgabe kamen ihre eigenen Traumata zurück. Sie brach zusammen und musste ihre Tochter zu ihrer Mutter geben.

Any fand den Weg zu ESPERE – der Schule der Vergebung und Versöhnung. Diese Schulen gibt es in ganz Mexiko und sie verzeichnen große Erfolge. Dort wird gelehrt, das Geschehene als ein Teil der eigenen Geschichte zu akzeptieren. Sie hat gelernt, mit dem Schmerz und ihren Verletzungen umzugehen. Ihre Tochter lebt seitdem wieder bei ihr. Any hat es geschafft, die Spirale des Hasses zu durchbrechen und dem „Virus“ der Gewalt Einhalt geboten.

Fazit

Mut macht der Gedanke, dass sich die Strategie „Hass“ wieder verlernen lässt. Durch Menschen, wie Any, Lauren, Adnan und die vielen Frauen und Männer, die einen anderen Umgang mit ihren Mitmenschen wählen und damit andere Menschen „anstecken“.

Wie wir finden, eine sehenswerte Dokumentation!

Verlinkung zur Doku:

ARD Mediathek: SWR – Tobi Krell – Wege aus dem Hass (verfügbar bis 05.05.2030)

Unbekannte Heldinnen: Wunderkind Maria Anna „Nannerl“ Mozart

Unbekannte Heldinnen: Wunderkind Maria Anna „Nannerl“ Mozart

Das 18. Jahrhundert war kein Zeitalter, in dem sich Frauen frei entwickeln durften. Sie hatten Hausfrau und Mutter zu sein und ihrem Ehemann zu gehorchen. Bestimmte Instrumente, wie z. B. Orgel oder Cello, waren für sie tabu. Dabei hätten sie die Beine spreizen müssen und das galt höchst unsittlich. Auch eine Anstellung als Musikerin wäre undenkbar gewesen, und das nicht nur, weil die Kirche der Hauptarbeitgeber für Musiker war. Nur in der Abgeschiedenheit eines Nonnenklosters durften Frauen auch Komponistinnen sein, alle Instrumente spielen und eigene Stücke zu Gehör bringen.

Der Film „Mozart’s Schwester“ ist eine GEO-Filmdokumentation, die im November 2024 ihre Europapremiere in Salzburg feierte.

Maria Anna Walburga Ignatia Mozart, von der Familie liebevoll „Nannerl“ genannt, wurde am 30. Juli 1751 in Salzburg geboren, ihr berühmter Bruder Wolfgang Amadeus folgte 5 Jahre später. Die beiden wurden von ihrem Vater, dem Geiger und späteren Vizekapellmeister, Leopold Mozart zu Hause unterrichtet. Sie erhielten eine gute Allgemeinbildung und die gleiche musikalische Ausbildung, in der sich das Talent der beiden Kinder schnell zeigte. Als sie 8 Jahre alt war, erhielt Maria Anna von ihrem Vater ein Notenbuch, dass sie zum Üben inspirierte und Stücke enthielt, mit denen sie zugleich ihre Fingerfertigkeit trainieren konnte. Ihr Bruder eiferte ihr schon mit 5 Jahren nach und konnte bereits zu diesem Zeitpunkt erste Stücke aus dem Notenbuch spielen, das bis heute als „Nannerl-Buch“ bekannt ist.

Der Vater wollte seine beiden Wunderkinder bekannt machen, ihre Karrieren fördern und organisierte 1762 eine erste Tournee nach Wien und München. Nannerl und Wolfgang Amadeus spielten im Alter von 10 und 6 Jahren zum ersten Mal vor dem Königspaar in Wien. Dieses Konzert brachte der Familie mehr Geld ein, als der Jahresverdienst des Vaters und sicherte so den Unterhalt der Familie. Die nächste Tournee sollte durch Europa gehen und insgesamt drei Jahre dauern, sie endete 1766 in London. Für die beiden Kinder war das eine aufregende Zeit, in der sie Sehenswürdigkeiten bestaunen und großartige Musiker kennenlernen konnten, auch wenn die langen Reisen in der Kutsche sehr beschwerlich waren. Nannerl hielt ihre Erinnerungen in einer Art Tagebuch fest und entwickelte in dieser Zeit ihre Fähigkeiten und ihr Talent weiter. Sie wurde mit viel Aufmerksamkeit bedacht, dennoch stand meist ihr kleiner Bruder im Mittelpunkt, war er doch 5 Jahre jünger.

Sie war 15 Jahre alt, als sie aus London wieder in Salzburg eintrafen – und damit galt sie als Erwachsene, die nicht mehr als Pianistin auftreten durfte. Zu diesem Zeitpunkt veränderte sich die Gleichbehandlung der beiden Kinder, die der Vater stets praktiziert hatte. Fortan durfte nur noch Wolfgang Amadeus auf Tournee gehen. Die gesellschaftlichen Zwänge im Zeitalter der Vernunft (die ausschließlich den Männern zugeordnet war) ließen nichts anderes zu. Nannerl wurde von ihrer Mutter zu einer guten Hausfrau und Mutter ausgebildet. Sie muss sehr frustriert gewesen sein, denn ihr Tagebuch enthielt ab diesem Zeitpunkt nur noch Notizen über das Wetter. Sie nutzte die Musik als Ventil, spielte weiterhin für Bekannte, gab Klavierunterricht und besserte so das Familieneinkommen auf.

Mit ihrem Bruder hielt sie stetigen Briefkontakt. Leider sind ihre Briefe nicht mehr aufzufinden, doch ein Teil ihrer Kompositionen wurde in den Nachrichten von ihrem Bruder gefunden, in denen er sie lobt und ermuntert, weitere Stück zu komponieren.

Während der gemeinsamen Zeit in Salzburg, als sie 22 und er 17 Jahre waren – schrieb Wolfgang ein Klavierstück für vier Hände, das sie gemeinsam spielen konnten und in dem ihre kunstvolle Virtuosität sehr gut zur Geltung kam. Als ihre Mutter und ihr Bruder auf Reisen waren, um eine Anstellung für ihn zu finden, kümmerte Nannerl sich um den väterlichen Haushalt. Mit 33 Jahren ließ sie sich auf eine Vernunftehe mit Freiherrn Johann Baptist von Berchtold zu Sonnenburg ein. Sie zog zu ihm und seinen fünf Kindern nach Sankt Gilgen, ein Ort fernab kulturellen Lebens, an einem See gelegen, dessen feuchte Luft ihren Instrumenten schadete. Sie brachte drei eigene Kinder zur Welt und konnte sich dank der Bediensteten im Adelshaus, weiterhin täglich drei Stunden ihren Übungen und der Musik widmen. Auch wenn das keinen Menschen weit und breit interessierte. Nur für ihren Bruder blieb sie die Person, auf deren musikalisches Urteil er allergrößten Wert legte.

Nach dem Tod ihres Bruders im Jahr 1791 versorgt sie den Biografen und einen Verlag mit Erinnerungen aus der gemeinsamen Kindheit. 10 Jahre später starb ihr Mann und sie zog im Alter von 50 Jahren mit den Kindern nach Salzburg zurück. Sie war als Baronin finanziell abgesichert, nahm aber ihre Tätigkeit als Klavierlehrerin und Pianistin wieder auf. Da sie jetzt den Status einer Witwe hatte, durfte sie wieder öffentlich auftreten und wurde erneut als großes Talent bewundert und gefeiert. In den Folgejahren wurde sie von vielen Menschen besucht, die Mozarts Schwester kennenlernen wollten. Mit 74 Jahren erblindete Nannerl und starb im Oktober 1829 an „Entkräftung“.

Mein persönliches Resümee

Die Filmdokumentation „Mozart’s Schwester“ hat mich sehr beeindruckt. Die Mischung der filmischen Darstellung mit Expertenaussagen von Musiker:innen, Historiker:innen und Wissenschaftler:innen, bietet einen spannenden Einblick in die Zeit, das Talent von Maria Anna Mozart und die damalige Rolle der Frau als Musikerin.

Und ich frage mich, ob sie in einer anderen Zeit bessere Bedingungen vorgefunden hätte? Ob sie ebenfalls so berühmt wie ihr Bruder hätte werden können.

Interessanter Fakt

Im Film berichtet Gabriella Di Laccio, Sopranistin, Gründerin und Direktorin der DONNE Foundation (The Global Voice for Women in Music) davon, wie sie neugierig geworden ist, weil sie viele Konzerte besucht hat, in denen nie Stücke von Komponistinnen gespielt wurden. Sie hat recherchiert und bei einer Befragung (2022/2023) der Top 110 Orchester in 30 Ländern kam heraus, dass immer noch 92% der Stücke im Orchesterrepertoire von Männern komponiert wurden – und 87% von toten Männern mit weißer Hautfarbe.
Immerhin – die Zahlen haben sich in der letzten Befragung schon positiv verändert, mehr dazu findest Du unter DONNE Foundation Research.  

Auch wenn der Film sehr sehenswert ist, es gibt ihn leider nur im kostenpflichtigen TV. Aber auf Youtube findest Du hingegen einiges zu Maria Anna Mozart. Solltest Du weitere Aspekte finden, teile sie gern im Kommentar.

Deine Helga

Verlinkungen:

GEO Filmdokumentation: „Mozart‘s Sister“ zu sehen auf RTL+ (kostenpflichtig)

Hintergrundinformationen zum Film und den Trailer

Website der Maria-Anna-Mozart-Gesellschaft Salzburg und die Maria Anna Mozart Kurzbiografie

Website DONNE Women in Music

Wikipedia: Maria Anna Mozart

Der Vollständigkeit halber:
Es gibt noch eine Serie in der ARD Mediathek: Mozart/Mozart: Wolfgang Amadeus und das „Nannerl“, doch die SWR Serien-Kritik ist so übel ausgefallen, dass ich das hier nicht verlinken mag.

Düzen Tekkal – Menschenrechtsaktivistin und Filmemacherin

Düzen Tekkal – Menschenrechtsaktivistin und Filmemacherin

Durch die ZDF-Dokumentation „RoleModels“ sind wir auf Düzen Tekkal gestoßen. Die Trägerin des Verdienstkreuzes am Bande ist Journalistin, Politikwissenschaftlerin, Menschenrechtsaktivistin und Sozialunternehmerin mit kurdisch-jesidischer Herkunft.

Sie gehört der Glaubensgemeinschaft der Jesiden an, die als ethnisch-religiöse Minderheit vom Islamischen Staat (IS) gezielten Vernichtungskampagnen ausgesetzt ist. Der Genozid (Völkermord) der IS-Terroristen an den Jesiden im August 2014 forderte über 5.000 Todesopfer. Eine halbe Millionen Menschen mussten flüchten und viele leben heute noch in den Flüchtlingslagern in Kurdistan. Dort ist die Selbstmordrate höher denn je. Die Menschen sind verzweifelt. Sie haben den IS überlebt, um jetzt vergessen zu werden. Es ist ein Tod auf Raten, der nur sehr schwer zu ertragen ist.

Von der Journalistin zur Menschenrechtsaktivistin

Es waren „ihre Leute“, die bei dem Massaker vergewaltigt, geköpft und versklavt wurden und sie flog mit ihrem Vater in den Irak. Die Dokumentation der Reise ist zu einer Chronik eines Völkermordes geworden. Als Journalistin „besuchte“ Düzen Tekkal das Land ihrer Vorfahren, wurde dort ungewollt zur Kriegsberichterstatterin und kam als Menschenrechtsaktivistin nach Deutschland zurück. „Aktivismus bedeutet Entscheidungen zu treffen, die das Leben anderer Menschen verbessern, nicht in ein Rettertum zu gehen, sondern auf Augenhöhe Probleme herauszulesen und notwendige Hilfe anzubieten.“

Die Uraufführung des Dokumentarfilms „Háwar – meine Reise in den Genozid“ fand 2017 im UN-Headquarter vor den Vereinten Nationen statt und sorgte für große politische und mediale Aufmerksamkeit.

Nach der Reise, die sie sehr geprägt hat, gründete sie mit ihrer Schwester den gemeinnützigen Verein HÀWAR.help, der sich für Menschen- und insbesondere Frauenrechte einsetzt.

Websiteauszug HÁWAR.help

„HÁWAR.help steht für eine friedliche und gerechte Welt, in der die Universalität der Menschenrechte geachtet wird: Jeder Mensch soll sich selbstbestimmt und in Sicherheit entfalten können.

Gegründet auf der Asche eines Genozids, möchten wir Menschlichkeit leben und Hoffnung spenden. Aus dem größten Schmerz, dem Völkermord an den Jesiden, wurde eine Entscheidung für den Kampf für Menschenrechte – und damit ein Kraftfeld. Aus der Verwundbarkeit wurde ein Verein: HÁWAR.help. Heute setzen wir Bildungs- und Entwicklungsprojekte in Irak, Syrien und Deutschland und mit Aufklärungsarbeit zu internationalen Krisen (z. B. Iran und Afghanistan) um.“
(Quelle: https://www.hawar.help/de/ueber-uns/mission/ am 20.02.2026)

Hoffnung

Düzen hat sich das Ziel gesetzt, Hoffnung zu vermitteln. Sie ist da, wo die Probleme sind. Sie kämpft unermüdlich, ist die laute Stimme der Frauen, die nicht für sich sprechen können. Sie ist unbequem und bleibt von Drohungen nicht verschont. Sie erklärt in der ZDF-Doku, dass viele Demonstrant:innen auf Kundgebungen (auch im Ausland) maskiert sind, aus Angst vor der Erkennung durch die Geheimdienste. Die Teilnehmer:innen sind sich der Gefahr bewusst, der sie sich aussetzen, denn die Identifizierungsversuche hören nicht an der Ländergrenze auf.

Doch sie sieht das sehr klar:

„Menschenrechtsaktivismus wird gebraucht. Offene Gesellschaften brauchen Antworten auf totalitäre Staaten, die uns sonst in Jahrhunderte katapultieren, die wir längst überwunden geglaubt haben. Daher wird unsere Arbeit immer wichtiger.“

Wichtiger ist nicht immer gut. In der Vergangenheit hat sie sich irgendwann aus den Augen verloren und versagte sich, angesichts des Leids, Freude empfinden zu dürfen. Dank ihrer Mutter konnte sie sich damals aus dieser dunklen Phase befreien und sie ist dankbar für die ganzen Mutmacher:innen und starken Frauen, denen sie bei ihrer Arbeit begegnet. Das erfüllt sie mit Freude und mit neuer Kraft. Für sie ist es ein kurzes und wichtiges Auftanken, um wieder vorangehen zu können und die Stimme zu erheben.

German Dream Award

Bereits im Jahr 2019 hat sie die Bildungsinitiative „German Dream“ gegründet, die sich für Chancengleichheit und Integration einsetzt und jungen Menschen Werte von Freiheit und Selbstbestimmung vermittelt. Seit 2022 verleiht die Initiative einen Award an Menschen, die für die Zukunft einstehen und Orientierung bieten. Es soll sichtbar werden, dass Deutschland ein Land der Chancen ist, die bewahrt werden müssen.

Daher setzt sich Düzen Tekkal öffentlich für die Aufklärung über humanitäre Krisen und Menschenrechtsverletzungen ein – sei es in Social Media, auf Veranstaltungen oder in politischen Gremien. Darüber hinaus kommentiert sie regelmäßig aktuelle politische Entwicklungen, wie etwa die Proteste im Iran, und fordert politische Verantwortung ein, etwa von Bundeskanzler Friedrich Merz, sich klarer für Menschenrechte und Freiheit starkzumachen.

Fazit

Wir konnten Dir an dieser Stelle nur einen kleinen Auszug geben und haben Dir weitere spannende Informationen unten verlinkt.

Düzen Tekkal ist ein starkes Vorbild und eine Frau, deren Worte Gewicht haben. Sie ist nah am Geschehen, sie ordnet ein und klärt auf. Es ist eine gute Idee, sie dauerhaft auf dem Schirm zu haben.

Verlinkungen zu Film- und Textbeiträgen:

ZDF-Beitrag aus der Reihe „RoleModels“: Düzen Tekkal – Menschenrechtsaktivistin (verfügbar bis 10.12.2027)

Offizieller Trailer des Films von der HÀWAR e.V. Gründerin Düzen Tekkal: „Háwar – Meine Reise in den Genozid“

Weitere interessante Artikel:

Düzen Tekkal: „Das sind keine Proteste. Das ist eine Revolution“ im Interview mit FOCUS online vom 10.01.2026

politik&kommunikation: „Wir möchten zeigen, dass dieses Land ein Land der Chancen ist“
Die Gründerin des German-Dream-Awards Düzen Tekkal spricht über die Bedeutung des Awards und blickt auf die aktuellen Krisenherde der Welt (vom 16.01.2026)

NTV-Panorama: Düzen Tekkal: „Al-Scharaa führt alle an der Nase herum“ (vom 30.01.2026)

Wikipedia: Düzen Tekkal

Julia Komp – eine Sterneköchin der besonderen Art

Julia Komp – eine Sterneköchin der besonderen Art

2016 bekam sie als Küchenchefin im Restaurant „Schloss Loersfeld“ ihren ersten Michelin Stern. Da war sie gerade 27 Jahre alt und die jüngste Sterneköchin – eine von insgesamt 17 Sterneköchinnen in Deutschland. Im Gegensatz dazu gibt es hier jedoch 301 Sterneköche.

2018 verließ Julia das Restaurant und machte eine Weltreise, um neue Aromen zu entdecken und weiter zu lernen. Damit hat sie den ersten Stern wieder „verloren“, denn der blieb in der Gastronomie, aber ihr Anspruch, ihr Ehrgeiz und ihre Neugier sind geblieben.

Als sie mit ihrem Lebenspartner Yunus 2021 in der Kölner Innenstadt das Sahila – The Restaurant und nebenan die Yu*lia Mezze Bar eröffnete, war wieder ein „Stern“ das Ziel, auf das sie unermüdlich hinarbeitete. 2023 war es dann so weit: sie bekam einen Michelin-Stern für ihr Restaurant „Sahila“ – und auch in den Folgejahren wurde sie immer wieder ausgezeichnet.

Julia Komp ist Teil des perfekt funktionierenden multi-kulturellen Teams. Sie liebt es, Fische zu filetieren und präsentiert im „Sahila“ internationale Spitzenküche, die Tradition und Moderne miteinander vereint. Sie und ihr Team lassen immer neue Menü-Kreationen als geschmackliche Weltreise entstehen. Ihre Mitarbeiter mögen die ruhige und angenehme Chefin, die zwar hohe Anforderungen stellt, aber die Menschen in ihrem Team wertschätzt. Alle Mitarbeiter dürfen sich mit eigenen oder Familienrezepten einbringen. Doch bevor diese Gerichte es auf die Menükarte schaffen, müssen sie Julia mit Geschmack und Komposition überzeugen. Die Gäste erleben eine Weltreise mit wunderbaren Gerichten und mit vielfältigen Aromen, die eigene Geschichten erzählen und für Begeisterung sorgen.

Ein Leben für die Küche

Julias Anspruch an sich selbst ist hoch: perfekt, kreativ und fleißig – mit dieser Leidenschaft steht sie jeden Tag in der Küche. Sie kümmert sich um Bestellungen, bereitet vieles vor, behält alles im Auge und geht abends zu den Gästen. Sie trägt die Verantwortung und hat ihr Leben lang hart für die Anerkennung gekämpft. Die letzten 14 Jahre hat sie in der Küche verbracht, aber das geht nur, wenn man – wie Julia – Spaß an der Arbeit hat.

Selbst an ihren freien Tagen fährt sie zu Lieferanten, denkt über neue Gerichte nach oder versucht abzuschalten. Dabei ist für das Familienleben nur wenig Zeit. In der ZDF-Dokumentation „Friederike klopft an! Julia – Sterneköchin mit Biss“ antwortet sie auf die Frage, ob sie sich vorstellen kann, Kinder zu bekommen: „Das wird eine Herausforderung. Aber das ist ja genau mein Ding.“

Julia Komp ist eine Frau, die ihre Ziele engagiert und fokussiert angeht. Ihr ist bewusst, dass ihr Leben ziemlich durchgetaktet ist und sie auch an den freien Tagen nicht nur entspannt auf der Couch sitzen mag. Sie ist lebenslustig, neugierig und möchte weiter lernen – und das lebt sie mit jeder Faser ihres Seins.

Weitere Links:

ZDF Dokumentation: Friederike klopft an! Julia – Sterneköchin mit Biss (verfügbar bis 27.03.2027)

Website von Julia Komp

Sahila – The Restaurant