Wie lange ist für immer?

Wie lange ist für immer?

„Für immer“ klingt groß. Ein bisschen pathetisch und vielleicht auch wie aus einer anderen Zeit. Und doch ist es genau dieses Wort, das wir uns bei Hochzeiten nach wie vor zuflüstern, versprechen, feiern. Für immer lieben, für immer bleiben, für immer das „wir“.

Doch was heißt das heute, im Jahr 2026, in dem Beziehungen flexibler, Lebensentwürfe vielfältiger und Erwartungen an die Liebe höher sind als je zuvor? Ich habe mich auf Spurensuche begeben und bei mir selbst angefangen. Zwischen romantischer Hoffnung, nüchterner Statistik und persönlichen Geschichten stellt sich mir eine Frage immer wieder: Wie lange ist für immer – und was ist notwendig, damit das Zusammensein für immer hält?

Meine Ehe

Ich war 37 Jahre alt, als ich geheiratet habe und mein Ehemann war 10 Jahre jünger. Wir kannten uns bereits 4 Jahre und hatten schon 2 Jahre eine gemeinsame Wohnung. Natürlich haben wir uns „für immer“ geschworen. Ein für immer, dass ziemlich genau 10 Jahre dauerte. Die Gründe für unser Scheitern waren vielfältig, nicht wirklich fassbar. Irgendwie war die Luft raus, wir haben uns nicht um unsere Ehe gekümmert, haben gedacht, dass sie ganz automatisch gut laufen würde. Wir haben uns über befreundete Paare amüsiert, die wie Kletten aneinanderklebten und alles gemeinsam machten … echt spießig. Darüber haben wir vergessen, uns gegenseitig Unterstützung zu geben, gemeinsam um unsere Ehe zu kämpfen. Wir haben uns in verschiedene Richtungen entwickelt und einfach nichts mehr gemeinsam gemacht, nicht einmal den wöchentlichen Einkauf. Und dann war sie zu Ende. Erst nach der Trennung haben wir versucht, unsere Ehe zu kitten; aber wie eine Schüssel mit einem Sprung, die nie wieder dicht wird, wurde aus uns auch nie wieder ein Paar.

Heute haben wir noch gelegentlich Kontakt. Mein Ex-Mann hat eine neue Partnerin gefunden, ich bin Single und glücklich damit.

Ehe ist nicht mehr gleich Ehe  

Die klassische Vorstellung einer Ehe ist vertraut: Zwei Menschen heiraten, am besten jung, sie ziehen zusammen, bekommen Kinder, bleiben ein Leben lang zusammen. Dieses Modell existiert noch, aber es ist längst nicht mehr das einzige. Moderne Ehen sind so vielfältig wie die Menschen, die sie führen.

Da sind Paare, die bewusst getrennte Wohnungen haben und trotzdem verheiratet sind, weil Nähe für sie nicht über gemeinsame Quadratmeter definiert werden. Andere öffnen ihre Ehe, verhandeln Treue neu und verstehen Monogamie als Option und weniger als Regel. Wieder andere heiraten wie ich eher spät, nach langen Jahren des Single-Daseins oder mehreren gescheiterten Beziehungen, und bringen eine große Portion Lebenserfahrung mit.

Was alle Modelle verbindet, ist die Haltung: Ehe ist heute kein starres Konstrukt mehr, sondern ein Rahmen, der individuell abgestimmt wird. Für manche bedeutet er Sicherheit, für andere Freiheit – idealerweise beides.

Soziologische Studien des Deutschen Jugendinstituts zeigen, dass die Ehe heute weniger als Pflichtstation verstanden wird, sondern als bewusste Entscheidung unter vielen möglichen Formen des Zusammenlebens. Fernbeziehungen mit Trauschein, Ehe mit getrennten Wohnungen, Ehe ohne Trauschein, Polyamorie und andere offene oder teiloffene Modelle – all das ist längst Realität und kein Randphänomen mehr. Auffällig dabei ist, dass die Ehe heute oft mehr leisten soll als früher. Sie soll emotional erfüllen, persönliche Entwicklung ermöglichen und gleichzeitig Sicherheit geben. Ein Balanceakt, der nicht immer gelingt.

Ein altes Ehepaar radelt durch die grüne Landschaft

Warum manche Ehen Jahrzehnte überstehen

Trotz aller Veränderungen gibt noch die Paare, die seit 30, 40 oder sogar 50 Jahren verheiratet sind. Fragt man sie nach ihrem Geheimnis, bekommt man selten romantische Hollywood-Antworten. Stattdessen fallen Worte wie Geduld, Humor oder Arbeit. Dabei geht es nicht um die Arbeit zum Geld verdienen, sondern um die Arbeit an einer Ehe, die den Bedürfnissen beider Partner gerecht wird.

Lange Ehen scheinen weniger von permanenter Verliebtheit zu leben als von einer tiefen Freundschaft. Von der Fähigkeit, Konflikte auszuhalten, ohne den anderen gleich infrage zu stellen. Von der Bereitschaft, sich immer wieder neu kennenzulernen, weil niemand mit 25 derselbe Mensch ist wie mit 55.

Auffällig ist auch, dass viele lang verheiratete Paare die Idee aufgegeben haben, alles voneinander zu erwarten. Sie haben verstanden, dass ein Mensch nicht gleichzeitig beste Freund:in, leidenschaftliche:r Geliebte:r, Therapeut:in und Lebenscoach:in sein kann. Diese Erkenntnis soll erstaunlich verbindend wirken. Fachmedien wie Psychologie Heute greifen diese Erkenntnisse regelmäßig auf und betonen, dass emotionale Freundschaft, gegenseitige Wertschätzung und realistische Erwartungen zentrale Faktoren für langanhaltende Partnerschaften sind. Liebe, so scheint es, ist weniger ein Dauerzustand als eine praktische Übung.

Ein Mann und eine Frau stehen Rücken an Rücken und ziehen ihre Eheringe vom Finger.

Wenn Liebe sich verändert und manchmal endet

So tröstlich diese Geschichten sind, so ehrlich müssen wir auch über das Scheitern sprechen. Denn Ehen enden häufig, und das nicht nur, weil „die Liebe weg“ ist. Oft sind es unerfüllte Erwartungen, mangelnde Kommunikation oder schlicht das Gefühl, sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt zu haben.

Moderne Frauen sind finanziell unabhängiger, selbstbewusster und weniger bereit, dauerhaft unglücklich zu bleiben. Das ist kein Zeichen von Beziehungsunfähigkeit, sondern von gestiegenen Ansprüchen an das eigene Leben. Gleichzeitig sind Männer heute stärker gefordert, emotionale Arbeit in eine Ehe einzubringen, doch das ist noch nicht überall angekommen.

Manche Ehen scheitern leise und Stück für Stück – durch jahrelanges Aneinander-vorbei-Leben. Andere explodieren an einem Punkt, an dem einer sagt: „So nicht mehr.“ Wieder andere schlafen einfach ein, werden zu einer Wohn- oder Zweck-Nutzengemeinschaft, weil auch die Trennung Arbeit und Aktivität bedeuten würde.

Trennungen sind schmerzhaft, aber sie sind nicht automatisch ein Versagen. Manchmal sind sie auch ein Akt der Selbstachtung.

Realistische Beispiele, die Mut machen

Da ist etwa meine Freundin, Mitte 40, seit 18 Jahren verheiratet. Sie erzählt offen, dass sie und ihr Mann zwei schwere Krisen überstanden haben, inklusive Paartherapie und zeitweiser räumlicher Trennung. Heute sagt sie: „Wir sind nicht zusammengeblieben, weil es leicht war, sondern weil es uns wichtig war.“

Oder eine Bekannte, die sich nach zwölf Ehejahren getrennt hat. Ohne Drama, ohne Rosenkrieg. „Unsere Ehe war nicht falsch“, sagt Julia. „Sie war nur zu Ende.“ Auch das ist eine Wahrheit, die in unserer Gesellschaft langsam Platz bekommt.

Und dann gibt es Paare, die sich bewusst gegen die Ehe entscheiden und trotzdem ein Leben lang zusammenbleiben. Vielleicht ist auch das eine Antwort auf die Frage nach dem Für immer: dass es nicht zwingend einen Trauschein braucht, sondern eine Verbindlichkeit, die täglich neu gewählt wird.

„Für immer“ ist kein Zeitraum, sondern eine Entscheidung

Vielleicht liegt das Missverständnis bereits in der Wortwahl. „Für immer“ klingt nach Endlosigkeit, nach Garantie, nach ohne Ausweg. Doch Beziehungen sind lebendig, und alles Lebendige verändert sich. Wer heute heiratet, verspricht nicht, dass alles gleich bleibt, sondern dass man bereit ist, sich gemeinsam zu verändern.

„Für immer“ kann zehn Jahre dauern oder fünfzig. Es kann fast das ganze Leben umfassen oder einen wichtigen Abschnitt davon. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern der ehrliche Umgang miteinander und das Aufeinander eingehen und die Marotten der Partner:in auszuhalten. Und vielleicht ist das die modernste Definition von Ehe überhaupt.

Wie sieht Deine Ehe oder Lebenspartnerschaft aus. Kommentiere gerne und erzähl uns Deine Geschichte.

Deine Iris


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Wer träumt nicht von der Rente? Endlich genug Zeit für lange Frühstücke ohne Termine, für ausgedehnte Urlaubreisen in ferne Länder, inspirierende Freiwilligenprojekte oder einfach Chillen und einem stummen Wecker, der nicht mehr mitten in der Nacht klingelt.

Aber für viele Frauen in Deutschland ist dieser Traum nicht nur eine Frage des „Möchte ich gerne“, er hängt unweigerlich mit dem Wort „Geld“ zusammen. Wir leben zwar im fortschrittlichen 21. Jahrhundert, aber in der Realität schauen Frauen auch nach einem langen Arbeitsleben häufig mit einem mulmigen Gefühl auf den Ruhestand. In Deutschland arbeiten rund 77 % der Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren, dennoch sind viele von der Altersarmut betroffen. Das hängt damit zusammen, dass Frauen häufig nur in Teilzeit arbeiten und nebenbei Kinder oder Eltern versorgen. Sie bekommen geringere Löhne und haben Ausfälle durch die Erziehungszeiten. Bei vielen Frauen führen diese Gründe zu einer Rente unter 1.000 Euro. Besonders betroffen sind Frauen mit biografischen Brüchen, Alleinerziehende oder Minijoberinnen. 

Frauen im Alter über 65 Jahren bekommen deutlich weniger Rente als Männer: Deren durchschnittliche jährliche Renteneinkünfte lagen – nach aktuellen Zahlen – fast ein Drittel niedriger als die der Männer (Quelle: Destatis). Was bedeutet das für den (Renten-)Alltag? Viele Frauen schauen auf einen Rentenbescheid, bei dem am Ende des Monats nicht mehr viel übrigbleibt.

Meine Geschichte

Eine Frau stützt ihren Kopf auf ihre Faust und lächelt in die Kamera. Sie trägt ein oranges T-Shirt.

Ich bin Iris, 63 Jahre, seit 10 Jahren selbständig und arbeite unter anderem als Redakteurin in unserem Team. Vor der Selbständigkeit habe ich über 30 Jahre festangestellt und mit einem überdurchschnittlich guten Gehalt gearbeitet. In den Jahren der Selbständigkeit konnte ich nur noch wenig Geld in die Rentenkasse einzahlen, was sich am Ende natürlich auf die Höhe der zu erwartenden Rente auswirkt. Mit 63 Jahren stehe ich jetzt vor der Frage, wann kann und wann will ich in Rente gehen? Und wie muss ich mein Leben verändern, damit ich mit meiner Rente gut leben kann?

Schnell war mir klar, dass ich meine Ausgaben reduzieren muss, wenn ich mit meiner Rente auskommen will. Meine Lösung, mit der ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen habe: ich bin endlich dorthin gezogen, wo ich schon sehr lange wohnen wollte – nach Friesland. Mit meiner neuen, kleineren Wohnung, ebenerdig und ruhig gelegen, erfülle ich mir den langgehegten Traum vom Landleben und habe meine Ausgaben gleichzeitig um ein Viertel reduziert. So kann ich ab Mai 2026 sogar drei Jahre früher Rente beziehen und trotz der Abschläge von rund 11 % (!) gut leben.

Andere Frauen erzählen ihre Geschichten

Es gibt weitere Beispiele, die wir für Dich in unterschiedlichen Dokumentationen gefunden haben.

Da ist Heidi, 65 Jahre, aus Nordhessen. Sie hat ihr ganzes Leben in unterschiedlichen Berufen gearbeitet – im Einzelhandel, als Hospizhelferin und zeitweise im Büro. Ihre Rente? Rund 600 Euro im Monat. So viel, dass sie trotz harter Arbeit ihr Leben nicht so gestalten kann, wie sie es sich erträumt hatte. Arbeit im Ruhestand? Für Heidi keine romantische Idee, sondern Notwendigkeit: Sie arbeitet noch an sechs Tagen in der Woche in einem Minijob, weil sie sich besser fühlt, wenn sie Geld verdient und weil sie ihren Enkeln etwas bieten möchte, ohne nur zuzusehen.

Und dann ist da die 71-jährige Frau aus Regensburg, die über 45 Jahre Vollzeit gearbeitet hat – als Erzieherin, später in technischen Betrieben. Trotz dieser langen Erwerbsbiografie reicht ihre Rente nicht einmal für einen gelegentlichen Café-Besuch am Nachmittag. Sie erzählt, dass sie lieber zu Hause bleibt, Wasser trinkt und genau nachrechnet, statt wie früher spontan mit Freundinnen auszugehen. Sie beantragt Wohngeld und muss sich Unterstützung von sozialen Einrichtungen holen, um über die Runden zu kommen. Dabei hat sie ihr ganzes Leben lang gearbeitet und sich nichts zu Schulden kommen lassen.

Eine Frau mit langen grauen Haaren zeigt einem kleinen Mädchen, wie eine Hagebutte geschnitten wird.

Doris hat früh vorgesorgt, sich extra privat abgesichert und bezieht jetzt eine stabile Rente. Sie kommt mit wenig aus, hat aber die Sorge, kein Polster für Unvorhergesehenes zu haben. Daher hat sie einen 450-Euro-Job angenommen und spart diesen Betrag. Es sind ihre Rücklagen für die Steuer und unvorhergesehene Ausgaben. Und für sie ist es einfach schöner, mit Menschen in Kontakt zu sein und aktiv zu bleiben. Sie genießt ihren Ruhestand mit einem Sinn für Selbstbestimmung und Lebensfreude.

Bleibt das entspannte Rentenleben ein Traum?

Die Beispiele machen deutlich, wie unterschiedlich das Leben in der Rente verlaufen kann: Frauen, die mit trotzigem Lächeln weitermachen, Frauen, die nicht aufgegeben haben, und Frauen, die trotz harter Arbeit über Jahrzehnte immer noch ums finanzielle Überleben kämpfen müssen. All das hat seine Gründe: mehr Teilzeitbeschäftigung, Pausen im Berufsleben für unbezahlte und familiäre Care-Arbeit, geringere Löhne in typisch weiblichen Branchen, das sind die Tatsachen, dass fast die Hälfte aller Frauen im Rentenalter ein Risiko der Altersarmut trägt.

Aber was bleibt von dem Traum von der Rente, wenn die finanzielle Basis nicht vorhanden ist? Für viele ist es ein Mix aus Anpassung, neuen Routinen und neuem Mut. Einige Frauen entdecken in der Rente mehr Zeit für Freundschaften und Ausflüge, die sie sich früher zeitlich nicht leisten konnten. Sie melden sich zu Volkshochschulkursen an, machen Pilates am Vormittag, gestalten ihren Garten um oder lernen endlich Spanisch. Die Zeit der Rente wird so zu einer Bühne für Selbstverwirklichung – trotz oder gerade wegen der Herausforderungen.

Drei ältere Frauen sitzen gemeinsam beim Frühstück und stoßen mit ihren Kaffeetassen aus einen schönen Tag an.

Und da sind sie, die schönen Momente: Der Kaffee am frühen Morgen mit langjährigen Freundinnen, die Fahrradtour mitten in der Woche, das Konzert im Park oder einfach der Blick auf den See an einem Sommernachmittag. Manche Frauen sehen die Rente nicht als Ende der Leistungsfähigkeit, sondern als Anfang einer neuen Freiheit. Es ist die Freiheit, den eigenen Tag selbstbestimmt zu gestalten, statt einem Zeitplan zu folgen, der von anderen diktiert wird.

Ja, die Zahlen sind hart. Viele Frauen wissen, dass ihre Rente niedriger ausfällt als die ihrer männlichen Altersgenossen, und berichten von Existenzängsten und Sparsamkeitsstrategien, um zurechtzukommen. Aber gleichzeitig haben sie ihre Träume – Bücher, die sie noch schreiben möchten, Reisen, die sie noch antreten wollen, Enkelkinder, die sie aufwachsen sehen möchten und die Kunst, jeden Tag mit einem Lächeln zu beginnen.

So viel ist klar: Der Traum von Rente ist nicht einfach eine Abfolge von Zahlen auf dem Kontoauszug – er ist eine Lebensphase, die man bewusst leben kann, mit all den Höhen und Tiefen. Und wir Frauen, die wir unseren Traum heute leben, zeigen, dass das Leben auch im Alter so bunt und vielfältig ist wie das Leben selbst.

Hast Du noch Gedanken oder Tipps für unsere Leser:innen, dann hinterlasse uns gern einen Kommentar.

Ich wünsche Dir, dass Du Dir von Deiner Rente alle Träume erfüllen kannst!

Deine Iris


Hier noch die Links mit weiteren Informationen

ZDF-Dokumentation:Mein Traum von Rente (verfügbar bis 18.01.2027)

ARD/WDR-Dokumentation: Ein Leben lang gearbeitet – aber wofür? (Youtube)

ZDF 37° Armut trotz Arbeit: Wenn die Rente nicht zum Leben reicht (Youtube)


Unsere Beiträge zum Thema „Altwerden“

Alt werden – ein Prozess auf unserem Lebensweg
Die Vorsorgevollmacht – Entscheidungen für den Fall der Fälle
Die Patientenverfügung, das verbindliche Recht auf Selbstbestimmung
Die Betreuungsverfügung und der Grundsatz der Erforderlichkeit
Digitales Erbe – Was passiert mit Deinen Online-Daten nach dem Tod?
Mein letzter Wille – Warum ein Testament so wichtig ist und was Du beachten solltest

Alltagsbegleitung im sozialen Umfeld und Resilienz auf beiden Seiten

Alltagsbegleitung im sozialen Umfeld und Resilienz auf beiden Seiten

Viele Frauen begleiten andere Menschen lange, bevor sie diesem Tun einen Namen geben. Sie kümmern sich um ältere Angehörige, unterstützen Nachbarinnen und Nachbarn, hören zu, erinnern an Termine und schaffen Struktur im Alltag. Dieses Engagement entspringt oft einer hohen Empathie und einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein. Gleichzeitig wirken gesellschaftliche Rollenbilder nach, die Fürsorglichkeit beinahe als selbstverständlich voraussetzen.

Aufgaben werden übernommen, weil man es kann, weil man gebraucht wird oder weil es sonst niemand tut. Hinzu kommen bestehende Verpflichtungen in Familie und Kindererziehung sowie weitere soziale Aufgaben, die häufig unbezahlt bleiben und dennoch viel Kraft binden. Der Spagat entsteht genau hier: zwischen familiären Verpflichtungen, zusätzlichen sozialen Verantwortlichkeiten und dem Wunsch, auch außerhalb dieser Rollen wirksam zu sein – während die eigenen Bedürfnisse dabei sehr häufig in den Hintergrund geraten.

Gerade in sozialen Umfeldern wird deutlich, wie viel Wirkung im Alltag liegt. Es geht nicht allein um Unterstützung, sondern um Beziehung. Um Würde, Selbstständigkeit und Teilhabe. Alltagsbegleitung ist hier kein Beiwerk, sondern ein stilles Fundament für Gesundheit.

Das innere Schutzschild: Resilienz

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen, ohne daran zu zerbrechen. Sie bedeutet nicht, immer stark zu sein oder alles auszuhalten, sondern innere Stabilität zu entwickeln, die schützt und trägt. Resiliente Menschen erkennen ihre Grenzen, nehmen Warnsignale ernst und erlauben sich Pausen ebenso wie Unterstützung. Gerade in sorgenden Rollen wirkt Resilienz wie ein inneres Schutzschild: Sie hilft, Nähe zuzulassen, ohne sich zu verlieren, und Verantwortung zu übernehmen, ohne sich selbst zu überfordern. Gleichzeitig stärkt sie die mentale Gesundheit, fördert Selbstwirksamkeit und ermöglicht es, Fürsorge als sinnstiftende Erfahrung zu erleben.

Resilienz beginnt dort, wo Menschen ihre Rolle und ihre Verantwortung verstehen. Wer begleitet, braucht mehr als ein gutes Herz. Entscheidend ist Klarheit darüber, was zur Aufgabe der Begleitung dazugehört – und was nicht. Viele engagieren sich ehrenamtlich und merken irgendwann, dass Unsicherheit mitschwingt. Darf ich das überhaupt? Reagiere ich richtig? Wie gehe ich mit schwierigen Situationen um, ohne mich selbst zu verlieren? Wann hole ich Hilfe dazu?

Diese Unsicherheit ist kein persönliches Versagen, sondern ein strukturelles Problem. Gute Absicht allein schützt nicht vor Überforderung. Wissen über Resilienz hingegen schon. Wer versteht, wie Kommunikation wirkt, wo Grenzen wichtig sind, wie Gesundheitsprävention im Alltag aussieht und wie Selbstfürsorge praktisch gelebt werden kann, gewinnt Sicherheit. Und diese Sicherheit verändert alles. Ehrenamt und Erwerbstätigkeit fühlen sich leichter an, klarer, stabiler. Man weiß, was man tut – und warum.

Manche spüren in diesem Prozess, dass Alltagsbegleitung mehr ist als ein freiwilliger Einsatz. Dass hier etwas anklingt, das Sinn gibt. Eine Aufgabe, die gebraucht wird und die zum eigenen Leben passt. Sie braucht Menschen, die Zeit haben, zuhören können und den Alltag gemeinsam gestalten. Sie eröffnet genau diesen Raum zwischen Engagement und Erwerbstätigkeit. Nicht als Zwang, sondern als Möglichkeit.

Sorge tragen – ohne sich zu verlieren

Für viele Frauen ist das ein neuer Blick auf die eigene Zukunft. Ein Quereinstieg. Ein bewusster Schritt in eine Tätigkeit, die nicht nur Arbeit ist, sondern Wirkung hat. Und die gleichzeitig erlaubt, das eigene Leben aktiv zu gestalten.

Besonders tragfähig wird diese Form der Begleitung dort, wo sie nicht isoliert stattfindet. Gesundheit ist kein Einzelprojekt, sondern entsteht im Miteinander. So machen zum Beispiel genossenschaftliche Strukturen diesen Gedanken greifbar. Sie stehen für Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung und geteilte Verantwortung. Niemand muss alles allein tragen.

So entsteht ein Umfeld, das nicht nur die begleiteten Menschen stärkt, sondern auch diejenigen, die begleiten. Resilienz und Gesundheit auf beiden Seiten. Nicht als Schlagwort, sondern als gelebte Praxis.

Wie Du Alltagsbegleiter werden kannst

Alltagsbegleitung ist keine Selbstaufgabe. Sie ist eine bewusste Entscheidung für Nähe und Menschlichkeit – mit dem Recht, dabei selbst gesund zu bleiben. Sorge zu tragen, ohne sich zu verlieren, ist möglich, wenn Klarheit, Qualifikation und Gemeinschaft zusammenkommen und Sinn nicht mit Aufopferung verwechselt wird, sondern mit bewusster Verantwortung – für andere und für sich selbst.

Wer begleitet, darf dabei durch gelernte und gelebte Resilienz selbst wachsen – und sie zeigt, wie Gesundheit entsteht, wenn Menschen füreinander da sind, ohne sich selbst zu verlieren.

Auffällig ist: Viele dieser Qualifikationen sind bis zu 100 % öffentlich förderfähig, etwa über Bildungsgutscheine. Dennoch bleiben die Teilnahmezahlen hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück.

Die Meine Gesundheit-Genossenschaft eG zeigt beispielhaft, wie zertifizierte Weiterbildung mehr sein kann als reine Wissensvermittlung. Ihr Ansatz verbindet Gemeinschaft, Gesundheit und Resilienz und macht sichtbar, wie sich ökonomische Effizienz, soziale Wirkung und individuelle Lebensperspektiven sinnvoll zusammenführen lassen.

Weiterführende Informationen & Anmeldung:

Kursübersicht & Hintergrund

Eventbrite – Kurs 1 (Start 26. Januar 2026)

Eventbrite – Kurs 2 (Start 27. April 2026)

Eventbrite – Kurs 3 (nach den Sommerferien)

Wie fühlt sich der Körper mit 80 Jahren an?

Wie fühlt sich der Körper mit 80 Jahren an?

Vom Tag unserer Geburt an altern wir – jede Sekunde, jede Minute, jede Stunde, jeden Tag. In jungen Jahren merken wir davon nur wenig. Erst ab vielleicht 50 Jahren wird uns bewusst, dass sich etwas verändert hat. 

Meine Großmutter hat immer wieder gesagt „Altwerden ist Mist“ – sie musste es wissen, denn sie ist stolze 96 Jahre alt geworden. Selbst ich mit Anfang 60 merke schon, dass sich mein Körper verändert. Vieles, was ich noch vor 10 Jahren ganz locker und leicht gemacht habe, fällt mir heute schwerer. Gehen kann ich noch, aber rennen funktioniert nicht mehr so richtig und nur noch wenige Schritte. Plötzlich brauche ich eine Lesebrille, weil ich Altersweitsichtig werde. Mein Kopf ist noch klar, aber mein Körper altert.

Ich versuche, mir ausmalen, wie mein Leben mit 80 Jahre aussehen wird. Ich wache auf, spüre sofort ein leichtes Ziehen in meinen Gelenken, die heute schon knacken. Mein Rücken meldet sich mit einem kleinen Protest, und schon beim Aufstehen denke ich: „Oh, das war früher anders.“

Willkommen im Alter

Willkommen in den 80-igern – ein Alter, in dem der Körper dir beim Aufstehen freundlich, aber bestimmt zuruft: „Langsam, bitte.“ In der ZDF-Dokumentation wagt der Redakteur Eric Mayer den Selbstversuch. Eric schlüpft für einen Tag in einen Altersanzug und erlebt hautnah, wie es sich anfühlt, wenn Kraft, Beweglichkeit und Sinne ihr eigenes Tempo gehen. Er spürt, wie das Gehen schwerer wird, wie das Bücken oder das Aufheben eines Einkaufsbeutels plötzlich eine kleine Expedition ist – jede Bewegung kostet Kraft, jede Kleinigkeit will bedacht sein.

Teile eines Altersanzuges

Zeitgleich zu der körperlichen „Entschleunigung“ verändern sich auch die Sinneseindrücke. Die Welt wirkt anders. Geräusche klingen dumpfer, Farben wirken grell, und auch der Geschmack, vielleicht früher detailliert und klar, verändert sich. Die tägliche Routine wird zwangsläufig bewusst plant, Schritt für Schritt. Der Alltag fühlt sich ruhiger, entschleunigter an, manchmal auch einfach gemütlich. Das heißt nicht, dass man sich alt fühlt wie ein knarzender Dachstuhl. Es fühlt sich eher an, als habe das Leben seinen Takt verändert.

Die Menschen werden immer älter – das belegen die Statistiken der Europäischen Kommission. Für Menschen, die heute geboren werden, liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in Europa bei etwa 81,7 Jahren. Gleichzeitig nimmt auch der Anteil sehr alter Menschen zu. Innerhalb von nur 20 Jahren (2004–2024) stieg der Anteil der Menschen über 80 Jahren von 3,8 % auf 6,1 %.

In Deutschland gibt es immer mehr Hochbetagte – etwa 17.900 Menschen, die mindestens 100 Jahre alt sind (Stand: Ende 2024). Das sind rund 25 % mehr als 2011. Nach Schätzungen könnte die Zahl der über‑80‑Jährigen in Deutschland bis 2070 auf rund 9,1 Millionen steigen – also ein wesentlicher Teil der Bevölkerung. Diese Zahlen zeigen, dass Altwerden längst nicht mehr eine Ausnahme, sondern für viele Menschen Realität ist und das betrifft nicht nur Einzelfälle, sondern unsere Gesellschaft als Ganzes.

Screenshot

Tröstliches

Die Doku zeigt nicht nur Einschränkungen, sondern auch Würde, Gelassenheit und ein anderes Körpergefühl – ein Körper, der Geschichten erzählt. Menschen, die 80 oder älter sind, tragen Jahrzehnte mit sich, Erfahrungen, Erinnerungen und eine Tiefe, die der Jugend fehlt. Ihr Blick auf die Welt, auf die Mitmenschen, auf das eigene Leben – das hat etwas Weises, etwas Herzliches, etwas Ruhiges. In einem Alter, in dem man gelernt hat, dass nicht jeder Schritt rasant sein muss.

Altern heißt also nicht nur Abschied nehmen – von jugendlicher Agilität, von Muskelkraft, von Unbekümmertheit. Altern heißt auch: Ankommen in einem Körper, der seine Spuren trägt. Der vielleicht langsamer wird, aber ehrlicher. Der vielleicht knurrt, wenn man ihn überfordert, aber auch sanft seufzt, wenn man ihm Ruhe gönnt. Und der ein wunderbarer Begleiter für einen ruhigen, reifen Lebensabschnitt sein kann.

Klar – mit 80 zwinkert einem der Körper schon mal schelmisch zu: „Langsam, Liebling.“ Aber mit einem Lächeln. Und vielleicht mit der Überzeugung: „Ich hab’s mir verdient.“ Denn ein Leben voller Farben, Geräusche, Menschen, Erinnerungen – das spürt man. In jeder Falte. Und in jedem Atemzug.

Also ja: Manchmal fühlt sich der Körper mit 80 anders an. Meine Großmutter hatte nur teilweise Recht. Altern ist Mist, kann aber auch ziemlich spannend sein – achtsam, tief, weise.

Und das ist tatsächlich bereichernd!

In diesem Sinne – genieß‘ das Altwerden

Deine
Iris Hüttemann (Redakteurin)

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Weitere Informationen und Dokumentationen zum Thema Altern

ZDF Terra X plus – Wie fühlt sich der Körper mit 80 Jahren an?

ZDF PUR+ – Eric wird 80

ZDF Uhrwerk des Lebens – Geschichte des Alterns

ZDF :zeit – Forever Young – Wie können wir das Altern stoppen

Weitere Beiträge in unserem Blog:

Alt werden – ein Prozess auf unserem Lebensweg

Kannst Du das Altern aufhalten?

Was macht die große Liebe aus?

Was macht die große Liebe aus?

Ich bin Anfang sechzig und seit vielen Jahren geschieden – von meiner großen Liebe. Aber war sie es wirklich, die große Liebe? Sind wir nicht alle mal, mehr oder weniger verliebt? Wie wird aus dem Verliebtsein Liebe und wie wird diese Liebe groß?

Alles beginnt und die Welt steht still

Ich weiß noch genau, wie es war, als ich zum ersten Mal dachte: Das ist sie – die große Liebe. Dieses Gefühl, wenn das Herz bis zum Hals klopft, die Welt stillsteht. Er war groß, sportlich, gutaussehend … und 10 Jahre jünger als ich. Da waren sie, meine Schmetterlinge. Und sofort auch mein zweiter Gedanke: viel zu jung und unerfahren, das wird nie was mit uns. 

Wir Frauen neigen dazu, solche Momente zu analysieren – Männer erleben sie einfach anders. Für viele von ihnen ist die große Liebe weniger ein Feuerwerk, sondern das beruhigende Gefühl, angekommen zu sein. So war es auch bei mir: In meinem Bauch feierten Schmetterlinge eine Party und mein Mann war froh, nicht mehr nach einer Partnerin suchen zu müssen.

Meine Geschichte ist nur eine von vielen, genauer gesagt von vielen ähnlichen. Das ZDF ist der Frage „Was macht die große Liebe aus?“ nachgegangen. Die Dokumentation zeigt: Die große Liebe ist kein Ziel, an dem man ankommt, sondern eine Reise. Sie entsteht, wächst, verändert sich – und fordert. Denn sie lebt von Nähe, Vertrauen und dem Mut, sich immer wieder aufeinander einzulassen.

Romantik trifft Realität – Zahlen, die berühren

Trotz aller Dating-Apps, trotz Schnelllebigkeit glauben wir an die Liebe. Laut einer ZDF-Umfrage sagen 79 Prozent der Menschen in Deutschland, dass Liebe der wichtigste Grund für eine Partnerschaft ist. Das ist doch schön, oder? Gleichzeitig empfinden 67 Prozent, dass die Beziehungen anders sind als früher – offener, aber auch komplexer.

Liebe ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Sie braucht Zeit, Kommunikation und die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen. Sie macht Arbeit, verlangt Kompromisse. Für mich ist die große Liebe kein Dauerrausch gewesen, sondern dieses leise, verlässliche Gefühl, wahrgenommen zu werden – mit all meinen Stärken und Schwächen. Mein Mann beschrieb es nüchterner, aber nicht weniger tief: „Weil ich Dir vertraue, auch wenn ich still bin“, sagte er mir einmal. Vielleicht ist das der Kern: Wir fühlen unterschiedlich, aber wir meinen dasselbe.

Der Alltag – das Herzstück der großen Liebe

In der ZDF-Doku erzählen Paare, dass sich die wahre Liebe nicht in großen Gesten zeigt, sondern in den kleinen Momenten. In einem Kaffee am Morgen, im Blick über den Küchentisch, im Zuhören oder im Schweigen. Große Liebe ist oft erstaunlich unspektakulär – und gerade deshalb so stark.

Zahlen belegen das Bedürfnis nach Verlässlichkeit: 78 Prozent der Befragten glauben, dass die monogame Beziehung auch in Zukunft die wichtigste Form des Zusammenseins bleibt. Wir suchen Abenteuer, ja – aber wir sehnen uns nach einem Zuhause. Nach jemandem, der da ist, wenn der Alltag schwierig wird.

Männer sind da pragmatischer. Mein Mann sagte einmal: „Für mich ist große Liebe, wenn ich weiß, dass Du da bist – auch wenn wir beide gerade schweigen.“ Vielleicht steckt darin die (ganze) Wahrheit.

Zwischen Sehnsucht und Selbstbestimmung

Wir leben in einer Zeit, in der Liebe viele Gesichter hat. Offen, polyamor, monogam, lesbisch, schwul, digital – alles scheint möglich. Und doch sagen 66 Prozent der Befragten, dass die gesellschaftlichen Rollenbilder (aus der Zeit unserer Eltern) immer noch Druck erzeugen. Besonders junge Menschen spüren das: Sie sollen unabhängig sein und gleichzeitig tief lieben, frei bleiben und dennoch Nähe leben.

Ich kenne dieses Spannungsfeld nur zu gut. Man will stark sein und trotzdem weich, eigenständig und doch verbunden. Es ist nicht immer einfach, in dieser Mischung authentisch zu bleiben. Aber vielleicht macht genau das die Liebe heute aus, sie darf Freiheit und Verbindlichkeit zugleich sein.

Wenn die große Liebe sich verändert

Nicht jede große Liebe bleibt, wie sie begann. Manche trennen sich nach ein paar Jahren – in meinem Fall waren es vierzehn. Andere Paare trennen sich, manche finden sich wieder. In der ZDF-Sendung erzählte ein Ehepaar, das seit 30 Jahren zusammen ist: „Wir haben uns dreimal getrennt – und jedes Mal wieder füreinander entschieden.“ Das ist vielleicht das schönste Bekenntnis zur Liebe: Sie ist wandelbar, aber nicht flüchtig.

Manchmal sehne ich mich nach dem Anfang – nach diesem elektrischen Knistern, nach dem Gefühl, dass alles neu ist. Doch dann denke ich: Liebe muss nicht immer brennen. Manchmal reicht es, wenn sie wärmt. Und vielleicht ist das eine erwachsene Form der großen Liebe – die, die ruhig, beständig und frei von Drama ist.

Was bleibt, wenn die Schmetterlinge fliegen

Mein bester Freund sagte mir einmal: „Liebe ist wie ein Muskel. Wenn man sie nicht benutzt, verkümmert sie.“ Große Liebe ist kein Zufall, sie ist eine Entscheidung – immer wieder. Sie zeigt sich im Dranbleiben, im Vertrauen, im gemeinsamen Wachsen.

Wir sollten aufhören, die große Liebe mit Perfektion zu verwechseln, wir sind einfache Menschen, keine ausgereiften Maschinen. Liebe ist kein Film, kein endloser romantischer Film. Sie ist echt, manchmal unbequem. Sie kann laut sein oder leise, jung oder alt, zärtlich oder wild, aber ehrlich. Die große Liebe ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann immer hat. Sie ist eine Reise. Ein Abenteuer mit Anker.

Am Ende ist die große Liebe das, was bleibt, wenn die Schmetterlinge längst weitergeflogen sind – und man trotzdem lächelt, wenn man den anderen ansieht.

Er sagt es so: „Große Liebe ist, wenn sie nicht weggeht, obwohl sie könnte.“
Ich finde, schöner kann man es nicht sagen.

Für Dich, liebe Leserin: Erlaube Dir Junge-Mädchen-Romantik und Alltagstauglichkeit. Erlaube Dir Nähe und Eigenständigkeit. Es ist nicht die große Liebe, von der wir geliebt werden – wir lieben uns, wenn wir füreinander da sind.

Wenn Du diesen einen Menschen gefunden hast, bei dem Dein Herz ruhig wird – halte ihn fest, aber nicht mit Druck. Lass ihm Raum, die Luft zum Atmen, bleib selbst frei. Und wenn Du noch auf der Suche bist: Bleib offen, sei authentisch. Die große Liebe findet sich, wenn wir am wenigsten mit ihr rechnen.

Wenn Du einen Partner oder eine Partnerin an Deiner Seite hast, frag ihn oder sie ruhig: „Was bedeutet für dich große Liebe?“ Höre zu. Denn dieses Bild davon mag anders sein als Deins – aber womöglich ergänzen sich eure Bilder, eure Vorstellungen.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dich inspiriert, Deine eigene Vorstellung von großer Liebe zu reflektieren. Denn sie ist nicht nur da draußen – sie ist auch hier, in Dir, in uns.

Herzliche Grüße,
Deine Redakteurin Iris


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Josephine von Hedemann-Heespen – Guthofleiterin

In Schleswig-Holstein, gut 130 Kilometer südöstlich von Föhr, wacht Josephine von Hedemann-Heespen auf einem geschichtsträchtigen Gutshof auf, der sich für die Zukunft vorbereitet.

Auf dem Gut Deutsch-Nienhof hat sie sich einer Aufgabe verschrieben, die weit über landwirtschaftliche Tradition hinausgeht. Wo früher Kornsäcke gestapelt wurden, finden heute Veranstaltungen statt; wo alte Mauern standen, entstehen Räume für Neues. Josephine hat die Strukturen ihres Familienbetriebs neu gedacht. Nicht aus Nostalgie, sondern aus Überzeugung. Sie schätzt es, gemeinsam mit ihrem Mann zu arbeiten und einen modernen Betrieb zu betreiben. Ihr Hofcafé ist inzwischen ein gern besuchtes (Ausflugs-)Ziel und die Künstler aus der Region schätzen es sehr, dort ihre Werke ausstellen zu dürfen. Es gibt nicht viele Kulturstätten in der Region.

Josephine führt Gut Deutsch-Nienhof und hat mit ihrem Hofladen und Eventlocation die Gegen bereichert.

Josephines Alltag ist ein Spagat zwischen Stall und Strategie, zwischen Traktor und Teamleitung. Sie führt Gespräche mit Handwerkern, plant Events, verhandelt mit Partnern und sieht dabei immer das große Ganze: Wie lässt sich das Landleben modern gestalten, ohne seine Seele zu verlieren? Auf dem Gut sollen Menschen zusammenkommen – Stadt- und Dorfbewohner, Jung und Alt. Sie möchte zeigen, dass das Land kein Ort des Rückzugs ist, sondern reif für neue Ideen.

Dr. Anna-Lea Comba – Tierärztin

Und dann ist da Anna-Lea Comba – Tierärztin im niedersächsischen Ammerland, die sich mit einer Partnerin eine Großtierpraxis aufgebaut hat. Das Frauen Tierärztinnen sind, ist inzwischen an der Tagesordnung, trotzdem wurden sie nicht von allen Bauern mit offenen Armen empfangen. Ihre Aufgaben beginnen im Morgengrauen, wenn die Stalllichter angehen und das erste Kalb nach Futter ruft. Mit ihrer Partnerin betreut sie rund 6.000 Rinder und fährt Tag für Tag zu Landwirten, die auf ihre Erfahrung zählen. Anna-Lea steht mit Gummistiefeln im Matsch, hält ein neugeborenes Kalb im Arm, redet mit Bauern über Gesundheit, Haltung und Zukunft.

Anna-Lea ist Tierärztin für Großtiere und hat im ammerland ihr Glück gefunden.

Der Job ist körperlich, fordernd, nie planbar und doch ihr Traum. Zwischen Notfällen, Nachtfahrten und Dokumentationen bleibt kaum Zeit zum Durchatmen, aber genau das liebt sie: die Nähe zu den Tieren, das Vertrauen der Menschen, das Gefühl, gebraucht zu werden. Nebenbei stemmt sie mit ihrem Mann gemeinsam die fünfköpfige Familie, den Haushalt und die Organisation – alles mit einer Selbstverständlichkeit, die Respekt verdient. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, ein Netzwerk von Tierärztinnen ins Leben zu rufen. Frauen, die zeigen, dass moderne Landwirtschaft und weibliche Stärke zusammenpassen.

Solche Frauen braucht das Land

Die drei Frauen haben mehr gemeinsam als ihren Wohnort auf dem Land. Sie tragen Verantwortung, treffen Entscheidungen, etablieren Neues in einem Umfeld, das oft unterschätzt wird. Wo andere sagen „Da ist ja nichts“, entdecken sie Möglichkeiten. Sie gestalten, reparieren, pflanzen, nähen, planen. Und sie beweisen, dass das „platte Land“ ein Ort ist, an dem man ankommt – und keiner, an dem man hängen bleibt.

„Frauen braucht das Land“ ist keine romantische Floskel, sondern ein realistischer Blick auf eine Bewegung. Denn während in Städten Coworking-Spaces sprießen und Start-ups vorankommen, ist der Wandel auch auf dem Land sichtbar angekommen. Sehr viel leiser und dauerhaft nachhaltig. Frauen wie Sintje, Josephine und Anna-Lea zeigen, dass Veränderung nicht immer laut sein muss. Manchmal genügen Mut, Ideen und die Entscheidung, einfach anzufangen.

Deutschland braucht solche Frauen, nicht nur auf dem Land. Und vielleicht brauchen wir alle ein Bisschen mehr dieser Entschlossenheit. Denn Zukunft entsteht nicht nur in Metropolen. Sie wächst auch zwischen Wiesen, Weiden und Werkstätten, einfach überall, wo Menschen sie gestalten.

Warum das Land Frauen braucht – und umgekehrt

In unseren Städten spricht man oft vom Mangel an Fachkräften, Ideen, Unternehmerinnen – doch das Land? Dort steckt ein enormes Potenzial. Der Film Frauen braucht das Land macht klar: Frauen wie Sintje, Josephine und Anna-Lea sind nicht nur Einzelgeschichten – sie sind Wegbereiterinnen. Frei vom Tempo der Großstadt, mit mehr Raum, aber auch mehr Herausforderungen.

Sie zeigen, dass Frau auf dem Land unternehmerisch ist, auch wenn die „Szene“ kleiner anmutet. Ländliche Orte können Rückzug-, und Aktivraum sein, sie sind interessant für kreative Firmen, moderne Landwirtschaft und neue Lebenskonzepte. Frauen bringen Perspektiven ein, die Wandel ermöglichen – nachhaltig, familienfreundlich, innovativ.

Die drei Protagonistinnen leben diesen Wandel. Sie beugen sich nicht den Umständen, sie sind Macherinnen – mutig, entschlossen, flexibel. Und ihr Alltag? Kein Glamour-Szenario, sondern harte Arbeit, Verantwortung, aber auch Erfüllung.

Wenn wir also sagen „Frauen braucht das Land“, ist damit kein Zurück in eine romantische Nostalgie gemeint. Das Land braucht die Energie, Ideen und das Engagement von Frauen, damit es lebendig bleibt, zukunftsfähig ist und sich für Veränderungen öffnet.

Ich freue mich darauf, in weiteren Folgen über Frauen zu erfahren, die das Land neu denken. Heute sind es drei starke Stimmen – und ein klares Signal: Das Land kann Zukunft sein.


Quellen:

ARD Mediathek (NDR) Frauen braucht das Land (Video verfügbar bis bis 08.03.2027)

Youtube – Ob Tierärztin, Gutshof-Chefin oder Designerin – der Norden hat starke Frauen – NDR auf’m Land

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