Unser Jahr 2021 – ein kleiner Rückblick

Unser Jahr 2021 – ein kleiner Rückblick

Dieses Jahr war doch irgendwie anders als erwartet: Corona war sehr präsent und ich denke, es ist eine gute Idee, mal eine kleine Reise durch unsere diesjährigen Themenschwerpunkte anzutreten – und ich stelle fest, es war ziemlich bunt. Wie Du weißt, haben wir uns Tabuthemen auf die Fahne geschrieben, doch auch „normale“ Themen haben uns begleitet.

Von der Ernährung über gute 30 Jahre Lebenszeit, die zwischen 30 und 60 oder von 60 bis 90 Jahren liegen können bis zur Verhinderung der Veröffentlichung von künstlerischen Akten in den sozialen Medien und den Steinen, die nicht nur uns in den Weg gelegt werden.

Tabus und andere Themen

Häufig haben wir unsere Beiträge gesundheitlichen (Tabu-)Themen gewidmet. Wir haben über inkontinente junge Sportlerinnen geschrieben und haben praktische Tipps zur Verbesserung veröffentlicht.

Auch zur Sexualität gab es einiges zu berichten. Andrea Hitzke hat uns Einblicke in die Hilfe und Beratung von Sexarbeiter:innen gegeben und wir haben erfahren, wie sich Pornographie auf unsere Beziehungen auswirkt. Wir haben über Vulva und Vagina berichtet, die Intimpflege forciert und den Vulva-Kalender 2022 vorgestellt.

Wir haben gesellschaftliche Themen wie die Loverboy-MethodeHilfsangebote für die Opfer von Menschenhandel, den Kirchenskandal angeschaut und uns die Abgründe des Internets verdeutlicht. Vom Online-Bestellbetrug über Cyber Grooming, womit die Anbahnung sexueller Übergriffe gemeint ist. Welche Kindheit haben Jugendliche, die ihre Eltern pflegen, woher kommt das Bild der Frau als schwaches Geschlecht und wie steht es um die ethische Diskussion zum Thema „Human Enhancement?

Gesundheit

Einer unserer Schwerpunkte ist die Gesundheit – und darüber gab es viel zu schreiben. Von Impulsen für ein angstfreies Leben über die Gefährlichkeit einer medizinischen Gleichbehandlung, den erstaunlichen Vorteilen eines Sehtrainings und Sport in der Schwangerschaft.

Wir haben uns angeschaut, warum wir morgens um 3 Uhr aufwachen und nicht mehr einschlafen können; was bei einer Gebärmuttersenkung helfen kann und haben einen Mann getroffen, der einen Beckenbodentrainer für Frauen getestet hat.

Und Trends gab es auch noch. Von Hula Hoop über den Achtsamkeitshype, eine sichere Heimfahrt mit dem Jugendtaxi und bis zu der Frage, warum Frauen für gleiche Dinge mehr bezahlen müssen haben wir berichtet.

Bunt und voller Vielfalt

Während ich das Jahr Revue passieren lasse, fällt mir auf, wie viele Facetten das Leben hat und wie sich diese Vielfalt immer wieder zeigt. Oft fällt es mir schwer, mich dem Fokus der Nachrichten zu entziehen, doch es gibt so viele interessante, spannende, bereichernde und wissenswerte Dinge zu erfahren.

Lass Deine Tage immer schön bunt sein und starte nach einer entspannten und friedlichen Weihnachtszeit in ein wunderbares neues Jahr 2022.

Alles Gute für Dich und Deine Lieben!

Hier geht es zu den Filmen auf unserem YouTube-Kanal

Verlorene Kindheit: Wenn Kinder ihre Eltern pflegen

Verlorene Kindheit: Wenn Kinder ihre Eltern pflegen

Im Film von ZDF Zoom+ wird deutlich, dass weitaus mehr Kinder und Jugendliche eine Pflegetätigkeit in der Familie ausüben, als bekannt ist. Über 500.000 Kinder und Jugendliche pflegen ihre Eltern, das sind 6% aller 10 – 18-Jährigen, statistisch betrachtet zwei Kinder pro Schulklasse.

Rollentausch in der Fürsorge

Dahinter steht ein Rollentausch: Während die „Young Carers“, wie sie genannt werden, selbst noch elterliche Fürsorge bekommen sollten, sehen sie sich in der Verantwortung, sich um ihre Eltern kümmern zu müssen. Dabei geht es nicht nur um die medizinische Versorgung und Unterstützung bei der täglichen (Intim-)Pflege. Häufig übernehmen sie Aufgaben wie Haushaltsführung, die Versorgung der Familienmitglieder und die Erziehung von jüngeren Geschwistern.

Unterstützung gibt es nicht. Sie sind allein mit den Problemen, die sich aus dieser Verantwortung ergeben. Sie stehen stets auf Abruf bereit, haben keinen zum Reden und leben ständig in der Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren. Der Beitrag macht deutlich, dass die emotionale Belastung enorm ist: Von einem Notfall-Verhaltensplan für eine 8-jährige am Kühlschrank bis zu Scham und auch Ekel, wenn man die eigenen Eltern wie Kleinkinder windeln muss. Dazu kommt, dass die Spätfolgen der Young Carers unterschätzt werden. Sie reichen vom Schulversagen bis zur psychischen Überlastung – und das noch viele Jahre später.

Mangel an offizieller Hilfe

Frau Prof. Sabine Metzing, Pflegewissenschaftlerin an der Universität Witten-Herdecke, hat das mit einer Langzeitstudie belegt und fordert die notwendige Vernetzung der Sozialsysteme und Hilfsangebote für die Young Carers. Während das Jugendamt nur aktiv wird, wenn das Kindeswohl offensichtlich gefährdet ist, sehen die Krankenkassen nur die erkrankten Eltern. Es gibt keine Institutionen oder Träger, die eine Familie als Ganzes betrachten und die pflegenden Kinder unterstützen. Und auch die Politik reagiert langsam. Ein erstes Angebot ist die Website „Pausentaste“. Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht erklärt dazu, dass die Plattform Aufklärungsarbeit leistet und den jungen Menschen aufzeigt, dass sie nicht bis an ihre Grenzen gehen müssen. Sie erklärt die Möglichkeiten, eine Pflegestufe zu beantragen, was in der Folge die Unterstützungsleistungen der Krankenkassen für z. B. Pflege oder eine Haushaltshilfe nach sich zieht.

Austausch und Sichtbarkeit

Doch an praktischer Unterstützung mangelt es weiterhin. Lena Rebhahns Vater erkrankte als sie 7 Jahre alt war. Seit dieser Zeit pflegt sie ihn tagsüber, da ihre Mutter arbeiten muss. Sie fühlte sich alleingelassen und überfordert. Aus diesem Grund hat im Alter von 14 Jahren die Website „Young Carers“ in Leben gerufen. Darauf sammelt sie hilfreiche Informationen und ermöglicht eine gegenseitige Unterstützung der jungen Menschen untereinander. Zusätzlich ermöglicht dieses Netzwerk eine bessere Sichtbarkeit in der öffentlichen Wahrnehmung.

Pilotprojekt

An einer Berliner Schule startet das erste Pilotprojekt. Während die Young Carers in anderen Ländern, wie z. B. Österreich und England, von der Öffentlichkeit unterstützt werden, hoffen wir darauf, dass sich in naher Zukunft auch Deutschland dazu zählen kann.

Zum kompletten Beitrag „Verlorene Kindheit: Wenn Kinder ihre Eltern pflegen“ in der ZDF Mediathek (Verfügbar bis 27.10.2023)

Website Young Carers

Website Pausentaste des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Hormonspiegel des Horrors

Hormonspiegel des Horrors

Warum wir um 3 Uhr morgens häufig aufwachen und nicht mehr einschlafen können!

Alfred Wiater, ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin und Mitautor des Buchs „Ticken Sie richtig“ erklärt, dass viele Menschen nachts zu einer bestimmten Uhrzeit wachwerden und danach nicht mehr einschlafen können.

Das hängt mit unserem Schlaf-Wach-Rhythmus zusammen, der unter anderem von drei Hormonen bestimmt wird: vom Schlafhormon Melatonin, vom Wohlfühlhormon Serotonin und vom Stresshormon Cortisol.

Unser Körper bildet Cortisol, um sich vor Stress zu schützen, indem es den Stoffwechsel anregt. Um diese Wirkung zu erreichen, sollte der Cortisol-Spiegel aber nicht zu hoch und auch nicht zu niedrig sein. Ähnlich ist es bei Melatonin. Ist der Wert des Schlafhormons zu hoch, kann keine Balance im Zusammenspiel mit den anderen Hormonen hergestellt werden, d. h. es wird zum Störfaktor für einen guten Schlaf-Wach-Rhythmus.

Die Wolfsstunde

Im Verlauf der Nacht sinkt unsere Köpertemperatur ab und hat ihren Tiefstand um 3 Uhr erreicht. Gleichzeitig werden bestimmte Hirnbereiche nur gering durchblutet, der Melatoninwert ist sehr hoch, während Cortisol nur sehr gering vorhanden ist. Dieses Phänomen – auch als Stunde des Wolfs bezeichnet, kann ein Auslöser für das Aufwachen sein, häufig mit der Folge, nicht wieder einschlafen zu können.

Das Ungleichgewicht der Hormone und die verringerte Hirndurchblutung sorgen dafür, dass man sich dann eher dünnhäutig fühlt und Situationen eher pessimistisch betrachtet. Das ist häufig der Startschuss für endlose Gedankenspiralen, wie der Psychologieprofessor Greg Murray in einem Beitrag im Wissenschaftsjournal „The Conversation“ beschreibt. Viele nennen es auch ihr „Kopfkino“.

Licht bewirkt Veränderungen

Um in dieser Stimmung nicht lange wachzuliegen und sich den Grübeleien hingeben zu müssen, ist es – so Alfred Wiater – hilfreich, für einen kurzen Moment aufzustehen. Das sollte eher langsam geschehen, da die bessere Durchblutung des Hirns noch „in Arbeit“ ist. Dann bewirkt das kurze Einschalten des Lichts ein Ansteigen des Cortisols und eine Reduzierung des Melatoninwertes. Damit wird die Balance wieder hergestellt und das leichtere Einschlafen wieder möglich.

Psychologische Ursachen fürs Grübeln

Zu den psychologischen Ursachen der Einschlafschwierigkeiten schreibt der Australier Greg Murray, dass die körperlichen und kognitiven Ressourcen nachts um 3 Uhr erschöpft sind. Damit ist die Möglichkeit neue Lösungen zu finden, fast ohne Aussicht auf Erfolg. Erschwerend kommt hinzu, dass wir durch diese Konstellation Situationen viel dramatischer wahrnehmen, als sie – bei Tageslicht betrachtet – wirklich sind, was die Ausweglosigkeit ebenfalls erhöht.

Er rät dazu, sich wie in Achtsamkeitsübungen auf den Atem zu konzentrieren. Wenn das nicht hilft, sollte man spätestens nach 15 – 20 Minuten aufstehen, das Licht anmachen und sich mit anderen Dingen beschäftigen, z. B. etwas lesen.

Quelle: „Die „Wolfsstunde“: Warum wir um 3 Uhr nachts aufwachen“, RND, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (vom 28.10.2021)

Wenn Du positive Erfahrungen gesammelt hast, hinterlasse uns gern einen Kommentar.

Weitere Links, die Dich interessieren könnten:

„Stresshormone und Schlaf: Warum wir um 3 Uhr nachts aufwachen“, Resilienz-Akademie aus Göttingen (vom Januar 2020)

„5 Tipps vom Experten für besseres Durchschlafen in der Nacht“, Helios Magazin (vom 16.08.2019)

OnlyFans und der Wiener Tourismus

OnlyFans und der Wiener Tourismus

Der Wiener Tourismusverband war es leid, dass seine, in den sozialen Medien geposteten Bildern von künstlerischen Akten, wiederholt zensiert wurden. Damit landeten bekannte, aber freizügige Kunstwerke und Bilder nackter Statuen auf der Blacklist von Instagram und Facebook. Jetzt haben sich vier Wiener Museen zusammengetan und einen OnlyFans-Account eröffnet, um Erwachsenen die provokanten Bilder zugänglich zu machen.

Was ist OnlyFans?

OnlyFans ist eine von Timothy Stokely im Jahr 2016 gegründete Internetplattform, die das Teilen erotischer und sexueller Inhalte ausdrücklich erlaubt. Der Artikel vom 26.08.2020 in der „Zeit“ mit „Wie Instagram, nur nackter“ bringt es auf den Punkt. Die Plattform bietet den über 18-jährigen Nutzer:innen monatlich kostenpflichtige Kanalabonnements an, wobei die Preise von den Anbieter:innen festgelegt werden.

Einnahmequelle für Sexarbeiter:innen

Für viele (überwiegend weibliche) Sexarbeiter:innen ist OnlyFans damit eine wichtige Einnahmequelle. Sie können ihren Fans, den Followern ihres Kanals, eigene Fotos und Videos zugänglich machen, das ermöglicht ihnen selbstbestimmt zu arbeiten und ihre Arbeitsbedingungen frei zu gestalten. Von der Summe, die sie über die Kanalabos bekommen, werden 80% an sie als „Creators“ ausgezahlt und nur 20% verbleiben als Provision bei OnlyFans. Aktuell hat die Plattform laut eigener Website ca. 150 Mio. Nutzer:innen und ca. 1,5 Mio. Creators.

Schlechte Kritik

In diesem Frühjahr geriet die Plattform unter Beschuss, da es nach Recherchen der BBC auch unter 18-jährigen problemlos möglich war, ein Konsumenten- oder Anbieterprofil zu erstellen und eigene Inhalte zu veröffentlichen. Die Altersverifizierung sei zu lasch und illegale Inhalte würden nicht gelöscht.

Im August berichtete der Spiegel über die geplante Verbannung von „sexuell explizitem Verhalten“ ab Oktober 2021. Das sorgte für Unverständnis bei den Sexarbeiter:innen, da die Plattform genau damit groß geworden ist.

Kunstwerke auf OnlyFans

Für die vier Wiener Museen, die auf anderen Plattformen schnell gesperrt werden, wenn sie großartige Akte von Künstlern einstellen, ist OnlyFans eine gute Möglichkeit, die Kunstwerke einem erwachsenen Publikum zur Verfügung zu stellen. Im Kanal des Tourismusverbands sind provokante Werke u. a. von Egon Schiele, Richard Gerstl, Koloman Moser oder Amedeo Modigliani unzensiert zu sehen. Für Interessierte bietet der Kanal einen Mehrwert: Wer offen genug für ein solches Abo ist, hat Anspruch auf eine gratis Vienna City Card oder ein Eintrittsticket für das Leopold Museum, das Kunsthistorische Museum Wien, das Naturhistorische Museum und die Albertina.

Das Leid mit den Blacklists

Auch wir scheitern mit manchen Posts an den Filtern der Social Media Kanäle, vor allem bei Facebook und Instagram. Oft genug ist es nicht nachvollziehbar, denn wenn wir die Benennung der Dateien ändern und damit „harmlos“ erscheinen lassen, geschieht nichts. Daher finden wir die Information und die Idee auf jeden Fall teilenswert.

Links, die Dich interessieren könnten:

Wien.info: Wien unzensiert – auf OnlyFans 

Spiegel Netzwelt vom 21.08.2021: OnlyFans verbannt Pornografie »Es fühlt sich wie Verrat an«

t-online vom 28.05.2021: Erotikportal OnlyFans: BBC-Bericht prangert mangelnden Jugendschutz an

Golem.de vom 27.05.2021: Minderjährige verkaufen explizite Inhalte auf Onlyfans

Zeit.de vom 26.08.2020: OnlyFans: Wie Instagram, nur nackter

Ernährung: Einfache Veränderungen, spürbare Wirkung!

Ernährung: Einfache Veränderungen, spürbare Wirkung!

Ernährung: Einfache Veränderungen, spürbare Wirkung!

Im NDR-Magazin „DAS!“ vom 21.09.2021 spricht Hinnerk Baumgarten mit der Allgemeinmedizinerin Dr. med. Silja Schäfer. Sie hat sich auf Ernährung spezialisiert und spricht über verschiedene Themen, die unser Essverhalten beeinflussen. Nach ihrer Überzeugung zeigen schon einfache Veränderungen spürbare Wirkung.Mit der richtigen Ernährung können Krankheiten gelindert oder sogar geheilt werden.

Die Allgemeinmedizinerin ist bodenständig und kennt die Herausforderung, eine gesunde Ernährung mit der Berufstätigkeit unter einen Hut zu bringen. Doch jeder Mensch ist individuell und die Veränderung der Essgewohnheiten muss zu den Lebensumständen passen. Ihr Tipp: Wer auf die schnelle Zubereitung von Mahlzeiten fokussiert ist und dabei nicht auf Fertigprodukte zurückgreifen möchte, ist mit Meal Prep (Abk. meal preparation = Zubereitung von Mahlzeiten) gut aufgestellt. Dabei werden die unterschiedlichen Essenskomponenten vorgekocht und einzeln aufbewahrt. Die Zusammenstellung kann dann jeden Tag individuell vorgenommen werden. Wenn der Einkauf gut geplant ist, kann für mehrere Tage vorgekocht werden. Der tägliche Vorteil liegt auf der Hand: Das Essen steht schnell auf dem Tisch, ist gesund und die Inhaltsstoffe sind bekannt, weil man sie selbst verarbeitet hat.

Falls das nicht funktionieren sollte, ist der Nutriscore beim Einkaufen vielleicht hilfreich. Die Kennzeichnung mit der „Lebensmittelampel“ ist freiwillig und soll auf einen Blick deutlich machen, wie gesund das Nahrungsmittel ist. Doch so einfach ist es nicht, erklärt die Ernährungsspezialistin, denn viele Inhaltsstoffe werden nicht berücksichtigt. Der Nurtriscore ist also nur eine grobe Richtlinie, wenn man unter ähnlichen Produkten das Gesündeste auswählen möchte.

Im Verlauf der Sendung erklärt sie, warum unser heimischer Hafer so gesund ist, und demonstriert die Zubereitung einer Schüttel-Pizza, einem schnellen und gesunden Essen für die ganze Familie. Das Thema Zuckersteuer kommt ebenso zur Sprache, wie irreführende Werbung und die dringend notwendige Aufklärungsarbeit, die mit einem Schulfach „Ernährung“ in den Lehrplan integriert werden könnte. Ein Bericht zu dem Pilotprojekt, an dem ca. 8.000 Kitas und Grundschulen teilnehmen, zeigt, wie interessiert die Hamburger 4.-Klässler:innen mitmachen und die Rezepte auch gerne mit nach Hause nehmen.

Insgesamt eine sehenswerte Sendung (Video in der Mediathek verfügbar bis zum 20.12.2021)

Youtube: Interview von Dr. med. Silja Schäfer zu ihrem „Mein grünes Familienkochbuch“

Love-Scamming: Die Liebes-Abzocke im Internet

Love-Scamming: Die Liebes-Abzocke im Internet

Vertrauen aufbauen, Liebe vorspielen und dann vom frisch verliebten Opfer Geld fordern – das ist Love-Scamming. Das Thema gibt es schon lange, dennoch schützt uns nur unser „gesunder Menschenverstand“ und rationales Denken vor Schlimmerem.

Mit interessierten Fragen, Mitgefühl und Liebesbekundungen rund um die Uhr, werden Menschen aller Bildungsschichten in Datingportalen und auf Social-Media-Kanälen in die Falle gelockt. Mit anerkennenden Worten, Lob, Interesse und Kosenamen wird schnell eine wundervolle (Online)Liebesbeziehung aufgebaut. Der Aufwand lohnt sich für Betrüger:innen, denn beim Betroffenen entsteht das Gefühl „endlich versteht mich jemand und ist für mich da“.

Spontane Notlage verhindert persönliche Treffen

Der Wunsch nach einem persönlichen Treffen wächst. Ist es dann endlich so weit, wird der Termin aus unterschiedlichsten Gründen kurzfristig abgesagt. Meistens ist etwas Schlimmes passiert, z. B. ein Raubüberfall, ein Krankenhausaufenthalt oder eine familiäre Notsituation, so dass auch hier wieder das Mitgefühl aktiviert wird. Aus dieser Not resultiert natürlich ein vorgespielter finanzieller Engpass und das verliebte Opfer wird – anfangs ganz freundlich – gebeten, dringend Geld zur Überbrückung zu überweisen – das selbstverständlich so schnell wie möglich zurückgezahlt wird … „fest versprochen“.

Schuldenberg und Schamgefühl

Das Love-Scamming-Opfer kann sich bereits nach kurzer Zeit nur schwer aus dieser lebenserfüllenden und zeitintensiven Partnerschaft lösen. Die mentale Einwicklung wirkt, ein rationales Denken ist nicht mehr möglich. Die Beziehung fühlt sich gut an, man ist nicht mehr allein, man kann über alles reden – und das wird gnadenlos ausgenutzt. Der Betroffene schickt das Geld, ob aus Mitgefühl, Angst vor Einsamkeit oder dem Verlust eines „wichtigen“ Menschen, und hofft weiter auf das nächste Treffen.

Doch auch danach gibt es immer wieder schlimme Nachrichten, Notlagen oder sonstige Ereignisse, die die persönlichen Treffen verhindern und weitere finanzielle Unterstützung notwendig machen. Irgendwann wird dem Betroffenen klar, dass er betrogen wurde und sich ein großer Schuldenberg angesammelt hat. Besonders schlimm: das Schamgefühl verhindert, sich Hilfe zu holen.

Love-Scamming: Wer macht so etwas?

Meistens sind es Teams von 3 – 6 Personen, die die Kommunikation rund um die Uhr aufrecht halten, während das Opfer glaubt, lediglich eine wundervolle Person vor sich zu haben. Pro Team werden ca. 20 – 30 potenzielle Opfer bearbeitet. Das ist nur möglich, wenn keine Fragen beantwortet werden, da sonst jeder aus dem Team alle Antworten für jeden Kontakt kennen müsste. Also ist die Strategie eine andere. Die Scammer stellen Fragen, um Interesse zu zeigen, Vertrauen aufzubauen, den richtigen Hebel für die Geldforderungen und deren Höhe zu finden.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Männer-Teams aus Afrika hierzulande Frauen anschreiben. Männer werden von osteuropäischen Frauen-Teams kontaktiert. Ausweichen, ablenken und Gegenfragen stellen, mit dieser Vorgehensweise kommen die Teams zum Erfolg.

Genau hinschauen …

Woran ist erkennbar, dass es sich um ein Fakeprofil handelt? Es gibt verschiedene Hinweise, die darauf hindeuten, wann Vorsicht geboten ist:

  • geschrieben wird nicht in Deutsch oder mit schlechter Übersetzung
  • Videotelefonate werden abgelehnt
  • Fragen werden nicht beantwortet, sondern gestellt
  • die persönlichen Treffen werden – aus „verständlichen“ Gründen – spontan abgesagt
  • um Geld wird erst gebeten, dann gefordert (für Notlagen, Operationen, finanzielle Engpässe usw.)
  • die Profilbilder stammen immer aus anderen öffentlichen Profilen (siehe unten)

Zu den Profilbildern haben wir in den Antworten unter dem NDR-Beitrag auf Youtube: „Love-Scamming: Internet-Betrug statt großer Liebe“ einen interessanten Hinweis gefunden.

Noah Roos hat den Beitrag wie folgt kommentiert:

„Dadurch das die Scammer Bilder von anderen Personen aus dem öffentlichen Leben klauen ist es möglich, dies innerhalb weniger Minuten rauszufinden: -Screenshot von dem Bild der Scammer machen -Ausschneiden so das nur das Gesicht zu sehen ist – Das Bild bei Google Bilder suchen. Dies funktioniert sehr einfach und zuverlässig. Es ist aber keine Absicherung, dass diese Person dann kein Scammer ist!“ Und Yves Rogage hat ergänzend geschrieben: „Z. B. bei der Suchmaschine Yandex funktioniert die umgekehrte Bildersuche sehr gut!“

Verurteilung tut weh

Im Internet kursieren viele Kommentare zum Love-Scamming, die die Betroffenen als dumm darstellen. Wir möchten deutlich machen, dass jeder Mensch – unabhängig vom Bildungsniveau – darauf hereinfallen kann. Die Betrüger nutzen die emotionale Verletzlichkeit ihrer Opfer auf brutale Art und Weise aus. Daher sind wir der Meinung, dass echtes Mitgefühl für die Betroffenen wesentlich hilfreicher ist.

Anlaufstellen für Betroffene

Wir haben hier – zwei in den Filmbeiträgen genannte – Anlaufstellen für Betroffene aufgeführt. Es gibt dort Menschen, die nachvollziehen und verstehen können, wie so etwas passieren konnte und Hilfe anbieten können.

Betroffene finden u.a. Hilfe bei:

Ursula Tschorn und der Website „SOS Selbsthilfe Liebesbetrug“ 

Helga Grotheer betreibt auf der Website „Romancescambaiter.de“ ein Forum, veröffentlicht Fakeprofilbilder und angebliche Identitätsbeweise

Weitere Links bzw. Beiträge:

NDR Markt auf Youtube: Love-Scamming: Internet-Betrug statt großer Liebe

WDR Doku auf Youtube: „Verliebt in ein Fake-Profil“ 

NDR Ratgeber (Textbeitrag vom 23.07.2021): Internet-Betrug: Maschen der Täter und wie Sie sich schützen 

ARD-Mediathek: Love-Scamming: Internet-Betrug statt großer Liebe (Verfügbar bis 26.07.2022)