Leen, Nermina, Carola, Ingrid, Wesam, Alisa – diese sechs Frauen im Alter zwischen 14 und 87 Jahren teilen ein Schicksal. Sie haben ihre Kindheit in Zeiten erlebt, die in ihrem Land Krieg bedeutete. Krieg in Deutschland, Krieg in Bosnien und Krieg in Syrien. Die Dokumentation der ARD erzählt die Geschichten dieser Frauen. Sie alle erlebten den Verlust, kämpften für einen Neuanfang und hielten trotz der Umstände an ihren Träumen fest. Ihre Schicksale zeigen, wie Krieg das Leben von Generationen prägt – aber auch, dass die Hoffnung nie ganz verschwindet.
Verlust – Das Ende der Kindheit
Krieg bedeutet Angst, Zerstörung und den Verlust alles Vertrauten.
Leen war drei Jahre alt, als der Krieg in Syrien begann. Sie musste schon als Kleinkind den Tod ihres Vaters erleben, der vom sogenannten „Islamischen Staat“ ermordet wurde. „Ich war noch so klein, als mein Vater gestorben ist. Sein Tod hat eine Lücke hinterlassen, die nicht mehr gefüllt werden kann.“ 2018 floh sie mit ihrer Schwester und ihrer Mutter über Marokko, Spanien und Frankreich nach Deutschland. Bis heute wissen sie nicht, ob sie bleiben dürfen. In Syrien lebte die Familie in einem großen Haus, heute lebt Leen mit ihrer Mutter und Schwester in einem Zimmer im Flüchtlingslager.
Nermina ist in Zivinice, zweieinhalb Stunden von Sarajevo (Bosnien) entfernt, aufgewachsen. Als 1992 der Krieg in Bosnien ausbrach, war sie 10 Jahre alt. Musste sie mit ihren Eltern bei Angriffen in den Bunker laufen, hatte Nermina immer einen Rucksack dabei, mit dem sie ein bisschen Kleidung, eine Kerze und ein Mensch-Ärgere-Dich-Nicht Spiel bei sich tragen konnte. Nach dem Krieg gab es in ihrer Heimat für sie keine Perspektive mehr; heute lebt Nermina in Deutschland. „Die Flucht war das Schlimmste. Alles Vertraute zurückzulassen und ins Ungewisse gehen, hat mich tief geprägt.“
Ingrid ist 1941 als zweites von fünf Kindern mitten im zweiten Weltkrieg geboren. Ihre Mutter war glühende Anhängerin des Nazi-Regimes. Als Mädchen hat sie ihren Vater wegen des Krieges jahrelang nicht gesehen und wurde früh mit Angst und Entbehrung konfrontiert. Sie erinnert sich heute noch an die Nächte im Luftschutzkeller, an das Heulen der Sirenen. Diese Bilder lassen sie nicht los. Sie ist zutiefst erschüttert, wenn sie daran denkt, dass das Leid, wie sie es erlebt hat, aktuell in der Ukraine über tausende von Familien hereinbricht.
Alisa wurde in Sarajevo (Bosnien) geboren. Kurz vor ihrem dritten Geburtstag musste sie zusammen mit ihren Eltern aus ihrer Heimat fliehen. „Wir mussten alles zurücklassen. Die Ungewissheit war das Schlimmste.“ Trotz aller Anstrengungen sind ihre Eltern in Deutschland immer Fremde geblieben. Heimat ist für Alisa ein ambivalentes Wort.
Carola war 4 Jahre alt, als 1939 der Zweite Weltkrieg begann. Ihre Mutter war fast blind und ihr Vater beim Militär. So musste das kleine Mädchen bei Bombenangriffen die Mutter und ihre kleineren Geschwister zum Bunker führen. Am 5. Oktober 1944 schlug eine Bombe in ihr Elternhaus in Saarbrücken ein und legte es in Schutt und Asche. „Ich erinnere mich an den Tag, als unser Haus zerstört wurde. Es war der Moment, in dem meine Kindheit endete.“ Sie hatten nur noch, was sie am Leib trugen, und in den kleinen Taschen hatten, aber am wichtigsten war für Carola der Zusammenhalt. „Wir hatten uns noch“ sagt sie.
Bis zur achten Klasse ging Wesam in Syrien zur Schule. Zukunftspläne konnte sie nicht machen, denn sie wusste nie, ob sie den nächsten Tag noch erleben würde. „Als ich mit meiner kleinen Schwester unser Zuhause verließ“, sagt sie, „wusste ich nicht, ob ich meine Familie jemals wiedersehen würde.“ Sie floh erst in die Türkei und kam dann nach Deutschland.
In den Erzählungen der Frauen ist immer wieder zu erkennen, dass es die Machthaber sind, die diese Kriege wollen. Wenn man die Bevölkerung fragen würde, wollte das niemand. Die Kinder leiden am meisten, an zweiter Stelle die Mütter und die Männer, die ihre Familien verlassen und in den Krieg ziehen müssen, um ihr Land zu verteidigen.
Neuanfang – Zwischen Fremde und Hoffnung
Nach der Flucht begann für die Frauen ein langer, mühsamer Weg.
„Wir hatten nichts mehr, aber wir hatten uns. Das gab uns die Kraft, neu anzufangen“ erzählt Carola. Trotz aller Schicksalsschläge, die sie in ihrem langen Leben ertragen musste, hat sie das Singen nicht verlernt. „Musik bedeutet für mich einfach das Leben.“ 2012 lernt Carola ihren Lebensgefährten kennen. Die beiden wollen gemeinsam alt werden, zuhause und nicht in einem Altenheim.
Auch Ingrid wuchs in den Trümmern des zerstörten Deutschlands auf. Sie lernte früh, sich durchzukämpfen, denn als Kind und Jugendliche hat sie gelispelt und wurde dafür von ihrer Mutter geschlagen. Gemäß der Nazi-Ideologie hatte sie keine gesunde Tochter zur Welt gebracht, das war eine Schande. Ingrid erzählt, wenn sie immer daran gedacht hätte, wie schlimm alles gewesen ist, wäre sie nicht die Frau geworden, die sie heute ist. „Es war eine harte Zeit, aber wir haben gelernt, mit wenig auszukommen und trotzdem glücklich zu sein.“
Für Wesam bedeutete das neue Leben in Deutschland nicht nur Sicherheit, sondern auch Herausforderungen. Für sie heißt positiv denken nicht darauf zu schauen, was sie verloren hat (ihre ganze Familie), sondern das zu schätzen, was sie noch hat. Wesam schafft, trotz aller Selbstzweifel, ihr Abitur. Immer wieder kümmert sie sich gemeinsam mit ihrer Schwester um ihren autistischen Bruder. „Ich wollte nicht nur überleben, ich wollte leben. Also habe ich angefangen, mir hier ein neues Leben aufzubauen.“
Alisa integrierte sich in Deutschland und schuf sich eine Zukunft. Für sie war es nicht einfach, aber sie hat gelernt, „dass Heimat nicht nur ein Ort ist, sondern dort, wo man sich wohlfühlt.“ Als Kind träumte sie davon, Schriftstellerin zu werden. In Deutschland hat sie dann Abitur gemacht und studiert. „Es gibt fast nichts in meinem Leben, das mich so glücklich gemacht hat, wie die Möglichkeit, studieren zu gehen.“
In Deutschland angekommen, musste auch Leen eine neue Sprache lernen und sich in einer ihr bisher fremden Kultur zurechtfinden. „Es war schwer, aber ich wollte nicht aufgeben. Ich wollte meinem Vater zeigen, dass ich stark bin.“ Inzwischen geht sie in die achte Klasse und hat viele Freunde. Unterstützt wird sie von der Betreuerin der freiwilligen Ganztagsschule. Mit ihrer Schwester und ihrer Mutter lebt sie seit Jahren im Flüchtlingsheim und wünscht sich ein neues Zuhause.
Nermina kämpfte anfangs noch mit ihren Ängsten. Sie sah die zerstörten Gebäude und die Armut in ihrer Heimat. Auch heute hat sie Probleme mit lauten Geräuschen und Flugzeugen – das erinnert sie an den Bombenalarm im Krieg. 2003 lernte sie ihren deutschen Mann kennen, der in Bosnien Urlaub machte. 2005 folgte sie ihm nach Deutschland. „Ich wusste, dass ich für meine Familie stark sein musste. Also habe ich angefangen, Deutsch zu lernen und mich zu integrieren.“ Sie hat sich ihr Leben aufgebaut und führt mit ihrem Mann ein Restaurant, trotzdem ist Deutschland nicht ihre Heimat geworden.
Nicht aufgeben, immer weitermachen, sich ein neues Leben aufbauen, das kostet unglaublich viel Kraft. Es ist aber auch der einzige Weg, wenn man nicht am Schmerz des Verlustes zerbrechen will. Für ausländische Geflüchtete ist es in Deutschland allerdings oft ein Weg voller Hindernisse.
Träume – Der Blick nach vorn
Trotz der schweren Vergangenheit haben die Frauen ihre Träume nie aufgegeben.
So sehr der Krieg ihr Leben auch geprägt hat: alle sechs Frauen sind dankbar für das, was sie haben, nutzen Chancen, die sich bieten, schmieden Zukunftspläne. Ob Traumjob, Traumreise oder Traumkonzert – das Leben hält auch wieder Schönes parat.
Leen hofft auf eine Zukunft in Frieden. „Ich möchte, dass meine Kinder in einer Welt ohne Krieg aufwachsen.“ Nermina sehnt sich nach ihrer alten Heimat. „Eines Tages möchte ich zurückkehren und beim Wiederaufbau meines Landes helfen.“ Carola wünscht sich, dass zukünftige Generationen nie wieder Krieg erleben müssen. „Ich hoffe, dass unsere Kinder niemals erleben müssen, was wir durchgemacht haben.“ Ingrid teilt diesen Wunsch. „Ich träume von einer Welt, in der niemand mehr fliehen muss.“ Wesam möchte, dass sich ihre Familie in Deutschland eine Zukunft aufbaut, ohne ihre Wurzeln zu vergessen. „Ich hoffe, dass meine Kinder sich nicht zwischen zwei Kulturen zerrissen fühlen müssen.“ Sie sieht ihre eigene Zukunft im gesundheitlichen oder sozialen Bereich, so ganz genau weiß sie das noch nicht. Alisa hat sich ein neues Leben aufgebaut und blickt nach vorne. „Mein größter Traum ist es, endlich Frieden mit der Vergangenheit schließen zu können.“
Die Geschichten dieser sechs Frauen sind Zeugnisse von Verlust, Stärke und Hoffnung. Sie zeigen, dass Krieg nicht nur auf Schlachtfeldern Opfer fordert, sondern auch in den Herzen jener, die ihn überleben, großen Schaden anrichtet. Und sie machen deutlich: Selbst nach den schlimmsten Zeiten kann ein neuer Anfang gelingen – wenn man an sich glaubt und an seinen Träumen festhält.
Wir als die Nachkriegsgenerationen, können uns Krieg und Zerstörung nur schwer vorstellen. Auch wenn uns der Krieg seit über 3 Jahren wieder nähergekommen ist, erleben wir ihn „nur“ in den Medien, nicht hautnah und erst recht nicht am eigenen Leib. Vielleicht sollten wir lernen, unser ruhiges Leben zu schätzen und aufhören, uns über Kleinigkeiten aufzuregen.
Mich haben die drei Filme sehr berührt, ist mir doch bewusst geworden, was für ein schönes, sicheres und sorgenfreies Leben ich führen kann. Dir will ich diese Dokumentationen ans Herz legen – schau sie Dir an und Du bekommst vielleicht auch einen anderen Blick auf Dein Leben.
Unter dieser Überschrift erzählen Wiebke, Melanie, Juliane und andere Frauen von ihren Gefühlen und den Problemen, sich in ihrer Mutterrolle zurechtzufinden. Sie sind mit den Anforderungen, die ihnen das Leben stellt, überfordert. Die Dokumentation der ZDF 37° Leben setzt sich in mehreren Episoden mit dem Problem „Regretting Motherhood“ auseinander.
„Ich liebe meine Kinder, aber ich bedauere die Mutterschaft“ erzählt Wiebke. Eine Mutterschaft wird oft als eine der glücklichsten Erfahrungen im Leben einer Frau dargestellt. Doch was, wenn die Realität nicht den romantischen Vorstellungen entspricht? Was, wenn eine es Mutter bereut, Kinder bekommen zu haben? Dieses Phänomen, bekannt als „Regretting Motherhood„, ist ein Tabuthema. Es wird gar nicht oder nur selten darüber gesprochen. Dabei ist es wichtig, Frauen, die mit solchen Gefühlen kämpfen müssen, nicht zu verurteilen, sondern ihre Gefühle ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und Lösungsansätze zu aufzuzeigen.
Die Ursachen des Mutterseins ohne Glück
Laut einer deutschen Studie aus dem Jahr 2015, gaben 20 % der insgesamt 2045 befragten Eltern an, dass sie die Entscheidung, Kinder zu bekommen, bedauern.
Es gibt viele Gründe, warum Frauen bereuen könnten, Mutter geworden zu sein. Oft sehen sie sich nach der Geburt eines Kindes nur noch auf ihr „Mutterdasein“ reduziert und vermissen das bunte Leben vor der Schwangerschaft. Sie haben das Gefühl, ihre frühere Identität verloren zu haben, und kämpfen mit der vorgegebenen neuen Rolle als „glückliche Mutter“, die ihnen von der Gesellschaft auferlegt wird. Die ständige Verantwortung und die damit verbundenen körperlichen und emotionalen Belastungen sind oft erdrückend, insbesondere wenn ein stabiles soziales Umfeld fehlt oder kaum weitere Hilfe vorhanden ist. Wenn Mütter keine oder nur geringe Unterstützung vom Partner, der Familie oder Freunden erhalten, kann das Gefühl der Isolation entstehen, das die Belastung zusätzlich verstärkt.
Viele Frauen empfinden es zudem als belastend, dass sie sich nicht mehr selbstbestimmt handeln können und sich so frei entfalten können wie vor der Geburt. Plötzlich stehen eigene wie die Verwirklichung eigener Träume, die Zeit für Hobbys und erst recht Karriereaussichten hinten an. Das kann zu Frustration führen. Auch die Erwartungen der Gesellschaft an „die perfekte Mutter“ setzen Mütter unter enormen Druck. Alles perfekt meistern zu müssen macht oft hilflos und führt zu Enttäuschung von sich selbst. Jederzeit liebevoll, geduldig und engagiert zu sein, ist eine unrealistische Vorstellung, die bei vielen Müttern ein Gefühl der Unzulänglichkeit hervorruft. In manchen Fällen kann auch eine postpartale Depression der Auslöser dafür sein, dass sich Frauen mit ihrer Mutterschaft nicht wohlfühlen. Diese ernste psychische Erkrankung wird leider oft nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, sodass betroffene Frauen zusätzlich mit einem Gefühl der Einsamkeit und Überforderung kämpfen. Ein weiterer Einflussfaktor ist die sogenannte Transgenerationale Weitergabe von Traumata. Es handelt sich hierbei um psychologische Belastungen, die über Generationen hinweg weitergegeben werden. Sind Verlusterfahrungen oder belastende Familiengeschichten in der Ahnenreihe erlebt worden, kann sich das auf die heute lebenden Frauen auswirken. Sie fühlen sich in der Mutterrolle unwohl oder emotional überfordert. Diese Gefühle erhöhen das Risiko für das Bereuen der Mutterschaft.
Lösungsansätze für betroffene Mütter
Frauen, die ihre Mutterschaft bedauern, sind keine schlechten Mütter. Sie werden von echten, oft unerwarteten Gefühlen regelrecht überfallen. Es ist wichtig zu lernen mit diesen Emotionen umzugehen. Offene Gespräche mit anderen Müttern oder Vertrauenspersonen, um entlastende Perspektiven zu gewinnen, könnten ein erster Schritt sein. Der Austausch mit Gleichgesinnten kann helfen, sich verstanden zu fühlen. Betroffene Mütter dürfen sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Therapeutische Unterstützung kann helfen, die belastenden Emotionen zu verstehen und besser damit umzugehen. Ein Therapeut kann individuelle Strategien aufzeigen, um mit der emotionalen Belastung umzugehen und langfristige Lösungen zu erarbeiten.
Die Betreuung durch andere Personen sicherzustellen und dann Zeit für sich einzuplanen, einem Hobby nachzugehen oder sich kleine Auszeiten zu gönnen, hilft sicher, das eigene Wohlbefinden zu stärken. Selbstfürsorge darf kein Luxus sein, sondern ist eine Notwendigkeit, um emotionale Erschöpfung zu vermeiden. In einer Ehe oder Partnerschaft trägt nur eine ehrliche Kommunikation dazu bei, die häuslichen Aufgaben besser zu verteilen und die Belastung für die Mutter zu verringern. Für sie muss der Druck, alle Erziehungs- und Haushaltsaufgaben allein bewältigen zu müssen, überwältigend sein. Daher sind die Mütter aufgefordert, die Verantwortung zwischendurch abzugeben und Unterstützung einzufordern. Ein wichtiger Schritt, mit der Situation besser klarzukommen, ist die Akzeptanz der eigenen widersprüchlichen Gefühle. Es ist in Ordnung, zwiespältige Emotionen zu empfinden und diese offen anzusprechen. Die Vorstellung der perfekten Mutter ist reine Theorie. In dieser Rolle Fehler zu machen, ist menschlich und normal. Kritik daran ist nicht angesagt, auch nicht als Selbstkritik. Sich als Mutter oder Eltern mit Menschen in gleicher Situation auszutauschen, kann sicher hilfreich sein. Gerade in Selbsthilfegruppen können Mütter offen über ihre Erfahrungen sprechen, ohne Angst vor Verurteilung haben zu müssen.
Fazit – ein gesellschaftlicher Wandel ist nötig
Anstatt Mütter, die mit ihrer Rolle hadern, zu stigmatisieren, müssen wir als Gesellschaft offen mit diesem Thema umgehen. Eine glückliche Mutterschaft darf keine erzwungene Pflicht sein, sondern eine bewusste Entscheidung. Sie muss von Unterstützung, ehrlicher Aufklärung und realistischen Erwartungen begleitet werden. Wir müssen aufhören, Frauen einzureden, dass Mutterschaft automatisch Glück bringt. Besser ist es, realistische Bilder zu zeichnen, die auch die vielen Herausforderungen und Schwierigkeiten sichtbar machen.
Frauen, die sich in ihrer Mutterrolle unglücklich fühlen, brauchen Verständnis und Hilfsangebote. „Regretting Motherhood“ ist kein Zeichen von Versagen, sondern ein Ausdruck von ehrlichen Emotionen, die ernst genommen werden müssen. Die Gesellschaft muss lernen, betroffenen Frauen mit Empathie zu begegnen und sie dabei zu unterstützen, Wege zu finden, die ihnen helfen, mit ihrer Situation umzugehen. Denn nur durch Offenheit und gegenseitiges Verständnis kann ein Klima geschaffen werden, in dem Mütter sich nicht allein gelassen fühlen.
Die Entwicklung neuer Technologien hat sich in der Vergangenheit um ein Vielfaches beschleunigt. Das sorgt nicht nur für Freude, sondern stellt den Menschen auch vor die Herausforderung, mit diesen Errungenschaften Schritt zu halten und umzugehen.
Die Klagen über Schnelllebigkeit, beschleunigte Prozesse und permanente Informationsflüsse werden lauter. Das Gefühl der Überforderung wird häufiger wahrgenommen und sorgt für Unsicherheit. Während früher das Wissen über Bücher transportiert wurde, steht uns heute unfassbar viel Wissen per Mausklick zur Verfügung. Daraus ergeben sich jedoch weitere Fragen: Vor welchen Herausforderungen werden die Kinder von heute in der Zukunft stehen? Werden wir von der Technik abgehängt, die sich immer schneller weiterentwickelt?
Prof. Harald Lesch beschäftigt sich in der Terra X-Doku „Faszination Universum: Im Bann der Technik“ mit Hinweisen aus der Vergangenheit, die uns einen leichteren Umgang mit zukünftigen Technologie-Entwicklungen ermöglichen können.
Er nimmt den Zuschauer u. a. mit in die Erkenntnisse Alexander von Humboldt, der auf seinen Forschungsreisen nach Mustern und Gesetzmäßigkeiten in der Natur gesucht hat. Ebenso schaut er auf die die Entstehung des Periodensystems oder die Zeit der Industrialisierung. Er zeigt auf, dass frühe Entdeckungen oft zufällig entstanden sind und sie erst durch die Grundlagenforschung wesentlich beschleunigt wurden.
Auch wenn wir heute schon weiter sind, können wir aus der Vergangenheit lernen. Die Bildung muss darauf ausgerichtet werden, die Neugier der Lernenden hochzuhalten und eigenständiges Denken zu fördern. Das reine Faktenwissen in Kombination mit Allgemeinbildung und dem sogenannten „nutzlosen“ Wissen bildet die Basis, um den Fortschritt zu verstehen und mit ihm mitzuhalten. Die Freude am Entdecken, die Lust Fragen zu stellen, Rätsel zu lösen muss gefördert werden, um durch Wissen und eigene Erfahrungen die Welt selbst entdecken zu können.
Mit guter Allgemeinbildung und vielen praktischen Erfahrungen erhöht sich die Vernetzung in unserem Gehirn. Dadurch haben wir die Möglichkeit, Assoziationen herzustellen und Dinge miteinander zu verknüpfen; unsere Stärke ist das vernetzte Denken in Zusammenhängen. Das erhöht unsere Anpassungsfähigkeit und Flexibilität.
Wir Menschen dürfen uns auch von dem Gefühl befreien, immer schneller und vermeintlich immer besser werden zu müssen. Das sollte nur für die Technik gelten, denn diese ist das Mittel zum Zweck. Wenn wir unser Potenzial nutzen und unsere Denkfähigkeit auszubauen, wird uns die Technik nicht (mehr) abhängen und wir können auch in der unbekannten Zukunft mit dem Fortschritt Schritt halten.
Das es schwierig werden kann, wenn es bei einem Todesfall kein Testament gibt, ist allgemein bekannt. Doch mit zunehmender Onlinenutzung rückt auch das digitale Erbe immer mehr ins Bewusstsein und sollte frühzeitig mit bedacht werden.
Wir sprechen dabei über die umfangreiche Sammlung der von uns angelegten Online-Konten und die über uns gespeicherten Daten im Internet, die bei den verschiedenen App-, Dienst- und Shopanbietern liegen. Vom Nutzungsverhalten bis zu Warenkörben, von Merk- bzw. Wunschlisten bis unbefristet weiterlaufende Abonnements, im Todesfall bleibt alles gespeichert und die regelmäßigen Gebühren laufen weiter auf, obwohl kein Account/Konto mehr genutzt wird.
Einige Abonnements lassen sich nur online kündigen. Nur sind dafür die hinterlegten Zugangsdaten erforderlich. Ebenso gibt es Konten, auf die nur der Zugriff mit „bekannten“ Geräten möglich ist, zum Beispiel beim Onlinebanking. Sind die Daten zum Entsperren nicht bekannt, ist es fast unmöglich, diese Konten zu verwalten, aufzulösen oder zu löschen.
So passiert es, dass beispielsweise auf Facebook noch Profile aktiv sind, doch die Inhaber bereits verstorben sind. Das Problem: keiner der Erben hat die Zugangsdaten für das Konto. Weiterhin werden Freundschaftsanfragen gestellt, alte Beiträge können kommentiert und geteilt werden. In einigen Social-Media-Kanälen können von Dir Personen benannt werden, die bei längerer Inaktivität Zugriff auf das Profil bekommen und entsprechend Deinem Wunsch agieren können.
Eine grobe (und nicht vollständige) Übersicht möglicher digitaler „Hinterlassenschaften“:
Accounts in Social-Media-Kanälen, wie Facebook, Instagram, TikTok, LinkedIn usw.
Online-Konten bei Banken und Finanzdienstleitern (z. B. PayPal, Klarna …)
Shopping – Händler bzw. Versandhandel (z. B. Ebay, Amazon, Otto, Zalando, Bekleidung, Baumärkte)
Abonnements und Streamingdienste (z. B. E-Paper + Zeitschriften, Netflix, Amazon Prime …)
Software- und Cloud-Dienste, wie z. B. Microsoft, Apple, Skype, Google …
E-Mail-Accounts und Website-Hosting
Weiterbildungsangebote (z. B. VHS, Podcasts …)
Hardware-Zugänge für Handys, Tablets, PCs …
Messenger-Daten, wie Whatsapp, Signal, Telegram, Threema …
…
Was ist zu tun?
Wenn Du Deine Angelegenheiten, zum Beispiel mit einer Vorsorgevollmacht, frühzeitig regelst, solltest Du auch an Deinen digitalen Nachlass denken.
Erstelle eine Liste mit allen Zugangsdaten, Kennwörtern, Nutzernamen und schreibe direkt dazu, was mit den dortigen Daten passieren soll. Hier ist ein Vordruck dazu. Vielleicht nutzt Du die Gelegenheit zum Ausmisten. Lösche die Konten, die Du schon lange nicht mehr genutzt hast und die nicht mehr gebraucht werden.
Benenne eine oder mehrere Personen, die sich im Todesfall darum kümmern sollen und besprich das mit ihnen. Stelle dazu eine Vollmacht aus. Im besten Fall hinterlegst Du die Personen samt Aufgabe namentlich in der Vorsorgevollmacht und in Deinem Testament.
Bewahre die Liste an einem geschützten Ort auf, wie z. B. im Bankschließfach, Tresor o.ä. und gib diese Information an Deine Vertrauensperson weiter. Ermögliche der Person den Zugang zur Liste, indem Du beispielsweise bei der Bank den Zugriff auf das Schließfach in Deinem Todesfall hinterlegst.
Bitte denke daran, die Liste immer wieder auf den aktuellen Stand zu bringen
Lass uns gern einen Kommentar hier, wenn Du bereits Erfahrung gesammelt hast, die Du mit unseren Leser:innen teilen möchtest 😊.
Bei Olympia in Paris ist mir die Kugelstoßerin Raven Saunders aufgefallen. Sie trug im Kugelstoßen-Finale eine schwarze Gesichtsmaske und der Kommentator meinte, dass diese ihr helfen würde, sich zu fokussieren. Sie hätte psychische Probleme und ginge damit ganz offen um. Für die anderen Sportler:innen war das nicht ungewöhnlich, da Raven schon häufiger mit einer Gesichtsmaske angetreten ist. Es gibt eine Dokumentation mit dem Namen „Out oft he Dark“ über sie.
Ich habe mich auf die Suche gemacht und die Doku bei Youtube gefunden, sie wurde von den amerikanischen PBS Digital Studios gedreht. Dabei musste ich feststellen, dass es keine deutsche Synchronisation gibt und die Untertitel nur in englischer oder spanischer Sprache verfügbar sind.
Raven Saunders passt in keine Schublade und genau deshalb finde ich ihre Geschichte erwähnenswert. Sie ist schwarz, lesbisch, bezeichnet sich als non-binär und hat jahrelang hart gearbeitet, um in die Weltspitze vorzudringen. Heute nutzt sie ihre Popularität, um Tabu-Themen anzusprechen und Missstände aufzuzeigen, sie ist für viele Menschen ein echtes Vorbild. Raven will vorhandene Mauern einreißen und spricht offen über ihre Suizidgedanken, den Stress, Traumata und ihre mentalen Probleme.
Aus schwierigen Verhältnissen kommend hat sie immer weiter trainiert, um stärker als andere zu sein und sich selbst schützen zu können. Sie hat erst lernen müssen, den „Hulk“ in sich zu kontrollieren und kann diese besondere Stärke zielgerichtet im Wettkampf einsetzen.
Doch der Weg war steinig. Nach dem 5. Platz bei den Olympischen Spielen 2016 folgte eine tiefe Depression. Gute Miene zum bösen Spiel machen, so tun, als ob alles gut ist und mit niemanden reden können – das alles machte ihr schwer zu schaffen. In der größten Not war ihre ehemalige Therapeutin zur Stelle und bot Hilfe an, so dass sie weiterleben konnte und sich neue Ziele setzte.
Ihre sportliche Karriere bietet eine Plattform für ihren Kampf mit klaren Worten, den sie lautstark führt. Sie steht für Menschen, die keiner Mehrheit angehören und keiner Norm entsprechen. So unterstützt sie viele, damit sie sich nicht mehr verstecken müssen. Sie steht für einen Dialog über psychische Gesundheit unter Sportlern, für Diversität sowie für die Rechte von Schwarzen, Frauen und queeren Menschen.
Raven Saunders ist eine schillernde und bemerkenswerte Persönlichkeit, die ihren Weg gefunden hat. Sie nutzt die Öffentlichkeit, um Tabu-Themen in den Fokus zu rücken. Damit ist sie ein wichtiges Vorbild, das vielen Menschen Orientierung bietet. Das gefällt mir!
Unser kleines Nachbarland im Norden hat es mir seit über 30 Jahren angetan. Erst war es nur die Nordseeküste, die mich gepackt hat. Breite und endlos lange Sandstrände, die oft tosende See, sanfte Dünen und viel plattes Land. In den letzten Jahren bin ich auch Fan der Ostseeküste geworden. Die See ist sanfter, die Strände meist eher schmal und steinig. Aber dafür punktet das hügelige Hinterland mit wunderschönen Städtchen und einer langen Geschichte.
Glaubt man dem World Happiness Report, ist Dänemark eines der glücklichsten Länder der Welt und die Dänen sind die glücklichsten Europäer. Ja, das kann ich nachvollziehen und will Dir zeigen, warum das so ist.
Hygge – was ist denn das?
Hygge ist ein fester Teil des Lebens und der Tradition in Dänemark. Der Begriff umfasst die gemütliche, herzliche Atmosphäre. Das Gute im Leben mit Familie, lieben Menschen und Freunden genießen. Abends gemeinsam zusammensitzen. Das warme Licht der Kerzen im Winter. Draußen sein, Land und Meer mit allen Sinnen genießen. Leckeres Essen und Feste gehören auch dazu.
Ich habe immer erlebt, dass die Dänen gegenüber ihren Mitmenschen sehr freundlich und hilfsbereit sind. Eine Geschichte will ich kurz erzählen.
Ich komme in dem Ort Ringkøbing am Nordufer des gleichnamigen Fjords in einen kleinen Supermarkt. Die einzige Mitarbeiterin sitzt an der Kasse. Etwa zehn Menschen stehen in der Schlange der Wartenden, als eine ältere Frau im Rollstuhl in den Laden fährt. Die Mitarbeiterin sagt kurz etwas mir leider Unverständliches zu den Menschen und kümmert sich sofort um die ältere Dame, die ihr eine Einkaufsliste gibt. Es dauert eine Weile bis die Mitarbeiterin den Einkauf zusammengestellt, in die Kasse eingegeben hat und die Rollstuhlfahrerin davonfährt.
Warum das so bemerkenswert ist? In unserem Land wäre das Geschrei groß gewesen, jede:r hätte geschimpft und verlangt, sofort bedient zu werden. Was machen die Dänen? Sie drehen sich zueinander und unterhalten sich, kein einziges böses Wort. Das beeindruckt mich bis heute tief. Und auch das ist Hygge – Miteinander statt Gegeneinander!
Dänemark – wo ist es am schönsten?
Die Frage ist einfach zu beantworten – überall! Ok, das sage ich als Liebhaberin des Landes und der Menschen. Aber vielleicht kann ich Dich ja ein bisschen mit meiner Begeisterung für das Land anstecken. Solltest Du Dänemark noch nicht kennen, ist ein kurzer Überblick über die Regionen hilfreich. Das Land besteht zum einen aus dem Festland und vielen großen und kleinen Inseln.
Das Festland wird Jylland (Jütland) genannt und erstreckt sich von der deutsch-dänischen Grenze bis in den Norden nach Skagen.
Der südliche Teil Sønderjylland (Südjütland oder Süddänemark) war ab Mitte des 19. Jh. (1848 – 1851) ein Zankapfel zwischen Dänemark und den Herzogtümern Schleswig und Holstein. Der Deutsch-Dänische Krieg wurde 1864 im Süden Dänemarks ausgefochten. Im Wiener Frieden trat der dänische König die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg an die beiden deutschen Großmächte ab. Erst 1927 wurde der Süden Dänemarks nach einer Volksabstimmung wieder dänisch. Bis heute gibt es in Südjütland eine deutsche und in Nordschleswig eine dänische Minderheit.
Zu Südjütland gehören die Insel Fyn (Fünen), Langeland, Ærø (Ärö), Als (Alsen) und die vielen kleinen Inseln im Kleinen Belt. Die größten Städte sind Esbjerg, Kolding und Odense.
Midtjylland (Mitteljütland) schließt sich im Norden an und reicht bis zum größten Fjord Dänemarks, dem Limfjord, der sich von der Nordsee quer über das Land bis zu Ostsee erstreckt. Die wichtigsten Städte sind Århus, Viborg und Holstebro.
Nordjylland (Nordjütland) wird der nördlichste Teil Dänemarks genannt, von nördlich des Limfjords bis zur Nordspitze Dänemarks, dem Skagerrak, wo in Grenen die Nord- und Ostsee aufeinandertreffen. Für diese Region sind Ålborg, Hirtshals und Fredrikshavn mit ihren Fährhäfen wichtig.
Der größte Teil der großen Inseln in der Ostsee gehört zu Sjælland (Seeland) – Sjælland (Seeland), Lolland, Falster und die kleine Insel Møn (Mön), sowie viele Inselchen.
Hovedstaden (Hauptstadt) ist die Region der dänischen Hauptstadt København (Kopenhagen). Dazu gehört auch die wunderschöne Insel Bornholm, die weit in der Ostsee und eher in der Nähe von Schweden liegt.
Du merkst schon, Dänemark hat viele Inseln – über 400, aber nur rund 70 sind dauerhaft bewohnt. Gerade die Inselwelt rund um Fünen und Seeland ist ein fantastisches Segel- und Wassersportrevier.
Dänemarks schönste Städte
Viele der dänischen Städte sind wunderschön und einige auch sehr alt. Ich will hier nur die vorstellen, in denen ich mich immer besonders wohl gefühlt habe. Keine Angst, ich werde Dir jetzt keine endlos langen Beschreibungen vorsetzen – dafür gibt es den guten alten Reiseführer oder das Internet. Für einen ersten Eindruck sollte es aber reichen.
København
Dänemarks Hauptstadt liegt auf den Inseln Seeland und Amager. Mit der südschwedischen Stadt Malmö ist Kopenhagen über die Öresund-Brücke verbunden. In Indre By, der historischen Altstadt, befindet sich das Rokokoviertel Frederiksstaden mit Schloss Amalienborg, der Residenz der königlichen Familie. In der Nähe liegen das Schloss Christiansborg und inmitten von Gärten das Renaissanceschloss Rosenborg, das die Kronjuwelen beherbergt.
Wer Museen mag, ist in der Ny Carlsberg Glyptotek mit seinen vielen mit antiken Skulpturen aus dem Mittelmeerraum sowie französischen und dänischen Werken aus dem 19. Jh. gut aufgehoben. Schräg gegenüber befindet sich das Nationalmuseet (Dänisches Nationalmuseum) in einem Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert. Es beherbergt Sammlungen und Ausstellungen zur Geschichte, zu Menschen und zur Kultur Dänemarks.
Wusstest Du, dass es in Kopenhagen die erste reine Fußgängerzone Europas gab – die Strøget. Sie lädt zu bummeln ein und endet auf dem Kongens Nytorf, dem berühmten kopfsteingepflasterten Platz aus dem Jahr 1907 mit einem Reiterstandbild von König Christian V. Von dort sind es nur ein paar Schritte zum Nyhavn, dem Neuen Hafen mit seinen bunten Stadthäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Hier starten Bootsrundfahrten, die ich sehr empfehlen kann. Man schippert gemächlich durch die Kanäle, vorbei an der berühmten Statue der Kleinen Meerjungfrau und dem Kastell und dem Trekroner Fort zum Hafen mit seinen Containerriesen. Zurück geht es durch die Freistadt Christiania und vorbei am Schloss Christiansborg wieder zum Nyhavn.
Für Entspannung sorgt der Tivoli, Kopenhagens Vergnügungspark aus dem 19. Jahrhundert mit historischer Achterbahn und jeder Menge Unterhaltung. Er ist übrigens einer der ältesten Freizeitparks der Welt.
Mein Tipp: lass Dein Auto am Stadtrand stehen und erkunde die Stadt mit dem Fahrrad. Schließlich ist Kopenhagen die Fahrradstadt Nummer 1 in Europa und es gibt in Dänemark mehr Fahrräder als Einwohner. Die Radspuren sind blau markiert und meist sehr breit. Radler haben ihre eigenen Brücken und fast überall Vorfahrt. Die Innenstadt kann man auch gut zu Fuß erlaufen, die Entfernungen zwischen den Sehenswürdigkeiten sind nicht allzu groß.
Ribe
Machen wir einen Sprung an die Nordsee. 50 Kilometer nördlich der deutschen Grenze liegt Ribe, die älteste Stadt Dänemarks und einer meiner Seelenorte. Sie liegt im Südwesten Jütlands an der Küste, nahe der Mündung des Flusses Ribe Å in die See. Ribe wurde bereits im 9 Jh. urkundlich erwähnt. Die Stadt war damals der bedeutendste Handelsort des Nordens, bedingt durch den guten Hafen und den schiffbaren Fluss. Lange lag Ribe fast direkt am Meer, heute ist die Küste durch stetige Verlandung 5 km entfernt.
Man schlendert durch die gut erhaltene Altstadt mit dem romanischen, später gotisch erweiterten Dom. Besonders schön ist er innen – mit seinem imposanten Langschiff und der Apsis mit bunten Mosaiken. Nicht weit entfernt liegen das spätgotische Rathaus und das Dominikanerkloster (13. – 15. Jh.). Ich liebe den kleinen Park an der Ribe Å, den man erreicht, wenn man auf der südlichen Seite der Fußgängerzone durch einen schmalen Durchgang schlüpft. Plötzlich steht man in einem kleinen Idyll am Flusslauf, der hier noch sehr schmal ist, mit bunten Blumen und alten Bäumen. Über eine Holzbrücke und einen kleinen Platz erreicht man die Sct. Catharinæ Kirke mit dem Ribe Kloster. Ein Besuch von Kirche und Kloster lohnt sich auf jeden Fall!
Am nordwestlichen Stadtrand befinden sich die Überreste des Schlosses Riberhus, von dem nur noch der Schlossgraben und die Wallanlagen erhalten sind. Etwa zwei Kilometer südlich von Ribe, in Lustrupholm befindet sich das Freilichtmuseum Ribe VikingeCenter, wo man ganzjährig ein naturgetreu nachgestelltes Dorf aus der dänischen Wikingerzeit erleben kann.
Mein Tipp: Ein Bummel durch die engen Gassen mit den kleinen, oft windschiefen Häusern lohnt sich. Oder setz Dich in eines der Cafés oder Restaurants entlang der Ribe Å – das ist Hygge pur.
Christiansfeld
Die meisten Dänemark-Urlauber fahren auf der Autobahn achtlos an diesem wunderbaren Ort, der seit 2015 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, vorbei. Dabei liegt er keine 2 km von der gleichnamigen Ausfahrt entfernt und lohnt auf jeden Fall einen Stopp.
Die Gründung der Stadt Christiansfeld geht auf die Herrnhuter Brüdergemeine zurück. Der dänische König Christian VII. hatte 1768 die Niederlande besucht, wo er auf für ihren Fleiß gerühmte Handwerker und Händler der Herrnhuter Brüdergemeine traf. 1771 erlaubte der König den Herrnhutern, auf seiner Domäne Tyrstrup eine Siedlung anzulegen. Die Stadt wurde am 1. April 1773 gegründet. Die neuen Siedler aus dem deutschen Sprachraum nannten ihre neue Kolonie aus Dankbarkeit dem König gegenüber „Christiansfeld“.
Der Ort sieht heute noch aus wie vor 250 Jahren. Man fühlt sich ins 18. Jh. zurückversetzt, wenn man durch die Straßen des Ortes läuft – gut, die Autos muss man sich wegdenken, aber der Verkehr hält sich in Grenzen. Christiansfeld ist kein gewachsener, sondern ein geplanter Ort, was unter anderem durch die schnurgeraden, rechtwinklig angeordneten Straßen deutlich wird. Ein Großteil der Herrnhuter Bauten sind gut erhalten und prägen immer noch das Stadtbild. Die Gebäude bestehen aus hellen gelben Ziegeln. Die wichtigen Gebäude sind um einen weiten zentralen Platz mit einem großen Brunnen in der Mitte angeordnet – Rathaus, Kirche und Betsaal der Brüdergemeine, Altenheim (heute ein Museum).
Spezialität des Ortes sind die Honningkager – Honigkuchen. Christiansfeld ist so etwas wie das dänische Pendant zu Aachen.
Mein Tipp: Nach einem Bummel durch den Ort solltest Du unbedingt bei der Honningkage Bagerie einkehren und einen der leckeren Honigkuchen probieren. Dazu passen Kaffee oder Tee – auch das ist Hygge.
Roskilde
Nur 30 km westlich von Kopenhagen und damit fast vor den Toren der Hauptstadt liegt die alte Königsstadt Roskilde. Sie war von 991 bis zur Reformation 1536 Bischofssitz und bis heute werden in der Roskilde Domkirke die dänischen Könige beigesetzt.
Einen Besuch in dem imposanten gotischen Backsteindom aus dem 12. Jh. mit den vielen Gräbern von Königen und Königinnen solltest Du Dir auf jeden Fall gönnen. Der Hochaltar ist prächtig verziert und auch die Gräber sind wundervoll gestaltet. Eine Führung durch die Kirche und das Dachgestühl ist sehr spannend – unbedingt machen, wenn Du zur richtigen Zeit vor Ort bist.
Nach dem Besuch im Dom wartet noch das Vikingeskibsmuseet oder auf deutsch Wikingerschiffsmuseum, das am Ufer des Roskildefjords liegt, auf Dich. Im Museum für antike und mittelalterliche maritime Kultur werden die fünf in Skuldelev ausgegrabenen Wikingerschiffe ausgestellt. In der Bootswerft wird eigentlich immer an einem Nachbau eines alten Wikingerschiffes gearbeitet. Im Wasser liegen einige davon und Du kann an Bord gehen und Dir alles genau anschauen. Im Sommerhalbjahr hast Du die Möglichkeit, in der Werft selbst mit Hand anzulegen.
Mein Tipp: Es macht Spaß, einfach mal auf dem alten Wanderweg entlang des Fjords, dem Roskilde Fjordstien, ein Stückchen zu wandern – Draußen sein ist Hygge. Du wirst mit tollen Blicken auf die Landschaft und den Fjord belohnt.
Weitere empfehlenswerte Städte
Århus
Die Stadt Aarhus liegt an der Ostküste der Halbinsel Jütland. Den Gamle By (die Altstadt) ist ein Freilichtmuseum – eine alte Stadt mit jahrhundertealten Fachwerkhäusern. In der Nähe befinden sich die Gewächshäuser des Botanischen Gartens. Das Kunstmuseum ARoS im Stadtzentrum stellt internationale zeitgenössische Werke aus und ist immer einen Besuch wert. In der Nähe des Wassers liegt das unterirdische Wikingermuseum, wo die frühe Geschichte der Region erkundet werden kann. Der nahe gelegene Dom zu Aarhus verfügt über restaurierte Fresken aus dem 14.–16. Jahrhundert.
Ålborg
In Nordjütland am Ufer des Limfjords liegt Aalborg. Bekannt ist die Stadt vor allem durch das neu belebte Uferviertel am Limfjord. Erwähnenswert sind die Ausstellungen im Utzon Center und das futuristische Haus der Musik, in dem Konzerte stattfinden. Nicht weit entfernt befindet sich das Fachwerkschloss Aalborghus aus dem 16. Jahrhundert. Der in Aalborg hergestellte Aalborg Aquavit ist eine auch in Deutschland sehr bekannte Spirituose.
Interessante Landschaften
Dänemark ist nicht nur von allen Seiten von Wasser umgeben, auch im Landesinneren ziehen einige größere Gewässer Groß und Klein an.
Limfjord
Der Limfjord durchzieht Dänemarks Norden und erstreckt sich mit einer Fläche von rund 1.500 km² von der Nordsee bis zum Kattegat quer durch das Land – mal als schmaler Fluss, mal als großer See. Das Einzugsgebiet von rund 7.500 km² ist ein Sechstel der Fläche Dänemarks. Schon früh wurde das Gebiet besiedelt – die fruchtbaren Böden, reiche Fischvorkommen und die relativ geschützte Lage zogen die ersten Siedler an. So verwundert es nicht, dass bereits in der Steinzeit und lange vor den Wikingern einige Siedlungen entstanden.
Die Region ist geprägt von blühenden Heidelandschaften, sanft geschwungenen Fjordgebieten und zumeist flachen Gewässern, die auch Kindern einen unbeschwerten Badespaß erlauben und sich zudem zum Windsurfen, Segeln und für andere Wassersportarten eignen. Einfach nur am Strand sitzen und aufs Wasser schauen – entspannen und hyggelig genießen.
Ringkøbingfjord
Auf der Westseite Südjütlands liegt der größte Küstensee Dänemarks – 30 km lang und 10 km breit. Geologisch betrachtet ist der Ringkøbing Fjord eigentlich eine Lagune, ein durch eine Nehrung vom Meer abgetrenntes, flaches Gewässer. Seiner Schönheit tut es keinen Abbruch. Im Schnitt ist er nur 1,5 m tief und ideal für Segler, Windsurfer, Kiter, Kanuten und Stand-up Paddler. Es gibt zwei Surfspots – am Westufer bei Hvide Sande und am Nordostufer zwischen Søndervig und Ringkøbing.
Neben den Menschen haben auch Zugvögel dieses Gewässer für sich entdeckt. Die Vögel, die in den ausladenden Salzwiesen nisten und brüten, können am besten im Vogelschutzgebiet Tipperne am Südende des Ringkøbingfjords beobachtet werden. Allerdings ist der Zugang während der Brutzeit eingeschränkt.
Halbinsel Skallinge
Skallinge ist eine Landzunge an der dänischen Nordseeküste zwischen der Landspitze Blåvands Huk und der Insel Fanø. Sie gehört zum Nationalpark Dänisches Wattenmeer und entstand erst 1634 nach der Burchardiflut. Sie verändert sich mit jedem Sturm und jeder Sturmflut, wenn die Strandlinie mehrere Meter weit ins Inland wandert oder eine Dünenkette im Meer verschwindet.
Hier habe ich zum ersten Mal einen verschneiten Strand gesehen, als ich im Winter über dieses zauberhafte, einsame Fleckchen Erde gewandert bin. Die Luft was frisch, der Wind brachte die Gräser zum Knistern – einfach wunderbar, diesen leisen Geräusche zu lauschen – für mich ist auch das Hygge.
Møns Klint und Schloss Liselund
Møn ist die kleine Schwester unserer Ostseeinsel Rügen. Genau wie dort, gibt es an der Ostküste bei Møns Klint (Klippe) Kreidefelsen – allerdings sind sie nicht so mächtig wie die auf Rügen. Trotzdem ist die Klippe mit bis zu 128 m Höhe die höchste Steilküste Dänemarks.
Über eine lange Holztreppe mit 497 Stufen gelangt man vom GeoCenter zu den Klippen hinab – genauso viele sind es auch wieder zurück :-D. Es ist möglich, ein gutes Stück weit am Strand unterhalb der Klippe entlangzulaufen – nach starken Regen ist der Strand allerdings gesperrt, weil es immer wieder zu Felsstürzen kommen kann.
Es lohnt sich, das Geocenter Møns Klint zu besuchen. Hier wird die Geologie der Insel erläutert und gezeigt, was über und im Meer so los ist.
Im Buchenwald oberhalb der Klippen liegt das romantische Schlösschen Liselund mit seinem wunderbaren Landschaftspark. Das ist allerdings kein pompöser Palast, sondern eher eine Villa, ein Landhaus oder einfach das kleinste „Schloss“ Dänemarks.
Mein Tipp: Wenn Du gut zu Fuß bist, solltest Du das Auto am GeoCenter stehen lassen und eine kleine Wanderung zum Schlösschen Liselund machen. Das sind hin- und zurück etwa 10 km – ein wunderbarer Weg, der überwiegend durch den schönen Buchenwald führt. Du fühlst Dich wie in einer Kathedrale der Natur … einfach Hygge.
Die schönsten Leuchttürme an der Nordsee
Dänemark ist das Land zwischen den Meeren. Trotz seiner geringen Größe ist seine Küstenlinie 7.314 km lang. Da in der Ostsee 406 Inseln liegen, verwundert diese Länge nicht. 80 Leuchttürme und Feuerschiffe weisen den Schiffen den Weg. Entlang der rauen Nordseeküste mit den Dünenlandschaften gibt es nur wenige Häfen. Neben einigen Seefeuern und Orientierungsfeuern sind hier an markanten Punkten unbefeuerte Holzbaken zu finden. An der Ostseeküste gibt es zahlreiche kleinere Fischerei- und Sportboothäfen und viele Fährlinien, die einzelne Inseln ansteuern. Hier sorgen zahlreiche Sektorenfeuer und Richtfeuer für gute Orientierung.
Ich muss gestehen, ich bin ein echter Leuchtturm-Fan und meine vier Lieblingsleuchttürme will ich Dir nicht vorenthalten.
Dort, wo das Wattenmeer in die offene Nordsee übergeht, steht auf der Landspitze Blåvands Huk das Blåvandhuk Fyr. Der Leuchtturm ist 39 m hoch, wurde 1900 gebaut und warnt die Schifffahrt von dem gefährlichen Horns Riff. Du kannst ihn das ganze Jahr über besichtigen. „Nur“ 170 Treppenstufen trennen Dich von der Aussichtsplattform. Im ehemaligen Leuchtturmwärterhaus sind die Touristeninformation und eine Ausstellung zum Offshore-Windpark Horns Rev untergebracht.
Rund 60 km weiter im Norden liegt auf dem nördlichen Teil der Nehrung des Ringkøbingfjords (Holmsland Klit) das Lyngvig Fyr. Der 38 m hohe Leuchtturm wurde 1906 auf einer 17 Meter hohen Düne erbaut. Auch diesen Turm kannst Du ganzjährig besichtigen. Insgesamt 228 Treppenstufen sind bis zur Aussichtsplattform des Leuchtturms zu erklimmen, 79 davon auf der Holztreppe, die von den Nebengebäuden am Fuß der Düne hinauf zum Turmeingang führt. In den Nebengebäuden findest Du eine Ausstellung zur Geschichte des Leuchtturms, einen Souvenirladen und ein Café.
Weitere 50 km nördlich liegt zwischen den Orten Trans und Ferring das 1877 erbaute Bovbjerg Fyr. Sein Turm ist nur 26 m hoch, steht aber am höchsten Punkt der Steilküste 62 m über dem Meeresspiegel. Die Stufen bis zur Aussichtplattform habe ich nicht gezählt, es können also nicht sehr viele gewesen sein. Der Leuchtturm hat eine sehr markante rote Farbe und zwei Nebengebäude. Hier findest Du eine Ausstellung über den dänischen Küstenschutz, der in der Gegend von Bovbjerg begann, und ein Café.
In der Jammerbucht (Nordjütland) nördlich von Løkken liegt Dänemarks wohl bekanntester Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr. Er wurde Ende 1900 hinter einer damals nur zwei bis drei Meter hohen Düne zusammen mit vier Nebengebäuden 200 m vom Meer entfernt gebaut.
Im Laufe die Jahrzehnte stürzt immer mehr von der Steilküste ein. Sand drang zwischen den Häuschen ein, verschüttete den Brunnen und machte den Garten unfruchtbar. Die Düne Rubjerg Knude wanderte vom Wind getrieben immer weiter und erreichte schließlich eine Höhe von etwa 50 m. Damit war der Leuchtturm vom Meer aus nicht mehr zu sehen. Der Betrieb wurde am 1. August 1968 eingestellt Als ich ihn 2010 besuchte, war nur noch der geschlossene Turm zu erkennen. 2017 stand er nur noch 8 m von der Steilküste entfernt und lief Gefahr, in die Nordsee stürzen. Im Herbst 2018 beschloss die Gemeinde Hjørring, den Turm 60 bis 80 Meter in das Landesinnere zu versetzen. Am 22. Oktober 2019 wurde der Leuchtturm um 70 Meter verschoben. Anschließend wurde er neu gekalkt und der erfolgreiche Umzug mit einer Projektionsshow gefeiert.
Urlaub in Dänemark
Dänemark ist ein Land der Ferienhäuser. Es gibt landesweit über 40.000 Häuser – von einfach und günstig bis luxuriös. Sie liegen direkt am Meer, im Wasser, in den Dünen, mitten im Land, sind meist aus Holz gebaut. Viele sind nordisch modern eingerichtet oder auch ganz Retro. Von kuschelig kleinen Hütten für 2 Personen bis Anwesen für 20 und mehr Menschen ist alles vertreten.
Vermietet werden sie durch mehr als 30 Vermietungsunternehmen, die bekanntesten Anbieter heißen DanCenter, Novasol, DanWest, Esmark und Feriepartner. Dazu kommen noch ebenso viele regionale Vermieter.
Willst Du ein Ferienhaus buchen, müsstest Du bei jedem einzelnen Vermieter suchen. Das ist sehr umständlich. Aber seit Anfang des Jahres 2000 gibt es ein Buchungsportal, über das ein Großteil der Anbieter gebucht werden kann – fejo.dk. Dabei sind die Preise mit denen der einzelnen Vermieterwebsites identisch.
Mein Tipp: Ich buche seit über 15 Jahren nur noch über fejo.dk und feriepartner.de (keine bezahlte Werbung). Die Mitarbeiter:innen der beiden Portale kennen sich in Dänemark top aus, machen selber in Dänemark Urlaub und kennen sehr viele der angebotenen Häuser. Bisher bin ich kompetent beraten worden und damit immer sehr gut gefahren.
Natürlich kannst Du in Dänemark auch Campingurlaub machen – mit dem Zelt und mit dem Wohnmobil. Auf rund 500 Campingplätzen lassen sich Erlebnisse und Aktivität perfekt mit Ruhe und Entschleunigung verbinden. Schön und großzügig ist Camping in Dänemark allemal – Meerblick oft inklusive. In meiner Jugend habe ich Campingurlaub gemacht – heute kann ich das nicht mehr. Weitere Informationen findest Du bei VisitDenmark.
Leben in Dänemark
Was ich über das Leben in Dänemark nicht erwähnte: Dänemark ist kein Mitglied der europäischen Währungsunion. Du musst Deine Euros also in dänische Kronen (DKK) tauschen, wenn Du bar bezahlen willst. 1 DKK entspricht ca. 0,13 Euro oder umgekehrt 1 Euro ca. 7,50 DKK – ist ein bisschen schwer umzurechnen, aber dafür gibt es eine Reihe Handy-Apps.
Der Euro ist in Dänemark kein offizielles Zahlungsmittel. Nur in den großen Urlaubsregionen kannst Du mit einem Euro-Schein bezahlen und bekommst DKK als Wechselgeld zurück. Der Kurs geht dabei allerdings zu Gunsten des Händlers.
Auf der positiven Seite: Dänen sind Kartenzahler. Heißt: Du kannst fast überall mit Deiner EC- oder Kreditkarte zahlen – sogar das Eis am Strand. Ob und welche Gebühren bei Deiner Bank oder Sparkasse dafür anfallen, erfährst Du auf der entsprechenden Website Deines Kreditinstitutes.
Lebensmittel kannst Du in jeder kleinen Stadt einkaufen, dort meist in kleineren Supermärkten wie Dagli Brugsen o. ä. In größeren Orten und Städten findest Du neben Super Brugsen, Spar, Rema1000 oder Fakta auch die bei uns bekannten Discounter Aldi, Netto und Lidl, mit etwa zweidrittel landesüblichen Lebensmitteln und einem Drittel Lebensmittel, die Du auch in deutschen Filialen findest.
Nicht nur bei uns sind die Lebenshaltungskosten in den letzten 2 Jahre massiv gestiegen, auch in Dänemark sind Lebensmittel teurer geworden. Im Schnitt liegen die Lebensmittelpreise 20 bis 30 % über dem deutschen Niveau. Besonders teuer sind alkoholische Getränke, vor allem die hochprozentigen. Zigaretten für die Süchtigen unter uns sind komischerweise nur unwesentlich teurer als bei uns. Einen Preisvergleich findest Du z. B. bei dansk.de.
Günstig „einkaufen“ kannst Du an den vielen kleinen Ständen entlang der Wege und Straßen, wo Bauerhöfe oder Privatpersonen Obst, Gemüse, Marmeladen oder Honig aus dem eigenen Garten oder vom Hof anbieten. Das Vertrauen darauf, dass der Kunde bezahlt, was er nimmt, bildet die Grundlage für diese liebenswerte Einkaufsmöglichkeit.
Essen im Restaurant ist gegenüber Deutschland deutlich teurer. Auch wenn ich mich gerne mal bedienen lasse, verkneife ich mir das Auswärtsessen in den letzten Jahren meist.
Mein Tipp: Ich habe mir angewöhnt, einige trockene und haltbare Lebensmittel von zuhause mitzunehmen und nur die frischen Sachen wie Brot, Obst und Gemüse vor Ort zu kaufen. Auch Wein nehme ich mit, denn eine Flasche Wein kostet in Dänemark schon mal umgerechnet 60 Euro. Bier ist etwas günstiger und ich kaufe gerne ein lokales, wenn es im Angebot ist. Essen gehen besteht meist aus einem leckeren Fischbrötchen in einer Fisk Røgerie (Fischräucherei) oder einem Imbiss in einem Museumscafé. Was ich mir nie verkneifen kann, ich ein hyggeliges Softeis mit Lakritz-Topping – egal, wie teuer es ist.
Am Ende verrate ich Dir gerne meine Seelenorte in Dänemark – Orte, in die ich immer wieder fahre, auch wenn ich schon x-mal dort gewesen bin.
Allen voran ist das Ribe mit dem wunderbaren Dom und der süßen Altstadt. In Hvide Sande fühle ich mich immer zuhause. Hier habe ich meinen 50sten und auch meinen 60sten Geburtstag gefeiert. Seit drei Jahren zählt auch Hejlsminde zu meinen Lieblingsorten – dieses Fleckchen an der Ostsee mit dem 180° Blick auf die See mit den großen und kleinen Inseln. Schon lange liebe ich auch die Insel Møn, dieser Fels mit seinen Buchenwäldern, die an eine Kathedrale erinnern. Wenn ich absolute Ruhe brauche und nach stressigen Zeiten runterkommen will, fahre ich an die Ostsee auf das nur 4 x 3 Kilometer große Inselchen Årø. Sehe ich hier mehr als zwei Leute am Tag, ist Rushhour. Für mich ist das Hygge pur!
Konnte ich Dir mein Herzensland Dänemark ein bisschen näherbringen und Dich für die tollen Städte und Landschaften zwischen den Meeren begeistern? Das würde mich freuen.
Hast Du Fragen? Schick uns gerne eine E-Mail und wir werden sie sicher beantworten.
Med venlig hilsen Iris Hüttemann
Sehenswerte Dokumentation des NDR-Fernsehens
Land zwischen den Meeren Teil 1 Dänemarks Nordseeküste