appmover: Das Jugendtaxi für den sicheren Heimweg

appmover: Das Jugendtaxi für den sicheren Heimweg

appmover, das ist mal eine richtig geniale Idee: Die App sorgt dafür, dass Jugendliche zwischen 16 und 26 Jahren am Wochenende mit dem Jugendtaxi sicher nach Hause kommen!

Ich höre das „Hurra!“ der Eltern förmlich, während ich darüber nachdenke, dass es ein Gefühl von Freiheit sein muss, den Nachwuchs nicht mehr aus den Clubs und Discotheken abholen zu müssen. Kein mühsames Wachbleiben bis in die frühen Morgenstunden, kein sich mitten in der Nacht schlaftrunken hinters Steuer setzen, um den elterlichen Abholdienst von der Party zu übernehmen.

Teilhabe mit Mehrwert

Doch nicht nur der Sicherheitsaspekt lässt mich zu dem positiven Fazit kommen. Es gibt weitere Vorteile, die durch die Plattform geboten werden.

  • Der Heimweg junger Frauen ist sicher: bis vor die Haustür!
  • Die Zahl der Unfälle kann weiter gesenkt werden.
  • Die Landkreise und Städte punkten durch Attraktivität.
  • Taxiunternehmen und Lokale, Clubs und Diskotheken haben mehr Zulauf.

Zum Thema „Sicherer Heimweg für Frauen“ sind vermutlich keine weiteren Ausführungen notwendig, doch was hat es mit den anderen Punkten auf sich?

Gesponsorte Taxifahrten

Der appmover ist eine Jugendtaxiapp, die im Rahmen der „Vision Zero“ des DVR (Deutscher Verkehrssicherheitsrat) in Städten und Kreisen eingesetzt werden kann. Damit wird das Ziel verfolgt, die Zahl der Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr auf „Null“ zu bringen.

Die Kreise Viersen und Kleve sind diesen Weg gegangen. Sie sponsern jungen Menschen einen Teil der Taxikosten, um Fahrten unter Alkoholeinfluss zu vermeiden und den Heimweg, gerade in Orten mit einer geringen nächtlichen Infrastruktur, sicherer zu machen. Die Resonanz ist groß, im Kreis Viersen wurde die App in den ersten drei Wochen nach der Einführung 3.500 Mal heruntergeladen. Im Kreis Kleve werden rund 50.000 dieser Fahrten pro Jahr abgerufen. In meinen Augen ist das ein attraktives Angebot der Städte und Kreise – macht Lust aufs Ausgehen. Soziale Kontakte fördern, abtanzen und gute Laune erleben, das Leben lebenswerter machen nach dieser langen unpersönlichen Zeit.

Zusätzlich werden lokalen Unternehmen nach den Umsatzeinbußen in der Pandemie gestärkt. Das Sponsoring kommt zwar den jungen Menschen zugute, doch Lokale, Clubs und Kneipen profitieren ebenso davon. Als Dienstleister sind die Taxiunternehmen gefragt, die den sicheren Transport nach Hause übernehmen. Sie können selbst entscheiden, ob sie als Jugendtaxi zur Verfügung stehen wollen und werden dann entsprechend in der App eingebunden.

Zusammenlegen und gemeinsam fahren

Die Funktion ist einfach. Ein appmover-Taxi wird über die App gerufen. Jede mitfahrende Person zwischen 16 und 26 Jahren bekommt für die Fahrt einen festen Zuschuss von z. B. € 6,00. Tun sich mehrere Personen zusammen, summiert sich das Sponsoring entsprechend, so wird die Heimfahrt für jeden Mitfahrer günstiger.

Weitere Einsatzgebiete

Das Sponsoring in Kombination mit der App bietet viel Mehrwert, der – sobald es einmal eingerichtet ist – auch für weitere Projekte genutzt werden kann: Sozialtaxi, Ehrenamtstaxi, Schützenfesttaxi, Krankentaxi und noch vieles mehr. Wer beim Sponsoring mitmacht, ist individuell einstellbar – denkbar sind Kommunen, Unternehmen oder auch Vereine.

Fazit: Wir brauchen mehr appmover!

Das Jugendtaxi ist eine tolle Idee, von der ich immer wieder gerne berichte. Als junger Mensch hätte ich mir diese Möglichkeit gewünscht. Leider musste ich erleben, dass aus finanziellen Gründen falsche Entscheidungen getroffen wurden.

Falls Du Interesse hast, das Projekt in Deinem Kreis oder Deiner Stadt an den Start zu bringen oder mehr Informationen haben möchtest, sende eine E-Mail an den appmover.

Artikel auf der Website Rhein-Taunus-Kreis vom 09.09.2021 

Hast Du bereits Erfahrungen damit gemacht? Dann schreibe sie für unsere Leser:innen gern in den Kommentar.

Vielfalt ist Programm auf der #DiWoDo21

Vielfalt ist Programm auf der #DiWoDo21

Die Digitale Woche in Dortmund stellt sich im Herbst wieder neu auf. In einigen Tagen werden alle Veranstaltungen online stehen. Dich erwartet eine bunte Vielfalt rund um das Thema „Digitalisierung“, spannende Vorträge, Diskussionen und Workshops. Denn auch wenn „Dortmund“ als lokaler Sitz der Veranstaltung genannt ist, Corona hat das digitale Format massiver werden lassen. Alle Veranstaltungen müssen online oder hybrid angeboten werden. Dadurch ist eine Teilnahme an allen Events möglich – und davon gibt es viele. Im fünften Jahr der Veranstaltungsreihe werden es wohl über 200 Veranstaltungen sein, die von Unternehmer:innen aus Dortmund und der Umgebung angeboten werden.

Themenvielfalt in der Digitalisierung

Erweitere Dein Wissen, besuche interaktive Events oder nimm an den Workshops teil, das alles ist in der Woche vom 08. – 12.11.2021 möglich. Die Themen sind vielfältig:

  • Arbeitswelt der Zukunft
  • Bildung
  • Digitale Infrastruktur
  • Geschäftsprozesse
  • Software-Entwicklung
  • Strategie und Beratung

Das gesamte Programm findest Du hier.

Egal ob Du Dich interaktiv einbringst oder Dich zum aktuellen Entwicklungsstand informieren willst, leichter kannst Du am Wissenstransfer aus einem der führenden Digitalstandorte nicht teilnehmen.

Kurzer Blick auf die Geschichte

Im Jahr 2017 startete die #DiWoDo17 mit 50 Veranstaltungen und knapp 3.000 Fachbesucher:innen. Im Jahr darauf nahmen 4.500 Besucher:innen an über 80 Events teil. Die #DiWoDo19 toppte das Ergebnis mit über 100 Veranstaltungen und 6.500 Besucher:innen. Im Jahr 2020 sollte das hybride Format etabliert werden, musste aber durch Corona einer komplett digitalen Version weichen. Nun setzt die #DiwoDo21 auf hybrid, aber mindestens digital. Eine Chance für Dortmund weithin sichtbare Zeichen zu setzen.

Sichtbar und digital vom 08. bis zum 12.11.2021

Lass Dich in dieser Woche von der dynamischen Mischung aus Ausstellung, interessanten Keynotes namhafter Speaker, Best Practice Beispielen und abwechslungsreichen Workshops inspirieren, von Menschen, die wissen was sie tun – und wie sie es tun. Auf dieser Seite findest Du ab Mitte Oktober das vollständige Programm.

Wir sind gespannt, bei welchen Themen der #DiWoDo21 Deine Neugier geweckt ist und freuen uns auf einen Kommentar von Dir!

Titelbild: Copyright Digitale Woche Dortmund

Gefährlicher Loverboy

Gefährlicher Loverboy

Der Begriff „Loverboy“ klingt süß, doch der Schein trügt, denn es geht um Menschenhandel. Betroffen sind überwiegend Mädchen und junge Frauen im Alter ab 14 bis zu über 18 Jahren.

Viel Aufwand wird betrieben, um junge Menschen der Prostitution zuzuführen und sich persönlich daran zu bereichern. Sie werden sorgfältig ausgewählt und systematisch vom Familien- und Freundeskreis isoliert. Daraus entwickelt sich ein massives Abhängigkeitsverhältnis, das vom Loverboy forciert wird, denn so kann er wesentlich leichter emotionalen Druck auf- und nach Bedarf ausbauen. Das Schlimme daran ist, dass die jungen Frauen keine Alternative sehen und zusätzlich noch glauben, dass sie selbst schuld an ihrer Situation sind.

Junge Mädchen in schlechten Händen

Im ersten Moment denkt man, das könne nicht funktionieren und die Mädchen bzw. jungen Frauen müssten es durchschauen. Allerdings zeigen die Beratungsgespräche der Dortmunder Mitternachtsmission e.V., dass die Betroffenen keine Chance haben, die Situation aus ihrer Perspektive zu erkennen.

Die Sozialarbeiterin Hanna Biskoping führt viele dieser Gespräche und berichtet, dass die Mädchen mit dieser Masche in Situationen getrieben werden, in der sie oft keinen Ausweg mehr sehen. Sie sind nicht mehr in der Lage, die vorgespielte „Notsituation“ ihres Loverboys als Lüge zu durchschauen.

Wie gehen die Männer vor?

Männer, die sich zum Teil jünger machen als sie sind, halten sich an Treffpunkten auf, wo sich junge Menschen begegnen, z. B. an der Schule, in Jugendtreffs, in Clubs, im Internet oder in Social-Media-Chats. Sie suchen nach geeigneten Opfern und nehmen selbst – oder über dritte Personen – Kontakt auf. Die Wahl fällt häufig auf junge Mädchen, die (noch) nicht richtig in einer Clique angekommen sind, die ein geringes Selbstwertgefühl haben oder neu an der Schule sind. Also junge Menschen, deren soziales Umfeld nicht stabil ist und wo mit Lob, Anerkennung, gemeinsamer Zeit, Geschenken und ähnlichen Dingen schnell eine Beziehung aufgebaut werden kann.

Die Männer nehmen sich Zeit, hofieren das Opfer und erschaffen in den Köpfen der Mädchen eine Traumwelt, in der sie sich verstanden, begehrt und geliebt fühlen. Sie sprechen von gemeinsamer Zukunft und „malen“ Bilder von gemeinsamen Urlauben, einer Eigentumswohnung oder der perfekten Ehe – und untermauern diese Bilder mit Geschenken und Komplimenten. Für junge Frauen fühlt es sich wertschätzend und gut an. Sie wirken auf Gleichaltrige plötzlich interessanter, weil sie von einem „älteren“ Mann umworben werden.

Die Grenzen werden ausgelotet

In dieser Phase lotet der Menschenhändler bereits die Grenzen der Mädchen aus: Wie weit gehen sie auf seine Wünsche ein? Wie reagieren sie auf die Konfrontation mit Alkohol und Drogen? Wie reagieren sie auf seine sexuellen Forderungen? Wie experimentierfreudig sind sie? Sind sie neugierig, steigert er seine Forderungen, lehnen sie etwas ab, lenkt er ein: „Nein, das mit den Drogen war nur mal ein Versuch. Mir hat das auch nicht gefallen.“ Die Mädchen fühlen sich in guten Händen und das Vertrauen in den Loverboy wächst.

Es wirkt auf sie wie Verbundenheit, doch in Wirklichkeit ist es der gezielte Aufbau einer Abhängigkeit, denn parallel arbeitet er daran, sie vom Freundes- und Familienkreis zu isolieren. Er sagt z. B., dass die Familie ihre Beziehung nicht anerkennt oder dass er keine Lust auf ihre Freunde hat, die noch so kindlich sind und will lieber mit ihr alleine sein. Die Schmeichelei zeigt Wirkung und die jungen Frauen vertrauen auf den älteren „Partner“, der sein profitables Ziel wesentlich leichter erreichen kann, wenn die sozialen Bindungen zerstört sind.

Schrittweise in die Prostitution

Plötzlich ist es so weit. Der Loverboy steckt vermeintlich in finanziellen Schwierigkeiten. Es droht ihm eine Gefängnisstrafe, wenn er nicht zahlen kann oder die gemeinsame Zukunft ist in Gefahr. Er stellt es so geschickt dar, dass sich die Betroffene mitverantwortlich fühlt und hat auch schon eine Idee, wie sie das Problem aus der Welt schaffen können. Er geht sensibel und empathisch vor. Da er die Grenzen seines Opfers kennt, kann es „harmlos“ anfangen, mit z. B. „Kannst Du im Club als Escort-Service mal aushelfen? Du musst nur ein schönes Kleid und hohe Schuhe tragen, dann können wir die Schulden bald ausgleichen …“ Die Mädchen denken sich meist noch nichts dabei, doch dann möchte ein „Kunde“ doch mehr – und es ist doch nur das eine Mal. Es tut ihm doch so leid, aber sie ist seine Rettung, ohne sie ist er verloren, doch damit kann er die Schläger, die ihm auf den Fersen sind in Schach halten.

Lassen sich die jungen Frauen erst mal darauf ein, wird der Druck weiter gesteigert; die Schulden sind doch höher und er hat ein gutes Angebot bekommen, denn sein Freund würde gern für viel Geld mit ihr schlafen. Ob sie das wohl für ihn tun könnte.

Wenn sie sich weigern, wird psychische und physische Gewalt ausgeübt, von Drohungen die Fotos und Videos von sexuellen Handlungen an Familie und Freunde zu schicken bis zu körperlichen Übergriffen. Die Scham nimmt zu und die Betroffenen werden immer tiefer in die Spirale hineingezogen.

Wollen sie von ihm weg, findet er immer einen Weg, der sie an ihrer Entscheidung zweifeln lässt. Sie fühlt sich wieder wie am Anfang, geliebt und umworben. Er entschuldigt sich und malt erneut das strahlende Bild einer gemeinsamen Zukunft. Viele Mädchen halten an dieser Liebe fest, weil sie nichts anderes kennen, doch der Loverboy spielt nur mit ihnen und hat es einzig und allein auf den eigenen Profit abgesehen, während die Opfer der Prostitution nachgehen müssen.

Wie fühlt sich Liebe an?

Hanna Biskoping arbeitet in der Beratungsstelle der Dortmunder Mitternachtsmission e.V. und erklärt, dass die jungen Mädchen ihre Identität noch nicht gefunden haben und nicht wissen, wie sich echte – bedingungslose – Liebe anfühlt. Hanna zeigt Präsenz und baut eine soziale Bindung zu den Betroffenen auf, indem sie da und ansprechbar ist. Sie bietet Beständigkeit in einer wackeligen Welt, die von emotionalen Berg- und Talfahrten bestimmt wird. Die Sozialarbeiterin weiß, nicht der Ausstieg, sondern das wachsende Vertrauen ist ihr Erfolg. Sie ist da, wenn die Mädchen sie brauchen, egal wie sie sich entscheiden. Denn auch die Loverboys haben Durchhaltevermögen. Sie hatte schon Klientinnen, bei denen der Beziehungsaufbau über ein Jahr gedauert hat. Erst dann kamen die ersten „Notlagen“ und darauf folgte der Einstieg in die Prostitution.

Schwerer Ausstieg

Häufig fällt es den Mädchen und jungen Frauen schwer, sich aus diesen (Höllen-)Beziehungen zu lösen. Die zwei Gesichter des Loverboys und die massive Abhängigkeit bringen sie immer wieder ins Zweifeln. Zudem erhöhen die Menschenhändler den Druck permanent, wenn sie Gefahr laufen, ihre Einnahmequelle zu verlieren.

Hanna Biskoping unterstützt die jungen Frauen mit Wertearbeit, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken und ihnen andere Perspektiven aufzuzeigen. Das ist ein langwieriger Prozess, doch die Arbeit lohnt sich: Betroffene melden sich während des Abnabelungs- oder Ausstiegsprozesses bei ihr und bitten um Hilfe.

Sie begleitet die jungen Frauen ganz individuell. „Nicht für jede ist eine Strafanzeige und ein Gerichtsprozess ein gangbarer Weg. Das Opfer rückt damit in den Fokus, Scham, Schuld und Hilflosigkeit wirken schwer: „Ich habe das mit mir machen lassen …“. Hanna vermittelt Therapiemöglichkeiten und ist eine wichtige Stütze, weil sie die Handlungen der Opfer nicht verurteilt. Sie berichtet, dass eine Richterin am Ende eines Prozesses zu der Betroffenen gesagt hat: „Du trägst keine Schuld!“ Was dieser Satz in der jungen Frau bewegt hat, können Außenstehende kaum ermessen.

Prävention in Schulen

Hanna Biskoping gibt Präventionskurse in allen Schulformen, da sich eine Eingrenzung der Zielgruppe nicht vornehmen lässt. Die Opfer kommen aus sämtlichen sozialen Schichten und einer großen Altersspanne.

Die Kurse ziehen häufig Reaktionen von Freunden und Freundinnen der Betroffenen nach sich. Sie hinterfragen, wie sie helfen können. Hanna erklärt ihnen, dass der Zugang zum Opfer über Angehörige oder Freunde wichtig ist, denn damit bleibt der Kontakt zum sozialen Umfeld bestehen. Hanna berät auch Angehörige. Wie kann die Familie positive Signale senden und wie gehen sie mit dieser Situation um. Sie haben kaum die Möglichkeit aktiv einzugreifen und stehen „nur“ hilflos am Rand. Denn eins ist sicher, der Loverboy wird alles dafür tun, um den Kontakt zu unterbrechen und die Betroffene weiter zu isolieren.

Woran ist eine solche Beziehung erkennbar?

Die Täter sind bis zu 30 Jahre alt, machen sich aber oft jünger. Sie haben häufig Verbindungen ins Milieu und statten die Betroffenen mit einem zweiten (Prepaid)Handy aus, um so die Beweise des Menschenhandels leichter vernichten zu können.

Die soziale Isolation von Betroffenen, Veränderung im Wesen und blaue Flecken können weitere Indizien sein.

Hilfsangebot

Information und Unterstützung leistet die Dortmunder Mitternachtsmission e.V. Die Beratung rund um das Thema Sex, Liebe und Loverboys kann anonym per Chat oder telefonisch, per Videochat oder vor Ort erfolgen.

Hanna steht für die Präventionsarbeit in den Schulen zur Verfügung und kann Kontakte zu Beratungsstellen in ganz Deutschland herstellen.

Online-Beratungsangebot der Dortmunder Mitternachtsmission e.V.

Website

E-Mail an Hanna Biskoping 

Telefon: 0231/14 44 91

Buch: Sexuelle Gewalt an Kindern in familiären Lebenswelten – Zugänge und Hilfen (bekommt man in den Kinderschutz-Zentren)

Bundeslagebild Menschenhandel 

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Gitti, der vegane Nagellack auf Wasserbasis

Gitti, der vegane Nagellack auf Wasserbasis

Jennifer Baum-Minkus startete mit umfassender Recherche in die Entwicklung, als sie sich – Ende 2017 – verändern wollte. Sie kündigte ihren guten Job und verfolgte die spontane Idee, einen Nagellack zu entwickeln, der ohne Chemie und tierische Farbpigmente auskommt.

Sie hat 18 Monate gebraucht, um die erste „Gitti“-Produktion auf den Markt zu bringen und der Erfolg sprach für sich. Innerhalb von 2 Stunden war der für 9 Monate geplante Vorrat von über 700 Fläschchen ausverkauft. Auch die Folgeproduktionen waren in kürzester Zeit vergriffen und haben dem Startup ein schnelles Wachstum ermöglicht.

Weiterentwicklung durch die Community

Vor der Marktreife gab es ein „Tasting“, zu Hause bei der Gründerin. Die Ergebnisse flossen in die Entwicklung ein, das hat sich auch bis heute nicht geändert. Anfangs waren nur die Farben gut und an allen anderen Dingen musste weitergearbeitet werden. Nun ergänzen zu 100% natürliche Nagellackentferner die Produktpalette. Die Feedbacks aus der Community sind wichtige Hinweise, die von „Gitti“ genutzt werden, um weitere Verbesserungen zu erarbeiten. Ihr Ziel ist, mit ihren vollständig natürlichen und veganen Nagelfarben die Beauty-Industrie grundlegend zu verändern.

Die Höhle der Löwen

Auf der Suche nach Unterstützung trat Jennifer Baum-Minkus mit „Gitti“ in der Höhle der Löwen an. Alle Investoren waren begeistert und machten ein Angebot, doch letzten Endes platzte der Deal, weil man sich nicht in allen Punkten einigen konnte. Dennoch hat sich der Auftritt für „Gitti“ gelohnt, denn ihre Community hat dadurch enormen Zuwachs bekommen.

Vor- und Nachteile von „Gitti“

Der Weg zu einem bewussteren Lebensstil war der Auslöser, denn für Nagellack gab es keine nachhaltige Alternative. Die Nagelfarben bestehen zu 55 % aus Wasser und sind geruchsfrei. Alternativ gibt es pflanzenbasierte Farben, die mit einer größeren Deckkraft aufwarten und langanhaltend (bei richtiger Anwendung 5 Tage), aber nicht völlig geruchsfrei sind. Bei wasserbasierten Farben sollte zudem innerhalb von zwei Stunden nach dem Auftragen der Kontakt mit heißem Wasser vermieden werden, damit die Haltbarkeit gegeben ist. Alle Nagelfarben sind 19-free, vegan und eco-friedly.

Was bedeutet „19-free“?

Für Nagellacke gibt es kein einheitliches Bewertungssystem. Häufig werden „x-free“-Claims verwendet. Die „Gitti“-Nagelfarben sind 19-free, das heißt, 19 bedenkliche Stoffe sind in den Produkten nicht enthalten. Alle verwendeten Inhaltsstoffe findest Du auf der Website. Übrigens: auch die Verpackungen sind nachhaltig.

Einige Videos zu den Themen findest Du auf Youtube und verschiedene Links haben wir Dir zusammengestellt. Falls Du Erfahrungen mit den Produkten hast, hinterlasse uns gern einen Kommentar.

Quellenangaben:

FAZ vom 19.09.2020: „Gitti“-Gründerin im Gespräch: Wir treffen den Nerv der Zeit

Business-Insider, Gründerszene (Aktualisierung vom 31.08.2020): Sie bekam noch vor dem Start ein Kaufangebot für ihre Nagellack-Formel

Business-Insider, Gründerszene: Warum der Gitti-Deal mit Judith Williams nicht zustande kam

OMR vom 22.10.2020: Gitti: Wieso das Nagelfarben-Startup schon vor „Die Höhle der Löwen“ immer ausverkauft war

Weitere Links:

Website Gitti

Anleitung von Gitti

Inés Carrasco – Unternehmerin der Sandwich-Generation

Inés Carrasco – Unternehmerin der Sandwich-Generation

Inés Carrasco hat Lebenserfahrung. Die Unternehmerin und Inhaberin von IC-Media ist Mitte 50 und gehört zur Sandwich-Generation. Sie steht für Frauen, deren Leben maßgeblich von der Familie beeinflusst wird: von der Fürsorge für die Kinder und der Pflege der Eltern, natürlich neben der Berufstätigkeit.

Zu ihrem Weg und die Herausforderungen berichtet sie uns in diesem Interview.

Hallo Inés, Du gehörst zur Sandwich-Generation und hast erlebt, wie sich ein langanhaltender Spagat zwischen Familie und Beruf auswirken kann. Was möchtest Du anderen Menschen in dieser Situation mit auf den Weg geben?

Das Sandwich-Dasein betrifft viele Menschen zwischen 40 und 60 Jahren, die meisten von Ihnen sind Frauen. Doch bleibt das im Berufsleben häufig unbeachtet. Ich möchte sensibilisieren und dazu anregen, sich die eigene Situation und die persönliche Belastung vor Augen zu führen, um sich selbst nicht zu überfordern und bei Bedarf Unterstützung zu holen.

Bei mir fing alles ganz entspannt an. Im Jahr 1985 habe ich mich als Journalistin selbstständig gemacht und einiges erlebt, u. a. wichtige Momente der Zeitgeschichte, wie den Fall der Mauer 1989 in Berlin. Als Assistentin des Korrespondenten des spanischen Fernsehsenders TVE habe ich in den Räumlichkeiten des Berliner Offenen Kanals mit Japanern und Italienern um freie Satelliten Leitungen gekämpft, da kein Übertragungswagen zur Verfügung stand. Ich bekomme noch heute Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Ein ganz anderes, sehr persönliches Erlebnis, war die Totgeburt meines Sohnes im Jahr 1997. Sie hat mich unendlich tief getroffen. Nach 10 Tagen im Krankenhaus wurde ich mit ein paar Info-Flyern in der Hand nach Hause geschickt und musste sehen, wie ich klarkam. Mental am Boden, ohnmächtig und alleingelassen saß ich dann zu Hause. Hilfe erhielt ich von meinen Freundinnen aus dem journalistischen Umfeld. Sie haben für mich recherchiert, mir Bücher gebracht und mich aufgefordert Hilfsangebote anzunehmen. Zwar war die finanzielle Seite durch eine private Zusatzversicherung abgedeckt, aber ich war antriebslos. Meine Selbstständigkeit lag brach. Ich bin heute noch sehr dankbar, dass meine Freundinnen drangeblieben sind und mich nicht aufgegeben haben. Ich habe auf ihr Drängen externe Hilfe in Anspruch genommen – und das war gut so, denn alleine und ohne Hilfe wäre ich diesem Tiefpunkt nicht entkommen.

Ein Jahr hat es gedauert, bis ich wieder arbeiten konnte. Für den WDR habe ich die Lokalzeit aus Dortmund gemacht und dachte, dass es aufwärts geht. Doch das Sandwich-Dasein lag noch vor mir.

Mein Vater hatte 1998 einen Herzinfarkt, lag erst im Koma und kam später in die Reha. Nicht nur die täglichen Besuche bei ihm beanspruchten mich, ich musste auch meine Mutter unterstützen. Anfangs nur bei Papierkram, später habe ich auch ihren kompletten Haushalt geregelt. Unsere kleine Tochter durfte auch nicht zu kurz kommen und der eigene Haushalt wollte auch gemacht sein. Dazu kam noch die Tätigkeit als Unternehmerin, es war schon sehr viel. Absolut positiv war die Möglichkeit, dass ich beim WDR in Dortmund ab 2001 über sechs Jahre die Sendung „Planet Wissen“ machen konnte. Das brachte mir finanzielle Planungssicherheit und zeitliche Flexibilität. Doch die enorme Belastung zwischen Erziehung und Pflege zog sich über viele Jahre und ich habe das alles nur durch Disziplin, eine gute Struktur und eine straffe Organisation überstanden.

Entlastung kam erst 2016, als meine Mutter ins Heim kam und ich ihren Haushalt nicht mehr führen musste. Ich gründete IC-Media, eine PR-Beratungsagentur für Unternehmen mit der Spezialisierung auf die Erstellung von Imagefilmen und crossmedialem Content.

Das hört sich gut an. Was hast Du verändert und worauf legst Du Wert? Wie sehen Dein Leben und Dein Tagesablauf heute aus?

Mir ist heute meine Gesundheit wichtig. Ich finde Erfüllung in meiner Arbeit und das ermöglicht mir eine entspannte Grundhaltung. Ich habe gelernt, dass ich mit einer gewissen Fitness leichter durch solche Situationen komme und lege Wert auf eine gesunde Ernährung.

Ich gehöre nicht zu den Frühaufstehern, ich bin eher ein Nachtmensch und arbeite gern bis spät abends. Mein Tag beginnt mit Yoga oder einer Meditation, danach gibt es Zitronenwasser und Mineralstoffe. Yoga begleitet mich schon durch mein ganzes Leben und ich habe regelmäßig Kurse besucht, um meine Haltung zu verbessern und mich fit zu halten. Gerade in den Corona-Anfangszeiten wurde mir bewusst, wie sehr ich diese Einheiten vermisse und habe mir zu Hause die Zeit dafür freigehalten.

Nach diesem Start bringe ich mich auf den neusten Stand und informiere mich über die nationalen und internationalen Nachrichten, als Journalistin ist das wohl naheliegend. Dafür lese ich analoge Zeitungen, nutze digitale Medien und zusätzlich verfolge ich tagsüber die Nachrichten im Radio.

Dann widme ich mich meinen Kunden. Corona bedingt musste ich mich verändern und konzentriere mich nun auf den Bereich der PR-Strategie für Unternehmen. Dabei zahlt sich meine umfangreicheErfahrung als Radio- und Fernseh-Journalistin aus. Ich bin branchenübergreifend aktiv und habe viele sehr unterschiedliche Kunden: von der Metallverarbeitung über Buchautoren, Künstler und Unternehmensberatungen. Nur vom Fußball halte ich mich fern.

Inés, was sind Deine aktuellen Projekte? Was ist Deine Zukunftsperspektive?

Ein aktuelles Projekt ist die Entwicklung verschiedener medialer Formate, um Kultur auf Youtube sichtbar zu machen, gern mit prominenten Namen. Ich bin davon überzeugt, dass sich der mediale Schwerpunkt noch stärker auf das Internet verlagern und sich die Zielgruppe dort wiederfinden wird.

Ein zweites Projekt ist die Gründung eines Startups, zusammen mit Sabine Schlüter. Aktuell suchen wir Investoren und Partner für „Zalagne“. Bei „Zalagne“ geht es um gesunde Ernährung für Kinder. Mit einer mobilen App und spielerischer Leichtigkeit auf der Zalagne Plattform wollen wir Eltern und Kinder dazu bewegen, sich mit einer gesunden Ernährung zu befassen und das Essen mit wenig Aufwand zu einem Geschmackserlebnis zu machen. Die Zubereitung der Mahlzeiten ist leicht umsetzbar und barrierefrei zugänglich, so dass allen der Zugang leicht gemacht wird.

Sabine Schlüter ist Leiterin einer Schulküche und gelernte Diätassistentin. Ich habe schon vor 20 Jahren ein TV-Format für gesundes Essen entworfen. Damit haben wir ein solides Fundament für eine Idee mit hohem Mehrwert, mit der wir jetzt an verschiedenen Gründerwettbewerben teilnehmen. Bei den entsprechenden Bundesministerien stoßen wir bereits auf offene Ohren und zur Sarah Wiener Stiftung haben wir auch schon Kontakt aufgenommen. Ich freue mich auf die weitere Entwicklung und bin sehr gespannt darauf, was die Zukunft bringt.

Wir bedanken uns für Deine Zeit und das Interview, das unseren Leser:innen einen tiefen Einblick in sehr persönliche Dinge gibt. Wir wünschen Dir ganz viel Erfolg mit Deinen Projekten.

Kontaktdaten:

Inés Carrasco
IC-MEDIA
Martin-Schmeißer Weg 10
44227 Dortmund

Tel: 01575/612292
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Weitere Links:

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Sarah Wiener Stiftung

Wie man andere NICHT mit Blicken auszieht

Wie man andere NICHT mit Blicken auszieht

Im Englischen heißt es klangvoll „How NOT to undress each other with glances“, aber genau das ist völlig üblich, egal wo ich hinschaue. Und sehr stabil argumentiert. Aber Hand aufs Herz – wie kann etwas normal sein, das sich schon auf den ersten Blick schräg anfühlt? Woher kommt das? Was macht es mit uns? Ich habe es aus meinem Leben verabschiedet. Wohin?

Schönheit – was ist das?

Wir alle haben einen eingebauten Sinn für Schönheit und Ästhetik. Wir sind im Besonderen berührt, wenn Menschen ihre Schönheit mit uns teilen. Und hier beginnt das Missverständnis: Was ich meine, sind die Momente, in denen Andere uns zeigen, wie sehr sie für eine Sache brennen. Wenn sie voller Hingabe Musik machen, tanzen oder mit ihren Kindern spielen. Auch ein Blick voller Staunen und eine Begegnung kann uns berühren. Wenn Andere uns teilhaben lassen, ob bewusst oder unbewusst, dass sie gerade mit vollem Herzen dabei sind. Dann erinnern wir uns: Das (!) ist Schönheit.

Mensch und Kunst – ein Unterschied

Nochmal zurück zu den Blicken. Wenn Dich jemand von oben bis unten mit seinen Blicken regelrecht auszieht: Wie fühlt sich das an – zumal, wenn es ungebeten geschieht? Viele Menschen haben verstanden, dass es der eigenen Energie zuträglich ist, sich an Schönem zu erfreuen. Oh, ja. Das gilt für Kunst und für besondere Orte gleichermaßen. Gilt das auch für den Menschen?

Einladung: Teile Deine Schönheit

Jetzt kommt der Perspektivwechsel. Dies ist eine Einladung an Dich, ja, genau Dich. Eine Einladung, Deine eigene Schönheit zu finden und sie zu teilen. Und wenn Dich das nächste Mal jemand von oben bis unten taxiert: Schau ihn von unten nach oben an, schau in seine Augen. Und staune. Über Dich und über ihn. Schau, ob Du mehr sehen kannst, als einen Menschen, der vielleicht erst noch lernen darf, Energie aus dem zu schöpfen, wofür sein Herz brennt. Und wenn es gänzlich unangenehm ist, geh einfach weg.

Finde in Dir, was Dich staunen lässt.

Herzliche Grüße

Monika Schilling


Die Autorin: Monika Schilling, Coachin und Controllerin

Das Leben mit jedem Atemzug leben – das tue ich. Meistens jedenfalls. Manchmal bin ich ungeduldig. Und wenn ich in einer Sackgasse stecke … dann probiere ich, die Aussicht zu genießen.

Ich blicke dankbar auf über zehn Jahre Controlling-Expertise zurück. Heute bin ich selbständige Coachin. Allen Widrigkeiten zum Trotz und sehr lebendig. Meine Vision sind Organisationen und (Beziehungs-) Systeme, die uns glücklich machen. Und ich betrachte es als Geschenk – gesellschaftliche, familiäre, organisatorische, religiöse – Rahmenbedingungen immer wieder neu zu gestalten. Es sind Humor, Mut und selbstbestimmte Disziplin, die mich in meinem Tun begleiten. Und es trägt mich der liebevolle, ganzheitliche Blick auf das, was DICH staunen lässt.

Kontaktdaten und Verlinkungen:

Dipl.-Kff. Monika Eleonore Schilling
DiePotentialEntfalterin
Coachin aus Bochum
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