Durch die ZDF-Dokumentation „RoleModels“ sind wir auf Düzen Tekkal gestoßen. Die Trägerin des Verdienstkreuzes am Bande ist Journalistin, Politikwissenschaftlerin, Menschenrechtsaktivistin und Sozialunternehmerin mit kurdisch-jesidischer Herkunft.
Sie gehört der Glaubensgemeinschaft der Jesiden an, die als ethnisch-religiöse Minderheit vom Islamischen Staat (IS) gezielten Vernichtungskampagnen ausgesetzt ist. Der Genozid (Völkermord) der IS-Terroristen an den Jesiden im August 2014 forderte über 5.000 Todesopfer. Eine halbe Millionen Menschen mussten flüchten und viele leben heute noch in den Flüchtlingslagern in Kurdistan. Dort ist die Selbstmordrate höher denn je. Die Menschen sind verzweifelt. Sie haben den IS überlebt, um jetzt vergessen zu werden. Es ist ein Tod auf Raten, der nur sehr schwer zu ertragen ist.
Von der Journalistin zur Menschenrechtsaktivistin
Es waren „ihre Leute“, die bei dem Massaker vergewaltigt, geköpft und versklavt wurden und sie flog mit ihrem Vater in den Irak. Die Dokumentation der Reise ist zu einer Chronik eines Völkermordes geworden. Als Journalistin „besuchte“ Düzen Tekkal das Land ihrer Vorfahren, wurde dort ungewollt zur Kriegsberichterstatterin und kam als Menschenrechtsaktivistin nach Deutschland zurück. „Aktivismus bedeutet Entscheidungen zu treffen, die das Leben anderer Menschen verbessern, nicht in ein Rettertum zu gehen, sondern auf Augenhöhe Probleme herauszulesen und notwendige Hilfe anzubieten.“
Die Uraufführung des Dokumentarfilms „Háwar – meine Reise in den Genozid“ fand 2017 im UN-Headquarter vor den Vereinten Nationen statt und sorgte für große politische und mediale Aufmerksamkeit.
Nach der Reise, die sie sehr geprägt hat, gründete sie mit ihrer Schwester den gemeinnützigen Verein HÀWAR.help, der sich für Menschen- und insbesondere Frauenrechte einsetzt.
Websiteauszug HÁWAR.help
„HÁWAR.help steht für eine friedliche und gerechte Welt, in der die Universalität der Menschenrechte geachtet wird: Jeder Mensch soll sich selbstbestimmt und in Sicherheit entfalten können.
Gegründet auf der Asche eines Genozids, möchten wir Menschlichkeit leben und Hoffnung spenden. Aus dem größten Schmerz, dem Völkermord an den Jesiden, wurde eine Entscheidung für den Kampf für Menschenrechte – und damit ein Kraftfeld. Aus der Verwundbarkeit wurde ein Verein: HÁWAR.help. Heute setzen wir Bildungs- und Entwicklungsprojekte in Irak, Syrien und Deutschland und mit Aufklärungsarbeit zu internationalen Krisen (z. B. Iran und Afghanistan) um.“ (Quelle: https://www.hawar.help/de/ueber-uns/mission/ am 20.02.2026)
Hoffnung
Düzen hat sich das Ziel gesetzt, Hoffnung zu vermitteln. Sie ist da, wo die Probleme sind. Sie kämpft unermüdlich, ist die laute Stimme der Frauen, die nicht für sich sprechen können. Sie ist unbequem und bleibt von Drohungen nicht verschont. Sie erklärt in der ZDF-Doku, dass viele Demonstrant:innen auf Kundgebungen (auch im Ausland) maskiert sind, aus Angst vor der Erkennung durch die Geheimdienste. Die Teilnehmer:innen sind sich der Gefahr bewusst, der sie sich aussetzen, denn die Identifizierungsversuche hören nicht an der Ländergrenze auf.
Doch sie sieht das sehr klar:
„Menschenrechtsaktivismus wird gebraucht. Offene Gesellschaften brauchen Antworten auf totalitäre Staaten, die uns sonst in Jahrhunderte katapultieren, die wir längst überwunden geglaubt haben. Daher wird unsere Arbeit immer wichtiger.“
Wichtiger ist nicht immer gut. In der Vergangenheit hat sie sich irgendwann aus den Augen verloren und versagte sich, angesichts des Leids, Freude empfinden zu dürfen. Dank ihrer Mutter konnte sie sich damals aus dieser dunklen Phase befreien und sie ist dankbar für die ganzen Mutmacher:innen und starken Frauen, denen sie bei ihrer Arbeit begegnet. Das erfüllt sie mit Freude und mit neuer Kraft. Für sie ist es ein kurzes und wichtiges Auftanken, um wieder vorangehen zu können und die Stimme zu erheben.
German Dream Award
Bereits im Jahr 2019 hat sie die Bildungsinitiative „German Dream“ gegründet, die sich für Chancengleichheit und Integration einsetzt und jungen Menschen Werte von Freiheit und Selbstbestimmung vermittelt. Seit 2022 verleiht die Initiative einen Award an Menschen, die für die Zukunft einstehen und Orientierung bieten. Es soll sichtbar werden, dass Deutschland ein Land der Chancen ist, die bewahrt werden müssen.
Daher setzt sich Düzen Tekkal öffentlich für die Aufklärung über humanitäre Krisen und Menschenrechtsverletzungen ein – sei es in Social Media, auf Veranstaltungen oder in politischen Gremien. Darüber hinaus kommentiert sie regelmäßig aktuelle politische Entwicklungen, wie etwa die Proteste im Iran, und fordert politische Verantwortung ein, etwa von Bundeskanzler Friedrich Merz, sich klarer für Menschenrechte und Freiheit starkzumachen.
Fazit
Wir konnten Dir an dieser Stelle nur einen kleinen Auszug geben und haben Dir weitere spannende Informationen unten verlinkt.
Düzen Tekkal ist ein starkes Vorbild und eine Frau, deren Worte Gewicht haben. Sie ist nah am Geschehen, sie ordnet ein und klärt auf. Es ist eine gute Idee, sie dauerhaft auf dem Schirm zu haben.
2016 bekam sie als Küchenchefin im Restaurant „Schloss Loersfeld“ ihren ersten Michelin Stern. Da war sie gerade 27 Jahre alt und die jüngste Sterneköchin – eine von insgesamt 17 Sterneköchinnen in Deutschland. Im Gegensatz dazu gibt es hier jedoch 301 Sterneköche.
2018 verließ Julia das Restaurant und machte eine Weltreise, um neue Aromen zu entdecken und weiter zu lernen. Damit hat sie den ersten Stern wieder „verloren“, denn der blieb in der Gastronomie, aber ihr Anspruch, ihr Ehrgeiz und ihre Neugier sind geblieben.
Als sie mit ihrem Lebenspartner Yunus 2021 in der Kölner Innenstadt das Sahila – The Restaurant und nebenan die Yu*lia Mezze Bar eröffnete, war wieder ein „Stern“ das Ziel, auf das sie unermüdlich hinarbeitete. 2023 war es dann so weit: sie bekam einen Michelin-Stern für ihr Restaurant „Sahila“ – und auch in den Folgejahren wurde sie immer wieder ausgezeichnet.
Julia Komp ist Teil des perfekt funktionierenden multi-kulturellen Teams. Sie liebt es, Fische zu filetieren und präsentiert im „Sahila“ internationale Spitzenküche, die Tradition und Moderne miteinander vereint. Sie und ihr Team lassen immer neue Menü-Kreationen als geschmackliche Weltreise entstehen. Ihre Mitarbeiter mögen die ruhige und angenehme Chefin, die zwar hohe Anforderungen stellt, aber die Menschen in ihrem Team wertschätzt. Alle Mitarbeiter dürfen sich mit eigenen oder Familienrezepten einbringen. Doch bevor diese Gerichte es auf die Menükarte schaffen, müssen sie Julia mit Geschmack und Komposition überzeugen. Die Gäste erleben eine Weltreise mit wunderbaren Gerichten und mit vielfältigen Aromen, die eigene Geschichten erzählen und für Begeisterung sorgen.
Ein Leben für die Küche
Julias Anspruch an sich selbst ist hoch: perfekt, kreativ und fleißig – mit dieser Leidenschaft steht sie jeden Tag in der Küche. Sie kümmert sich um Bestellungen, bereitet vieles vor, behält alles im Auge und geht abends zu den Gästen. Sie trägt die Verantwortung und hat ihr Leben lang hart für die Anerkennung gekämpft. Die letzten 14 Jahre hat sie in der Küche verbracht, aber das geht nur, wenn man – wie Julia – Spaß an der Arbeit hat.
Selbst an ihren freien Tagen fährt sie zu Lieferanten, denkt über neue Gerichte nach oder versucht abzuschalten. Dabei ist für das Familienleben nur wenig Zeit. In der ZDF-Dokumentation „Friederike klopft an! Julia – Sterneköchin mit Biss“ antwortet sie auf die Frage, ob sie sich vorstellen kann, Kinder zu bekommen: „Das wird eine Herausforderung. Aber das ist ja genau mein Ding.“
Julia Komp ist eine Frau, die ihre Ziele engagiert und fokussiert angeht. Ihr ist bewusst, dass ihr Leben ziemlich durchgetaktet ist und sie auch an den freien Tagen nicht nur entspannt auf der Couch sitzen mag. Sie ist lebenslustig, neugierig und möchte weiter lernen – und das lebt sie mit jeder Faser ihres Seins.
Die richtige Bekleidung ist maßgeblich für das körperliche Wohlbefinden – da macht ein BH keine Ausnahme. Dennoch wissen viele Frauen nicht, wie sie die richtige Größe für sich finden können. Wir räumen mit dem Mythos der großen Körbchen auf und geben Dir konkrete Angaben an die Hand, mit der Du Deinen nächsten BH in der perfekten Größe auswählen kannst.
Ein unterschätztes Problem: Falsche BH-Größen sind die Regel, nicht die Ausnahme
Schätzungen zufolge tragen etwa 80 Prozent der Frauen in Deutschland eine falsche BH-Größe. Besonders häufig betrifft dies Frauen mit großer Brust bzw. Oberweite, die oft aus Unsicherheit eher bei kleineren Körbchen und weiten Unterbrustbändern zugreifen. Dahinter stehen mehrere Faktoren: falsche Annahmen über Cup-Größen, fehlendes Wissen über das richtige Ausmessen, nicht genormte Größen in Deutschland sowie die Tatsache, dass die BH-Modelle je nach Hersteller unterschiedlich ausfallen.
Das Ergebnis ist ein BH, der weder korrekt sitzt noch stützt und in vielen Fällen sogar Beschwerden wie Schulter-, Nacken- oder Rückenschmerzen verursacht.
Der größte Irrtum: „Alles ab Cup D ist riesig“
Eine der gängigsten Mythen lautet: Cup D oder größer sei automatisch eine sehr große Brust. Doch das stimmt nicht.
Eine Cup-Größe bemisst sich nicht danach, wie „groß“ eine Brust aussieht, sondern ausschließlich nach der Differenz zwischen Brustumfang und Unterbrustumfang. Die Größe des Cups hängt also immer vom Unterbrustband ab. Eine Frau kann deshalb sowohl ein kleines A-Cup als auch ein kleines E-Cup haben – abhängig davon, wie groß die Differenz zwischen Brust- und Unterbrustumfang ist. Viele Frauen wären überrascht, wie häufig Cupgrößen wie E, F, G oder H tatsächlich vorkommen, wenn korrekt ausgemessen wird.
Selbst ausmessen: So ermitteln Frauen ihre tatsächliche BH-Größe
Damit ein BH optimal sitzt, müssen zwei Maße richtig ermittelt und deren Differenz richtig eingeordnet werden. Vielleicht lässt Du Dir bei den Messungen helfen – das macht es einfacher.
Schritt 1: Unterbrustumfang messen
Das Maßband wird direkt unter der Brust waagerecht um den Körper gelegt. Gemessen wird enganliegend, aber ohne die Luft abzuschnüren. Beispiel: 84 cm Unterbrustumfang (eng gemessen)
Schritt 2: Brustumfang messen
Das Maßband wird locker über die stärkste Stelle der Brust geführt – meist auf Höhe der Brustwarzen. Beispiel: 97 cm Brustumfang (locker gemessen)
Schritt 3: Differenz berechnen
Brustumfang – Unterbrustumfang = Cup-Differenz | 97 cm – 84 cm = 13 cm Differenz
Schritt 4: Körbchengröße bestimmen
In Deutschland gilt als grobe Orientierung:
13 cm → Cup A
15 cm → Cup B
17 cm → Cup C
19 cm → Cup D
21 cm → Cup E
23 cm → Cup F
25 cm → Cup G
usw.
Beispiel: Differenz 13 cm → Cup A | Unterbrustband abgerundet auf 80 → 80A
Dieses Beispiel zeigt auch: Ein Cup A kann durchaus ganz unterschiedlich aussehen – je nachdem, ob es an einem Umfang von 65, 75 oder 90 cm gebunden ist.
Wichtiger Hinweis: BH-Größen in Deutschland sind nicht genormt
Ein wesentlicher Grund, warum so viele Frauen falsche Größen tragen: BH-Größen sind nicht einheitlich. Jeder Hersteller verwendet eigene Maßtabellen.
Das bedeutet: Wenn eine Frau bei Marke A die Größe 80G trägt, kann sie bei Marke B ebenso gut 75H oder 85F benötigen.
Ebenso bedeutet die Zahl 80 nicht, dass der Unterbrustumfang der Frau exakt 80 cm betragen muss. Viele Hersteller schneiden das Unterbrustband so, dass der BH aufgelegt ca. 80 cm misst – ungeachtet der Materialdehnung.
Eine Frau mit 90 cm Unterbrustumfang kann deshalb problemlos in ein 85er oder 80er Unterbrustband passen, wenn dieses ausreichend elastisch ist.
Warum das Unterbrustband entscheidend ist
Etwa 80 Prozent des Halts eines BHs kommen vom Unterbrustband – nicht von seinen Trägern. Daher sollte es:
fest, aber angenehm am Körper anliegen
parallel verlaufen
auf dem ersten Häkchen geschlossen werden (damit es enger gestellt werden kann, wenn das Material im Laufe der Zeit nachgibt)
Die Träger liefern nur etwa 20 Prozent des Supports. Sind sie zu stramm eingestellt, entstehen Druckschmerzen, Einkerbungen an den Schultern und Verspannungen – besonders bei großer Brust.
Passformen richtig erkennen: Das sollte ein gutsitzender BH leisten
Ein BH sitzt korrekt, wenn:
das Unterbrustband fest anliegt und nicht hochrutscht
der Mittelsteg am Brustbein anliegt
die Brust vollständig vom Körbchen und ggf. Bügel umschlossen wird
kein Brustgewebe aus dem Cup quillt
der Bügel nicht in die Brust drückt
die Träger nicht einschneiden oder rutschen
ca. zwei Finger flach zwischen Verschluss und Rücken passen
Gerade bei großer Oberweite ist die Passform entscheidend, um Rücken-, Schulter- und Kopfschmerzen zu vermeiden.
Unterschiedlich große Brüste? Kein Problem.
Viele Frauen haben von Natur aus unterschiedlich große Brüste. Die richtige Vorgehensweise lautet: Immer die größere Brust passend einmessen. Das kleinere Brustvolumen lässt sich anschließend mit einer leichten Trägereinstellung oder einem einsetzbaren Pad ausgleichen.
Wie oft sollte man sich ausmessen?
Mindestens einmal pro Jahr – denn der Körper verändert sich:
Gewichtsschwankungen
Schwangerschaft
hormonelle Veränderungen
Wechseljahre
Sport oder geänderte Lebensweise
Zusätzlich empfehlen sich professionelle Anproben in Fachgeschäften, die das Feintuning übernehmen.
Eine reale Erfahrung: Vom vermeintlichen 75C zur tatsächlichen Größe 70E
Eine Freundin war lange überzeugt, dass Cup D „schon riesig“ sei und sie deshalb seit Jahren zuverlässig 75C trage. Als ich sie fragte, wann sie sich zuletzt ausgemessen habe, wusste sie keine Antwort.
Wir gingen gemeinsam in ein Fachgeschäft und das Ergebnis war eindeutig: Ihre tatsächliche Größe ist 70E.
Diese Größe umschloss die Brust vollständig, das Unterbrustband gab Stabilität und die Belastung verlagerte sich weg von den Schultern. Ihr Kommentar danach: „Ich hätte nie gedacht, dass Cup E so normal aussehen kann.“
Fazit: Die richtige BH-Größe ist kein Luxus – sie verbessert Deine Gesundheit und Dein Wohlbefinden
Viele Frauen tragen zu kleine Cups und zu weite Unterbrustbänder – oft über Jahre. Gerade Frauen mit großer Brust oder großer Oberweite profitieren enorm davon, ihre tatsächliche Größe zu kennen und regelmäßig zu überprüfen. Ein richtig sitzender BH steigert Komfort, verhindert Schmerzen, unterstützt die Körperhaltung und sorgt für ein völlig neues Tragegefühl.
Wer seine Maße kennt und Passformregeln beachtet, sorgt nicht nur für bessere Unterstützung, sondern auch für ein neues Bewusstsein für den eigenen Körper.
Die Autorin: Ljubica Kramer, Gründerin von Cocotier Royal
Ljubica Kramer, Jahrgang 1983, gründete Cocotier Royal im April 2025 aus eigener Erfahrung mit der Herausforderung, als Frau mit großer Brust gutsitzende BHs und Bikinis zu finden. Die in Dortmund geborene Gründerin entwickelte eine exklusive Bademodenmarke für Frauen mit Umfanggrößen 60–80 und Cup D–K, die auf hochwertige Materialien, perfekte Passform und einen Anspruch von Klasse statt Masse setzt. Mit langjähriger Beschäftigung rund um Passform, Größen und Tragekomfort verfolgt sie das Ziel, Bademode neu zu denken und anders – vielleicht auch besser – zu machen als etablierte Hersteller.
Kontaktdaten: Ljubica Kramer | COCOTIER ROYAL
Website Hinweis: Der Cocotier Royal Online-Shop für Bademoden wird in Kürze verfügbar und verlinkt sein.
Die Menschen leben im 21. Jahrhundert, sind zum Mond geflogen, erobern die Tiefsee, reisen in Flugzeugen um die Welt, arbeiten am Klimawandel. Und sind anscheinend immer noch in den Rollenbildern der letzten Jahrhunderte gefangen!
Die Frage, ob Frauen heute zu viel fordern, lässt sich nicht beantworten, ohne den historischen Hintergrund zu betrachten. Die Anforderungen der Gegenwart stehen in einer Linie mit jenen Zeiten, in denen Frauen die Erfahrung gemacht haben, dass ihnen nichts geschenkt wurde. Jedes Stück Freiheit mussten sie sich erkämpfen. Diese Perspektive macht die modernen Erwartungen verständlich. Und vielleicht erklärt es auch, warum der Dialog zwischen den Männern und Frauen manchmal hakt: Männer entdecken gerade erst, wie es sich anfühlt, viel von sich selbst zu verlangen, während Frauen gelernt haben, dass das „Nicht Fordern“ zwangsläufig bedeutet, weniger zu bekommen.
Nehmen wir diesen historischen Blick ernst, erscheint die Frage „Fordern Frauen zu viel?“ plötzlich in einem anderen Licht. Vielleicht fordern Frauen nicht zu viel – vielleicht haben sie gelernt, endlich genug zu fordern.
Ein Blick zurück: Wie haben Frauen überhaupt gelernt „zu fordern“?
Forderungen durften Frauen jahrhundertelang nicht stellen! Die Geschichte der Gleichberechtigung ist nicht nur eine Reihe politischer Veränderungen, sondern ein leiser und oft gefährlicher Kampf um die weibliche Selbstbehauptung. Die modernen Forderungen entstehen nicht aus dem Nichts, sie sind das Resultat einer langen Tradition des „fordern Müssens“. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Leben der meisten Frauen durch eine Vielzahl von Pflichten definiert. Sie durften für eine funktionierende Familie sorgen, aber nicht über die Regeln bestimmen. Ihre „Selbstbestimmung“ galt nur innerhalb dessen, was als „weiblich“ angesehen wurde. Schulbildung und Studium wurden ihnen zwar nicht grundsätzlich verboten, aber meist erschwert. Frauen, die dennoch studierten oder berufliche Ambitionen zeigten, wurden als eigensinnig wahrgenommen, als Mensch, der seine „natürliche Aufgabe“ verfehlte. Forderungen nach Mitbestimmung galten als unweiblich und wurden manchmal sogar als Bedrohung für die gesellschaftliche Ordnung betrachtet.
Es ist erstaunlich, wie viel Mut Frauen brauchten, um einfach nur die Stimme zu erheben. Frauenrechtlerinnen wurden verspottet, kriminalisiert, oft verhaftet. Die frühen Feministinnen wussten, dass Gleichberechtigung kein Wunschzettel ist, der einreicht wird, sondern ein kraftaufwendiges Ringen um das Recht, überhaupt eine eigene Meinung vertreten zu dürfen. Dass Frauen wählen dürfen, über ihr Geld selbst entscheiden können oder ohne Erlaubnis ihres Ehemannes arbeiten dürfen, steckt historisch betrachtet noch in den Kinderschuhen.
Das Bewusstsein, dass die vermeintlichen Naturgesetze über Rollenbilder überhaupt keine sind, wuchs nur langsam. Je mehr Frauen Zugang zu Bildung, politischer Teilhabe und finanzieller Unabhängigkeit bekamen, desto mehr veränderte sich das Bild von dem, was eine Frau sein kann. Und mit dieser Veränderung keimte auch der Mut, Erwartungen zu artikulieren – die Forderungen nach Respekt, auf Augenhöhe zu agieren und dem Recht, nicht nur für die Familie, sondern auch für sich selbst zu existieren. Was damals noch Hoffnung war, ist heute in vielen Ländern Realität – aber eben nicht konfliktfrei. Frauen der Gegenwart stehen mit Plakaten auf der Straße, nicht weil sie wählen wollen, sondern weil sie partnerschaftliche Verantwortung einfordern. Sie können ein eigenes Konto eröffnen und ringen nun um das Recht, nicht allein die emotionale Last der Familien-Fürsorge zu tragen. Aus der Vergangenheit sind keine ungeduldigen Forderungen entstanden, sondern ein historisch tief verwurzeltes Bewusstsein dafür, mit welcher Notwendigkeit Erwartungen aus- und angesprochen werden müssen, statt zu schweigen.
Diskussion „Fordern Frauen zu viel?“
In der ZDF-Diskussion „Auf der Couch“ geht es um die provokante Frage „Fordern Frauen zu viel?“. Gemeint ist die weibliche Erwartungshaltung gegenüber Männern in einer zunehmend gleichberechtigten Gesellschaft. Die Kulturwissenschaftlerin Tara-Louise Wittwer und der Coach Ozan Taş wollen genau diese Spannung ausloten.
Erwartung versus Druck
Tara-Louise Wittwer vertritt eine klare Position: Sie sieht, dass Frauen längst nicht mehr nur erwarten, sondern berechtigterweise auf Gleichberechtigung beharren. Ihrer Ansicht nach müssen Männer sich ihrer bisherigen Privilegien bewusstwerden und dann aktiv zu einer Gleichstellung beitragen. Die Gleichberechtigung ist kein Geschenk, sondern ein Mindset, für das Mann einsteht, auch gegen gesellschaftliche Widerstände.
Auf der anderen Seite steht Ozan Taş, der das Bild eines Mannes zeichnet, der unter dem Gewicht moderner Erwartungen leidet. Für ihn sind viele der Ansprüche, die Frauen an Männer richten, sehr hoch. Das erzeugt nicht nur Druck, sondern verunsichert tief: Mannsein im Jahr 2025 ist nicht automatisch eine komfortable Rolle, sondern eine Herausforderung, die viele überfordert. Der Moderator Leon Windscheid nutzt in der Gesprächsrunde Interventionen, die aus der systemischen Paartherapie stammen: Er fordert beide Seiten auf, nicht nur ihre Argumente vorzutragen, sondern auch die Perspektive der jeweils anderen Seiten nachzuspüren. Das Ziel ist nicht, einen Gewinner zu küren, sondern Verständnis aufzubauen – ein Dialog auf Augenhöhe.
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Woher kommt die Spannung?
Die Debatte, ob Frauen zu viel fordern, ist kein neues Phänomen, aber sie bekommt in diesem Gespräch eine neue Tiefe. Auf den ersten Blick scheinbar eine simple These: Frauen verlangen von Männern mehr als früher, vor allem im Hinblick auf Gleichstellung. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass es vor allem um gesellschaftliche Rollenbilder, alte Muster und die gleichmäßige Verteilung von Verantwortung geht.
Wittwer weist darauf hin, dass strukturelle Ungleichheiten nach wie vor existieren. Gleichstellung ist nicht nur ein moralischer Anspruch, sondern auch eine politische Realität, die aktiv mitgestaltet werden muss – und zwar auch von Männern. Taş wiederum bringt das psychologische Gegenbild: Er plädiert dafür, dass nicht alle Forderungen als berechtigte Forderung nach Gerechtigkeit gelesen werden dürfen, sondern kritisch hinterfragt werden müssen, weil sie neuen Leistungsdruck erzeugen.
Das Gespräch offenbart eine zentrale Spannung: Der Wunsch nach Gleichberechtigung trifft auf Angst – die Angst mancher Männer, den neuen Erwartungen nicht gerecht zu werden. Und das sowohl im Beruf als auch im Privaten, in Beziehungen, im Alltag.
Der psychologische Hintergrund
Die in der Runde angesprochenen Konflikte lassen sich gut durch den Begriff des Geschlechtsrollenstresses erklären. Dieser Begriff beschreibt den inneren Konflikt, der entsteht, wenn Personen mit den gesellschaftlichen Erwartungen nicht übereinstimmen oder diese nicht erfüllen können.
Für Männer kann das besonders belastend sein. Wenn traditionelle Rollenbilder – stark, rational, emotional kontrolliert – nach wie vor präsent sind, aber gleichzeitig neue Erwartungen – Gleichberechtigung, Mitgefühl, Kooperation – erhoben werden, entsteht ein Spannungsfeld, in dem viele Männer unsicher sind, woran sie sich orientieren sollen. Die „Auf der Couch“-Diskussion macht das spürbar: Taş spricht vom Gefühl, dass nicht nur Leistung erwartet wird, sondern auch emotionale Verfügbarkeit – eine Kombination, die für viele Männer schwer auszubalancieren ist.
Wittwer plädiert dagegen, dass diese Spannung kein Zeichen von Schwäche, sondern von Veränderung ist. Wer sich seinen Privilegien bewusst wird und bereit ist, sich zu verändern, leistet einen aktiven Beitrag zur Gleichstellung. Für sie ist der Druck, den manche Männer verspüren, kein Argument gegen Forderungen, sondern ein Anstoß, die Gesellschaft neu zu denken.
<Hier wäre der Platz für die Annäherung 😊>
Was bedeutet das für uns heute?
Diese Talkrunde ist mehr als nur eine kontroverse Frage: Sie ist ein Spiegel unserer Zeit. In einer Ära, in der Gleichberechtigung nicht mehr als ferner Traum, sondern als realer Anspruch existiert, müssen wir neu verhandeln, was wir voneinander erwarten dürfen – und was für beide Seite fair erscheint.
Frauen fordern nicht mehr nur Teilhabe, sondern eine gleichwertige Partnerschaft. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass Männer nicht allen neuen Erwartungen ohne innere Konflikte gerecht werden können. Der Wandel zu einer gleichberechtigten Gesellschaft braucht nicht nur Forderungen, sondern auch Empathie, Dialog und die Bereitschaft, alte Muster aufzubrechen – auf beiden Seiten.
Diese Diskussion ist aus unserer Sicht eine Empfehlung, wenn Du Dich mit dem Thema auseinandersetzen willst, musst oder kannst.
Es sieht von außen betrachtet ganz alltäglich aus: Die Organisation einer Familie als Alleinerziehende:r . Doch dieser Eindruck täuscht über die Realität hinweg. Anders als Eltern in einer Paarbeziehung tragen sie die alleinige Verantwortung für die (minderjährigen) Kinder. Teilweise ohne Unterstützung durch Großeltern oder Geschwister, wuppen sie das tägliche Leben zwischen Erziehung, Haushalt und Erwerbstätigkeit, die oft schlecht- oder unterbezahlt ist. Finanzielle Sorgen schweben wie dunkle Wolken über dem ständigen Funktionieren müssen. Es ist kaum Zeit für eigene Bedürfnisse. Das Wohl der Kinder steht immer an erster Stelle.
„Ich schlafe im Wohnzimmer, damit meine drei Kinder ein eigenes Zimmer haben.“
„Wenn Du glaubst du kannst nicht mehr, dann darfst Du dich nicht hinsetzen und musst Dir eine neue Aufgabe suchen.“
„Man kann versuchen, die Rolle (der Mutter) mit zu übernehmen und ich habe auch gelernt aufzupassen, dass die Große (Tochter) nicht die Mutterrolle für die Kleine (Tochter) übernimmt.“
Drei Dokumentationen über den Alltag von Alleinerziehenden
Wir haben drei Dokumentationen aus vielen Sendungen herausgegriffen, die das Spannungsfeld von alleinerziehenden Elternteilen bodenständig, real und nachvollziehbar darlegen, ohne eine künstliche Dramatik.
Die zu Wort kommenden Alleinerziehenden stehen parat, müssen stets funktionieren und managen den Familienalltag. Zeit für sich können sich die wenigsten nehmen. Eher wird die Wochenarbeitszeit im Teilzeitjob aufgestockt oder ein Minijob noch dazu genommen, damit sich die finanzielle Lage verbessert.
Es tauchen Fragen auf, die sich Paare nicht stellen müssen. Was tun, wenn ein Kind mit dem Notarzt ins Krankenhaus muss und das zweite Kind nicht mitgenommen werden kann? Wie entscheidet sich (in diesem Fall) die Mutter? Warum werden die politischen Weichen nicht so gestellt, dass in solchen Fällen schnelle Unterstützung erfolgen kann? Was kann man ausrichten, wenn man als taubstummes Elternteil den Kindergarten erreichen muss, es aber nur eine Telefonnummer gibt?
In den Sendungen wird deutlich, dass fehlende Zugänge zu Hilfsangeboten, unüberwindbare Barrieren sind. Es geht um Menschen, die Unterstützung benötigen und die oft dafür kämpfen müssen, um zu bekommen, was ihnen zusteht. Zahlt ein Elternteil keinen Unterhalt, müssen für jedes Kind separate Formulare ausgefüllt und ein Rechtsbeistand beantragt werden, damit dieser das Geld einfordern kann. Die Bürokratie macht es nur noch schwerer.
Einige Fakten:
Im Jahr 2024 waren laut des Statistischen Bundesamtes rund 2,3 Millionen Mütter und etwa 496.000 Väter in Deutschland alleinerziehend (Quelle: Statista, abgerufen am 16.10.2025). Mehr als jeder dritte Haushalt von Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern ist auf staatliche Hilfe angewiesen.
Über 40% der Alleinerziehenden fühlen sich finanziell unter Druck.
Lt. Bertelsmann Stiftung sind 43% der Alleinerziehenden arm.
Rund 15% der alleinerziehenden Mütter haben Depressionen, bei Müttern in Partnerschaften sind es nur 6%. (RKI)
Alleinerziehende sind doppelt so oft unzufrieden mit ihrem Leben, wie Eltern in einer Partnerschaft.
Fazit
Was von außen betrachtet normal zu sein scheint, ist ein riesiger Kraftakt für die Elternteile, die sich ohne Partner:in um die Kinder kümmern. Die jederzeit mit dem Schlimmsten rechnen und hoffen, dass alles gut geht. Das ist eine starke mentale und körperliche Belastung, die große Achtung, viel Beachtung und schnellstmöglich andere Rahmenbedingungen braucht!
Weitere interessante Links:
Die Entfremdung verfremden – Ein Artikel auf „nd Journalismus von links“ über die Retrospektive des Werks von Margaret Raspé, einer Pionierin der Videokunst, die bereits in den 70er-Jahren eine Alleinerziehende war.
Frauen verdienen im Beruf immer noch weniger als Männer in vergleichbaren Positionen. Zusätzlich managen Frauen den Haushalt, erziehen häufig die Kinder, sind stark in der Care-Arbeit und pflegen die Angehörigen. Ihr Risiko in der Alternsarmut zu landen, unterschätzen die meisten, zudem kümmern sich nur wenige um ihre Finanzen. Rund 70 Prozent der heute berufstätigen Frauen müssen damit rechnen, sich im Alter drastisch einschränken zu müssen.
Frauen in der Armutsfalle – Statistik
Ein persönlicher Einblick
Das wird mir sehr wahrscheinlich auch so gehen. Ich werde dieses Jahr 63 – ok, der offiziellen Renteneintritt ist zwar erst 2029, aber will ich wirklich noch so lange arbeiten? Die Frage stelle ich mir immer wieder.
Ich habe sofort nach meinem Studium 1986 angefangen zu arbeiten – 30 Jahre festangestellt und in Vollzeit. Für „weibliche“ Verhältnisse habe ich immer gut verdient. Im Januar 2015 wurde ich entlassen – genau wie meine 2.999 Kollegen:innen. Ich war Anfang 50 und die freundlichsten Absagen bei der Suche nach einer neuen Stelle waren „Sie sind unflexibel!“ (heißt: sie haben zu viel Erfahrung und wir können sie nicht mehr nach unseren Wünschen formen) und „Sie sind überqualifiziert!“ (heißt: wir müssen ihnen ein gutes Gehalt zahlen und dazu sind wir nicht bereit).
Also habe ich mich selbständig gemacht und bin es bis heute. Der Wechsel von einer Festanstellung in die Selbständigkeit war ein Schritt vom sicheren und geregelten monatlichen Auskommen hin zu Monaten mit nur begrenzt planbaren und wechselhaften Umsätzen. Ich musste mich von meinem bis dato gewohnten Lebensstandard verabschieden und mich mit den neuen Gegebenheiten arrangieren. Vielleicht waren diese Einschränkungen gut für mich, denn so ist der Unterschied zur Rente nicht mehr so krass.
Trotz meines guten Verdienstes wird meine Rente aufgrund der vielen selbstständigen Jahre nicht sehr üppig ausfallen. Ich werde mich, wie viele Frauen, deutlich einschränken müssen. Für mich heißt das vor allem, meine schöne Wohnung mit Aussicht aufzugeben und mir eine kleinere und günstigere Wohnung zu suchen. Auch meine drei bis vier Urlaube im Jahr sind dann Geschichte. Eine Traumreise werde ich mir schon gar nicht mehr leisten können. Teure Hobbies und Restaurantbesuche sind dann auch nicht mehr finanzierbar.
Wenn das Geld nicht ausreicht – Die leise Bedrohung im Ruhestand
So wie es mir mit der Rente geht, geht es der Mehrheit der Frauen. Altersarmut ist kein abstraktes Phänomen, sondern eine Realität, in der sich immer mehr Frauen wiederfinden. Trotz jahrelanger Berufstätigkeit, guter Ausbildung und sorgfältiger Lebensplanung sehen sie sich am Ende ihres Arbeitslebens mit einem Rentenbescheid konfrontiert, der kaum zum Leben reicht. Traditionelle Rollenbilder, Teilzeit- bzw. Care-Arbeit und die Abwesenheit der eigenen finanziellen (Zukunfts-)Planung wirken sich über Jahrzehnte kumulierend aus.
Die ZDF-Reportage „Frauen in der Armutsfalle – Viel Arbeit, wenig Lohn“ begleitet vier Frauen auf ihrem individuellen Weg – von der Generation des Schweigens bis zur jungen Studentin, die bereits heute auf ihre finanzielle Zukunft setzt. Ihre Lebensgeschichten verdeutlichen: Altersarmut ist kein persönliches Schicksal, sondern ein gesellschaftliches Versagen.
Frauen in der Armutsfalle – Hilde Fromm
Sprachlosigkeit als Stolperfalle
Die 68-jährige Hilde Fromm verkörpert eine Generation, die „über Geld nicht spricht“. Als gelernte Rechtsanwaltsgehilfin bekam sie nach der Geburt ihrer beiden Töchter nur noch Jobs zu Niedriglöhnen. Auch wenn sie immer hart gearbeitet hat, fehlte ihr das Bewusstsein für die langfristige Bedeutung der Rentenabsicherung. Finanzplanung war ein ungeliebtes Thema, Riesterrente, Fondssparpläne oder private Rentenversicherungen spielten in ihrem Leben keine Rolle. Heute, wo jeder eingehende Cent sorgfältig kalkuliert werden muss, spürt sie die Folgen dieses Schweigens. Der Gang zur Tafel wird für sie zur Routine, und regelmäßige Besuche bei der LichtBlick Seniorenhilfe e. V. ermöglichen ihr erst den wöchentlichen Einkauf. Die einst moderne Frau fühlt sich von einer Gesellschaft im Stich gelassen, die Rentengerechtigkeit predigt, aber keine wirksamen Mechanismen schafft, um Frauen wie ihr einen würdigen Ruhestand zu ermöglichen.
Frauen in der Armutsfalle – Jana Schütze
Die Schattenseiten der Teilzeit
Jana Schütze ist 51 Jahre alt und war lange Jahre als OP-Assistenz in einem städtischen Klinikum tätig. Mit der Geburt ihres zweiten Kindes entschied sie sich bewusst für eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Die neue Stelle als Sterilisationsassistentin finanzierte zwar die Bedürfnisse der inzwischen sechsköpfigen Familie, führte jedoch zu einem drastischen Einkommensverlust – und damit auch zu einem spürbar geringeren Rentenkonto. Zunächst empfand Jana es als Erleichterung, nicht mehr jeden Nachmittag im Klinikkittel zu verbringen und sich den Kindern und dem Haushalt zu widmen. Erst Jahre später wurde ihr bewusst, wie stark sich diese Entscheidung auf ihre Zukunft auswirkt. Teilzeit bedeutet nicht nur weniger Gehalt im Hier und Jetzt, sondern auch eine schleichende, aber stetige Verringerung der späteren Rentenbezüge. Dabei hatte sie mit dem Management des Haushaltes und der Erziehung ihrer vier Kinder eigentlich einen zweiten (Teilzeit-)Job. Wenn Jana heute ihren Rentenbescheid liest, empfindet sie vor allem eines: Sorge. Und die Erkenntnis, dass sie über Jahre hinweg Entscheidungen getroffen hat, ohne das langfristige Risiko zu erkennen. Erst die Beratung der Deutschen Rentenversicherung machte ihr deutlich, dass ihr ja die Jahre der Kindererziehung auf die Rente angerechnet werden und ihre Rente damit um einiges höher ausfallen wird als anfangs gedacht.
Frauen in der Armutsfalle – Mandy Mewes
Wenn der Absturz zum Alltag wird
Mandy Mewes, 47 Jahre alt und ehemalige Bundeswehrsoldatin und Militärpolizistin, hat gelernt, sich durchzusetzen und klar zu sagen, was sie will. Nach der Bundeswehr arbeitete sie als Betriebsleiterin in einem Sicherheitsunternehmen. Sie besaß alles, was man sich unter einem komfortablen Leben vorstellt: einen gut dotierten Job, Dienstwagen, regelmäßige Urlaube und eine großzügige Wohnung. Doch die Geburt ihrer Tochter und die anschließende Trennung von ihrem Partner führten sie in eine Welt, die sie sich nie hätte ausmalen können. Der Unterhalt blieb aus, die gemeinsam aufgenommenen Kredite waren weiterhin zu bedienen. Als alleinerziehende Mutter macht sie sich als Personalberaterin selbständig – das ging allerdings schief.
Aus finanzieller Unabhängigkeit wechselte das Leben in eine existenzielle Bedrohung: Mandy rutscht ins Bürgergeld. Plötzlich muss sie als Mutter eines Kleinkindes von 1.200 € leben. Die Verzweiflung sitzt tief, denn Mandy ahnt: Wenn sie heute schon mit knapper Not über die Runden kommt, droht ihr im Alter völlige Verarmung. Die Reportage zeigt, wie wenig Rücklagen bei vielen alleinerziehenden Müttern möglich sind und wie schnell die dünne Fassade von Stabilität einstürzen kann. Heute gibt Mandy ihre Erfahrung aus der Bundeswehrzeit an junge Frauen weiter und bringt ihnen in einem Selbstverteidigungskurs bei, übergriffigen Männer Grenzen zu zeigen. Denn sie weiß, dass das Erlernte für die Frauen auch in anderen Lebenssituationen hilfreich sein kann. Trotz einer Weiterbildung sucht sie immer noch einen neuen Arbeitsplatz, denn sie würde sehr gerne wieder selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen.
Frauen in der Armutsfalle – Laura Stuhldreier
Vorsorge als Akt der Selbstermächtigung
Die 22-jährige Studentin Laura Stuhldreier gehört zur ersten Generation, die scheinbar selbstverständlich Zugang zu Finanzinformationen und digitalen Anlagemöglichkeiten hat. Während ihre Großmütter und Mütter oftmals aus Unsicherheit oder Unwissenheit auf eine private Altersvorsorge verzichteten, hat sie bereits im ersten Semester begonnen, kleine Beträge in einen ETF-Sparplan zu investieren. Dank des Zinseszinseffekts und der langfristigen Wachstumsprognosen sieht sie ihre Strategie als Versicherung gegen eine ungewisse Rentenrealität. Für Laura ist klar, dass finanzielle Selbstbestimmung kein Thema ist, das man aufschiebt: Wer früh beginnt, profitiert später umso mehr. Mithilfe von Blogs, Podcasts und YouTube-Kanälen hat sie sich Wissen angeeignet, das ihr Umfeld oft belächelt, das für ihre Generation aber überlebenswichtig sein könnte. An der Universität Münster studiert sie Volkswirtschaftslehre und organisiert mit einigen Studienkolleginnen nebenbei einen Kurs für Frauen. Darin gibt sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen über ihren Umgang mit der Altersvorsorge weiter.
Wege aus der Armutsfalle
Die Lebensgeschichten von Hilde, Jana, Mandy und Laura zeigen eines unmissverständlich: Ohne strukturelle Änderungen werden noch viele Frauen in eine Zukunft ohne ausreichende finanzielle Mittel rutschen. Es braucht eine neue Offenheit, damit über Geld gesprochen wird – von der Schule bis ins Berufsleben. Jobs, die heute noch als familienfreundlich gelten, müssen so gestaltet werden, dass sie die Rentenansprüche nicht ausdünnen. Arbeitgeber sind gefordert, transparente Lohnstrukturen zu etablieren und gleiche Bezahlung für alle Geschlechter zu garantieren. Die Politik wiederum muss gezielt Anreize setzen, damit Frauen unabhängig von ihrer Lebenssituation frühzeitig in die Altersvorsorge investieren können.
Solidarische Netzwerke und niedrigschwellige Beratungsangebote können betroffene Frauen unterstützen, finanzielle Stolperfallen zu erkennen und zu umschiffen. Nur wenn jeder Akteur – von der Einzelperson bis zur Gesellschaft – Verantwortung übernimmt, lässt sich die Armutsfalle endgültig schließen und das Leben und Altern in Würde und Sicherheit gewährleisten.
Einen Tipp habe ich noch aus persönlicher Erfahrung: Es ist sehr hilfreich, frühzeitig einen Termin bei der Deutschen Rentenversicherung zu vereinbaren. Die Beratung ist kostenlos. So kann man sicher sein, dass auch alle anrechenbaren Zeiten, z. B. Studienjahre, Elternzeit, Kindererziehung, in einem Rentenbescheid berücksichtigt werden. Und vielleicht kommt dann ja die Überraschung und die Rente ist höher als ursprünglich gedacht.