Mitternachtsmission Teil 2: Hilfe für die Opfer von Menschenhandel

Mitternachtsmission Teil 2: Hilfe für die Opfer von Menschenhandel

Andrea Hitzke ist Sozialarbeiterin und leitet seit 2012 die Dortmunder Mitternachtsmission e.V., die eine Beratungsstelle für Prostituierte, Ehemalige und Opfer von Menschenhandel unterhält. Der Verein ist bundesweit anerkannt und Mitglied im Dachverband des Diakonischen Werks. Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.

Hallo Andrea, herzlichen Dank für Deine Zeit, uns ein Interview zu geben. Im ersten Teil haben wir über die Hilfe von Sexarbeiter:innen gesprochen. Jetzt wollen wir über die Hilfen für Opfer von Menschenhandel sprechen. Warum betrachtet ihr diese beiden Bereiche separat?

Wir sehen die beiden Bereiche getrennt, da die jeweilige Situation unterschiedlich ist. Mit der Prostituiertenhilfe unterstützen wir Sexarbeiter:innen, die sich aus unterschiedlichen Gründen zur Ausübung der Prostitution entschieden haben. Sie treffen eigene Entscheidungen in Bezug auf ihre Arbeitsbedingungen. Opfer von Menschenhandel sind jedoch Betroffene eines Verbrechens, die zum Zweck der sexuellen Ausbeutung zur Prostitution gezwungen werden. Sie sind meist stark traumatisiert. Diesen Menschen bieten wir, als spezialisierte Fachberatungsstelle (FBS) für Opfer von Menschenhandel im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen, Hilfe und Schutz an und arbeiten dabei gut mit den Behörden und der Polizei zusammen.

Die Notwendigkeit der Zusammenarbeit ist durch die Schutzbedürftigkeit der Opfer nachvollziehbar. Doch bevor wir darauf weiter eingehen, möchte ich die Begrifflichkeiten klären: Menschenhandel wird häufig mit dem Begriff der „Schleusung“ in Verbindung gebracht. Was ist der Unterschied?

Mit „Schleusung“ ist die Hilfe bei einem illegalen Übertreten einer nationalen Grenze gemeint. Dazu gehört auch, den illegalen Aufenthalt in Deutschland zu unterstützen. Die Schleuser:innen schlagen Profit aus dem Grenzübertritt.

Beim Menschenhandel resultiert der Profit aus der Ausbeutung einer Tätigkeit der Person. Beim Menschenhandel kann auch Schleusung eine Rolle spielen, es sind aber separate Straftatbestände.

Auch Personen, die sich freiwillig zur Prostitution entschieden haben, können Opfer von Menschenhandel werden. Durch fiktive Schulden werden sie in ein Abhängigkeitsverhältnis gezwungen, in dem sie nicht selbst über ihre Arbeitsbedingungen entscheiden können.

Wie kommen die Betroffenen zu Euch und wie geht es dann weiter?

Die Betroffenen nehmen teilweise direkt Kontakt zu uns auf, über unsere Streetworkerinnen, per Telefon oder über das Internet. Meistens werden sie jedoch von anderen Personen auf das Angebot der Fachberatungsstellen hingewiesen, von medizinischem Personal, von Bekannten, von Freiern oder von Behörden, wenn sie den Mut haben sich zu öffnen.

Überwiegend sind es weibliche Personen, die zu uns in die Beratung kommen und die Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung sind. Doch auch Männer und Transgender-Personen sind unter den Betroffenen. Wir haben viele Klient:innen, die hier oder in anderen europäischen Ländern sexuell ausgebeutet wurden und aus Drittländern, meist aus westafrikanischen Ländern, stammen. Sie konnten sich aus der Zwangslage befreien und suchen Schutz bei uns.

Wir versuchen dann herauszufinden, was passiert ist. Die Beratungsgespräche finden nach Möglichkeit in der Muttersprache statt. Glücklicherweise beschäftigen wir, durch Projektförderungen durch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung und des DW RWL (Diakonisches Werk Rheinland Westfalen Lippe), muttersprachliche Mitarbeiterinnen, ohne die die Arbeit nicht möglich wäre. Wir arbeiten mit den Behörden und der Polizei zusammen, um eine sichere Unterbringung und die psycho-soziale Betreuung zu gewährleisten.

Die Gesetzeslage schreibt eine Bedenk- und Stabilisierungsfrist für die – meist schwer traumatisierten – Menschen von mindestens drei Monaten vor. In diesem Zeitraum können sie sich erholen und überlegen, ob sie mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten wollen, damit den Menschenhändlern das Handwerk gelegt werden kann. Wir helfen den Betroffenen einen Asylantrag zu stellen, bei Behördengängen und bei der Integration in ein normales Leben. Unsere Aufgabe ist es auch, die Öffentlichkeit für die Situation der Betroffenen zu sensibilisieren.

Der Menschenhandel ist in den letzten Jahren verstärkt öffentlich thematisiert worden. Trotzdem gibt es immer wieder neue Opfer, die auf die „Masche“ reinfallen. Wie kommt das?

In einigen Ländern gibt es Öffentlichkeitskampagnen, die aber die Betroffenen häufig nicht erreichen. Oder sie denken, dass diejenigen, die Opfer von Menschenhandel und Ausbeutung wurden, etwas falsch gemacht haben. Die Vorschläge nach Deutschland zu gehen, um Geld zu verdienen und die Familie damit zu unterstützen, klingen glaubhaft, kommen oftmals aus dem sozialen Umfeld, manchmal werden konkrete Arbeitsstellen benannt, wo sie arbeiten werden.

Hoffnungsvoll treten sie die Reise nach Europa oder direkt nach Deutschland an und haben auf dem Weg meist schon massive Gewalterfahrungen gemacht. Sie werden nicht als Menschen, sondern als Ware betrachtet und so behandelt. Sie werden in verschiedenen Ländern der Prostitution zugeführt und gezwungen, die Kosten für die „Reise“ abzuarbeiten. Das verdiente Geld wird ihnen abgenommen oder sie dürfen nur einen kleinen Anteil behalten.

Viele Frauen und junge Männer kommen aus Afrika zu uns. Vor der Abreise werden insbesondere Nigerianerinnen in einer Voodoo-Zeremonie zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet. Sie müssen schwören, dass sie nichts gegen die Täter:innen unternehmen werden. Teilweise wird der Schwur bei der Ankunft in Europa nochmal erneuert. Ihnen wird gedroht, dass sie, falls sie sich nicht daran halten, einen schrecklichen schmerzhaften Tod sterben würden. Auch die Familien werden bedroht. Dadurch wird eine solche Angst erzeugt, dass die Opfer tatsächlich schweigen und eine Strafverfolgung der Täter:innen sehr schwierig ist.

Andrea, die Mitternachtsmission ist Mitglied im KOK (Bundesweiter koordinierungskreis gegen Menschenhandel) e.V.. Kannst Du unseren Leser:innen dazu etwas sagen?

Der KOK e.V. wurde 1987 gegründet und vereint heute 38 Mitgliedsorganisationen, u. a. Fachberatungsstellen, Migrantinnen-Projekte, Frauenhäuser, Prostituiertenberatungsstellen und andere Organisationen, die sich gegen Menschenhandel engagieren, unter seinem Dach. Mit dem Fokus auf die Bekämpfung von Menschenhandel und Ausbeutung sowie auf die Durchsetzung der Rechte von Betroffenen hat der KOK e.V. einen wichtigen Stellenwert. Wir, die Mitgliedsorganisationen, bringen das Fachwissen aus der Praxis mit und legen das Fundament der langjährigen Expertise. Der KOK vertritt unsere politischen und gesellschaftlichen Interessen in der Bundespolitik und in der Öffentlichkeit. Damit ist eine praxisbasierte Arbeit möglich, um weitere Verbesserungen für die Rechte der Opfer einzufordern.

Herzlichen Dank für das bewegende Gespräch. Ich möchte unsere Leser:innen noch darauf hinweisen, dass Ihr ein Spendenkonto habt. Aber Sachspenden, wie z.B. Kleidung, Schuhe, Hausrat usw. helfen Euch ebenfalls. Wir wünschen Dir und Deinem Team viel Erfolg bei dieser wichtigen Aufgabe!
Andrea Hitzke, Leiterin der Dortmunder Mitternachtsmission e.V.

Kontakt zur Dortmunder Mitternachtsmission e.V.

Dortmunder Mitternachtsmission e. V.
Dudenstraße 2-4
44137 Dortmund
Tel.: 0231/14 44 91
Website: http://mitternachtsmission.de/

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Online-Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche
KOK – Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V.
www.exit.nrw
ECPAT Deutschland e.V.: Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung

Stipendien für Women in Tech

Stipendien für Women in Tech

Die internationale Hochschule IUBH bietet Frauen, die sich mit ihren Fähigkeiten in technischen und männerdominierten Branchen bewegen wollen, ein Stipendium an. Als MINT-Frau (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) kannst Du ein Fernstudium absolvieren und Dich monatlich für das „Women in Tech“-Stipendium bewerben, solange Du noch nicht an der IUBH immatrikuliert bist. Genauso hat es Stefanie Erhard gemacht.

Java lernen als Quereinsteigerin

Im Interview mit dem Karriereportal und Fachmagazin HI-Tech Campus berichtet Stefanie von ihren Erfahrungen. Das „Women in Tech“-Stipendium hat ihr die Entscheidung erleichtert, das Fernstudium aufzunehmen. Bereits während ihrer vorherigen Tätigkeiten für verschiedene Plattformen (E-Commerce, Live-Streaming und Handel mit Kryptowährung), hat sie einen spannenden Einblick in alle IT-Bereiche nehmen können.

Ihr Quereinstieg begann mit kostenlosen Youtube-Videos und Browser-basierten Lernprogrammen, doch das reichte ihr nicht. Mit dem Studium wollte sie ihr Wissen über die systemischen Hintergründe des Programmierens und die Theorie vertiefen. Mit dem Stipendium der IUBH hat sie dann den für sie richtigen Schritt gemacht.

Ist das auch für Dich eine Option? Java-Quereinsteigerin Stefanie Ehrhard erzählt hitech-campus.de erzählt ihre Geschichte im spannenden Interview. Weiterführende Links haben wir für Dich zusammengestellt:

Vulva-Kalender 2021: vielfältig, divers und realistisch

Vulva-Kalender 2021: vielfältig, divers und realistisch

Damit ein ungewöhnlicher Kalender in die Verbreitung gehen konnte, war eine Crowdfunding-Kampagne der richtige Ansatz: Die gesamte Auflage des Vulven-Kalenders 2021 ist ausverkauft. Ein Artikel in der FAZ hat uns das spannende Projekt nähergebracht.

Vulvaversity

Das Projekt „Vulvaversity“ räumt mit der allgemein vorherrschenden Scham bezüglich der Vulva auf und will das Bild der Norm-Vulva in den Köpfen der Menschen durch eine realistische Vorstellung ersetzen. Dabei ist das Motto des Abreißkalenders „Mal so richtig hinschauen“ Programm: Es werden 365 unbearbeitete Fotografien von Vulven gezeigt, die die Realität widerspiegeln: vielfältig und divers in all ihren Formen und Farben.

Hinter dem Projekt steht das Freiburger Kollektiv. Engagierte Künstler:innen zwischen 25 und 30 Jahren wollen zum Nachdenken und zur Diskussion anregen. Das haben sie erfolgreich umgesetzt. Es gab sehr viel Lob, aber auch einem Shitstorm haben sie mit ihrer Idee ausgelöst.

Eine zweite Auflage ist in Planung und wir sind bereits jetzt sehr gespannt, wie die Umsetzung durch das Team um Indra Küster aussehen wird.

Willst Du Dich für den Vulvaversity-Newsletter anmelden? Dann kannst Du das hier tun.

Das Interview in der FAZ ist absolut lesenswert und wir sind der Meinung, dass das Thema insgesamt mehr öffentliche Aufmerksamkeit erfordert. Was meinst Du dazu?

Zum FAZ-Artikel

Zum Stern-Artikel

Vulvaversity Website

Gesundheitliche Lage der Frauen in Deutschland

Gesundheitliche Lage der Frauen in Deutschland

„Mehr als 35 Millionen erwachsene Frauen leben in Deutschland.“ So beginnt der Bericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) „Gesundheitliche Lage der Frauen in Deutschland“, der am 9. Dezember 2020 erschienen ist. Verschiedene Faktoren haben Einfluss auf die Gesundheit der Frauen – Alter, Bildung, Berufstätigkeit, Einkommen, Familienform, kultureller Hintergrund und viele weitere. Auch der soziale Hintergrund, die jeweilige Lebenslage und das Bildungsniveau wirken sich auf die gesundheitliche Situation der Frau aus.

Die Expert:innen des RKI haben auf fast 400 Seiten Informationen zu Frauen aller Altersklassen zusammengetragen. Einige dieser Ergebnisse stellen wir Dir in unserem Beitrag vor.

Subjektive Gesundheit

Etwa 75 % aller Frauen in Deutschland schätzen ihre Gesundheit als gut oder sehr gut ein. Der Anteil liegt bei den Männern etwas niedriger. Das „gesunde“ Gefühl lässt im Alter nach, denn nur die Hälfte aller Frauen über 65 Jahre bewertet die eigene Gesundheit noch mit gut oder sehr gut. Insgesamt gesehen hat sich die Selbsteinschätzung der Gesundheit in den letzten 20 Jahren deutlich verbessert, vor allem bei den älteren Frauen.

Gesundheit von Frauen zwischen Erwerbs- und Familienarbeit

Viele Frauen im erwerbsfähigen Alter stehen vor der großen Aufgabe, ihre Erwerbstätigkeit und die familiären Anforderungen miteinander zu vereinbaren. Dabei geht es teilweise um das Fußfassen im Beruf und die Gründung einer Familie, die zeitlich zusammentreffen. In den folgenden Lebensjahren kommen Kindererziehung und/oder die Pflege von Angehörigen als zusätzliche Aufgaben hinzu.

Erwerbstätige Frauen schätzen ihren Gesundheitszustand oft besser ein als nicht erwerbstätige und Mütter mit minderjährigen Kindern. Letztere haben auch größere Probleme Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen – einher gehend mit einer schlechteren Einschätzung. Besonderen Belastungen und psychischem Stress ausgesetzt sind junge und alleinerziehende Mütter, arbeitslose Frauen und solche, die Angehörige pflegen.

Nur mit einer ausgewogenen und nachhaltigen Familien-, Sozial- und Arbeitspolitik kann es gelingen, eine Balance zwischen Erwerbs- und Familienarbeit zu schaffen und die Gesundheit von Frauen im Erwachsenenalter zu fördern.

Copyright Pixabay – silvarita

Lebenserwartung und Todesursachen

Positiv stellt sich die Veränderung der Lebenserwartung von Frauen dar. Sie steigt seit vielen Jahrzehnten an und liegt heute bei etwas mehr als 83 Jahren. Damit werden Frauen im Durchschnitt fast 5 Jahre älter als Männer, jedoch lässt sich feststellen, dass sich die Lebenserwartungen von Frauen und Männern langsam angleichen. Nach der deutschen Wiedervereinigung ist sie in den neuen Bundesländern stärker gestiegen und liegt dort inzwischen etwas höher als in den alten Ländern.

Die häufigsten Todesursachen bei Frauen aller Altersklassen sind ischämische Herzkrankheiten (z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall), Demenz sowie zerebrovaskuläre (Blutgefäße des Gehirns, d. h. die Hirnarterien oder Hirnvenen betreffende) Krankheiten.

Gesundheit älterer Frauen

Einsamkeit ist ein Problem des Alters. Deutlich mehr Frauen als Männer leben im Alter allein, was mit der höheren Lebenserwartung einher gehen kann. Trotzdem wird die gefühlte Einsamkeit bei Männern und Frauen gleich bewertet. Depression und Demenz sind die psychischen Erkrankungen, die häufig mit zunehmendem Alter in Verbindung gebracht werden. Meist sind Frauen im hohen Alter ab 85 Jahren davon betroffen. Die Angst vor Stürzen nimmt ab 75 Jahren zu. Interessant ist dabei, dass die Angst vor dem Fallen weiter verbreitet ist als tatsächliche Sturzerfahrungen.

Über eine Patientenverfügung bzw. Vorsorgevollmacht hat sich nur rund die Hälfte der Frauen ab 65 Jahren Gedanken gemacht. Nur ca. jede dritte Frau hat eine Betreuungsverfügung. Hier ist auf jeden Fall noch viel Luft nach oben und die Einsicht, mit diesen Dokumenten auch den Angehörigen das Leben zu vereinfachen, muss sich erst noch durchsetzen.

Gesundheit von Frauen mit Migrationshintergrund

Soziodemografische und migrationsspezifische Faktoren beeinflussen die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten dieser Frauen. Im Vergleich zu anderen Frauen leiden sie weniger unter chronischen körperlichen Erkrankungen, aber häufiger an einer depressiven Symptomatik. Sie konsumieren seltener Alkohol in riskanten Mengen. Allerdings sind sie auch weniger sportlich aktiv. Die Leistungen des Gesundheitssystems werden von dieser Personengruppe weit seltener in Anspruch genommen, was sich u.a. auf sprachliche Barrieren zurückführen lässt.

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Sexuelle und reproduktive Gesundheit

Sexuell aktiv sind Frauen meistens in festen Beziehungen. In jungen und mittleren Jahren folgen häufig mehrere (monogame) Beziehungen aufeinander. Pille und Kondom sind nach wie vor die am häufigsten verwendeten Verhütungsmittel, wobei die Anwendung der Pille in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist.

Nach wie vor ist das Geburtenniveau in Deutschland niedrig. Frauen sind bei ihrer ersten Geburt immer älter, viele Frauen bleiben kinderlos. Durchschnittlich bekommt jede Frau 1,57 Kinder. 2018 haben 775.916 Frauen Kinder geboren. 30,5 % der Geburten waren Kaiserschnitte, rund 17.500 Geburten erfolgten nach künstlicher Befruchtung. Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche ist seit 2001 zurückgegangen – auf nur etwas mehr als 100.000 im Jahr 2019.

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Gesundheitliche Auswirkungen von Gewalt gegen Frauen

Jede 3. Frau wird ab ihrem 15. Lebensjahr Opfer körperlicher und/oder sexueller Gewalt, die meistens vom Partner oder Ex-Partner ausgeht! Im europäischen Durchschnitt ist diese Zahl in allen Ländern ähnlich hoch, leider scheint sich das in den letzten 10 Jahren kaum verändert zu haben. Die Gewalterfahrungen der Frauen sind völlig unabhängig von ihrem sozialen Status. Frauen mit früheren Gewalterfahrungen, in Trennungssituationen und Frauen, die gesellschaftliche Diskriminierungen erfahren, sind davon besonders betroffen. Dabei sind Frauen mit Behinderungen deutlich häufiger Opfer von Gewalt als Frauen ohne Behinderungen.

Die körperliche und psychische Gesundheit sowie psychosoziale Situation der Frauen leiden besonders unter diesen Erlebnissen. Viele der betroffenen Frauen werden vom bestehenden Hilfesystem nicht aufgefangen, weil die Scham zu groß ist und teilweise der Glaube, selbst schuld daran zu sein, vorhanden ist. Dem medizinischen Personal kommt eine wichtige Rolle bei der Aufdeckung der Gewaltbetroffenheit und bei der Vermittlung von Hilfsangeboten zu.

Gesundheit von Frauen mit Behinderungen

Eine anerkannte Behinderung haben 5 Mio. Frauen und Mädchen (etwa 12 % der weiblichen Bevölkerung), 3,8 Mio. Frauen sind schwerbehindert. Der Anteil steigt mit dem Alter – fast 60 % der schwerbehinderten Frauen sind 65 Jahre alt oder älter. Nur rund 19 % der Frauen mit Beeinträchtigungen nehmen ihre Gesundheit als gut oder sehr gut wahr, da sie häufiger ambulante und stationäre Versorgung in Anspruch nehmen.

Frauengesundheit im europäischen Vergleich

Gesundheit und Krankheit sind stark beeinflusst von Lebenswelten, kulturellen und sozialen Einflüssen, die sich zwischen den Geschlechtern, aber auch zwischen den Mitgliedstaaten der EU unterscheiden.

Groß sind die Unterschiede zwischen den europäischen Ländern nicht mehr. Die mittlere Lebenserwartung von Frauen liegt in Deutschland mit 83,3 Jahren nahe am Durchschnitt der 28 EU-Mitgliedstaaten (83,6 Jahre). Die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Krankheiten ist in den letzten 15 Jahren EU-weit zurückgegangen, Deutschland liegt mit 323 Todesfällen pro 100.000 Einwohnerinnen leicht über dem Durchschnitt. Knapp 44 % der Frauen in den Mitgliedstaaten sind übergewichtig (inkl. Adipositas), in Deutschland liegt der Anteil bei rund 43 %. Beim monatlichen Rauschtrinken stehen Deutschlands Frauen mit 19 % an zweiter Stelle. Die Frauen, die gesundheitsförderlich körperlich aktiv sind, sind in Deutschland mit 22 % mehr als doppelt so viele wie im EU-Durchschnitt.

Alle Zahlen sind dem Bericht der RKI entnommen.

Fazit – Was wir bei den ganzen Zahlen nicht vergessen dürfen

Jede Frau in jedem Alter und jeder Nationalität ist einzigartig. Jede von uns lebt ihr Leben, das nur sie selbst positiv (oder negativ) beeinflussen kann. Alter ist nur eine Zahl – sie steigt bei uns allen kontinuierlich an – aber älter werden heißt schon lange nicht mehr, dass wir unser Leben aufgeben müssen.

Das wollen wir mit unseren Beiträgen vermitteln und auch unsere wundervollen Interview-Partnerinnen rufen dazu auf, das Leben in die eigene Hand zu nehmen.

Nimm Dir ein Beispiel an ihnen – sei ein Vorbild für Deine Kinder und jede andere Frau um Dich herum. So wird die Welt jeden Tag ein bisschen besser.

Copyright Adobe Stock – New Africa

Frauenpower – Powerfrauen

Vielen Dank für Deine Treue. Wir hatten in diesem so ungewöhnlichen Jahr die Möglichkeit, mit vielen Powerfrauen Interviews zu führen und von Ihnen Gastbeiträge zu veröffentlichen. Diese Arbeit hat uns sehr bereichert und viel Spaß gemacht.

Hier sind einige Bespiele, die wir Dir in Erinnerung rufen möchten.

Wir werden auch im nächsten Jahr wieder Beiträge für Dich schreiben, viele Interviews führen und sicher auch wieder wunderbare Gastbeiträge bekommen. Du darfst gespannt sein.

Jetzt verabschieden wir uns über Weihnachten und den Jahreswechsel in eine Pause bis Mitte Januar.

Wir wünschen Dir eine friedvolle Weihnachtszeit und einen schönen Start in das neue Jahr.

Copyright Titelbild Adobe Stock – olly

Gewalt macht krank!

Gewalt macht krank!

Jede 3. Frau in Deutschland hat mindestens 1 Mal in ihrem Leben sexualisierte und/oder häusliche Gewalt erlebt. Das sind 12 Millionen Frauen! Auch ich bin eine 3. Frau. Ich habe Missbrauch, häusliche Gewalt erfahren und einen Überfall mit Vergewaltigung in einem öffentlichen Park überlebt.

Ich bin Alice Westphal, 64 Jahre alt, seit 10 Jahren selbstständige Resilienztrainerin und Coach für Frauen. Seit 2 Jahren bin ich Speakerin (Vortragsrednerin) und Aktivistin in der Metoogermany-Bewegung und Vorstandsvorsitzende im Verein S.I.G.N.A.L. e.V.

Außen wirkte alles „normal“

Im Außen wirkte mein Leben „normal“, wie so häufig bei komplex traumatisierten Frauen. Ich machte Karriere, wurde zur ersten weiblichen Personalratsvorsitzenden einer großen Berliner Uniklinik gewählt, wechselte später in die Stabsstelle „Interne Öffentlichkeitsarbeit“. Es erfüllte mich, mich für andere Menschen, insbesondere Frauen, einzusetzen und für ihre Rechte zu kämpfen.
Nach einer Fusion „musste“ ich erkennen, dass ich nicht hierarchiekompatibel bin, meine Werte passten nicht mehr und ich verließ nach 25 Jahren „mein „Klinikum“. Und machte mich mit 54 Jahren als Trainerin und Präventologin selbstständig.

Im Inneren ein tosender Sturm …

Im meinem Inneren sah es ganz anders aus. Mein Weg war bis dahin mit häufigen Suizidgedanken, Depressionen, Angstzuständen, Alkoholmissbrauch, Hörstürzen, Essstörungen, Bandscheibenvorfällen, Erschöpfungszuständen gepflastert.

Meine innere Wahrnehmung hatte sich verschoben. Das ich krank war, habe ich nicht als Krankheit wahrgenommen, trotz meiner damals chronischen, sehr schmerzhaften Nasenneben- und Kieferhöhlenentzündung, dem Pfeiffer’schen Drüsenfieber, der Lungenentzündung und immer wieder auftretenden Nierenbecken- und Blasenentzündungen!

Copyright Pixabay – 1388843

… oder totale Starre

Es gab Zeiten, da fühlte ich mich nicht, ich war erstarrt, kannte keine Spannungskopfschmerzen, Schmerzen überhaupt waren mir fremd. Ich befand mich permanent in einem inneren Kriegszustand: „Niemand schafft es, mich erneut zu verletzen!“ Das war meine damalige Überlebensdevise.

Vor einem halben Jahr habe ich mit einer Traumatherapie begonnen. Erst jetzt beginne ich zu fühlen und zu verstehen, wie viel Kraft es gekostet hat, mich so hart zu machen, mich so von meinen Gefühlen abzuspalten. Um zu überleben.

Ich zeige mich, um anderen zu helfen

Seit ich mich vor 2 Jahren entschieden habe, mit meiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, habe ich sehr viele Frauen mit unterschiedlichsten Gewalterfahrungen kennengelernt. Frauen, die sich nicht spürten, irgendwie ihren Alltag bewältigten. Viele brauchen regelmäßig Medikamente, trinken zu viel Alkohol, machen exzessiv Sport oder haben chronische Schmerzen. Das sind alles Folgen der seelischen Qualen, die die Frauen immer wieder versuchen, zu verdrängen. So wie ich auch.
Doch das funktioniert nicht auf Dauer! Ganz im Gegenteil, es kostet so unglaublich viel Energie, gegen seine Bedürfnisse oder Wahrheiten zu leben.

„Was stimmt nicht mit mir?“

Das sind alles Dinge, die ich nicht gewusst habe, die mir auch niemand gezeigt hat. Ich dachte immer, mit mir stimmt etwas nicht! Ich bin nicht richtig! Ist doch klar, dass es immer wieder Streit geben muss, so wie ich mich immer verhalte!
Dann kamen immer intensiver werdende Schuld- und auch Schamgefühle dazu. Ich habe mich so geschämt, wenn ich mal wieder zu viel getrunken habe und endlich mal meine – meistens sehr wütenden – Gefühle, meinen Schmerz kurz gezeigt habe.

Copyright Pixabay – Mandy Fontana

Verdrängen um zu überleben

Es berührt und erschüttert mich heute, was komplex traumatisierte Frauen alles tun, um die Grausamkeiten, die ihnen so häufig schon im Kindesalter angetan wurden, nicht zu spüren.

Viele Frauen verdrängen die Taten so sehr, dass sie sich nicht mehr an sie erinnern können, weil es ihre einzige Chance war, um zu Überleben. Frauen, die Missbrauch erfahren haben, werden auch „Überlebende“ genannt – und die Tat als „Seelenmord“ bezeichnet.

Mutige Entscheidung

Es gehört sehr viel Mut dazu, sich zu entscheiden: Ich bin kein Opfer mehr!
Immer wieder erfahre ich von den Frauen, dass es einen Wendepunkt in ihrem Leben gab, an dem sie sich entschieden haben, leben zu wollen. Und zwar frei und selbstbestimmt.
Erst dann kann der Heilungsprozess im Innen und im Außen beginnen.

Mein Weg

Ich habe mich mit dem Thema „Gesundheitliche Folgen häuslicher, finanzieller, sexualisierter Gewalt und Missbrauch“ intensiv auseinandergesetzt. Es gibt viele Missstände, die aufgedeckt und in die Öffentlichkeit transportiert werden müssen, damit Veränderungen in Gang kommen.

Es fehlen Frauenhäuser, die Täter werden nicht ausreichend bestraft, es gibt kaum Qualifizierungsangebote für Fachpersonen aus dem Gesundheitsbereich. Die Einrichtungen der Gesundheitsversorgung wie Arztpraxen, Kliniken oder Zentren für Familienplanung spielen eine wichtige Rolle, wenn es um das Erkennen von Gewalt und die Versorgung der Betroffenen geht. 

Vereinslogo S.I.G.N.A.L. e.V.

Der Verein S.I.G.N.A.L. e.V.

Aus diesem Grund bin ich Mitbegründerin, heute auch Vorstandsmitglied, des Vereins S.I.G.N.A.L. e.V. ( S.I.G.N.A.L. e.V. – Intervention im Gesundheitsbereich gegen häusliche und sexualisierte Gewalt gegen Frauen) in Berlin.

Handlungsleitfaden: Schritte in der Intervention

Als Hilfestellung für Gesundheitsfachpersonen wurde der S.I.G.N.A.L.-Handlungsleitfaden entwickelt und wissenschaftlich evaluiert. Er entspricht internationalen Standards. Jeder Buchstabe steht für einen Schritt in der Intervention.

  • S – Setzen Sie ein Signal, sprechen Sie Gewalterfahrungen an
  • I – Interview mit konkreten einfachen Fragen
  • G – Gründliche Untersuchung alter und neuer Verletzungen
  • N – Notieren und dokumentieren aller Ergebnisse, damit sie gerichtsverwertbar sind
  • A – Abklären des aktuellen Schutzbedürfnisses
  • L – Leitfaden mit Notrufnummern und Unterstützungsangeboten

Dazu zählen, Warnhinweise häuslicher Gewalt zu (er-)kennen, Patientinnen und Patienten bei Verdacht aktiv anzusprechen, Verletzungen in einer gerichtsverwertbaren Weise zu dokumentieren, Schutzbedarfe abzuklären und an spezialisierte Hilfsdienste zu verweisen.

Copyright Pixabay – claude star

Als Trainerin viel bewirken

Seit letztem Jahr bin ich innerlich bereit und führe als S.I.G.N.A.L.-Trainerin die Schulungen für das Pflegepersonal mit großem Engagement durch. Ich zeige mich hier als Betroffene und biete den Teilnehmenden an, mir viele Fragen zu stellen. Dass das wichtig ist, zeigt die aktive Beteiligung und Inanspruchnahme meines Angebots. Mein Wunsch und Ziel ist es aufzuklären, die Gewaltmythen und Glaubenssätze der Teilnehmenden zu hinterfragen und zu verändern.

I have a dream!

Auch ich habe einen Traum! Einen Traum, in dem es keine Frauenhäuser mehr braucht – weil es keine Gewalt mehr zwischen den Menschen gibt! Weil wir gleichberechtigt, wertschätzend und respektvoll auf Augenhöhe in Liebe miteinander umgehen, lieben, arbeiten und leben!

Das Buch: unSICHTBAR – Wir zeigen Gesicht

„Sexualisierte und häusliche Gewalt, Missbrauch und Vergewaltigungen wird oft mit anonymen Geschichten erzählt, oder scheint nur öffentliche Personen zu betreffen. Wir sind echt. Wir erzählen unsere Geschichten und wir zeigen Gesicht.“

Das Thema ist wichtig und gehört in die Öffentlichkeit. Mit dem Buch gehen wir einen Weg, um anderen Frauen Mut zu machen und Wege aufzuzeigen.

Wenn Du das unterstützen möchtest, vernetze Dich mit mir, schau Dich auf den Internetseiten um oder erwerbe das E-Book. Unser erklärtes Ziel ist es, mit dem Sprung auf die Bestsellerlistenmehr öffentliche Aufmerksamkeit zu bekommen und mehr betroffene Frauen zu erreichen.  

Das E-Book „unSICHTBAR – wir zeigen Gesicht wird am 25.11.2020 bei Amazon veröffentlicht.

Kontakt

Kontakt zu mir findest Du unter meiner neuen Website www.alice-westphal.de (alt www.alice-gesundheitscoaching.de) oder auf den Social Media Kanälen Instagram, Facebook, LinkedIn, Xing oder auf Twitter.

Bei S.I.G.N.A.L. e.V. gibt es Intervention im Gesundheitsbereich gegen häusliche und sexualisierte Gewalt gegen Frauen.

Videobeiträge und Interviews

Copyright Titelbild – Denise van Diesen

Naturkosmetik – was ist das eigentlich?

Naturkosmetik – was ist das eigentlich?

Maxime einer Ganzheitskosmetikerin

Gesundheitsbewusste Frauen gehen voller Freude los und kaufen Naturkosmetik. Die Zeiten der puren Chemie in Kosmetikprodukten scheinen vorbei, denn die Marketingkampagnen der Hersteller versprechen das ja schließlich. Außerdem redet jeder darüber – auch ohne „vom Fach“ zu sein. Wirklich schön, wenn es da nicht mindestens einen Haken gäbe.

Das Denken aus diesem Selbstverständnis heraus bewirkt, sogar bei den aufgeklärten Frauen der heutigen Zeit, die Annahme, dass in den mit „Natur“ betitelten Produkten nur natürliche und qualitativ hochwertige Inhaltsstoffe zu einem erstklassigen Produkt zusammen gemischt wurden. Und das noch zu einem wirklich niedrigen Preis.

Woher kommt dieses selbstverständliche Denken?

Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen. Es gibt Babybrei und es gibt Erdbeermarmelade. Kein Mensch geht davon aus, dass in Babybrei Babys enthalten sind und Erdbeermarmelade für Erdbeeren gemacht ist. Weil es entweder unsinnig oder entsetzlich wäre, erschließt sich die Logik.

Bei Naturkosmetik ist es nicht ganz so „krass“, jedoch absolut vergleichbar. Wir gehen bei Naturkosmetik einfach – ohne explizite Erklärung – davon aus, dass sie „aus Natur“ besteht und für die „Natur des Menschen“ gemacht wurde. Demnach muss sie gesund und ganz ohne Nebenwirkungen für Mensch, Tier und Umwelt sein.

Copyright Pixabay – vschoenpos

Wirkung der Manipulation

Kann jemand „nicht-manipuliert“ werden? Die Antwort ist ein klares Nein! Der Mensch manipuliert immer und wird immer manipuliert. Nur das eigene Verständnis, der eigene Charakter und die eigene Wahl entscheidet, ob wir verwerflich oder gut mit uns und dem Gegenüber umgehen. Leider vergessen wir manchmal, bestimmte Dinge zu hinterfragen und unterwerfen uns den Manipulationsversuchen.

Die aufgeklärte Frau geht zudem häufig davon aus, dass alle Menschen genauso gut sind wie sie selbst. Hier grätsche ich mal hinein, selbst auf die Gefahr eines vielleicht bösen Erwachens hin. Das ist der hauptverantwortliche Haken, dass Hersteller mit ihrer Naturkosmetik durchkommen und weiterhin die umwelt- und oft auch gesundheitsschädlichen Chemiebomben verkaufen. Diesmal jedoch absolut green-washed.

Copyright Pixabay – adege

Nicht nur Fastfoodketten verkaufen sich mit Farben, Slogans und Verpackungen gesünder! Wer das glaubt, legt diesen Gedanken hoffentlich spätestens an dieser Stelle ab. Auto-, Mineralöl- und Lebensmittelkonzerne gaukeln uns vor, dass ihre Produkte gesund für alles und jeden auf der Welt sind. Mit der Pharmazie, dem Steinkohleabbau und den Kosmetikherstellern ist das nicht anders.

Es ist der Trend der Zeit, der die Marketingstrategien bestimmt. Den Trend beeinflussen wir als Verbraucher und werden von ihm beeinflusst.

Copyright Pixabay – Free-Photos

Was ist Naturkosmetik?

Der Begriff Naturkosmetik ist nicht definiert und das ist das große Problem – seit über 20 Jahren. Ein Problem für die Gesundheit und ein Problem für die Umwelt.

Es wurden Natursiegel ersehnt. Und ja – die gibt es zwischenzeitlich, denn auch das ist ein Geschäftskonzept! Jedoch bekommt kein Hersteller diese Auszeichnung selbstverständlich aufgrund seiner Leistungen bei der Produktrezeptur. Er bekommt das Siegel nur, wenn er das Produkt nach den Bedingungen des Labels herstellt. Da stellt sich direkt die Frage, ob das denn wirklich sinnig ist. Zusätzlich muss der, der mit dem Siegel werben möchte, auch noch das Label bezahlen. So läuft das, eine Gelddruckmaschine, ohne Mehrwert für die Verbraucher:innen.

Copyright Pixabay – Pexels

Gibt es überhaupt Naturkosmetik?

Uff. Diesmal ein klares Vielleicht. Oder doch eher ein Nein …
Naturkosmetik wächst auf keinem Baum. Ganz genau betrachtet, ist auch Mineralöl aus der Natur und demnach Natur. Mineralölcremes müssten aus dieser Logik heraus gesund sein. Sind sie jedoch nicht.

Wenn ich zwei Substanzen verbinden möchte und dann noch den Anspruch habe, dass das Ergebnis genauso bleibt, dann befinde ich mich schon irgendwie in dem Bereich der Chemie, zumindest jedoch in der Alchemie.

Aus diesem Wissen heraus ist es absolut egal, ob es Naturkosmetik gibt oder nicht. Das Wort ist und bleibt für mich pure Manipulation. Viel wichtiger ist es, dass nichts drin ist, was die Natur von allem was auf der Welt ist, schädigt und trotzdem wirkt. Das gilt aus meiner Sicht für jedes kosmetische Produkt. Doch dafür ist noch kein Name gefunden.

Copyright Pixabay – congerdesign

Was gibt es an gesunden Produkten?

Viele Hersteller und Produkte gibt es nicht, die meinen Anspruch, als Kosmetikerin und Verbraucherin gesund zu bleiben, erfüllen. Leider.

Außerdem ist für mich noch etwas unglaublich wichtig: Nicht nur die Produkte müssen verträglich für den Menschen sein, auch das Wesen des Herstellers muss annähernd verträglich für den Menschen sein. Erst dann erfüllt der Hersteller für mich den ganzheitlichen und gesunden Gedanken.

Was ist mit Empfehlungen?

Empfehlungen kann und werde ich in diesem Artikel nicht aussprechen, denn das muss immer individuell betrachtet werden und bezieht sich auf die Person, die die Kosmetik nutzt. In unserem ganzheitlichen Unternehmen, welches ein Verbindungsglied zwischen herkömmlicher Kosmetik und Dermatologie darstellt, gibt es nur Produkte, die ich mir jederzeit unbedenklich und dauerhaft auf die Haut tun würde. Wir sind nicht abhängig von einem Hersteller, denn auch in dem Bereich der Kosmetikhersteller gibt es keine „eierlegende Wollmilchsau“. Daher schauen wir im Vorfeld, welche Produkte die o.g. Kriterien erfüllen und die gewünschte Wirkung auf der Haut „entfalten“ können.

Copyright Pixabay – TesaPhotography

Vertrauen zählt!

Deswegen meine einzige Empfehlung: Wende Dich immer an die Fachkraft Deines Vertrauens. Das machst Du auch bei allen anderen Dingen Deines Lebens, in denen Du nicht wirklich Bescheid weißt. Eine erste Unterstützung können Codecheck und ähnliche Portale bieten, doch auch da gibt es Einschränkungen. Darüber berichte ich in einem anderen Artikel.

Bitte bleib gesund – und clever!

Deine Wiebke Katzenberger


Die Autorin: Wiebke Katzenberger, Kosmetikerin und Unternehmerin

Seit über 30 Jahren ist Wiebke Katzenberger in Hautsachen unterwegs. Knapp nach Millennium gründete sie ihr eigenes Unternehmen Beauty & Balance. In diesem Unternehmen sind Kosmetik und Coaching vereint, denn durch Selbstfindung auf jeder Ebene ist der Mensch authentisch schön. „Kosmetik kommt von Kosmos und nicht von Creme schmieren“, erklärt sie jedem Kunden „und demnach ist Kosmetik das Handwerk und die Kunst mit allem was da ist umzugehen – um dann, quasi ‚so ganz aus Versehen‘, schön zu sein!“

Sie begleitet ihre Kunden online und vor Ort.

Beauty & Balance
Bahnhofstrasse 43
69256 Mauer 06226 9299531

Mehr von Wiebke Katzenberger, Beauty & Balance findest Du unter www.kosmetik-mauer.de.
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