Generation Tragekind vs. Sprachentwicklung

Generation Tragekind vs. Sprachentwicklung

Warum dein Kind die Welt nicht auf deinem Arm, sondern auf eigenen Füßen entdeckt

Wenn dein Kind stolpert oder versucht aufzustehen, ist dein erster Impuls wahrscheinlich, es schnell hochzunehmen. Das ist völlig verständlich. Schließlich möchtest du dein Kind schützen.

Nähe, Sicherheit und körperlicher Kontakt sind für Kinder enorm wichtig. Gleichzeitig brauchen sie jedoch auch etwas anderes: die Möglichkeit, ihre Umwelt selbst zu entdecken. Krabbeln, Aufstehen, Hinfallen und Wiederaufstehen gehören zu den wichtigsten Lernprozessen in der frühen Kindheit.

Entwicklungspsychologische Studien zeigen, dass selbstständige Bewegung eine zentrale Rolle für die gesamte Entwicklung eines Kindes spielt (Adolph & Hoch, 2019).

Bewegung ist Gehirntraining

In den ersten Lebensjahren entwickelt sich das menschliche Gehirn besonders schnell. Neue Nervenverbindungen entstehen vor allem durch aktive Bewegung und Sinneserfahrungen. Wenn dein Kind krabbelt, greift, sich hochzieht oder läuft, trainiert es gleichzeitig mehrere wichtige Systeme:

  • Gleichgewicht
  • Koordination
  • Muskelkraft
  • räumliche Orientierung
  • Körperwahrnehmung

Bewegung aktiviert dabei auch das vestibuläre System im Innenohr, das für Gleichgewicht und Orientierung im Raum zuständig ist. Gleichzeitig werden Propriozeptoren in Muskeln und Gelenken aktiviert. Diese Rezeptoren liefern dem Gehirn Informationen darüber, wie sich der Körper im Raum bewegt. Diese Prozesse sind entscheidend für motorisches Lernen und neurologische Entwicklung eines Kindes (Thelen & Smith, 1994).

Warum Bewegung auch Sprache fördert

Motorische Entwicklung und Sprachentwicklung sind enger miteinander verbunden, als viele Eltern vermuten. Der Zusammenhang wird in Studien deutlich belegt (Iverson, 2010).

Bewegungslernen aktiviert besonders stark das Kleinhirn (Cerebellum), das für Koordination und motorisches Lernen zuständig ist. Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass dieses Hirnareal auch an kognitiven Prozessen beteiligt ist.

Auch im Frontallappen, insbesondere im sogenannten Broca-Areal, liegen Zentren für Bewegungsplanung und Sprachproduktion räumlich nah beieinander.

Wenn dein Kind seine Umwelt aktiv erkundet, entstehen außerdem viele Situationen gemeinsamer Aufmerksamkeit. In der Entwicklungsforschung spricht man hier von Joint Attention, einem wichtigen Baustein des Spracherwerbs (Tomasello, 2003).

Wenn Bewegung zu kurz kommt

Im Alltag verbringen Kinder heute häufig viel Zeit in Kinderwagen, Autositzen, Wippen oder anderen Sitzsystemen. Diese sind praktisch und manchmal auch notwendig. Problematisch wird es jedoch, wenn freie Bewegung dadurch dauerhaft zu kurz kommt. Das kann sich auf verschiedene Entwicklungsbereiche auswirken.

Verzögerte motorische Entwicklung

Kinder lernen möglicherweise später:

  • krabbeln
  • stehen
  • laufen
  • Gleichgewicht halten

Schwächere Muskulatur

Zu wenig Bewegung kann zu

  • schwächerer Rumpfmuskulatur
  • Haltungsschwächen
  • Koordinationsproblemen

führen.

Verzögerte Sprachentwicklung

Da Bewegung und Kommunikation eng zusammenhängen, kann sich auch der Spracherwerb langsamer entfalten.

Unsicherheit bei Bewegungen

Kinder mit wenig Bewegungserfahrung wirken oft unsicher beim Laufen oder Stolpern häufiger. Auch internationale Gesundheitsorganisationen betonen die Bedeutung regelmäßiger Bewegung bereits im frühen Kindesalter (WHO, 2019).

Warum dein Kind auch fallen darf

Viele Eltern versuchen verständlicherweise, jeden Sturz zu verhindern. Doch kleine Stürze gehören zur Entwicklung. Durch Versuch und Irrtum lernt dein Kind:

  • seinen Körper zu kontrollieren
  • Gleichgewicht zu halten
  • Bewegungen einzuschätzen
  • Selbstvertrauen aufzubauen

Eine sichere Umgebung, in der sich dein Kind ausprobieren darf, ist deshalb wichtiger als die vollständige Risikovermeidung.

5 Dinge, die dein Kind täglich für seine Entwicklung braucht

1. Bodenzeit
Dein Kind sollte täglich ausreichend Zeit haben, sich frei auf dem Boden zu bewegen.

2. Bewegungsfreiheit
Vermeide zu lange Zeiten in Wippen oder Sitzen.

3. Sichere Umgebung
Eine sichere Umgebung ermöglicht deinem Kind, Bewegungen selbst auszuprobieren und seinen Körper zu erfahren.

4. Ermutigung statt Übervorsicht
Begleite dein Kind beim Ausprobieren, ohne jede Bewegung sofort zu korrigieren.

5. Gemeinsames Spielen
Bewegung und Kommunikation entstehen besonders gut im gemeinsamen Spiel.

Fazit

Kinder brauchen Nähe und Geborgenheit. Gleichzeitig brauchen sie Raum, um sich zu bewegen und Erfahrungen zu sammeln. Wenn dein Kind krabbelt, aufsteht, fällt und wieder aufsteht, lernt es mehr über seinen Körper und seine Umwelt als auf jedem Arm der Welt.

Oder anders gesagt:
Kinder lernen die Welt nicht auf dem Arm kennen – sondern auf ihren eigenen Füßen.


Der Autor: Benjamin Krupitza, Physiotherapeut

Benjamin Krupitza ist Physiotherapeut und Inhaber der Praxis Neokinetik in Gaggenau.

Sein Schwerpunkt liegt auf neurologischer Rehabilitation, funktioneller Therapie.

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Benjamin Krupitza
Neokinetik – Praxis für Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie
Landstraße 4
76571 Gaggenau

Telefon: 07224-6582501

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Quellen

Adolph, K. E., & Hoch, J. E. (2019).

Motor development: Embodied, embedded, enculturated, and enabling.

Annual Review of Psychology.

Iverson, J. M. (2010).

Developing language in a developing body: The relationship between motor development and language development.

Journal of Child Language.

Tomasello, M. (2003).

Constructing a Language: A Usage-Based Theory of Language Acquisition.

Harvard University Press.

Thelen, E., & Smith, L. (1994).

A Dynamic Systems Approach to the Development of Cognition and Action.

MIT Press.

World Health Organization (2019).

Guidelines on physical activity, sedentary behaviour and sleep for children under 5 years of age.

Freie Atmung für starke Stimme und Resilienz

Freie Atmung für starke Stimme und Resilienz

Atmen ist mehr als nur Luftholen: Bewusstes Atmen löst viele Prozesse im Körper aus – von denen es gut wäre, sie zu kennen. Wir atmen circa 21.000 mal am Tag, ohne es bewusst zu steuern: das ist schade!

Bewusste Atemführung mit Bauch und Beckenboden

Der Atemvorgang ist so wichtig und komplex. Ohne Atem leben wir nicht lange. Wir können drei Wochen ohne Essen, drei Tage ohne Trinken, aber antrainiert nur etwa drei Minuten (trainiert bis zu zehn Minuten) ohne Sauerstoff überleben. Wir atmen so oft und doch ist uns meistens nicht bewusst, wie wir es machen und wie es optimal wäre.

Die Frage ist: Schaffen wir die optimalen Voraussetzungen, damit unser Atem frei fließen kann? Nehmen wir die optimale Haltung ein, um effektiv zu atmen? Im stressigen Alltag meistens nicht. Müssen wir erst krank werden, bevor wir die Wirkkraft unseres Atems schätzen können?

Schlau sein – die Verbindung zwischen Körper, Spannung, Stress kennen

Es ist schlau, zu wissen, wie wir ticken. Wenn die Effektivität unseres Sauerstofftransfers zunimmt, passiert Folgendes:

  • Muskeln arbeiten effizienter – egal ob beim Leistungssport oder beim Treppensteigen mit 50+.
  • Der Fokus wird schärfer, wir sind in anderen Gehirnregionen unterwegs und können anders denken.
  • Wenn wir ausatmen, wird langfristig unsere Stresshormonproduktion gestoppt. Das für sich ist schon unglaublich:
  • Wir können Spannung bewusst dort platzieren, wo sie uns stärkt, statt sie unbewusst (und ggf. schmerzhaft) im Nacken, im Kiefer oder im Schulterbereich zu „parken“.

Es geht darum, dass wir uns selbst gut und gesund einstellen und bewusst führen können. Auch in einem Bereich, den wir Frauen oft stiefmütterlich behandeln: unserem Bauch und noch tiefer gelegen – unserem Beckenboden.

Den Bauch lösen – Das Schönheitsideal loslassen

Meistens mögen wir unseren Bauch nicht – leider! „Bauch rein, Brust raus“ ist ein Spruch von früher. Doch hier liegt die Gefahr: Um optimal zu atmen, müssen wir den Bauch bewegen. Wenn wir einatmen, will und muss sich unser Zwerchfell ausdehnen. Dafür brauchen wir weiche und durchlässige Muskulatur. Ein weicher, durchlässiger Bauch ist kein Makel, sondern auch eine Grundvoraussetzung für klares Atmen – eine stabile Rückenmuskulatur als Gegenpol ist dafür genauso wichtig und notwendig.

Wichtig ist die Richtung:
Wenn wir einen Luftballon zusammendrücken, entweicht die Luft. Genau das macht unsere Bauchmuskulatur beim Ausatmen:
Wenn der Bauch nach innen geht oder wir ihn bewusst einziehen, entweicht die Luft nach oben und draußen – ohne dass sich die Schultern mitbewegen.
Der Merksatz ist immer wieder: Bauch rein = Luft raus!

Wenn wir unter Stress stehen, übernimmt unser „Steinzeitgehirn“ die Organisation innerer Abläufe. Es will uns retten und schaltet auf Alarm. Die Atmung bewegt sich plötzlich in die gegengesetzte Richtung und wird plötzlich paradox:
Wir ziehen den Bauch beim Einatmen ein. Damit verkleinern wir den inneren Raum, in dem neue Luft sich ausbreiten sollte. Das verschiebt den Schwerpunkt nach oben, begrenzt die Lungenbeweglichkeit, hebt damit den Kehlkopf und unsere Stimme wird eng. Das ist vom Körper gut gemeint, um uns beweglich und handlungsfähig zu halten, aber auf Kosten unserer Substanz. Wir sind in Daueranspannung, haben einen erhöhten Cortisolspiegel und schwächen damit unseren Körper langfristig – wenn dieser Zustand nicht bewusst aufgeflöst wird.

Um das zu ändern, gehen wir „tief“!

Team-Work: Zwerchfell und Beckenboden

Zwerchfell und Beckenboden sind ein eingespieltes Duo. Sie sind ähnlich als horizontale Muskel-Ebenen im Körper angelegt, reagieren aufeinander und wir können beeinflussen, wo wir gezielt positive Spannung ansetzen. Das braucht Training, Zeit und Geduld. Eine Ebene höher liegen die Stimmbänder, die ein Teil der Stimmlippen sind, ebenfalls auf der horizontalen Ebene.

Wenn wir Atmung und Beckenbodenspannung bewusst kombinieren können, wirkt sich das sogar auf unsere Stimme und den Stimmklang positiv aus. Und so geht das:

  • Beim Ausatmen:
    Wir ziehen bewusst den Beckenboden nach oben – diese Anspannung zu fühlen und regulieren zu können, ist trainierbar. Zur Unterstützung atmen wir dabei aus und ziehen den unteren Bauch mit ein. Diese Bewegung können wir bald als Einheit trainieren.
    WICHTIG: Zunge, Unterkiefer und Nacken trennen wir von dieser Bewegung, damit sie locker bleiben können. Wir bestehen aus Muskelketten, d. h. eine Bewegung strahlt weit bis in andere Körperbereiche aus.
  • Beim Einatmen:
    Wir lösen die Spannung im Bauch, lassen sich den Bauch nach vorne ausweiten, atmen dabei ein. Das Zwerchfell senkt sich ab, Beckenbodenspannung lösen wir auf, so dass er sich etwas – und nicht ganz – nach unten absenken kann. Diese Intensität dosieren zu können, ist richtig gut!

Im Zwerchfell sind Traumata gespeichert. D. h. wenn wir diese Bereiche plötzlich wieder neu und auch intensiver bewegen, können alte Gefühle frei werden. Also wir sind vorsichtig – in guter Dosierung und achtsamer Führung!

Sich „in diesen Tiefen“ zu bewegen, hat viel mit „gefühltem“ Vertrauen zu tun – mit dem Lockerlassen und Bewegen im Intimbereich lösen wir auch eine Art Schutzmechanismus und können uns dadurch verletzlich und verletzbar fühlen. Das kann sich als Kontrollverlust bemerkbar machen und schlimm anfühlen. Aber es gibt einen Unterschied zwischen dem Gefühl der Ohnmacht und dem bewussten Loslassen, um sich sicher und selbstbewusst zu fühlen:
„Kontrollierter Kontrollverlust“ ist schlau! Ich werde mir meiner Kraft und meiner Selbst-Bestimmung bewusst. Denn ich bestimme, ob ich Bewegungen initiiere oder stoppe, wenn aufkommende Gefühle oder Erinnerungen zu intensiv werden.

ÜBUNGEN für Veränderungen                              

1. Der Ball im Bauch:
    Bauch-Atmung in die richtige Richtung

Beide Hände liegen tief auf dem Unterbauch, die Fingerspitzen positionieren wir dabei am besten auf die Schambeinmuskulatur, ein paar Zentimeter über dem Schambeinknochen, den man sehr gut fühlen kann: damit wird der Bezug zum Beckenboden leichter wahrnehmbar.

  • Wir nehmen den oben beschriebenen Bewegungsablauf des Atmens (beim Ausatmen – beim Einatmen) zur Grundlage. Als Hilfe stellen wir uns vor, im Unterbauch liegt ein weicher Ball.
    Wir schieben mit Händen und Fingern den Bauch nach innen – wie bei einem Luftballon entweicht dadurch die Luft:
    Das ist die richtige Richtung – BAUCH REIN = LUFT RAUS!
    Es ist schlau, täglich immer wieder hinzuspüren, wahrzunehmen, zu erkennen und uns zu regulieren.

2. Die Zehen steuern mit:
    wir bestehen aus Muskelketten

Wir stehen auf einem langflorigen Teppich, einem weichen Kissen oder auf Yoga-Blöcken (mit den Zehen in der Luft).

  • Wir rollen die Zehen nach innen ein und atmen aus.
  • Wir kippen das untere Becken mit nach vorne oben und rollen den Rücken ein. Damit unterstützen wir die Reaktion unserer Muskelketten – der Beckenboden wird mit aktiviert, sich anzuspannen.
    WIEDER WICHTIG: Kiefer und Zunge locker lassen. Dafür hilft es, bewusst die Zungenspitze leicht an die unteren Schneidezähne zu legen und dort zu lassen.
  • Beim Einatmen lösen wir die Spannung im Bauch auf, kippen im Becken zurück in eine Art Hohlkreuz und strecken die Zehen nach vorne und öffnen den Mund sehr weit.
  • Das Einrollen und Ausstrecken der Zehen im Wechsel, reguliert sehr gut und schnell.

3. Lippenbremse kommt dazu

Wenn wir noch eine weitere Ebene mitnehmen wollen, kombinieren wir die Bewegungen aus Übung 1 und 2 mit bewusster Formung der Lippen. Ist uns bewusst, dass wir Lippen – Stimmlippen – und Schamlippen besitzen, die ähnlich agieren – wie im Bild als Linien zu sehen?

Das gleichzeitige Anziehen von Lippen kann sofort die Bewegung der Schamlippen im Beckenboden unterstützen.

  • Lippen zusammenkräuseln und ausatmen. Die Ausatmenluft wird dadurch verlangsamt und wir können die Spannung besser in Bauch und Beckenboden bündeln.
  • Als Gegenpol, um die Anspannung in der Lippenmuskulatur wieder zu lösen, beim Einatmen den Mund weit öffnen, Bauch rausstrecken.
  • Jetzt führen wir uns auf drei Ebenen gleichzeitig: Lippen – Schamlippen im Beckenboden und Zehen: das stärkt unsere Resilienz!

Deshalb ist es ein so wichtiger Schritt zur Selbstführung: sich selbst fühlen zu können.

Bevor wir Körperteile bzw. Muskeln isoliert bewegen können, müssen wir sie wahrnehmen, also spüren und gezielt fühlen. Im Alltag ist das die eigentliche Kunst: sich selbst fühlen als auch führen zu können.

Und wenn uns das gelingt, können wir bestimmen, in welchen Bereichen wir Spannung aufbauen und in welchen Bereichen wir Spannung bewusst auflösen möchten.
Das ist oft herausfordernd – doch wir bleiben dran, es immer wieder zu üben. Denn positive Veränderung wirkt sofort!

Also:
Viel neugierige – und vielleicht auch ein bisschen verrückte – Freude beim Ausprobieren!

Deine Claudia


Die Autorin: Claudia Duschner, STIMMSTUDIO Mülheim an der Ruhr

Präsentations- und Stimmtraining, Sopranistin, Germanistin, mit 30 Jahren Erfahrung in Kultur, Bildung, Lehre, Gesundheit, Wirtschaft, Politik.

Sie blickt auf über drei Jahrzehnte Erfahrung in der Arbeit mit Menschen zurück. In dieser Zeit hat sie unzählige Stimmen gefördert, Potenziale entfaltet und Menschen dahin begleitet, ihre individuelle Ausdruckskraft zu stärken – mit Vorträgen, Seminaren und Einzeltrainings, national und international.

Claudia Duschner
StimmStudio Mülheim an der Ruhr
Duisburger Str. 276
45478 Mülheim an der Ruhr
Tel. 0208 – 69 89 811

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Kommende Webinar-Reihe für Frauen – 3-teilig:
VOM WAS UND WIE – unserer Haltung. unserer Worte. unserer Wirkung!

Mit Elke Gulden, Bewegungs- und Humor-Expertin und Claudia Duschner, Stimm- und Präsentations-Expertin am 07.05.2026 + 02.06.2026 + 01.07.2026, jeweils 18:30 – 20:00 Uhr
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Mythos Körbchengröße – und warum 80 % der Frauen die falsche BH-Größe tragen

Mythos Körbchengröße – und warum 80 % der Frauen die falsche BH-Größe tragen

Die richtige Bekleidung ist maßgeblich für das körperliche Wohlbefinden – da macht ein BH keine Ausnahme. Dennoch wissen viele Frauen nicht, wie sie die richtige Größe für sich finden können. Wir räumen mit dem Mythos der großen Körbchen auf und geben Dir konkrete Angaben an die Hand, mit der Du Deinen nächsten BH in der perfekten Größe auswählen kannst.

Ein unterschätztes Problem: Falsche BH-Größen sind die Regel, nicht die Ausnahme

Schätzungen zufolge tragen etwa 80 Prozent der Frauen in Deutschland eine falsche BH-Größe. Besonders häufig betrifft dies Frauen mit großer Brust bzw. Oberweite, die oft aus Unsicherheit eher bei kleineren Körbchen und weiten Unterbrustbändern zugreifen. Dahinter stehen mehrere Faktoren: falsche Annahmen über Cup-Größen, fehlendes Wissen über das richtige Ausmessen, nicht genormte Größen in Deutschland sowie die Tatsache, dass die BH-Modelle je nach Hersteller unterschiedlich ausfallen.

Das Ergebnis ist ein BH, der weder korrekt sitzt noch stützt und in vielen Fällen sogar Beschwerden wie Schulter-, Nacken- oder Rückenschmerzen verursacht.

Der größte Irrtum: „Alles ab Cup D ist riesig“

Eine der gängigsten Mythen lautet: Cup D oder größer sei automatisch eine sehr große Brust. Doch das stimmt nicht.

Eine Cup-Größe bemisst sich nicht danach, wie „groß“ eine Brust aussieht, sondern ausschließlich nach der Differenz zwischen Brustumfang und Unterbrustumfang. Die Größe des Cups hängt also immer vom Unterbrustband ab. Eine Frau kann deshalb sowohl ein kleines A-Cup als auch ein kleines E-Cup haben – abhängig davon, wie groß die Differenz zwischen Brust- und Unterbrustumfang ist. Viele Frauen wären überrascht, wie häufig Cupgrößen wie E, F, G oder H tatsächlich vorkommen, wenn korrekt ausgemessen wird.

Grafik die zeigt, wie eine BH-Größe richtig ermittelt wird

Selbst ausmessen: So ermitteln Frauen ihre tatsächliche BH-Größe

Damit ein BH optimal sitzt, müssen zwei Maße richtig ermittelt und deren Differenz richtig eingeordnet werden. Vielleicht lässt Du Dir bei den Messungen helfen – das macht es einfacher.

Schritt 1: Unterbrustumfang messen

Das Maßband wird direkt unter der Brust waagerecht um den Körper gelegt. Gemessen wird enganliegend, aber ohne die Luft abzuschnüren. Beispiel: 84 cm Unterbrustumfang (eng gemessen)

Schritt 2: Brustumfang messen

Das Maßband wird locker über die stärkste Stelle der Brust geführt – meist auf Höhe der Brustwarzen. Beispiel: 97 cm Brustumfang (locker gemessen)

Schritt 3: Differenz berechnen

Brustumfang – Unterbrustumfang = Cup-Differenz | 97 cm – 84 cm = 13 cm Differenz

Schritt 4: Körbchengröße bestimmen

In Deutschland gilt als grobe Orientierung:

  • 13 cm → Cup A
  • 15 cm → Cup B
  • 17 cm → Cup C
  • 19 cm → Cup D
  • 21 cm → Cup E
  • 23 cm → Cup F
  • 25 cm → Cup G
  • usw.

Beispiel: Differenz 13 cm → Cup A | Unterbrustband abgerundet auf 80 → 80A

Dieses Beispiel zeigt auch: Ein Cup A kann durchaus ganz unterschiedlich aussehen – je nachdem, ob es an einem Umfang von 65, 75 oder 90 cm gebunden ist.

Wichtiger Hinweis: BH-Größen in Deutschland sind nicht genormt

Ein wesentlicher Grund, warum so viele Frauen falsche Größen tragen:
BH-Größen sind nicht einheitlich. Jeder Hersteller verwendet eigene Maßtabellen.

Das bedeutet: Wenn eine Frau bei Marke A die Größe 80G trägt, kann sie bei Marke B ebenso gut 75H oder 85F benötigen.

Ebenso bedeutet die Zahl 80 nicht, dass der Unterbrustumfang der Frau exakt 80 cm betragen muss. Viele Hersteller schneiden das Unterbrustband so, dass der BH aufgelegt ca. 80 cm misst – ungeachtet der Materialdehnung.

Eine Frau mit 90 cm Unterbrustumfang kann deshalb problemlos in ein 85er oder 80er Unterbrustband passen, wenn dieses ausreichend elastisch ist.

Warum das Unterbrustband entscheidend ist

Etwa 80 Prozent des Halts eines BHs kommen vom Unterbrustband – nicht von seinen Trägern.
Daher sollte es:

  • fest, aber angenehm am Körper anliegen
  • parallel verlaufen
  • auf dem ersten Häkchen geschlossen werden (damit es enger gestellt werden kann, wenn das Material im Laufe der Zeit nachgibt)

Die Träger liefern nur etwa 20 Prozent des Supports. Sind sie zu stramm eingestellt, entstehen Druckschmerzen, Einkerbungen an den Schultern und Verspannungen – besonders bei großer Brust.

Passformen richtig erkennen: Das sollte ein gutsitzender BH leisten

Ein BH sitzt korrekt, wenn:

  • das Unterbrustband fest anliegt und nicht hochrutscht
  • der Mittelsteg am Brustbein anliegt
  • die Brust vollständig vom Körbchen und ggf. Bügel umschlossen wird
  • kein Brustgewebe aus dem Cup quillt
  • der Bügel nicht in die Brust drückt
  • die Träger nicht einschneiden oder rutschen
  • ca. zwei Finger flach zwischen Verschluss und Rücken passen

Gerade bei großer Oberweite ist die Passform entscheidend, um Rücken-, Schulter- und Kopfschmerzen zu vermeiden.

Unterschiedlich große Brüste? Kein Problem.

Viele Frauen haben von Natur aus unterschiedlich große Brüste. Die richtige Vorgehensweise lautet: Immer die größere Brust passend einmessen. Das kleinere Brustvolumen lässt sich anschließend mit einer leichten Trägereinstellung oder einem einsetzbaren Pad ausgleichen.

Wie oft sollte man sich ausmessen?

Mindestens einmal pro Jahr – denn der Körper verändert sich:

  • Gewichtsschwankungen
  • Schwangerschaft
  • hormonelle Veränderungen
  • Wechseljahre
  • Sport oder geänderte Lebensweise

Zusätzlich empfehlen sich professionelle Anproben in Fachgeschäften, die das Feintuning übernehmen.

Eine reale Erfahrung: Vom vermeintlichen 75C zur tatsächlichen Größe 70E

Eine Freundin war lange überzeugt, dass Cup D „schon riesig“ sei und sie deshalb seit Jahren zuverlässig 75C trage.  Als ich sie fragte, wann sie sich zuletzt ausgemessen habe, wusste sie keine Antwort.

Wir gingen gemeinsam in ein Fachgeschäft und das Ergebnis war eindeutig: Ihre tatsächliche Größe ist 70E.

Diese Größe umschloss die Brust vollständig, das Unterbrustband gab Stabilität und die Belastung verlagerte sich weg von den Schultern. Ihr Kommentar danach:
„Ich hätte nie gedacht, dass Cup E so normal aussehen kann.“

Fazit: Die richtige BH-Größe ist kein Luxus – sie verbessert Deine Gesundheit und Dein Wohlbefinden

Viele Frauen tragen zu kleine Cups und zu weite Unterbrustbänder – oft über Jahre.
Gerade Frauen mit großer Brust oder großer Oberweite profitieren enorm davon, ihre tatsächliche Größe zu kennen und regelmäßig zu überprüfen. Ein richtig sitzender BH steigert Komfort, verhindert Schmerzen, unterstützt die Körperhaltung und sorgt für ein völlig neues Tragegefühl.

Wer seine Maße kennt und Passformregeln beachtet, sorgt nicht nur für bessere Unterstützung, sondern auch für ein neues Bewusstsein für den eigenen Körper.


Die Autorin: Ljubica Kramer, Gründerin von Cocotier Royal

Foto von Ljubica Kramer

Ljubica Kramer, Jahrgang 1983, gründete Cocotier Royal im April 2025 aus eigener Erfahrung mit der Herausforderung, als Frau mit großer Brust gutsitzende BHs und Bikinis zu finden. Die in Dortmund geborene Gründerin entwickelte eine exklusive Bademodenmarke für Frauen mit Umfanggrößen 60–80 und Cup D–K, die auf hochwertige Materialien, perfekte Passform und einen Anspruch von Klasse statt Masse setzt. Mit langjähriger Beschäftigung rund um Passform, Größen und Tragekomfort verfolgt sie das Ziel, Bademode neu zu denken und anders – vielleicht auch besser – zu machen als etablierte Hersteller.

Kontaktdaten: Ljubica Kramer | COCOTIER ROYAL

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Hinweis: Der Cocotier Royal Online-Shop für Bademoden wird in Kürze verfügbar und verlinkt sein.

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Alltagsbegleitung im sozialen Umfeld und Resilienz auf beiden Seiten

Alltagsbegleitung im sozialen Umfeld und Resilienz auf beiden Seiten

Viele Frauen begleiten andere Menschen lange, bevor sie diesem Tun einen Namen geben. Sie kümmern sich um ältere Angehörige, unterstützen Nachbarinnen und Nachbarn, hören zu, erinnern an Termine und schaffen Struktur im Alltag. Dieses Engagement entspringt oft einer hohen Empathie und einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein. Gleichzeitig wirken gesellschaftliche Rollenbilder nach, die Fürsorglichkeit beinahe als selbstverständlich voraussetzen.

Aufgaben werden übernommen, weil man es kann, weil man gebraucht wird oder weil es sonst niemand tut. Hinzu kommen bestehende Verpflichtungen in Familie und Kindererziehung sowie weitere soziale Aufgaben, die häufig unbezahlt bleiben und dennoch viel Kraft binden. Der Spagat entsteht genau hier: zwischen familiären Verpflichtungen, zusätzlichen sozialen Verantwortlichkeiten und dem Wunsch, auch außerhalb dieser Rollen wirksam zu sein – während die eigenen Bedürfnisse dabei sehr häufig in den Hintergrund geraten.

Gerade in sozialen Umfeldern wird deutlich, wie viel Wirkung im Alltag liegt. Es geht nicht allein um Unterstützung, sondern um Beziehung. Um Würde, Selbstständigkeit und Teilhabe. Alltagsbegleitung ist hier kein Beiwerk, sondern ein stilles Fundament für Gesundheit.

Das innere Schutzschild: Resilienz

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen, ohne daran zu zerbrechen. Sie bedeutet nicht, immer stark zu sein oder alles auszuhalten, sondern innere Stabilität zu entwickeln, die schützt und trägt. Resiliente Menschen erkennen ihre Grenzen, nehmen Warnsignale ernst und erlauben sich Pausen ebenso wie Unterstützung. Gerade in sorgenden Rollen wirkt Resilienz wie ein inneres Schutzschild: Sie hilft, Nähe zuzulassen, ohne sich zu verlieren, und Verantwortung zu übernehmen, ohne sich selbst zu überfordern. Gleichzeitig stärkt sie die mentale Gesundheit, fördert Selbstwirksamkeit und ermöglicht es, Fürsorge als sinnstiftende Erfahrung zu erleben.

Resilienz beginnt dort, wo Menschen ihre Rolle und ihre Verantwortung verstehen. Wer begleitet, braucht mehr als ein gutes Herz. Entscheidend ist Klarheit darüber, was zur Aufgabe der Begleitung dazugehört – und was nicht. Viele engagieren sich ehrenamtlich und merken irgendwann, dass Unsicherheit mitschwingt. Darf ich das überhaupt? Reagiere ich richtig? Wie gehe ich mit schwierigen Situationen um, ohne mich selbst zu verlieren? Wann hole ich Hilfe dazu?

Diese Unsicherheit ist kein persönliches Versagen, sondern ein strukturelles Problem. Gute Absicht allein schützt nicht vor Überforderung. Wissen über Resilienz hingegen schon. Wer versteht, wie Kommunikation wirkt, wo Grenzen wichtig sind, wie Gesundheitsprävention im Alltag aussieht und wie Selbstfürsorge praktisch gelebt werden kann, gewinnt Sicherheit. Und diese Sicherheit verändert alles. Ehrenamt und Erwerbstätigkeit fühlen sich leichter an, klarer, stabiler. Man weiß, was man tut – und warum.

Manche spüren in diesem Prozess, dass Alltagsbegleitung mehr ist als ein freiwilliger Einsatz. Dass hier etwas anklingt, das Sinn gibt. Eine Aufgabe, die gebraucht wird und die zum eigenen Leben passt. Sie braucht Menschen, die Zeit haben, zuhören können und den Alltag gemeinsam gestalten. Sie eröffnet genau diesen Raum zwischen Engagement und Erwerbstätigkeit. Nicht als Zwang, sondern als Möglichkeit.

Sorge tragen – ohne sich zu verlieren

Für viele Frauen ist das ein neuer Blick auf die eigene Zukunft. Ein Quereinstieg. Ein bewusster Schritt in eine Tätigkeit, die nicht nur Arbeit ist, sondern Wirkung hat. Und die gleichzeitig erlaubt, das eigene Leben aktiv zu gestalten.

Besonders tragfähig wird diese Form der Begleitung dort, wo sie nicht isoliert stattfindet. Gesundheit ist kein Einzelprojekt, sondern entsteht im Miteinander. So machen zum Beispiel genossenschaftliche Strukturen diesen Gedanken greifbar. Sie stehen für Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung und geteilte Verantwortung. Niemand muss alles allein tragen.

So entsteht ein Umfeld, das nicht nur die begleiteten Menschen stärkt, sondern auch diejenigen, die begleiten. Resilienz und Gesundheit auf beiden Seiten. Nicht als Schlagwort, sondern als gelebte Praxis.

Wie Du Alltagsbegleiter werden kannst

Alltagsbegleitung ist keine Selbstaufgabe. Sie ist eine bewusste Entscheidung für Nähe und Menschlichkeit – mit dem Recht, dabei selbst gesund zu bleiben. Sorge zu tragen, ohne sich zu verlieren, ist möglich, wenn Klarheit, Qualifikation und Gemeinschaft zusammenkommen und Sinn nicht mit Aufopferung verwechselt wird, sondern mit bewusster Verantwortung – für andere und für sich selbst.

Wer begleitet, darf dabei durch gelernte und gelebte Resilienz selbst wachsen – und sie zeigt, wie Gesundheit entsteht, wenn Menschen füreinander da sind, ohne sich selbst zu verlieren.

Auffällig ist: Viele dieser Qualifikationen sind bis zu 100 % öffentlich förderfähig, etwa über Bildungsgutscheine. Dennoch bleiben die Teilnahmezahlen hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück.

Die Meine Gesundheit-Genossenschaft eG zeigt beispielhaft, wie zertifizierte Weiterbildung mehr sein kann als reine Wissensvermittlung. Ihr Ansatz verbindet Gemeinschaft, Gesundheit und Resilienz und macht sichtbar, wie sich ökonomische Effizienz, soziale Wirkung und individuelle Lebensperspektiven sinnvoll zusammenführen lassen.

Weiterführende Informationen & Anmeldung:

Kursübersicht & Hintergrund

Eventbrite – Kurs 1 (Start 26. Januar 2026)

Eventbrite – Kurs 2 (Start 27. April 2026)

Eventbrite – Kurs 3 (nach den Sommerferien)

Von Reishi bis Frauenmantel: Pilze und Pflanzen als Schlüssel zu natürlicher Gesundheit

Von Reishi bis Frauenmantel: Pilze und Pflanzen als Schlüssel zu natürlicher Gesundheit

In den letzten Jahren erleben wir ein wachsendes Bewusstsein für die Balance in unserem Körper. Wir vertrauen unserer Intuition und treffen selbstbestimmtere Entscheidungen für unsere Gesundheit.

Dieser Wandel spiegelt einen Zeitgeist wider, der von Gesundheitsbewusstsein, Natürlichkeit und Selbstfürsorge geprägt ist. Viele Frauen spüren, dass ein ursprünglicher, naturverbundener Lebensstil guttut: naturbelassene Lebensmittel, Bewegung an der frischen Luft, Zeit für liebevolle Selbstfürsorge und ein möglichst „artgerechtes“ Leben.

Die Kraft, Verantwortung zu übernehmen

Zu diesem Bewusstsein gehört für viele inzwischen auch, das Wohlbefinden nicht allein in die Hände der konventionellen Medizin zu legen, sondern selbst aktiv zu werden – mit naturheilkundlicher Unterstützung, hochwertigen pflanzlichen Präparaten und natürlichen Nahrungsergänzungen. Es geht nicht darum, die Schulmedizin zu ersetzen, sondern sich selbstwirksam zu fühlen, den eigenen Körper zu verstehen und zu stärken. Natürliche Substanzen eignen sich hervorragend, um den Organismus auf sanfte Weise zu begleiten.

Besonders wenn es um hormonelle Schwankungen, zyklusbedingte Beschwerden oder den Schutz der eigenen Zellgesundheit geht, gibt es ein reiches Repertoire aus der Natur, an dem wir uns bedienen können.

Neben Heilpflanzen, die viele bereits kennen, rückt dabei eine Heilkraft ins Zentrum, die in Europa lange im Schatten der Kräuterheilkunde stand und schlicht übersehen wurde: Heilpilze. Während Heilpflanzen in Europa traditionell verwurzelt sind, blicken besonders in Asien Heilpilze auf eine jahrtausendealte Anwendung zurück. Die heilende Wirkung wird dort bis heute sehr umfangreich erforscht.

Heilpilze, auch Vitalpilze genannt, werden in der naturheilkundlichen Mykotherapie genutzt und können uns in jeder Lebensphase unterstützen – von PMS bis zu Wechseljahresbeschwerden und bei Belastungen durch HPV-Infektionen oder Cervix-Dysplasien.

Heilpilze – verborgene Verbündete für weibliche Vitalität

Heilpilze sind reich an bioaktiven Stoffen, die das Immunsystem, den Stoffwechsel, die Hormonbalance und die Zellgesundheit regulieren können. Dazu zählen Polysaccharide wie Beta-Glucane, Triterpene, Ergothionein, Sterole sowie Phenolverbindungen und Flavonoide, die man auch als Radikalenfänger und Antioxidantien aus vielen anderen Pflanzen kennt. Heilpilze werden außerdem wegen ihrer antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften geschätzt – zwei Bereiche, die für die allgemeine Zellgesundheit und das Immunsystem eine wichtige Rolle spielen.

In den letzten Jahren sind zudem zahlreiche vielversprechende Studien erschienen, die untersuchen, wie Heilpilze begleitend zu konventionellen Krebstherapien eingesetzt werden können. Dabei wird insbesondere erforscht, inwiefern sie das Immunsystem unterstützen – ein System, das durch Chemo- oder Strahlentherapie oftmals stark belastet wird. Diese Forschung steht noch am Anfang, zeigt jedoch, dass Heilpilze ein spannendes naturheilkundliches Potenzial besitzen, wenn es um ganzheitliche Unterstützung geht.

Ein Heilpilz, der derzeit international stark an Aufmerksamkeit gewinnt, ist Lions Mane (Hericium erinaceus). Er gilt in vielen Gesundheitskreisen als regelrechtes „Superfood“, weil er traditionell zur Unterstützung der kognitiven Leistungsfähigkeit, der geistigen Klarheit und des Nervensystems genutzt wird. Viele Menschen schätzen ihn im Alltag, um Konzentration, Fokus und mentale Energie zu fördern – ein Trend, der seine Wurzeln sowohl in asiatischen Traditionen als auch in modernen Forschungsansätzen hat.

Zu den in der Frauenheilkunde besonders relevanten Heilpilzen gehören:

Heilpilze und ihre traditionelle Anwendung

Reishi – innere Ruhe, hormonelle Balance, entgiftend, Leberstoffwechsel

Coriolus (Schmetterlingstramete) – Unterstützung der Immunbalance und Darmgesundheit, wissenschaftlich untersucht bei HPV und Krebstherapie-Begleitung

Maitake – Zyklusregulation, Stoffwechsel, Unterstützung bei PCOS-Tendenzen

Cordyceps (Schlauchpilz) – Energie, Libido, Zyklusregulation, Stimmungsbalance

Hericium (Stachelbärte) – Nervensystem, Verdauung, Haut/Schleimhaut, Stress-Regulation

Pilze neu gedacht: Von Pulver bis Pilzkakao

Heilpilze werden üblicherweise als Pulver aus dem Fruchtkörper angeboten – entweder pur oder in Kapselform. Für eine höhere Wirkstoffkonzentration stehen auch Extrakte, Tinkturen oder Flüssigextrakte zur Verfügung. Immer beliebter werden zudem moderne Zubereitungsformen wie Pilzkakao oder Pilzkaffee (meist ohne Koffein), bei denen Mischungen aus Heilpilzen und wärmenden Gewürzen – oft im Chai-Stil mit Zutaten wie Kurkuma – als sanfte, wohltuende Alternative den klassischen Kaffee ersetzen und das allgemeine Wohlbefinden unterstützen.

Tipp:
Achte auf zertifiziert biologischen Anbau und kombiniere idealerweise Extrakt + Pulver, um das volle Spektrum der Inhaltsstoffe zu nutzen. Pulver enthält den gesamten getrockneten Fruchtkörper des Pilzes, unter anderem auch wertvolle Ballaststoffe. In Extrakten hingegen werden bestimmte bioaktive Substanzen – vor allem Polysaccharide wie Beta-Glucane oder Triterpene – aus dem Pilz herausgelöst und konzentriert. Während Pulver also das natürliche Gesamtprofil des Pilzes abbildet, liefern Extrakte einzelne Wirkstoffgruppen in intensivierter Form.

Verschiedene Pulver und Kapseln, hergestellt aus einem Pilz namens Hericium erinaceus - deutschen Name "Löwenmähne"
Verschiedene Pulver und Kapseln, hergestellt aus einem Pilz namens Hericium erinaceus – deutschen Name „Löwenmähne“

Ich habe Dir einige Beispiele mitgebracht.

Heilpilze für hormonelle Balance

Unser Hormonsystem ist fein abgestimmt und reagiert sehr sensibel auf Stress, Ernährung und Lebensstil.

Cordyceps wird traditionell genutzt, um die Energieproduktion und die körpereigene Hormonbalance zu unterstützen. Er reguliert die Östrogen- und Progesteronbildung sowie die Cortisolausschüttung und fördert die Säureausscheidung. Viele Frauen berichten über mehr Vitalität und bessere Stimmung.

Reishi stärkt die Leber, balanciert den Hormonstoffwechsel, ist stark entgiftend, immunaktivierend. Pflanzliche Ergänzungen wie Mönchspfeffer, Frauenmantel oder Johanniskraut können zusätzlich harmonisieren.

Hericium (Igelstachelbart) baut das Darmmikrobiom auf, wirkt auf Haut- und Schleimhaut-Integrität, Präbiotikum, Erinacine. Er hat eine entspannende, stress-reduzierende Wirkung (-> schlaffördernd) und unterstützt die Regeneration der Nervenzellen.

HPV & Cervix-Dysplasien

Viele Frauen sind überrascht zu erfahren, dass Belastungen durch HPV und Cervix-Dysplasien nicht nur schulmedizinisch begleitet werden können.

In der naturheilkundlichen Praxis wird häufig ein ganzheitlicher Ansatz gewählt, der das Immunsystem stärkt und die Zellen unterstützt.

Coriolus (Schmetterlings-Tramete) steht hier im Zentrum:

  • wird in Studien untersucht im Zusammenhang mit HPV
  • traditionell eingesetzt zur Stärkung der Immunantwort
  • viele Frauen berichten von besseren Kontrollbefunden im Verlauf

Ergänzend werden oft Reishi und Maitake genutzt, die Stoffwechsel, Stressregulation und Zellgesundheit unterstützen.

Phytotherapeutische Begleiter sind beispielsweise Grüntee-Extrakt, Frauenmantel und Curcuma.

Wichtig: Diese Begleitung ersetzt keine gynäkologische Behandlung, sondern ergänzt sie.

PMS & Zyklusbeschwerden

Stimmungsschwankungen, Wassereinlagerungen, Krämpfe, schmerzende Brust, Überforderung – viele Frauen kennen die prämenstruellen Symptome (PMS) gut. Hier kann ein naturheilkundlicher Ansatz helfen, den Zyklus wieder als Ressource statt Belastung zu erleben.

Mögliche Unterstützung:

  • Reishi & Hericium für innere Ruhe und nervliche Stabilität
  • Maitake & Cordyceps zur Zyklusregulation
  • Frauenmantel, Ingwer, Schafgarbe als pflanzliche Begleiter

Wechseljahre

Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern ein Übergang. Trotzdem können Hitzewellen, Schlafstörungen, Nervosität oder Müdigkeit herausfordernd sein.

Reishi wird traditionell genutzt, um Schlaf, innere Ruhe und hormonelle Balance zu unterstützen.

  • Reishi wird traditionell genutzt, um Schlaf, innere Ruhe und hormonelle Balance zu unterstützen.
  • Cordyceps kann Vitalität, Libido und Stimmung fördern. Pflanzlich begleiten hier oft Salbei, Traubensilberkerze und Rotklee.
  • Maitake fördert den Knochenstoffwechsel und wird zur Unterstützung eines ausgeglichenen Fettstoffwechsels und eines gesunden Körpergewichts verwendet.

Dies sollen nur einige Beispiele sein. Wenn Du Dich eingehender mit dem Thema Heilpilze befassen möchtest, kannst Du auf eine große Auswahl an Büchern, Fachartikeln und Onlinequellen zurückgreifen, die das Wissen über Heilpflanzen und Heilpilze gut verständlich vermitteln. Sich zu informieren ist ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zu mehr Selbstwirksamkeit und Bewusstsein für den eigenen Körper. Eine übersichtliche Einstiegsmöglichkeit bietet die Webseite der Gesellschaft für Vitalpilzkunde, auf der die wichtigsten Heilpilze und ihre traditionell beschriebenen Eigenschaften kompakt dargestellt sind.

Bei konkreten gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden ist es sinnvoll, sich an erfahrene Ärztinnen, Ärzte oder Heilpraktiker:innen zu wenden, die sich mit Mykotherapie und naturheilkundlicher Begleitung auskennen – so lässt sich der persönliche Weg zu mehr Balance und Wohlbefinden sicher und individuell gestalten.

Auf mehr Lebenskraft im Alltag – und ein bisschen Pilzmagie!

Herzlichst

Deine Ana


Die Autorin: Ana Orias Balderas, Inhaberin von Ana’s Pilzfarm

Ana Orias Balderas hält einen großen Pilzstock in der Hand.

Ana Orias Balderas, Jahrgang 1985, ist studierte Bio-Geo-Wissenschaftlerin und Mutter eines Sohnes. In ihrem Bioland zertifizierten Bio-Pilzzuchtbetrieb „Ana’s Pilzfarm“ im Hunsrück widmet sie sich dem Anbau von Heil- und Gourmetpilzen. In ihrem Online-Shop vertreibt sie zudem natürliche Nahrungsergänzungsmittel und Pilzprodukte.

Kontaktdaten:

Ana Orias Balderas
Ana‘s Pilzfarm (Bioland zertifiziert)

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Website: https://anas-pilzfarm.de/
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