Raven Saunders: Olympia-Finalistin kämpft gegen Tabu-Themen

Raven Saunders: Olympia-Finalistin kämpft gegen Tabu-Themen

Bei Olympia in Paris ist mir die Kugelstoßerin Raven Saunders aufgefallen. Sie trug im Kugelstoßen-Finale eine schwarze Gesichtsmaske und der Kommentator meinte, dass diese ihr helfen würde, sich zu fokussieren. Sie hätte psychische Probleme und ginge damit ganz offen um. Für die anderen Sportler:innen war das nicht ungewöhnlich, da Raven schon häufiger mit einer Gesichtsmaske angetreten ist. Es gibt eine Dokumentation mit dem Namen „Out oft he Dark“ über sie.

Ich habe mich auf die Suche gemacht und die Doku bei Youtube gefunden, sie wurde von den amerikanischen PBS Digital Studios gedreht. Dabei musste ich feststellen, dass es keine deutsche Synchronisation gibt und die Untertitel nur in englischer oder spanischer Sprache verfügbar sind.

Raven Saunders passt in keine Schublade und genau deshalb finde ich ihre Geschichte erwähnenswert. Sie ist schwarz, lesbisch, bezeichnet sich als non-binär und hat jahrelang hart gearbeitet, um in die Weltspitze vorzudringen. Heute nutzt sie ihre Popularität, um Tabu-Themen anzusprechen und Missstände aufzuzeigen, sie ist für viele Menschen ein echtes Vorbild. Raven will vorhandene Mauern einreißen und spricht offen über ihre Suizidgedanken, den Stress, Traumata und ihre mentalen Probleme.

Aus schwierigen Verhältnissen kommend hat sie immer weiter trainiert, um stärker als andere zu sein und sich selbst schützen zu können. Sie hat erst lernen müssen, den „Hulk“ in sich zu kontrollieren und kann diese besondere Stärke zielgerichtet im Wettkampf einsetzen.

Doch der Weg war steinig. Nach dem 5. Platz bei den Olympischen Spielen 2016 folgte eine tiefe Depression. Gute Miene zum bösen Spiel machen, so tun, als ob alles gut ist und mit niemanden reden können – das alles machte ihr schwer zu schaffen. In der größten Not war ihre ehemalige Therapeutin zur Stelle und bot Hilfe an, so dass sie weiterleben konnte und sich neue Ziele setzte.

Ihre sportliche Karriere bietet eine Plattform für ihren Kampf mit klaren Worten, den sie lautstark führt. Sie steht für Menschen, die keiner Mehrheit angehören und keiner Norm entsprechen. So unterstützt sie viele, damit sie sich nicht mehr verstecken müssen. Sie steht für einen Dialog über psychische Gesundheit unter Sportlern, für Diversität sowie für die Rechte von Schwarzen, Frauen und queeren Menschen.

Raven Saunders ist eine schillernde und bemerkenswerte Persönlichkeit, die ihren Weg gefunden hat. Sie nutzt die Öffentlichkeit, um Tabu-Themen in den Fokus zu rücken. Damit ist sie ein wichtiges Vorbild, das vielen Menschen Orientierung bietet. Das gefällt mir!

(Quelle: NTV)

Verlinkungen zu den Beiträgen:

Youtube Video von PBS Short Docs: An Olympic Athlete Takes on Depression (Feat. Raven Saunders)

NTV Bericht vom 09.08.2024: „Hulk“ Saunders kämpft gegen mehr als den Rest der Welt

Bericht auf Eurosport.de vom 10.08.2024: Olympia 2024 – Leichtathletik: Raven Saunders verdeckt ihr Gesicht im Kugelstoßen mit einer Maske – das ist der Grund

Focus online vom 10.08.2024: Kugelstoßerin Raven Saunders trägt Maske – dahinter steckt ein ernster Grund

Weiterführender Link:

NTV Beitrag vom 03.06.2022: Das bedeuten die gängigsten LSBTQI-Begriffe

(Deutsche) Schlager – innovativ, wandelbar und nicht totzukriegen

(Deutsche) Schlager – innovativ, wandelbar und nicht totzukriegen

Der deutsche Schlager – er ist nicht totzukriegen – so die Kernaussage der beiden wunderbaren Dokumentationen von Terra X History, die ich vor ein paar Tagen gesehen habe. Ich möchte Dir die beiden Sendungen Deutschland, deine Schlager: 1945 bis 1979 und Deutschland, deine Schlager: 1980 bis heute als eingefleischte „Schlager braucht kein Mensch“-Denkerin unbedingt ans Herz legen.

Für mich waren diese 2 x 45 Minuten ein kurzweiliger und bereichernder Einblick in eine Welt, die mich nie interessiert hat. Mir war nicht klar, wie umfassend die Entwicklung und Innovationsfähigkeit des deutschen Schlagers war und heute noch ist und welche Einflüsse die Stimmung in der Gesellschaft darauf genommen hat. Wie wandelbar er ist und wie er sich an den Zeitgeist anpasst, das wurde mir durch die Aussagen der hochkarätigen Kommentatoren und Branchen-Insider erst bewusst.

Die Entwicklung

Ursprünglich handelten Schlagertexte von einer schönen heilen Welt, die von Hoffnung und Sehnsucht geprägt war. Probleme wurden viele Jahre nicht besungen, doch die gesellschaftlichen Veränderungen blieben nicht ohne Wirkung. Es musste sich etwas verändern: mit deutlich mehr Tiefgang und Interpretationsspielraum für die Hörer:innen nahm der Schlager wieder Fahrt auf.

Es war ein langer Weg vom Austausch der Künstler in den Nachkriegsjahren, über die Teilung Deutschlands und die unterschiedlichen Entwicklungen in Ost und West, bis zur Einbindung von Rock-, Punk und Techno-Elementen sowie der Neuen Deutschen Welle (NDW). Dennoch erzählt der Schlager im Kern immer noch Geschichten aus dem Leben, in denen sich die Zuhörer wiederfinden. Damit entsteht eine Verbindung zum gesellschaftlichen Zeitgeist.

Von Freddy Quinn und Catharina Valente, über Juliane Werding und Peter Maffay, bis Helene Fischer und Roland Kaiser, der moderne Schlager kann viele Strömungen aufnehmen und lässt ein neues Gewand entstehen, in das er sich kleidet. So steht er immer wieder auf und verschafft seinen „alten Helden“ neuen Kultstatus.

Mein Fazit

Ob Fan oder nicht – absolut sehenswert!

Am Rande notiert: Erstaunlicherweise kannte ich doch relativ viele Lieder – nicht nur aus dem Autoradio in Kindheitstagen und der Hitparade mit Dieter Thomas Heck. Auch bei Schützenfesten oder Hochzeitsfeiern kann man sich den aktuellen Schlagern und den kultigen Hits kaum entziehen 😉.

Zu den Sendungen:

ARD Mediathek, Terra X History: Deutschland, deine Schlager: 1945 bis 1979 (45 Minuten – verfügbar bis 21.01.2029)

ARD Mediathek, Terra X History: Deutschland, deine Schlager: 1980 bis heute (45 Minuten – verfügbar bis 21.01.2029)

Stadttauben: Friedenstaube oder Krankheitsüberträger?

Stadttauben: Friedenstaube oder Krankheitsüberträger?

Tauben – sie werden gehasst, gezüchtet und geliebt. Einerseits ein Friedenssymbol, andererseits die Ratten der Lüfte. Die Meinungen über die Tauben sind vielschichtig und aus dem Stadtbild sind sie kaum wegzudenken.

In Deutschland gibt es etwa 8 Mio. Tauben und in den Innenstädten fühlt sich Mensch schon mal bedrängt, wenn sie auf der Suche nach Nahrung einem kaum von den Füßen weichen. Sie sitzen gern in Nischen und machen es sich bequem, sofern der Mensch nicht auf den Gedanken kommt, Gitternetze davor zu spannen oder die schönen Sitzplätze auf Mauervorsprüngen und Dachbalken mit Spikes zu versehen.

Sie sind die „zahmen“ Nachkommen der Felsentauben und finden immer ein kleines Fleckchen, auf das sie sich zurückziehen können, wenn sie nicht nach Nahrung suchen müssen. Doch je mehr Tauben in der Stadt unterwegs sind, desto mehr Taubenkot verunreinigt und beschädigt die Gebäude und Fassaden, die sich zudem in luftiger Höhe nur schwer säubern lassen.

Das Augsburger Stadttaubenkonzept

Das Augsburger Stadttaubenkonzept“ wurde vor über 25 Jahren ins Leben gerufen und hat zu einer deutlichen Verbesserung für das Zusammenleben von Mensch und Tier geführt.

Die Tauben werden in städtischen Taubenschlägen mit artgerechtem Futter versorgt und brauchen nicht mehr in den Fußgängerzonen nach „ungesunder“ Nahrung zu suchen. Haben sie einen Schlag, also einen Standort gefunden, bleiben sie diesem auch treu. Sie bekommen ihr Futter und brauchen die Anwohner nicht mehr zu belästigen. Sie ziehen sich gerne zurück, auch um zu brüten, was sie übrigens bis zu 9 x pro Jahr tun. Dennoch sind sie frei und können den Schlag jederzeit verlassen und ausfliegen.

Taubenmanager:innen versorgen die Tiere regelmäßig. Sie füttern, bringen verletzte Tiere zum Tierarzt, säubern die Schläge von Kot und tauschen die gelegten Eier gegen Kunsteier aus. Schlüpft nichts aus, werden diese nach einiger Zeit nicht mehr bebrütet und die Kunsteier werden entfernt. Dadurch kann die Population sehr gut reguliert werden, was beiden Seiten zugutekommt.

Übertragen Tauben Krankheiten?

Im Bericht von Nano auf 3Sat (ab Minute 17:30) erklärt der Pathologe Daniel Nobach, CVUA Stuttgart, dass in Stadttauben über 100 Krankheitserreger nachgewiesen wurden, davon können sieben auch für den Menschen gefährlich werden. Doch laut Robert-Koch-Institut (RKI) sind Tauben als Überträger äußert selten.

Doch die Wahrscheinlichkeit sinkt, wenn die Tiere gut versorgt werden und die Taubenschläge regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden, wie es das Augsburger Stadttauben-Konzept vorsieht. Silvie Brucklacher-Gundzenhäußer ist Taubenbeauftragte in Stuttgart. Sie betreut die Stadttauben seit über 15 Jahren und ist noch nie angesteckt worden, obwohl sie stets ohne Maske und Schutzkleidung arbeitet.

Andere Städte haben das Modell übernommen und kommen im o. g. Beitrag auf Youtube ebenfalls zu Wort.

Wir finden, dass ist ein sehenswerter Beitrag und freuen uns auf Deine Anmerkungen dazu.

Weitere interessante Links:

Video-Beitrag auf Youtube, Stadt Ingolstadt: Das Augsburger Stadttaubenkonzept

Stadttauben Lüneburg e.V. Stadttauben Lüneburg

Stadt Augsburg: Das Augsburger Stadttaubenkonzept

Video-Beitrag auf 3Sat (ARD Mediathek) Nano vom 15.05.2024: Das Stadttaubenprojekt Stuttgart ab Minute 17:30 (Verfügbar bis 15.05.2029)

Freundschaften halten dich gesund

Freundschaften halten dich gesund

Freunde – sie begleiten uns ein Leben lang oder manchmal auch „nur“ ein paar Jahre. Wir teilen bereitwillig Freude und Leid und vertrauen ihnen unsere intimsten Geheimnisse an. Sie sind da, wenn wir sie brauchen, und sie verraten uns nie.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man Freundschaften pflegen muss, sonst gehen sie ein wie eine Pflanze, die nicht gegossen wird. Andererseits habe ich aus Studienzeiten sieben sehr gute Freunde, die ich nur selten sehe. Kennengelernt haben wir uns am Anfang unseres Studiums in Dortmund und sind gemeinsam durch alle Semester gegangen. Sogar eine WG hat es gegeben. Mit dem Abschluss haben wir uns in ganz Deutschland zerstreut, wir haben Arbeit gefunden, Familien gegründet und unser Leben gelebt. Bis heute schreiben wir uns Nachrichten und telefonieren gelegentlich. Aber einmal im Jahr treffen wir uns und sofort ist die Vertrautheit wieder da. Wir quatschen über alles, was uns (heute) wichtig ist und nicht nur über „weißt du noch damals“. Unsere Freundschaft hat unser Erwachsenwerden, das Familie gründen und Trennungen überlebt. Wir teilen nicht mehr alle Geheimnisse – nur noch die wichtigsten und sind trotzdem immer noch eng verbunden.

Ich hatte auch das Glück, im Alter von 56 Jahren noch eine tolle Freundin zu finden, die sogar in meiner Nähe wohnt. Bettina und ich waren vor einigen Jahren nach einer Operation in derselben REHA-Klinik. Wir haben uns gesehen, ein bisschen unterhalten und uns sofort wie Schwestern gefühlt. Seitdem verbringen wir viel Zeit zusammen und genießen unsere „Schwestern-Auszeit“.  Mal im Wellnesshotel, mal in der Sauna oder wir quatschen einfach stundenlang am Telefon oder bei einem Glas Sekt – BFF halt – best friends forever. Es fühlt sich an, als ob wir uns schon seit unserer Kindheit kennen würden.

Warum tun uns Freundinnen so gut?

Gute Freunde, die uns ein Leben lang geleiten – das wünschen wir uns. Freundschaften vermitteln uns das Gefühl, sozial eingebunden zu sein. Sie geben uns Halt, Energie und Wärme. Sie sind wichtig für bzw. gegen unseren Stresslevel, denn je enger und intensiver wir Freundschaften empfinden, desto entspannter gehen wir mit Stress um. Studien zeigen, dass uns Freunde bzw. Freundschaften tatsächlich gesünder machen.

Soziale Beziehungen sind so wichtig für unsere Gesundheit, dass es sich negativ auswirkt, wenn wir keine Freunde haben. Das geht so weit, dass Forschende Einsamkeit für schädlicher halten als keinen Sport zu betreiben.

Freundschaften nehmen wir als positive Zuwendung oder soziale Unterstützung wahr.  Wenn wir Hilfe brauchen, bekommen wir sie selbstverständlich von unseren Freunden und das vermindert unseren Stress.  Unser Körper schüttet weniger Stresshormone aus, wir schlafen besser und unser Immunsystem ist stabiler.

Freundschaften geben uns ein Gefühl der Sicherheit und das sorgt für einen entspannten Gesamtzustand!

Wie halten Freundschaften über Jahre bzw. Jahrzehnte?

Schon im Kindesalter miteinander spielen, nah beieinander wohnen, viele gemeinsame Erlebnisse – positive wie negative, buchstäblich durch dick und dünn gehen und etwas haben, was uns verbindet. Das sind gute Voraussetzungen für eine lebenslange Freundschaft. Wir Menschen brauchen diese sozialen Beziehungen, denn verschiedene Studien beweisen, dass wir so länger leben. Je mehr wir unsere Freunde und Freundschaften wertschätzen, desto gesünder, physisch fit und mental stark, schätzen wir uns selbst ein.

Am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit forscht man seit vielen Jahren am Ursache-Wirkung-Zusammenhang für diese Erkenntnisse. Die Terra X Plore Redakteurin Jasmina Neudecker wagt mit ihrer besten Freundin Laura Spindler das Experiment, mit dem die Forschenden des Institutes in ihrer Studie arbeiten. Jasmina und Laura schreiben jede für sich 4 Komplimente auf, die sie der Freundin später geben. Danach legen sich beide Frauen in ein MRT. Dort sind sie per Video miteinander verbunden und können sich sehen. Die Wissenschaftler spielen jetzt nacheinander die Komplimente ein, die die Freundinnen vorher aufgeschrieben haben. Das MRT ermittelt währenddessen, was sich in den Gehirnen der beiden abspielt.

Das Ergebnis

Ganz besonders werden die Regionen im Gehirn aktiviert, die mit Emotionen zu tun haben. Sehr aktiv ist auch das Belohnungssystem der Gehirne – es schüttet fleißig das Glückshormon Dopamin aus. Die Forschenden haben bei anderen Probanden herausgefunden, dass die Ausschüttung des Hormons sogar schon einsetzt, während diese die Komplimente aufschreiben. Unser Gehirn freut sich also schon darüber, dass wir unserer Freundin etwas Schönes sagen oder geben wollen, bevor wir es getan haben.

Also: Über häufige Komplimente freuen sich Senderin und Empfängerin!

Ein wichtiger Faktor ist u. a. die Konstanz in den Lebensumständen, die zu langen Freundschaften beiträgt. Lebensumbrüche wie häufige Umzüge und Jobwechsel oder Trennungen in der Partnerschaft sorgen dafür, dass Freundschaften einschlafen oder auseinander gehen. Aus den Wechseln im Leben ergibt sich so etwas wie ein „Schichtkuchen“ – eine Schicht Jugendfreunde, je eine mit Studienfreunden, Partnerschaft, Ehe, Arbeit, Trennung und so weiter. Jede Änderung ist eine Schicht – am Ende ist unsere Biografie eine Ansammlung der verschiedenen Schichten. Besteht unser Leben aus wenigen Schichten, ist es wahrscheinlicher, dass wir auch lange Freundschaften pflegen können. Bei „vielschichtigen“ Leben werden es tendenziell eher wenige dauerhafte Freundschaften sein.

Was macht eine enge Freundschaft aus?

Die wechselseitig empfundene hohe Qualität einer Freundschaft ist uns wichtig. Die gemeinsam verbrachte Zeit, das gemeinsame Erleben, eine gemeinsame Vergangenheit sind wichtige Faktoren und Indizien für eine enge Freundschaft. Die Anzahl der Freunde ist unwichtig, es geht um die Intensität der Beziehung. Es gibt eben nichts, was Freunde nicht für den oder die andere tun würden.

Das Alter bringt häufig noch einmal eine Veränderung der Freundschaften. Ältere Menschen wünschen sich eher einen kleinen Freundeskreis. Jede Freundschaft ist dabei aber intensiver und bedeutsamer. Der Wunsch und die Möglichkeiten, neue Freunde zu finden, werden weniger. Wichtiger ist, sich auf die vorhandenen Freunde zu konzentrieren und positive Kontakte mit wenig Konfliktpotential zu pflegen. Mit zunehmendem Alter verlieren wir unsere Freunde auch auf „natürliche“ Weise, was sicherlich die schwierigste Art ist, den Freundeskreis zu verkleinern.

Fazit

Mich hat die Dokumentation des ZDF „Diese Freundschaften halten dich gesund“ aus der Reihe Terra Xplore inspiriert, über die Freunde und Freundschaften, die ich habe, nachzudenken. Daraus ist dieser Beitrag entstanden.

Mir ist bewusst geworden, dass ich nur wenige enge Freundinnen habe. Meinen besten Freund habe ich vor einigen Jahren verloren – er ist einfach eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht. Noch heute fehlt er mir jeden Tag. In Zukunft werde ich mich noch mehr um die Freundinnen, die mir geblieben sind, kümmern.

Ich kann mir nur wünschen, dass Du so eine intensive Freundschaft, wie ich sie mit Bettina habe, erleben darfst.

Wenn Du magst, erzähle uns gerne von Deinen Freundinnen und Freundschaften. Hast Du eine enge Freundin, mit der Du das letzte Hemd teilen würdest?

Deine

Iris Hüttemann


Terra Xplore „Diese Freundschaften halten dich gesund“
Die Biologin Jasmina Neudecker will wissen, warum Freundschaften zu einem langen, glücklichen Leben beitragen
(Video verfügbar bis 18.03.2034)

Filmtipp: Wie Ikea den Planeten plündert

Filmtipp: Wie Ikea den Planeten plündert

Eine Arte TV Dokumentation zum Nachschauen

Durch Zufall habe ich eine Dokumentation (Links am Ende des Textes) gesehen, in der es um IKEA ging. Der Aufstieg des Gründers Ingvar Kamprad, seine genialen Schachzüge in der Marktentwicklung, effizienter Produktion, Vertriebsstrategien inklusive des Neuromarketings, Produktionsverlagerungen ins Ausland und dem weltweiten Ankauf von Waldgebieten.

Die von mir vermutete Erfolgsstory bekam spürbare Risse, als sich Zahlen, Bilder und Fakten zu einem düsteren Bild verdichteten.

Die offizielle Beschreibung der Arte-Produktion

Billy, Kallax, Lack: Die Produkte stehen in Wohnzimmern auf der ganzen Welt. Als weltweit führender Möbelproduzent verarbeitet IKEA jedes Jahr 20 Millionen Kubikmeter Holz. Trotz des immensen Verbrauchs wirbt der Großkonzern mit Umweltbewusstsein. Zu Recht? Der Dokumentarfilm deckt die weltweiten Verbindungen zwischen dem Möbelmulti und einer unkontrollierten Holzproduktion auf.

Um Produkte wie das Bücherregal „Billy“, das Regal „Kallax“ und den Beistelltisch „Lack“ auf der ganzen Welt verkaufen zu können, verarbeitet der Großkonzern jedes Jahr alle zwei Sekunden einen Baum. Trotz dieses immensen Verbrauchs wirbt der Konzern, der einen Jahresumsatz von über 44 Milliarden Euro erwirtschaftet, mit Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit. Ein grünes Image, das beim Verbraucher ankommt.

Doch die Realität sieht anders aus. Das Arte Filmteam verfolgte mehr als ein Jahr die Produktionskette von IKEA – von den Wäldern im hohen Norden Schwedens über die Küsten Neuseelands bis hin zu Plantagen in Brasilien und Waldgebieten in Polen und Rumänien. In einer internationalen Recherche deckte das Team die Verbindungen zwischen dem Möbelmulti und einer intensiven und unkontrollierten Holzproduktion auf.

Die Dokumentation untersucht, wie IKEA trotz ständiger Wiederaufforstung zur Zerstörung der Biodiversität beiträgt und den illegalen Holzhandel befeuert. Zum Beispiel in Rumänien, wo der Konzern 50.000 Hektar Wald besitzt und unterdurchschnittliche Produktionsbedingungen herrschen. Hier begehren Aktivistinnen und Aktivisten unter Lebensgefahr gegen die Holzmafia auf. „Wie IKEA den Planeten plündert“ gewährt Einblicke in ein globales Unternehmen, das mit seinem diskreten und expandierenden Holzbusiness Profit macht – als sei dieser Rohstoff, der im Kampf gegen den Klimawandel eine entscheidende Rolle spielt, unerschöpflich.

(Quelle: www.arte.tv)

Auszüge aus der Dokumentation, die mir eine Gänsehaut verursacht haben:  

Wie die Maus vor der Schlage hing ich vor dem Bildschirm und konnte mich nicht davon lösen. Warum das so war, kannst Du vielleicht an diesen einzelnen „Puzzlestücken“ erkennen, obwohl hier der gesamte Kontext nicht ersichtlich ist.

  • Nur 1% des Waldes wird geerntet, für jeden gefällten Baum werden 2 neue gepflanzt.
  • Ikea, eine Marke die sich jeder leisten kann. Aber zu welchem Preis?
  • Nadelbäume mit einem Stammumfang von über 250 cm haben Bestandsschutz. Das verhindert aber nicht, dass sie zur Abholzung markiert werden.
  • „Der Wald nützt uns als Wald viel mehr als nur das Holz.“
  • Früher wurden Möbel vererbt, heute kauft man ein Möbelstück und wirft es nach einigen Jahren wieder raus. Die Kunden kaufen, als wären die Rohstoffe unbegrenzt verfügbar.
  • Das Warenangebot, der Preis und das Marketing steuern den Konsum.
  • Produziert wird in verschiedenen Ländern mit Holz aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft, so das Unternehmen. Die Reporter konnten sich davon nicht überzeugen, da IKEA den Zutritt verweigert hat.
  • „Es ist schon bemerkenswert, wie perfekt es Unternehmen verstehen, ein grünes Bild von sich zu zeichnen – in Bezug auf Nachhaltigkeit und Verantwortung. Wenn wir nachfragen: Schweigen. Wenn sie nichts zu verbergen haben, warum können sie dann nicht ihre Lieferketten offenlegen?“ (Lina Burnelius, NGO Protect the Forest, Schweden)
  • IKEA ist der größte Holzkonsument der Welt. Um das Holz möglichst billig einzukaufen, um die Verbraucherpreise niedrig zu halten, schauen sie plötzlich nicht mehr so genau hin und fangen an, die letzten unberührten Wälder abzuholzen, weil es sonst keine mehr gibt, so der ehemalige Assistent des Firmengründers, Johan Stenebo.
  • Jedes Jahr verleibt sich IKEA etwa 1 % der globalen Holzernte ein. Der Konzern hat eigene Wälder angekauft, um seinen Bedarf zu decken. Heute besitzt er weltweit über 280.000 Hektar Wald.
  • „Was Fast Fashion, Fast Food und Fast Furniture gemeinsam haben, sind niedrige Preise und eine massive Umweltbelastung. Wenn etwas sehr günstig angeboten wird, zahlt mit Sicherheit irgendwer die Zeche. In diesem Fall zahlt die Natur den Preis für die Billigprodukte.“
  • Der Konzern erklärt, dass seine Wälder vom unabhängigen Forest Stewardship Council (FSC) kontrolliert werden und der habe nichts zu beanstanden. Doch was ist das Siegel tatsächlich wert, auf das sich IKEA beruft? Die Zertifizierer wurden von denen bezahlt, die das Holz haben wollten.
  • Der Verein für Umweltschutz „Agent Green“ führt mehr als 350 Prozesse gegen die Regierung wegen mangelnder Transparenz, Genehmigungen von Holzeinschlag, der gegen die EU-Richtlinien verstößt. In den letzten 2 Jahren wurden in den rumänischen Schutzgebieten mehr als 13 Mio. Kubikmeter Holz entnommen.
  • Zum Abtransport der Stämme wird der Boden aufgerissen und der Erosion ausgesetzt. „Sie führen Kahlschläge durch, holzen ganze Hänge ab und man kann deutlich sehen, wo sie schon waren. Zu allem Überfluss ist die Fläche auch noch FSC-zertifiziert, die Verbraucher haben keine Ahnung, dass der FSC auch Holz aus Kahlschlag, aus Nationalparks und aus Primärwäldern zertifiziert.“
  • Solange die EU Rumänien nicht vor den Europäischen Gerichtshof bringt, wird sich nichts ändern, die illegalen Fällungen werden weitergehen.
  • Paradox ist, dass etwa 40% der Fläche in Europa bewaldet ist, wir aber keine Europäische Waldpolitik haben. Klima und Artenschutz ist in Europäischer Hand, während die Forstpolitik nationale Politik ist. Wir haben nicht mal eine gemeinsame Definition für die nachhaltige Waldwirtschaft in der EU.
  • Schweden hat eine aktive Methode der Waldbewirtschaftung entwickelt. Diese Methode basiert auf Monokulturen, jede Parzelle wird mit Bäumen einer einzigen Art bepflanzt, die einige Jahrzehnte später neu geerntet werden.
  • Schweden ist nicht führend in nachhaltiger Forstwirtschaft, sondern in Greenwashing.
  • Wir vernichten die letzten kostbaren Wälder, anstatt sie zu schützen. Unsere Forstwirtschaft ist extrem klima- und umweltschädlich.
  • Nur wenige Kilometer vom Polarkreis entfernt zeigt sich, dass die Forstindustrie ganze Arbeit geleistet hat. Auch viele Jahre nach dem Einschlag gleicht das Gebiet einem Trümmerfeld; fast nichts ist nachgewachsen.
  • Der Forstexperte Jon Andersson zeigt auf ein kahlgeschlagenes Gebiet und erklärt, dass von dort das Holz von IKEA kommt, nicht von extra dafür gezogenen Bäumen. Das sind Jahrtausende alte Wälder, aus denen Möbel gefertigt werden, die nach 15 oder 20 Jahren auf der Deponie landen und verbrannt werden. Das erscheint mir ziemlich unnötig.
  • Durch das Verschwinden der Urwälder, finden die Tiere immer weniger Nahrung. Das schwedische Fortwirtschaftsmodell gefährdet die Rentier-Herden. 50 – 60 % der Weidefläche wurden durch die Forstindustrie zerstört.
  • Angesichts zunehmender Wetterextreme, scheint es an der Zeit, die wertvollsten Ressourcen unseres Planeten zu schonen und den Appetit der Forstindustrie zu zügeln.

Fazit:

Aus einer guten Idee und einer ständigen Weiterentwicklung ist der IKEA-Konzern bis zum heutigen Tag gewachsen. In einer Zeit der Diskussionen um nachhaltiges Wirtschaften, Umweltbewusstsein und Ressourcenschonung, sollte man sich an den eigenen Ehrenkodex halten. An die Werte, die man schon zu Beginn auf der Fahne stehen hatte.

Das Umschwenken auf Gewinnmaximierung ist – und das nicht nur in dieser Branche – durchaus üblich, doch ich würde mich freuen, wenn immer mehr Unternehmen sich doch an ihre Grundwerte erinnern und diesen Weg gehen. Davon profitieren letzten Endes unsere Welt und ihre Bewohner.

Link zum Beitrag:

Arte auf Youtube: „Wie Ikea den Planeten plündert“ Doku (2023)

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ARD Mediathek, SWR Dokumentation: Die Ausbeutung der Urwälder (verfügbar bis 06.11.2027)