Fürs Leben lernen – in der Schule?

Fürs Leben lernen – in der Schule?

Machen die Schule oder der Sport wirklich fit für das Leben? Sind die Jahre der Jugend (also quasi die Ausbildungszeit) wirklich darauf ausgelegt, junge Menschen auf die Realität im Alltag vorzubereiten? Was hilft den Lernenden in der Vorbereitung auf das Leben, welche Fächer machen Sinn? Gibt es alternative Konzepte? Und wenn ja, wie erfolgreich ist die Umsetzung und wo sind die (politischen) Grenzen des Lernens durch die Lehrpläne festgelegt?

Das Bildungssystem steht immer wieder in der Kritik. Ob das schlechte Abschneiden in der Pisa-Studie, Aussagen von Unternehmen, die über den unzureichenden Wissensstand der Auszubildenden klagen oder von Abiturienten, die nicht wissen, welchen Studiengang sie aus der unübersichtlichen Fülle auswählen sollen, um einen „Treffer“ zu landen. Doch das ist schon das Ende der Schulzeit, wie sieht es vorher aus?

Selbst 14-jährigen Schülern ist klar, dass sie vieles nicht wissen, wenn sie später mit der Schule fertig sind. Die Herausforderung der Wäschesortierung und der Bedienung der Waschmaschine, die Verwaltung der eigenen Finanzen oder allgemeine Kenntnisse zu (notwendigen) Versicherungen – alles Themen, die im Unterricht kaum vermittelt werden. Im WDR Beitrag „Lernen fürs Leben: Diese Schule unterrichtet in Haushalt, Handwerk & Kochen | neuneinhalb | WDR“ verneinen junge Menschen die Frage, ob sie sich für das Leben gut gerüstet fühlen.

Fragt man junge Sportler:innen danach, werden positive Lernerfahrungen genannt, wie Disziplin, Teamgeist, Durchhaltevermögen, die Freude am Gewinnen und das Aufstehen, wenn man verloren hat. Das sind durchaus wichtige Aspekte, die zukünftig sicher helfen werden. Doch was ist mit praktischen Dingen, wie selbst Kochen, Schränke zusammenbauen, Tapezieren und Gärtnern? Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Das Gymnasium in Würselen hat in einem Workshop mit Eltern, Schülern und Lehrkräften eine Lösung erarbeitet und das Lehrfach „Fit for Life“ etabliert. Ein Fach, das bei den Jugendlichen sehr gut ankommt.

Am Gymnasium Mainz-Mombach ist alles anders. Die Schule gibt es seit 2023 und Klassenzimmer sucht man hier vergeblich. Es sieht eher wie in einem Start-Up-Bereich aus, in dem es viele Einzel-Arbeitsplätze nebeneinander und anders gestaltete Räume gibt. Die Schüler lernen selbstständig und wählen selbst, was sie lernen möchten. Anhand verschiedener Themen wird der Lernstoff fächerübergreifend in Projektarbeiten vermittelt. Die Pausen können selbst gewählt und an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Die Regel ist: Wer eine Pause braucht, verlässt den Arbeitsplatz und sucht andere Räumlichkeiten auf. Das Schöne ist, dass auch Kinder, die in einem klassischen Schulsystem untergehen würden, sich in diesem Konzept gut integrieren können und sich wohlfühlen.

Im themenorientierten Lernen (TOL), werden verschiedene Kompetenzen erarbeitet, die für das Leben nach der Schule hilfreich sind. Soziale Interaktion in der Gruppenarbeit, Kreativität und die Orientierung an den Timelines bilden ein kurzweiliges „Programm“, in dem das Lernen leichter fällt als im Frontalunterricht. An dieser Schule hat sich das Lehrerkollegium überlegt, wie sie den Lernstoff vermitteln wollen. Diese Freiheiten gibt es im Lehrplan, sie erfordern aber auch ein hohes Maß an Engagement der Lehrenden. In der Vorbereitung war es sehr überraschend, dass sich fast alle Fächer aus dem Lehrplan in den TOLs abbilden lassen. Der SWR hat die 5. Klasse ein Jahr begleitet. Der Anfang war ein bisschen holprig, der Umgang mit selbstorganisiertem Lernen war für viele Schüler:innen durchaus fordernd. Doch nach der Eingewöhnung waren alle begeistert. Sogar für die Lehrer war es bereichernd zu sehen, was sich in einem Jahr bewegt hat und wie sie jungen Menschen helfen konnten, selbstverantwortlich aktiv zu sein. Der SWR-Beitrag „Schule in Deutschland: Dieses Gymnasium macht alles anders | Doku“ macht diese Entwicklung sichtbar.

Ein etwas anderes Konzept gibt es in der Goethe-Realschule Plus in Koblenz. An vier Tagen gibt es den „normalen“ Unterricht – und dann ist da der FreiDay. Der wird auch in der Schule verbracht, aber die Schüler:innen arbeiten an eigenen Projekten. Das Oberthema ist je Klasse und Halbjahr vorgegeben, die Ausführung ist dann Schülersache. Hier findet sich das fachübergreifende Lernen wieder. Positiv aufgefallen ist, dass Kompetenzen der Lernenden sichtbar werden, die ohne die Projektarbeit nicht aufgefallen wären. Diese Erkenntnis und noch weitere Einblicke in unterschiedliche Schulkonzepte in Rheinland-Pfalz gibt es im SWR-Beitrag „Die 4-Tage-Schule: Wie der FreiDay alles verändert | Doku“.

Wenn sich diese Konzepte erfolgreich weiterentwickeln, hat die Politik wohl kaum eine andere Möglichkeit, als die Lehrpläne und Freiräume für Schulen anzupassen, um solche innovativen Lernkonzepte ermöglichen. Deutlich wird jedenfalls, dass Lernen leichter fällt und noch Spaß macht. So wird Wissen vermittelt, das junge Menschen auf ein nachhaltigeres und selbstbestimmtes Leben vorbereitet – und das wirkt sich auf die berufliche und private Zukunft sicherlich positiv aus.

Wie siehst Du das? Welche Schulkonzepte sind Dir schon begegnet? Lass uns gern einen Kommentar da 😊.

Linkübersicht und weiterer Beitrag

SWR Aktuell auf Youtube: Schule in Deutschland: Dieses Gymnasium macht alles anders | Doku

WDR auf Youtube: Lernen fürs Leben: Diese Schule unterrichtet in Haushalt, Handwerk & Kochen | neuneinhalb | WDR

SWR auf Youtube „Die 4-Tage-Schule: Wie der FreiDay alles verändert | Doku

ARD Alpha Mediathek – Tagesgespräch: Joggen, Tanzen, Fußballspielen: Was kann man vom Sport fürs Leben lernen? (verfügbar bis 18.09.2030)