Heute weiß man, dass Frauen und Männer in der Medizin nicht gleichbehandelt werden dürfen – es im Gegenteil lebenswichtig ist, die medizinischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu kennen und zu beachten. Aber zu dieser Erkenntnis ist man erst in den letzten Jahren gekommen. In der Antike, im Mittelalter und sogar noch im 19. Jahrhundert waren die überwiegend männlichen Mediziner anderer Ansicht.
Wie Frauen aus der Medizin herausgehalten wurden
In der Antike hatten alle Krankheiten der Frau – Schmerzen, Veränderungen am Körper, seltsames Verhalten – eine Ursache: Hysterie. Benannt nach der Gebärmutter Hystéra.
Therapiert wurde ganz einfach mit Düften oder Schwangerschaft. Viele Jahrhunderte mussten Frauen unter diesen männlichen Ansichten leiden.
Im Mittelalter wurde es nicht besser. Hinter der hysterischen oder irgendwie auffälligen Frau vermutete „Mann“ dämonische Kräfte. Hexenverbrennungen und Teufelsaustreibungen waren die bevorzugten Mittel. Die Leiden der Frauen wurden mit Folterungen, oft bis zum Tod, „behandelt“.
In den folgenden Jahrhunderten gab es für die Frauen weiterhin keine Verbesserung. Die Gebärmutter wurde im „Krankheitsfall“ einfach komplett entfernt – was nur die wenigsten Frauen überlebten. Im 19. Jahrhundert waren aus Sicht der Männer die meisten Frauen hysterisch und die Behandlungen sahen die Ehe und Schwangerschaften als die wichtigsten „Medikamente“ vor. Es gab aber auch eine Reihe fragwürdiger Methoden – Intimmassage, Hypnose oder die Ovarienpresse. Erst Sigmund Freud (1856 – 1939) war der Meinung, dass auch Männer unter Hysterie leiden können – eine kleine „Entlastung“ für die Frauen. Heute ist Hysterie nicht mehr als Krankheit anerkannt. Aber etwas ist bis heute hängengeblieben. Körperliche Beschwerden von Frauen werden immer noch häufiger als übertrieben oder eingebildet abgetan, als das bei Männern der Fall ist.
Genderspezifische Nebenwirkungen
Medikamente haben durchaus eine geschlechterspezifische Wirkung, die sich mit negativen Ergebnissen bemerkbar macht. Schmerzmittel wirken bei Frauen anders als bei Männern. Wie das Beispiel Ibuprofen zeigt, ist die Wirkung bei Frauen weniger schmerzlindernd als bei Männern. Die Psyche wird je nach Geschlecht ebenfalls anders beeinflusst.
Wieso entdecken Wissenschaft und Medizin erst jetzt die geschlechtsspezifischen Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten?
Ganz einfach: In der Vergangenheit befanden sich unter den Probanden von klinischen Studien keine Frauen. Grund war der Contergan-Skandal Anfang der 60er Jahre, der gezeigt hat, wie fatal die Freigabe von unsicheren und nicht ausreichend getesteten Medikamente für Frauen sein können. Das veränderte die Zulassung neuer Arzneimittel. Ab 1978 mussten Medikamente erstmals in klinischen Studien getestet werden – allerdings nur von Männern, denn bei Frauen konnte eine frühe Schwangerschaft noch nicht sicher erkannt werden. Außerdem schwankt der Hormonhaushalt der Frauen stark und die Pharmafirmen befürchteten wechselnde Reaktionen auf die Wirkstoffe – Männer haben diese Schwankungen nicht. Die Studien wurden durch den Ausschluss der Frauen auch viel einfacher durchführbar und führten schneller in die gewinnbringende Marktreife. Leider war das viel zu kurz gedacht, denn so fehlten wichtige Daten. Das führte in den Behandlungen immer wieder zu falschen Dosierungen und teilweise zu heftigen Nebenwirkungen bei Frauen.
Erst seit Anfang der 2000er Jahre werden auf Betreiben der europäischen Arzneimittelagentur neue Medikamente auch an Frauen ausreichend getestet, bevor sie in den Handel kommen.
Heute sind 10 bis 80 Prozent der Probanden weiblich. Der Prozentsatz richtet sich danach, wie oft die zu behandelnde Krankheit bei Männern und Frauen vorkommt. Überraschende, geschlechtsspezifische Nebenwirkungen gehören also hoffentlich der Vergangenheit an.
Warum wir geschlechtsspezifische Medizin brauchen
Die beiden Beiträge verdeutlichen, dass Frauen lange Zeit in der Medizin vernachlässigt worden sind. Heute weiß man, dass Frauen und Männer in der Medizin nicht gleichbehandelt werden dürfen – es im Gegenteil lebenswichtig sein kann, die medizinischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu kennen und zu beachten. Egal, ob es sich um Krankheitssymptome, Krankheitsvorkommen oder die Nebenwirkungen von Medikamenten geht.
Unser Geschlecht beeinflusst, wie wir erkranken und wie wir behandelt werden sollten. Besonders deutlich zeigt das COVID-19 – Männer erkranken oft schwerer daran als Frauen. Dagegen leiden Frauen häufiger an Impfnebenwirkungen.
Die geschlechtsspezifischen Unterschiede werden in der Medizin bis heute oft nicht richtig erkannt. Warum ist die Gleichbehandlung so gefährlich?
Hier nur ein Beispiel: Männer und Frauen entwickeln bei der gleichen Erkrankung, wie einem Herzinfarkt, völlig unterschiedliche Symptome. Für Mediziner ist dies nicht immer sofort zu erkennen.
Erst durch den Blick in den weiblichen und männlichen Körper werden die Unterschiede deutlich. Die Gene (Frau xx, Mann xy), die Sexualhormone (Männer: Testosteron, Frauen: Östrogen) und die Köpergröße (Männer sind normalerweise größer als Frauen) machen den Unterschied.
Die Beckenbodenmuskulatur ist zwar von außen nicht sichtbar, aber sie erfüllt wichtige Aufgaben. Sie hält die inneren Organe an ihrem Platz und verhindert einen unkontrollierten Harn- oder Stuhlabgang. Durch dauerhafte Belastungen wie körperliche Anstrengungen, falsches Heben, sprungintensive Sportarten, Schwangerschaften oder bei einem schwachen Bindegewebe wird diese Muskelgruppe geschwächt. Fehlt dem Beckenboden erst einmal die Kraft, können körperliche Beschwerden (z. B. Inkontinenz) auftreten. Sogar Absenkungen der Scheide, der Gebärmutter oder des Mastdarms können eine Folge sein.
Linderung von Beschwerden
Durch ein gezieltes Beckenbodentraining lassen sich leichte bis mittlere Beschwerden häufig lindern. Es ist daher sinnvoll, über eine vorbeugende Stärkung der Muskelgruppe nachzudenken. Das aufbauende „Krafttraining“ ist in entsprechenden Präsenzkursen oder auch Zuhause möglich, z. B. mit dem Elvie Beckenbodentrainer.
Therapeutische Behandlung: Pessare
Nicht als Verhütungsmaßnahme, sondern als Therapie sind Pessare für manche Frauen ein wirksames Hilfsmittel, da sie in die Scheide eingeführt werden und die Organe im Becken unterstützen. Sie beheben nicht die Ursache der Senkung, aber Forscher vermuten, dass sie zur Kräftigung des Beckenbodens beitragen. Meist müssen mehrere Formen und Größen ausprobiert werden, um eine ausreichende Unterstützung bewirken zu können. Sollen Operationen vermieden oder hinausgezögert werden, sind Pessare eine gute Alternative – durchaus in Kombination mit einem Beckenbodentraining.
Nachteile von Pessaren
Wiederkehrende Kontrollen und ärztliche Untersuchungen sind beim Einsatz von Pessaren notwendig, da durch den permanenten Druck auf die Scheidenschleimhaut Gewebsveränderungen entstehen können. Weitere Nachteile sind möglicherweise entstehende Scheidenentzündungen. Außerdem ist Geschlechtsverkehr nicht mit jedem Pessar möglich. Zudem müssen sie regelmäßig gewechselt und gereinigt werden.
Entscheidungshilfe für Behandlungsmethoden
Im Artikel des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) findest Du weitere Informationen und eine ausführliche Entscheidungshilfe. Dort sind die wichtigsten Vor- und Nachteile zusammengefasst.
Mit den Unsicherheiten zum Thema Intimpflege ist jetzt Schluss, denn die beiden Gründerinnen von DEO DOC, einer Marke für Intimpflege und Hygieneprodukte, haben sich vor acht Jahren entschieden, gesunde Produkte zu entwickeln und für eine bessere Aufklärung zu sorgen.
In der „Welt“ haben wir einen wunderbaren Artikel zur Entstehungsgeschichte von DEO DOC entdeckt, der über die Geschwister Dr. Hedieh und Hasti Asadi berichtet, die das Tabuthema „Intimpflege“ nicht hinnehmen wollten.
Aus der Lösungssuche für ein Geruchsproblem hat sich ein Business entwickelt. Ihre damalige Marktbeobachtung und Analyse haben ergeben, dass es kaum vernünftige Produkte zur Pflege des Intimbereichs gibt. Es lag wohl nicht allein daran, dass häufig Männer an der Entwicklung beteiligt waren, auch an die Frauengesundheit wurde nicht immer gedacht. Es gibt zum Beispiel Tampons aus synthetischen Materialien, deren Fasern sich im Gebärmuttereingang ablagern, oder Seifen, deren pH-Wert nicht an das Milieu der Vulva angepasst ist.
Die Geschwister wollen gesunde Produkte entwickeln. Produkte, die auf die Bedürfnisse des weiblichen Intimbereichs eingehen und dadurch Frauen helfen, sich in ihrem Körper wohlzufühlen. Das haben sie zusammen mit der Gynäkologin Gunvor Ekman-Ordeberg sehr erfolgreich umgesetzt und verkaufen die schön gestalteten Produkte über ihren Shop. Das Sortiment ist mittlerweile breit aufgestellt und beinhaltet Waschgele, Deotücher und Rasierschäume bis zu Baumwoll-Tampons bzw. -Binden, Badezusätze und Gleitmittel.
Hedieh und Hasti Adadi machen sich auch für die Aufklärung stark. Mit der „Vulva-School“ auf der Website und viel Aktivität in den Social-Media-Kanälen haben sie sich eine dankbare Fangemeinde aufgebaut. Sie posten Videos, geben Tipps und Anregungen rund um die Intimpflege, damit das Tabuthema weiterhin im Gespräch bleibt und Frauen wissen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind.
Der Achtsamkeitshype birgt für Menschen mit psychiatrischen Problemen auch Gefahren, wie in einem Beitrag der „Brigitte“ vom 18.01.2022 zu lesen ist.
Gefährliche Achtsamkeit
Dr. Jason N. Lindner verweist in einem Beitrag auf „Psychology Today“ darauf, dass einige Rituale der Achtsamkeit unter anderem die mentale Gesundheit verschlimmern können. Das geht aus über 20 veröffentlichten Berichten oder Studien über Achtsamkeits- und Meditationserfahrungen hervor, in deren Folge eine medizinische Aufmerksamkeit oder zusätzliche Behandlung erforderlich waren.
Der achtsame Umgang mit sich selbst ist eigentlich eine gute Idee, die Übungen sind häufig effektiv und hilfreich. Doch bei Menschen mit Depressionen und Traumata können ungewollte „Nebenwirkungen“ auftreten, wie z. B. Flashbacks, die mit einer intensiveren Wahrnehmung einher gehen. Auch bei anderen psychischen Störungen sind negative Auswirkungen nicht auszuschließen.
Jason Lindner verweist auf Veröffentlichungen der American Psychological Association und des National Institut of Health (NIH), aus denen hervorgeht, dass Meditationen gewisse „psychiatrische Probleme“ verschlimmern können.
Nicht alles ist für alle gut
Uns begegnen täglich Unmengen an Hinweisen, die unseren Fokus auf die Achtsamkeit lenken wollen. Von Apps, die uns mit schöner Regelmäßigkeit ins Hier und Jetzt zurückholen, über Coaches, die uns mit wundervollen Meditationsübungen aus der Hektik in die Entspannung bringen, bis zu Literatur, in der uns erklärt wird, wie wir To-Do-Listen achtsam reduzieren und abarbeiten können.
Achtsamkeit ist für viele Menschen ein guter erster Schritt, aber er alleine reicht nicht aus, ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Dazu müssen wir Fähigkeiten und Strategien entwickeln, die zu dauerhaften Veränderungen führen können.
Einen Penis kann jede:r zeichnen. Wie die anatomisch korrekte Vagina oder Vulva aussieht, wissen die wenigsten. Nur wenige Frauen bemühen einen Spiegel, um sich das „da unten“ mal genauer anzusehen.
Es fängt schon mit den Begrifflichkeiten Vulva und Vagina an. Kannst Du die Begriffe genau zuordnen? Weißt Du im Detail, wo Deine Klitoris, der Damm oder Dein Harnausgang liegen, was die inneren oder äußeren Schamlippen sind?
Die weiblichen Genitalien sind ein großes Mysterium und das „da unten“ immer noch Terra incognita. Viele Frauen stellen sich die Frage: „Bin ich normal?“. Damit müssen wir aufhören und die weiblichen Genitalien aus der Schamzone holen. Die Vulva ist für die Frau ein Körperteil, wie eine Hand oder ein Fuß, wo diese Frage ja schließlich auch nicht gestellt wird.
Eine 2018 in der Schweiz durchgeführte Untersuchung hat die Vulven von über 650 Frauen zwischen 15 und 84 Jahren vermessen. Dabei kam Erschreckendes zu Tage: weniger als 30 % der Frauen wissen, was mit Vulva gemeint ist. Sie sprechen stattdessen von Vagina, Scheide oder „da unten“. Ein weiteres, ganz banales Ergebnis: die Variationen der Vulven sind erheblich. Sie sind, wie unser gesamter Körper – Hände, Ohren, Brüste oder Gesicht – asymmetrisch und individuell. Die Vielfalt ist also normal, keine Vulva gleicht der anderen.
Jede Frau ist schön, wie sie ist!
Wenn Vulven abgebildet werden, in Aufklärungsbüchern, der Aktfotografie oder in Pornos, dann meistens in einer perfekten Form – geschlossen, glatt, sehr jung, operiert oder fotografisch nachbearbeitet. Sehr selten sind sie faltig, dunkel gefärbt oder sehr groß.
Dieser zur Schau gestellte Perfektionismus hat in den Jahren 2014 bis 2018 zu einem 20%igen Anstieg der intimchirurgischen Eingriffe geführt. Operationen sind sinnvoll, wenn Frauen unter wund geriebenen Genitalien leiden, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr haben oder ihre Genitalien beschnitten wurden – mehr Informationen hierzu gibt es in der Dokumentation. Einem Schönheitsideal nachzueifern, sich „optimieren“ zu lassen, ist unnötig und – nebenbei bemerkt – sind diese Eingriffe auch nicht ohne Risiko.
Zuallererst müssen wir lernen, uns selbst zu lieben, uns und unserem Körper schön finden.Wir dürfen endlich damit aufhören, uns mit den retuschierten Schönheiten der Hochglanzhefte zu vergleichen. Wir sollten den Mut und die Offenheit haben, unsere Sexualität an uns selbst zu erfahren und über unsere sexuellen Wünsche zu sprechen. Das ist so wichtig für unser Wohlbefinden, die Beziehung zu unseren Partner:innen und unsere Befriedigung.
Die weibliche Lust
Unsere Duldsamkeit in Beziehung auf unseren Orgasmus, unsere Vorstellung, dass es wichtiger ist, den Mann zum Orgasmus zu bringen als selbst einen zu haben – ein beharrliches Überbleibsel des viktorianischen Zeitalters (1837 – 1901). Hier haben Männer Frauen ihre Sexualität abgesprochen. Sie sollten hinter dem Herd glücklich sein und mit Sex „nichts am Hut“ haben, es sei denn, es diente der Befriedigung des Mannes. Von der Lust der Frau war nicht die Rede, die Gesellschaft tabuisierte die weiblichen Genitalien und die Wissenschaft fügte sich dem Zeitgeist.
Heute haben sich viele Wissenschaftler:innen der Forschung an den weiblichen Genitalien verschrieben und die Enttabuisierung der weiblichen Lust zur Aufgabe gemacht. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten entstehen exakte 3D Modelle der Vulva. Die Aus- und Weiterbildungen der Fachärzte werden um die neuen Erkenntnisse erweitert. Frauenärzt:innen beraten und vermitteln Frauen ein Bild ihrer Vulva und klären über ihre Mechanismen auf. Künstler:innen und Aktivist:innen backen Vulvatörtchen oder modellieren Vulven in Gips.
„Wenn man nicht mehr scharf sieht, muss man eben eine Brille tragen.“ So denken viele Menschen, ohne sich darüber bewusst zu sein, dass Brillen und Kontaktlinsen nur Hilfsmittel sind. Sie verbessern die Augen nicht, sie gleichen „nur“ Sehschwächen aus, die Ursachen bleiben bestehen.
Training der Augen: wieso das denn – und geht das überhaupt?
Vielleicht hast Du noch nie von einem Sehtraining gehört und fragst Dich: „Geht das überhaupt? Kann man die Augen trainieren und das Sehen verbessern? Kann man ggf. eine Brille wegtrainieren?“
„Ja!“ Jeder kann seine Augen und die Sehfähigkeiten trainieren. Schwer ist es nicht – im Gegenteil: es macht sogar Spaß. Ob Du damit auch eine Brille wegtrainieren kannst, hängt von der Art und Ursache Deiner Sehschwäche ab.
Alterssichtigkeit muss nicht jeden treffen
Präventiv lässt sich die Abhängigkeit von einer Lesebrille bei Altersweitsichtigkeit (wenn die Arme zu kurz werden) sehr gut mit dem Sehtraining verhindern oder hinauszögern. Alterssichtigkeit (Presbyopie) muss nicht jeden treffen, vor allem nicht schon mit Mitte 40, wie es heute oftmals zu sein scheint. Ziel des Sehtrainings ist es, die Augen und das Sehen so lange wie möglich gesund und dynamisch zu erhalten, dabei präventiv vorzugehen und akute Beschwerden zu verringern. Dadurch wird das Gehirn bei der Verarbeitung von Informationen unterstützt. Das ist hilfreich und sinnvoll für Fehlsichtige wie für Normalsichtige, ganz besonders in einer Zeit, in der immer mehr Menschen unter digitalem Sehstress leiden.
Verbesserung der Sehfähigkeit bis ins hohe Alter
Wir alle haben das Sehen bis etwa zum 14. Lebensjahr erlernt – und es kann bis ins hohe Alter verbessert werden. Ebenso können selten genutzte Sehfunktionen verlernt werden oder nachlassen. Ein ganzheitliches Sehtraining bietet praktische Kurzübungen und wichtige Erkenntnisse, um das gesamte Sehsystem fit und dynamisch zu halten.
Ein gutes Sehvermögen zu haben, bedeutet weitaus mehr als nur scharf zu sehen. Es wirkt sich auf viele Bereiche aus, wie auf das Selbstbewusstsein, die Konzentrationsfähigkeit und die Sicherheit im Straßenverkehr. Durch gezielte Übungen kannst Du die verschiedenen Sehfähigkeiten, wie zum Beispiel die Wahrnehmung im Gesichtsfeld oder das räumliche Sehen, verbessern. Im (Profi)-Sport werden diese Techniken schon lange angewandt, um die Reaktionsfähigkeit zu verbessern und zielgenauer, schneller reagieren zu können.
Entspannung und Nährstoffe sind förderlich
Ein wichtiges Thema beim Sehtraining sind Entspannungsübungen und das Wissen über wichtige Nährstoffe. In nur wenigen Minuten kannst Du:
angespannte Augen wirkungsvoll regenerieren,
den Druck aus den Augen nehmen,
etwas gegen trockene Augen tun und
Erkrankungen wie dem Grauen und Grünen Star präventiv entgegenwirken.
Hast Du gewusst, dass ein Mangel an Vitamin A die gleichen Symptome auslöst, wie die (recht seltene) Krankheit der Nachtblindheit?
Drastischer Anstieg von Augenerkrankungen in den letzten Jahren
Die Statistiken zu Sehschwächen und schweren Augenerkrankungen zeigen, dass die Krankheitsfälle seit Jahren dramatisch ansteigen. Weltweit sind bereits 80% aller Jugendlichen in Großstädten von Kurzsichtigkeit betroffen. Man vermutet, dass die Gründe dafür in der einseitigen Belastung der Augen durch digitale Medien und zu wenig Aufenthalt im Tageslicht liegen.
Integration des Sehtrainings in den Tagesablauf
Auf große und kleine Bildschirme können wir nicht mehr verzichten, aber jeder kann einen bewussten und achtsamen Umgang mit seiner individuellen Sehkraft erlernen. Darum geht es in meinen Seminaren. Auf mühelose Weise und mit Spaß, lässt sich ganzheitliches Sehtraining in jeden Tagesablauf integrieren. Schon nach kurzer Zeit werden sich Erfolge einstellen und gesunde Sehgewohnheiten etablieren.
Übungen für ein besseres Sehvermögen
Damit Du Dir selbst ein Bild über die Wirksamkeit machen kannst, stelle ich Dir drei Übungen vor. Alle kannst Du mehrmals täglich – bitte ohne Sehhilfe – machen. Lächle, denn Lächeln erleichtert das Lösen der Anspannung.
Übung: Häufig Blinzeln, um trockene Augen zu vermeiden
Wenn wir konzentriert auf einen Bildschirm schauen oder ein spannendes Buch lesen, unterdrücken wir oft unbewusst den reflexartigen, natürlichen Lidschlag. Auf Dauer kann dies zu einer schlechten Sehgewohnheiten führen und wir blinzeln nur noch 3 bis 7 Mal pro Minute. Das ist eindeutig zu wenig!
Wenn Du mehrmals täglich etwa für 1 Minute bewusst ganz schnell die Augen öffnest und schließt, wirkst du dieser Angewohnheit entgegen. Dein natürlicher Lidschlag kann sich dadurch (schnell) wieder auf 10- bis 15 Mal pro Minute einpendeln und deine Augen werden besser versorgt.
Vorteile: Der Blick wird klarer, die Augen werden mit Tränenflüssigkeit befeuchtet und gereinigt, die Hornhaut wird mit Sauerstoff versorgt und das Gehirn holt sich eine Pause.
Übung: Abdunkeln („Palmieren“) zum Stressabbau
Mache es Dir im Sitzen oder Liegen bequem und schließe Deine Augen. Lege Deine Handflächen samt Finger vollflächig aneinander und reibe sie so schnell wie möglich, bis sie warm werden. Lege nun die Hände leicht gewölbt so über die geschlossenen Augen, dass die Handflächen auf den Wangen und die oberen Fingergelenke auf den Augenbrauen positioniert sind. Die Finger liegen dabei dicht aneinander und die Nase bleibt frei.
Atme entspannt und genieße die Wärme, bis sich hinter den geschlossenen Augenlidern eine tiefe Schwärze eingestellt hat. Nimm nun die Hände weg, lasse die Augen noch einen Moment geschlossen und beginne dann ein paar Mal zu blinzeln.
Tipp: Schaue vor und nach der Übung bewusst kurz um Dich und achte darauf, ob Du einen Unterschied bemerkst.
Vorteile: Mit dieser Übung entspannst Du Muskeln und Nerven, regenerierst die Sehzellen, Dein Blick wird schärfer und klarer.
Übung: Klopfen stimuliert die Durchblutung
Klopfe mit Deinen Fingerspitzen (wie beim Fingertrommeln auf einer Tischplatte) leicht auf den Bereich um Deine Augen. Von den Augenbrauen über die Schläfen, den unteren Augenknochen und über die Nase wieder nach oben. Wechsele auch mal die Richtung. Achte darauf, nicht auf die Augenlider zu klopfen.
Vorteile: Die Übung regt die Durchblutung an, löst Spannungszustände spürbar und fördert das frische Aussehen der Augenpartie.
Historie: Sehtraining ist schon über 100 Jahre alt
Sehtraining ist keine neumodische Erfindung. Bereits in den 1920er Jahren wurden diese Übungen vom New Yorker Augenarzt und Forscher Dr. Wilhelm Bates (1860 – 1931) entwickelt.
Er war der Meinung, viele Sehfehler seien durch falsche Sehgewohnheiten erworben. Nachdem er vielen Menschen mit seinen einfachen Übungen helfen konnte, verbreiteten sich die Bates-Methode auch in Europa und Asien. Jedoch wurde sie von seinen Kollegen in der Ärzteschaft nie anerkannt.
Seiner Zeit weit voraus, betrachtete Bates das Sehen ganzheitlich.
„Sehdefekte und sogar Krankheiten können durch emotionalen Stress und Druck beeinflusst werden. Nicht unsere Augen lassen uns im Stich, sondern wir lassen sie im Stich …“
(W. Bates)
Ich hoffe mein Artikel über ganzheitliches Sehtraining hat Dir „die Augen geöffnet“. Schreibe mir gern einen Kommentar über Deine Erfahrungen mit den hier vorgestellten Übungen.
Viele Grüße
Annette Eickelmann
Die Autorin: Annette Eickelmann, zertifizierte Sehtrainerin und Lifekinetik Trainerin
Es macht mir Spaß, mein Wissen zu teilen, anderen Menschen die Einfachheit und Effizienz dieser Techniken näher zu bringen. Ich freue mich, wenn es bei anderen „klick“ macht und der Sinn der Übung für ihn „spürbar“ und „sichtbar“ wird.
Bevor ich anfing, Kurse zu geben, war ich viele Jahre als Tournee Busfahrerin in ganz Europa unterwegs. Meine eigenen Erfahrungen mit Sehtraining sowie das Wissen aus den Ausbildungen, bewegten mich dazu, ein spezielles Schulungs-Konzept zu entwickeln, das auf die hohen Sehanforderungen im Verkehr abgestimmt ist. Beim DEKRA-Award 2019 (für innovative Methoden) wurde dieses Konzept als hervorragend bewertet und in der Kategorie „Sicherheit im Verkehr“ nominiert.