Mitternachtsmission Teil 2: Hilfe für die Opfer von Menschenhandel

Mitternachtsmission Teil 2: Hilfe für die Opfer von Menschenhandel

Andrea Hitzke ist Sozialarbeiterin und leitet seit 2012 die Dortmunder Mitternachtsmission e.V., die eine Beratungsstelle für Prostituierte, Ehemalige und Opfer von Menschenhandel unterhält. Der Verein ist bundesweit anerkannt und Mitglied im Dachverband des Diakonischen Werks. Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.

Hallo Andrea, herzlichen Dank für Deine Zeit, uns ein Interview zu geben. Im ersten Teil haben wir über die Hilfe von Sexarbeiter:innen gesprochen. Jetzt wollen wir über die Hilfen für Opfer von Menschenhandel sprechen. Warum betrachtet ihr diese beiden Bereiche separat?

Wir sehen die beiden Bereiche getrennt, da die jeweilige Situation unterschiedlich ist. Mit der Prostituiertenhilfe unterstützen wir Sexarbeiter:innen, die sich aus unterschiedlichen Gründen zur Ausübung der Prostitution entschieden haben. Sie treffen eigene Entscheidungen in Bezug auf ihre Arbeitsbedingungen. Opfer von Menschenhandel sind jedoch Betroffene eines Verbrechens, die zum Zweck der sexuellen Ausbeutung zur Prostitution gezwungen werden. Sie sind meist stark traumatisiert. Diesen Menschen bieten wir, als spezialisierte Fachberatungsstelle (FBS) für Opfer von Menschenhandel im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen, Hilfe und Schutz an und arbeiten dabei gut mit den Behörden und der Polizei zusammen.

Die Notwendigkeit der Zusammenarbeit ist durch die Schutzbedürftigkeit der Opfer nachvollziehbar. Doch bevor wir darauf weiter eingehen, möchte ich die Begrifflichkeiten klären: Menschenhandel wird häufig mit dem Begriff der „Schleusung“ in Verbindung gebracht. Was ist der Unterschied?

Mit „Schleusung“ ist die Hilfe bei einem illegalen Übertreten einer nationalen Grenze gemeint. Dazu gehört auch, den illegalen Aufenthalt in Deutschland zu unterstützen. Die Schleuser:innen schlagen Profit aus dem Grenzübertritt.

Beim Menschenhandel resultiert der Profit aus der Ausbeutung einer Tätigkeit der Person. Beim Menschenhandel kann auch Schleusung eine Rolle spielen, es sind aber separate Straftatbestände.

Auch Personen, die sich freiwillig zur Prostitution entschieden haben, können Opfer von Menschenhandel werden. Durch fiktive Schulden werden sie in ein Abhängigkeitsverhältnis gezwungen, in dem sie nicht selbst über ihre Arbeitsbedingungen entscheiden können.

Wie kommen die Betroffenen zu Euch und wie geht es dann weiter?

Die Betroffenen nehmen teilweise direkt Kontakt zu uns auf, über unsere Streetworkerinnen, per Telefon oder über das Internet. Meistens werden sie jedoch von anderen Personen auf das Angebot der Fachberatungsstellen hingewiesen, von medizinischem Personal, von Bekannten, von Freiern oder von Behörden, wenn sie den Mut haben sich zu öffnen.

Überwiegend sind es weibliche Personen, die zu uns in die Beratung kommen und die Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung sind. Doch auch Männer und Transgender-Personen sind unter den Betroffenen. Wir haben viele Klient:innen, die hier oder in anderen europäischen Ländern sexuell ausgebeutet wurden und aus Drittländern, meist aus westafrikanischen Ländern, stammen. Sie konnten sich aus der Zwangslage befreien und suchen Schutz bei uns.

Wir versuchen dann herauszufinden, was passiert ist. Die Beratungsgespräche finden nach Möglichkeit in der Muttersprache statt. Glücklicherweise beschäftigen wir, durch Projektförderungen durch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung und des DW RWL (Diakonisches Werk Rheinland Westfalen Lippe), muttersprachliche Mitarbeiterinnen, ohne die die Arbeit nicht möglich wäre. Wir arbeiten mit den Behörden und der Polizei zusammen, um eine sichere Unterbringung und die psycho-soziale Betreuung zu gewährleisten.

Die Gesetzeslage schreibt eine Bedenk- und Stabilisierungsfrist für die – meist schwer traumatisierten – Menschen von mindestens drei Monaten vor. In diesem Zeitraum können sie sich erholen und überlegen, ob sie mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten wollen, damit den Menschenhändlern das Handwerk gelegt werden kann. Wir helfen den Betroffenen einen Asylantrag zu stellen, bei Behördengängen und bei der Integration in ein normales Leben. Unsere Aufgabe ist es auch, die Öffentlichkeit für die Situation der Betroffenen zu sensibilisieren.

Der Menschenhandel ist in den letzten Jahren verstärkt öffentlich thematisiert worden. Trotzdem gibt es immer wieder neue Opfer, die auf die „Masche“ reinfallen. Wie kommt das?

In einigen Ländern gibt es Öffentlichkeitskampagnen, die aber die Betroffenen häufig nicht erreichen. Oder sie denken, dass diejenigen, die Opfer von Menschenhandel und Ausbeutung wurden, etwas falsch gemacht haben. Die Vorschläge nach Deutschland zu gehen, um Geld zu verdienen und die Familie damit zu unterstützen, klingen glaubhaft, kommen oftmals aus dem sozialen Umfeld, manchmal werden konkrete Arbeitsstellen benannt, wo sie arbeiten werden.

Hoffnungsvoll treten sie die Reise nach Europa oder direkt nach Deutschland an und haben auf dem Weg meist schon massive Gewalterfahrungen gemacht. Sie werden nicht als Menschen, sondern als Ware betrachtet und so behandelt. Sie werden in verschiedenen Ländern der Prostitution zugeführt und gezwungen, die Kosten für die „Reise“ abzuarbeiten. Das verdiente Geld wird ihnen abgenommen oder sie dürfen nur einen kleinen Anteil behalten.

Viele Frauen und junge Männer kommen aus Afrika zu uns. Vor der Abreise werden insbesondere Nigerianerinnen in einer Voodoo-Zeremonie zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet. Sie müssen schwören, dass sie nichts gegen die Täter:innen unternehmen werden. Teilweise wird der Schwur bei der Ankunft in Europa nochmal erneuert. Ihnen wird gedroht, dass sie, falls sie sich nicht daran halten, einen schrecklichen schmerzhaften Tod sterben würden. Auch die Familien werden bedroht. Dadurch wird eine solche Angst erzeugt, dass die Opfer tatsächlich schweigen und eine Strafverfolgung der Täter:innen sehr schwierig ist.

Andrea, die Mitternachtsmission ist Mitglied im KOK (Bundesweiter koordinierungskreis gegen Menschenhandel) e.V.. Kannst Du unseren Leser:innen dazu etwas sagen?

Der KOK e.V. wurde 1987 gegründet und vereint heute 38 Mitgliedsorganisationen, u. a. Fachberatungsstellen, Migrantinnen-Projekte, Frauenhäuser, Prostituiertenberatungsstellen und andere Organisationen, die sich gegen Menschenhandel engagieren, unter seinem Dach. Mit dem Fokus auf die Bekämpfung von Menschenhandel und Ausbeutung sowie auf die Durchsetzung der Rechte von Betroffenen hat der KOK e.V. einen wichtigen Stellenwert. Wir, die Mitgliedsorganisationen, bringen das Fachwissen aus der Praxis mit und legen das Fundament der langjährigen Expertise. Der KOK vertritt unsere politischen und gesellschaftlichen Interessen in der Bundespolitik und in der Öffentlichkeit. Damit ist eine praxisbasierte Arbeit möglich, um weitere Verbesserungen für die Rechte der Opfer einzufordern.

Herzlichen Dank für das bewegende Gespräch. Ich möchte unsere Leser:innen noch darauf hinweisen, dass Ihr ein Spendenkonto habt. Aber Sachspenden, wie z.B. Kleidung, Schuhe, Hausrat usw. helfen Euch ebenfalls. Wir wünschen Dir und Deinem Team viel Erfolg bei dieser wichtigen Aufgabe!
Andrea Hitzke, Leiterin der Dortmunder Mitternachtsmission e.V.

Kontakt zur Dortmunder Mitternachtsmission e.V.

Dortmunder Mitternachtsmission e. V.
Dudenstraße 2-4
44137 Dortmund
Tel.: 0231/14 44 91
Website: https://mitternachtsmission.de/

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ECPAT Deutschland e.V.: Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung

Inkontinenz: Was der Harnblase gut tut

Inkontinenz: Was der Harnblase gut tut

Wenn Du einer zukünftigen Inkontinenz vorbeugen möchtest oder bestehende Probleme abmildern möchtest, kannst Du Deiner Harnblase etwas Gutes tun. Was das ist und wie Du das machen kannst, stelle ich Dir in diesem Beitrag vor. 

Etwas Anatomie vorweg

Die Harnblase ist einer Vielzahl von äußeren Belastungen ausgesetzt. Sie bekommt Zugbelastung beim Gehen und Druckbelastung durch ihr eigenes Speichervolumen, sowie Gewicht aus der Nachbarschaft (Uterus, Darm). Um die Belastung auszubalancieren ist die Umgebung der Blase sehr wichtig. Die Harnblase ist elastisch an Nabel, den Leisten und im Kreuzbeinbereich aufgehängt und federt bei Bewegung. Die Blase ist eine muskuläre Tüte und sie ist mobil, um Urin zu speichern und auszuscheiden. Zur Druckentlastung wird sie auf einer stabilen muskulären Unterlage, dem Beckenboden getragen. Dieser wirkt wie ein federndes Trampolin und stützt den Uterus und die Blase. Ein weit verzweigtes Nervengeflecht vegetativer und sakraler Nerven reguliert die Blasenfunktion. Sie regeln den Harnröhrenverschluss, wenn sich die Blase beim Füllen ausdehnt und öffnen die Harnröhre, um das Volumen auszuscheiden. Viele automatisch ablaufende und hormonell gesteuerte Manöver greifen hier ineinander.

Inkontinenz vorbeugen – kein Kraftakt

Durch äußere Einflüsse, wie etwa hormonelle Umstellungen, muskuläre Dysbalancen, Operationen im Urogenitaltrakt oder Infektionen, können Störungen in der Blasenfunktion auftreten.

Inkontinenz durch Stress

Die Probleme möchte ich hier grob in zwei Gruppen unterteilen. In die erste Gruppe gehören Funktionsstörungen wie Inkontinenz durch Stress, wobei Stress physisch und psychisch sein kann. Als Stress wird in der Regel eine ansteigende körperliche Belastung eingestuft, etwa eine schnelle Bewegung, oder ein plötzlicher Druckanstieg durch Lachen, Niesen oder Husten. Der Druck übersteigt kurzfristig das normale Maß und überfordert den Verschlussapparat der Blase. Unwillkürlicher Harnabgang ist die Folge.

Restharn: Er muss raus

In der zweiten Gruppe fasse ich Funktionsstörungen zusammen, die den Abfluss behindern. Das Problem ist hier der Restharn. Die Blase speichert Unmengen von Urin, der aber nicht abläuft. Entweder, weil es kein Signal zur Entleerung gibt, oder es überhört wird. Viele weitere Möglichkeiten seien hier ausgeklammert. Frauen sind Meisterinnen darin, Entleerungssignale zu überhören. Viele können Unmengen speichern und gehen ohne Anlass mal zur Toilette um nachzusehen, aber nicht, weil sie unbedingt müssten. In der Regel sind vegetative Einflüsse ursächlich dafür verantwortlich. Selten gibt es strukturell bedingte Verengungen des Harnabflusses, etwa durch Blasensteine. Obwohl die Ursachen vielfältig sein können, gibt es das Problem des „stehenden Gewässers“. Wenn Urin nicht abfließen kann, dann steigt er hoch in Richtung Niere oder er bläht die Blase über ein gesundes Maß auf. Restharnmengen von 200-300 ml oder noch mehr sind gefährlich, weil sie Entzündungen hervorrufen können und die Blase überdehnen.

Selbstfürsorge im Blick

Die gute Nachricht, Du kannst viel für Deine Blasengesundheit tun, auch schon lange bevor eine Störung auftritt. Vier Aspekte stelle ich in den Vordergrund.

1. Blase stützen und schützen

Mach es Dir falsch herum auf einem Stuhl oder vor einem Tisch bequem. Setz Dich in den Kutschersitz, die Beine wie ein „V“ etwas weiter als hüftbreit geöffnet. Verschränke Deine Unterarme und lege sie vor dir auf die Stuhllehne oder auf den Tisch. Neige Deinen Oberkörper vor und lege Deine Stirn auf die Arme. Schließe die Augen und konzentriere dich auf Deine Bauchblase. Lass sie los.

Stöhnen erlaubt

Atme durch die Nase ein und durch den Mund (hörbar) aus. Du spürst, wie Dein Brustkorb weit wird, wenn Du einatmest und wieder schmal wird, wenn Du ausatmest. Wiederhole die Atembewegung etwa 5-mal.

Bauch lass los

Atme nun in Deine Bauchblase. Sie ruht weit vorne über Deinem Hosenbund. Lass sie los. Schiebe die Bauchblase weit nach vorne heraus, wenn Du durch die Nase einatmest. Lass die Luft durch den leicht geöffneten Mund ausströmen und hol den Bauchnabel zu Dir. Mach das ein paar Mal hintereinander, dann hast Du den Rhythmus.

Nabel einziehen … Bauchblase entspannt

Mach die Welle

Schließe die Augen. Stelle Dir einen Tropfen vor, der gerade dabei ist, durch die Harnröhre zu rollen. Halte den Tropfen 1 Sekunde fest und lass ihn los, dann halte erneut und löse, halte, löse, halte und löse. 10 x hintereinander in einer Serie.  Du spürst eine leichte Aufwärtsbewegung (Beckenboden hebt sich), wenn Du den Tropfen anhältst und eine Abwärtsbewegung, wenn Du wieder loslässt (Beckenboden entspannt sich). Du spürst eine leichte wellenartige Bewegung. Es fühlt sich an, als ob Du einen Tampon festhalten und nach oben schieben wolltest. Es breitet sich ein Wärmegefühl aus.

Halt mal!

Starte noch einmal mit der Wellenbewegung, die Du eben gefühlt hast. Du siehst jeden Tropfen gedanklich vor Deinem geistigen Auge. Halte den nächsten Tropfen für 5 Sekunden an, bevor Du ihn loslässt. Atme dabei weiter. Versuche den nächsten Tropfen für 10 Sekunden anzuhalten. Spürst Du wie sich der Beckenboden hebt?

Big Five, die Kombination

Du kombinierst die Atemübung mit dem gedanklichen Tropfen und der Bauchblase. Atme durch die Nase in den Bauch ein und hörbar durch den Mund aus. Zieh den Nabel ein, während Du ausatmest. Wiederhole das ein paar Mal. Atme weiter und halte den Tropfen fest, während Du ausatmest. Lass ihn los beim Einatmen. Kombiniere weiter und halte beim Ausatmen den Tropfen fest und zieh den Nabel ein. Das musst Du ein paar Mal üben, dann ist es ganz leicht. Du merkst, dass Dein Bauch flach wird und der Beckenboden anspannt. 

Die Übungen steigern Deine Wahrnehmung und die Durchblutung, sie geben Dir Kraft und Stabilität. Das ist schon mal ein guter Anfang. Du kannst die Übungen in jeder Position im Alltag durchführen, vor einer roten Ampel beispielsweise. 

2. Verhaltenstipps bei Harndrang und Restharn

Geeignete Verhaltenstipps können in zwei Gruppen gegliedert werden. Zum einen, um unwillkürlichen Harnverlust zu vermeiden und zum anderen, um die Blase restharnfrei zu entleeren. Beides kannst Du selbst beeinflussen.

Dreh den Harn ab

Beim Niesen

Wenn Du niesen musst, dann drehe Dich und niese über Deine Schulter. Mit diesem Trick „schnürst“ Du Deine Harnröhre zu und die Blase ist stabilisiert. Eine Rumpfdrehung führt immer zum Harnröhrenverschluss. 

Aufschub-Strategie

Sollest Du einmal Harndrang verspüren und eine Toilette ist nicht in Sicht, dann probiere die folgende Aufschub-Strategie: Lutsche ein zuckerfreies Bonbon, oder kaue (ausnahmsweise) ein Kaugummi. Lutsch- oder Kaubewegungen provozieren Speichelfluss und lenken das vegetative Nervensystem von der Blase ab.

Hohe Absätze

Vielleicht ist Dir schon mal aufgefallen, dass Du mit Absätzen einen anderen Gang hast. Mit High-Heels stehst Du aufrechter. Du belastest verstärkt Deine Vorfüße und insbesondere Deine Großzehen. Die Harnröhre wird dadurch stabilisiert und der Harndrang verschwindet. Mach daraus eine Übung und drücke Dich beim Gehen in Deinen Turnschuhen (flache Sohlen) mal ganz bewusst mit den großen Zehen ab. Du wirst spüren, wie Du Dich mehr streckst und mehr Stabilität im Beckenboden gewinnst.

Den Zehenabdruck kannst Du in Dein Trainingsprogramm integrieren. Übe die Big Five im Stehen und drücke Dich auf die Zehenspitzen hoch.

Lass es raus!

Zwei Tipps noch, wie Du restharnfrei entleerst und dabei nicht presst. Wenn Du viel trinkst und den Blasendruck „überhörst“ trainierst du Dir eine überdehnte Blase an, die keine Signale mehr von sich gibt. Stell Dir den Wecker auf ein Zwei-Stunden-Intervall und entleere!

Nimm auf der vorderen Hälfte der Toilettenschüssel Platz. Die Beine etwas weiter auseinander wie ein „V“. Platziere die Fäuste in die Leisten dicht an der Blase. Neige dich mit gestrecktem Oberkörper weit nach vorne und bringe Druck auf die Blase. Wenn du die Bewegung durchführst, nachdem du aktiv entleert hast, kann es sein, dass durch den Druckanstieg noch ein paar Milliliter herauskommen. Eine weitere Methode ist ebenso einfach. Nimm die Arme hoch und kreise das Becken. Die Bewegung presst automatisch die Blase aus. 

3. Bakterien Milieu und Hygiene 

Der Säure-Schutzmantel im äußeren und inneren Genital, der unter anderem von Milchsäurebakterien aufrechterhalten wird, spielt bei der Frau eine ganz wesentliche Rolle zur Abwehr von Bakterien. Hier sollte auf jegliche parfümierte Intimpflege verzichtet werden, um den pH-Wert nicht zu zerstören.

Schützen statt putzen

Lauwarmes Wasser und ein weicher Microfaser Waschlappen genügen für die Säuberung. Allenfalls milde Seifen aus der Baby Abteilung mit einem hohen Aloe- oder Avocado Anteil sind akzeptabel. Typische Seifen sind alkalisch und vernichten den Bakterien-Schutzschild der Scheidenflora. Problematisch ist alles, was parfümiert ist.

Von einer kompletten Rasur des Intimbereiches muss leider gewarnt werden. Rasieren des Venushügels, oder im Leistenbereich (Bikinizone) mit entsprechend geeignetem Zubehör ist in Ordnung. Die innere Schambehaarung entlang der Schamlippen dient dem Säureschutz und sollte bleiben, wo sie ist.

Wer gerne schwimmt kennt das Problem – Schwimmbadwasser kontra Scheidenflora. Tunke vor dem Schwimmen ein Tampon, dass gerne eine Nummer größer sein darf, in Quark und führe es ein. Der Quark übernimmt die Abwehr und den Schutz der Scheidenflora. Noch wichtiger nach dem Schwimmen sind warme Füße. Darauf kommen wir gleich, wenn es um die Nachbarschaft der Blase geht. 

4. Auf gute Nachbarschaft!

Nervöser Darm, nervöse Blase!

Zur Nachbarschaft der Blase gehört vor allem ein gut funktionierender Darm, der ein vielfältiges Mikrobiom hat und keine Blähungen kennt. Dazu ist tägliche, mühelose Entleerung wichtig und gutes Futter! 80 % der gesamten Immunabwehr befindet sich im Darm. Blase und Darm hängen am selben Nervenstrang, deshalb reagieren sie aufeinander. Ist der Darm ruhig, ist es die Blase auch.

Ohne zu weit auszuholen, hier meine (Ernährungs-)Tipps:

  • Kauen, Kauen, Kauen. Alles was gut zerkleinert ist, kann auch gut verwertete werden.
  • Grünzeug und rohes Obst in Maßen und wenn, dann mittags essen und nicht abends. Morgens Kohlehydrate, abends Proteine. 
  • Gute Fette (Nüsse, fetter Käse, Avocado), wenig Milch, wenig Weizen, wenig Zucker.
  • Vitamin D sowie probiotische Bakterien für die Immunabwehr und Konsistenz des Stuhls.
  • Essenpausen machen, um gut zu schlafen 

Darmentleerung ohne Widerstand

Neige Dich zur Darmentleerung zurück und lehne Dich an den Spülkasten. Atme den Darminhalt „raus“ und vermeide es zu pressen. Das destabilisiert nicht nur den After, sondern auch die Haltestrukturen der Blase und des Uterus.

Trink rot!

Schütze die Schleimhaut in der Harnröhre und trinke ca. 2 Liter am Tag. Zur Gesamtmenge gehören morgens ein Glas lauwarmes Wasser für den Darm, Aromawasser mit Früchten und Kräutern angereichert, Früchtetee, etwas Kaffee und Beeren Smoothies. Mixe Dir einen Beerencocktail und trinke schluckweise. Am besten jeden Schluck „kauen“ nicht runterstürzen. Ungezuckerter selbstgepresster Granatapfelsaft hat eine schützende Wirkung auf das Harnröhrenepithel. Alles was gut ist und schützt ist meistens rot.

Warme Füße liebt die Blase

Harndrang und Harnröhreninfekte werden durch kalte Füße noch befeuert. Die Heizung für warme Füße sitzt im Kreuzbein. Thermische Stimuli durch Wechselduschen im Sakralbereich beleben die Durchblutung. Ebenso das Training der Beckenbodenmuskulatur (Big Five). Eine Fußmassage mit durchblutungsfördernder Creme mit Eukalyptus und Kampfer eignet sich für die äußere Anwendung. Anschließend dicke Wollsocken drüber. Eine Wohltat für die Blase!

Hast Du Fragen oder Erfahrungen, die Du teilen möchtest? Hinterlasse mir einen Kommentar.

Herzlichst

Ute Schmuck


Die Autorin: Ute Schmuck, Praxis für urologische Rehabilitation

Seit über vierzig Jahren ist Ute Schmuck Physiotherapeutin. Nebenher unterrichtet sie, hält Vorträge, berät ihre Patienten Online und behandelt sie vor Ort in ihrer Praxis für urologische Rehabilitation im Rheingau.

Ihr Schwerpunkt ist die Behandlung urologischer Funktionsstörungen bei Männern und Frauen, insbesondere die Nachsorge nach operativen Eingriffen. Ute Schmuck hat 2003 im Elsevier Verlag ein Trainingsbuch „Beckenbodentraining für Männer“ veröffentlicht, welches nun schon in die 6. Auflage geht. Darüber hinaus hat sie einen Online-Kurs „Trocken in 6 Wochen“ herausgebracht, der eine Rehabilitation zuhause ermöglicht.

Ute Schmuck lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Wiesbaden.

Kontakt:

Ute Schmuck
Praxis für urologische Rehabilitation
Im Grohenstück 13
65396 Walluf (Rheingau)
www.uteschmuck.de
info@uteschmuck.de
Facebook

Mehr von Ute Schmuck:

Zum Buch: Beckenbodentraining für Männer
(Die 6. Auflage ist ab dem 16.03.2021 verfügbar.)

Zum Online-Kurs: Trocken in 6 Wochen

Gewalt macht krank!

Gewalt macht krank!

Jede 3. Frau in Deutschland hat mindestens 1 Mal in ihrem Leben sexualisierte und/oder häusliche Gewalt erlebt. Das sind 12 Millionen Frauen! Auch ich bin eine 3. Frau. Ich habe Missbrauch, häusliche Gewalt erfahren und einen Überfall mit Vergewaltigung in einem öffentlichen Park überlebt.

Ich bin Alice Westphal, 64 Jahre alt, seit 10 Jahren selbstständige Resilienztrainerin und Coach für Frauen. Seit 2 Jahren bin ich Speakerin (Vortragsrednerin) und Aktivistin in der Metoogermany-Bewegung und Vorstandsvorsitzende im Verein S.I.G.N.A.L. e.V.

Außen wirkte alles „normal“

Im Außen wirkte mein Leben „normal“, wie so häufig bei komplex traumatisierten Frauen. Ich machte Karriere, wurde zur ersten weiblichen Personalratsvorsitzenden einer großen Berliner Uniklinik gewählt, wechselte später in die Stabsstelle „Interne Öffentlichkeitsarbeit“. Es erfüllte mich, mich für andere Menschen, insbesondere Frauen, einzusetzen und für ihre Rechte zu kämpfen.
Nach einer Fusion „musste“ ich erkennen, dass ich nicht hierarchiekompatibel bin, meine Werte passten nicht mehr und ich verließ nach 25 Jahren „mein „Klinikum“. Und machte mich mit 54 Jahren als Trainerin und Präventologin selbstständig.

Im Inneren ein tosender Sturm …

Im meinem Inneren sah es ganz anders aus. Mein Weg war bis dahin mit häufigen Suizidgedanken, Depressionen, Angstzuständen, Alkoholmissbrauch, Hörstürzen, Essstörungen, Bandscheibenvorfällen, Erschöpfungszuständen gepflastert.

Meine innere Wahrnehmung hatte sich verschoben. Das ich krank war, habe ich nicht als Krankheit wahrgenommen, trotz meiner damals chronischen, sehr schmerzhaften Nasenneben- und Kieferhöhlenentzündung, dem Pfeiffer’schen Drüsenfieber, der Lungenentzündung und immer wieder auftretenden Nierenbecken- und Blasenentzündungen!

Copyright Pixabay – 1388843

… oder totale Starre

Es gab Zeiten, da fühlte ich mich nicht, ich war erstarrt, kannte keine Spannungskopfschmerzen, Schmerzen überhaupt waren mir fremd. Ich befand mich permanent in einem inneren Kriegszustand: „Niemand schafft es, mich erneut zu verletzen!“ Das war meine damalige Überlebensdevise.

Vor einem halben Jahr habe ich mit einer Traumatherapie begonnen. Erst jetzt beginne ich zu fühlen und zu verstehen, wie viel Kraft es gekostet hat, mich so hart zu machen, mich so von meinen Gefühlen abzuspalten. Um zu überleben.

Ich zeige mich, um anderen zu helfen

Seit ich mich vor 2 Jahren entschieden habe, mit meiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, habe ich sehr viele Frauen mit unterschiedlichsten Gewalterfahrungen kennengelernt. Frauen, die sich nicht spürten, irgendwie ihren Alltag bewältigten. Viele brauchen regelmäßig Medikamente, trinken zu viel Alkohol, machen exzessiv Sport oder haben chronische Schmerzen. Das sind alles Folgen der seelischen Qualen, die die Frauen immer wieder versuchen, zu verdrängen. So wie ich auch.
Doch das funktioniert nicht auf Dauer! Ganz im Gegenteil, es kostet so unglaublich viel Energie, gegen seine Bedürfnisse oder Wahrheiten zu leben.

„Was stimmt nicht mit mir?“

Das sind alles Dinge, die ich nicht gewusst habe, die mir auch niemand gezeigt hat. Ich dachte immer, mit mir stimmt etwas nicht! Ich bin nicht richtig! Ist doch klar, dass es immer wieder Streit geben muss, so wie ich mich immer verhalte!
Dann kamen immer intensiver werdende Schuld- und auch Schamgefühle dazu. Ich habe mich so geschämt, wenn ich mal wieder zu viel getrunken habe und endlich mal meine – meistens sehr wütenden – Gefühle, meinen Schmerz kurz gezeigt habe.

Copyright Pixabay – Mandy Fontana

Verdrängen um zu überleben

Es berührt und erschüttert mich heute, was komplex traumatisierte Frauen alles tun, um die Grausamkeiten, die ihnen so häufig schon im Kindesalter angetan wurden, nicht zu spüren.

Viele Frauen verdrängen die Taten so sehr, dass sie sich nicht mehr an sie erinnern können, weil es ihre einzige Chance war, um zu Überleben. Frauen, die Missbrauch erfahren haben, werden auch „Überlebende“ genannt – und die Tat als „Seelenmord“ bezeichnet.

Mutige Entscheidung

Es gehört sehr viel Mut dazu, sich zu entscheiden: Ich bin kein Opfer mehr!
Immer wieder erfahre ich von den Frauen, dass es einen Wendepunkt in ihrem Leben gab, an dem sie sich entschieden haben, leben zu wollen. Und zwar frei und selbstbestimmt.
Erst dann kann der Heilungsprozess im Innen und im Außen beginnen.

Mein Weg

Ich habe mich mit dem Thema „Gesundheitliche Folgen häuslicher, finanzieller, sexualisierter Gewalt und Missbrauch“ intensiv auseinandergesetzt. Es gibt viele Missstände, die aufgedeckt und in die Öffentlichkeit transportiert werden müssen, damit Veränderungen in Gang kommen.

Es fehlen Frauenhäuser, die Täter werden nicht ausreichend bestraft, es gibt kaum Qualifizierungsangebote für Fachpersonen aus dem Gesundheitsbereich. Die Einrichtungen der Gesundheitsversorgung wie Arztpraxen, Kliniken oder Zentren für Familienplanung spielen eine wichtige Rolle, wenn es um das Erkennen von Gewalt und die Versorgung der Betroffenen geht. 

Vereinslogo S.I.G.N.A.L. e.V.

Der Verein S.I.G.N.A.L. e.V.

Aus diesem Grund bin ich Mitbegründerin, heute auch Vorstandsmitglied, des Vereins S.I.G.N.A.L. e.V. ( S.I.G.N.A.L. e.V. – Intervention im Gesundheitsbereich gegen häusliche und sexualisierte Gewalt gegen Frauen) in Berlin.

Handlungsleitfaden: Schritte in der Intervention

Als Hilfestellung für Gesundheitsfachpersonen wurde der S.I.G.N.A.L.-Handlungsleitfaden entwickelt und wissenschaftlich evaluiert. Er entspricht internationalen Standards. Jeder Buchstabe steht für einen Schritt in der Intervention.

  • S – Setzen Sie ein Signal, sprechen Sie Gewalterfahrungen an
  • I – Interview mit konkreten einfachen Fragen
  • G – Gründliche Untersuchung alter und neuer Verletzungen
  • N – Notieren und dokumentieren aller Ergebnisse, damit sie gerichtsverwertbar sind
  • A – Abklären des aktuellen Schutzbedürfnisses
  • L – Leitfaden mit Notrufnummern und Unterstützungsangeboten

Dazu zählen, Warnhinweise häuslicher Gewalt zu (er-)kennen, Patientinnen und Patienten bei Verdacht aktiv anzusprechen, Verletzungen in einer gerichtsverwertbaren Weise zu dokumentieren, Schutzbedarfe abzuklären und an spezialisierte Hilfsdienste zu verweisen.

Copyright Pixabay – claude star

Als Trainerin viel bewirken

Seit letztem Jahr bin ich innerlich bereit und führe als S.I.G.N.A.L.-Trainerin die Schulungen für das Pflegepersonal mit großem Engagement durch. Ich zeige mich hier als Betroffene und biete den Teilnehmenden an, mir viele Fragen zu stellen. Dass das wichtig ist, zeigt die aktive Beteiligung und Inanspruchnahme meines Angebots. Mein Wunsch und Ziel ist es aufzuklären, die Gewaltmythen und Glaubenssätze der Teilnehmenden zu hinterfragen und zu verändern.

I have a dream!

Auch ich habe einen Traum! Einen Traum, in dem es keine Frauenhäuser mehr braucht – weil es keine Gewalt mehr zwischen den Menschen gibt! Weil wir gleichberechtigt, wertschätzend und respektvoll auf Augenhöhe in Liebe miteinander umgehen, lieben, arbeiten und leben!

Das Buch: unSICHTBAR – Wir zeigen Gesicht

„Sexualisierte und häusliche Gewalt, Missbrauch und Vergewaltigungen wird oft mit anonymen Geschichten erzählt, oder scheint nur öffentliche Personen zu betreffen. Wir sind echt. Wir erzählen unsere Geschichten und wir zeigen Gesicht.“

Das Thema ist wichtig und gehört in die Öffentlichkeit. Mit dem Buch gehen wir einen Weg, um anderen Frauen Mut zu machen und Wege aufzuzeigen.

Wenn Du das unterstützen möchtest, vernetze Dich mit mir, schau Dich auf den Internetseiten um oder erwerbe das E-Book. Unser erklärtes Ziel ist es, mit dem Sprung auf die Bestsellerlistenmehr öffentliche Aufmerksamkeit zu bekommen und mehr betroffene Frauen zu erreichen.  

Das E-Book „unSICHTBAR – wir zeigen Gesicht wird am 25.11.2020 bei Amazon veröffentlicht.

Kontakt

Kontakt zu mir findest Du unter meiner neuen Website www.alice-westphal.de oder auf den Social Media Kanälen Instagram, Facebook, LinkedIn, Xing oder auf Twitter.

Bei S.I.G.N.A.L. e.V. gibt es Intervention im Gesundheitsbereich gegen häusliche und sexualisierte Gewalt gegen Frauen.

Videobeiträge und Interviews

Copyright Titelbild – Denise van Diesen

Absolut empfehlenswert: Der Elvie Beckenbodentrainer

Absolut empfehlenswert: Der Elvie Beckenbodentrainer

Ein Erfahrungsbericht von Stephanie Budde-Thoms

Im Januar 2019 habe ich als Spätgebärende mit 39 Jahren meinen Sohn zur Welt gebracht. Diese Entscheidung habe ich im frühen Erwachsenenalter getroffen: Meine eigene Familie ist mir wichtig, doch alles zu seiner Zeit. Vorher war ich Profisportlerin, zeitweise im Ausland tätig und habe meine eigene Tanzschule geleitet. Meine Passion, das Tanzen, stand ganz oben auf meiner Prioritätenliste. Mein Leben wurde stets von Entscheidungen und Struktur begleitet, so dass ich meine Ziele ebenso konkret geplant und umgesetzt habe.

Spätes Familienglück

Meine Schwangerschaft gab ich bekannt, nachdem ich mit meinem Tanzpartner eine letzte Tanzshow mit Akrobatik-Kür beendet hatte. Das war der Schlussstrich unter meine aktive Tanzkarriere und ich habe mich auf die Arbeit in der Tanzschule konzentriert. Bis ich in Mutterschutz gegangen bin, habe ich Tanzschüler trainiert und Zumba-, Yoga- bzw. Pilates-Kurse gegeben. Auch ich habe in dieser Zeit einen wesentlichen Teil meines Trainings absolviert und fühlte mich während der Schwangerschaft entsprechend fit.

Copyright Andreas-Joachim Lins

Bittere Erkenntnis nach der Geburt

Sechs Wochen nach der Geburt gaben mir Gynäkologin und Hebamme das Go und ich startete mit der Rückbildung. Zu diesem Zeitpunkt war mir schon klar, dass mein Beckenboden äußerst geschwächt war. Die durch meine Schwangerschaft entstandene Blasensenkung hatte Auswirkungen auf den Beckenboden. Unerwarteter Harnverlust begleitete mich durch den Tag. Während des Tages versuchte ich immer wieder, die komplizierte Muskelgruppe anzuspannen. Nichts. Keine Reaktion. Das war ein richtig schlimmes Gefühl.

Start des Beckenbodentrainings

Meine Frauenärztin riet mir zu einem Beckenbodentraining in einer Physiotherapiepraxis. Sie bietet spezielle Kurse, in denen die Trainerin „Hand anlegt“ und konkrete Anweisungen gibt, wie welche der Muskelbereiche anzuspannen sind. Das hat mir im ersten Jahr nach der Geburt weitergeholfen und die Harninkontinenz verringerte sich. Doch zufrieden war ich bei Weitem noch nicht, denn längere Termine konnte ich nur unter der Verwendung von (großen) Einlagen wahrnehmen.

Ich übte, auf der Toilette den Mittelstrahl anzuhalten, also erst etwas Harn abfließen zu lassen und bevor die Blase leer ist, den Harnfluss kurz bewusst zu stoppen. Die Menge verringerte sich, aber als „kontrolliert“ konnte man das noch nicht bezeichnen.

Copyright Stephanie Budde-Thoms

Einsatz des Elvie Beckenbodentrainers

Im April 2020 stieß ich auf den Elvie Beckenbodentrainer. Nach Rücksprache mit und Untersuchung durch die Frauenärztin, bekam ich ein Rezept und war neugierig, ob mich das Hilfsmittel meinem Ziel, der kompletten Kontrolle meiner Harnausscheidung, näher bringen kann.

Mein Fazit: Der Elvie ist super empfehlenswert!

Mir hat er geholfen, die Kraft meines Beckenbodens wieder herzustellen. Der Elvie Trainer wird in die Scheide eingeführt und bietet der Muskelgruppe einen konkreten Anhaltspunkt, wo angespannt werden soll. Gleichzeitig misst der Elvie Trainer die Stärke der Anspannung, weil er kabellos mit der App auf dem Handy verbunden ist. Dadurch hatte ich nicht nur das spürbare Feedback in der Scheide, sondern bekam auf dem Smartphone eine visuelle Darstellung meines „Fitness-Levels“. Das spornte mich an und das tägliche Training war sehr zielführend. Die Workouts der App bieten Übungen in verschiedenen Variationen: das fest Anspannen, Halten und Entspannen – in veränderten Rhythmen.

Der Zeitaufwand ist überschaubar, die App ist unkompliziert und die Verbindung des Elvies mit der App war ganz einfach. Für das Training habe ich jeden Tag nur etwa 5 Minuten gebraucht und die Wirkung war schnell spürbar.

Lieber früher als später

Ich hätte mich gefreut, wenn mir der Elvie Trainer früher begegnet wäre. Das hätte einige Situationen in meinem Leben leichter gemacht. Daher kann ich nur jeder Frau raten, sich aktiv darum zu kümmern und mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin darüber zu sprechen. Das ausgestellte Rezept habe ich direkt an Medizintechnik Kaasen geschickt und kurze Zeit später habe ich mit dem ersten Workout begonnen.

Copyright Andreas-Joachim Lins

Zur Person:

Stephanie Budde-Thoms gibt Kurse in Tanzschulen & Fitnessstudios. Kontakt zu ihr kannst Du über ihre Website aufnehmen oder über Facebook.

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Derzeit ist sie auch unterwegs zu treffen. Sie gibt Kurse bei:

Move & Style Academy in Hannover
Gesundheitswerkstatt in Hameln
Mark’s Tanzschule Bückeburg

Hast Du hilfreiche Tipps für unsere Leser:innen? Hinterlass uns einen Kommentar oder nimm Kontakt zu uns auf.

Bildnachweis:
Titelbild: Andreas-Joachim Lins

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Abnehmen ohne Diät

Das Maßband ist das Maß aller Dinge

Alexander Nöpel (43) ist Vital- und Motivationscoach. Er begleitet u. a. übergewichtige Menschen, die fitter werden wollen, in ein leichteres Leben. Er hat in 2 Jahren 51 kg und 47 cm Bauchumfang verloren. Heute hält er Vorträge und Workshops zum Thema „Gesünder und fitter werden“.

Antrieb durch den eigenen Leidensweg

Als er die Nase vom Jojo-Effekt gestrichen voll hatte und 135 kg auf die Waage brachte, schlug Alexander Nöpel einen anderen Weg ein. Er beschäftigte sich intensiv mit medizinischen Studien und ging den körperlichen (Stoffwechsel-)Prozessen auf den Grund, um die bisher wirkenden Mechanismen aushebeln zu können.

Er hat geschafft, sein Gewicht erfolgreich und dauerhaft zu reduzieren und sagt: „Zum Abnehmen braucht man ein Maßband und keine Waage.“ Er spricht über das von ihm entwickelte Programm und klärt über den Teufelskreis der Wechselwirkung von Hormonen, wie z. B. Insulin, und Light-Produkten auf.

Hallo Alexander, herzlichen Dank für Deine Bereitschaft, unseren Leser:innen mehr über Dein Programm „Abnehmen ohne Diät“ zu erzählen. Wie ist es zu der Entwicklung des Programms gekommen?

Mein eigener Leidensweg begann, als ich (mit dem Ausscheiden aus dem Dienst bei der Bundeswehr) meine körperliche Aktivität rapide verringerte, mein Essverhalten jedoch konstant beibehielt. Während ich bis dahin gut trainierte und mit einem hohen Muskelanteil versehene 87 kg auf die Waage brachte, nahm mein Gewicht stetig zu und ich startete mit einer Diät, um die Pfunde wieder runterzubekommen. Trotz erster Erfolge begleitete mich der Jojo-Effekt von nun an dauerhaft. Ich nahm bei jedem Versuch 10 – 12 kg ab und nach einiger Zeit war mein Ausgangsgewicht plus einige Kilos on Top wieder da.

Ich habe mit weniger Essen nicht abgenommen, nicht mit LowCarb oder anderen Programmen, selbst meine wöchentlichen Sporteinheiten haben keine bleibende Wirkung gezeigt. Das ständige Auf- und Ab bescherte mir ein Reizdarmsyndrom und ich musste in 10 Jahren etliche Magen-Darm-Spiegelungen (ohne Befund) über mich ergehen lassen. Der Teufelskreis hatte mich im Griff und erst bei einem Endgewicht von 135 kg sowie einem Bauchumfang von 1,47 Metern konnte ich ihn durchbrechen.

2017 habe ich mich über ein halbes Jahr intensiv mit medizinischen Studien zu Stoffwechselprozessen und Ernährung auseinandergesetzt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Meine damalige Frau ist Fachärztin für Onkologie, Innere Medizin sowie Naturheilkunde und konnte mir wichtige Fragen beantworten. Ich lernte den Profisportler und Sportwissenschaftler Daniel Schulte-Kump kennen, der sich ebenfalls intensiv mit Ernährung beschäftigt hat. Aus dem gesammelten Wissen entwickelte ich mein Programm. Ab Februar 2018 habe ich es für mich selbst umgesetzt. Seit dieser Zeit habe ich viele Menschen in ein leichteres Leben begleiten dürfen, was mich sehr glücklich macht.

Du klärst auf, sprichst über die Wirkung des Insulins und über die Insulinresistenz. Wie hängt das mit Deinem Programm zusammen?

Wer über die inneren, meist unbemerkt ablaufenden Prozesse im Körper informiert ist, dem fällt es leichter, aus alten Gewohnheiten und Verhaltensmustern auszusteigen. Indem ich meine Klienten aufkläre, öffnen sie sich für Möglichkeiten, die außerhalb üblicher Standardaussagen wie z. B. „Du musst weniger Fett essen!“, „Du musst mehr Sport treiben!“, „Lass den Süßkram doch einfach weg!“ liegen.

Zum Thema Insulin mache ich meinen Klienten bewusst, dass es ein Hormon ist, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird, sobald die Zunge „süß“ schmeckt. Insulin sammelt Zucker bzw. Kohlenhydrate ein und schleust diese in die Zellen, wo sie für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen genutzt werden.  

Insulin ist allerdings ein Masthormon, dass für die Einlagerung der zugeführten Nahrung (Kohlenhydrate und Fett) im Körper sorgt. Damit werden Nährstoffe in die Zellen gebracht: zum Teil zu den Organen, die Glucose (Zucker) zum Funktionieren benötigen. Der Rest wird als Fett in das Unterhautfettgewebe eingelagert, um von dort direkt bei Beanspruchung (z.B. sportlicher Aktivität) wieder abgerufen und verbrannt zu werden. Dafür wird der Speicher zwischen Haut und Muskulatur genutzt.

Durch die industrielle Verarbeitung unserer Nahrungsmittel, mit Zusätzen, zu viel Fett und Zucker in den Produkten, führen wir unserem Körper häufig eine Überdosis an Nährstoffen zu. Unsere Körperzellen werden unempfindlicher und es ist mehr Insulin notwendig, um den Transport zu ermöglichen.

Ich will es an einem Beispiel verdeutlichen. Süßstoff ist sehr beliebt und die Umsätze bei „Zero“-Softdrinks nehmen beständig zu. Beim Verzehr produziert die Bauchspeicheldrüse sofort Insulin, um den von der Zunge angekündigten Zucker in die Zellen zu transportieren. Das Insulin ist als Art Transportunternehmen im Blutkreislauf unterwegs, um den Zucker aufzunehmen und in die Zelle zu transportieren. Da statt Zucker nur Süßstoff in den Körper gekommen ist, gibt es keine Ladung, die aufgenommen werden kann – das Insulin bleibt weiterhin im Blutkreislauf.

Durch den ständigen Insulinüberschuss entsteht eine Insulinresistenz. Diese sorgt dafür, dass immer mehr Insulin im Kreislauf vorhanden ist. Dann zieht der Körper die „Notbremse“ und lagert die zugeführten Nährstoffe als viszerales Fett im Bauchraum ein – eine Schicht tiefer als vorgesehen, nämlich zwischen der Muskulatur und den Organen. Dort kommt es seiner Aufgabe als Masthormon trotzdem nach, sorgt für den Fettaufbau, der sich im Bauchumfang bemerkbar macht, und bildet damit die Basis für viele Krankheiten. Insulin ist für Fett wie Anabolika für die Muskeln: mit der falschen Ernährung mästet man sich selbst.

Für eine erste Einschätzung kann der BMI (Body-Mass-Index), genutzt werden. Ab einem BMI von 28 und höher steigt das Erkrankungsrisiko. Doch das Maßband ist mir als Indikator lieber. Gemessen auf Bauchnabelhöhe steigt das Gesundheitsrisiko bei Frauen ab einem Bauchumfang von 85 – 95 cm und bei Männern von 95 – 100 cm.

Du hast bereits vielen Menschen geholfen und hältst Vorträge in Zentren für Adipositas-Erkrankungen. Was macht Deine medizinisch fundierte Methode so umsetzungsstark?

Mit meinen Klienten arbeite ich im ersten Schritt daran, die entstandene Insulinresistenz in den Griff zu bekommen, um den Bauchumfang überhaupt reduzieren zu können. Das dauert ca. 4-5 Monate und während dieser Phase werden bereits sichtbare Ergebnisse erzielt. Auch einige Krankheitsbilder, wie z.B. die Insulinresistenz an den Eierstöcken gehen zurück.

Doch Insulin ist nur eins von drei Hormonen, die für das Zunehmen verantwortlich sind. Leptin sorgt im Regelfall für die Informationsweiterleitung, dass man satt ist. Ist zu viel Bauchfett vorhanden, entsteht im Gehirn für diese „Meldung“ ein blinder Fleck, der einen Leptinüberschuss zur Folge hat. Damit ist eine zweite Station der Gewichtszunahme im Körper vorhanden.

Das dritte Hormon ist Ghrelin, das u. a. für das Hungergefühl verantwortlich ist. Es wird im Magen-Darm-Trakt gebildet und entsteht, wenn nicht richtig gegessen wird. Damit meine ich vorrangig das schnelle Essen, das häufig mit dem Runterschlucken von großen Brocken (Schlingen), wenig Kauleistung, Hetze und viel Trinken einhergeht. Das Trinken zum Essen ist beispielsweise keine gute Idee, da auf diesem Weg die Magensäure verdünnt wird und die Nährstoffverwertung verlangsamt wird.

Ich bringe meinen Klienten bei, sich mit richtigen Lebensmitteln zu ernähren und überwiegend auf industriell gefertigte oder verarbeitete Produkte zu verzichten, denn eine gesteigerte Vitamin- und Mineralstoffzufuhr ist für das Abnehmen extrem wichtig. Sie sollen langsam essen und gut kauen, bei Fleisch gern 32 Mal. Es ist gut, größtenteils auf zuckerhaltige Lebensmittel zu verzichten. Wenn man Zucker verwendet, dann „echten“ Zucker und keine Süßstoffe. Eine salzarme Kost ist ebenfalls hilfreich.

Bei mir geht es nicht darum, Kalorien zu zählen, denn deren Aussagekraft ist unzureichend. Es geht um die Erkenntnis, welches die guten Lebensmittel sind. „Fisch ist gesund“ heißt es oft, gemeint sind die Omega3-Fettsäuren. Doch die Dosis macht das Gift, z. B. hat Wildlachs 1 gr. Fett , das sind 9 kcal und Zuchtlachs hat 15 gr. Fett, damit liegt er bei 135 kcal. Das sollte nicht außer Acht gelassen werden.

Jeder Mensch ist anders und nur das Verständnis von Wechselwirkungen bietet Erkenntnisse. Es geht nicht darum, sich die Freude am Essen zu nehmen, sondern eine neue und realistische Wahrnehmung zu bekommen.

Zusammenfassend kann ich sagen, ein Anfang mit einem leichten Einstieg, um die Veränderungen nachhaltig und angepasst an den Menschen und seine Lebensart umzusetzen ist nachhaltig und wichtig. Das sind meine Grundelemente, die mit einer individuellen Beratung einen langen Leidensweg beenden können. Ich dränge auch keinen in eine sportliche Betätigung. Jeder kann das machen, muss es aber nicht, denn die richtige Ernährung macht mit 2/3 den größeren Anteil des Abnehmens aus.

Alexander, wir haben von Dir tiefe Einblicke in unsere körperlichen Prozesse gewinnen können. Welche Tipps kannst Du unseren interessierten Leser:innen an die Hand geben?

  • Kaufe so natürliche Lebensmittel ein wie möglich und verarbeite sie selbst. Wurst ist z. B. kein natürliches Lebensmittel, Maggi-Tüten übrigens auch nicht. Lass möglichst alle industriell verarbeiteten Produkte weg, denn die darin enthaltenden Zusatzstoffe wirken sich negativ auf den Stoffwechsel aus.
  • Iss möglichst wenig Fleisch, wenn dann Hühnchen oder Fisch, selten Rind.
  • Vermeide alle Light- oder Leichtprodukte. Damit verhinderst Du einen ungewollten Insulin-Überschuss im Körper.
  • Nimm Dir Zeit für dein Essen und kaue die Nahrung gründlich. Du wirst schnell merken, welche positiven Auswirkungen das auf Deinen Körper hat.
  • Triff eine Entscheidung, wenn Du abnehmen möchtest. Viele Menschen haben Angst vor dem Scheitern und fangen aus diesem Grund erst gar nicht an.

Als Schlusswort möchte ich noch eine Antwort zu einer Frage geben, die mir immer wieder gestellt wird. „Kann ich danach wieder „normal“ (also wie vorher) essen?“ Meine Gegenfrage lautet: „Wenn du dein Übergewicht durch „normales“ Essen und Trinken aufgebaut hast, könnte es sein, dass „normal“ dann einfach falsch ist?“


Mehr zu diesem Thema kannst Du in den kostenlosen Vorträgen von Alexander Nöpel erfahren. Alexander verzichtet bewusst auf eine Website oder Social-Media-Kanäle, da er konsequent den Menschen im Fokus hat und die Anonymität des Internets nicht unterstützen möchte.

Möchtest Du die Termine zu seinen Vorträgen und Workshops erfahren oder hast Du Fragen an ihn? Dann kannst Du das zum einen über eine Nachricht per WhatsApp an die Handy-Nummer +49 151 540 33 764 schicken oder ihm eine E-Mail schreiben.

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