Der Achtsamkeitshype birgt für Menschen mit psychiatrischen Problemen auch Gefahren, wie in einem Beitrag der „Brigitte“ vom 18.01.2022 zu lesen ist.
Gefährliche Achtsamkeit
Dr. Jason N. Lindner verweist in einem Beitrag auf „Psychology Today“ darauf, dass einige Rituale der Achtsamkeit unter anderem die mentale Gesundheit verschlimmern können. Das geht aus über 20 veröffentlichten Berichten oder Studien über Achtsamkeits- und Meditationserfahrungen hervor, in deren Folge eine medizinische Aufmerksamkeit oder zusätzliche Behandlung erforderlich waren.
Der achtsame Umgang mit sich selbst ist eigentlich eine gute Idee, die Übungen sind häufig effektiv und hilfreich. Doch bei Menschen mit Depressionen und Traumata können ungewollte „Nebenwirkungen“ auftreten, wie z. B. Flashbacks, die mit einer intensiveren Wahrnehmung einher gehen. Auch bei anderen psychischen Störungen sind negative Auswirkungen nicht auszuschließen.
Jason Lindner verweist auf Veröffentlichungen der American Psychological Association und des National Institut of Health (NIH), aus denen hervorgeht, dass Meditationen gewisse „psychiatrische Probleme“ verschlimmern können.
Nicht alles ist für alle gut
Uns begegnen täglich Unmengen an Hinweisen, die unseren Fokus auf die Achtsamkeit lenken wollen. Von Apps, die uns mit schöner Regelmäßigkeit ins Hier und Jetzt zurückholen, über Coaches, die uns mit wundervollen Meditationsübungen aus der Hektik in die Entspannung bringen, bis zu Literatur, in der uns erklärt wird, wie wir To-Do-Listen achtsam reduzieren und abarbeiten können.
Achtsamkeit ist für viele Menschen ein guter erster Schritt, aber er alleine reicht nicht aus, ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Dazu müssen wir Fähigkeiten und Strategien entwickeln, die zu dauerhaften Veränderungen führen können.
Vertrauen aufbauen, Liebe vorspielen und dann vom frisch verliebten Opfer Geld fordern – das ist Love-Scamming. Das Thema gibt es schon lange, dennoch schützt uns nur unser „gesunder Menschenverstand“ und rationales Denken vor Schlimmerem.
Mit interessierten Fragen, Mitgefühl und Liebesbekundungen rund um die Uhr, werden Menschen aller Bildungsschichten in Datingportalen und auf Social-Media-Kanälen in die Falle gelockt. Mit anerkennenden Worten, Lob, Interesse und Kosenamen wird schnell eine wundervolle (Online)Liebesbeziehung aufgebaut. Der Aufwand lohnt sich für Betrüger:innen, denn beim Betroffenen entsteht das Gefühl „endlich versteht mich jemand und ist für mich da“.
Spontane Notlage verhindert persönliche Treffen
Der Wunsch nach einem persönlichen Treffen wächst. Ist es dann endlich so weit, wird der Termin aus unterschiedlichsten Gründen kurzfristig abgesagt. Meistens ist etwas Schlimmes passiert, z. B. ein Raubüberfall, ein Krankenhausaufenthalt oder eine familiäre Notsituation, so dass auch hier wieder das Mitgefühl aktiviert wird. Aus dieser Not resultiert natürlich ein vorgespielter finanzieller Engpass und das verliebte Opfer wird – anfangs ganz freundlich – gebeten, dringend Geld zur Überbrückung zu überweisen – das selbstverständlich so schnell wie möglich zurückgezahlt wird … „fest versprochen“.
Schuldenberg und Schamgefühl
Das Love-Scamming-Opfer kann sich bereits nach kurzer Zeit nur schwer aus dieser lebenserfüllenden und zeitintensiven Partnerschaft lösen. Die mentale Einwicklung wirkt, ein rationales Denken ist nicht mehr möglich. Die Beziehung fühlt sich gut an, man ist nicht mehr allein, man kann über alles reden – und das wird gnadenlos ausgenutzt. Der Betroffene schickt das Geld, ob aus Mitgefühl, Angst vor Einsamkeit oder dem Verlust eines „wichtigen“ Menschen, und hofft weiter auf das nächste Treffen.
Doch auch danach gibt es immer wieder schlimme Nachrichten, Notlagen oder sonstige Ereignisse, die die persönlichen Treffen verhindern und weitere finanzielle Unterstützung notwendig machen. Irgendwann wird dem Betroffenen klar, dass er betrogen wurde und sich ein großer Schuldenberg angesammelt hat. Besonders schlimm: das Schamgefühl verhindert, sich Hilfe zu holen.
Love-Scamming: Wer macht so etwas?
Meistens sind es Teams von 3 – 6 Personen, die die Kommunikation rund um die Uhr aufrecht halten, während das Opfer glaubt, lediglich eine wundervolle Person vor sich zu haben. Pro Team werden ca. 20 – 30 potenzielle Opfer bearbeitet. Das ist nur möglich, wenn keine Fragen beantwortet werden, da sonst jeder aus dem Team alle Antworten für jeden Kontakt kennen müsste. Also ist die Strategie eine andere. Die Scammer stellen Fragen, um Interesse zu zeigen, Vertrauen aufzubauen, den richtigen Hebel für die Geldforderungen und deren Höhe zu finden.
In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Männer-Teams aus Afrika hierzulande Frauen anschreiben. Männer werden von osteuropäischen Frauen-Teams kontaktiert. Ausweichen, ablenken und Gegenfragen stellen, mit dieser Vorgehensweise kommen die Teams zum Erfolg.
Genau hinschauen …
Woran ist erkennbar, dass es sich um ein Fakeprofil handelt? Es gibt verschiedene Hinweise, die darauf hindeuten, wann Vorsicht geboten ist:
geschrieben wird nicht in Deutsch oder mit schlechter Übersetzung
Videotelefonate werden abgelehnt
Fragen werden nicht beantwortet, sondern gestellt
die persönlichen Treffen werden – aus „verständlichen“ Gründen – spontan abgesagt
um Geld wird erst gebeten, dann gefordert (für Notlagen, Operationen, finanzielle Engpässe usw.)
die Profilbilder stammen immer aus anderen öffentlichen Profilen (siehe unten)
Zu den Profilbildern haben wir in den Antworten unter dem NDR-Beitrag auf Youtube: „Love-Scamming: Internet-Betrug statt großer Liebe“ einen interessanten Hinweis gefunden. (Leider steht der Beitrag nicht mehr zur Verfügung, Anm. d. Red. vom 10.10.2022.)
Noah Roos hat den Beitrag wie folgt kommentiert:
„Dadurch das die Scammer Bilder von anderen Personen aus dem öffentlichen Leben klauen ist es möglich, dies innerhalb weniger Minuten rauszufinden: -Screenshot von dem Bild der Scammer machen -Ausschneiden so das nur das Gesicht zu sehen ist – Das Bild bei Google Bilder suchen. Dies funktioniert sehr einfach und zuverlässig. Es ist aber keine Absicherung, dass diese Person dann kein Scammer ist!“
Verurteilung tut weh
Im Internet kursieren viele Kommentare zum Love-Scamming, die die Betroffenen als dumm darstellen. Wir möchten deutlich machen, dass jeder Mensch – unabhängig vom Bildungsniveau – darauf hereinfallen kann. Die Betrüger nutzen die emotionale Verletzlichkeit ihrer Opfer auf brutale Art und Weise aus. Daher sind wir der Meinung, dass echtes Mitgefühl für die Betroffenen wesentlich hilfreicher ist.
Anlaufstellen für Betroffene
Wir haben hier – zwei in den Filmbeiträgen genannte – Anlaufstellen für Betroffene aufgeführt. Es gibt dort Menschen, die nachvollziehen und verstehen können, wie so etwas passieren konnte und Hilfe anbieten können.
Angst vor Spinnen ist, gerade bei Frauen, weit verbreitet und geht mit hohem Leiden und starker Vermeidung einher. Durch die Vermeidung (z. B. von Wiesen und Wäldern) wird die Freiheit im Alltag zunehmend eingeschränkt. Obwohl Spinnenangst gut durch so genannte „Konfrontationstherapien“ behandelbar ist, suchen nur wenige Betroffene Hilfe.
Fallbeispiel
Louisa steht vor dem gekippten Fenster. Sie ist wie erstarrt. Ihr Puls schnellt in die Höhe, das Herz schlägt ihr bis zum Hals und sie beginnt zu zittern. Mit den Augen fixiert sie die Spinne, die langsam oberhalb des Fensters entlang krabbelt. Hätte sie doch bloß das Fenster nicht geöffnet. Als sie sich aus der Schockstarre lösen kann, greift sie panisch nach ihrem Mobiltelefon. Mit angstvoller Stimme bittet sie die Freundin vorbeizukommen, um die Spinne zu entfernen. Sie hat Glück, die Freundin hat Zeit und ist in wenigen Minuten da.
Wie Louisa berichten Betroffene von Spinnenangst oder gar Spinnenphobie immer wieder davon, Hilfe beim Entfernen von Spinnen zu benötigen. Auch auf andere Art und Weise kann eine Spinnenangst einschränkend und belastend sein. Betroffene erleben starke Angst und Furcht bei einer (erwarteten) Begegnung mit einer Spinne. Das Umfeld nimmt Betroffene oft nicht ernst und reagiert mit Unverständnis. Die Betroffenen selbst suchen die Umgebung in regelmäßigen Abständen auf Spinnen ab und interpretieren bereits schwarze Flecken an der Wand als Spinnen. Dachböden und Keller werden nicht betreten, da dort häufig Spinnen sind. Die Spinnenphobie kann den Tagesablauf Betroffener empfindlich stören. Ist eine Spinne im Weg, kann etwa das Haus nicht verlassen werden, sind Umwege zu gehen oder es wird Hilfe benötigt. Diese Schwierigkeiten wiederum führen zu Verspätungen, Stress und Schamgefühl. Wenn abends im Bett die Spinnen auch noch die Hauptdarsteller im eigenen Kopfkino sind, fällt auch noch das Einschlafen schwer.
Was genau ist eine Spinnenphobie?
Ist die Angst vor Spinnen besonders ausgeprägt, kann es sich um eine Spinnenphobie handeln. Von einer Spinnenphobie wird gesprochen, wenn eine deutliche Angst oder Furcht vor Spinnen besteht. Die Angst geht dabei deutlich über die tatsächliche Gefahr hinaus, die eine Spinne birgt. Begegnen Betroffene einer Spinne, zeigen sie fast immer eine deutliche und sofortige Angstreaktion. Spinnen werden bei einer Spinnenphobie aktiv vermieden, das heißt, der Kontakt mit Spinnen wird absichtlich verhindert oder so weit wie möglich minimiert. Ist die Begegnung mit einer Spinne unumgänglich, wird diese nur unter starker Angst durchgestanden. Dabei können auch Panikattacken auftreten. Die Angst und die Vermeidung haben einen negativen Einfluss auf wichtige Lebensbereiche, wie den Beruf oder soziale Beziehungen. Beispielsweise nehmen Betroffene nicht mehr an Veranstaltungen in Parks und Gärten teil oder lehnen ein ersehntes Stellenangebot aufgrund örtlicher Gegebenheiten ab.1
Wie viele Personen sind betroffen?
Angsterkrankungen, zu denen die Spinnenphobie zählt, sind weit verbreitet. Die verschiedenen Phobien stellen dabei die häufigsten aller Angsterkrankungen dar. Etwa 12.5% der Bevölkerung leiden einmal in ihrem Leben an einer Phobie. Die meisten Phobien entstehen bereits im Kindes- und Jugendalter – im Schnitt im Alter von zehn Jahren. Dennoch kann eine Phobie in jedem Alter neu auftreten. Wie bei den Phobien insgesamt sind auch bei der Spinnenphobie etwa doppelt so viele Frauen als Männer betroffen.1, 2
Wie entsteht eine Spinnenphobie?
Bei der Entstehung einer Spinnenphobie spielen verschiedene Aspekte eine Rolle. Ein Aspekt sind negative Erlebnisse in der Vergangenheit. So ein Erlebnis kann etwa das Hineinlaufen in ein Spinnennetz sein oder eine beinahe verspeiste Spinne im Salat. Relevant ist bei dem Erlebnis nicht, ob die Situation tatsächlich gefährlich war, sondern dass Betroffene selbst die Situation als bedrohlich erlebten. Teilweise erinnern sich Personen noch genau an das Ereignis, mit dem ihre Spinnenangst begann. Andere berichten, die Angst sei immer schon da gewesen und können keinen konkreten Anfangspunkt berichten.
Ein besonders wichtiger Aspekt ist das sogenannte Modelllernen. Damit ist das Lernen durch Beobachten anderer gemeint. Kinder lernen besonders viel durch das Beobachten elterlichen Verhaltens. Zeigt nun ein Elternteil immer wieder starke Angst beim Anblick einer Spinne, lernt ein Kind, dass es vor Spinnen Angst haben sollte.
Auch die Angstsensitivität, ein Persönlichkeitsmerkmal, ist ein relevanter Faktor. Personen die angstsensitiver sind, entwickeln eher eine Phobie.3
Es wird heute zudem davon ausgegangen, dass eine sogenannte Preparedness die Entwicklung von Phobien begünstigt. Die Preparedness ist eine biologisch angelegte Neigung, gewisse Assoziationen besonders schnell zu erlernen. Der Grund dafür ist, dass es evolutionsgeschichtlich von Vorteil war, sich vor Spinnen zu fürchten. Wer sich vor Spinnen in Acht nahm, hatte bessere Chancen zu überleben und sich fortzupflanzen.4 Heutzutage sind die Spinnen in unseren Breitengraden ungefährlich. Objektiv gesehen macht es daher wenig Sinn, sich vor ihnen zu fürchten.3
Schlussendlich spielt das Vermeidungsverhalten eine Rolle dabei, dass Ängste bestehen bleiben. Aufgrund der dauerhaften Vermeidung, also dem Ausweichen von Spinnen, ist es unmöglich, relativierende und korrigierende Erfahrungen zu machen, welche die Angst mindern würden. Im Gegenteil: meistens weitet sich die Angst noch aus.3
Wie kann eine Spinnenphobie behandelt werden?
Die gute Nachricht ist, dass es trotz der großen Belastung wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeiten für die Spinnenphobie gibt. Die Behandlung der Wahl ist die sogenannte Exposition – Betroffene konfrontieren sich mit dem Objekt der Angst, also der Spinne. Im ersten Moment hört sich dies möglicherweise beängstigend und unüberwindbar an. Daher kann es sinnvoll sein, sich professionell begleiten zu lassen. Es gibt die Möglichkeit, eine Exposition in der Vorstellung (in sensu) oder in der Realität (in vivo) durchzuführen. Neuerdings werden auch Möglichkeiten zur virtuellen Exposition entwickelt. Dadurch können sich Betroffene selbständig mit einer App ihrer Spinnenphobie stellen.5
Ein Gruppentherapiekonzept gegen Spinnenphobie
In einem neuen Gruppentherapiekonzept der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit dem Walterzoo Gossau können Betroffene einer Spinnenangst oder Spinnenphobie sich ihrer Angst stellen. Dabei werden die Teilnehmer während vier Stunden durch Fachpersonen aus Biologie und besonders Psychologie eng begleitet. Zu Beginn gibt es eine Wissenseinheit zu Angst und Spinnen. Danach beginnt die eigentliche Konfrontation. Als erstes wird mit Spinnenbildern gearbeitet. Diese sollen genau betrachtet und berührt werden. Dann geht es weiter mit Spinnenhäuten und toten Spinnen, die betrachtet und angefasst werden (können), bevor schlussendlich mit lebenden Spinnen geübt wird. Jeder Teilnehmer geht so weit er das möchte. Die Fachpersonen ermutigen die Teilnehmer bei jedem Schritt, es wird aber nichts erzwungen. Der Kurs soll möglichst alltagsrelevant sein, daher findet die Konfrontation mit einheimischen Spinnen statt. In Zusammenarbeit mit diesem Programm läuft aktuell auch eine Studie der Universität Zürich, die den Einfluss von Hormonen auf die Wirksamkeit der Expositionstherapie untersucht. Dadurch soll das Therapieangebot in Zukunft noch weiter verbessert werden.
Vermeide die Vermeidung!
Betroffene von Spinnenphobie suchen oft erst nach langer Zeit des Leidens und Vermeidens Hilfe. Ob seit kurzer oder langer Zeit eine Spinnenangst besteht, die Erfahrung hat gezeigt, eine Behandlung lohnt sich! Betroffene finden dadurch einen entspannteren Umgang mit Spinnen und erlangen verlorene Freiheiten zurück. Verschiedene Programme zur Behandlung von Spinnenphobie sind dabei leicht im Internet zu finden.
„Mut ist nicht, keine Angst zu haben; Mut ist, sich seiner Angst zu stellen.“
(Verfasser:in unbekannt)
Weiterführende Informationen und Spinnenphobiekurs
Ratgeber: Galli, U., Pallich, G. & Pörtner, L. (2020). Keine Angst vor Spinnen. Der Ratgeber für Menschen mit Spinnenphobie (1. Auflage). Bern, Schweiz: Hogrefe Verlag.
Quellen
1 Falkai, P. (Hrsg.). (2015). Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen DSM-5®. Göttingen; Bern ; Wien [u.a.]: Hogrefe.
3 Galli, U., Pallich, G. & Pörtner, L. (2020). Keine Angst vor Spinnen. Der Ratgeber für Menschen mit Spinnenphobie (1. Auflage). Bern, Schweiz: Hogrefe Verlag.
5 Bandelow, B, et al. M. (Eds.): S3-Leitlinie Angststörungen. Berlin 2015: Springer.
Die Autorin: Aline Hafner, BSc
Aline Hafner absolviert gerade den Master of Science in Psychologie an der Universität Zürich. Nach ihrem Abitur an einem Kunstgymnasium war ihr klar: Kunst ist interessant, aber noch interessanter ist der Mensch und warum er ist, wie er ist. Im Rahmen ihrer Masterarbeit wirkt sie an der Studie „Hormone und Psychotherapieerfolg bei Spinnenangst“ mit. Dadurch beschäftigt Sie sich intensiv mit Angsterkrankungen und insbesondere mit der Spinnenphobie.
„Es ist begeisternd zu sehen, wie Menschen in der Expositionstherapie sich mutig ihrer Angst stellen und schnelle Erfolge verzeichnen können.“
Igor Adolph, Geschäftsführer von e-Trado und Mitglied der visibleRuhr eG, ist Online-Marktplatzhändler und vielseitig interessiert. Als er von der Kombination eines Beckenbodentrainers mit einer interaktiven App hörte, wurde er neugierig. Er hat das Produkt auf Workflow und technische Eigenschaften getestet. Wir waren neugierig, was einen Mann dazu veranlasst, einen Beckenbodentrainer für Frauen zu testen und die Ergebnisse auf seinem Blog zu veröffentlichen.
Hallo Igor, Du gehörst nicht zur Zielgruppe des Beckenbodentrainers. Wie bist Du auf die Idee gekommen, den Elvie mit der App genauer unter die Lupe zu nehmen und zu testen?
Als technik-affiner Mensch interessieren mich Produkte, die verschiedene Technologien miteinander verbinden. Zudem übernehme ich nur den Vertrieb, wenn ich die Waren vorher getestet habe. Ich nehme jedes Produkt unter die Lupe, schaue auf die Details des technischen Zusammenspiels und prüfe, ob die Herstellerangaben in der Realität Bestand haben. Genauso habe ich das mit einer W-LAN-Kamera gemacht. Sie kann Räume oder einen Garten überwachen, während eine App alles aufnimmt. Die Kamera wird mit dem W-LAN verbunden und ermöglicht so den Zugriff auf die Bilder, egal wo sich der Besitzer gerade befindet.
Wenn mich das Produkt überzeugt, schreibe ich einen Erfahrungsbericht, den ich in meinem Blog veröffentliche. Diese Kamera hat mich so begeistert, dass ich sie in mein Vertriebsportfolio aufgenommen habe.
Kommen wir zum Elvie Beckenbodentrainer. Ich hatte vor kurzem von einer Art Fitness-Tracker gehört, der per Bluetooth-Verbindung zum Smartphone ein interaktives Training über eine App anbietet. Das hat mein Interesse sofort geweckt. Ich habe mir das Gerät besorgt – auch mit dem Hintergedanken, es selbst anzubieten.
Wie hast Du den Beckenbodentrainer getestet – haben Dich Mitarbeiterinnen dabei unterstützt? Zu welchen Erkenntnissen bist Du gekommen?
Ich habe tatsächlich einen (kurzen) Versuch gemacht, meine Mitarbeiterinnen für einen Test zu begeistern, doch erntete ich damit ein solches Lächeln, da habe ich besser nicht nochmal nachfragt…
Also – selbst ist der Mann! Mir war klar, dass es bei dem Trainer um eine Drucksensortechnik geht, mit der ich mich an anderer Stelle schon beschäftigt hatte. Dann habe ich mir die kostenlose App aus dem entsprechenden Shop auf ein I-Phone und ein Android-Gerät geladen.
Beide Versionen haben die gleiche Bilddarstellung und identische Funktionen. Die Installation war einfach. Die App leitete an, ein paar Druckübungen mit der Hand durchzuführen, die auch von der realen Nutzerin beim Erststart zum Feststellen der Basiskraft durchgeführt werden müssen. Die Drucksensoren des Elvie Trainers reagieren auf den Kraftaufwand – und bereits ein sehr leichter Krafteinsatz hat zu einer sichtbaren Veränderung in der App geführt.
Das hat mich beeindruckt und ich könnte mir vorstellen, dass sich die Technik auch zur Verbesserung anderer Krankheitsbilder eignen könnte, wie z. B. bei ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Dabei lässt die Feinmotorik nach und mit der Kombination aus App und Drucksensorgerät könnten gute Trainingserfolge erzielt werden. Vielleicht sollte der Trainer dann die Form eines Tennisballs haben, die Größe wäre für eine Männerhand besser geeignet. Durch die App lassen sich bereits ganz leichte Druckveränderungen ablesen. Das ist für Betroffene zum einen extrem hilfreich – und es hat zum anderen noch einen Gaming-Effekt, was die Motivation erhöht.
Wie beurteilst Du die App des Beckenbodentrainers?
Kurz zusammengefasst: Die App ist zielführend und genau. Die Benutzerführung durch die Übungen ist super und der vorhandene Countdown zum „jetzt entspannen“ hilft bei der Umsetzung. Es gibt verschiedene Workouts und die App erinnert automatisch daran, dass noch ein Training zu absolvieren ist.
Igor, kommen wir zum Ergebnis Deiner Testphase. Kannst Du den Elvie Beckenbodentrainer empfehlen und wirst Du ihn ebenfalls auf den Marktplätzen anbieten?
Ob ich ihn in mein Portfolio aufnehme, ist noch unklar. Die Gründe liegen aber hauptsächlich darin, dass der Elvie auf Kassenrezept zu bekommen ist. Das ist sicherlich der leichtere und kostengünstigere Weg für viele Frauen.
Empfehlenswert ist der Elvie Beckenbodentrainer auf jeden Fall. Tatsächlich habe ich ihn schon im Bekanntenkreis empfohlen und werde das auch weiterhin tun.
Herzlichen Dank Igor, für das tolle Gespräch und den spannenden Einblick in Deine Perspektive.
Igor Adolph, Geschäftsführer e-Trado GmbH
Igor Adolph ist Internet-Marktplatzhändler und verkauft Produkte über unterschiedliche kleine Online-Vertriebskanäle wie Lenando und größere wie Kaufland, Otto oder Rewe. Sein Fokus liegt im Garten- und Reisebereich. Er vertreibt Gartenartikel aller Art – auch Möbel für den Balkon und die Terrasse. Die Reiseartikel umfassen hauptsächlich hochwertige Taschen und Koffer. Ab Oktober werden einige Medizinprodukte dazukommen, wie Desinfektionsmittel (mit und ohne Alkohol), Spender und Reinigungstücher.
e-Trado GmbH Gewerbeallee 15-19 45478 Mülheim an der Ruhr Fon: +49 208 305 50 60 67 Fax: +49 208 305 50 60 66 E-Mail Internet
Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung der Frau. Brustkrebs (medizinisch Mammakarzinom) ist ein bösartiger Tumor der Brustdrüse des Menschen. Was aber bedeutet genau Brustkrebs? Wie laufen eine Brustkrebs-Untersuchung sowie Behandlung ab? Wie bereitest Du Dich auf eine Chemotherapie vor? Und welche Entscheidungen müssen nach einer Brustoperation, Brustrekonstruktion, Brustentfernung, Mastektomie getroffen werden? Wie sieht eine Brutprothese aus und gibt es spezielle BHs für die Zeit nach einer Strahlentherapie?
Zahlen und Fakten
„Jedes Jahr erkranken in Deutschland 167,7 von 100.000 Frauen und 1,8 von 100.000 Männern an Brustkrebs. Mit etwa 69.700 Neuerkrankungen insgesamt ist Brustkrebs in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 64 Jahren“, so die Deutsche Krebshilfe.
Was bedeutet Brustkrebs medizinisch gesehen?
Brustkrebs beginnt in den Zellen der Brust. Dort befinden sich krankhaft veränderte Zellen, die die natürlichen Gewebegrenzen überschreiten (Invasive Tumore). Sie wachsen aus dem Drüsengewebe oder den Milchgängen in angrenzendes Gewebe. Ohne Behandlung ist das Risiko hoch, dass sie weiterwachsen, und sich Metastasen bilden.
In den meisten Fällen dauert die Entwicklung von Brustkrebs mehrere Monate oder sogar Jahre.
Wie läuft eine Brustkrebs-Untersuchung ab?
Tastuntersuchung
Wenn wir von einer Früherkennungsuntersuchung bei Brustkrebs sprechen, denken wir an eine Tastuntersuchung. Gesetzliche Krankenkassen in Deutschland bieten Frauen ab 30 Jahren 1-mal im Jahr ihre Brust von Ärzt:innen abtasten zu lassen. Diese Maßnahme reicht zur Brustkrebsfrüherkennung allein nicht aus, kann aber dazu führen, dass weiterführende Untersuchungen veranlasst werden.
Desweiteren bieten die gesetzlichen Krankenkassen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zur Früherkennung von Brustkrebs alle 2 Jahre ein Mammographie-Screening an.
Mammographie-Screening
Die Mammographie ist eine medizinische Bildgebungstechnik, mit der die innere Struktur der Brust mithilfe von Röntgenstrahlen sichtbar gemacht wird. Sie ist die erste Untersuchung in der Brustbildgebung. Es können mögliche Läsionen oder Knötchen erkannt werden, bevor schwerwiegende Symptome von Brustkrebs auftreten. Wenn in Deiner Familie Fälle von Brustkrebs aufgetreten sind, wird Deine Ärzt:in eine bilaterale Mammographie beider Brüste anordnen. Aber Vorsicht, die Mammographie allein bestätigt die Diagnose von Brustkrebs nicht, es ist wichtig sich die Ergebnisse von Spezialist:innen erklären zu lassen.
Behandlung von Brustkrebs
Je früher der Brustkrebs diagnostiziert wird, desto höher sind die Chancen auf einen Behandlungserfolg. Natürlich ist die Art der Behandlung von der Größe des Tumors abhängig sowie von der Frage, ob der Krebs bereits Metastasen gebildet hat.
Sehr häufig ist eine operative Entfernung des Tumorgewebes der erste Schritt. Nach der Operation wird dann unter Umständen noch eine Strahlentherapie erfolgen.
Zwei Operationstypen
Bei der brusterhaltenden Operation, werden nur der Tumor und zur Sicherheit die umgebenden Zellen entfernt. Der Rest der Brust wird erhalten. Eine brusterhaltende Operation wird immer durch eine Strahlentherapie ergänzt.
Bei einer sogenannten Mastektomie wird die gesamte Brust entfernt. In diesem Fall kann über eine Brustrekonstruktion nachgedacht werden.
Bei einem tastbaren Lymphknoten müssen zusätzlich ein oder mehrere axilläre Lymphknoten entfernt werden. In diesem Fall soll festgestellt werden, ob der Tumor über die Brust hinausreicht, ob eine weitere Behandlung mit Chemo- oder Hormontherapie erforderlich ist oder ob eine Bestrahlung der Lymphknoten angebracht ist. Die Lymphknotenentfernung reduziert bei Bedarf das Rezidivrisiko, das Risiko, dass der Krebs erneut auftritt.
Strahlentherapie
Meistens wird die Strahlentherapie nach der Operation (adjuvante Therapie) eingesetzt, um gegebenenfalls nicht entfernte Tumorzellen abzutöten und so einen Rückfall zu verhindern.
Nach einer Strahlentherapie ist die Haut äußerst empfindlich bis verbrannt. Daher ist es während und einige Wochen nach der Strahlentherapie empfehlenswert, einen angepassten BH zu tragen. Beispiele für Spezial BHs findest Du u. a. hier.
Chemotherapie
Bei Brustkrebs kann zusätzlich zur Operation eine Chemotherapie nötig sein, um die Tumorzellen intensiv zu bekämpfen. Hierbei handelt es sich um sogenannte Zytostatika, Wirkstoffe, die das Wachsen von Krebszellen hemmen.
Diese Wirkstoffe können leider auch gesunde Zellen befallen. Deshalb sind Haarausfall und Übelkeit zwei der häufigsten Nebenwirkungen, die bei einer Chemotherapie auftreten können.
Wie bereitest Du Dich am besten auf eine Chemotherapie vor?
Organisiere Deinen Transport zu jeder Sitzung. Am besten lässt Du Dich die ersten Male begleiten, da die Behandlung enorm anstrengt. Die Unterstützung von Nahestehenden ist von sehr großer Bedeutung.
Trage gemütliche Klamotten, manche Chemotherapie Sitzungen können bis zu 4 Stunden dauern.
Trinke genug, sowohl vor als auch während der Sitzung.
Nimm leichte Kost zu Dir.
Vermeide das Auftragen von Parfüm, Gerüche können unerträglich werden. Was Du mitbringen solltest: Thermalwasserspray, Zeitschriften, Musikplayer, Akupressur-Armband gegen Übelkeit, Decke für die Kälteempfindlicheren, etwas zum Knabbern.
Postoperative- und Prothesen-BHs
In der Chirurgie bleiben bei Krebs in der Regel Narben auf der Brust oder auf dem Brustkorb zurück. Diese Narben können sichtbar und in den ersten Monaten nach der Operation sehr empfindlich sein.
Um so gut wie möglich mit den gegebenen Umständen zurecht zu kommen und um eine Reizung der Narben durch den BH zu vermeiden, solltest Du Dich nach bequemer, zu Deiner Morphologie passender Unterwäsche umschauen. Während den ersten Wochen nach der Mastektomie (bis zur Wundheilung) ist das Tragen eines postoperativen BHs empfehlenswert. Damit ist ausgeschlossen, dass sich Nähte auf der Höhe eventueller Narben befinden. Es gibt bequeme Modelle ohne Bügel mit Taschen für Teil- bzw. Ausgleichsprothesen, das vermeidet die Reizung der Narbe. Möglichst breite Träger nehmen viel Druck von den Schultern und ein höher geschnittener BH versteckt Deine Narbe auf dem Brustkorb.
Und eine passende Brustprothese?
Egal ob es sich hier um eine Übergangslösung oder um eine endgültige Lösung handelt, die Brustprothese ist ein ästhetisches und psychologisches Mittel, um sich weiterhin weiblich zu fühlen. Entscheide Dich für eine Brustprothese, die zu Deiner Körperform passt (Beispiele findest Du hier). Sobald die Wundheilung abgeschlossen ist, raten wir davon ab, eine mit Silikongel gefüllte Prothese zu verwenden. Beim Verlassen des Krankenhauses bekommest Du normalerweise eine Stoffprothese. Es liegt ganz bei Dir welche Prothese am besten für Dich geeignet ist.
Nachstehend findest Du ein paar Kriterien, die Dir bei Deiner Entscheidung helfen können:
Das Material: Stoff (wird nach der Operation empfohlen) oder Silikon für die Optik und das vertraute Gefühl. Wähle Deine Prothesenform je nach Form und Kontur Deiner Brüste aus (symmetrisch, asymmetrisch…). Entscheide Dich zwischen einer selbsthaftenden Brustprothese, das Gewicht wird von der Brustwand getragen und daher gleichmäßiger verteilt oder einer externen Brustprothese, die in einer Tasche des BHs getragen wird. Außerdem gibt es leichtere Brustprothesen, die für eine Teilentfernung, große Brüste oder sportliche Aktivitäten geeignet sind.
Nachsorge
Vergiss bitte nicht, Dich um eine angemessen Nachsorge zu kümmern. Viele Einrichtungen bieten verschiedene Entspannungsprogramme an. Gönne Dir zum Beispiel eine Spa-Behandlung, übe eine angepasste körperliche Aktivität aus oder lasse Dich von Spezialist:innen in Deinem Leben nach dem Krebs unterstützen und begleiten.
Verschiedene begleitende Behandlungen und alternative Medizin sind sehr hilfreich: geeigneter Sport, Akupunktur, Sophrologie, Kunsttherapie, Yoga, …
Die Autorin: Kira Hollmann
Kira Hollmann ist Brandmanagerin für das Unternehmen Oncovia.com
Seit vielen Jahren engagiert sie sich Tag für Tag im Kampf gegen Krebs bei Frauen.
Oncovia.com dient mit einem breiten Angebot (Kosmetikprodukte, Unterwäsche, Perücken sowie Accessoires) dem Komfort und dem Wohlbefinden von Krebsleidenden.
Im Vordergrund steht für mich stets die Unterstützung von Krebspatienten: „Ich und unser ganzes Team wollen dabei helfen, besser mit den Belastungen des Krebses umgehen zu können. Wir stehen Dir zur Seite, wenn es darum geht, der Krankheit und ihren Nebenwirkungen zu begegnen, die Lebensqualität zu steigern und das innere Gleichgewicht wieder herzustellen.“