Tradwife – Altes Rollenmuster im neuen Gewand?

Tradwife – Altes Rollenmuster im neuen Gewand?

In den sozialen Medien und Lifestyle-Blogs taucht zunehmend ein Trend auf, der aus den USA herüberschwappt und überrascht: Junge Frauen bekennen sich offen zur traditionellen Hausfrauenrolle und bezeichnen sich als „Tradwives“ – ein Begriff, der sich von „traditional wives“ (traditionelle Ehefrauen) ableitet. Sie werben für ein Leben, das sich hauptsächlich um Haushalt, Ehe und Kinderbetreuung dreht, während der (gutverdienende) Mann als Ernährer auftritt. Einige verstehen diese Bewegung als bewusste Entscheidung für ein erfülltes Familienleben, Kritiker sehen darin eine Rückkehr zu längst überholten Geschlechterrollen.

Doch warum folgt eine wachsende Zahl von Frauen diesem Trend? Welche gesellschaftlichen Hintergründe begünstigen seine Entstehung?

Die Entstehung des Tradwife-Trends

Der Tradwife-Trend ist eine Gegenbewegung zur Emanzipation und der damit verbundenen Erwartung, dass Frauen Beruf und Familie unter einen Hut bringen müssen. Viele, vor allem junge, Frauen sind von den Herausforderungen, Karriere zu machen, finanziell unabhängig zu sein und gleichzeitig familiäre und emotionale Verpflichtungen zu erfüllen, überfordert. In den sozialen Kanälen präsentieren Tradwives ein vermeintlich idyllisches Leben, das sich um Harmonie, Fürsorge und klassische Geschlechterrollen dreht. Die Frauen zeigen sich oft in nostalgisch inspirierten Kleidern, beim Backen oder bei der Kindererziehung – stets mit einem Lächeln auf den Lippen und einem perfekt geputzten Zuhause im Hintergrund.

Estee Williams ist eine Tradwife. Sie hat sich dem „traditionellen Leben“ verschrieben. Sie bereitet sich auf die Rückkehr ihres Mannes vor. Sie frisiert sich ihr blondes gelocktes Haar und trägt roten Lippenstift auf. Im Hintergrund spielt Jazzmusik – sanfte Klänge von Bobby Darin. Ihr Mann arbeitet tagsüber, während sie den Haushalt schmeißt. Mit ihren Videos auf TikTok und Instagram erreicht die Influencerin Hunderttausende. Ihre Filme wirken wie Ausschnitte aus Filmen der 1950er – nur in chic und in Farbe. In Wirklichkeit sind die Inhalte erst in den letzten Monaten entstanden.

Die Wurzeln der Tradwife-Bewegung finden sich in historischen, aber auch in den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Einerseits knüpft sie an das Ideal der Hausfrau aus den 1950er-Jahren an, das teilweise in konservativen Kreisen noch vorhanden ist. Andererseits ist sie eine Reaktion auf eine Gesellschaft, in der Flexibilität, Leistungsdruck und Selbstoptimierung häufig als Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Leben gelten.

Warum entscheiden sich Frauen für diese Rolle?

Die Gründe, warum Frauen sich bewusst für den Tradwife-Lifestyle entscheiden, sind vielfältig. Viele sehnen sich nach einem einfacheren Leben, in dem sie sich nicht zwischen Karriere und Familie aufreiben müssen. Die Vorstellung, sich ganz auf das Zuhause und die Familie konzentrieren zu können, erscheint als Ausweg aus dem hektischen Alltag der modernen Arbeitswelt. Besonders in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit kann es zudem attraktiv erscheinen, sich auf ein traditionelles Rollenmodell zurückzubesinnen, in dem der Mann als Hauptverdiener für finanzielle Stabilität sorgt.

Auch soziale Medien spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Auf Plattformen wie Instagram und TikTok wird das Tradwife-Dasein als ästhetisch ansprechend, entspannt und erfüllend inszeniert. Der nostalgische Charme vergangener Jahrzehnte, kombiniert mit der Idee einer klar definierten Lebensaufgabe, übt auf viele Frauen eine große Anziehungskraft aus. Hinzu kommen ideologische oder religiöse Überzeugungen, die traditionelle Familienstrukturen befürworten. In manchen konservativen Kreisen wird die Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter als moralisch wertvoller angesehen als eine berufliche Karriere. Frauen, die sich diesem Ideal anschließen, erleben oft gesellschaftliche Anerkennung innerhalb ihrer Community.

Die Schattenseiten des romantisierten Lebensstils

So verlockend das Bild der perfekten Hausfrau erscheinen mag, es birgt ebenfalls Risiken und Herausforderungen. Eine finanzielle Abhängigkeit vom Ehemann kann langfristig zu Problemen führen – sei es bei Trennungen, Scheidungen (die damals noch nicht an der Tagesordnung waren) oder bei unvorhergesehenen Schicksalsschlägen. Die Entscheidung, sich ausschließlich auf die Familie zu konzentrieren, kann, sollte sich die Lebenssituation ändern, den Wiedereinstieg ins Berufsleben erschweren.

Auch psychologische Faktoren spielen eine Rolle. Wer sein gesamtes Lebensglück von der Familie und der Zufriedenheit eines Partners abhängig macht, verliert sich selbst und die eigenen Bedürfnisse aus den Augen. In einer Gesellschaft, die immer noch stark von feministischen Errungenschaften geprägt ist, kann zudem sozialer Druck entstehen, wenn Frauen sich gegen den Mainstream der Gleichberechtigung entscheiden.

Die Kommunikationswissenschaftlerin Prof. Margreth Lünenborg schreibt: „Auf den ersten Blick mögen die Videos und Inhalte dieser Bewegung harmlos und naiv erscheinen.“ Dennoch spricht sie warnt sie: Bei genauerer Betrachtung offenbare der Trend ernsthafte Probleme. Die Videos der Tradwives stellten ein „gesellschaftliches Arrangement als Ideal dar, das mit extremen Ausschlüssen einhergeht“. Sie erklärt, dass hinter den vermeintlich unpolitischen Darstellungen ein tief verwurzeltes, politisches Weltbild steckt, das rassistische und diskriminierende Elemente enthält.

Prof. Lünenborg beschreibt die Gemeinsamkeiten der Tradwives:

  • sie sind (fast) alle weiß
  • sie kommen aus christlich-fundamentalistischen Kreisen
  • sie propagieren ein traditionelles Geschlechter- und Familienbild
  • die Erwerbsarbeit des Mannes reicht aus, um die Familie zu ernähren

Dieser Lebensstil, der von Frauen mit gutverdienenden Ehemännern geprägt ist, verstärke ein elitäres Bild, das sich bewusst vom Rest der Gesellschaft abgrenzt. Prof. Lünenborg hebt hervor, dass Frauen in diesem Modell „klar dem Mann untergeordnet“ sind. Dieser Trend richte sich gegen jegliche gesellschaftlichen Veränderungen und bewahre ein enges, rückwärtsgewandtes Weltbild. Es sei kein Platz für alternative Familienbilder, wie Regenbogenfamilien, Familien ohne Kinder oder für schlechter Verdienende, weil sie sich diesen Lebensstil gar nicht leisten könnten.

Tradition oder Trend? Die Zukunft der Tradwives

Ob dieser Trend eine langfristige Bewegung oder nur ein kurzlebiges Phänomen ist, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall sollte er eine tiefere gesellschaftliche Debatte über Geschlechterrollen, Arbeitsmodelle und persönliche Freiheit anstoßen. Während sich einige Frauen bewusst für diesen Lebensstil entscheiden und Erfüllung darin finden, bleibt die Frage bestehen, ob die Rückkehr zu alten Rollenmustern tatsächlich ein Fortschritt ist – oder ob sie vielmehr eine Flucht aus den Herausforderungen der modernen Welt darstellt.

Die Diskussion um Tradwives zeigt, wie vielfältig und individuell die Lebensentwürfe moderner Frauen sein können. Während manche den feministischen Kampf für Gleichberechtigung als unantastbares Ziel betrachten, fühlen sich andere in traditionellen Strukturen wohler. In einer idealen Gesellschaft sollte es jedoch nicht um entweder/oder gehen, sondern um die Möglichkeit, frei und selbstbestimmt zu wählen – unabhängig von gesellschaftlichem Druck, Trends oder Normen.


Quellen und weitere Informationen:

ZDF Volle Kanne: Tradwives – Alte Rollenmuster im Trend? (verfügbar bis 6.2.2027)

ZDF – Politik – Ausland: Tradwife: Warum der TikTok-Trend gefährlich ist

ZDF Panorama: „Tradwives“ auf Social Media: Junge Frauen zurück in alte Rollenmuster?

ARD – Gesellschaft: Traditionelles Frauenbild bei TikTok: Zurück in die 1950er

National Geographic: Problematischer Tradwives-Trend: Darum zelebriert das Netz alte Rollenbilder

Frankfurter Rundschau: „Habe es satt, zu arbeiten und Haushalt zu schmeißen“: Warum Frauen zu „Tradwives“ werden

Hast Du weitere interessante Links? Setz sie gerne in die Kommentare.

Holpriger Weg zur Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen im Breiten- und Spitzensport

Holpriger Weg zur Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen im Breiten- und Spitzensport

Gap‘s für Frauen & Mädchen schließen – damit Träume wahr werden können!

Als Leiterin Sponsoring mit langjähriger Erfahrung und auch als Frau ist es mir ein Anliegen, die Herausforderungen aufzuzeigen, denen Frauen und Mädchen im Breiten- und Spitzensport gegenüberstehen. Vor allem, wenn es um ihre sportlichen Ambitionen geht. Während sich Gleichberechtigung in der Gesellschaft zunehmend durchsetzt, ist das Thema im Sport noch nicht wirklich angekommen. Dabei geht es nicht (nur) um faire Bezahlung, sondern um grundlegende Strukturen, die Frauen und Mädchen häufig den Weg in den Sport erschweren oder ihnen die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten, wie Männer und Jungen sie haben, verwehren. Sei es durch fehlende Trainingszeiten, unzureichende Infrastruktur oder die Tatsache, dass geplante Trainingseinheiten nicht stattfinden können, weil niedrigklassige Jungenmannschaften Vorrang bei der Platznutzung erhalten. Wir müssen diese Lücken schließen – für eine Zukunft, in der Sportlerinnen ihre Träume verwirklichen können!

Strukturelle Ungleichheiten und alltägliche Hürden ­­ziehen sich durch alle Lebensbereiche

Eine der größten Herausforderungen ist der eingeschränkte Zugang zu Ressourcen. Frauenmannschaften erhalten oft weniger Trainingszeiten als ihre männlichen Kollegen, müssen sich mit schlechterer Ausstattung zufriedengeben oder werden in der Vereinsstruktur nicht ausreichend gefördert.

Auch die finanzielle Unterstützung bleibt ein kritischer Punkt. Während Männerteams in vielen Sportarten von Sponsorenverträgen, Ticketverkäufen oder von Verbandsförderungen profitieren, müssen Frauenmannschaften häufig schon um das Nötigste kämpfen. Ein besonders starkes Beispiel zeigt sich im Basketball: Während Spieler der 2. Bundesliga Nord rund 11.000 Euro im Monat verdienen, erhalten ihre weiblichen Kolleginnen in der gleichen Liga keinen einzigen Euro. Ähnliches gilt für andere Sportarten, in denen Frauen ihre Trikots, Fahrtkosten und teilweise sogar die Spielgebühren selbst zahlen müssen.

Hinzu kommt eine mangelnde mediale Präsenz. Auch wenn es in den letzten zwei Jahren deutliche Verbesserungen gegeben hat, ist die Berichterstattung noch nicht auf dem gleichen Niveau. Ausnahmen bestätigen die Regel: Im Tennis arbeiten beide Geschlechter zu gleichen Konditionen.

Gleichwertige Leistung – Ungleiche Wertschätzung

Dass Frauen im Sport nach wie vor nicht die gleiche Anerkennung erfahren wie Männer, zeigt sich an vielen Beispielen.

Der MSV Duisburg löst im Jahr 2024 seine Frauenfußballmannschaft nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga aufgrund fehlender finanzieller Unterstützung komplett auf – und KEIN Aufschrei erschüttert die Öffentlichkeit. Bei den Männern undenkbar. Dieser Fall zeigt, wie fragil das System des Frauenfußballs in Deutschland noch immer ist. Ein traditionsreicher Standort für den Frauenfußball, der zahlreiche Profi-Spielerinnen hervorgebracht hat, verschwindet aus dem professionellen Spielbetrieb – und es scheint kaum jemanden zu interessieren.

Was nach der EM 1989 geschah, als die Spielerinnen der deutschen Nationalmannschaft den EM-Titel erkämpften, wird heute noch mit Empörung und Unverständnis kommentiert. Als Anerkennung erhielten die Frauen damals ein Kaffee-Service mit Blümchen. Das war 1989. Fast vier Jahrzehnte später hat man nach wie vor nicht daraus gelernt. Ein besonders aufsehenerregender Fall ereignete sich im Januar 2025 im Skispringen: Während männliche Athleten für die gleiche Platzierung 3.000 CHF Preisgeld erhielten, bekam die Top-Skispringerin Selina Freitag ein Dusch Set und vier Handtücher. Hier und jetzt – es ist zum Fremdschämen. Es ist empörend und es passt nicht in das gesellschaftliche Gesamtbild. Wir müssen deutlich lauter werden!

Es sind genau solche Vorfälle, die uns zeigen, dass Gleichberechtigung im Sport noch lange nicht erreicht und dass es höchste Zeit für Veränderungen ist. Diese Ungleichheiten sind dabei keineswegs auf den Profisport beschränkt. Auch im Leistungs- und Breitensport fehlen Frauen gleichwertige Optionen: Sei es durch schlechtere Trainingsbedingungen, eine unzureichende Infrastruktur oder die mangelnde Unterstützung von Frauen- und Mädchenmannschaften in den Vereinen. Dabei gibt es einen klaren Markt für leistungsorientierte Mädchen und Frauen.

Besonders bedenklich ist die geringe Anzahl weiblicher Entscheidungsträgerinnen in Sportgremien und Vereinsvorständen. In den Führungsetagen der deutschen Fußball-Bundesligen sind Frauen selten vertreten. Nur sechs von 84 Top-Management-Positionen in 36 befragten Vereinen sind durch Frauen besetzt. Dieses Ungleichgewicht zeigt den dringenden Handlungsbedarf, um eine gerechtere Repräsentation von Frauen in Führungsrollen innerhalb des Sports zu erreichen.

Wir müssen stärker zusammenrücken ­­­­– Frauen müssen die gleichen Rahmenbedingungen, wie Zugang zu Sportstätten, Gehältern usw., haben. Dazu benötigen sie eine größere Lobby.

Warum Gleichberechtigung im Sport so wichtig ist

Es geht nicht nur um Fairness, sondern um die grundlegende Frage, welche Rolle Frauen und Mädchen im Sport – und in der Gesellschaft – wahrnehmen können, wollen und sollen. Sport vermittelt wichtige Werte wie Teamgeist, Durchhaltevermögen und Selbstbewusstsein. Mädchen, die früh damit konfrontiert werden, dass ihre Leistungen weniger wertgeschätzt werden als die von Jungen, verinnerlichen diese Botschaft. Wir können es uns nicht leisten, junge Talente zu verlieren, nur weil ihnen die nötige Förderung verwehrt bleibt.

Ein zentraler Aspekt ist auch die Vorbildfunktion von Spitzensportlerinnen. Wenn Frauen im Profisport die gleiche Anerkennung und Sichtbarkeit erhalten wie Männer, wird das automatisch auch positive Effekte auf den Breitensport haben.

Ohne Spitze keine Breite

Durch starke Vorbilder, gerne auch auf höchstem Niveau, werden sich mehr Mädchen ermutigt fühlen, ihre sportlichen Ambitionen ernst zu nehmen, sich zu engagieren, zu trainieren und sich dauerhaft zu begeistern. So lernen sie, dass sie ihre Freiräume nutzen und gestalten können, dass sie selbstbestimmt wirken dürfen. Sie werden mutiger und erleben, dass sie ihre eigenen Träume leichter realisieren können.

Wir alle können einen Beitrag leisten

Es ist an uns, dazu beizutragen, dass die Bedürfnisse und Wünsche von Frauen und Mädchen im Sport gehört, gesehen und respektiert werden. Indem wir die Frauenmannschaften unterstützen, für Gleichberechtigung im Sport eintreten und uns aktiv für die Förderung von Athletinnen auch im Breitensport einsetzen. Gemeinsam können wir einen nachhaltigen Beitrag leisten und damit meine ich jede Person egal ob Mann oder Frau, jung oder alt, sportlich oder unsportlich.

Es gibt bereits erfolgreiche Initiativen, die zeigen, dass Veränderung möglich ist. Programme wie „Mädchen an den Ball“ bieten gezielte Trainings und Förderungen für junge Mädchen im Fußball. Es gibt Schulungen für Trainer:innen, um Trainingseinheiten an die Bedürfnisse von Sportlerinnen anzupassen, in denen z. B. die unterschiedlichen Zyklusphasen berücksichtigt werden.

Auch Unternehmen sind gefragt: Sponsoren sind eingeladen, ihre gesellschaftliche Verantwortung für Frauen im Sport bewusst wahrzunehmen und damit ein deutliches Zeichen für Gleichberechtigung zu setzen. Dies lässt sich als Nachhaltigkeitsziel definieren und hat im Rahmen der Corporate Social Responsibility Strategien (CSR) positive Auswirkungen.

Eine stärkere Medienpräsenz von Frauen im Sport – sei es durch Live-Übertragungen, Berichterstattung in der (Online-) Presse oder größere Sichtbarkeit in den sozialen Medien – leistet ebenfalls einen wichtigen Beitrag.

Ein weiteres Ziel muss die Stärkung der professionellen Strukturen in Vereinen sein, sodass auch Mädchen- und Frauen-Teams effizient gefördert und vermarktet werden können. Letztlich geht es darum, ihnen den gleichen Zugang zu Ressourcen wie Trainingszeiten, Ausrüstung und Infrastruktur zu schaffen.

Die Energie, die von einem enthusiastischen Frauenteam während eines Ligaspiels ausgeht, ist inspirierend. Wenn Einlaufkinder im Basketball ihre Spielerin anstrahlen, ist das ein Gänsehauterlebnis. Es müssen nicht immer die großen Stadien sein, die Endorphine pur erzeugen. Es sind die vielen kleinen Momente, die uns weiterbringen und die uns immer wieder in unserem Tun bestätigen. Es ist immens wichtig, sich im Sport zu engagieren. Jeder Besuch eines Ligaspiels ist Anerkennung für die Leistung der Athletinnen, die ohne Entgelt dreimal die Woche trainieren und nebenbei ihre Ausbildung abschließen oder ihrem Beruf nachgehen.

Gleichberechtigung im Sport geht uns alle an – egal, ob wir selbst aktiv sind oder nicht. Jede und Jeder kann helfen, Frauen- und Mädchen im Fußball oder jeder anderen Sportart zu stärken. Denn nur wenn Frauen und Mädchen die gleichen Chancen und Anerkennung im Sport erhalten wie Männer und Jungen, können wir von einer wirklich gleichberechtigten Sportwelt sprechen.

Lasst uns gemeinsam die Lücken schließen – damit Träume wahr werden können!

Hier findest Du noch einige Links zum Beitrag:

NBO (New Basket ’92 Oberhausen)

MSV Duisburg Frauen

FAZ vom 02.01.2025: Peinlichkeit beim Skispringen „Ein Duschgel für die Siegerin“

Kununu Artikel „Gleiches Spiel, ungleiches Gehalt? Gender Pay Gap im Fußball“

Linklaters Artikel „Equal Pay im Deutschen Profi-Fußball?“

WDR Sport Artikel Warum der MSV Duisburg seine Frauen-Mannschaft zurückzieht

Mädchen an den Ball (Website)  – Fußballtraining für Mädchen, inklusiv und kostenfrei!

Mitgliedschaften von Frauen in Sportvereinen | Statista Ernüchternde Studie: Nur sechs weibliche Bosse bei Bundesliga-Klubs | Sport | BILD.de


Die Autorin:
Anja Merl, Inhaberin connected by Anja Merl

Seit 12 Jahren vernetzt Anja Merl in Duisburg und im Kreis Wesel branchenübergreifend regionale Unternehmen miteinander zu unterschiedlichen strategischen Themen. Durch ihr Engagement als Leiterin Sponsoring bei Rot-Weiß Oberhausen hat sie erhebliche finanzielle Mittel für den Verein gesichert und dessen Wachstum mit vorangetrieben. Zunächst ausschließlich für den Männerfußball zuständig, hat Anja Merl seit 2021 maßgeblich zum Aufbau des gleichberechtigten, leistungsorientierten Mädchen- und Frauenfußballs bei RWO beigetragen.

Mit Gründung der Marke „connected by Anja Merl B.C.“ baut sie den Bereich des Sportmarketings aus und unterstützt mit ihrem fünf-köpfigen Team Sportvereine im Breiten- und Spitzensport, um Mehrwerte in Wirtschaft und Sport für alle zu generieren. Und um mehr Sichtbarkeit zu schaffen. Die Förderung von Mädchen und Frauen ist dem Team ein besonderes Anliegen. „Hiermit leisten wir einen sehr wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir bessere Bedingungen für junge Talente gestalten.“

Kontaktdaten:

Anja Merl
connected by Anja Merl B.C.
Werrastraße 7
47051 Duisburg

Mobil: +49 173 914 33 74
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Nice Price – Die Tricks der Textilindustrie

Nice Price – Die Tricks der Textilindustrie

Ich gestehe, mein Kleiderschrank platzt aus allen Nähten. Trotzdem habe ich das Gefühl, immer noch mehr Klamotten kaufen zu müssen. Gerne darf es auch mal ein Stück aus dem Outlet sein. Oder ein Online-Kauf bei dem bekannten Kaffeeriesen. Geht es Dir auch so?

Seit einiger Zeit frage ich mich, wie die Textilbranche es schafft, dass wir immer mehr kaufen, als wir wollen und brauchen. Und welche Auswirkungen hat dieses Kaufverhalten auf mich und welche hat es auf unsere Umwelt? Mehr zufällig habe ich die ZDF-Info Dokumentation „Nice Price – Die Tricks der Textilindustrie“ gesehen. Die Redakteurin Pia Osterhaus schaut hinter die Kulissen der Textilbranche, denn für nichts geben wir mehr Geld aus als für unsere Kleidung – 2023 waren es allein in Deutschland über 65 Milliarden Euro … nur für Kleidung! Das macht die Textilindustrie zur umsatzstärksten Nonfood-Branche.

Outlet – günstig und gut?

Outlets – sind sie noch zeitgemäß oder längst ein alter Hut? Der Begriff „Outlet“ (zu deutsch „Auslauf“) ist erst Ende der 1990er Jahre entstanden. Dort verkaufen große Marken ihre Ware zu deutlich reduzierten Preisen. Outlet Stores gibt es (inzwischen) deutschlandweit, von einzelnen Ladenlokalen bis hin zu Outlet-Cities. Natürlich ist der Hype auch in den sozialen Medien angekommen. Vor allem Mikro-Influencer werden gezielt im Marketing eingesetzt, um Kleidung und Accessoires subtil zu bewerben und unser Konsumverhalten zu beeinflussen. Sie nehmen ihre Follower mit auf eine (private) Shoppingtour und promoten so auch die Schnäppchen der großen Marken.

Sind diese Schnäppchen wirklich gut und billig? Ist es Ware aus dem letzten Jahr oder der letzten Saison? Handelt es sich tatsächlich um Kleidung, die in den regulären Geschäften keine Abnehmer gefunden hat oder wird die Kleidung extra für die Outlets billig hergestellt?

Für alle Fragen gilt ein vorsichtiges „Ja“, denn nicht immer und nicht bei allen Marken ist das die Strategie für die Outlet-Stores. Einige müssen zugeben, dass sie tatsächlich für ihre Outlets Ware günstiger produzieren lassen. Im direkten Vergleich der Ware findet die Textiltechnikerin Vanessa Gudehus schnell die markanten Unterschiede, z. B. zwischen einer Jeans aus dem Outlet und einer aus dem regulären Angebot der gleichen Marke. Die Hose aus dem Outlet ist günstiger, aber von schlechterer Stoffqualität. Sie hat einen einfacheren Schnitt und wurde in einem Niedriglohnland hergestellt. Zudem fehlen ihr einige Details im Design. Doch nur, weil es einige Marken so machen, heißt das nicht, dass alle so handeln.

Was heißt das für mich?

1. Ich kann im Outlet ein Schnäppchen machen, muss mir aber bewusst sein, dass der Hersteller unter Umständen an Stoff, Verarbeitungsqualität und Design gespart hat.
2. Nicht jedes Teil, das ich im Outlet kaufe, ist wirklich ein Schnäppchen. Rechtlich betrachtet darf ein Händler mit der (oft deutlich höheren) unverbindlichen Preisempfehlung der Hersteller werben, auch wenn ein Artikel nie zu diesem Preis angeboten und verkauft worden ist.

3. In Zukunft werde ich mir die Etiketten genauer anschauen und mich vergewissern, dass ich in meinem Lieblings-Outlet wirklich erstklassige Ware günstiger bekomme. Mehr Aufmerksamkeit kann hier nicht schaden.

Rabatt-Aktionen – spare ich hier wirklich?

Was haben die Geschäfte nur immer mit ihren Rabatt-Aktionen? „Kaufe 3 – Zahle 2“ oder „Sale – spare bei jedem Produkt 30 %“. Hand aufs Herz – rechnest Du hier wirklich nach oder greifst Du einfach zu, frei nach dem Motto „Hauptsache günstig“? Sind die Schilder „Sale“ oder „Rabatt“ groß genug und leuchtend rot, fallen wir immer wieder auf diese (oft nur) Scheinrabatte herein. Sie vermitteln uns das Gefühl der Dringlichkeit und wir dürfen DAS auf keinen Fall verpassen. Die allgegenwärtigen „Sale“-Schilder in Fast-Fashion-Läden suggerieren Schnäppchen, doch häufig stecken ausgeklügelte Preisstrategien dahinter. In der Psychologie und Wirtschaftswissenschaft heißt unser Verhalten „Verlustaversion“ und beschreibt die generelle Tendenz, Verluste stärker zu gewichten als Gewinne.

In der Dokumentation probiert Pia Osterhaus es aus. An ihrem improvisierten Sale-Stand auf dem Kurfürstendamm in Berlin bietet sie 6 Paar Socken für 5,99 € und 3 Paar Socken für 2,49 € an. Mit versteckter Kamera filmt sie ihre Aktion. Und tatsächlich: Nur ein Kunde rechnet nach und stellt fest, dass es deutlich günstiger ist, 2 Pakete mit 3 Paar Socken zu kaufen. Alle anderen Käufer:innen sind auf den „Rabatt-Trick“ hereingefallen. Ooops!

Jetzt frage ich mich, wann ich das letzte Mal in eine solche Falle getappt bin … ok, das passiert mir nur, wenn es um Wolle zum Häkeln oder Stricken geht. Da vergesse ich zu Denken und der einfache Dreisatz ist mir in dem Moment auch entfallen.  Übrigens: auch „Special Price“ und „Black Friday“ arbeiten mit diesen Methoden. Also Augen auf beim Schnäppchenkauf!

Warum arbeitet denn gerade die Textilindustrie so krass mit hohen Rabatten? Ist ihnen ihr Gewinn egal? Tatsächlich wollen sie Geld sparen und ihre Kosten senken. Klingt erstmal gegensätzlich, ist aber korrekt. Gerade in der Fast-Fashion kommen pro Jahr bis zu 12 Kollektionen heraus. Die Lagerung der Ware ist für die Geschäfte der Hauptanteil ihrer Kosten. Im Schnitt kostet ein liegend gelagertes Kleidungsstück 0,009 €, das sind bei durchschnittlich 1 Mio. gelagerten Teilen 63.000 € pro Woche. Daher verkaufen sie ihre Ware lieber mit einem geringeren Gewinn (eben rabattiert) als sie gar nicht zu verkaufen und noch länger zu lagern. Die großen Bekleidungshändler (online und in den Geschäften) machen ca. 20 bis 30 % ihres Umsatzes mit Rabatt-Aktionen und Sales. Hättest Du das gewusst? Ich nicht!

Ein Social-Media Trend „Lauft nicht, rennt!“?

In den 50er Jahren war es Marilyn Monroe, dann Stars wie Kate Moss, David Beckham, Madonna und Heidi Klum – die Markenbotschafter. Heute heißen sie Mega-Influencer und haben extrem viele Follower – wie zum Beispiel dagibee (6,7 Mio.), carodaur (4,6 Mio.) oder in den USA kyliejenner (398 Mio.). Posten diese Menschen ein Produkt, ist es in Sekunden ausverkauft. Große Modemarken arbeiten schon seit Jahren mit solchen Social-Media-Spezialisten (oder Botschafter:innen), um ihre Produkte an die Frau und den Mann zu bringen.

Auf TikTok, Instagram und Co gibt es aber auch viele Videos von sogenannten Mikro-Influencern, die „nur“ zwischen 2.000 und 200.000 Follower haben. Viele Modemarken haben sie in den letzten Jahren für ihr Empfehlungsmarketing entdeckt. Ihr Vorteil: ihr Produktplacement wirkt eher wie eine persönliche Empfehlung, da sie nahbar sind und eine intensivere Verbindung zu den Followers aufbauen. Der Verhaltenspsychologe Riccardo Frink nennt das eine „parasoziale Beziehung“ – die positive Einstellung zum/zur Influencer:in überträgt sich auf das Produkt, das vorstellt bzw. empfohlen wird.

Pia Osterhaus trifft sich mit der Mikro-Influencerin Josephine Lueck (aka officialjosi). Sie bekommt täglich mehrere Anfragen für Werbedeals. Ihre Instagram Videos wirken, wie von einer besten Freundin erstellt. Josephine stellt Pia Osterhaus DEN Trend des letzten Sommers vor – „Lauft nicht, rennt.“ Dabei posten Influencer:innen kurze Videos, in denen sie eine Marke oder Produkt als „Schnäppchen“, „süß“, „trendy“ oder „must have“ vorstellen. Sie raten ihren Followern, diese sofort zu kaufen, bevor sie nicht mehr zu haben sind.

Gemeinsam starten Pia und Josephine den Versuch mit einem Berliner In-Label. Josephine dreht einen kurzen Instagram-Clip und postet ihn. Keine zwei Stunden später kommen deutlich mehr Menschen in das Geschäft und fragen nach dem Artikel, um den es in dem Instagram Post ging. Josephine hat also mit ihrem Video einen vorher nicht vorhandenen Bedarf geschaffen und den Verkauf eines Produktes deutlich gesteigert.

Große Marken haben das schon lange erkannt und haben oft mehr als 1.000 Kooperationen zeitgleich mit verschiedenen Influencern. Hier macht „Kleinvieh auch Mist“.

Retouren und Umweltbelastung

Seit Jahren verzeichnet der Onlinehandel starke Umsatzsteigerungen. Durch Corona wurde das Einkaufen im Netz zum Standard. Die Händler hatten die Herausforderung, den Käufern die gleichen Umtauschrechte einräumen zu müssen, wie im Ladenlokal. Seitdem steigt die Anzahl der Retouren und der Umgang mit Rücksendungen ist inzwischen ein großes Problem im Onlinehandel.

Denn so geht doch Online-Shopping – ein paar Größen testen, einen neuen Style ausprobieren oder mal was Ausgefallenes wagen. Ein Click hier, einer da und schnell ist der Warenkorb gefüllt und die neuen Klamotten sind bestellt. Kommt die Kleidung nach Hause, stellst du schnell fest, dass die Bluse zwar schön, aber doch zu kurz ist und die Jeans nicht passt.

Also schnell wieder zurückschicken – ist ja ganz einfach und kostenlos. Das hat dazu geführt, dass im Schnitt 25 % der Kleidung wieder zurückgeschickt wird. 2021 gingen 440 Mio. Modebestellungen retour. Alle bekannten Handelsketten schreiben auf ihren Webseiten, dass sie die Emissionen der Retouren reduzieren wollen, ohne dabei konkrete Zahlen zu nennen. Aber was passiert mit den Rücksendungen? Pia Osterhaus probiert es aus und versieht 18 Kleidungsstücke für die Retoure mit einem GPS-Tracker. Anschließend schickt sie die 18 Pakete einzeln zurück und verfolgt deren Wege. Keines der Teile bleibt lange an einem Ort, sie bewegen sich durch ganz Europa.

Eine Hose kommt besonders weit herum. Sie reist von Berlin nach Polen, von dort nach Bayern und wieder zurück nach Polen. Dann geht es quer durch Deutschland nach Amsterdam, zurück über Berlin wieder nach Polen. Am Ende hat sie über 5.000 km auf dem Zettel.

Auch bei den Retouren spielen wieder die Lagerkosten eine Rolle. Es ist offensichtlich kostengünstiger, Retouren „in Bewegung“ zu halten, als sie irgendwo lange zu lagern. Die 18 Kleidungsstücke haben nach den 3 Monaten des Experiments insgesamt über 38.000 km zurückgelegt!

Umweltfreundlich geht anders! Aber jede:r, der online etwas bestellt, kann beeinflussen, wie sehr die Umwelt geschädigt wird – weniger Retouren sind da ein nicht unwesentlicher Faktor.

Die Bekleidungsindustrie setzt in Zukunft wohl auf Künstliche Intelligenz und will damit den Online-Einkauf revolutionieren. Dann probiert unser Avatar die Kleidung an und wir Menschen können entscheiden, ob uns ein Kleidungsstück gefällt und passt. Damit wird sich die Anzahl der Retouren hoffentlich deutlich verringern.

Mein Fazit

Die Textilindustrie erzielt Jahr für Jahr Rekordumsätze und beeinflusst unsere Kaufentscheidungen oft unbemerkt. Ich werde mir in Zukunft genau überlegen, ob und welche Kleidung ich online kaufe und versuchen, auf Retouren zu verzichten. Bei Rabatt-Aktionen werde ich meinen Taschenrechner anwerfen und mir ausrechnen, wie viel ich wirklich spare. Und in Outlets werde ich mir die Schildchen in der Kleidung genauer anschauen, um festzustellen, wo die Kleidung produziert wurde und aus welchem Material sie genäht ist. Danke an ZDF-info für diese Dokumentation – mein Konsumverhalten bei Kleidung wird sie auf jeden Fall verändern.


Die vollständige Dokumentation ist in der ZDF-Mediathek verfügbar.

https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/nice-price-die-tricks-der-textilindustrie-100.html (verfügbar bis 03.01.2027)

Zusätzlich interessant sind die Dokumentationen
Textilmüll – Der Kampf gegen Wegwerfmode (verfügbar bis 16.06.2028)

Neues Leben für alte Kleidung · Szenemode statt wegschmeißen (verfügbar bis 31.12.2026)

Interessant könnte für Dich auch unser Beitrag „Mehrwert Mietkleidung – Shopping war gestern“ sein.

Frauenrechte in Deutschland und Europa

Frauenrechte in Deutschland und Europa

Fortschritte und Herausforderungen

Angeregt durch den Artikel „Überparteiliche Allianz fordert: Femizide verhindern, Abtreibungen legalisieren!“ im Magazin EDITION F habe ich mich mal schlau gemacht, welche Rechte Frauen in Deutschland und Europa haben. (Anm. der Redaktion: Der Beitrag ist leider nicht mehr online verfügbar.) Natürlich habe ich ebenfalls recherchiert, wo noch Defizite liegen.

Uns Frauen in Deutschland und in den meisten EU-Ländern geht es relativ gut, denn die Frauenrechte sind fest in den Gesetzgebungen verankert. Diese Rechte sichern nicht nur grundlegende Freiheiten und Gleichberechtigung, sondern fördern auch ihre Teilhabe in politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereichen.

Zu den wichtigsten Frauenrechten zählen das Recht auf Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung, das Recht auf Selbstbestimmung, das Recht auf Schutz vor Gewalt, und das Recht auf Teilhabe in allen Lebensbereichen.

Doch trotz dieser gesetzlichen Errungenschaften bestehen noch viele Ungleichheiten, die es zu überwinden gilt.

Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung

Im deutschen Grundgesetz und in der Europäischen Menschenrechtskonvention ist festgeschrieben, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Artikel 3 des Grundgesetzes in Deutschland stellt klar, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind und der Staat somit verpflichtet ist, die tatsächliche Gleichstellung durchzusetzen. In der Praxis bedeutet dies u. a. gleiche Chancen im Arbeitsmarkt, in der Bildung und in sozialen Bereichen.

Die EU stärkt diese Rechte durch verschiedene Antidiskriminierungsrichtlinien, die sicherstellen sollen, dass Frauen in allen Mitgliedstaaten die gleichen Chancen haben und nicht aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden.

Recht auf Selbstbestimmung

Ein zentraler Bestandteil der Frauenrechte ist das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Dazu gehört das Recht auf reproduktive Gesundheit und die freie Entscheidung hinsichtlich Schwangerschaft und Familienplanung. In Deutschland und vielen EU-Staaten haben Frauen ebenfalls das Recht auf Zugang zu Verhütungsmitteln und Schwangerschaftsabbrüchen – unter bestimmten Bedingungen. Während Länder wie Deutschland, Frankreich und die Niederlande liberale Gesetze zur Reproduktionsgesundheit haben, ist der Status für Frauen in anderen EU-Ländern, etwa Polen oder Malta, erheblich eingeschränkt. Diese Unterschiede verdeutlichen, dass das Thema Frauenrechte innerhalb der EU nicht einheitlich geregelt ist und Frauen je nach Aufenthaltsland unterschiedliche Möglichkeiten hinsichtlich ihrer Selbstbestimmung haben.

Schutz vor Gewalt und sexuellem Missbrauch

Der Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt und sexuellem Missbrauch ist ein wesentlicher Bestandteil und wird in Deutschland und in der EU durch verschiedene Gesetze und Initiativen gestärkt. Das deutsche Gewaltschutzgesetz ermöglicht Frauen, bei häuslicher Gewalt gerichtlichen Schutz zu suchen. Die EU hat mit der Istanbul-Konvention ein umfangreiches Regelwerk geschaffen, das Frauen vor häuslicher Gewalt, sexuellen Übergriffen und Stalking schützt.

Hast Du schon von der Istanbul-Konvention gehört? Ich bisher nicht, daher ein Exkurs:

Istanbul-Konvention – Ein Meilenstein im Kampf gegen Gewalt an Frauen und die Herausforderungen ihrer Umsetzung

Die Istanbul-Konvention des Europarats, die 2011 verabschiedet und 2014 in Kraft getreten ist, gilt als eines der umfassendsten internationalen Abkommen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Sie legt Standards fest, die Frauen vor geschlechtsspezifischer Gewalt schützen sollen, und verpflichtet die Unterzeichnerstaaten zu konkreten Maßnahmen. Doch obwohl die Konvention einen bedeutenden Fortschritt darstellt, ist ihre Umsetzung in vielen Ländern Europas nach wie vor unzureichend und stößt auf politischen Widerstand.

Was regelt die Istanbul-Konvention?

Sie verfolgt einen umfassenden Ansatz, um Gewalt gegen Frauen zu verhindern, Betroffene zu schützen und Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Ihre zentralen Inhalte umfassen Prävention, Schutz und Unterstützung, ganzheitliche Strategien und Monitoring. Die Konvention verpflichtet die Staaten, durch Bildungsprogramme und öffentliche Kampagnen ein Bewusstsein für Gewalt gegen Frauen zu schaffen und geschlechtsspezifische Stereotype abzubauen (Prävention).

Die Opfer von Gewalt müssen Zugang zu Schutzunterkünften, Hotlines, medizinischer Versorgung und rechtlicher Unterstützung erhalten. Der Schutz der Opfer hat dabei oberste Priorität (Schutz und Unterstützung).

Copyright EDITION F
Copyright EDITION F

Die Konvention fordert, dass alle Formen von Gewalt gegen Frauen, einschließlich häuslicher Gewalt, sexueller Übergriffe, Zwangsheirat, Genitalverstümmelung, Stalking und Zwangsabtreibung, unter Strafe gestellt werden (Strafverfolgung). Die Staaten sollen umfassende Aktionspläne entwickeln, die Zusammenarbeit zwischen Behörden fördern und ausreichend Ressourcen bereitstellen (ganzheitliche Strategien). Ein unabhängiges Expertengremium (GREVIO) soll die die Umsetzung überwachen und Berichte über den Fortschritt und bestehende Defizite veröffentlichen (Monitoring).

Die Istanbul-Konvention hat in vielen Ländern wichtige Veränderungen angestoßen. In Deutschland wurde sie 2017 ratifiziert und trat am 1. Februar 2018 in Kraft. Durch die Konvention wurde das Gewaltschutzgesetz gestärkt und Opfer häuslicher Gewalt erhalten besseren rechtlichen Schutz. Auch der Ausbau von Frauenhäusern und die Einrichtung von 24-Stunden-Hotlines sind direkte Folgen des In-Kraft-Tretens. Auf EU-Ebene hat die Konvention den politischen Diskurs über geschlechtsspezifische Gewalt intensiviert und einheitliche Mindeststandards für die Mitgliedsstaaten geschaffen.

Trotz ihrer Bedeutung ist die Istanbul-Konvention in vielen Ländern noch nicht vollständig umgesetzt. In Ländern wie Polen, Ungarn und der Türkei gibt es starken Widerstand. Kritiker behaupten, sie würde „traditionelle Familienwerte“ untergraben und lehnen Begriffe wie „Gender“ ab, die in der Konvention verwendet werden. Die Türkei war zwar Vorreiter bei der Ratifizierung, ist aber 2021 durch die landesinternen Widerstände sogar aus der Konvention ausgetreten.

Viele Länder verfügen nicht über ausreichende Mittel, um die geforderten Schutzmaßnahmen wie Frauenhäuser, Schulungsprogramme oder Hilfsangebote umzusetzen. Dies betrifft vor allem strukturschwächere Regionen innerhalb der EU.

In einigen Staaten sind manche Formen von Gewalt, etwa Vergewaltigung in der Ehe, Stalking oder psychologische Gewalt, noch immer nicht eindeutig strafrechtlich definiert und können somit nicht geahndet werden.

Die Konvention fordert Schutz – unabhängig von Aufenthaltsstatus. Doch Migrantinnen und geflüchtete Frauen sind häufig besonders gefährdet, da es in bestimmten Ländern keine Schutzangebote gibt oder sie eine Abschiebung fürchten. Auch kulturelle und soziale Normen erschweren die Umsetzung. In patriarchalisch geprägten Gesellschaften ist Gewalt gegen Frauen oft ein Tabuthema, was es den Opfern erschwert, Hilfe zu suchen.

Selbst in Deutschland gibt es immer noch Lücken. Der Mangel an Schutzunterkünften ist ein akutes Problem: Laut Expert:innen fehlen hier viele tausend Frauenhausplätze, um den notwendigen Bedarf zu decken. Zudem kritisieren Organisationen, dass die Finanzierung vieler Hilfsangebote unzureichend und uneinheitlich ist, da sie oftmals von den Bundesländern und den Kommunen abhängig ist. Ein weiteres Problem stellt die mangelnde Sensibilisierung bei der Polizei und in der Justiz dar. Frauen, die häusliche Gewalt melden, stoßen oft auf Argwohn, Unglauben oder mangelndes Verständnis für die Dynamik, die in solchen Beziehungen vorherrschend sind. Zwar gibt es Schulungen, doch diese sind bisher nicht flächendeckend etabliert.

Ein wichtiger Meilenstein mit Nachholbedarf

Die Istanbul-Konvention ist ein Meilenstein im internationalen Kampf gegen Gewalt an Frauen, doch ihre Wirksamkeit hängt entscheidend von der konsequenten Umsetzung ab. Während Länder wie Schweden oder Spanien als Vorbilder gelten, gibt es in Deutschland und anderen EU-Staaten weiterhin Lücken, die dringend geschlossen werden müssen. Der politische Widerstand in einigen Ländern zeigt, dass der Schutz von Frauenrechten kein Selbstläufer ist, sondern massiv verteidigt werden muss.

Die Konvention erinnert daran, dass Gewalt gegen Frauen nicht nur ein individuelles Problem ist, sondern tief in gesellschaftlichen Strukturen verankert ist. Diese zu verändern, bleibt eine große Aufgabe – für Politik und Gesellschaft gleichermaßen.

Verlassen wir das Thema Istanbul-Konvention und wenden wir uns den weiteren Frauenrechten zu.

Recht auf gleiche Bezahlung und Chancengleichheit im Beruf

Frauen in Deutschland und der EU haben das Recht auf gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit. Dennoch besteht in vielen EU-Ländern weiterhin ein „Gender Pay Gap“: Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer in vergleichbaren Positionen. In Deutschland liegt der Gender Pay Gap bei etwa 18 %, womit das Land über dem EU-Durchschnitt liegt. Die EU fördert mit Initiativen wie der „Lohngleichheitsrichtlinie“ und Programmen zur Förderung von Frauen in Führungspositionen die Chancengleichheit im Beruf. Unternehmen werden zunehmend verpflichtet, Transparenz in der Lohngestaltung zu schaffen, um Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts aufzudecken und abzubauen.

Politische Teilhabe und Repräsentation

Ein wichtiger Bestandteil der Frauenrechte ist die politische Teilhabe. Frauen haben in Deutschland und den EU-Ländern das Recht, sich politisch zu engagieren, Ämter zu bekleiden und politische Entscheidungen mitzugestalten. Die EU setzt sich mit Programmen und Quotenvorgaben dafür ein, dass Frauen in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungspositionen vertreten sind. In Deutschland gibt es ebenfalls Quotenregelungen für den Frauenanteil in politischen Gremien und Unternehmensvorständen. Diese Maßnahmen zeigen erste Erfolge, doch Frauen sind hier als auch in vielen anderen EU-Ländern weiterhin unterrepräsentiert, insbesondere in Spitzenpositionen.

Fazit

Die Frauenrechte in Deutschland und anderen EU-Staaten haben in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. In vielen Bereichen haben Frauen heute eine rechtlich gesicherte Gleichstellung und den Schutz vor Diskriminierung. Dennoch bestehen immer noch Herausforderungen, etwa beim Gender Pay Gap, dem Zugang zu reproduktiven Rechten und dem Schutz vor körperlicher und seelischer Gewalt. Die Unterschiede innerhalb der EU machen deutlich, dass Frauenrechte stark von der politischen und kulturellen Ausrichtung eines Landes beeinflusst werden. Die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten stehen daher in der Verantwortung, sich kontinuierlich für den Schutz und die Stärkung der Frauenrechte einzusetzen und bestehende Ungleichheiten zu beseitigen. Nur so kann die Vision einer gleichberechtigten Gesellschaft Realität werden.


Weiterführende Links:

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Women for Women International

Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt

Beckenbodentrainer auf Rezept: Elvie und Emy im Vergleich        

Beckenbodentrainer auf Rezept: Elvie und Emy im Vergleich        

Bei ungefähr jeder vierten Frau in Deutschland treten unangenehme Erfahrungen mit Inkontinenz auf. Dabei betrifft ungewollter Harnverlust nicht nur Frauen ab 55 Jahren, sondern kann ebenso bei Frauen nach einer Schwangerschaft auftreten – also im Alter zwischen 20 bis 45 Jahren.  Sportlerinnen und besonders Leistungssportlerinnen aller Altersklassen können ebenfalls betroffen sein. (Mehr dazu findest Du in unserem Beitrag: Inkontinenz trifft auch junge Sportlerinnen).

Der Beckenboden ist ein starker kleiner Muskelapparat, der wie eine Hängematte zwischen Steißbein und Schambein sitzt. Ist dieser Muskelapparat gesund und fest, ist Dein Körper optimal auf Schwangerschaft, Entbindung und Älterwerden vorbereitet. Im Laufe der Zeit, nach einer Entbindung oder bei anstrengendem Sport, lässt die Flexibilität des Muskels nach. Das Ergebnis der Muskelschwäche ist meistens Inkontinenz.

Auf dem deutschen Markt werden viele Inkontinenz-Produkte angeboten. Die Palette reicht von aufsaugenden Damenbinden und Harnverlustprodukten bis hin zu physiotherapeutischen Anwendungen. Diese Mittel „vertuschen“ nur die Auswirkungen einer Inkontinenz, können den Beckenboden aber nicht stärken. Außerdem ist es schwierig, einen Muskel zu trainieren, den man nicht sieht – und hier kommt ein Beckenbodentrainer ins Spiel!

Speziell in Deutschland ist es möglich, Beckenbodentrainer für eine nachhaltige Verbesserung der Beckenbodenmuskulatur per Rezept zu erhalten. Dabei handelt es sich zum Beispiel um die Beckenbodentrainer Elvie (Willow Innovations, Inc.) und den Emy (Fizimed SAS), die beide über eine Hilfsmittel-Nummer verfügen. Bis auf die Rezeptgebühr werden die Kosten von den meisten Krankenkassen übernommen. (Solltest Du ein Privatrezept haben, kannst Du die Kostenübernahme im Vorfeld klären.)

  • Elvie Trainer: Hilfsmittel-Nr. 15.25.19.2026
  • Emy: Hilfsmittel-Nr. 15.25.19.2027

Der Vergleich

Wir haben die beiden Beckenbodentrainer genauer unter die Lupe genommen, ihre Anwendung und Funktionen getestet und sie miteinander verglichen.

  • Beide bieten Dir eine effektive Lösung bei einer Beckenbodenschwäche und Harninkontinenz.
  • Beide Beckenbodentrainer arbeiten in Verbindung mit Apps, bieten Dir unterschiedliche Trainingspläne, die Deine spezifischen Bedürfnisse berücksichtigen und Dir die Fortschritte anzeigen.  
  • Der große Vorteil: Du bist auf keinen Termin festgelegt, sondern kannst das Training ganz individuell in Deinen Alltag einbauen.

Den umfassenden Überblick und Antworten auf weitere Fragen findest Du hier: https://dein-beckenbodentrainer.info/