Im Englischen heißt es klangvoll „How NOT to undress each other with glances“, aber genau das ist völlig üblich, egal wo ich hinschaue. Und sehr stabil argumentiert. Aber Hand aufs Herz – wie kann etwas normal sein, das sich schon auf den ersten Blick schräg anfühlt? Woher kommt das? Was macht es mit uns? Ich habe es aus meinem Leben verabschiedet. Wohin?
Schönheit – was ist das?
Wir alle haben einen eingebauten Sinn für Schönheit und Ästhetik. Wir sind im Besonderen berührt, wenn Menschen ihre Schönheit mit uns teilen. Und hier beginnt das Missverständnis: Was ich meine, sind die Momente, in denen Andere uns zeigen, wie sehr sie für eine Sache brennen. Wenn sie voller Hingabe Musik machen, tanzen oder mit ihren Kindern spielen. Auch ein Blick voller Staunen und eine Begegnung kann uns berühren. Wenn Andere uns teilhaben lassen, ob bewusst oder unbewusst, dass sie gerade mit vollem Herzen dabei sind. Dann erinnern wir uns: Das (!) ist Schönheit.
Mensch und Kunst – ein Unterschied
Nochmal zurück zu den Blicken. Wenn Dich jemand von oben bis unten mit seinen Blicken regelrecht auszieht: Wie fühlt sich das an – zumal, wenn es ungebeten geschieht? Viele Menschen haben verstanden, dass es der eigenen Energie zuträglich ist, sich an Schönem zu erfreuen. Oh, ja. Das gilt für Kunst und für besondere Orte gleichermaßen. Gilt das auch für den Menschen?
Einladung: Teile Deine Schönheit
Jetzt kommt der Perspektivwechsel. Dies ist eine Einladung an Dich, ja, genau Dich. Eine Einladung, Deine eigene Schönheit zu finden und sie zu teilen. Und wenn Dich das nächste Mal jemand von oben bis unten taxiert: Schau ihn von unten nach oben an, schau in seine Augen. Und staune. Über Dich und über ihn. Schau, ob Du mehr sehen kannst, als einen Menschen, der vielleicht erst noch lernen darf, Energie aus dem zu schöpfen, wofür sein Herz brennt. Und wenn es gänzlich unangenehm ist, geh einfach weg.
Finde in Dir, was Dich staunen lässt.
Herzliche Grüße
Monika Schilling
Die Autorin: Monika Schilling, Coachin und Controllerin
Das Leben mit jedem Atemzug leben – das tue ich. Meistens jedenfalls. Manchmal bin ich ungeduldig. Und wenn ich in einer Sackgasse stecke … dann probiere ich, die Aussicht zu genießen.
Ich blicke dankbar auf über zehn Jahre Controlling-Expertise zurück. Heute bin ich selbständige Coachin. Allen Widrigkeiten zum Trotz und sehr lebendig. Meine Vision sind Organisationen und (Beziehungs-) Systeme, die uns glücklich machen. Und ich betrachte es als Geschenk – gesellschaftliche, familiäre, organisatorische, religiöse – Rahmenbedingungen immer wieder neu zu gestalten. Es sind Humor, Mut und selbstbestimmte Disziplin, die mich in meinem Tun begleiten. Und es trägt mich der liebevolle, ganzheitliche Blick auf das, was DICH staunen lässt.
Kontaktdaten und Verlinkungen:
Dipl.-Kff. Monika Eleonore Schilling DiePotentialEntfalterin Coachin aus Bochum E-Mail Website
Viele Risiken, die mit einer Schwangerschaft einher gehen, lassen sich durch regelmäßige und moderate Bewegung senken. Die Heidelberger Gynäkologin und Sportmedizinerin Susanne Weber erklärt, dass der Sport der übermäßigen Gewichtszunahme und einer Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen kann, zusätzlich wird auch das Thromboserisiko reduziert.
Ein Herz-Kreislauf-Training sorgt für eine gute Durchblutung des Körpers und stärkt das Zwerchfell, das auch das Kind mit Sauerstoff versorgt. Die Diplom-Psychologin Marion Sulprizio verweist auf die bereits nachgewiesenen, positiven psychologischen Auswirkungen. Schwangere fühlen sich durch die regelmäßige Bewegung wohler und haben eine positivere Selbstwahrnehmung.
Ausgewogenes Training
Körperliche Veränderungen und hormonelle Umstellungen sollten im Trainingsplan berücksichtigt werden. Je nach Vorerfahrung und Wohlbefinden kann sich das richtige Maß zwischen ein- und dreimal Sport pro Woche bewegen. Während sich der Körper auf die Geburt vorbereitet, werden Bänder und Sehnen weicher. In Verbindung mit der Gewichtszunahme führt das zu einem erhöhten Verletzungsrisiko, daher sollten dynamische Sportarten (z. B. Volleyball, Mountainbiken, Boxen, Squash) vermieden werden. Auch Joggen ist keine gute Idee, dabei wird der Beckenboden zu stark beansprucht.
Geeignete Alternativen sind Nordic Walking, Radfahren, Wassergymnastik, Ski-Langlauf, Yoga oder Pilates. Das Training im aeroben Bereich sorgt für eine gute Sauerstoffversorgung des Kindes und das Blut übersäuert nicht. Als Indikator gilt eine Unterhaltung, die man während des Trainings ohne Atemnot führen kann. Die max. Herzfrequenz sollte je nach Fitnessstand und persönlichem Ruhepuls zwischen 135 und 150 Schlägen liegen.
Nach dem Rückbildungskurs
In den ersten Wochen nach der Geburt sollte der Sport ausgesetzt werden. Doch wenn das Wohlbefinden mitspielt, ist gegen entspannte Spaziergänge ist nichts einzuwenden. Entspannung ist in dieser Zeit wichtig, denn häufig wird vergessen, dass der Körper mit der Schwangerschaft und der Geburt bereits eine Höchstleistung vollbracht hat.
Quelle: Interview von Mandoline Rutkowski (Welt.de) mit der Gynäkologin Dr. Uta Schlossberger
Intimchirurgie ist nicht mehr der „Schickimicki Schnickschnack“ von früher. Heute wird überwiegend aus anderen Gründen operiert. Es geht um rekonstruktive Chirurgie, z. B. nach einer Geburt oder Beschneidung. Es werden Schäden im Intimbereich behoben, um Frauen damit ein neues Selbstbewusstsein gegeben – oder ihnen die Würde zurückzugeben und ihnen zu ermöglichen, ihren Scheidenbereich wieder in die Sexualität einzubinden.
Frauen haben heute ein neues Selbstbewusstsein und akzeptieren nicht mehr, dass sich ihr Körper nach Schwangerschaft und Geburt stark verändert hat. Viele schämen sich, trauen sich nicht, sich vor ihren Partner:innen oder anderen nackt zu zeigen. Ein Eingriff soll dazu führen, dass sie sich in ihrem Körper wieder wohlfühlen.
Welche Eingriffe sind sinnvoll?
Folgende Eingriffe führt Frau Dr. Uta Schlossberger mit ihrem Team der „Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Intimchirurgie“ (GAERID) durch:
Rekonstruktion aus medizinischen Gründen nach Beschneidungen, v. a. bei Patientinnen aus arabischen und afrikanischen Ländern, denn dort werden immer noch Beschneidungen von Frauen praktiziert
Verkleinerung der inneren Schamlippen, wenn diese nicht (mehr) von den äußeren bedeckt werden, denn das kann bei Belastungen (beim Sitzen oder Radfahren) zu Schmerzen führen.
Vaginalverengung zur Verbesserung des Sexlebens, v. a. bei Frauen nach der Geburt ist ein Eingriff hilfreich.
Vaginalverengung bei Inkontinenz, zur Aktivierung der Schleimhäute, besseren Durchblutung und damit zur Stärkung des Beckenbodenmuskels.
Dr. Schlossberger und ihr Team lehnen Operationen ab, wenn es sich um reine SchönheitsOPs handelt – ihr Kredo „Die Vulva ist keine Skulptur, die man herrichtet“. Sie kreieren keine „Brötchen- oder Designer Vulven“, wie sie häufig in Pornos zu finden sind.
Natürlich bergen rekonstruktive Operationen Risiken und Gefahren, wie jede andere Operation auch. Jede Frau sollte sich also genau überlegen, aus welchen Gründen sie sich operieren lassen will. Nur einem Schönheitsideal nachzulaufen, das in den Medien propagiert wird, ist sicherlich der falsche Ansatz. Eine gute Beratung und Aufklärung über mögliche Konsequenzen, am besten von mehreren Ärzten, ist vernünftig und ratsam.
Wir haben noch weitere Links für Dich recherchiert und zusammengestellt:
Heidi Nickel kennt sich aus, wenn von Gesundheit die Rede ist. Als Vorstandsvorsitzende der „Meine Gesundheit-Genossenschaft eG“ in Dortmund macht sie sich für die Vorzüge eines betrieblichen Gesundheitsmanagements stark und setzt es in kleinen und mittelständischen Unternehmen um. Gesundheit ist für sie Berufung und Passion. Dabei interessieren sie vor allem die Menschen, die sie mit ihrer Beratung unterstützt. In der Zusammenarbeit spielt deren Hintergrund für sie keine Rolle, solange es um lösungs- und zielorientierte Herangehensweise geht. Ihre Funktion als Qualifizierte Aufsichtsrätin nimmt sie in zwei Unternehmen wahr.
Heidi, welche Erfahrungen haben Dich zu der Person gemacht, die Du heute bist?
Meine Karriere begann im Vertrieb. Als Studentin der Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Marketing hat mir Mannesmann Mobilfunk damals eine Stelle angeboten. Ich habe sie natürlich ergriffen. Dafür war es aber notwendig, mein Studium schnellstmöglich zu beenden. Also habe ich meine Nebenjobs gekündigt und im rasanten Tempo meinen Abschluss gemacht. Danach war ich neuneinhalb Jahre im Vertrieb und Vertriebsmanagement des Mobilfunkanbieters tätig – mehr als die Hälfte der Zeit in Dortmund, den Rest in Frankfurt am Main. In dieser Zeit bin ich in die Führungsebene aufgestiegen. Dem Druck, der mit einer solchen Position verbunden ist, habe ich standgehalten, ich war fokussiert, unnachgiebig und letztlich sehr erfolgreich. Eine der Personen mit prägendem Einfluss war mein Verhandlungspartner René Obermann.
Die Erfahrungen bei Mannesmann haben mich beflügelt. Ich habe mich in einem Umfeld entwickelt, in dem meine Ideen stets aufgegriffen und gefördert worden sind. Das hat mein unternehmerisches Handeln und meine Haltung bis heute stark geprägt. Ich kann mich immer noch daran erinnern, dass mein Vorgesetzter zu mir sagte: „Ich weiß, Frauen sind die besseren Verkäufer. Bei gleicher Eignung würde ich sie für den Dienstleistungsbereich immer bevorzugen.“ Nachdem meine letzte Führungskraft in Frankfurt gewechselt hat, war das 2001 der Impuls, diesen Beruf nach einem knappen Jahrzehnt niederzulegen.
Ich bin zurück ins Ruhrgebiet gezogen und habe mir Zeit genommen, mich beruflich neu zu orientieren. Schließlich habe ich ein Fernstudium am Institut für angewandte Psychologie und Psychosomatik begonnen und es als psychologische Beraterin abgeschlossen. Die Berufserfahrung und das neugewonnene Wissen haben in mir den Wunsch geformt, beide Bereiche in Einklang zu bringen und für meine Tätigkeit als Beraterin nutzbar zu machen. Ein Mantra hatte ich in dieser Zeit immer im Kopf: „Was kann ich besonders gut, das andere nicht schon seit Ewigkeiten machen? Welchen Mehrwert kann ich bieten?“
Wie ist für Dich die Gesundheit zu deinem Hauptthema geworden?
Als Gründerin habe ich direkt mit start2grow zusammengearbeitet. Dieser Gründungswettbewerb ist ein Coaching-Programm der Wirtschaftsförderung Dortmund. Außerdem bin ich in die WIECON AG eingestiegen und habe dort die Geschäftsleitung übernommen.
Als Unternehmensberaterin habe ich dann ein wirtschaftsbasiertes Coaching für Unternehmen angeboten. Ich habe mit den richtigen Fragen die richtigen Lösungen erzielt. Schon damals haben mich vor allem meine Offenheit für neue Themen und meine Neugier auf andere Menschen motiviert und bewegt. Mit der Zeit wuchs der Wunsch, Gesundheit zum thematischen Dreh- und Angelpunkt meiner Tätigkeit zu machen. Er vermischt sich mit meinem Interesse an Menschen und deren Potentialen innerhalb von Unternehmen. 2004 habe ich daraufhin meinen Talentkompass konzipiert: Er ist ein Katalog mit skalierten Fragen, der die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Potentiale meiner Schützlinge aufdeckt. Seine Entstehung basierte auf meiner Erkenntnis, dass jeder Mensch im Rahmen seiner Potentiale handeln und sich weiterentwickeln sollte, um langfristig glücklich und gesund zu bleiben. Damit habe ich den wichtigsten Grundstein für die Verknüpfung gesundheitlichen und unternehmerischen Handelns geschaffen.
Wie bist Du auf die Idee gekommen, die „Meine Gesundheit-Genossenschaft“ zu gründen?
Zunächst habe ich mich immer stärker auf die betriebliche Gesundheit fokussiert. Mir ist ihre Wichtigkeit, unternehmerische Ziele in Veränderungsprozessen anzuvisieren, schlagkräftig bewusst geworden. Dabei habe ich eine Marktlücke entdeckt, die bislang nur marginal abgedeckt ist: Die Umsetzung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements für kleine und mittelständische Unternehmen, die selbst keine Ressourcen dafür haben. Im Austausch mit Experten aus der Gesundheitswirtschaft habe ich schließlich die „Meine Gesundheit-Genossenschaft eG“ auf den Weg gebracht. Sie versteht sich als Vertrauenspartner von Betrieben und Menschen, wenn es um die Beratung und Konzeption von bedarfsgerechter Gesundheitsvorsorge geht. Für deren Umsetzung in Unternehmen bietet die Genossenschaft große Leidenschaft der handelnden Akteure und die nötige Wirtschafts- und Gesundheitskompetenz. Dabei legen wir größten Wert auf Innovation, Qualität und vor allem partnerschaftliches Handeln.
Was motiviert Dich bei Deinem unternehmerischen Handeln?
Ich brenne für Menschen. Ich interessiere mich für sie und für ihre Potentiale. Es begeistert mich, Talente zu erkennen. Oft sogar, noch bevor die Personen es selbst tun. Ich habe mit meiner Genossenschaft das Sozialprojekt „Helden gesucht“ ins Leben gerufen. Hier kann ich gemeinsam mit einem tollen Team genau diese Begeisterung ausleben. Wir unterstützen erwerbslose Menschen, einen neuen Job zu finden und bereiten sie auf die bevorstehenden Herausforderungen vor. Dabei entwickeln wir mit den Teilnehmenden neue Perspektiven und bauen gemeinsam ihre Stärken, Motivation, Kommunikationsfähigkeit und Resilienz für den Job-Alltag aus. Außerdem besprechen und erleben wir mit ihnen Themen wie Gesundheitsvorsorge durch Ernährung, Bewegung, Umgang mit Stress und auch Suchtprävention. Als wesentlichen Bestandteil entdecken wir die Potentiale der jungen Heldinnen und Helden und gleichen sie mit den Erwartungen künftiger Arbeitgeber:innen ab. Wir suchen also ein Best-Match zwischen Wunschbetrieb und Wunschbewerber und lösen für Arbeitgeber:innen das wichtige Problem der Demografie und des Fachkräftemangels auf neue Art.
In den Helden:innen legen wir den selbstverantwortlichen Fokus auf die eigene Gesundheit und die Verknüpfung von Freude und Können. Unser Lohn ist eine unverfälschte, echte Wertschätzung, die von Herzen kommt.
Und was tust Du für Dich und Deine Gesundheit?
Ich entspanne mich sehr gerne – manchmal schalte ich ab, indem ich einfach aus dem Fenster schaue. Von Hirschhausen hatte diesen eingängigen Spruch: „Kampf macht Krampf“. Dem pflichte ich aus eigener Erfahrung bei. Der Fokus muss frei sein von anstrengenden Gedanken, von dem Gefühl, unpassend zu sein. Manchmal blicke ich auf ein Wolkenbild, dass ich dann virtuell auf einer Leinwand erweitere. Meine Bilder werden dann genauso grenzenlos, wie mein Umgang mit Menschen und Ideen.
Was möchtest du Unternehmer:innen mitteilen, die noch nicht viel Erfahrung haben?
Ich bin der festen Überzeugung, dass Unterstützer:innen in der Arbeit als Unternehmer:in nicht fehlen dürfen. Dazu zählen für mich Menschen mit gleichen Werten, die meine eigenen Ideen und Taten fördern – solche Menschen habe ich immer getroffen. In unserem Sozialprojekt „Helden gesucht“ gebe ich das zurück und übernehme selbst die Rolle der Unterstützerin. Und meine Helden und Heldinnen wertschätzen das. Ich habe im Anschluss an unser letztes Treffen eine Dankeskarte erhalten, auf der geschrieben stand, dass ich selbst für meine Teilnehmenden eine Heldin bin.
Für jede Unternehmer:in, für jeden Menschen gilt, den Moment zu erreichen, an dem sich alles fügt. Dieser eine Moment, ab dem alles reibungslos läuft, ab dem alles so wird, wie man es sich gewünscht hat. Egal, ob bei Geschäftsführern oder erwerbslosen Menschen. Dieser Moment muss gezielt angestrebt werden. Dazu braucht es viel Passion – Einsatz – Durchhaltevermögen.
Vielen Dank an Frau Katharina Schultejans, die für unsere Leser:innen dieses Interview mit Heidi Nickel geführt hat.
Andrea Hitzke ist Sozialarbeiterin und leitet seit 2012 die Dortmunder Mitternachtsmission e.V., die eine Beratungsstelle für Prostituierte, Ehemalige und Opfer von Menschenhandel unterhält. Der Verein ist bundesweit anerkannt und Mitglied im Dachverband des Diakonischen Werks. Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.
Hallo Andrea, herzlichen Dank für Deine Zeit, uns ein Interview zu geben. Im ersten Teil haben wir über die Hilfe von Sexarbeiter:innengesprochen. Jetzt wollen wir über die Hilfen für Opfer von Menschenhandel sprechen. Warum betrachtet ihr diese beiden Bereiche separat?
Wir sehen die beiden Bereiche getrennt, da die jeweilige Situation unterschiedlich ist. Mit der Prostituiertenhilfe unterstützen wir Sexarbeiter:innen, die sich aus unterschiedlichen Gründen zur Ausübung der Prostitution entschieden haben. Sie treffen eigene Entscheidungen in Bezug auf ihre Arbeitsbedingungen. Opfer von Menschenhandel sind jedoch Betroffene eines Verbrechens, die zum Zweck der sexuellen Ausbeutung zur Prostitution gezwungen werden. Sie sind meist stark traumatisiert. Diesen Menschen bieten wir, als spezialisierte Fachberatungsstelle (FBS) für Opfer von Menschenhandel im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen, Hilfe und Schutz an und arbeiten dabei gut mit den Behörden und der Polizei zusammen.
Die Notwendigkeit der Zusammenarbeit ist durch die Schutzbedürftigkeit der Opfer nachvollziehbar. Doch bevor wir darauf weiter eingehen, möchte ich die Begrifflichkeiten klären: Menschenhandel wird häufig mit dem Begriff der „Schleusung“ in Verbindung gebracht. Was ist der Unterschied?
Mit „Schleusung“ ist die Hilfe bei einem illegalen Übertreten einer nationalen Grenze gemeint. Dazu gehört auch, den illegalen Aufenthalt in Deutschland zu unterstützen. Die Schleuser:innen schlagen Profit aus dem Grenzübertritt.
Beim Menschenhandel resultiert der Profit aus der Ausbeutung einer Tätigkeit der Person. Beim Menschenhandel kann auch Schleusung eine Rolle spielen, es sind aber separate Straftatbestände.
Auch Personen, die sich freiwillig zur Prostitution entschieden haben, können Opfer von Menschenhandel werden. Durch fiktive Schulden werden sie in ein Abhängigkeitsverhältnis gezwungen, in dem sie nicht selbst über ihre Arbeitsbedingungen entscheiden können.
Wie kommen die Betroffenen zu Euch und wie geht es dann weiter?
Die Betroffenen nehmen teilweise direkt Kontakt zu uns auf, über unsere Streetworkerinnen, per Telefon oder über das Internet. Meistens werden sie jedoch von anderen Personen auf das Angebot der Fachberatungsstellen hingewiesen, von medizinischem Personal, von Bekannten, von Freiern oder von Behörden, wenn sie den Mut haben sich zu öffnen.
Überwiegend sind es weibliche Personen, die zu uns in die Beratung kommen und die Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung sind. Doch auch Männer und Transgender-Personen sind unter den Betroffenen. Wir haben viele Klient:innen, die hier oder in anderen europäischen Ländern sexuell ausgebeutet wurden und aus Drittländern, meist aus westafrikanischen Ländern, stammen. Sie konnten sich aus der Zwangslage befreien und suchen Schutz bei uns.
Wir versuchen dann herauszufinden, was passiert ist. Die Beratungsgespräche finden nach Möglichkeit in der Muttersprache statt. Glücklicherweise beschäftigen wir, durch Projektförderungen durch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung und des DW RWL (Diakonisches Werk Rheinland Westfalen Lippe), muttersprachliche Mitarbeiterinnen, ohne die die Arbeit nicht möglich wäre. Wir arbeiten mit den Behörden und der Polizei zusammen, um eine sichere Unterbringung und die psycho-soziale Betreuung zu gewährleisten.
Die Gesetzeslage schreibt eine Bedenk- und Stabilisierungsfrist für die – meist schwer traumatisierten – Menschen von mindestens drei Monaten vor. In diesem Zeitraum können sie sich erholen und überlegen, ob sie mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten wollen, damit den Menschenhändlern das Handwerk gelegt werden kann. Wir helfen den Betroffenen einen Asylantrag zu stellen, bei Behördengängen und bei der Integration in ein normales Leben. Unsere Aufgabe ist es auch, die Öffentlichkeit für die Situation der Betroffenen zu sensibilisieren.
Der Menschenhandel ist in den letzten Jahren verstärkt öffentlich thematisiert worden. Trotzdem gibt es immer wieder neue Opfer, die auf die „Masche“ reinfallen. Wie kommt das?
In einigen Ländern gibt es Öffentlichkeitskampagnen, die aber die Betroffenen häufig nicht erreichen. Oder sie denken, dass diejenigen, die Opfer von Menschenhandel und Ausbeutung wurden, etwas falsch gemacht haben. Die Vorschläge nach Deutschland zu gehen, um Geld zu verdienen und die Familie damit zu unterstützen, klingen glaubhaft, kommen oftmals aus dem sozialen Umfeld, manchmal werden konkrete Arbeitsstellen benannt, wo sie arbeiten werden.
Hoffnungsvoll treten sie die Reise nach Europa oder direkt nach Deutschland an und haben auf dem Weg meist schon massive Gewalterfahrungen gemacht. Sie werden nicht als Menschen, sondern als Ware betrachtet und so behandelt. Sie werden in verschiedenen Ländern der Prostitution zugeführt und gezwungen, die Kosten für die „Reise“ abzuarbeiten. Das verdiente Geld wird ihnen abgenommen oder sie dürfen nur einen kleinen Anteil behalten.
Viele Frauen und junge Männer kommen aus Afrika zu uns. Vor der Abreise werden insbesondere Nigerianerinnen in einer Voodoo-Zeremonie zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet. Sie müssen schwören, dass sie nichts gegen die Täter:innen unternehmen werden. Teilweise wird der Schwur bei der Ankunft in Europa nochmal erneuert. Ihnen wird gedroht, dass sie, falls sie sich nicht daran halten, einen schrecklichen schmerzhaften Tod sterben würden. Auch die Familien werden bedroht. Dadurch wird eine solche Angst erzeugt, dass die Opfer tatsächlich schweigen und eine Strafverfolgung der Täter:innen sehr schwierig ist.
Andrea, die Mitternachtsmission ist Mitglied im KOK (Bundesweiter koordinierungskreis gegen Menschenhandel) e.V.. Kannst Du unseren Leser:innen dazu etwas sagen?
Der KOK e.V. wurde 1987 gegründet und vereint heute 38 Mitgliedsorganisationen, u. a. Fachberatungsstellen, Migrantinnen-Projekte, Frauenhäuser, Prostituiertenberatungsstellen und andere Organisationen, die sich gegen Menschenhandel engagieren, unter seinem Dach. Mit dem Fokus auf die Bekämpfung von Menschenhandel und Ausbeutung sowie auf die Durchsetzung der Rechte von Betroffenen hat der KOK e.V. einen wichtigen Stellenwert. Wir, die Mitgliedsorganisationen, bringen das Fachwissen aus der Praxis mit und legen das Fundament der langjährigen Expertise. Der KOK vertritt unsere politischen und gesellschaftlichen Interessen in der Bundespolitik und in der Öffentlichkeit. Damit ist eine praxisbasierte Arbeit möglich, um weitere Verbesserungen für die Rechte der Opfer einzufordern.
Herzlichen Dank für das bewegende Gespräch. Ich möchte unsere Leser:innen noch darauf hinweisen, dass Ihr ein Spendenkonto habt. Aber Sachspenden, wie z.B. Kleidung, Schuhe, Hausrat usw. helfen Euch ebenfalls. Wir wünschen Dir und Deinem Team viel Erfolg bei dieser wichtigen Aufgabe!
Andrea Hitzke, Leiterin der Dortmunder Mitternachtsmission e.V.
Kontakt zur Dortmunder Mitternachtsmission e.V.
Dortmunder Mitternachtsmission e. V. Dudenstraße 2-4 44137 Dortmund Tel.: 0231/14 44 91 Website: https://mitternachtsmission.de/
Die IU internationale Hochschule bietet Frauen, die sich mit ihren Fähigkeiten in technischen und männerdominierten Branchen bewegen wollen, ein Stipendium an. Als MINT-Frau (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) kannst Du ein Fernstudium absolvieren und Dich monatlich für das „Women in Tech“-Stipendium bewerben, solange Du noch nicht an der Hochschule immatrikuliert bist. Genauso hat es Stefanie Erhard gemacht.
Java lernen als Quereinsteigerin
Im Interview mit dem Karriereportal und Fachmagazin HI-Tech Campus berichtet Stefanie von ihren Erfahrungen. Das „Women in Tech“-Stipendium hat ihr die Entscheidung erleichtert, das Fernstudium aufzunehmen. Bereits während ihrer vorherigen Tätigkeiten für verschiedene Plattformen (E-Commerce, Live-Streaming und Handel mit Kryptowährung), hat sie einen spannenden Einblick in alle IT-Bereiche nehmen können.
Ihr Quereinstieg begann mit kostenlosen Youtube-Videos und Browser-basierten Lernprogrammen, doch das reichte ihr nicht. Mit dem Studium wollte sie ihr Wissen über die systemischen Hintergründe des Programmierens und die Theorie vertiefen. Mit dem Stipendium der IU Internationalen Hochschule hat sie dann den für sie richtigen Schritt gemacht.