Alle über einen Kamm – das Problem der Generalisierung

Alle über einen Kamm – das Problem der Generalisierung

Wenn alle Menschen in eine Schublade gesteckt werden, wird die innenwohnende Dramatik selten wahrgenommen, doch emotional docken wir schnell an: „Sind alle jungen Menschen heute nicht in der Lage, zu arbeiten, im realen Laden einzukaufen oder soziale Interaktionen zu betreiben?“
Was bewirken Generalisierungen, wem nutzen sie und was darf zur Kenntnis genommen werden, wenn sie in Gesprächen immer wieder als Stilmittel genutzt werden?

In meiner Wahrnehmung nimmt die Verallgemeinerung in der Kommunikation deutlich zu. Ob in der Berichterstattung, in Gesprächen oder in den Sozialen Medien, häufig geht es um Personengruppen, die mit einer oder mehreren Eigenschaften in Verbindung gebracht werden, die generalisierend wirken. Bei den Worten „jeder“, „immer“, „nie“, „alle“ oder „keiner“ werde ich hellhörig, dann geht es beispielsweise so weiter.

  • Immer sind es Frauen, die schlecht parken können!
  • Die jungen Menschen hocken doch alle nur noch vor dem Handy, die schreiben sich eher eine Nachricht als miteinander zu sprechen.
  • Du hörst mir nie zu!
  • Ab Ende 50 bekommt doch keiner mehr einen neuen Job, dann ist der Zug schon längst abgefahren.
  • Sobald das Studium abgeschlossen ist, fordert jeder Bewerber ein völlig überzogenes Jahresgehalt und will nur 30 Stunden in der Woche arbeiten.

Die Liste lässt sich beliebig weiterführen, doch ich möchte auf zwei unterschiedliche Aspekte besonders hinweisen: die Vor- und die Nachteile von Generalisierungen.

Nachteile von Generalisierungen

Die eben genannten Beispiele sind eher negativ und sollen zu einer bestätigenden Reaktion verleiten. Zusätzlich lassen sich diese Formulierungen gut nutzen, um (frech in den Raum gestellte) Behauptungen massiver und faktischer aussehen zu lassen. Ein Beispiel: „Die ganze Schule sagt, dass XY komisch ist – und Du hast das noch nicht gehört?“ Da wird der Gleichaltrige, der nicht in diese Mobbing-Mentalität einsteigen möchte, schon sehr in eine Ecke gedrängt. Gefühlt muss er es beim Dagegenhalten mit der ganzen Schule aufnehmen. Oder er fügt sich in die angebliche Gruppendynamik, um nicht als Außenseiter dazustehen.

Eine Ableitung aus dieser generalisierenden Aussage über alle Schüler könnte plötzlich in Elternforen auftauchen: „Auf der Schule XY wird grundsätzlich viel gemobbt. Da möchte ich mein Kind nicht hinschicken.“ Die Schule bekommt einen schlechten Ruf, die Schüler werden nur ungern als Bewerber angenommen … usw.


Pauschale Urteile verknüpfen Menschen, Gruppen, Institutionen oder Unternehmen mit einer Eigenschaft, durch die sie dann – häufig ausschließlich – definiert werden. Das kann positiv („Die Deutschen sind immer pünktlich.“) oder auch negativ sein („Die Politiker halten sich doch sowieso nicht an ihre Wahlversprechen“).  Und schon werden alle über einen Kamm geschoren, völlig egal, ob die allgemeinen Aussagen zutreffen oder nicht.

Wer in Verallgemeinerungen denkt, trifft vielleicht falsche Entscheidungen. Wichtige Details bleiben unberücksichtigt, weil der Blick durch die Generalisierungsbrille getrübt wurde.

Ein Mitarbeiter fühlt sich vermutlich ungerecht behandelt, wenn er als unmotiviert beschrieben und (unbegründet) vom Chef mit allen Abteilungskollegen in einen Topf geworfen wird. Wird seine individuelle Motivation übersehen, kann das kann zu Konflikten und Missstimmungen führen, die aufwendig wieder gelöst werden müssen.   

Wird ein Kind ständig damit aufgezogen, dass es tollpatschig ist, wird sich die Aussage in seinem Denken festsetzen: „Ist ja klar, dass mir das passiert, ich bin ja auch ein Tollpatsch!“ Was aus einer Situation entstanden ist, hat sich auf einmal verselbstständigt, beeinträchtigt das Selbstwertgefühl und kann große Auswirkungen auf gesellschaftliche Interaktionen mit sich bringen.

Ungeschickte Frau verschüttet etwas, während sie einem Mann in der Küche Tee einschenkt.

Wie entkommen wir der Generalisierungsfalle?

Wir können unsere eigene Wortwahl überprüfen und Formulierungen wie „manche“ (statt „alle“), „einige“ (statt „jeder“), „häufig“ (statt „immer“) oder „selten“ (statt „nie“) nutzen. Wir können die Behauptung hinterfragen: „Wer sagt denn genau, dass XY komisch ist?“ und uns an belegbaren Fakten orientieren.

Ein Perspektivwechsel ist ebenfalls hilfreich: Wie sieht sich der Mensch wohl selbst, der dieser Gruppe zugeordnet wurde? Hat er nicht auch andere Eigenschaften? Vielleicht teilen wir auch einige Vorlieben, z. B. unsere Liebe zum Sport? Wie würden wir uns begegnen, wenn wir uns dort das erste Mal treffen würde?

Versucht man, diesen Menschen als Individuum zu sehen, verändert sich die bisherige „Klassifizierung“: Leben seine Eltern noch, hat er Kinder, ein Hobby, in dem er aufgeht, wo verbringt er seinen Urlaub?

Vorteile von Generalisierungen

Ja – Du hast richtig gelesen. Es gibt sie, die positiven Aspekte der Verallgemeinerung.

Sie sparen Zeit, da viele Details nicht erklärt werden müssen. „Alle Schüler gehen nach dem Gong in ihre Klassenzimmer.“ Jeder wird sich die Klassenräume vorstellen können und weiß was gemeint ist. Auch wenn diese unterschiedlich sein könnten (Größe, Wandfarbe, Standort des Lehrerpults …), wäre das in dieser Aussage unwichtig.

Generalisierungen vereinfachen z. B. komplizierte Themen, wie „Stress macht krank“. Dahinter steckt medizinisches Fachwissen, aber durch die Verallgemeinerung bekommt der Laie einen Bezug dazu und kann das leicht verinnerlichen. Ebenso vereinfachen hilfreiche Faustregeln, wie „Starte Deinen Rechner wieder neu, wenn er Probleme macht.“  oder „Wenn Du Fieber hast, gönne Dir Ruhe und trinke viel.“, grundsätzliches Wissen leicht zu verankern.

Wir können über eher positive Generalisierungen aus bereits gemachten Erfahrungen lernen, um sie später auf ähnliche Situationen anwenden zu können.

Wie ist das mit KI?

Auch KI-Systeme (Künstliche Intelligenz) arbeiten mit Generalisierungen. Im Glossar des KI-Echo’s steht es wie folgt: „Die Generalisierung ist eines der wichtigsten Ziele in der KI. Sie bezieht sich auf die Fähigkeit eines KI-Systems, aus Erfahrungen zu lernen. Das System nimmt das Wissen und die Erkenntnisse, die es während des Trainings erworben hat, und wendet sie auf neue, unbekannte Probleme oder Situationen an. Die Fähigkeit zur Generalisierung ist das, was ein KI-Modell nützlich macht und verhindert, dass Systeme nur auf bestimmte Aufgaben beschränkt sind.“

Ich habe dazu ein schönes Beispiel. Wenn ich mit dem Navi in einen Stadtteil von Dortmund fahren möchte, sagt mir die Stimme an bestimmten Stellen, dass ich die „Abfahrt Donnerstag-Mengede“ nehmen soll. Anstatt die Beschilderung „DO-Mengede“ in den richtigen Kontext zu stellen, haben die antrainierten Generalisierungsmechanismen festgestellt, dass „DO- “ höchstwahrscheinlich „Donnerstag“ heißt, was mir dann ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Dennoch – beim Navigieren kann das sicher vernachlässigt werden, wenn man sich in der Region, in der man gerade unterwegs ist, auskennt. Aber was bedeutet das bei anderen Interaktionen mit der KI, wo die Verallgemeinerungen nicht so offensichtlich erkennbar sind?

Vielleicht haben wir das gut gelernt und im Hinterkopf …

Frau bedient während der Fahrt das Touchscreen-Navigationssystem am Armaturenbrett eines Autos und verwaltet Wegbeschreibungen und Routen

Fazit

Wenn mir auffällt, dass alle über einen Kamm geschoren werden, versuche ich, meine Mitmenschen darauf hinzuweisen. Das hat in der Vergangenheit auch zu Gesprächsabbrüchen geführt: „Du weißt doch, wie ich das meine!“ – Und ganz ehrlich – vielleicht weiß ich das, vielleicht aber auch nicht.
Dennoch möchte ich mich diesen globalen Aussagen ungern anschließen und lasse es selten auf sich beruhen. Doch jeder Einwand – egal ob das Gespräch weitergeht oder nicht – hilft mir, daran zu denken und meine Wortwahl ständig auf den Prüfstand zu stellen. Das geht bestimmt immer noch etwas besser 😊.

Weitere interessante Links:

Wikipedia Übersichtsseite „Generalisierung“

Artikel auf Karrierebibel.de: „Generalisierung: Komplexe Äquivalenz lösen“

Dorsch – Lexikon der Psychologie: Generalisation

Schmerzen, ein Überblick: von der Entstehung bis zur Linderung

Schmerzen, ein Überblick: von der Entstehung bis zur Linderung

In der WDR Sendung Quarks „Aua! Die Wissenschaft vom Schmerz“ wird das Thema Schmerz genauer unter die Lupe genommen. Zum einen sind Schmerzen ein Warnsignal des Körpers, zum anderen behindern sie uns im Alltag. Sie schränken unsere Bewegungsfreiheit ein, verursachen einen dichten „Nebel“ im Kopf oder treiben Menschen in die Isolation. Wie ist der aktuelle Stand der Medizin und welche anderen Möglichkeiten stehen heute zur Verfügung, mit (dauerhaften) Schmerzen umzugehen?

Die kurzweilige Sendung ermöglich einen guten Einblick in den aktuellen Stand von Medizin und Forschung – von der Entstehung der Schmerzen, über die Wirkung von Schmerzmitteln und Placebos bis zu neuen Therapiemöglichkeiten bei chronischen Schmerzen.

Im Beitrag werden u. a. diese Fragen beantwortet:

  • Wie entsteht Schmerz?
  • Was ist der Unterschied zu chronischen Schmerzen?
  • Was passiert bei Akkupunktur?
  • Wie wirksam ist Hypnose zur Schmerzlinderung bei Endometriose?
  • Wie kann VR (Virtuelle Realität) bei der Schmerzreduktion unterstützen?
  • Wie wirkungsvoll ist die geistige Forderung, die Konzentration auf andere Themen (also quasi eine Ablenkung), hinsichtlich des Schmerzempfindens?
  • Wie gut funktionieren Placebos bei echten Schmerzen?

Mach Dich schlau und erfahre in knackigen 45 Minuten viel Wissenswertes rund um das Thema Schmerz.

Hier findest Du die gesamte Dokumentation:

ARD Mediathek – WDR Quarks vom 12.06.2025: Aua! Die Wissenschaft vom Schmerz (verfügbar bis 12.06.2030)

Wir haben uns bereits mit einem Schmerzthema beschäftigt. Lies gerne unseren Beitrag im Blog: Endometriose: Betroffene fordern Anerkennung und Bekanntheit!

Nachhaltigkeit – kann das weg?

Nachhaltigkeit – kann das weg?

Und warum moderne Frauen längst anders denken.

„Nachhaltig? Ich kann’s nicht mehr hören.“
Ein Satz, der oft fällt – am Stammtisch, in Team-Meetings, auf Podien. Und er ist verständlich. Kaum ein Begriff wurde in den letzten Jahren so überstrapaziert, so entkernt, so oft auf Dinge geklebt, die alles sein wollen – nur nicht wirklich nachhaltig. Bio-Wasser in Plastikflaschen. Aktienfonds mit grünem Anstrich. Billigmode mit Recyclinglogo.

Aber was bedeutet „nachhaltig“ denn tatsächlich?

Nachhaltig ist alles, was auch dann noch gut funktioniert, wenn unsere Enkelkinder so alt sind wie wir. Der Satz stammt sinngemäß von Unternehmerin Christiane Underberg, die den Begriff „enkelfähig“ geprägt hat. Dieses Wort passt besser. Weil es Bilder weckt. Weil es Verantwortung fühlbar macht. Weil es die Zukunft ganz persönlich nimmt.

Stell Dir vor: Du baust Möbel aus Holz. Enkelfähig sind die nur, wenn Deine Enkel noch immer gutes Holz finden – weil dafür gesorgt wurde, dass neuer Wald entsteht. Der Begriff „Enkelfähigkeit“ denkt weiter, fühlt mit, rechnet langfristig.

Genau diese Denkweise steckt in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen.
2015 von allen UN-Mitgliedsstaaten verabschiedet, ist sie ein globaler Plan, wie gutes Leben für alle möglich werden kann – überall auf der Welt. Ihr Ziel ist radikal einfach: Keiner wird zurückgelassen. Ob Bildung, Gesundheit, Gleichstellung, Frieden oder Klimaschutz – die 17 Ziele der Agenda umfassen alle Aspekte des Lebens. Sie wollen sicherstellen, dass jeder Mensch versorgt, geschützt und frei leben kann – da, wo er lebt. Und das, ohne die Erde dafür auszubeuten.

Aber: Wo stehen wir damit wirklich?

Status heute

2015, im Jahr der Agenda-2030-Verabschiedung, wurden weltweit etwa 35,4 Milliarden Tonnen CO₂ ausgestoßen. Das war der Ausgangspunkt – und der Wendepunkt, zumindest auf dem Papier.
Bis 2030, so fordern es die UN-Klimaziele, müssten diese Emissionen um 43 % sinken, um die globale Erwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Doch passiert ist fast das Gegenteil.
2023 lag der weltweite CO₂-Ausstoß bei 37,8 Milliarden Tonnen – das sind 2,4 Milliarden Tonnen mehr als 2015. Statt minus 43 % bewegen wir uns auf ein Plus von knapp 7 % zu. Und mit jedem weiteren Jahr wird es schwieriger, die Lücke noch zu schließen.

Viele Maßnahmen verlieren sich im Klein-Klein der Bürokratie, andere versanden im globalen Machtgerangel. Und selbst gut gemeinte Initiativen verlieren an Glaubwürdigkeit, wenn CO₂-Zertifikate verkauft werden, die keine reale Basis haben – oder Bäume, die die Kompensation übernehmen sollen, nie gepflanzt wurden.

Was fehlt, ist Verbindlichkeit.
Was fehlt, ist ein System, das Wirkung sichtbar macht – und Vertrauen weckt.

Was wir wirklich brauchen

Die Agenda 2030 ist kein Geheimvertrag, der hinter verschlossenen Türen unterschrieben wurde. Sie ist öffentlich, global beschlossen – und dennoch erschreckend unbekannt.
Fragt man auf der Straße, was die Abkürzung SDG bedeutet, erntet man meist Schulterzucken. Sie steht für Sustainable Development Goals – jene benannten 17 Nachhaltigkeitsziele, die die Grundlage für eine bessere Welt legen sollen.

 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

 

 

 

17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

2015 von allen UN-Mitgliedsstaaten verabschiedet, ist die Agenda 2030 ein globaler Plan, wie gutes Leben für alle möglich werden kann – überall auf der Welt. Ihr Ziel ist radikal einfach: Keiner wird zurückgelassen. Ob Bildung, Gesundheit, Gleichstellung, Frieden oder Klimaschutz – die 17 Ziele der Agenda umfassen alle Aspekte des Lebens. (Quelle: United Nations Information Service, Wien)

Woran es fehlt, ist Bekanntheit.

Diese Ziele gehören nicht in Regierungsdokumente, sondern ins Klassenzimmer – am besten in den Kindergarten. Warum lernen Kinder das Alphabet, aber nicht, wie man gemeinsam auf einem Planeten lebt, ohne ihn zu zerstören? Warum gibt es kein Schulfach „Zukunft“, in dem erklärt wird, was globale Gerechtigkeit bedeutet?

Zum Glück ändert sich etwas.
Immer mehr bekannte Persönlichkeiten verleihen dem Thema Gesicht und Stimme:
Die frühere RTL-Moderatorin Janine Steeger, heute als Green Janine unterwegs, macht Nachhaltigkeit zum Medienformat. Dr. Eckart von Hirschhausen erklärt mit seiner Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen, wie Klima- und Gesundheitsschutz zusammengehören.

Denn eines ist klar:
Nachhaltigkeit ist kein Luxus für Privilegierte.
Sie darf kein Trend für Bio-Supermärkte und Wohlstandsblasen bleiben. Wenn sie ernst gemeint ist, muss sie alle erreichen – in jeder Lebensrealität, auf jedem Kontinent.

TRACA – Wenn Verantwortung sichtbar und bekannt wird

Wie aber kann das konkret aussehen – diese neue Form von Nachhaltigkeit, die wirkt, die messbar ist, die Menschen einlädt, mitzuwirken?

Eine Antwort darauf kommt aus dem Ruhrgebiet: TRACA – kurz für Transparency and Climate Action – ist eine digitale Plattform, die Klimaschutz, Bildungsarbeit und CO₂-Ausgleich auf neue Füße stellt. Entwickelt wird sie von der Genossenschaft visibleRuhr eG, einem Netzwerk von Expert:innen für digitale Transformation und Nachhaltigkeit.

„TRACA ist für uns mehr als nur ein Projekt“, erklärt Katja Kohlstedt, Vorständin der visibleRuhr eG. „Für mich ist es die persönliche Antwort auf die Frage, was wir tun können, um zukünftigen Generationen – meinem Sohn und vielleicht auch meinen Enkeln – später einmal mit gutem Gewissen in die Augen schauen zu können. Ich möchte sagen können: Ich war Teil der Lösung – nicht nur Zuschauerin.“

TRACA dokumentiert Umwelt- und Bildungsprojekte mithilfe modernster Technologien – von Satellitendaten über KI bis zur Blockchain. So lässt sich beispielsweise bei Aufforstungsprojekten genau nachvollziehen, welcher Baum wo wächst und gedeiht, wie viel CO₂ er speichert – und ob das Versprechen einer Kompensation wirklich eingehalten wird.

Gleichzeitig begleitet TRACA auch Bildungsinitiativen, etwa in Bangladesch – mit der ersten Modellschule für Klimabildung von Klasse 1 bis 13.
Wirkung ist hier kein Slogan, sondern System.

Du kannst mitmachen

TRACA ist kein Konzernprodukt, sondern eine Plattform, die noch wachsen will – ein Startup, das gerade in die Finanzierungsphase geht. Im Juni 2025 startet die Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter (Anm. der Redaktion: Die Verlinkung folgt, sobald die Kampagne freigeschaltet wurde), bei der man schon mit 15 Euro mitmachen kann: Für jede Beteiligung wird ein Baum in Tansania oder Bangladesch gepflanzt – durch Partner wie die Mikoko Development Foundation, die mit Schulen, Gemeinden und Jugendlichen langfristige Klimaprojekte aufbaut.

Mitglieder des Verein Madaripur-Hilfe e.V. besuchen mit Bürgern einer Dorfgemeinschaft in Madaripur, Bangladesch, ein potentielles Grundstück für eine Aufforstung

Mitglieder des Verein Madaripur-Hilfe e.V. aus Werl besuchen zusammen mit Bürgern einer Dorfgemeinschaft in Madaripur, Bangladesch, ein potentielles Grundstück für eine Aufforstung mit lokalen Bäumen, wie Mahagoni, Mango oder Jackfrucht. (Quelle: Madaripur-Hilfe e.V., Werl)

Wer mehr tun möchte, hat weitere Möglichkeiten:

Denn eines ist sicher:
Die Zukunft wird nicht von denen gestaltet, die zuschauen – sondern von denen, die mitmachen.

„Kroymann – Ist die noch gut?“ … oder gehört die auf’s Abstellgleis?

„Kroymann – Ist die noch gut?“ … oder gehört die auf’s Abstellgleis?

Der Tag ihrer großen Show ist gekommen. Nach über 30 Jahren in der Unterhaltungsbranche wird ihr zu Ehren eine Gala ausgerichtet. Die Entertainerin Maren Kroymann ist begeistert und will die Show, die zur besten Sendezeit läuft, rocken. Sie trifft auf viele bekannte Gesichter und Wegbegleiterinnen, u. a. Katrin Bauerfeind, Denise M’Baye, Meret Becker, Gesine Cukrowski, Hazel Brugger und Annette Frier.
Doch schon bei ihrer Ankunft im Studio gibt es die ersten Irritationen und es wird klar, das dieser Abend nicht so rund laufen wird, wie sie sich das gedacht hat.

„Kroymann – Ist die noch gut“ gibt einen tiefen Blick hinter die Kulissen der Film- und Fernsehbranche. Etwas überzogen und mit einem Augenzwinkern – und dennoch bleibt einem das Lachen irgendwie im Halse stecken. Vielleicht liegt es zu dicht an der Wahrheit, denn machen wir uns nichts vor, Altersdiskriminierung ist keine Seltenheit und hatte oft die „Regel“.

Grimme-Preis 2025 für Maren Kroymann

Das fanden wohl auch die Grimme-Juroren im April 2025. So erhielt Maren Kroymann für die Folge 20 den renommierten deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Unterhaltung“, insgesamt ist es ihr vierter Grimme-Preis.

In ihrer Serie „Kroymann“ verkörpert sie unterschiedlichste Frauenrollen und rückt die Absurditäten des Alltags ins helle Scheinwerferlicht. Meist in kurzen Dialogen, in Folge 20 jedoch als durchgehende Story. Maren Kroymann hält unserer Gesellschaft einen Spiegel vor. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger, sprechen die Szenen mit einer guten Prise Humor für sich. Was auf den ersten Blick politisch korrekt wirkt, hält beim genauen Hinsehen nicht lange Stand. Das Abstellgleis ist näher als man denkt, gerade in der Unterhaltungsbranche.

Verlinkungen zum Beitrag:

ARD Mediathek: Kroymann – Ist die noch gut? (20) (Staffel 6, Folge 20 – Verfügbar bis 08.04.2027)

Youtube: Ist die noch gut? | Die ganze Grimme-Preis-Folge „Kroymann“

Grimme-Preis – Bekanntgabe der Preisträgerinnen und Preisträger 2025

ARD Mediathek: Alle Folgen von „Kroymann“

Die Unbeugsamen – Absolut sehenswert!

Die Unbeugsamen – Absolut sehenswert!

Dieser Dokumentarfilm von Torsten Körner hat es in sich. Er lief bereits 2021 für 37 Wochen in deutschen Kinos und das zu Recht. Seine Botschaft ist eindeutig: Den allseits bekannten, männlich geprägten Blickwinkel auf die Helden der Bonner Republik korrigieren und die Perspektive der damals aktiven Politikerinnen einnehmen. Ohne künstliches Drama oder weitere Kommentare, stehen die Aussagen der Politikerinnen und das Archivmaterial für sich selbst, so dass sich Zuschauende ihre eigene Meinung bilden können.

Mutig und stark mussten sie sein, die Frauen, die sich und etwas auf dem politischen Parkett bewegen wollten. Sie alle kommen zu Wort und lassen uns teilhaben, an ihrer Sicht auf die damalige Zeit: Carola von Braun (FDP), Herta Däubler-Gmelin (SPD), Elisabeth Haines (SPD), Renate Hellwig (CDU), Marie-Elisabeth Klee (CDU), Ingrid Matthäus-Maier (FDP/SPD), Ursula Männle (CSU), Roswitha Verhülsdonk (CDU), Renate Schmidt (SPD), Helga Schuchardt (FDP), Waltraut Schoppe (Die Grünen), Aenne Brauksiepe (CDU), Rita Süssmuth (CDU) und Christa Nickels (Die Grünen).

Die Beschreibung der Autorin Luc-Carolin Ziemann am 12. März 2020 in Vision Kino 2020 fasst es gut zusammen:

„Die Unbeugsamen“ erzählt von mutigen Frauen, die die Politik der Bundesrepublik Deutschland nicht allein den Männern überlassen wollen. Waren es in den Anfangsjahren der Bonner Republik zunächst nur Einzelkämpferinnen, bestanden seit den 1960er Jahren immer mehr Frauen darauf, als Politikerinnen ernstgenommen zu werden. Sie waren konfrontiert mit massiven männlichen Abwehrreaktionen, die von Vorurteilen bis zu offener sexueller Diskriminierung reichten. Die teilweise schockierenden Archivaufnahmen belegen, wie ungeniert viele Männer die Politikerinnen verhöhnten, beleidigten und bedrohten. Der Journalist Torsten Körner hat mit vielen Frauen, die die westdeutsche Politik bis zur Wiedervereinigung entscheidend geprägt haben, gesprochen. Entstanden ist eine emotional bewegende Chronik, die nichts an Aktualität eingebüßt hat: 2020 ist der Frauenanteil im Bundestag erstmals seit langem wieder gesunken. Daher endet der Film nicht von ungefähr mit der deutlichen Warnung: „Frauen, wenn wir heute nichts tun, dann leben wir morgen wie vorgestern.“

Damit ist schon vieles gesagt und dennoch drückt es so wenig aus, warum mich die Intensität des Films so beeindruckt hat und bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Einige Zitate aus dem Film

Ich möchte Deine Neugier mit einigen Zitaten wecken und Dich dazu ermutigen, Dir den Film und das Bonusmaterial anzuschauen. Er ist überraschend, erschreckend, unaufgeregt, reflektiert, demütigend, absurd und zeigt den Mut und die Unerschütterlichkeit dieser Pionierinnen.

„Zum Teil ist sie erfüllt, zum anderen Teil nicht. Und wenn die Leute nicht weiterkämpfen, werden sie das, was sie haben, wieder verlieren.“
Dr. Marie-Elisabeth Lüders, FDP, 1958 auf die Frage, was sie heute über die Verwirklichung ihres großen Anliegens, der Gleichberechtigung der Frau, denke.

„Macht wird als unweiblich angesehen. Ich habe das noch nie verstanden. […] Dass ich Macht will, dass Macht etwas nicht per se Schlechtes ist, sondern nur die Art wie man Macht ausübt, schlecht sein kann, und natürlich dann kritisiert werden muss. Aber wenn ich machtlos bin, dann bin ich ohnmächtig. Und gerade, weil ich eine Frau bin, will ich nicht ohnmächtig sein, sondern ich möchte Macht, das heißt Einfluss haben, um die Dinge, die ich für richtig halte, durchsetzen zu können.“
Renate Schmidt, SPD

„Man musste auch lernen, das Baggern so abzuwehren, dass der Herr nicht todbeleidigt und ab dann dein Todfeind ist in der Fraktion. […] Das war in allen Fraktionen so, auch bei uns.“
Carola von Braun-Stützer, FDP, MdB

„Auftreten wie eine Lady und kämpfen wie ein Schlachtross.“
Aenne Brauksiepe, CDU

„Es war schon so, dass die Kollegen nicht begriffen haben, wie sie mit uns eigentlich umgehen. Für die waren wir so eine Garnitur, so Blümchen, aber nicht unbedingt ernstzunehmende Politikerinnen, die genauso viel zu sagen haben wie sie.“
Renate Schmidt, SPD

„Als Einzelne wirkt die Frau wie eine Blume im Parlament, aber in der Masse wie Unkraut.“
Michael Horlacher, CSU

„Ich fing an, in politische Veranstaltungen zu gehen, und merkte plötzlich: Ach, die Leute hören dir ja zu, wenn du ein Argument vorbringst.“
Carola von Braun-Stützer, FDP, MdB

„Ich bin der Auffassung, dass die Frau auf allen Gebieten ihren eigenen Anteil gibt, und darum auch in der Politik. […] Ich möchte glauben, dass es manche tüchtigen Frauen in unserem Land gibt, die fachlich und sachlich zu dem schweren Gespräch der Männer um die Ordnung, um die Zukunft ihren Teil hinzugeben könnten.“
Aenne Brauksiepe, CDU – Vorsitzende der Frauen Union 1961

„In diesem Kreis sind auch Sie ein Herr!“
Konrad Adenauer 1961 zur ersten weiblichen Ministerin Frau Dr. Schwarzhaupt, CDU

„Wissen Sie, es ist eine Frage, die hier auftaucht, wo immer man mitarbeitet. Aber ich persönlich habe doch die ermutigende Erfahrung gemacht, dass man Frauen auch etwas zutrauen kann, denn man mutet uns ja oft sehr viel zu.“
Dr. Elisabeth Schwarzhaupt, CDU,im Fernsehinterview auf die Frage eines männlichen Journalisten: „[…] ist es nicht überlegenswert, sich zu fragen, ob eine Frau in der Politik eine ganz bestimmte Position einnehmen will, soll oder muss nur deshalb, weil sie eine Frau ist?“

„Zunächst waren die Frauen alle Einzelkämpferinnen, jede war für sich. Und dann, in den 70er Jahren, entdeckte man die anderen Frauen, die in der gleichen Situation waren. Und man hat nicht mehr gegeneinander um den einzigen Frauenplatz konkurriert, sondern man hat sich zusammengetan, um mehr „Frauenplätze“ zu bekommen.“
Elisabeth Haines, Referatsleiterin im Familienministerium

„Sie müssen noch an sich arbeiten, meine Herren, damit die Würde dieses Hauses nicht ganz auf den Hund kommt. Die Diskussion um den §218 ist neu aufgebrochen. […] Wir bewegen uns in einer Gesellschaft, die Lebensverhältnisse normiert: auf Einheitsmoden, Einheitswohnungen, Einheitsmeinung, auch auf eine Einheitsmoral. Was dazu geführt hat, dass sich Menschen abends hinlegen und vor dem Einschlafen eine Einheitsübung vollführen. Wobei der Mann meist eine fahrlässige Penetration durchführt. Fahrlässig, denn die meisten Männer ergreifen keine Maßnahmen zur Schwangerschaftsverhütung. Wir fordern die Bestrafung bei Vergewaltigung in der Ehe. Wir fordern Sie auf, endlich zur Kenntnis zu nehmen, dass auch die Frauen ein Selbstbestimmungsrecht haben über ihren Körper und ihr Leben. Wir fordern Sie alle auf, den alltäglichen Sexismus hier im Parlament einzustellen.“
Waltraut Schoppe, Die Grünen, am 05.05.1983 – Rede im Bundestag

„Ich habe sie bewundert, das sage ich ganz offen. Weil ich damals die gleichen Worte im Bundestag wahrscheinlich nicht gewählt hätte, aber ich fand die völlig richtig.“
Herta Däubler-Gmelin, SPD, zur Rede von Waltraut Schoppe am 05.05.1983 zum §218

„Diese Rede war ein großes Fest für alle Frauen, die fraueninteressiert und frauenbewegt waren. So hat nie, noch nie jemand im Bundestag gesprochen.“
Elisabeth Haines, SPD, zur Rede von Waltraut Schoppe am 05.05.1983 zum §218

„Die Stimmung, damals bei der Rede von Frau Schoppe, war einfach ekelhaft. Ich meine, so was wie „Hexe“ na gut, das ist nicht besonders schön, aber nicht unter der Gürtellinie. Da kamen aber Dinge, ganz eindeutig sexualisierter Art, die man ihr zurief. So etwas wie „Mit dir will ja sowieso keiner pennen“, also wirklich sehr hässlich. Ich hätte das von Abgeordneten nicht erwartet.“
Ingrid Matthäus-Maier, SPD

„Das war manches Mal peinlich für die Männer. Man hatte richtig Mitleid mit den Männern, die da so grölen mussten bei bestimmten Passagen, weil sie so in ihrem innersten Sein angegriffen wurden und nicht mehr akzeptiert wurden als natürliche Herrscher in der Welt.“‘
Elisabeth Haines, SPD

„[…] Und als das passiert ist, mit dem Lachen und auch mit den Aggressionen, da habe ich gedacht, jetzt gerade, hier muss noch viel Basisarbeit geleistet werden. Und das haben wir uns vorgenommen als Frauen.“
Waltraut Schoppe, Die Grünen, im Gespräch mit der Journalistin Inge von Bönninghausen

„Frauen, ich meine das parteiübergreifend mit allen Frauen zusammen, dass sie z. B. auch gerade in der Nachrüstungsdebatte, doch viel intensiver auf die echten Probleme eingegangen sind als alle Männer da drin.“
Petra Kelly, Die Grünen

„Solange uns Männer regieren, die Raketen vom Kopf tragen wie andere das Brett vor dem Kopf, wird es hier nicht besser werden und wir brauchen keine neuen Raketen. Wir brauchen neue Männer in diesem Land.“
Waltraut Schoppe, Die Grünen

„Wenn sie aktiv und entscheidungsfreudig sind, wenn sie was wollen und das durchsetzen und sagen: „Jetzt krieg ich die Mehrheiten …“. Ich bin sicher, bei einem Mann wäre gesagt worden: „Der ist aber entscheidungsstark.“ „Der hat Ideen und Visionen, die will der umsetzen.“ Dies ist aber eine Erfahrung, die ich über all die Jahre gesammelt habe, wenn Frauen sagen: „Ich will das so und dafür kämpfe ich“, wird das eher kritisch gesehen, auch beim Zuschauer, als wenn Männer das machen. Da heißt das „entscheidungsstark“ und nicht „autoritär“.“
Ingrid Matthäus-Maier, SPD

„Sie und Helmut Kohl, das war ja nun … Irgendwann wurde das ein ganz bekanntes Gegnerpaar. Er war stinksauer, dass sie so anders war, als er dachte, dass sie sein wird. Und sie war ziemlich fassungslos über die Machoallüren, die man nicht nur bei Kohl sondern in diesem Umfeld einfach erlebte.“
Renate Faerber-Husemann, Journalistin, über Fr. Dr. Rita Süssmuth, CDU, Gesundheitsministerin

„Es muss geschmeidig wirken, aber hart erkämpft werden. Das habe ich auch gelernt. Ich weiß, dass dieses Wort „kämpfen“ unter Frauen und schon gar nicht in der Mann-Frau-Relation das richtige Wort ist, aber es ist die richtige Tat.“
Prof. Rita Süssmuth, CDU

Fazit:

„1908 durften die Frauen nicht mal auf politische Veranstaltungen, sie durften keine politischen Vereine besuchen. 1918 haben sie erstmals das Wahlrecht bekommen. dann haben sie es wieder entzogen gekriegt. Standen ihre Frau während des Krieges, ließen sich dann aber wieder zurückdrängen an den Herd, machten Platz frei für diejenigen, die aus dem Krieg zurückgekommen sind. Es braucht halt alles einfach seine Zeit, weil es halt ein Kampf, ein Machtkampf ist. Jede Position, die heute von einer Frau eingenommen wird, wird nicht mehr von einem Mann eingenommen. Die haben natürlich etwas zu verlieren. Um es deutlich zu machen, dass man nichts verliert, sondern dass es vielleicht besser ist, wenn beide gemeinsam was tun, dieses Bewusstsein, dass das sich in den Köpfen wiederfindet, das ist schwer einzupflanzen. Aber vielleicht schaffen wir es in den nächsten 25 Jahren. Ich glaub schon.“
– Ursula Männle, CSU

Ein Stück Zeitgeschichte, das von innen heraus betrachtet deutlich anders aussieht als bisher angenommen. Ich bin dankbar für diesen Film und möchte mit der Botschaft des Films enden, wie es der Regisseur Torsten Körner dargelegt hat: „Der Film stellt starke Frauen, starke Erzählerinnen in den Mittelpunkt. Starke Frauen erzählen ihre Lebensgeschichte – das ist die Botschaft.“


Hier findest Du den Film:

Der Film:

Aktuell ist das Streaming kostenpflichtig verfügbar bei Netflix, Youtube, Apple TV, Google Play Film, Amazon Prime.

Als DVD oder Blue-ray ist er bei Amazon erhältlich.

Weitere Links:

Welt – Kultur, Artikel vom 25.08.2021: „In diesem Kreis, meine Dame, sind auch Sie ein Herr!“

Wikipedia: Die Unbeugsamen