appmover: Das Jugendtaxi für den sicheren Heimweg

appmover: Das Jugendtaxi für den sicheren Heimweg

appmover, das ist mal eine richtig geniale Idee: Die App sorgt dafür, dass Jugendliche zwischen 16 und 26 Jahren am Wochenende mit dem Jugendtaxi sicher nach Hause kommen!

Ich höre das „Hurra!“ der Eltern förmlich, während ich darüber nachdenke, dass es ein Gefühl von Freiheit sein muss, den Nachwuchs nicht mehr aus den Clubs und Discotheken abholen zu müssen. Kein mühsames Wachbleiben bis in die frühen Morgenstunden, kein sich mitten in der Nacht schlaftrunken hinters Steuer setzen, um den elterlichen Abholdienst von der Party zu übernehmen.

Teilhabe mit Mehrwert

Doch nicht nur der Sicherheitsaspekt lässt mich zu dem positiven Fazit kommen. Es gibt weitere Vorteile, die durch die Plattform geboten werden.

  • Der Heimweg junger Frauen ist sicher: bis vor die Haustür!
  • Die Zahl der Unfälle kann weiter gesenkt werden.
  • Die Landkreise und Städte punkten durch Attraktivität.
  • Taxiunternehmen und Lokale, Clubs und Diskotheken haben mehr Zulauf.

Zum Thema „Sicherer Heimweg für Frauen“ sind vermutlich keine weiteren Ausführungen notwendig, doch was hat es mit den anderen Punkten auf sich?

Gesponsorte Taxifahrten

Der appmover ist eine Jugendtaxiapp, die im Rahmen der „Vision Zero“ des DVR (Deutscher Verkehrssicherheitsrat) in Städten und Kreisen eingesetzt werden kann. Damit wird das Ziel verfolgt, die Zahl der Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr auf „Null“ zu bringen.

Die Kreise Viersen und Kleve sind diesen Weg gegangen. Sie sponsern jungen Menschen einen Teil der Taxikosten, um Fahrten unter Alkoholeinfluss zu vermeiden und den Heimweg, gerade in Orten mit einer geringen nächtlichen Infrastruktur, sicherer zu machen. Die Resonanz ist groß, im Kreis Viersen wurde die App in den ersten drei Wochen nach der Einführung 3.500 Mal heruntergeladen. Im Kreis Kleve werden rund 50.000 dieser Fahrten pro Jahr abgerufen. In meinen Augen ist das ein attraktives Angebot der Städte und Kreise – macht Lust aufs Ausgehen. Soziale Kontakte fördern, abtanzen und gute Laune erleben, das Leben lebenswerter machen nach dieser langen unpersönlichen Zeit.

Zusätzlich werden lokalen Unternehmen nach den Umsatzeinbußen in der Pandemie gestärkt. Das Sponsoring kommt zwar den jungen Menschen zugute, doch Lokale, Clubs und Kneipen profitieren ebenso davon. Als Dienstleister sind die Taxiunternehmen gefragt, die den sicheren Transport nach Hause übernehmen. Sie können selbst entscheiden, ob sie als Jugendtaxi zur Verfügung stehen wollen und werden dann entsprechend in der App eingebunden.

Zusammenlegen und gemeinsam fahren

Die Funktion ist einfach. Ein appmover-Taxi wird über die App gerufen. Jede mitfahrende Person zwischen 16 und 26 Jahren bekommt für die Fahrt einen festen Zuschuss von z. B. € 6,00. Tun sich mehrere Personen zusammen, summiert sich das Sponsoring entsprechend, so wird die Heimfahrt für jeden Mitfahrer günstiger.

Weitere Einsatzgebiete

Das Sponsoring in Kombination mit der App bietet viel Mehrwert, der – sobald es einmal eingerichtet ist – auch für weitere Projekte genutzt werden kann: Sozialtaxi, Ehrenamtstaxi, Schützenfesttaxi, Krankentaxi und noch vieles mehr. Wer beim Sponsoring mitmacht, ist individuell einstellbar – denkbar sind Kommunen, Unternehmen oder auch Vereine.

Fazit: Wir brauchen mehr appmover!

Das Jugendtaxi ist eine tolle Idee, von der ich immer wieder gerne berichte. Als junger Mensch hätte ich mir diese Möglichkeit gewünscht. Leider musste ich erleben, dass aus finanziellen Gründen falsche Entscheidungen getroffen wurden.

Falls Du Interesse hast, das Projekt in Deinem Kreis oder Deiner Stadt an den Start zu bringen oder mehr Informationen haben möchtest, sende eine E-Mail an den appmover.

Zum Flyer des Rheingau-Taunus-Kreises: Jugendtaxi – Günstig. Sicher. Heim.

Erklärvideo des Rheingau-Taunus-Kreises auf Youtube

Hast Du bereits Erfahrungen damit gemacht? Dann schreibe sie für unsere Leser:innen gern in den Kommentar.

Vielfalt ist Programm auf der #DiWoDo21

Vielfalt ist Programm auf der #DiWoDo21

Die Digitale Woche in Dortmund stellt sich im Herbst wieder neu auf. In einigen Tagen werden alle Veranstaltungen online stehen. Dich erwartet eine bunte Vielfalt rund um das Thema „Digitalisierung“, spannende Vorträge, Diskussionen und Workshops. Denn auch wenn „Dortmund“ als lokaler Sitz der Veranstaltung genannt ist, Corona hat das digitale Format massiver werden lassen. Alle Veranstaltungen müssen online oder hybrid angeboten werden. Dadurch ist eine Teilnahme an allen Events möglich – und davon gibt es viele. Im fünften Jahr der Veranstaltungsreihe werden es wohl über 200 Veranstaltungen sein, die von Unternehmer:innen aus Dortmund und der Umgebung angeboten werden.

Themenvielfalt in der Digitalisierung

Erweitere Dein Wissen, besuche interaktive Events oder nimm an den Workshops teil, das alles ist in der Woche vom 08. – 12.11.2021 möglich. Die Themen sind vielfältig:

  • Arbeitswelt der Zukunft
  • Bildung
  • Digitale Infrastruktur
  • Geschäftsprozesse
  • Software-Entwicklung
  • Strategie und Beratung

Das gesamte Programm findest Du auf der Website, sobald die Veröffentlichung erfolgt ist.

Egal ob Du Dich interaktiv einbringst oder Dich zum aktuellen Entwicklungsstand informieren willst, leichter kannst Du am Wissenstransfer aus einem der führenden Digitalstandorte nicht teilnehmen.

Kurzer Blick auf die Geschichte

Im Jahr 2017 startete die #DiWoDo17 mit 50 Veranstaltungen und knapp 3.000 Fachbesucher:innen. Im Jahr darauf nahmen 4.500 Besucher:innen an über 80 Events teil. Die #DiWoDo19 toppte das Ergebnis mit über 100 Veranstaltungen und 6.500 Besucher:innen. Im Jahr 2020 sollte das hybride Format etabliert werden, musste aber durch Corona einer komplett digitalen Version weichen. Nun setzt die #DiwoDo21 auf hybrid, aber mindestens digital. Eine Chance für Dortmund weithin sichtbare Zeichen zu setzen.

Sichtbar und digital vom 08. bis zum 12.11.2021

Lass Dich in dieser Woche von der dynamischen Mischung aus Ausstellung, interessanten Keynotes namhafter Speaker, Best Practice Beispielen und abwechslungsreichen Workshops inspirieren, von Menschen, die wissen was sie tun – und wie sie es tun.

Wir sind gespannt, bei welchen Themen der #DiWoDo21 Deine Neugier geweckt ist und freuen uns auf einen Kommentar von Dir!

Titelbild: Copyright Digitale Woche Dortmund

Ernährung: Einfache Veränderungen, spürbare Wirkung!

Ernährung: Einfache Veränderungen, spürbare Wirkung!

Ernährung: Einfache Veränderungen, spürbare Wirkung!

Im NDR-Magazin „DAS!“ vom 21.09.2021 sprach Hinnerk Baumgarten mit der Allgemeinmedizinerin Dr. med. Silja Schäfer. Sie hat sich auf Ernährung spezialisiert und spricht über verschiedene Themen, die unser Essverhalten beeinflussen. Nach ihrer Überzeugung zeigen schon einfache Veränderungen spürbare Wirkung. Mit der richtigen Ernährung können Krankheiten gelindert oder sogar geheilt werden.

Die Allgemeinmedizinerin ist bodenständig und kennt die Herausforderung, eine gesunde Ernährung mit der Berufstätigkeit unter einen Hut zu bringen. Doch jeder Mensch ist individuell und die Veränderung der Essgewohnheiten muss zu den Lebensumständen passen. Ihr Tipp: Wer auf die schnelle Zubereitung von Mahlzeiten fokussiert ist und dabei nicht auf Fertigprodukte zurückgreifen möchte, ist mit Meal Prep (Abk. meal preparation = Zubereitung von Mahlzeiten) gut aufgestellt. Dabei werden die unterschiedlichen Essenskomponenten vorgekocht und einzeln aufbewahrt. Die Zusammenstellung kann dann jeden Tag individuell vorgenommen werden. Wenn der Einkauf gut geplant ist, kann für mehrere Tage vorgekocht werden. Der tägliche Vorteil liegt auf der Hand: Das Essen steht schnell auf dem Tisch, ist gesund und die Inhaltsstoffe sind bekannt, weil man sie selbst verarbeitet hat.

Falls das nicht funktionieren sollte, ist der Nutriscore beim Einkaufen vielleicht hilfreich. Die Kennzeichnung mit der „Lebensmittelampel“ ist freiwillig und soll auf einen Blick deutlich machen, wie gesund das Nahrungsmittel ist. Doch so einfach ist es nicht, erklärt die Ernährungsspezialistin, denn viele Inhaltsstoffe werden nicht berücksichtigt. Der Nurtriscore ist also nur eine grobe Richtlinie, wenn man unter ähnlichen Produkten das Gesündeste auswählen möchte.

Im Verlauf der Sendung erklärt sie, warum unser heimischer Hafer so gesund ist, und demonstriert die Zubereitung einer Schüttel-Pizza, einem schnellen und gesunden Essen für die ganze Familie. Das Thema Zuckersteuer kommt ebenso zur Sprache, wie irreführende Werbung und die dringend notwendige Aufklärungsarbeit, die mit einem Schulfach „Ernährung“ in den Lehrplan integriert werden könnte. Ein Bericht zu dem Pilotprojekt, an dem ca. 8.000 Kitas und Grundschulen teilnehmen, zeigt, wie interessiert die Hamburger 4.-Klässler:innen mitmachen und die Rezepte auch gerne mit nach Hause nehmen.

Insgesamt eine sehenswerte Sendung, doch das Video ist seit Ende Dezember 2021in der Mediathek nicht mehr verfügbar.

Youtube: Interview von Dr. med. Silja Schäfer zu ihrem „Mein grünes Familienkochbuch“

Weitere Links:

ARD Gesund: Ernährungsumstellung – der Weg zu mehr Wohlbefinden

Unbekannte Welten: Intimpflege bei Frauen

Unbekannte Welten: Intimpflege bei Frauen

Mit den Unsicherheiten zum Thema Intimpflege ist jetzt Schluss, denn die beiden Gründerinnen von DEO DOC, einer Marke für Intimpflege und Hygieneprodukte, haben sich vor acht Jahren entschieden, gesunde Produkte zu entwickeln und für eine bessere Aufklärung zu sorgen.

In der „Welt“ haben wir einen wunderbaren Artikel zur Entstehungsgeschichte von DEO DOC entdeckt, der über die Geschwister Dr. Hedieh und Hasti Asadi berichtet, die das Tabuthema „Intimpflege“ nicht hinnehmen wollten.

Aus der Lösungssuche für ein Geruchsproblem hat sich ein Business entwickelt. Ihre damalige Marktbeobachtung und Analyse haben ergeben, dass es kaum vernünftige Produkte zur Pflege des Intimbereichs gibt. Es lag wohl nicht allein daran, dass häufig Männer an der Entwicklung beteiligt waren, auch an die Frauengesundheit wurde nicht immer gedacht. Es gibt zum Beispiel Tampons aus synthetischen Materialien, deren Fasern sich im Gebärmuttereingang ablagern, oder Seifen, deren pH-Wert nicht an das Milieu der Vulva angepasst ist.

Die Geschwister wollen gesunde Produkte entwickeln. Produkte, die auf die Bedürfnisse des weiblichen Intimbereichs eingehen und dadurch Frauen helfen, sich in ihrem Körper wohlzufühlen. Das haben sie zusammen mit der Gynäkologin Gunvor Ekman-Ordeberg sehr erfolgreich umgesetzt und verkaufen die schön gestalteten Produkte über ihren Shop. Das Sortiment ist mittlerweile breit aufgestellt und beinhaltet Waschgele, Deotücher und Rasierschäume bis zu Baumwoll-Tampons bzw. -Binden, Badezusätze und Gleitmittel.

Hedieh und Hasti Adadi machen sich auch für die Aufklärung stark. Mit der „Vulva-School“ auf der Website und viel Aktivität in den Social-Media-Kanälen haben sie sich eine dankbare Fangemeinde aufgebaut. Sie posten Videos, geben Tipps und Anregungen rund um die Intimpflege, damit das Tabuthema weiterhin im Gespräch bleibt und Frauen wissen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind.

Den ganzen Artikel vom 03.09.2021 findest Du hier 

Website DEO DOC 

Gefährlicher Loverboy

Gefährlicher Loverboy

Der Begriff „Loverboy“ klingt süß, doch der Schein trügt, denn es geht um Menschenhandel. Betroffen sind überwiegend Mädchen und junge Frauen im Alter ab 14 bis zu über 18 Jahren.

Viel Aufwand wird betrieben, um junge Menschen der Prostitution zuzuführen und sich persönlich daran zu bereichern. Sie werden sorgfältig ausgewählt und systematisch vom Familien- und Freundeskreis isoliert. Daraus entwickelt sich ein massives Abhängigkeitsverhältnis, das vom Loverboy forciert wird, denn so kann er wesentlich leichter emotionalen Druck auf- und nach Bedarf ausbauen. Das Schlimme daran ist, dass die jungen Frauen keine Alternative sehen und zusätzlich noch glauben, dass sie selbst schuld an ihrer Situation sind.

Junge Mädchen in schlechten Händen

Im ersten Moment denkt man, das könne nicht funktionieren und die Mädchen bzw. jungen Frauen müssten es durchschauen. Allerdings zeigen die Beratungsgespräche der Dortmunder Mitternachtsmission e.V., dass die Betroffenen keine Chance haben, die Situation aus ihrer Perspektive zu erkennen.

Die Sozialarbeiterin Hanna Biskoping führt viele dieser Gespräche und berichtet, dass die Mädchen mit dieser Masche in Situationen getrieben werden, in der sie oft keinen Ausweg mehr sehen. Sie sind nicht mehr in der Lage, die vorgespielte „Notsituation“ ihres Loverboys als Lüge zu durchschauen.

Wie gehen die Männer vor?

Männer, die sich zum Teil jünger machen als sie sind, halten sich an Treffpunkten auf, wo sich junge Menschen begegnen, z. B. an der Schule, in Jugendtreffs, in Clubs, im Internet oder in Social-Media-Chats. Sie suchen nach geeigneten Opfern und nehmen selbst – oder über dritte Personen – Kontakt auf. Die Wahl fällt häufig auf junge Mädchen, die (noch) nicht richtig in einer Clique angekommen sind, die ein geringes Selbstwertgefühl haben oder neu an der Schule sind. Also junge Menschen, deren soziales Umfeld nicht stabil ist und wo mit Lob, Anerkennung, gemeinsamer Zeit, Geschenken und ähnlichen Dingen schnell eine Beziehung aufgebaut werden kann.

Die Männer nehmen sich Zeit, hofieren das Opfer und erschaffen in den Köpfen der Mädchen eine Traumwelt, in der sie sich verstanden, begehrt und geliebt fühlen. Sie sprechen von gemeinsamer Zukunft und „malen“ Bilder von gemeinsamen Urlauben, einer Eigentumswohnung oder der perfekten Ehe – und untermauern diese Bilder mit Geschenken und Komplimenten. Für junge Frauen fühlt es sich wertschätzend und gut an. Sie wirken auf Gleichaltrige plötzlich interessanter, weil sie von einem „älteren“ Mann umworben werden.

Die Grenzen werden ausgelotet

In dieser Phase lotet der Menschenhändler bereits die Grenzen der Mädchen aus: Wie weit gehen sie auf seine Wünsche ein? Wie reagieren sie auf die Konfrontation mit Alkohol und Drogen? Wie reagieren sie auf seine sexuellen Forderungen? Wie experimentierfreudig sind sie? Sind sie neugierig, steigert er seine Forderungen, lehnen sie etwas ab, lenkt er ein: „Nein, das mit den Drogen war nur mal ein Versuch. Mir hat das auch nicht gefallen.“ Die Mädchen fühlen sich in guten Händen und das Vertrauen in den Loverboy wächst.

Es wirkt auf sie wie Verbundenheit, doch in Wirklichkeit ist es der gezielte Aufbau einer Abhängigkeit, denn parallel arbeitet er daran, sie vom Freundes- und Familienkreis zu isolieren. Er sagt z. B., dass die Familie ihre Beziehung nicht anerkennt oder dass er keine Lust auf ihre Freunde hat, die noch so kindlich sind und will lieber mit ihr alleine sein. Die Schmeichelei zeigt Wirkung und die jungen Frauen vertrauen auf den älteren „Partner“, der sein profitables Ziel wesentlich leichter erreichen kann, wenn die sozialen Bindungen zerstört sind.

Schrittweise in die Prostitution

Plötzlich ist es so weit. Der Loverboy steckt vermeintlich in finanziellen Schwierigkeiten. Es droht ihm eine Gefängnisstrafe, wenn er nicht zahlen kann oder die gemeinsame Zukunft ist in Gefahr. Er stellt es so geschickt dar, dass sich die Betroffene mitverantwortlich fühlt und hat auch schon eine Idee, wie sie das Problem aus der Welt schaffen können. Er geht sensibel und empathisch vor. Da er die Grenzen seines Opfers kennt, kann es „harmlos“ anfangen, mit z. B. „Kannst Du im Club als Escort-Service mal aushelfen? Du musst nur ein schönes Kleid und hohe Schuhe tragen, dann können wir die Schulden bald ausgleichen …“ Die Mädchen denken sich meist noch nichts dabei, doch dann möchte ein „Kunde“ doch mehr – und es ist doch nur das eine Mal. Es tut ihm doch so leid, aber sie ist seine Rettung, ohne sie ist er verloren, doch damit kann er die Schläger, die ihm auf den Fersen sind in Schach halten.

Lassen sich die jungen Frauen erst mal darauf ein, wird der Druck weiter gesteigert; die Schulden sind doch höher und er hat ein gutes Angebot bekommen, denn sein Freund würde gern für viel Geld mit ihr schlafen. Ob sie das wohl für ihn tun könnte.

Wenn sie sich weigern, wird psychische und physische Gewalt ausgeübt, von Drohungen die Fotos und Videos von sexuellen Handlungen an Familie und Freunde zu schicken bis zu körperlichen Übergriffen. Die Scham nimmt zu und die Betroffenen werden immer tiefer in die Spirale hineingezogen.

Wollen sie von ihm weg, findet er immer einen Weg, der sie an ihrer Entscheidung zweifeln lässt. Sie fühlt sich wieder wie am Anfang, geliebt und umworben. Er entschuldigt sich und malt erneut das strahlende Bild einer gemeinsamen Zukunft. Viele Mädchen halten an dieser Liebe fest, weil sie nichts anderes kennen, doch der Loverboy spielt nur mit ihnen und hat es einzig und allein auf den eigenen Profit abgesehen, während die Opfer der Prostitution nachgehen müssen.

Wie fühlt sich Liebe an?

Hanna Biskoping arbeitet in der Beratungsstelle der Dortmunder Mitternachtsmission e.V. und erklärt, dass die jungen Mädchen ihre Identität noch nicht gefunden haben und nicht wissen, wie sich echte – bedingungslose – Liebe anfühlt. Hanna zeigt Präsenz und baut eine soziale Bindung zu den Betroffenen auf, indem sie da und ansprechbar ist. Sie bietet Beständigkeit in einer wackeligen Welt, die von emotionalen Berg- und Talfahrten bestimmt wird. Die Sozialarbeiterin weiß, nicht der Ausstieg, sondern das wachsende Vertrauen ist ihr Erfolg. Sie ist da, wenn die Mädchen sie brauchen, egal wie sie sich entscheiden. Denn auch die Loverboys haben Durchhaltevermögen. Sie hatte schon Klientinnen, bei denen der Beziehungsaufbau über ein Jahr gedauert hat. Erst dann kamen die ersten „Notlagen“ und darauf folgte der Einstieg in die Prostitution.

Schwerer Ausstieg

Häufig fällt es den Mädchen und jungen Frauen schwer, sich aus diesen (Höllen-)Beziehungen zu lösen. Die zwei Gesichter des Loverboys und die massive Abhängigkeit bringen sie immer wieder ins Zweifeln. Zudem erhöhen die Menschenhändler den Druck permanent, wenn sie Gefahr laufen, ihre Einnahmequelle zu verlieren.

Hanna Biskoping unterstützt die jungen Frauen mit Wertearbeit, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken und ihnen andere Perspektiven aufzuzeigen. Das ist ein langwieriger Prozess, doch die Arbeit lohnt sich: Betroffene melden sich während des Abnabelungs- oder Ausstiegsprozesses bei ihr und bitten um Hilfe.

Sie begleitet die jungen Frauen ganz individuell. „Nicht für jede ist eine Strafanzeige und ein Gerichtsprozess ein gangbarer Weg. Das Opfer rückt damit in den Fokus, Scham, Schuld und Hilflosigkeit wirken schwer: „Ich habe das mit mir machen lassen …“. Hanna vermittelt Therapiemöglichkeiten und ist eine wichtige Stütze, weil sie die Handlungen der Opfer nicht verurteilt. Sie berichtet, dass eine Richterin am Ende eines Prozesses zu der Betroffenen gesagt hat: „Du trägst keine Schuld!“ Was dieser Satz in der jungen Frau bewegt hat, können Außenstehende kaum ermessen.

Prävention in Schulen

Hanna Biskoping gibt Präventionskurse in allen Schulformen, da sich eine Eingrenzung der Zielgruppe nicht vornehmen lässt. Die Opfer kommen aus sämtlichen sozialen Schichten und einer großen Altersspanne.

Die Kurse ziehen häufig Reaktionen von Freunden und Freundinnen der Betroffenen nach sich. Sie hinterfragen, wie sie helfen können. Hanna erklärt ihnen, dass der Zugang zum Opfer über Angehörige oder Freunde wichtig ist, denn damit bleibt der Kontakt zum sozialen Umfeld bestehen. Hanna berät auch Angehörige. Wie kann die Familie positive Signale senden und wie gehen sie mit dieser Situation um. Sie haben kaum die Möglichkeit aktiv einzugreifen und stehen „nur“ hilflos am Rand. Denn eins ist sicher, der Loverboy wird alles dafür tun, um den Kontakt zu unterbrechen und die Betroffene weiter zu isolieren.

Woran ist eine solche Beziehung erkennbar?

Die Täter sind bis zu 30 Jahre alt, machen sich aber oft jünger. Sie haben häufig Verbindungen ins Milieu und statten die Betroffenen mit einem zweiten (Prepaid)Handy aus, um so die Beweise des Menschenhandels leichter vernichten zu können.

Die soziale Isolation von Betroffenen, Veränderung im Wesen und blaue Flecken können weitere Indizien sein.

Hilfsangebot

Information und Unterstützung leistet die Dortmunder Mitternachtsmission e.V. Die Beratung rund um das Thema Sex, Liebe und Loverboys kann anonym per Chat oder telefonisch, per Videochat oder vor Ort erfolgen.

Hanna steht für die Präventionsarbeit in den Schulen zur Verfügung und kann Kontakte zu Beratungsstellen in ganz Deutschland herstellen.

Online-Beratungsangebot der Dortmunder Mitternachtsmission e.V.

Website

E-Mail an Hanna Biskoping 

Telefon: 0231/14 44 91

Buch: Sexuelle Gewalt an Kindern in familiären Lebenswelten – Zugänge und Hilfen (bekommt man in den Kinderschutz-Zentren)

Bundeslagebild Menschenhandel 

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