Irgendwie sitze ich vor dem Fernseher und zappe während einer Werbepause durch die Programme. Zack – ein Telefonbuch groß im Bild. Erinnerungen werden wach. Ich stehe in einer gelben (!) Telefonzelle, es riecht, wie es damals in allen Telefonzellen gerochen hat: Nach Papier, abgestandener Luft, nach Hundepipi und nach etwas Privatsphäre trotz der Straßenecke. Die Münzen zurechtgelegt, fehlt nur noch die Telefonnummer. Hm, das richtige der aufgehängten Telefonbücher nach oben klappen und den Namen suchen. Sofern die richtige Seite zur Abwechslung mal nicht fehlte, den Hörer nehmen, aufs Freizeichen warten, Münzen einwerfen und jede einzelne Zahl (meist ohne Vorwahl) drehen und dem Geräusch lauschen. Chillig, wenn ich heute so darüber nachdenke. Nicht so charmant, wenn die Schlange vor der Privatsphäre zu groß wurde.
Ich bleibe an der Sendung hängen. Vergessen ist der Blockbuster. Lieber schwelge in Dingen, die es irgendwie nur selten oder gar nicht mehr gibt. Teilweise witzig, teilweise schade – und bei einigen Produkten ist das „Vorbei“ tatsächlich das Beste. Beispiel gefällig? Die radioaktive Zahnpasta. War wohl ein Verkaufsschlager, aber dankenswerterweise vor meiner Zeit.
Die Dokuserie des ZDF „Das war dann mal weg“ macht einfach gute Laune. Bekannte Gesichter wie Michael Kessler, Florian Martens, Rhea Harder-Vennewald, Jessica Ginkel oder Anneke-Kim Sarnau, teilen bereitwillig ihre Erfahrungen – sehr kurzweilig.

In den 14 Folgen kann ich gut schwelgen. Ich sehe einen Tankwart und denke „Ja, so war das.“ Der freundliche Mensch an der Tankstelle war gelebter Service. Er sorgte nicht nur dafür, dass der Tank wieder befüllt und die Fahrt reibungslos fortgesetzt werden konnte. Er kümmerte sich zudem um saubere Scheiben und prüfte den Ölstand.
Und plötzlich war sie wieder da, die Aufregung. Der Geruch von klebrigen Flaschen und die Jagd nach der Dichtung in den Deckeln. Knibbelbilder, ein längst in Vergessenheit geratenes Highlight meiner Kindheit, verbunden mit dem Ziel, die Serie endlich zu vervollständigen.
Das Schwelgen überwiegt, auch wenn ich dem allseits beliebten Mettigel etwas hinterher weinen muss. Der Muckefuck reißt es wieder raus und erinnert mich an meine Konfirmandenfreizeit und das Frühstück in Jugendherbergen. Froh bin ich, dass mir der wohl unbeliebte Lebertran nur in Büchern und nicht auf einem Löffel im Mund begegnet ist.
Als es um runde Werbeflächen geht, sehe ich mich mit meiner Schwester nachts im Winter vor der weiß beklebten Litfaßsäule stehen. Mit Sprühdosen, einer Leiter und einer laufenden Videokamera „bewaffnet“, wurde der Glückwunsch zur Silberhochzeit unserer Eltern auf die Fläche gebracht, die im direkten Blickfeld vom Elternschlafzimmer lag. Auch vorbeikommende Hundebesitzer sind geringfügig irritiert, warum wir unser vermutlich illegales Tun mit einem Scheinwerfer beleuchten, aber na ja, wer’s bezahlt, darf‘s auch besprühen 😊.
Vom HB-Männchen über den Melitta-Mann (Egon Wellenbrink) bis zur Klementine, die von Johanna König dargestellt wurde und für Ariel geworben hat. „Hallo Herr Kaiser“ darf dabei natürlich auch nicht fehlen. Ob Dauerwellen, Poesiealbum, Rollschuhe, CB-Funk oder Kegelabende, die kleinen Ausflüge in die Vergangenheit sind gespickt mit wissenswerten Details und machen Lust auf mehr. Jetzt hoffe ich sehr, dass es weitere Folgen in einer zweiten Staffel geben wird.
Taucht bei Dir auch eine Erinnerung auf – und wenn ja, lässt sie Dich schwelgen oder bedauern?
Herzlichst
Helga
Link zur ZDF Dokuserie „Das war dann mal weg“