Taff kommt sie im Film rüber – viele kennen die beiden Tarantino-Filme Kill Bill Vol. 1 und Vol. 2. Es ist bewundernswert, wie sie sich nicht unterkriegen lässt und immer wieder aufsteht. „Die Braut triumphiert immer“, bringt Cat Thomas, Kostümbildnerin der Filme, die Story auf den Punkt. Eine Frau, die allen Widerständen trotzt, ihren „Mann“ steht und am Ende gewinnt.
Doch wie so oft in Hollywood trügt der Schein – und schöne Kulissen verbergen die bittere Wahrheit, in der Männer ihre Macht demonstrieren, ausleben und leider auch missbrauchen.
Bewegtes Leben
Uma Thurman, geboren 1970, ist die Tochter von Robert Thurman, einem buddhistischen Gelehrten und dem ehemaligen Model Nena von Schlebrügge. Sie haderte in der Schulzeit mit ihrem Aussehen, ihrer Größe und dem ungewöhnlichen Elternhaus, indem auch der Dalei Lama regelmäßig zu Gast war. Sie stand oft abseits und tat sich bei dem Aufsatz im Religionsunterreicht mit der Frage „Wer bin ich?“ sehr schwer. Erst im Schultheater stellte sie fest, dass sie mit der Darstellung anderer Rollen deutlich besser umgehen konnte als mit der Frage nach ihrem eigenen Sein.
In die Öffentlichkeit trat sie bereits mit 15 Jahren. Sie war das Titelbild der Vogue und trat damit in die Fußstapfen ihrer Mutter. Dennoch gefiel ihr das Mindset der Branche nicht – sinngemäß: Kauf mehr Zeug, damit Du besser aussiehst und Männer Dich lieben werden.
Die Schauspielerin
Zwei Jahre später begann ihre Karriere als Schauspielerin. Ihr Bekanntheitsgrad stieg durch eine ihrer ersten Filmrollen in „Henry & June“ (1990). Ihre Darstellung von June Miller wurde mit einer Oscar- und Golden Globe-Nominierung belohnt. Den internationalen Durchbruch erzielte sie als Mia Wallace in Quentin Tarantinos „Pulp Fiction“ als selbstzerstörerische Gangsterbraut (1994).
Es folgten weitere Filme, bis sie beim Dreh zu „Gattaca“ von Andrew Niccol (1997) Ethan Hawke kennen und lieben lernt. Die beiden heiraten und bekamen 1998 eine Tochter. Die Mutterrolle fordert und beflügelt Uma Thurman und sie sieht ihre Herausforderung in der Darstellung der Debbie Miller im Film „Hysterical Blindness“ von Regisseurin Mira Nair. Sie überzeugte mit der Rolle und wurde 2003 mit dem Golden Globe Award in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin – Mini-Serie oder TV-Film ausgezeichnet.
Regisseur Tarantino wollte mit ihr drehen und bereits 3 Monate nach der Geburt ihres Sohnes 2002 begann das Training und die Arbeit an „Kill Bill“ unter dem Produzenten Harvey Weinstein, DEM bekannten Giganten der Filmindustrie. Das Training war intensiv und sie musste nach der Schwangerschaft erst wieder in Form kommen. Nachdem klar war, dass es keinen hautengen sexy Jumpsuit geben würde, denn das gab es schon vielfach, sollte die Figur mit dem Kostüm etwas Starkes bekommen, das die Geschlechterrollen aufbrechen würde. Der gelbe Anzug, wurde so konzipiert, dass sie schnell raus- bzw. reinschlüpfen konnte, damit sie sie ihren Sohn weiterhin stillen und danach direkt weiterdrehen konnte.

Das Machtgefälle in der Unterhaltungsindustrie
„Vor der Kamera ist Uma Thurman die schlagfertige Frau, die es mit jedem aufnimmt. Hinter den Kulissen war Tarantino ziemlich grob zu ihr.“, so Filmkritikerin Violet Lucca. „Für eine Szene spuckte er ihr ins Gesicht, er traute Uma nicht zu, es von alleine richtig zu machen. Er hat sie oft mit einer Kette gewürgt, während der großen Schlacht mit Gogo – und immer wieder beschimpft: ‚Mach’s besser!‘, ‚Mach’s besser!‘“. Kostümbildnerin Cat Thomas erklärt: „Quentin ist ein Perfektionist. Der Tag ist für ihn erst zu Ende, wenn er das bekommen hat, was er will. Er versteht es, die richtigen Knöpfe bei seinen Schauspielern zu drücken und sie dazu zu bringen, sich unwohl zu fühlen.“
Tarantino zwingt Uma, in einer Szene mit 60 km/h durch den Dschungel zu rasen, damit ihre Haare im Wind wehen. Sie kommt ins Schleudern und hat einen Unfall, bei dem sie eine Gehirnerschütterung und bleibende Schäden an Nacken und Knien erleidet. Die Aufnahmen des Unfalls sollten nie an die Öffentlichkeit gelangen – und den Produzenten, darunter Harvey Weinstein, gelingt das immerhin 15 Jahre lang, bis 2018.
#metoo
„Er hat viele Filme und Filmemacher groß herausgebracht,“ sagt Cat Thomas, “und es ist schlimm, wenn sich Menschen, die Gutes tun, als Monster entpuppen.“ Im Oktober 2017 erheben mehrere Frauen bei der New York Times schwere Vorwürfe gegen den Produzenten – wegen jahrzehntelanger sexueller Belästigung, Nötigung und Vergewaltigung. Uma Thurman postet einen #metoo-Beitrag, der an Weinstein gerichtet ist und erklärt am Ende: „[…] Ich warte, bis ich weniger wütend bin. Und wenn ich so weit bin, werde ich sagen, was ich zu sagen habe.“ Im Februar 2018 hat sie ihre Wut im Griff und bricht ihr Schweigen in einem Interview mit der New York Times. Sie berichtet über zwei sexuelle Übergriffe, die sie durch ihn erleben musste. Im weiteren Verlauf des Interviews wird das Machtgefälle innerhalb der Unterhaltungsbranche sichtbar. Sie erklärt, dass sie während der Dreharbeiten zu „Kill Bill“ von Tarantino mehrfach beschimpft und gefährdet wurde und dauerhafte Verletzungen davongetragen hat.
Ihr Statement und Engagement
Unbeirrt von Drohungen geht sie ihren Weg, um die Ungerechtigkeit und die Doppelmoral der Filmindustrie gegenüber Frauen ans Licht zu bringen. Jede Frau soll über ihren Körper und ihre Zukunft selbstbestimmt verfügen können, daher zeigt ihre starke Stimme Missstände auf und setzt sich für ihre Kolleginnen ein.
Als der Texas Heartbeat Act am 01.09.2021 in Kraft tritt, protestieren Frauen im ganzen Land. Das Gesetz verbietet Abtreibungen ab der 6. Schwangerschaftswoche und ermöglicht Privatpersonen zu klagen, gegen jeden, der eine Abtreibung durchführt oder dabei behilflich ist. Auch Vergewaltigungstatbestände ändern daran nichts. Sollte die Klage erfolgreich sein, erhalten die Kläger mindestens 10.000 US-Dollar „Belohnung“!
Uma Thurman unterstützt die entrüsteten Frauen mit den Worten: „An alle Frauen und Mädchen in Texas, die Angst davor haben, traumatisiert und von räuberischen Kopfgeldjägern gejagt zu werden, an alle Frauen, die darüber empört sind, dass der Staat uns unsere Körperrechte nimmt, und an alle, die verletzlich sind und Schande erleiden müssen, weil sie eine Gebärmutter haben, sage ich: Ich sehe Euch. Habt Mut. Ihr seid wunderschön. Ihr erinnert mich, an meine Töchter.“
Ihre Stellungnahme wird von vielen Medien aufgegriffen. Sie nutzt ihre Reichweite, um auf die emotionale und psychische Not der texanischen Frauen aufmerksam zu machen und das System anzuprangern, dass Frauen Körperautonomie und Würde abspricht.
Seit der Geburt ihrer Tochter engagiert sie sich bei Room to Grow als Markenbotschafterin und nationales Vorstandsmitglied. Die Organisation hilft Familien und Kindern in Armut und setzt sich für Chancengleichheit ein. Sie hat einen Sitz im Kuratorium von Tibet House US , eine Organisation, die sich für die Bewahrung der tibetischen Kultur und die Unterstützung tibetischer Frauen und Familien einsetzt, insbesondere in Bezug auf Bildung und Gesundheitsversorgung.
Sie besucht Veranstaltungen der Human Rights Campaign (HRC), eine der größten und einflussreichsten LGBTQ+-Rechteorganisationen der USA, um Gleichberechtigung, Anti-Diskriminierungsgesetze und soziale Akzeptanz zu fördern.
Hinweis in eigener Sache
Wir konnten hier nur einen kleinen Spot auf ihre Karriere und ihr Wirken und Engagement werfen. Ihre familiären Verhältnisse haben wir weniger in den Fokus gestellt. Ihr Leben und Wirken lassen sich aber in den aufgeführten Verlinkungen gut nachvollziehen, wenn Du Dich für Uma interessierst.
Weitere Verlinkungen:
Youtube: Portrait Uma Thurman – Die stille Kämpferin Hollywoods (2024) inklusive Instagram @umathurman Unveröffentlichtes Material: Kill Bill – Volume 2, Regie: Quentin Tarantino, 2004
Deutschlandfunk: Auch Uma Thurman wirft Weinstein sexuelle Belästigung vor (vom 05.02.2018)
NBC News: Uma Thurman posts #MeToo message to Harvey Weinstein on Instagram (vom 24.11.2017)
Wikipedia Eintrag Uma Thurman
Instagram: Uma Thurman
Arte – Kultur über Kopf: Flick Flack – Wenn Frauen zurückschlagen (verfügbar bis 26.07.2028)