Verlorene Kindheit: Wenn Kinder ihre Eltern pflegen

Verlorene Kindheit: Wenn Kinder ihre Eltern pflegen

Im Film von ZDF Zoom+ wird deutlich, dass weitaus mehr Kinder und Jugendliche eine Pflegetätigkeit in der Familie ausüben, als bekannt ist. Über 500.000 Kinder und Jugendliche pflegen ihre Eltern, das sind 6% aller 10 – 18-Jährigen, statistisch betrachtet zwei Kinder pro Schulklasse.

Rollentausch in der Fürsorge

Dahinter steht ein Rollentausch: Während die „Young Carers“, wie sie genannt werden, selbst noch elterliche Fürsorge bekommen sollten, sehen sie sich in der Verantwortung, sich um ihre Eltern kümmern zu müssen. Dabei geht es nicht nur um die medizinische Versorgung und Unterstützung bei der täglichen (Intim-)Pflege. Häufig übernehmen sie Aufgaben wie Haushaltsführung, die Versorgung der Familienmitglieder und die Erziehung von jüngeren Geschwistern.

Unterstützung gibt es nicht. Sie sind allein mit den Problemen, die sich aus dieser Verantwortung ergeben. Sie stehen stets auf Abruf bereit, haben keinen zum Reden und leben ständig in der Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren. Der Beitrag macht deutlich, dass die emotionale Belastung enorm ist: Von einem Notfall-Verhaltensplan für eine 8-jährige am Kühlschrank bis zu Scham und auch Ekel, wenn man die eigenen Eltern wie Kleinkinder windeln muss. Dazu kommt, dass die Spätfolgen der Young Carers unterschätzt werden. Sie reichen vom Schulversagen bis zur psychischen Überlastung – und das noch viele Jahre später.

Mangel an offizieller Hilfe

Frau Prof. Sabine Metzing, Pflegewissenschaftlerin an der Universität Witten-Herdecke, hat das mit einer Langzeitstudie belegt und fordert die notwendige Vernetzung der Sozialsysteme und Hilfsangebote für die Young Carers. Während das Jugendamt nur aktiv wird, wenn das Kindeswohl offensichtlich gefährdet ist, sehen die Krankenkassen nur die erkrankten Eltern. Es gibt keine Institutionen oder Träger, die eine Familie als Ganzes betrachten und die pflegenden Kinder unterstützen. Und auch die Politik reagiert langsam. Ein erstes Angebot ist die Website „Pausentaste“. Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht erklärt dazu, dass die Plattform Aufklärungsarbeit leistet und den jungen Menschen aufzeigt, dass sie nicht bis an ihre Grenzen gehen müssen. Sie erklärt die Möglichkeiten, eine Pflegestufe zu beantragen, was in der Folge die Unterstützungsleistungen der Krankenkassen für z. B. Pflege oder eine Haushaltshilfe nach sich zieht.

Austausch und Sichtbarkeit

Doch an praktischer Unterstützung mangelt es weiterhin. Lena Rebhahns Vater erkrankte als sie 7 Jahre alt war. Seit dieser Zeit pflegt sie ihn tagsüber, da ihre Mutter arbeiten muss. Sie fühlte sich alleingelassen und überfordert. Aus diesem Grund hat im Alter von 14 Jahren die Website „Young Carers“ in Leben gerufen. Darauf sammelt sie hilfreiche Informationen und ermöglicht eine gegenseitige Unterstützung der jungen Menschen untereinander. Zusätzlich ermöglicht dieses Netzwerk eine bessere Sichtbarkeit in der öffentlichen Wahrnehmung.

Pilotprojekt

An einer Berliner Schule startet das erste Pilotprojekt. Während die Young Carers in anderen Ländern, wie z. B. Österreich und England, von der Öffentlichkeit unterstützt werden, hoffen wir darauf, dass sich in naher Zukunft auch Deutschland dazu zählen kann.

Zum kompletten Beitrag „Verlorene Kindheit: Wenn Kinder ihre Eltern pflegen“ in der ZDF Mediathek (Verfügbar bis 27.10.2023)

Website Young Carers

Website Pausentaste des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Hormonspiegel des Horrors

Hormonspiegel des Horrors

Warum wir um 3 Uhr morgens häufig aufwachen und nicht mehr einschlafen können!

Alfred Wiater, ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin und Mitautor des Buchs „Ticken Sie richtig“ erklärt, dass viele Menschen nachts zu einer bestimmten Uhrzeit wachwerden und danach nicht mehr einschlafen können.

Das hängt mit unserem Schlaf-Wach-Rhythmus zusammen, der unter anderem von drei Hormonen bestimmt wird: vom Schlafhormon Melatonin, vom Wohlfühlhormon Serotonin und vom Stresshormon Cortisol.

Unser Körper bildet Cortisol, um sich vor Stress zu schützen, indem es den Stoffwechsel anregt. Um diese Wirkung zu erreichen, sollte der Cortisol-Spiegel aber nicht zu hoch und auch nicht zu niedrig sein. Ähnlich ist es bei Melatonin. Ist der Wert des Schlafhormons zu hoch, kann keine Balance im Zusammenspiel mit den anderen Hormonen hergestellt werden, d. h. es wird zum Störfaktor für einen guten Schlaf-Wach-Rhythmus.

Die Wolfsstunde

Im Verlauf der Nacht sinkt unsere Köpertemperatur ab und hat ihren Tiefstand um 3 Uhr erreicht. Gleichzeitig werden bestimmte Hirnbereiche nur gering durchblutet, der Melatoninwert ist sehr hoch, während Cortisol nur sehr gering vorhanden ist. Dieses Phänomen – auch als Stunde des Wolfs bezeichnet, kann ein Auslöser für das Aufwachen sein, häufig mit der Folge, nicht wieder einschlafen zu können.

Das Ungleichgewicht der Hormone und die verringerte Hirndurchblutung sorgen dafür, dass man sich dann eher dünnhäutig fühlt und Situationen eher pessimistisch betrachtet. Das ist häufig der Startschuss für endlose Gedankenspiralen, wie der Psychologieprofessor Greg Murray in einem Beitrag im Wissenschaftsjournal „The Conversation“ beschreibt. Viele nennen es auch ihr „Kopfkino“.

Licht bewirkt Veränderungen

Um in dieser Stimmung nicht lange wachzuliegen und sich den Grübeleien hingeben zu müssen, ist es – so Alfred Wiater – hilfreich, für einen kurzen Moment aufzustehen. Das sollte eher langsam geschehen, da die bessere Durchblutung des Hirns noch „in Arbeit“ ist. Dann bewirkt das kurze Einschalten des Lichts ein Ansteigen des Cortisols und eine Reduzierung des Melatoninwertes. Damit wird die Balance wieder hergestellt und das leichtere Einschlafen wieder möglich.

Psychologische Ursachen fürs Grübeln

Zu den psychologischen Ursachen der Einschlafschwierigkeiten schreibt der Australier Greg Murray, dass die körperlichen und kognitiven Ressourcen nachts um 3 Uhr erschöpft sind. Damit ist die Möglichkeit neue Lösungen zu finden, fast ohne Aussicht auf Erfolg. Erschwerend kommt hinzu, dass wir durch diese Konstellation Situationen viel dramatischer wahrnehmen, als sie – bei Tageslicht betrachtet – wirklich sind, was die Ausweglosigkeit ebenfalls erhöht.

Er rät dazu, sich wie in Achtsamkeitsübungen auf den Atem zu konzentrieren. Wenn das nicht hilft, sollte man spätestens nach 15 – 20 Minuten aufstehen, das Licht anmachen und sich mit anderen Dingen beschäftigen, z. B. etwas lesen.

Quelle: „Die „Wolfsstunde“: Warum wir um 3 Uhr nachts aufwachen“, RND, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (vom 28.10.2021)

Wenn Du positive Erfahrungen gesammelt hast, hinterlasse uns gern einen Kommentar.

Weitere Links, die Dich interessieren könnten:

„Stresshormone und Schlaf: Warum wir um 3 Uhr nachts aufwachen“, Resilienz-Akademie aus Göttingen (vom Januar 2020)

„5 Tipps vom Experten für besseres Durchschlafen in der Nacht“, Helios Magazin (vom 16.08.2019)

Was hilft bei einer Scheiden- oder Gebärmuttersenkung?

Was hilft bei einer Scheiden- oder Gebärmuttersenkung?

Die Beckenbodenmuskulatur ist zwar von außen nicht sichtbar, aber sie erfüllt wichtige Aufgaben. Sie hält die inneren Organe an ihrem Platz und verhindert einen unkontrollierten Harn- oder Stuhlabgang. Durch dauerhafte Belastungen wie körperliche Anstrengungen, falsches Heben, sprungintensive Sportarten, Schwangerschaften oder bei einem schwachen Bindegewebe wird diese Muskelgruppe geschwächt. Fehlt dem Beckenboden erst einmal die Kraft, können körperliche Beschwerden (z. B. Inkontinenz) auftreten. Sogar Absenkungen der Scheide, der Gebärmutter oder des Mastdarms können eine Folge sein.

Linderung von Beschwerden

Durch ein gezieltes Beckenbodentraining lassen sich leichte bis mittlere Beschwerden häufig lindern. Es ist daher sinnvoll, über eine vorbeugende Stärkung der Muskelgruppe nachzudenken. Das aufbauende „Krafttraining“ ist in entsprechenden Präsenzkursen oder auch Zuhause möglich, z. B. mit dem Elvie Beckenbodentrainer.

Therapeutische Behandlung: Pessare

Nicht als Verhütungsmaßnahme, sondern als Therapie sind Pessare für manche Frauen ein wirksames Hilfsmittel, da sie in die Scheide eingeführt werden und die Organe im Becken unterstützen. Sie beheben nicht die Ursache der Senkung, aber Forscher vermuten, dass sie zur Kräftigung des Beckenbodens beitragen. Meist müssen mehrere Formen und Größen ausprobiert werden, um eine ausreichende Unterstützung bewirken zu können. Sollen Operationen vermieden oder hinausgezögert werden, sind Pessare eine gute Alternative – durchaus in Kombination mit einem Beckenbodentraining.

Nachteile von Pessaren

Wiederkehrende Kontrollen und ärztliche Untersuchungen sind beim Einsatz von Pessaren notwendig, da durch den permanenten Druck auf die Scheidenschleimhaut Gewebsveränderungen entstehen können. Weitere Nachteile sind möglicherweise entstehende Scheidenentzündungen. Außerdem ist Geschlechtsverkehr nicht mit jedem Pessar möglich. Zudem müssen sie regelmäßig gewechselt und gereinigt werden.

Entscheidungshilfe für Behandlungsmethoden

Im Artikel des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) findest Du weitere Informationen und eine ausführliche Entscheidungshilfe. Dort sind die wichtigsten Vor- und Nachteile zusammengefasst.

Quelle: Gesundheitsinformation.de 

Zum vollständigen Artikel „Scheidensenkung und Gebärmuttersenkung“ vom 28.07.2021

Weitere Links:

Mehr zum IQWiG 

Eine Entscheidungshilfe zu Behandlungsmöglichkeiten 

Weitere interessante Artikel auf dieser Website:

Inkontinenz trifft auch junge Sportlerinnen

Absolut empfehlenswert: Der Elvie Beckenbodentrainer 

Was der Blase gut tut 

Ernährung: Einfache Veränderungen, spürbare Wirkung!

Ernährung: Einfache Veränderungen, spürbare Wirkung!

Ernährung: Einfache Veränderungen, spürbare Wirkung!

Im NDR-Magazin „DAS!“ vom 21.09.2021 spricht Hinnerk Baumgarten mit der Allgemeinmedizinerin Dr. med. Silja Schäfer. Sie hat sich auf Ernährung spezialisiert und spricht über verschiedene Themen, die unser Essverhalten beeinflussen. Nach ihrer Überzeugung zeigen schon einfache Veränderungen spürbare Wirkung.Mit der richtigen Ernährung können Krankheiten gelindert oder sogar geheilt werden.

Die Allgemeinmedizinerin ist bodenständig und kennt die Herausforderung, eine gesunde Ernährung mit der Berufstätigkeit unter einen Hut zu bringen. Doch jeder Mensch ist individuell und die Veränderung der Essgewohnheiten muss zu den Lebensumständen passen. Ihr Tipp: Wer auf die schnelle Zubereitung von Mahlzeiten fokussiert ist und dabei nicht auf Fertigprodukte zurückgreifen möchte, ist mit Meal Prep (Abk. meal preparation = Zubereitung von Mahlzeiten) gut aufgestellt. Dabei werden die unterschiedlichen Essenskomponenten vorgekocht und einzeln aufbewahrt. Die Zusammenstellung kann dann jeden Tag individuell vorgenommen werden. Wenn der Einkauf gut geplant ist, kann für mehrere Tage vorgekocht werden. Der tägliche Vorteil liegt auf der Hand: Das Essen steht schnell auf dem Tisch, ist gesund und die Inhaltsstoffe sind bekannt, weil man sie selbst verarbeitet hat.

Falls das nicht funktionieren sollte, ist der Nutriscore beim Einkaufen vielleicht hilfreich. Die Kennzeichnung mit der „Lebensmittelampel“ ist freiwillig und soll auf einen Blick deutlich machen, wie gesund das Nahrungsmittel ist. Doch so einfach ist es nicht, erklärt die Ernährungsspezialistin, denn viele Inhaltsstoffe werden nicht berücksichtigt. Der Nurtriscore ist also nur eine grobe Richtlinie, wenn man unter ähnlichen Produkten das Gesündeste auswählen möchte.

Im Verlauf der Sendung erklärt sie, warum unser heimischer Hafer so gesund ist, und demonstriert die Zubereitung einer Schüttel-Pizza, einem schnellen und gesunden Essen für die ganze Familie. Das Thema Zuckersteuer kommt ebenso zur Sprache, wie irreführende Werbung und die dringend notwendige Aufklärungsarbeit, die mit einem Schulfach „Ernährung“ in den Lehrplan integriert werden könnte. Ein Bericht zu dem Pilotprojekt, an dem ca. 8.000 Kitas und Grundschulen teilnehmen, zeigt, wie interessiert die Hamburger 4.-Klässler:innen mitmachen und die Rezepte auch gerne mit nach Hause nehmen.

Insgesamt eine sehenswerte Sendung (Video in der Mediathek verfügbar bis zum 20.12.2021)

Youtube: Interview von Dr. med. Silja Schäfer zu ihrem „Mein grünes Familienkochbuch“

Unbekannte Welten: Intimpflege bei Frauen

Unbekannte Welten: Intimpflege bei Frauen

Mit den Unsicherheiten zum Thema Intimpflege ist jetzt Schluss, denn die beiden Gründerinnen von DEO DOC, einer Marke für Intimpflege und Hygieneprodukte, haben sich vor acht Jahren entschieden, gesunde Produkte zu entwickeln und für eine bessere Aufklärung zu sorgen.

In der „Welt“ haben wir einen wunderbaren Artikel zur Entstehungsgeschichte von DEO DOC entdeckt, der über die Geschwister Dr. Hedieh und Hasti Asadi berichtet, die das Tabuthema „Intimpflege“ nicht hinnehmen wollten.

Aus der Lösungssuche für ein Geruchsproblem hat sich ein Business entwickelt. Ihre damalige Marktbeobachtung und Analyse haben ergeben, dass es kaum vernünftige Produkte zur Pflege des Intimbereichs gibt. Es lag wohl nicht allein daran, dass häufig Männer an der Entwicklung beteiligt waren, auch an die Frauengesundheit wurde nicht immer gedacht. Es gibt zum Beispiel Tampons aus synthetischen Materialien, deren Fasern sich im Gebärmuttereingang ablagern, oder Seifen, deren pH-Wert nicht an das Milieu der Vulva angepasst ist.

Die Geschwister wollen gesunde Produkte entwickeln. Produkte, die auf die Bedürfnisse des weiblichen Intimbereichs eingehen und dadurch Frauen helfen, sich in ihrem Körper wohlzufühlen. Das haben sie zusammen mit der Gynäkologin Gunvor Ekman-Ordeberg sehr erfolgreich umgesetzt und verkaufen die schön gestalteten Produkte über ihren Shop. Das Sortiment ist mittlerweile breit aufgestellt und beinhaltet Waschgele, Deotücher und Rasierschäume bis zu Baumwoll-Tampons bzw. -Binden, Badezusätze und Gleitmittel.

Hedieh und Hasti Adadi machen sich auch für die Aufklärung stark. Mit der „Vulva-School“ auf der Website und viel Aktivität in den Social-Media-Kanälen haben sie sich eine dankbare Fangemeinde aufgebaut. Sie posten Videos, geben Tipps und Anregungen rund um die Intimpflege, damit das Tabuthema weiterhin im Gespräch bleibt und Frauen wissen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind.

Den ganzen Artikel vom 03.09.2021 findest Du hier 

Website DEO DOC