Sie ist Direktorin der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Bielefeld am Klinikum Lippe/Detmold. Als Gynäkologin mit onkologischem Schwerpunkt ist sie vor allem in der Behandlung von Frauen-Krebserkrankungen wissenschaftlich und klinisch tätig.
In Deutschland erkranken jährlich etwa 7.000 Frauen an Eierstockkrebs – doch über Symptome und Risikofaktoren wissen viele nicht Bescheid.1 Worauf Frauen achten sollten und wann ärztliche Abklärung ratsam ist, erfährst Du in diesem Beitrag.
Eierstockkrebs – die stille Erkrankung
Völlegefühl, allgemeine Müdigkeit oder häufiges Wasserlassen – diese Symptome kennen viele Frauen. Doch dass die alltäglich wirkenden Beschwerden Symptome von Eierstockkrebs sein können, vermuten die wenigsten. Das hat zur Folge, dass die Erkrankung häufig erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt wird. Gerade deshalb ist es wichtig, genau hinzuschauen: „Eierstockkrebs verursacht lange Zeit keine eindeutigen Symptome, sondern eher unspezifische Beschwerden, die auch mit anderen Dingen im Leben verbunden sein können. Umso wichtiger ist es, diesen eher harmlos anmutenden Symptomen nachzugehen, insbesondere dann, wenn sie längere Zeit bestehen bleiben“, bestätigt Prof. Dr. Beyhan Ataseven.
Mögliche Beschwerden bei Eierstockkrebs
Entscheidend ist oft nicht ein einzelnes Symptom, sondern: tritt es wiederholt auf, hält es an oder ist es neu/unüblich? Mögliche Hinweise können sein:
Verdauungsbeschwerden (z. B. anhaltendes Völlegefühl, Blähungen)
Verstopfung
Zunahme des Bauchumfangs
Unerklärliche Gewichtsabnahme
Blutungen außerhalb der Regel oder Blutungen nach den Wechseljahren
Anhaltende Schmerzen im Becken/Unterleib
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Häufiges Wasserlassen
Allgemeine Müdigkeit/Erschöpfung
Wichtig: All diese Beschwerden können auch andere Ursachen haben. Trotzdem gilt: Wenn sie wiederholt auftreten und anhalten (über Wochen oder gar Monate), ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll – insbesondere bei Frauen ab etwa 50 Jahren.2
„Als Faustregel kann man sich merken: Alle Beschwerden, die nicht innerhalb einer absehbaren Zeit von alleine wieder verschwinden, sollten spätestens nach einer Dauer von drei bis fünf Wochen ärztlich untersucht werden.“
Prof. Dr. Beyhan Ataseven
Viele Frauen haben schon erlebt, dass ihre Symptome nicht ernst genommen werden oder sie sich mehrfach an Ärzte wenden mussten, um Beschwerden abklären zu lassen. Hier rät Prof. Dr. Ataseven: „Wenn die betreuenden Haus- oder Frauenärzte dem Ganzen nicht weiter nachgehen können oder wollen, kann man sich selbstverständlich eine zweite Meinung einholen. Wichtig ist auch, sich in dieser Zeit selbst noch einmal zu vergegenwärtigen: Hängen die Symptome mit einer bestimmten Situation zusammen? Treten sie nach einer bestimmten Nahrungsaufnahme auf? Könnte es damit zu tun haben? Oder sind sie ganz unabhängig davon, sodass eigentlich gar keine klare Verbindung zu erkennen ist?“
Das persönliche Erkrankungsrisiko einschätzen
Über mögliche Symptome von Eierstockkrebs Bescheid zu wissen, ist wichtig – mindestens genauso hilfreich kann es sein, die Risikofaktoren zu kennen, die das Erkrankungsrisiko erhöhen können. Denn Eierstockkrebs lässt sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen.
Bekannte Risikofaktoren sind:
Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 68 Jahren.1
Familiäre Vorbelastung: Wenn nahe Verwandte (z. B. Mutter, Schwester) Eierstock-, Brust-, Gebärmutterkörper- oder Darmkrebs haben oder hatten, kann das Risiko erhöht sein.1
Genetische Veranlagung (erbliche Faktoren): Eine Veränderung (Mutation) der BRCA1/2-Gene kann das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, deutlich erhöhen.1-3 Bei entsprechenden Hinweisen kann eine genetische Beratung in spezialisierten Zentren helfen, das individuelle Risiko besser einzuschätzen.
Endometriose: Endometriose wird in Studien mit einem erhöhten Risiko bestimmter Eierstockkrebsarten in Verbindung gebracht.1,3
Keine Schwangerschaften / Unfruchtbarkeit: Frauen, die nie schwanger waren oder nicht schwanger werden können, haben ein erhöhtes Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken.1,2,4
Hormonersatztherapie nach der Menopause: Es gibt Hinweise, dass die Einnahme von weiblichen Geschlechtshormonen (Hormonersatztherapie) zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden vor, während und nach der Menopause das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, erhöhen kann.1,4 Eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung mit der Ärztin/dem Arzt ist entscheidend.
Übergewicht (Adipositas): Übergewicht im Erwachsenenalter wird mit einem erhöhten Risiko für Eierstockkrebs in Zusammenhang gebracht.1,4
Hinweis: Studien zeigen auch, dass bestimmte Faktoren das Risiko für Eierstockkrebs senken können. Dazu gehören Schwangerschaften, Stillzeiten und eine längere Einnahme hormoneller Verhütungsmittel, da sie die Anzahl der Eisprünge reduzieren.1
3 Kvaskoff M et al. Endometriosis and cancer: a systematic review and meta-analysis. Hum Reprod Update. 2021 Feb 19;27(2):393-420. doi: 10.1093/humupd/dmaa045. PMID: 33202017.
Atmen ist mehr als nur Luftholen: Bewusstes Atmen löst viele Prozesse im Körper aus – von denen es gut wäre, sie zu kennen. Wir atmen circa 21.000 mal am Tag, ohne es bewusst zu steuern: das ist schade!
Bewusste Atemführung mit Bauch und Beckenboden
Der Atemvorgang ist so wichtig und komplex. Ohne Atem leben wir nicht lange. Wir können drei Wochen ohne Essen, drei Tage ohne Trinken, aber antrainiert nur etwa drei Minuten (trainiert bis zu zehn Minuten) ohne Sauerstoff überleben. Wir atmen so oft und doch ist uns meistens nicht bewusst, wie wir es machen und wie es optimal wäre.
Die Frage ist: Schaffen wir die optimalen Voraussetzungen, damit unser Atem frei fließen kann? Nehmen wir die optimale Haltung ein, um effektiv zu atmen? Im stressigen Alltag meistens nicht. Müssen wir erst krank werden, bevor wir die Wirkkraft unseres Atems schätzen können?
Schlau sein – die Verbindung zwischen Körper, Spannung, Stress kennen
Es ist schlau, zu wissen, wie wir ticken. Wenn die Effektivität unseres Sauerstofftransfers zunimmt, passiert Folgendes:
Muskeln arbeiten effizienter – egal ob beim Leistungssport oder beim Treppensteigen mit 50+.
Der Fokus wird schärfer, wir sind in anderen Gehirnregionen unterwegs und können anders denken.
Wenn wir ausatmen, wird langfristig unsere Stresshormonproduktion gestoppt. Das für sich ist schon unglaublich:
Wir können Spannung bewusst dort platzieren, wo sie uns stärkt, statt sie unbewusst (und ggf. schmerzhaft) im Nacken, im Kiefer oder im Schulterbereich zu „parken“.
Es geht darum, dass wir uns selbst gut und gesund einstellen und bewusst führen können. Auch in einem Bereich, den wir Frauen oft stiefmütterlich behandeln: unserem Bauch und noch tiefer gelegen – unserem Beckenboden.
Den Bauch lösen – Das Schönheitsideal loslassen
Meistens mögen wir unseren Bauch nicht – leider! „Bauch rein, Brust raus“ ist ein Spruch von früher. Doch hier liegt die Gefahr: Um optimal zu atmen, müssen wir den Bauch bewegen. Wenn wir einatmen, will und muss sich unser Zwerchfell ausdehnen. Dafür brauchen wir weiche und durchlässige Muskulatur. Ein weicher, durchlässiger Bauch ist kein Makel, sondern auch eine Grundvoraussetzung für klares Atmen – eine stabile Rückenmuskulatur als Gegenpol ist dafür genauso wichtig und notwendig.
Wichtig ist die Richtung: Wenn wir einen Luftballon zusammendrücken, entweicht die Luft. Genau das macht unsere Bauchmuskulatur beim Ausatmen: Wenn der Bauch nach innen geht oder wir ihn bewusst einziehen, entweicht die Luft nach oben und draußen – ohne dass sich die Schultern mitbewegen. Der Merksatz ist immer wieder: Bauch rein = Luft raus!
Wenn wir unter Stress stehen, übernimmt unser „Steinzeitgehirn“ die Organisation innerer Abläufe. Es will uns retten und schaltet auf Alarm. Die Atmung bewegt sich plötzlich in die gegengesetzte Richtung und wird plötzlich paradox: Wir ziehen den Bauch beim Einatmen ein. Damit verkleinern wir den inneren Raum, in dem neue Luft sich ausbreiten sollte. Das verschiebt den Schwerpunkt nach oben, begrenzt die Lungenbeweglichkeit, hebt damit den Kehlkopf und unsere Stimme wird eng. Das ist vom Körper gut gemeint, um uns beweglich und handlungsfähig zu halten, aber auf Kosten unserer Substanz. Wir sind in Daueranspannung, haben einen erhöhten Cortisolspiegel und schwächen damit unseren Körper langfristig – wenn dieser Zustand nicht bewusst aufgeflöst wird.
Um das zu ändern, gehen wir „tief“!
Team-Work: Zwerchfell und Beckenboden
Zwerchfell und Beckenboden sind ein eingespieltes Duo. Sie sind ähnlich als horizontale Muskel-Ebenen im Körper angelegt, reagieren aufeinander und wir können beeinflussen, wo wir gezielt positive Spannung ansetzen. Das braucht Training, Zeit und Geduld. Eine Ebene höher liegen die Stimmbänder, die ein Teil der Stimmlippen sind, ebenfalls auf der horizontalen Ebene.
Wenn wir Atmung und Beckenbodenspannung bewusst kombinieren können, wirkt sich das sogar auf unsere Stimme und den Stimmklang positiv aus. Und so geht das:
Beim Ausatmen: Wir ziehen bewusst den Beckenboden nach oben – diese Anspannung zu fühlen und regulieren zu können, ist trainierbar. Zur Unterstützung atmen wir dabei aus und ziehen den unteren Bauch mit ein. Diese Bewegung können wir bald als Einheit trainieren. WICHTIG: Zunge, Unterkiefer und Nacken trennen wir von dieser Bewegung, damit sie locker bleiben können. Wir bestehen aus Muskelketten, d. h. eine Bewegung strahlt weit bis in andere Körperbereiche aus.
Beim Einatmen: Wir lösen die Spannung im Bauch, lassen sich den Bauch nach vorne ausweiten, atmen dabei ein. Das Zwerchfell senkt sich ab, Beckenbodenspannung lösen wir auf, so dass er sich etwas – und nicht ganz – nach unten absenken kann. Diese Intensität dosieren zu können, ist richtig gut!
Im Zwerchfell sind Traumata gespeichert. D. h. wenn wir diese Bereiche plötzlich wieder neu und auch intensiver bewegen, können alte Gefühle frei werden. Also wir sind vorsichtig – in guter Dosierung und achtsamer Führung!
Sich „in diesen Tiefen“ zu bewegen, hat viel mit „gefühltem“ Vertrauen zu tun – mit dem Lockerlassen und Bewegen im Intimbereich lösen wir auch eine Art Schutzmechanismus und können uns dadurch verletzlich und verletzbar fühlen. Das kann sich als Kontrollverlust bemerkbar machen und schlimm anfühlen. Aber es gibt einen Unterschied zwischen dem Gefühl der Ohnmacht und dem bewussten Loslassen, um sich sicher und selbstbewusst zu fühlen: „Kontrollierter Kontrollverlust“ ist schlau! Ich werde mir meiner Kraft und meiner Selbst-Bestimmung bewusst. Denn ich bestimme, ob ich Bewegungen initiiere oder stoppe, wenn aufkommende Gefühle oder Erinnerungen zu intensiv werden.
ÜBUNGEN für Veränderungen
1. Der Ball im Bauch: Bauch-Atmung in die richtige Richtung
Beide Hände liegen tief auf dem Unterbauch, die Fingerspitzen positionieren wir dabei am besten auf die Schambeinmuskulatur, ein paar Zentimeter über dem Schambeinknochen, den man sehr gut fühlen kann: damit wird der Bezug zum Beckenboden leichter wahrnehmbar.
Wir nehmen den oben beschriebenen Bewegungsablauf des Atmens (beim Ausatmen – beim Einatmen) zur Grundlage. Als Hilfe stellen wir uns vor, im Unterbauch liegt ein weicher Ball. Wir schieben mit Händen und Fingern den Bauch nach innen – wie bei einem Luftballon entweicht dadurch die Luft: Das ist die richtige Richtung – BAUCH REIN = LUFT RAUS! Es ist schlau, täglich immer wieder hinzuspüren, wahrzunehmen, zu erkennen und uns zu regulieren.
2. Die Zehen steuern mit: wir bestehen aus Muskelketten
Wir stehen auf einem langflorigen Teppich, einem weichen Kissen oder auf Yoga-Blöcken (mit den Zehen in der Luft).
Wir rollen die Zehen nach innen ein und atmen aus.
Wir kippen das untere Becken mit nach vorne oben und rollen den Rücken ein. Damit unterstützen wir die Reaktion unserer Muskelketten – der Beckenboden wird mit aktiviert, sich anzuspannen. WIEDER WICHTIG: Kiefer und Zunge locker lassen. Dafür hilft es, bewusst die Zungenspitze leicht an die unteren Schneidezähne zu legen und dort zu lassen.
Beim Einatmen lösen wir die Spannung im Bauch auf, kippen im Becken zurück in eine Art Hohlkreuz und strecken die Zehen nach vorne und öffnen den Mund sehr weit.
Das Einrollen und Ausstrecken der Zehen im Wechsel, reguliert sehr gut und schnell.
3. Lippenbremse kommt dazu
Wenn wir noch eine weitere Ebene mitnehmen wollen, kombinieren wir die Bewegungen aus Übung 1 und 2 mit bewusster Formung der Lippen. Ist uns bewusst, dass wir Lippen – Stimmlippen – und Schamlippen besitzen, die ähnlich agieren – wie im Bild als Linien zu sehen?
Das gleichzeitige Anziehen von Lippen kann sofort die Bewegung der Schamlippen im Beckenboden unterstützen.
Lippen zusammenkräuseln und ausatmen. Die Ausatmenluft wird dadurch verlangsamt und wir können die Spannung besser in Bauch und Beckenboden bündeln.
Als Gegenpol, um die Anspannung in der Lippenmuskulatur wieder zu lösen, beim Einatmen den Mund weit öffnen, Bauch rausstrecken.
Jetzt führen wir uns auf drei Ebenen gleichzeitig: Lippen – Schamlippen im Beckenboden und Zehen: das stärkt unsere Resilienz!
Deshalb ist es ein so wichtiger Schritt zur Selbstführung: sich selbst fühlen zu können.
Bevor wir Körperteile bzw. Muskeln isoliert bewegen können, müssen wir sie wahrnehmen, also spüren und gezielt fühlen. Im Alltag ist das die eigentliche Kunst: sich selbst fühlen als auch führen zu können.
Und wenn uns das gelingt, können wir bestimmen, in welchen Bereichen wir Spannung aufbauen und in welchen Bereichen wir Spannung bewusst auflösen möchten. Das ist oft herausfordernd – doch wir bleiben dran, es immer wieder zu üben. Denn positive Veränderung wirkt sofort!
Also: Viel neugierige – und vielleicht auch ein bisschen verrückte – Freude beim Ausprobieren!
Deine Claudia
Die Autorin: Claudia Duschner, STIMMSTUDIO Mülheim an der Ruhr
Präsentations- und Stimmtraining, Sopranistin, Germanistin, mit 30 Jahren Erfahrung in Kultur, Bildung, Lehre, Gesundheit, Wirtschaft, Politik.
Sie blickt auf über drei Jahrzehnte Erfahrung in der Arbeit mit Menschen zurück. In dieser Zeit hat sie unzählige Stimmen gefördert, Potenziale entfaltet und Menschen dahin begleitet, ihre individuelle Ausdruckskraft zu stärken – mit Vorträgen, Seminaren und Einzeltrainings, national und international.
Claudia Duschner StimmStudio Mülheim an der Ruhr Duisburger Str. 276 45478 Mülheim an der Ruhr Tel. 0208 – 69 89 811
Kommende Webinar-Reihe für Frauen – 3-teilig: VOM WAS UND WIE – unserer Haltung. unserer Worte. unserer Wirkung!
Mit Elke Gulden, Bewegungs- und Humor-Expertin und Claudia Duschner, Stimm- und Präsentations-Expertin am 07.05.2026 + 02.06.2026 + 01.07.2026, jeweils 18:30 – 20:00 Uhr Alle Informationen und Buchung
„Als Gesellschaft haben wir einen übertriebenen Fokus auf die weibliche Brust. […] Es ist nicht erklärbar, warum die Brust so oft genutzt wird, um Frauen zu bewerten und kategorisieren und unfrei zu machen.“, so Professorin Mandy Mangler, Chefärztin für Gynäkologie und Geburtsmedizin an zwei Vivantes-Kliniken in Berlin.
Die Brust – kein anderes Organ hat eine so wichtige Funktion, aber sie darf nicht einfach mal sein. In der SWR-Dokumentation „Mein Körper. Meine Brüste. – Was soll der Hype?“ dreht sich alles um das weibliche Organ, dass eine lebenswichtige Funktion hat und das permanent reglementiert und sexualisiert wird.
Für eine Studie wurden 18.500 Frauen in 40 Ländern – auch Deutschland – befragt. „Wie zufrieden bist du mit Deinen Brüsten? Findest Du sie schön? Würdest du was verändern?“ Das Ergebnis besagt, dass ca. 25 % der Frauen mit ihrer Brust zufrieden sind – und über 70% der Befragten unzufrieden. 54 % der befragten Frauen aus Deutschland wünschten sich eine größere Brust.
Die Brust
Die Brust sitzt auf dem Brustmuskel, besteht aber selbst nur aus Drüsengewebe und Fett; sie hat keine eigene Muskulatur und lässt sich nicht trainieren. Ihren Halt hat sie ausschließlich durch Haut und Bindegewebe.
Brüste bewegen sich unabhängig vom Körper, quasi wie eine wabernde Masse, auf die G-Kräfte einwirken, wie auf einen Formel-1-Fahrer in einer Kurve. „Die Bewegung geht vor und zurück, zu den Seiten, nach oben und unten – alles gleichzeitig“, sagt die Dr. Nicola Renwick von der Universität Portsmouth. Die Biomechanikerin filmt die Brustbewegungen beim Sport mit High-Speed-Kameras und erklärt, dass das einer der Gründe ist, warum junge Mädchen aufhören Sport zu machen. „Sie schämen sich, weil die Brüste so stark wackeln.“ Dr. Renwick vergleicht die Aufnahmen ohne und mit verschiedenen Sport-BHs und kann genau sagen, wie das Bekleidungsstück einen guten Halt bietet. Für eine „starke Unterstützung“ muss sich die Brustbewegung um 70% verringern.
Kaum eine Frau weiß, wann ein Sport-BH wirklich gut sitzt. Viele denken, dass ein guter Halt durch Kompression entsteht, doch das funktioniert im besten Fall noch bei kleineren Brüsten. Größere Brüste brauchen bessere Unterstützung, einen Halt, der vom Unterband des BHs kommt. Teilweise ist sogar die Unterstützung jeder Brust einzeln sinnvoll, um seinem Leben und seinem Sport schmerzfrei nachgehen zu können. Kleiner (Fun-)Fact: Es gibt sogar Studien, die nahelegen, dass sich das Verletzungsrisiko am Kreuzband für Frauen erhöht, wenn sie einen Sport-BH tragen, der sie nicht genug stützt. Natürlich hängt die richtige Auswahl der Sport-BHs immer von Sportart und Brustgröße ab. Während beim Yoga ein Soft-BH genügen kann, bietet der jedoch bei einem 10-km-Lauf keine ausreichende Unterstützung.
„Mein Körper. Meine Brüste. – Was soll der Hype?“
In der sehr empfehlenswerten Dokumentation finden unterschiedliche Perspektiven ihren Platz. Von Schwangerschaft bis (Leistungs-)Sport, von der evolutionären über die medizinische bis zur gesellschaftlichen Betrachtung bieten die verschiedenen Blickwinkel zum Teil erschreckende Wahrheiten, denen wir zukünftig im Alltag besser begegnen könnten.
Louise (Lou), eine junge Frau, die beide Brüste wegen einer Krebserkrankung abnehmen lassen musste und sich gegen einen Brustaufbau bzw. eine -rekonstruktion entschieden hat. Sie versucht sich in ihrem Körper wieder wohlzufühlen und kämpft gleichzeitig gegen eine Gesellschaft, die bewertet, verletzende Fragen stellt und sie auf ihre (fehlenden) Brüste reduziert. Lou möchte anderen jungen Frauen Hoffnung geben, dass Frau ohne Brüste leben und sich trotzdem noch weiblich fühlen kann. Dabei erfährt sie wichtige Unterstützung von der Sexologin Johanna Pantel.
Jenna, ist eine 28-jährige Hip-Hop-Tänzer- und Trainerin mit Körbchengröße G. Sie erzählt von ihrem Weg, sich nicht mehr für ihre Brüste zu schämen und wünscht sich, dass Mädchen die Unterstützung zum „richtigen“ Umgang mit ihren Brüsten bereits im Sportunterricht lernen würden.
Auch Almuth Schult, 3-fache Mutter, Fußballerin und Welttorhüterin, stellt klar, wie unangenehm und schmerzhaft es sein kann, seinen Sport ohne die richtige Ausrüstung machen zu müssen. Dazu gehört ihrer Meinung nach auch ein gutsitzender Sport-BH. Denn wenn man sich darum keine Gedanken machen muss, ist das volle Potential der eigenen Leistungsfähigkeit abrufbar.
Die hochschwangere Annika, Produktmanagerin und Ingenieurin der Elektrotechnik, und ihre Hebamme Maike Campen, kommen ebenfalls zu Wort. Sie sprechen über die hormonell bedingte Brustvergrößerung während der Schwangerschaft, über die Pflege und über die Herausforderungen, die mit dem Stillen auf die junge Mutter zukommen.
Fazit
Die Sendung hat mich mit dem Wissen und den unterschiedlichen Perspektiven auf die weibliche Brust begeistert und berührt. Es ist offensichtlich, dass wir gesellschaftlich noch einiges zu tun haben, damit eine Brust „nur“ eine Brust ist. Die Bewertung von anderen, die Kategorisierung und die Sexualisierung sollten längst nicht mehr die Gewichtung haben, die aktuell stets spürbar ist.
Mit den Worten von Jenna möchte ich schließen: „Es geht darum, ein gesundes Mindset zu besitzen. Je mehr wir darüber reden und es nicht mehr zu einem Tabu- oder sexuellen Thema machen, sondern wirklich zu einem Thema wie Fingernägel, Haare und Make-up, wird jede Frau viel glücklicher damit sein, ihre Brust genauso zu haben, wie sie ist.
Wenn alle Menschen in eine Schublade gesteckt werden, wird die innenwohnende Dramatik selten wahrgenommen, doch emotional docken wir schnell an: „Sind alle jungen Menschen heute nicht in der Lage, zu arbeiten, im realen Laden einzukaufen oder soziale Interaktionen zu betreiben?“ Was bewirken Generalisierungen, wem nutzen sie und was darf zur Kenntnis genommen werden, wenn sie in Gesprächen immer wieder als Stilmittel genutzt werden?
In meiner Wahrnehmung nimmt die Verallgemeinerung in der Kommunikation deutlich zu. Ob in der Berichterstattung, in Gesprächen oder in den Sozialen Medien, häufig geht es um Personengruppen, die mit einer oder mehreren Eigenschaften in Verbindung gebracht werden, die generalisierend wirken. Bei den Worten „jeder“, „immer“, „nie“, „alle“ oder „keiner“ werde ich hellhörig, dann geht es beispielsweise so weiter.
Immer sind es Frauen, die schlecht parken können!
Die jungen Menschen hocken doch alle nur noch vor dem Handy, die schreiben sich eher eine Nachricht als miteinander zu sprechen.
Du hörst mir nie zu!
Ab Ende 50 bekommt doch keiner mehr einen neuen Job, dann ist der Zug schon längst abgefahren.
Sobald das Studium abgeschlossen ist, fordert jeder Bewerber ein völlig überzogenes Jahresgehalt und will nur 30 Stunden in der Woche arbeiten.
Die Liste lässt sich beliebig weiterführen, doch ich möchte auf zwei unterschiedliche Aspekte besonders hinweisen: die Vor- und die Nachteile von Generalisierungen.
Nachteile von Generalisierungen
Die eben genannten Beispiele sind eher negativ und sollen zu einer bestätigenden Reaktion verleiten. Zusätzlich lassen sich diese Formulierungen gut nutzen, um (frech in den Raum gestellte) Behauptungen massiver und faktischer aussehen zu lassen. Ein Beispiel: „Die ganze Schule sagt, dass XY komisch ist – und Du hast das noch nicht gehört?“ Da wird der Gleichaltrige, der nicht in diese Mobbing-Mentalität einsteigen möchte, schon sehr in eine Ecke gedrängt. Gefühlt muss er es beim Dagegenhalten mit der ganzen Schule aufnehmen. Oder er fügt sich in die angebliche Gruppendynamik, um nicht als Außenseiter dazustehen.
Eine Ableitung aus dieser generalisierenden Aussage über alle Schüler könnte plötzlich in Elternforen auftauchen: „Auf der Schule XY wird grundsätzlich viel gemobbt. Da möchte ich mein Kind nicht hinschicken.“ Die Schule bekommt einen schlechten Ruf, die Schüler werden nur ungern als Bewerber angenommen … usw.
Pauschale Urteile verknüpfen Menschen, Gruppen, Institutionen oder Unternehmen mit einer Eigenschaft, durch die sie dann – häufig ausschließlich – definiert werden. Das kann positiv („Die Deutschen sind immer pünktlich.“) oder auch negativ sein („Die Politiker halten sich doch sowieso nicht an ihre Wahlversprechen“). Und schon werden alle über einen Kamm geschoren, völlig egal, ob die allgemeinen Aussagen zutreffen oder nicht.
Wer in Verallgemeinerungen denkt, trifft vielleicht falsche Entscheidungen. Wichtige Details bleiben unberücksichtigt, weil der Blick durch die Generalisierungsbrille getrübt wurde.
Ein Mitarbeiter fühlt sich vermutlich ungerecht behandelt, wenn er als unmotiviert beschrieben und (unbegründet) vom Chef mit allen Abteilungskollegen in einen Topf geworfen wird. Wird seine individuelle Motivation übersehen, kann das kann zu Konflikten und Missstimmungen führen, die aufwendig wieder gelöst werden müssen.
Wird ein Kind ständig damit aufgezogen, dass es tollpatschig ist, wird sich die Aussage in seinem Denken festsetzen: „Ist ja klar, dass mir das passiert, ich bin ja auch ein Tollpatsch!“ Was aus einer Situation entstanden ist, hat sich auf einmal verselbstständigt, beeinträchtigt das Selbstwertgefühl und kann große Auswirkungen auf gesellschaftliche Interaktionen mit sich bringen.
Wie entkommen wir der Generalisierungsfalle?
Wir können unsere eigene Wortwahl überprüfen und Formulierungen wie „manche“ (statt „alle“), „einige“ (statt „jeder“), „häufig“ (statt „immer“) oder „selten“ (statt „nie“) nutzen. Wir können die Behauptung hinterfragen: „Wer sagt denn genau, dass XY komisch ist?“ und uns an belegbaren Fakten orientieren.
Ein Perspektivwechsel ist ebenfalls hilfreich: Wie sieht sich der Mensch wohl selbst, der dieser Gruppe zugeordnet wurde? Hat er nicht auch andere Eigenschaften? Vielleicht teilen wir auch einige Vorlieben, z. B. unsere Liebe zum Sport? Wie würden wir uns begegnen, wenn wir uns dort das erste Mal treffen würde?
Versucht man, diesen Menschen als Individuum zu sehen, verändert sich die bisherige „Klassifizierung“: Leben seine Eltern noch, hat er Kinder, ein Hobby, in dem er aufgeht, wo verbringt er seinen Urlaub?
Vorteile von Generalisierungen
Ja – Du hast richtig gelesen. Es gibt sie, die positiven Aspekte der Verallgemeinerung.
Sie sparen Zeit, da viele Details nicht erklärt werden müssen. „Alle Schüler gehen nach dem Gong in ihre Klassenzimmer.“ Jeder wird sich die Klassenräume vorstellen können und weiß was gemeint ist. Auch wenn diese unterschiedlich sein könnten (Größe, Wandfarbe, Standort des Lehrerpults …), wäre das in dieser Aussage unwichtig.
Generalisierungen vereinfachen z. B. komplizierte Themen, wie „Stress macht krank“. Dahinter steckt medizinisches Fachwissen, aber durch die Verallgemeinerung bekommt der Laie einen Bezug dazu und kann das leicht verinnerlichen. Ebenso vereinfachen hilfreiche Faustregeln, wie „Starte Deinen Rechner wieder neu, wenn er Probleme macht.“ oder „Wenn Du Fieber hast, gönne Dir Ruhe und trinke viel.“, grundsätzliches Wissen leicht zu verankern.
Wir können über eher positive Generalisierungen aus bereits gemachten Erfahrungen lernen, um sie später auf ähnliche Situationen anwenden zu können.
Wie ist das mit KI?
Auch KI-Systeme (Künstliche Intelligenz) arbeiten mit Generalisierungen. Im Glossar des KI-Echo’s steht es wie folgt: „Die Generalisierung ist eines der wichtigsten Ziele in der KI. Sie bezieht sich auf die Fähigkeit eines KI-Systems, aus Erfahrungen zu lernen. Das System nimmt das Wissen und die Erkenntnisse, die es während des Trainings erworben hat, und wendet sie auf neue, unbekannte Probleme oder Situationen an. Die Fähigkeit zur Generalisierung ist das, was ein KI-Modell nützlich macht und verhindert, dass Systeme nur auf bestimmte Aufgaben beschränkt sind.“
Ich habe dazu ein schönes Beispiel. Wenn ich mit dem Navi in einen Stadtteil von Dortmund fahren möchte, sagt mir die Stimme an bestimmten Stellen, dass ich die „Abfahrt Donnerstag-Mengede“ nehmen soll. Anstatt die Beschilderung „DO-Mengede“ in den richtigen Kontext zu stellen, haben die antrainierten Generalisierungsmechanismen festgestellt, dass „DO- “ höchstwahrscheinlich „Donnerstag“ heißt, was mir dann ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Dennoch – beim Navigieren kann das sicher vernachlässigt werden, wenn man sich in der Region, in der man gerade unterwegs ist, auskennt. Aber was bedeutet das bei anderen Interaktionen mit der KI, wo die Verallgemeinerungen nicht so offensichtlich erkennbar sind?
Vielleicht haben wir das gut gelernt und im Hinterkopf …
Fazit
Wenn mir auffällt, dass alle über einen Kamm geschoren werden, versuche ich, meine Mitmenschen darauf hinzuweisen. Das hat in der Vergangenheit auch zu Gesprächsabbrüchen geführt: „Du weißt doch, wie ich das meine!“ – Und ganz ehrlich – vielleicht weiß ich das, vielleicht aber auch nicht. Dennoch möchte ich mich diesen globalen Aussagen ungern anschließen und lasse es selten auf sich beruhen. Doch jeder Einwand – egal ob das Gespräch weitergeht oder nicht – hilft mir, daran zu denken und meine Wortwahl ständig auf den Prüfstand zu stellen. Das geht bestimmt immer noch etwas besser 😊.
Neugeborenen-Gelbsucht (lateinisch Ikterus) ist eine bekannte Erkrankung, die sich durch eine Gelbfärbung der Haut, Schleimhäute und Augen äußert. Zudem geht häufig eine Braunfärbung des Urins und heller Stuhlgang damit einher. Unbehandelt kann sie zu schweren Schäden am Gehirn führen und sogar tödlich verlaufen.
Nach der Geburt entsteht durch den Zerfall von überschüssigen roten Blutkörperchen der Farbstoff Bilirubin, der sich in der Haut und den Augäpfeln ablagert und die Verfärbung verursacht. Typischerweise tritt die Gelbsucht zwei bis drei Tage nach der Geburt auf, da die Leber den Abbau des Bilirubins erst nach und nach bewältigen kann, und klingt meist innerhalb einer Woche wieder ab.
Durch die frühzeitige Erkennung lässt sich eine notwendige Behandlung rechtzeitig einleiten, das allein bietet Schutz vor dauerhaften Schädigungen. Dabei könnte eine neue Screening-Technologie hier eine entscheidende Rolle spielen.
Darüber sprechen wir mit Gerald Kaasen von der Medizintechnik Kaasen GmbH in Lünen.
Herr Kaasen, Ihr Unternehmen blickt auf über 20 Jahre Erfahrung in der Unterstützung junger Familien zurück und bietet innovative Produkte wie Milchpumpen und Beckenbodentrainer an, um den Alltag von Eltern und Kindern zu erleichtern. Nun sind Sie Vertriebspartner für ein neuartiges Gelbsucht-Screening für Neugeborene. Was hat Sie dazu bewogen, diese Technologie in Ihr Portfolio aufzunehmen?
Schätzungsweise sterben weltweit jedes Jahr mehr als 114.000 Neugeborene an den Folgen einer Gelbsucht (Quelle: https://picterus.com/jaundice/ ). Zum Glück haben wir in Deutschland eine deutlich bessere Versorgungslage. Jedoch werden Mutter und Kind bei uns tendenziell immer früher aus dem Krankenhaus entlassen, was mit der Kostenstruktur zusammenhängt. Vor der Entlassung wird die Bilirubin-Konzentration noch überprüft. Ist diese tendenziell erhöht, werden Mutter und Kind für den Folgetag wieder zur Überprüfung ins Krankenhaus einbestellt. Also anstatt die beiden zur Ruhe kommen zu lassen, um sich einzugewöhnen, müssen sie am nächsten Tag wieder ins Krankenhaus, damit der Wert überprüft wird. Hat er sich verbessert fährt man wieder nach Hause. Ist er gleichbleibend, kann die gleiche Prozedur am darauffolgenden nächsten Tag wiederholt werden. Ein Stress, der letzten Endes nicht mehr sein muss.
Als medizintechnisches Unternehmen ist es unsere Herzensangelegenheit, Lösungen anzubieten, die dazu beitragen, die Versorgung von Neugeborenen und ihren Familien zu verbessern. Das Gelbsucht-Screening ist aus unserer Sicht eine sehr vielversprechende Maßnahme, um die Familie keinen unnötigen Belastungen auszusetzen.
Wie funktioniert dieses Screening genau?
Das norwegische Unternehmen Picterus AS hat eine innovative Methode entwickelt, die Gelbsucht mithilfe einer Smartphone-Kamera und einer speziellen Farb-Kalibrierungskarte erkennen kann. Dabei wird eine App verwendet, um den notwendigen Abstand und die richtige Positionierung zu gewährleisten. Die App erfasst automatisch sechs Bilder (von einem kleinen Ausschnitt des Brustbereichs des Neugeborenen und der Farbkarte) und analysiert diese mithilfe eines patentierten Berechnungsmodells.
Innerhalb weniger Sekunden liefert das System einen Messwert, mit etwa derselben Sicherheit, wie eine transkutane Messung an der Schläfe des Kindes mit einem speziellen Gerät. Vereinfacht gesagt, erfolgt ein Abgleich der Hautfarbe und der Gelbfärbung mit einem definierten Farbschema.
Das klingt nach einer innovativen und gleichzeitig einfachen Methode. Kann jede Person mit einem geeigneten Smartphone dieses Screening durchführen?
Ja, die App ist gemäß ihrer MDR-Zulassung nicht nur für medizinisches Fachpersonal, sondern auch für die Nutzung durch Eltern zugelassen. Die App liefert jedoch nur einen Messwert. Dieser muss fachlich eingeordnet werden, d. h. er muss von fachkundigen Personen, wie Hebammen, Ärzten und Ärztinnen oder Kinderkrankenpfleger:innen ausgewertet werden, um gegebenenfalls weitere Untersuchungen oder eine Behandlung einzuleiten.
Der Vollständigkeit halber muss dazu gesagt werden, dass die App zwar kostenfrei ist, aber die Farbkarte bei Picterus AS kostenpflichtig bestellt werden muss (aktuell ca. 8,00 € zzgl. Versand im Einzelbezug). Zusätzlich wird jeder Scan mit ca. 8,00 € berechnet. Und nicht zu vergessen, die Abstimmung mit fachkundigen Personen muss dann noch zusätzlich erfolgen. Dennoch sehen wir den Mehrwert darin, dass Mutter und Neugeborenes deutlich weniger Aufregung durchmachen müssen, wenn die Messung zu Hause durchgeführt werden kann.
Sind bereits die Krankenhäuser in Deutschland mit dieser Technologie ausgestattet?
Leider noch nicht. Das System ist mittlerweile für alle Hauttöne zugelassen und noch so neu, dass viele Kliniken dieses Verfahren noch nicht kennen. Deshalb gehört es zu unseren aktuellen Aufgaben, Aufklärungsarbeit zu leisten und die Technologie in Deutschland bekannter zu machen.
Wenn das Verfahren noch so neu ist, bietet es überhaupt die nötige Sicherheit?
Ja, sonst wäre die Zulassung nicht erfolgt. Auch wenn die Anwendung heute sehr einfach ist, war es ein langer Weg bis zu diesem Punkt. Picterus wurde bereits vor 10 Jahren gegründet. In vielen langjährigen Forschungsprojekten in Norwegen, Schweden und der ganzen Welt (u. a. Philippinen, Uganda, Mexico, USA) wurden Erkenntnisse gewonnenen, die zu einer konsequenten Weiterentwicklung geführt haben. Dadurch ist es zu dem qualitativ hochwertigen, verlässlichen System geworden, das es jetzt ist.
Das neue Screening-Verfahren zur Früherkennung von Gelbsucht bei Neugeborenen stellt einen bedeutenden Fortschritt in der medizinischen Versorgung dar. Durch die einfache Anwendung und schnelle Auswertung bietet es eine zusätzliche Sicherheit für Eltern und medizinisches Fachpersonal, ohne die Familien durch (ggf. unnötige) Arzt- oder Klinikbesuche weiter zu belasten. Dennoch bleibt die flächendeckende Einführung in deutschen Kliniken eine Herausforderung, aber wir bleiben am Ball.
Herr Kaasen, vielen Dank für das informative Gespräch!
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Medizintechnik Kaasen GmbH Zum Gewerbepark 4 44532 Lünen