Nehmen wir durch Sport wirklich ab?

Nehmen wir durch Sport wirklich ab?

Die letzten zwei Jahre haben bei uns allen Spuren hinterlassen. Wir können froh sein, wenn wir das nur auf unseren Hüften zu spüren bekommen. Um den Corona-Speck wieder loszuwerden, machen wir einfach ein bisschen Sport, dann funktioniert das schon, denken Viele. Du auch?

Da kommt sofort die Frage auf
„Nimmt man durch das bisschen Sport wirklich ab“?

Jasmina Neudecker ist Biologin und weiß, dass unser Körper von der Evolution getrimmt ist und sich als Vorsorge für die schlechten Zeiten an jedes Gramm Fett klammert. Sie trainiert mit Prof. Karsten Köhler, Ernährungswissenschaftler an der TU München, und deckt gemeinsam mit ihm drei Irrtümer zum Thema „Sport und Abnehmen“ auf.

  • Irrtum 1: Beim Sport verbrennen wir wahnsinnig viele Kalorien
  • Irrtum 2: Sportler:innen verbrennen viel mehr Kalorien als Couch-Potatoes
  • Irrtum 3: Sport hat keinen Einfluss auf unser Essverhalten

Was hinter diesen Irrtümern steckt? Die Auflösung und Erklärungen bringt die Folge Nehmen wir durch Sport wirklich ab? von ZDF Terra Xplore.

Das Video ist in der ZDF Mediathek bis 19.07.2031 verfügbar.

Beate Rupietta: Der Mitarbeiter ist König!

Beate Rupietta: Der Mitarbeiter ist König!

Das ist das Motto von Beate Rupietta, Geschäftsführerin der Assum GmbH. Der Dortmunder Personaldienstleister ist im Gesundheitswesen tätig und hat sich auf Fachkräfte für den OP- und Intensiv-Bereich spezialisiert. Die Gesundheitsökonomin weiß, wovon sie spricht. Sie legt großen Wert darauf, dass ihre Mitarbeiter* einen Einsatzort bekommen, den sie mit ihrem „privaten“ Leben gut vereinbaren können. Wie sie das macht und warum sie dieses Konzept entwickelt hat, berichtet sie in diesem Interview.

Hallo Beate, Du vertrittst den Standpunkt „Der Mitarbeiter ist König!“ Gerade im Gesundheitswesen sticht diese Aussage deutlich hervor. Wie bist Du zu dieser Betrachtungsweise gekommen?

Als Personaldienstleister haben wir das Konzept „Der Kunde ist König“ verworfen. Meine Mitarbeiter sind mir wichtig und ich möchte gerade in unserer Branche mit gutem Beispiel vorangehen. Grundlegende Ursachen für den fortschreitenden Pflegenotstand lassen sich nicht ignorieren und die Mitarbeitergesundheit ist ein wichtiger Aspekt. „Der Mitarbeiter ist König!“ ist gelebte Realität und ich stelle mich der Verantwortung, meine Mitarbeiter mit den zu ihnen und ihrem Leben passenden Einsatzstellen zu versorgen. Dabei sprechen wir über einen festgelegten Zeitraum von mindestens einem Monat bis zu maximal 18 Monaten, um Bedarfe in den Kliniken abzudecken. Dabei ist die individuelle Bewertung des Einsatzes vom Mitarbeiter der limitierende Faktor.

Mein Personal besteht aus fest angestellten Gesundheits- und Krankenpflegern (m/w/d) mit Fachweiterbildungen oder Berufserfahrung im OP-Dienst, auf Intensivstation und im Intermediate Care Bereich (IMC), in der Anästhesie, im Aufwachraum und in der Notaufnahme. Das sind harte Berufe, die viel verlangen und in denen die Menschen bereit sind, viel zu geben. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn die Patienten profitieren davon. Doch häufig wird vergessen, an die Bedürfnisse des Pflegepersonals zu denken, das geht oft auf Kosten der Gesundheit und des Engagements. Die Missstände werden auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen und das ist in meinen Augen in den heutigen Zeiten nicht mehr tragbar.

Der Ansatz ist sehr spannend und Deine Mitarbeiter sind vermutlich begeistert. Doch wie können sich unsere Leserinnen die praktische Umsetzung vorstellen?

Ich habe zu meinen Mitarbeitern ein persönliches Verhältnis und ich sehe sie unter der ganzheitlichen Perspektive. Was sind ihre Sorgen und Nöte? Was machen sie gern? Was ist ihnen wichtig – sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich?

Mit diesem Kenntnisstand führe ich die Verhandlungen mit den Krankenhäusern, um die richtigen Einsätze zu finden. Sei es, dass ein Mitarbeiter keine Nachtschicht machen kann, Teilzeit arbeiten oder einen Tag in der Woche aus persönlichen Gründen nicht zur Spätschicht eingeteilt werden möchte. Damit stelle ich sicher, dass meine Mitarbeiter eine echte Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Pflegeberuf haben. Hierbei hat die Kinderbetreuung oder Pflege der Eltern den gleichen Stellenwert, wie ein Yogakurs, eine Bandprobe oder Weiterbildungswünsche. Der Urlaub und gewünschte freie Tage sind heilig und nicht verhandelbar. Das klingt vielleicht ungewohnt, doch im Ergebnis profitiert das Krankenhaus davon, wie meine langjährige Kundschaft belegen kann: Sie bekommen exzellente Mitarbeiter, die ihre Freude an ihrem Beruf über ihre allgemein gesteigerte Resilienz nach außen tragen.

Das ist ein attraktives Modell für potenzielle Mitarbeiter, klingt aber auch nach viel Arbeit für Dich. Wie hast Du dieses Konzept entwickelt?

Dass ich mein Unternehmen so aufgestellt habe, liegt in meiner Historie. Es ist auch weniger eine Konzeptentwicklung, als die Umsetzung meiner eigenen Wünsche, die ich als Arbeitnehmer an meine Arbeitgeber hatte. In meiner Ausbildung als Krankenschwester wollte ich unbedingt Ärztin werden. Ich war dann erst im OP tätig, dann eine Weile in der Anästhesie und während des Medizinstudiums habe ich nebenbei als Nachtwache auf der Intensivstation und in der häuslichen Beatmungspflege gearbeitet. In dieser Zeit sind mir viele Missstände in der Personalführung aufgefallen, die keinem verborgen bleiben, der in Krankenhäusern tätig ist. Mein Wunsch Ärztin zu werden verringerte sich zusehends, es hätte sich im Kern für mich auch nichts geändert und vor dem Start des praktischen Jahres, mit allen Scheinen in der Tasche, habe ich das Medizinstudium beendet. Ich orientierte mich neu und machte meinen Master im Gesundheitsmanagement und habe als „Gesundheitsökonom“ und MBA (EBS) meinen Abschluss.

Mit der Gründung der Assum GmbH im Jahr 2010 sah ich als Unternehmerin die Möglichkeit, Dinge zu verändern. Ich konnte als Arbeitgeber für bessere Arbeitsbedingungen sorgen. Im Gesundheitswesen werden medizinische Fachkräfte in der Gesamtbetrachtung häufig nicht als Menschen, sondern als „Leistungsposten“, zuweilen als Inventar, angesehen. Bei uns ist das anders. Mir geht es um den Menschen, denn geht es dem Menschen gut, wirkt sich das an der richtigen Stelle aus – beim Patienten. Der Mitarbeiter ist König!

Seit dem Jahr 2010 stehe ich fest zu meinen Mitarbeitern. Gibt es Beschwerden spreche ich mit dem Krankenhaus und mit dem Mitarbeiter. Ist der Einsatz problematisch und wird seitens des Krankenhauses keine Abhilfe geschaffen, ziehe ich den Mitarbeiter ab. Lieber habe ich finanzielle Einbußen, als dass meine Mitarbeiter in einen Kreislauf geraten, der ihnen nicht guttut. Ich merke, dass das von den Mitarbeitern gesehen und geschätzt wird und ich bekommen viel zurück: von positiven Rückmeldungen, über Empfehlungen für neue Kollegen und ein großes Engagement, als bei Google eine schlechte Bewertung auftauchte – von Jemandem mit dem wir noch nie zu tun hatten.

Liebe Beate, Personaldienstleister sind nicht überall in einem positiven Fokus. Da wird von geringen Gehältern und schlechter Arbeitsleistung gesprochen. Doch Deine Aussage, auf Kunden zu verzichten, wenn sie Deine Mitarbeiter nicht wertschätzen, spricht eine ganz andere Sprache. Kannst Du unseren Leserinnen das noch etwas verdeutlichen?

In unserem Bereich, der Vermittlung von Fachkräften, ist die Struktur etwas anders, als im rein technisch-gewerblichen Zeitarbeitsbereich. Meine Mitarbeiter beziehen höhere Gehälter als die Festangestellten im Krankenhaus. Das hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen. Meine Fachkräfte müssen sich immer wieder auf neue Einsatzstellen, neue Teams und neue Organisationsstrukturen und Standards einlassen können. Sie sind offen, legen eine große Lernbereitschaft an den Tag und passen sich flexibel an die Einsatzstelle an, das muss sich auch in der Entlohnung widerspiegeln, es ist definitiv eine Mehrbelastung.

Vielleicht noch ein Satz zum negativen Image der Branche: Meine Mitarbeiter sind fest angestellt und bekommen ihr Gehalt durchgängig, egal ob es gerade einen Einsatz gibt oder nicht. Die Urlaubsregelung ist Standard – und damit meine ich nicht die gesetzliche Regelung von 26 Tagen. Dazu gibt es nach der Probezeit eine betriebliche Altersvorsorge, eine private Zusatzversicherung, ggf. einen Dienstwagen und noch weitere Vorteile, die nicht zwangsläufig mit dem Begriff Zeitarbeit assoziiert werden.

Ich sehe uns als eine kleine Familie, in der ich sehr nah an den Menschen dran bin. Ich sorge für Weiterbildungsmöglichkeiten, biete bei Bedarf individuelle Coachings an und meine volle Unterstützung, wenn es mal Probleme gibt. Vor Corona hatte wir regelmäßige Teamevents, um meinen Mitarbeiterin, die im Einsatz meist Einzelkämpfer sind, eine Art berufliche Heimat zu geben. Wir waren im Kletterwald, haben uns selbst Messer geschmiedet, hatten ein Krimidinner, Mittelalterevent oder eine GPS-Ralley. Ich möchte den Rückhalt deutlich machen, den meine Mitarbeiter von mir bekommen. Bei allen Fragen und Nöten bin ich für meine Mitarbeiter da und sie danken es mir mit einer hervorragenden Arbeitsleistung, die in den Krankenhäusern für sich spricht. Das macht mich wirklich stolz.

Dein Konzept ist modern und sicher ein guter Weg, eine höhere Qualität am Patienten zu etablieren. Wie findest Du neue Mitarbeiter und was sind gute Gründe, sich bei Dir zu bewerben?

Etwa 2% aller Erwerbstätigen sind Zeitarbeitnehmer. Ein Großteil davon ist im Helferbereich tätig, eine kleinere Anzahl sind die hochqualifizierten Berufe, zu denen auch meine Fachkräfte gehören. Manchmal hört man den Begriff „Rosinenpicker“, da sie sich bestimmte Bedingungen aussuchen. Aber sie leisten im täglichen Betrieb das gleiche wie andere, stellen sich dabei jedoch viel größeren Herausforderungen.

Die Gründe in die Zeitarbeit einzusteigen sind vielfältig: Manche wollen mehrere Kliniken kennenlernen oder nicht (mehr) um einen respektvollen Umgang bzw. Anerkennung der Leistung kämpfen müssen, der sich in einer langjährigen Tätigkeit im Krankenhausalltag verliert. Manche wollen einfach nur ihren Beruf machen, also sich um die Patienten kümmern, und sich nicht mit dem ganzen Nebenaufgaben beschäftigen müssen, die im Krankenhaus anfallen und sie aufreiben, und wieder andere finden die Abwechslung spannend, unterschiedliche Einsatzorte und neue Teams.

Meine Mitarbeiter kommen oft auf Empfehlung, aber natürlich haben wir unsere offenen Stellenangebote auch auf unserer Website . Aktuell wollen wir noch wachsen und suchen weitere Mitarbeiter. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist bekannt und nicht wenige Krankenhäuser fragen unsere Mitarbeiter explizit an, weil jeder Mitarbeiter nach seinem Einsatz eine exzellente Visitenkarte hinterlassen hat. Daher möchte ich den Mitarbeiterstamm ausbauen. Am bestehenden Konzept „Der Mitarbeiter ist König!“ ändert sich nichts und das Persönliche ist mir extrem wichtig, damit ich die richtigen Einsatzorte für meine Mitarbeiter finde. Assum wird niemals eine kritische Größe erreichen, bei der diese Qualität zwangläufig hinten runterfällt. Auch diese Erfahrung durfte ich selbst als Arbeitnehmer machen und werde das zu verhindern wissen.

Welche Menschen suchst Du aktuell, für wen ist es sinnvoll, zumindest ein Gespräch mit Dir zu führen?

Ein Gespräch ist ein guter Anfang, um die grundsätzlichen Vorstellungen abzuklären. Interessant ist ein Gespräch für medizinische Fachkräfte, die mit ihrer aktuellen Situation nicht zufrieden sind oder Abwechslung suchen. Tätig werden wir im gesamten Bundesgebiet, problematisch sind nur die Standorte Hamburg und Berlin:

  • (Fach)Gesundheits- und Krankenpfleger/innen im OP-Dienst
  • Operationstechnische/r Assistent/in (OTA)
  • (Fach-)Gesundheits- und Krankenpfleger/innen für die Intensivpflege
  • (Fach-)Gesundheits- und Krankenpfleger/innen für die Anästhesie
  • Gesundheits- und Krankenpfleger/innen
Liebe Beate, das war ein wunderbares Gespräch mit neuen Einblicken in die Welt der Zeitarbeit, herzlichen Dank für Deine Zeit. Wir wünschen Dir tolle Bewerbungen und hoffen, dass weitere Unternehmen Deinem Beispiel als ein so attraktiver Arbeitgeber folgen werden.

Die Kontaktdaten von Beate Rupietta

Assum GmbH
Wandweg 1
44149 Dortmund
Fon: 0231 / 6181 0090
Fax: 0231 / 6181 0093
E-Mail
Website 
Facebook
Xing 
LinkedIn 

*Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel verzichtet auf Bitte der Gesprächspartnerin Beate Rupietta zugunsten der Lesbarkeit und der Verständlichkeit auf eine gendersensible Sprache. Das verwendete grammatikalische Geschlecht versteht sich ausdrücklich wertfrei in Bezug auf das biologische Geschlecht.

Stiefkind Psyche

Stiefkind Psyche

Work-Life-Balance, Mindfulness, Human Ressources, Compliance, – große Worte in aller Munde. Schön gechillt kommen sie daher und lassen Dir und mir an zweierlei Dingen keinen Zweifel:

1. Unternehmer:innen und Führungskräfte haben quasi per se das psychische Wohlbefinden in ihrer Entscheidungsmatrix implementiert.

2. Wenn wir uns nur leicht genug an ein paar Skills halten, können Arbeit und Leben so einfach sein.

Ist das die Wirklichkeit, die wir im Alltag erleben oder doch eher Wunschdenken?

Investieren die Führungskräfte Deines Unternehmens in (präventive) psychische Maßnahmen? Empfindest Du, dass Dein psychisches Wohlbefinden ein Teil der real gelebten Unternehmensmatrix ist und erlebst Du dadurch einen wahrnehmbaren Unterschied in Deinem Arbeitsalltag?

Psyche als Kostenfaktor

15% aller Krankentage haben laut dem Bundesgesundheitsministerium psychische Ursachen, deren Dauer mit durchschnittlich 36 statt 12 Fehltagen 3x so hoch ist wie bei anderen Erkrankungen. Das ist ein wirtschaftlicher Kostenfaktor von rund 8 Milliarden Euro Produktionsausfallkosten jährlich, die Tendenz ist nicht erst seit Corona steigend. Diese Zahlen sind nicht mit den „anderen“ Betrieben, den sog. Ausnahmen, zu erklären und das ist längst nicht mehr nur ein klischeehaftes Frauenthema.

Gleichzeitig geben Krankenversicherer und Unternehmen jährlich große Summen für Prävention aus. Der Gesetzgeber hat seit 2013 jedes Unternehmen verpflichtet, eine psychische Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, mit der die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz ermittelt, bewertet und dokumentiert werden. Daraus sollen Maßnahmen abgeleitet, durchgeführt und auf ihre Wirkung überprüft werden.

Säßen alle Leser:innen jetzt zeitgleich als Gruppe in einem Raum, würden sich trotz der gesetzlichen Verpflichtungen und hohen monetären Ausgaben nur eine kleine Anzahl Handzeichen rühren sowohl bei der Abfrage, wer bereits an einer psych. Gefährdungsbeurteilung teilnehmen durfte als auch wer anschließend von messbaren Veränderungen berichten kann. Wie siehst Du das, teilst du meine Erfahrung?

Von der Lücke im System zur systemischen Lösung

Wo also bitte ist die Lücke im System, die Millionen verschlingt und uns auf dem Weg zu einer gesunden Psyche, einer menschengerechten Arbeitskultur straucheln lässt?

Möglicherweise liegt die Lösung aber gerade in der komplexen, bunten Individualität unseres Mensch-Seins, das nicht mit pauschalen Psychoprogrammen mal eben zu eichen ist; sondern sich anpassender Module auf sich beständig verändernde Arbeitsaufgaben, Arbeitsformen, Arbeitsumgebungen, Arbeitsorganisationen und Arbeitszeiten sowie sozialer Beziehungen bedarf.

Susan Greenfields Satz „Wie immer im Leben wollen die Menschen eine einfache Antwort … und es ist immer falsch.“, kommt mir in den Sinn.

Wie können alternative Lösungen aussehen, die der Komplexität von Arbeit und Leben über alle Geschlechter hinweg gerecht werden?

Psychische Gefährdungsbeurteilung als Chance

Heruntergebrochen auf die konkrete Alltagswirklichkeit heißt das für mich als Coach am Beispiel der psychischen Gefährdungsbeurteilungen, mein Konzept zur Durchführung individuell auf jedes Unternehmen UND auf die Mitarbeiter auszurichten sowie unmittelbar und ERFAHRUNGSBEZOGEN im gelebten Alltag durchzuführen.

Belastungen und Beanspruchungen zusammen denken

Rahmenvorgaben sehen vor, psychische Belastungen im Betrieb zu ermitteln ohne auf die entstehenden individuellen Beanspruchungen zu schauen. Das allein zu ermitteln ist eine Dokumentation für leere Aktenschränke und führt zum Gießkannenprinzip bei der Maßnahmenableitung. Dennoch werden psychische Gefährdungsbeurteilungen zumeist in dieser Art durchgeführt und führen sich damit selbst ad absurdum. Es ist Führungsverantwortlichen kaum zu verdenken, psychische Gesundheit eher als lästiges Beiwerk zu belächeln anstatt den selbstverständlichen und maßgeblichen Faktor der Unternehmensmatrix im Alltag wert zu schätzen – und auch zu leben.

Um dies zu verändern, ist kein psychisches Röntgen erforderlich. Möglich ist aber eine anonyme Datenerhebung, an welcher Stelle im Unternehmen für wie viele Mitarbeiter welche Stressoren zur Beanspruchung werden.

Zeitdruck kann beanspruchend sein, muss er aber nicht. Für Eva wird Zeitdruck erst zur Beanspruchung, wenn sie zugleich schwierige Gespräche mit Kunden führen muss und ihre Arbeitsabläufe durch viele Mails gestört werden. Martin ist beansprucht von regelmäßiger Unterforderung, lässt seinen Frust an den Kollegen aus und erwägt den Arbeitgeber zu wechseln, weil er das Führungsverhalten seines Vorgesetzten als wenig wertschätzend und entwicklungsfördernd empfindet. Nur zwei von Millionen unterschiedlich korrelierenden Belastungen, die auf vielfältige Persönlichkeiten treffen.

Datenerhebung im Kontext – erfahrungsbasiert, anonym, digital und persönlich

Am Ende der von mir durchgeführten digitalen Datenerhebung liegt eine konkrete Statistik zu solchen Korrelationen zwischen den spezifischen Stressoren einzelner Mitarbeitenden (anonym!) vor und zugleich eine Gesamtauswertung aller Teilnehmer:innen.

Die Abfrage beansprucht täglich nur eine Minute und erfasst das aktuelle Tagesempfinden über einen vorher abgestimmten Zeitraum (i. d. Regel 30 Tage). Während eine zumeist übliche und einmalige Reflektion aus der Erinnerung zur Ausfüllung eines komplexen Fragebogens, dessen Anblick bereits für Unlust sorgt, nur einen einzigen Moment im Rückblick abbildet. Auch der Zeitraum sollte vorab behutsam ausgewählt werden, denn die Ergebnisse werden z.B. in einer Softewarefirma in der finalen Phase anders sein als zu Beginn eines Projektes.

Zusätzlich ist eine persönliche Impulsbefragung vor Ort implementierbar, deren Ergebnisse vertraulich behandelt werden und ermöglichen, über die tägliche Abfrage hinaus konkretes Entwicklungspotenzial festzustellen.

Solch ein Konzept trägt aus meiner Sicht dem Ansatz Rechnung, so nah wie möglich an der Berufswirklichkeit des Unternehmens und der individuellen Persönlichkeit der Mitarbeiter:innen zu sein, um sowohl wirtschaftlich als auch gemessen am psychischen Mehrwert messbar und nachhaltig die Arbeitswirklichkeit zu verändern.

Fazit: Psyche als Potenzial

Wenn unsere Psyche nicht mehr als Stiefkind geringgeschätzt und nicht mehr als finanzielle Belastung verbucht werden soll, dann stehen alle Profis in der Verantwortung zu liefern: Die Psyche als sichtbar gemachtes, erfolgreiches Produkt, messbar in der Bindung an das Unternehmen, an der Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft, an der mentalen und körperlichen Fitness, an störungsfreien Abläufen und dem Anwachsen des kreativen Potenzials aller Mitarbeiter:innen.

Mein Lösungsansatz zur Schließung der Lücke im System besteht darin,

  • erstens anzuerkennen, dass es sich bei der Passung von Mensch und Arbeit um fortlaufende Prozesse handelt, die so individuell sind wie Menschen und Unternehmen selbst;
  • zweitens zu begreifen, dass der Mensch in einer zunehmend komplexer werdenden Arbeitswelt nicht mit einfachen Programmen auf Autopilot einzustellen ist. Es gilt genau hinzuschauen und sich fortwährend zu fragen, was gebraucht wird, um Arbeit und Menschen eine gute Balance zu ermöglichen.

Stellen wir uns der Komplexität, erkennen wir an, dass es Zeit, Kompetenz, Engagement und monetäre Investitionen kostet, Arbeit so zu gestalten, dass Menschen langfristig gerne lernen und arbeiten, Leistung für sich und ihr Unternehmen erbringen und sich so mit der Unternehmenskultur identifizieren, dass auf beiden Seiten am Ende des Tages ein Gewinn gebucht werden kann:

„Success is liking yourself, liking what you do, and liking how you do it.“

(Maya Angelou)

Dazu bedarf es einer fortwährenden, präventiven Vorsorge, die den Menschen im Blick hat als ressourcenvollen und werthaltigen Motor unternehmerischer Agilität, dessen Potenzial die Chance birgt, vielfältig erfolgreich UND glücklich zu sein.


Die Autorin: Dr. Ina Mähringer, Business- und Life Coach

Dr. Ina Mähringer ist Mutter von zwei Kindern und in ihrem gegenwärtigen Leben als Business und Life Coach mit einer eigenen Praxis in Wuppertal tätig. Für die Durchführung von Coachings, Trainings und psychischen Gefährdungsbeurteilungen kommt sie auch in die Unternehmen vor Ort 

Bei aller Innovationskraft ist sie digital noch recht klassisch unterwegs. Du findest sie auf ihrer Webseite, auf Xing und LinkedIn und in absehbarer Zeit auch auf einigen SocialMedia Kanälen. Ab April wird sie dort in Form von Videos über das Thema psychische Gefährdungsbeurteilung und das von ihr entwickelte Konzept informieren.

Ihre Kontaktdaten:

Dr. Ina Mähringer
Friedrich-Engels-Allee 161a
42285 Wuppertal 

E-Mail
Website
LinkedIn
Xing
Xing Coaches + Trainer
Instagram
Youtube

Weitere Links:

„Förderung der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens am Arbeitsplatz“ vom Bundesministerium für Gesundheit

„Psychische Belastungen“ vom Landesinstitut für Arbeitsbelastung 

Raus aus dem Mama-Stress im Alltag

Raus aus dem Mama-Stress im Alltag

„Mir geht es nicht gut! Ich fühle mich psychisch überfordert. Ständig bin ich so schnell gestresst und meine Belastbarkeit ist gesunken. Ich bin nicht glücklich.“ Mit diesen Worten ist 2015 mein Gedankenkarussell immer wieder angesprungen. Ich konnte als neugebackene Mama den Spagat zwischen Familie-Beruf und mir selbst nicht schaffen. Ich habe mir beruflich zu viel Druck gemacht, hatte ständig ein schlechtes Gewissen meiner Tochter gegenüber (die Angst ihr nicht gerecht zu werden) und keine Energie für die Partnerschaft. Aber erst recht keine Zeit und liebevolle Gedanken mehr für mich! Mein Mama Alltag war definitiv nicht so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Was war passiert? Mir geht es ja grundsätzlich gut. Meine Familie ist gesund, ich kann arbeiten… Eigentlich alles bestens. Aber es fühlt sich nicht so an!

Heute weiß ich, dass es durch die vielen kleinen Dinge, Todos und „Rollen“ im Mama-Alltag schnell zu solchen emotionalen Belastungen kommen kann. Es war eine Mischung aus Hilflosigkeit, Stress, falschen Werten und fehlender Selbstliebe. Heute bin ich dankbar für diese Situation, denn sie war der Anstoß für mein neues Leben, meinen Gang in die Selbstständigkeit und meine persönliche Entwicklung.

Achtsamkeit

Ich war durch mein intensives Sporttreiben oft extrem zu mir und meinem Körper. Ich hörte nicht auf seine Rückmeldungen, sondern wollte mit Disziplin mein Programm abspulen und funktionieren: „Das muss doch alles klappen!“ Tat es aber nicht, das merkte ich besonders in der Stillzeit. Sport treiben, die Figur formen, das Kind ernähren, mich im Job beweisen, glücklich wirken und eine gute Partnerin sein. Mich überrollte irgendwann ein Zug. Zum Glück hatte ich zuvor die Achtsamkeit und Dankbarkeit kennen gelernt. Ich begann, wieder die Stimme meines Körpers zu hören und gab mir das, was ich brauchte. Legte den Fokus auf Positives und erkannte, für wie viele Dinge ich täglich dankbar sein konnte. Das hat ehrlich gesagt etwas gedauert, war mit vielen Aufs und Abs verbunden.

Meine 10 Tipps für gestresste Mütter

1. Gelassenheitsgedanken

Wer ist schon wirklich vorbereitet aufs Mamasein? Vorbereitet auf alle Altersklassen mit ihren Höhen und Tiefen. Keine. Oder? Tief in unserem Herzen, wissen wir, was Mamasein bedeutet. Was Du für Dein Kind tust, machst Du aus Liebe und um das Beste zu bewirken. Du bist eine wunderbare Mama! Dieses Urvertrauen schenkt Dir immer wieder Gelassenheit.

2. Sich um sich selbst kümmern

Höre auf Deinen Körper, er hat Bedürfnisse, die erfüllt werden wollen. Gönne ihm regelmäßige Pausen und sorge für den richtigen Ausgleich zu Belastungen und stressigen Situationen. Oft hilft es, Dir alles zu notieren, was Dir durch den Kopf geht. Bedürfnisse, Gefühle, Wünsche…

Höre auf deinen Körper!

3. Der erste Schritt zu Deinem Mama Care Paket – Das Visionsbild

Stelle Dir Fragen. Was möchte ich eigentlich? Welche Dinge müssen in meinen Alltag kommen, damit ich erfüllt lebe? Was soll meiner Meinung nach anders sein, damit ich glücklich bin?

Antworten auf diese Fragen sind nicht immer einfach zu finden. Gestalte Dir ein Visionsbild, welches alles zum Ausdruck bringt. Nutze dazu Bilder aus Zeitschriften und schneide aus, was Dir entspricht und Dich anspricht. Danach sortierst Du durch und kommst dabei immer mehr in Deine Klarheit. 

Eine Vision vom Wunschalltag gestalten.

4. Meditationen und Entspannungsübungen

Regelmäßige Übungen helfen Dir, in das Gefühl Deines Wunschalltags zu spüren. Das kann ein Schlüsselmoment werden, durch den Dir vieles klarer wird. Ich kann Dich nur ermutigen zu überlegen, welche Gefühle Deinen Alltag bestimmen sollen. Dann findest Du die passenden Dinge, die diese Gefühle auslösen und Schwups hast Du Deine Vorstellung, Deine Vision vom Wunschalltag. Ach so, diese Vision kann natürlich immer wieder angepasst werden.

5. Was sind die nächsten Schritte?

Ist die Vision für Dich klar, setze sie langsam aber sicher in die Tat um. Was kannst Du heute, morgen, in einem Jahr, in fünf Jahren umsetzen, damit Du zu Deinem Ziel kommst? Erstelle Dir einen Schritt für Schritt Fahrplan z. B. mit einzelnen Sachen, wie regelmäßig kleine Pausen mit Entspannungsübungen einbauen, ein kurzes Journal führen, ein Dankbarkeitstagebuch schreiben usw.

6. Nicht den Kopf in den Sand stecken

Auch wenn es sich für Dich jetzt schrecklich kompliziert oder viel anfühlt. Gehe einen Schritt nach dem anderen und bleibe auch mal stehen. Es ist auch nicht schlimm, wenn Du sogar manchmal gefühlt rückwärtsläufst, denn Du machst es für Dein Ziel, Dich glücklich und frei zu fühlen. Tu Du es – für dich!

Nimm Dir Zeit für Dich!

7. Reflektieren

Was tut Dir gut, was schadet Dir. Das kannst Du auf die Ernährung, auf Sport, auf Beziehungen, auf alle möglichen Dinge in Deinem Leben beziehen. Schreibe Dir auf, was Energieräuber und nutzlose Zeitfresser sind und ersetze sie, wenn möglich durch Energietankstellen und Dinge, die Dir Lebensfreude schenken.

Energietankstellen sind Dinge, die Dir Lebensfreude, Energie, Gesundheit und Liebe schenken. Liste sie auf und baue täglich etwas davon in Deinen Alltag ein.

8. Erfolge feiern

Mit dem Perspektivwechsel auf den Wunschalltag stellen sich die ersten Erfolge ein. Feiere sie auf Deine Art und Weise, egal, welches Ziel Du hast. Ob Gewichtsreduktion, einen beruflichen Wechsel, gelassener und ruhiger zu werden (Persönlichkeitsentwicklung) oder Sonstiges. Du bist genial, so wie Du bist. Denn Du kannst alles erreichen, was Du möchtest und Deine Erfolge geben Dir Recht.

9. Der dankbare und positive Blick

Stelle Dir täglich die Frage, für was Du heute dankbar bist. Was gibt es positives, besonders in schlechteren Zeiten? Halte diese Gedanken in einem Journal fest oder baue es in ein Ritual mit Deinen Kindern (bei den Mahlzeiten oder beim Zubettgehen) ein.

10. Tagesablauf planen

Strukturiere Deinen Familienalltag. Dadurch sparst Du Zeit, Nerven und Diskussionen. Plane den Tagesablauf direkt für eine ganze Woche. Stelle einen Essensplan auf, sodass nur ein Großeinkauf pro Woche ansteht. Arbeitszeit, Freizeit und Familienzeit werden ebenfalls soweit wie möglich vorgeplant. Das bewirkt, dass man sich gegenseitig den Rücken freihalten kann, ohne täglich darüber zu diskutieren, wer, wann, wie viel Me-Time hat.

Ich hoffe, dass für Dich hilfreiche Punkte unter den Mama-Tipps waren. Lass mich gerne wissen, was Du für Dich mitgenommen hast. 

Deine Jenny


Die Autorin: Jenny Weber, Preventlia

Ich bin Jenny, selbstständig mit unserem Unternehmen Preventlia seit 2016, Gesundheitsmanagerin und gesundzufriedene 2-fache Mama. Ich zeige Familien und im Speziellen Müttern, wie sie ihr Wohlbefinden und die Familiengesundheit in die eigene Hand nehmen. Durch meine langjährige Erfahrung weiß ich, worauf es ankommt, und helfe gerne auch Dir zu mehr Energie, Ruhe und Entspannung im Familienalltag. Ich bin kein Freund von Pauschallösungen und viele Konzepte setzen meiner Meinung nach nicht an der richtigen Stelle an. Bei mir geht es in aller erster Linie um DICH und DEINE Wünsche. Der Rest kommt dann meist von selbst …

Preventlia GbR
Friedrichstraße 9
54531 Manderscheid

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Der Elternpodcast von Preventlia: Gesund und entspannt im Familienalltag
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Mein Geschenk an dich: www.preventlia.de/hoerbuch

Diagnose Brustkrebs: Plötzlich steht das Leben still

Diagnose Brustkrebs: Plötzlich steht das Leben still

„Bei mir wurde vor 20 Jahren Brustkrebs diagnostiziert. Das haut einen so richtig um! Auch dem eigenen Umfeld macht das zu schaffen“, sagt Brigitte Dillenhöfer vom Dortmunder Verein LebensLäufe e.V. „Man fällt in ein extrem tiefes Loch und fühlt sich ausgeliefert, da man nicht weiß, was jetzt passiert. Das gewohnte Dasein ist Geschichte, alles ist verloren und man muss seine Unabhängigkeit aufgeben, da man komplett fremdbestimmt von einer Klinik gemanagt wird. Man kommt sich schnell ohnmächtig vor: Termine werden verschoben, man fühlt sich abgefertigt und bekommt keinerlei Stabilität oder Sicherheit in dieser Situation.“

Doch die heute 85-Jährige ist froh, da sich das zum Teil verbessert hat. Sie erklärt, dass es mittlerweile in vielen Städten Brustkrebszentren gibt, die die Betroffenen in vielerlei Hinsicht unterstützen. In Dortmund gibt es drei und alle genießen einen sehr guten Ruf.

Aufgaben der Brustkrebszentren

„In den Brustkrebszentren wird die Anfangsuntersuchung durchgeführt, die Krebsart bestimmt und der Behandlungs- und Therapieplan erstellt. Meistens stehen sind es Bestrahlungen, Operationen und Chemotherapien auf dem Behandlungsplan. Ob das einzeln oder in einer Kombination und in welcher Reihenfolge durchgeführt wird, ist von den Untersuchungsergebnissen abhängig.“

Der Vorteil dieser Zentren: jede Patientin hat einen Ansprechpartner und alle Unterlagen liegen an einer Stelle. Die Betroffenen brauchen sich nicht um die Koordination zu kümmern, d. h. sie müssen sich nicht mit den einzelnen Fachärzten und der Terminfindung rumärgern. Der Umgang mit der eigenen Situation kostet schon extrem viel Kraft.

Es ist also besser, sich im Raster der Brustkrebszentren zu befinden. Viele andere Krebsarten sind nicht so gut aufgestellt, es gibt riesigen Nachholbedarf.

Dauerhaft aus dem Leben geworfen

Nach der Diagnose folgt die Therapie mit zahlreichen Terminen und Zwischenuntersuchungen. In dieser Zeit richten die Frauen ihren Fokus auf die Krankheit, das vorherige Leben ist quasi nicht mehr präsent. Das macht es auch für die Angehörigen schwierig. Sie müssen – und wollen natürlich – helfen und nehmen Rücksicht, doch das kann enormen Stress verursachen. Erschwerend kommt hinzu, dass meist noch Medikamente eingenommen werden, die nur selten gut verträglich sind.

Die Anschlussheilbehandlung

Die Krankenkassen bieten nach der Therapie eine Anschlussheilbehandlung (AHB) an. In diesen drei bis vier Wochen soll die Psyche, der Geist und der Körper wieder aufgebaut werden, um gut zurück ins eigene Leben zu kommen. Doch das funktioniert meist nur begrenzt. Denn in diese Wochen müssen sich die Betroffenen eingestehen, dass sie nicht nahtlos an das Leben vor der Diagnose anzuknüpfen können. Durch die Erkenntnis, dass sie immer noch mental und körperlich geschwächt sind, fallen sie häufig in das nächste tiefe Loch.

„Einige Frauen“, so Brigitte Dillenhöfer, „möchten nicht länger von der Familie getrennt sein und lehnen diese Behandlung ab. Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass es besser ist, die Zeit zu nutzen und sich auf das Angebot einzulassen. Damit kann man sich etwas besser auf die Zeit nach der Therapie vorbereiten und teilweise können die Kinder auch mitgenommen werden.“

LebensLäufe e.V.: Mehr als „nur“ Laufen gegen den Krebs

Im Jahr 2001 hatten einige Frauen mit einer Brustkrebsdiagnose die Idee, den Verein „LebensLäufe e.V.“ zu gründen. Auf der Website steht: „Wir – das sind vom Krebs Betroffene und Nicht-Betroffene – hatten eine Idee: wenn es medizinisch-wissenschaftlich sicher ist, dass sich durch ein gezieltes Lauftraining ein Großteil aller Tumore verhindern lässt, dann ist es einen Versuch wert, einfach mit dem Laufen zu beginnen.“

Sie erklärt, dass der Sport den körperlichen und mentalen Aufbau wunderbar fördert. „Uns geht es nicht nur ums Laufen, dazu kommen der Austausch während der Bewegung und die Sportübungen, die an das gesundheitliche Level der Teilnehmerinnen angepasst sind. Besonders hilfreich für die Frauen sind die ungezwungenen Gespräche, die sich um die „Kleinigkeiten“ drehen, die im Alltag eine enorme Belastung darstellen.

Während vieles wund ist und schmerzt, der Körper, die Kleidung, die Psyche, findet während der Sportstunde eine aktive Gestaltung des Austausches statt. Ob zu zweit, in einer Kleingruppe oder sogar in der großen Runde – die Hilfe von Menschen, die das schon erlebt haben, hat eine hohe Qualität und lässt sich leichter annehmen als die Hilfe der Familie und der Ärzte.

Gespräche die die Welt verbessern

Dabei geht es z. B. um Haare, Perücken, Fußpflege und Probleme mit den Lymphen, die noch lange Zeit nach der Anschlussheilbehandlung auftreten können. Dann wird der Arm dick, weil Lymphknoten entfernt wurden und der Lymphfluss unterbrochen ist. In der Sportstunde erfährt man auf kleinem „Dienstweg“, dass die Krankenkassen die Kosten für die Lymphdrainage übernehmen und es werden Übungen gezeigt, die einen besseren Lymphabfluss unterstützen.

Es geht auch um peinliche Situationen, wie z. B. im Schwimmbad. Die Brustprothese ist recht schwer, um optisch „normal“ zu wirken. Sie wird in eine extra dafür vorgesehene Tasche eines teuren Badeanzugs gesteckt. Doch bei der Wassergymnastik rutscht sie immer tiefer Richtung Bauchnabel. Der Stoff am oberen Körperende wird weniger, die Narbe ist deutlich zu sehen. Von außen betrachtet mag das eine Kleinigkeit sein, doch durch die Erkrankung und das gesamte Drumherum, ist das Nervenkostüm dünn und in solchen Momenten bricht eine ganze Welt zusammen.

Es geht um mehr als „nur“ Laufen, denn die Gespräche tun gut und helfen bei der Bewältigung des Alltags. Die Krankenkassen haben das erkannt und übernehmen die Teilnahmekosten als Reha-Maßnahme für 1,5 Jahre. 

Der Verein „LebensLäufe e.V.“

Brigitte Dillenhöfer erzählt, das häufig davon gesprochen wird, schon während der Therapie mit dem Sport zu beginnen. Ihrer Erfahrung nach sollte das individuell dosierte sein, um mögliche Ausfallzeiten berücksichtigen zu können. In der Gruppe steigen jedoch die Erfolgsaussichten ein gutes Level zu erreichen, wenn die Betroffenen erst im Anschluss an die AHB damit starten. „Während man früher mit der Diagnose in Rente geschickt wurde, geht es heute wieder zurück ins Arbeitsleben. Während der beruflichen Wiedereingliederung sind viele Arbeitgeber bereit, die Frauen für den gesundheitlichen Aufbau im Verein freizustellen.“

Augenblicklich laufen freitags unter Coronabedingungen zwei Gruppen mit zusätzlichem Walking-Training. „Aktuell fehlen uns Trainer:innen, die im Reha-Sport tätig sind und Interesse daran haben, in einem gewissen Rahmen auf die Teilnehmenden einzugehen. Die aktiven Teilnehmer sind coronabedingt weniger geworden“, bedauert sie. „Viele Betroffene, Frauen oder Männer, genieren sich und wollen nicht über ihren Kummer sprechen. Sie öffnen sich leichter bei Menschen, die ähnliches erlebt haben und die Situation verstehen können, daher ist unser Angebot so wichtig.“

Der Verein hat Perspektiven auf eine neue Räumlichkeit. Dort könnte die Bewegung auch unter Corona-Auflagen stattfinden. Brigitte Dillenhöfer freut sich darauf und hofft, dass die Teilnehmerzahlen wieder steigen. Denn auch wenn die Krankenkasse nicht mehr zahlt, kann man dem Verein treu bleiben und mitmachen. „Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 10,00 Euro im Monat“, schmunzelt sie, „dass das gut angelegt ist, sieht man an den Frauen, die schon viele Jahre dabei sind und mit ihrer Erfahrung und wertvollem Input unsere „Neuzugänge“ begleiten.“

Kontaktdaten:

LebensLäufe e.V.
Lütgendortmunder Hellweg 102
44388 Dortmund
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Weitere Links:

Deutsche Krebsgesellschaft, Basisinformationen Brustkrebs 

Deutsche Krebshilfe: Brustkrebs 

Deutsche Gesellschaft für Senologie: Liste der Brustzentren in Deutschland 

Ratgeber Brustkrebszentrum, GFMK GmbH & Co. KG in Bergisch Gladbach 

Ärztekammer Westfalen-Lippe, Brustzentren in NRW 

Deutsche Krebsgesellschaft – Zertifizierte Zentren 

Brustkrebs: Fragen und Antworten auf Frauengesundheit.life 

Brustkrebslauf 2021 – Deutsche Krebshilfe