Wer träumt nicht von der Rente? Endlich genug Zeit für lange Frühstücke ohne Termine, für ausgedehnte Urlaubreisen in ferne Länder, inspirierende Freiwilligenprojekte oder einfach Chillen und einem stummen Wecker, der nicht mehr mitten in der Nacht klingelt.
Aber für viele Frauen in Deutschland ist dieser Traum nicht nur eine Frage des „Möchte ich gerne“, er hängt unweigerlich mit dem Wort „Geld“ zusammen. Wir leben zwar im fortschrittlichen 21. Jahrhundert, aber in der Realität schauen Frauen auch nach einem langen Arbeitsleben häufig mit einem mulmigen Gefühl auf den Ruhestand. In Deutschland arbeiten rund 77 % der Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren, dennoch sind viele von der Altersarmut betroffen. Das hängt damit zusammen, dass Frauen häufig nur in Teilzeit arbeiten und nebenbei Kinder oder Eltern versorgen. Sie bekommen geringere Löhne und haben Ausfälle durch die Erziehungszeiten. Bei vielen Frauen führen diese Gründe zu einer Rente unter 1.000 Euro. Besonders betroffen sind Frauen mit biografischen Brüchen, Alleinerziehende oder Minijoberinnen.
Frauen im Alter über 65 Jahren bekommen deutlich weniger Rente als Männer: Deren durchschnittliche jährliche Renteneinkünfte lagen – nach aktuellen Zahlen – fast ein Drittel niedriger als die der Männer (Quelle: Destatis). Was bedeutet das für den (Renten-)Alltag? Viele Frauen schauen auf einen Rentenbescheid, bei dem am Ende des Monats nicht mehr viel übrigbleibt.
Meine Geschichte
Ich bin Iris, 63 Jahre, seit 10 Jahren selbständig und arbeite unter anderem als Redakteurin in unserem Team. Vor der Selbständigkeit habe ich über 30 Jahre festangestellt und mit einem überdurchschnittlich guten Gehalt gearbeitet. In den Jahren der Selbständigkeit konnte ich nur noch wenig Geld in die Rentenkasse einzahlen, was sich am Ende natürlich auf die Höhe der zu erwartenden Rente auswirkt. Mit 63 Jahren stehe ich jetzt vor der Frage, wann kann und wann will ich in Rente gehen? Und wie muss ich mein Leben verändern, damit ich mit meiner Rente gut leben kann?
Schnell war mir klar, dass ich meine Ausgaben reduzieren muss, wenn ich mit meiner Rente auskommen will. Meine Lösung, mit der ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen habe: ich bin endlich dorthin gezogen, wo ich schon sehr lange wohnen wollte – nach Friesland. Mit meiner neuen, kleineren Wohnung, ebenerdig und ruhig gelegen, erfülle ich mir den langgehegten Traum vom Landleben und habe meine Ausgaben gleichzeitig um ein Viertel reduziert. So kann ich ab Mai 2026 sogar drei Jahre früher Rente beziehen und trotz der Abschläge von rund 11 % (!) gut leben.
Andere Frauen erzählen ihre Geschichten
Es gibt weitere Beispiele, die wir für Dich in unterschiedlichen Dokumentationen gefunden haben.
Da ist Heidi, 65 Jahre, aus Nordhessen. Sie hat ihr ganzes Leben in unterschiedlichen Berufen gearbeitet – im Einzelhandel, als Hospizhelferin und zeitweise im Büro. Ihre Rente? Rund 600 Euro im Monat. So viel, dass sie trotz harter Arbeit ihr Leben nicht so gestalten kann, wie sie es sich erträumt hatte. Arbeit im Ruhestand? Für Heidi keine romantische Idee, sondern Notwendigkeit: Sie arbeitet noch an sechs Tagen in der Woche in einem Minijob, weil sie sich besser fühlt, wenn sie Geld verdient und weil sie ihren Enkeln etwas bieten möchte, ohne nur zuzusehen.
Und dann ist da die 71-jährige Frau aus Regensburg, die über 45 Jahre Vollzeit gearbeitet hat – als Erzieherin, später in technischen Betrieben. Trotz dieser langen Erwerbsbiografie reicht ihre Rente nicht einmal für einen gelegentlichen Café-Besuch am Nachmittag. Sie erzählt, dass sie lieber zu Hause bleibt, Wasser trinkt und genau nachrechnet, statt wie früher spontan mit Freundinnen auszugehen. Sie beantragt Wohngeld und muss sich Unterstützung von sozialen Einrichtungen holen, um über die Runden zu kommen. Dabei hat sie ihr ganzes Leben lang gearbeitet und sich nichts zu Schulden kommen lassen.
Dorishat früh vorgesorgt, sich extra privat abgesichert und bezieht jetzt eine stabile Rente. Sie kommt mit wenig aus, hat aber die Sorge, kein Polster für Unvorhergesehenes zu haben. Daher hat sie einen 450-Euro-Job angenommen und spart diesen Betrag. Es sind ihre Rücklagen für die Steuer und unvorhergesehene Ausgaben. Und für sie ist es einfach schöner, mit Menschen in Kontakt zu sein und aktiv zu bleiben. Sie genießt ihren Ruhestand mit einem Sinn für Selbstbestimmung und Lebensfreude.
Bleibt das entspannte Rentenleben ein Traum?
Die Beispiele machen deutlich, wie unterschiedlich das Leben in der Rente verlaufen kann: Frauen, die mit trotzigem Lächeln weitermachen, Frauen, die nicht aufgegeben haben, und Frauen, die trotz harter Arbeit über Jahrzehnte immer noch ums finanzielle Überleben kämpfen müssen. All das hat seine Gründe: mehr Teilzeitbeschäftigung, Pausen im Berufsleben für unbezahlte und familiäreCare-Arbeit, geringere Löhne in typisch weiblichen Branchen, das sind die Tatsachen, dass fast die Hälfte aller Frauen im Rentenalter ein Risiko der Altersarmut trägt.
Aber was bleibt von dem Traum von der Rente, wenn die finanzielle Basis nicht vorhanden ist? Für viele ist es ein Mix aus Anpassung, neuen Routinen und neuem Mut. Einige Frauen entdecken in der Rente mehr Zeit für Freundschaften und Ausflüge, die sie sich früher zeitlich nicht leisten konnten. Sie melden sich zu Volkshochschulkursen an, machen Pilates am Vormittag, gestalten ihren Garten um oder lernen endlich Spanisch. Die Zeit der Rente wird so zu einer Bühne für Selbstverwirklichung – trotz oder gerade wegen der Herausforderungen.
Und da sind sie, die schönen Momente: Der Kaffee am frühen Morgen mit langjährigen Freundinnen, die Fahrradtour mitten in der Woche, das Konzert im Park oder einfach der Blick auf den See an einem Sommernachmittag. Manche Frauen sehen die Rente nicht als Ende der Leistungsfähigkeit, sondern als Anfang einer neuen Freiheit. Es ist die Freiheit, den eigenen Tag selbstbestimmt zu gestalten, statt einem Zeitplan zu folgen, der von anderen diktiert wird.
Ja, die Zahlen sind hart. Viele Frauen wissen, dass ihre Rente niedriger ausfällt als die ihrer männlichen Altersgenossen, und berichten von Existenzängsten und Sparsamkeitsstrategien, um zurechtzukommen. Aber gleichzeitig haben sie ihre Träume – Bücher, die sie noch schreiben möchten, Reisen, die sie noch antreten wollen, Enkelkinder, die sie aufwachsen sehen möchten und die Kunst, jeden Tag mit einem Lächeln zu beginnen.
So viel ist klar: Der Traum von Rente ist nicht einfach eine Abfolge von Zahlen auf dem Kontoauszug – er ist eine Lebensphase, die man bewusst leben kann, mit all den Höhen und Tiefen. Und wir Frauen, die wir unseren Traum heute leben, zeigen, dass das Leben auch im Alter so bunt und vielfältig ist wie das Leben selbst.
Hast Du noch Gedanken oder Tipps für unsere Leser:innen, dann hinterlasse uns gern einen Kommentar.
Ich wünsche Dir, dass Du Dir von Deiner Rente alle Träume erfüllen kannst!
Stell dir vor, jeden Monat gehen Millionen Liter einer Ressource verloren, die im besten Fall mehr kann als nur „lästig“ zu sein. Klingt das nach einem ökologischen Skandal oder einem verpassten medizinischen Durchbruch? In der neuen ARTE-Doku „Verschwenden wir Periodenblut?“ wird genau diese Frage gestellt: Wieso schmeißen wir eigentlich etwas weg, das uns so natürlich begleitet, aber vielleicht so viel mehr sein könnte als nur der nervige Teil des Monats? Kann es sein, dass es nicht erforscht oder genutzt wird, weil es „aus“ einer Frau kommt? In der Vergangenheit standen die Männer im Fokus, wenn es zum Beispiel um die Entwicklung von Medikamenten oder Untersuchungen zu Heilungsmöglichkeiten ging.
Menstruationsblut, dieser rote Fluss, der immerhin 43 Mio. Frauen in Deutschland monatlich über viele Jahre begleitet, gilt in unserer Gesellschaft meist als lästig, eklig oder schlichtweg als Abfall.
Grundlegendes
Frauen verlieren während ihrer Periode zwischen 30 und 120 ml Blut, jeden Monat; rund 400mal, bevor die Menopause einsetzt. Sie verlieren also 12 bis 48 Liter Blut in ihrem Leben. Monatlich landen weltweit mehr als 100 Millionen Liter des sogenannten Periodenbluts im Müll oder im Abwasser – nur, weil wir es nicht anders kennen und es als „unnütze Flüssigkeit“ betrachten. Dabei ist es längst klar, dass wir hier etwas völlig unterschätzt haben.
Ein kleiner Blick ins Grundlegende sei gestattet: Menstruation, die sogenannte Regelblutung oder schlicht „Periode“, ist ein ganz natürlicher Teil des weiblichen Körpers und seines Zyklus. Der Begriff beschreibt eine periodisch wiederkehrende Blutung aus der Gebärmutter, bei der die vorher aufgebaute Schleimhaut abgestoßen wird – ein Vorgang, der im Durchschnitt vier bis fünf Tage dauert und etwa einmal im Monat stattfindet.
Screenshot aus der Dokumentation – Copyright: ARTE
Period Shaming – warum wir uns immer noch schämen
Menstruation ist biologisch banal, gesellschaftlich aber noch immer aufgeladen. Der Begriff „Period Shaming“ beschreibt genau dieses Phänomen: das Beschämen, Tabuisieren oder Lächerlich machen von Menschen, die menstruieren. Period Shaming führt weltweit dazu, dass Betroffene ihre Periode verstecken, nicht darüber sprechen oder sogar von Bildung und Arbeit ausgeschlossen werden. In manchen Kulturen gelten menstruierende Frauen als „unrein“, dürfen bestimmte Orte nicht betreten oder werden sozial isoliert. Aber auch bei uns zeigt sich das, nur subtiler: blaue Flüssigkeiten in Werbespots, peinliches Schweigen auf der Arbeit oder das reflexartige Verbergen des Tampons auf dem Weg zur Toilette. Diese Scham befeuert das Mindset, dass Menstruation ein Störfaktor ist – und genau das bremst Forschung, Aufklärung und medizinischen Fortschritt.
Screenshot aus der Dokumentation – Copyright: ARTE
Fortschritte durch intensive Forschung
Besonders spannend ist die Frage nach dem, was dieses Periodenblut sein könnte. Forscherinnen und Forscher schauen genauer hin: Was, wenn sie ein unterschätztes medizinisches Potenzial erkennen? In der Doku erzählen Medizinerinnen, Start-ups und Wissenschaftlerinnen von Projekten, die genau das versuchen.
Da ist zum Beispiel die Ärztin, die eine Menstruationsbinde entwickelt hat, die mehr kann, als nur Blut aufsaugen: Sie misst damit den Blutzuckerspiegel – ein völlig neuer Blick auf einen Alltagsgegenstand. Oder die Idee, dass Periodenblut helfen könnte, Krankheiten wie Gebärmutterhalskrebs oder sogar Endometriose leichter zu erkennen.
Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen und gleichzeitig eine der am schlechtesten verstandenen. Es handelt es sich dabei um eine Krankheit, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst. Dieses Gewebe reagiert auf den Zyklus, blutet mit – kann aber nicht abfließen. Die Folge sind oft starke Schmerzen, Entzündungen, Verwachsungen und in manchen Fällen Unfruchtbarkeit. Das Bittere daran: Viele Betroffene hören jahrelang, dass ihre Schmerzen „normal“ seien. Die durchschnittliche Zeit bis zur Diagnose liegt bei fünf bis sieben Jahren. Gerade hier könnte Periodenblut künftig eine Schlüsselrolle spielen, weil es Hinweise auf Entzündungen, hormonelle Veränderungen oder krankhafte Prozesse liefern kann, die bisher unsichtbar sind.
Gerade bei für Endometriose-Betroffene liegt eine großartige Verbesserung darin, wenn die Forschenden etwas im Periodenblut finden könnten, das auf solche Erkrankungen hinweist. Dann wäre das nicht nur ein medizinischer Fortschritt – es wäre ein sozialer Fortschritt für alle, die jahrelang leiden mussten und nicht ernst genommen wurden.
Dass die Forschung dieses Potenzial erst jetzt entdeckt – oder besser: ernsthaft erforscht – liegt nicht nur an der Wissenschaft selbst, sondern auch an gesellschaftlichen Hürden. Jahrhunderte lang galt Menstruationsblut als giftig oder gefährlich. Selbst renommierte Mediziner:innen des frühen 20. Jahrhunderts gingen davon aus, dass ein sogenanntes Menotoxin existiert, ein „Gift“, das im Blut menstruierender Frauen stecken könnte. Für diese Theorie gab es keinerlei wissenschaftliche Belege und sie gilt heute als überholter Irrglaube.
Wissenschaftlich betrachtet ist Menstruationsblut weit mehr als nur Blut. Es enthält auch Teile der Gebärmutterschleimhaut, die während des Zyklus aufgebaut und wieder abgestoßen wird, gemischt mit Schleim und weiteren Zellen. Diese Mischung macht es zu einem einzigartigen Biomaterial, das Forscherinnen und Forscher inzwischen mit neuen Augen sehen. Ein bisschen verrückt klingt es ja: Wir haben jahrzehntelang einen Teil unseres Körpers einfach als Abfall betrachtet, während sich darin vielleicht Hinweise auf unsere Gesundheit verbergen, vielleicht sogar Bausteine, die zur Heilung beitragen könnten. In Australien haben Studien gezeigt, dass Periodenblut bei der Wundheilung helfen kann. In Berlin untersucht man darin gefundene Stammzellen für mögliche therapeutische Anwendungen bei Arthrose.
Und dann ist da noch dieser Gedanke, der nach dem Schauen der Doku bleibt: Warum hat sich überhaupt so lange niemand ernsthaft darum gekümmert? Ein Grund ist sicher, dass medizinische Forschung lange Zeit männlich dominiert war. Dieser Umstand hat auch bei anderen Gesundheitsbelangen von Frauen dazu geführt, dass Untersuchungen als nachgelagerte Prioritäten eingestuft wurden. Vieles klingt ein bisschen nach Zukunftsmusik. Aber genau darin liegt der Reiz: Dieses vermeintlich „lästige“ monatliche Ereignis könnte uns helfen, Krankheiten früher zu erkennen, Schmerzen zu lindern und ein Stück weit mehr Verständnis für unseren eigenen Körper zu entwickeln. Und je mehr wir dieses Thema enttabuisieren, desto eher verlässt es die Ecke des „Schamvollen“ und geht dorthin, wo es hingehört: ins Licht der Forschung, ins Gespräch und mitten in unser Leben.
Denn am Ende ist Periodenblut nichts anderes als ein natürlicher Teil unseres Körpers – erstmal eben Menstruation, ein Zyklus, der uns begleitet und formt. Und vielleicht bald auch ein Schatz, der uns besser verstehen lässt, was in unserem Körper passiert. Wir verlieren jeden Monat ein kleines Stück von uns selbst – und gewinnen zukünftig neue, weitreichende Erkenntnisse, die das Leben ein Stück besser machen.
Vom Tag unserer Geburt an altern wir – jede Sekunde, jede Minute, jede Stunde, jeden Tag. In jungen Jahren merken wir davon nur wenig. Erst ab vielleicht 50 Jahren wird uns bewusst, dass sich etwas verändert hat.
Meine Großmutter hat immer wieder gesagt „Altwerden ist Mist“ – sie musste es wissen, denn sie ist stolze 96 Jahre alt geworden. Selbst ich mit Anfang 60 merke schon, dass sich mein Körper verändert. Vieles, was ich noch vor 10 Jahren ganz locker und leicht gemacht habe, fällt mir heute schwerer. Gehen kann ich noch, aber rennen funktioniert nicht mehr so richtig und nur noch wenige Schritte. Plötzlich brauche ich eine Lesebrille, weil ich Altersweitsichtig werde. Mein Kopf ist noch klar, aber mein Körper altert.
Ich versuche, mir ausmalen, wie mein Leben mit 80 Jahre aussehen wird. Ich wache auf, spüre sofort ein leichtes Ziehen in meinen Gelenken, die heute schon knacken. Mein Rücken meldet sich mit einem kleinen Protest, und schon beim Aufstehen denke ich: „Oh, das war früher anders.“
Willkommen im Alter
Willkommen in den 80-igern – ein Alter, in dem der Körper dir beim Aufstehen freundlich, aber bestimmt zuruft: „Langsam, bitte.“ In der ZDF-Dokumentation wagt der Redakteur Eric Mayer den Selbstversuch. Eric schlüpft für einen Tag in einen Altersanzug und erlebt hautnah, wie es sich anfühlt, wenn Kraft, Beweglichkeit und Sinne ihr eigenes Tempo gehen. Er spürt, wie das Gehen schwerer wird, wie das Bücken oder das Aufheben eines Einkaufsbeutels plötzlich eine kleine Expedition ist – jede Bewegung kostet Kraft, jede Kleinigkeit will bedacht sein.
Teile eines Altersanzuges
Zeitgleich zu der körperlichen „Entschleunigung“ verändern sich auch die Sinneseindrücke. Die Welt wirkt anders. Geräusche klingen dumpfer, Farben wirken grell, und auch der Geschmack, vielleicht früher detailliert und klar, verändert sich. Die tägliche Routine wird zwangsläufig bewusst plant, Schritt für Schritt. Der Alltag fühlt sich ruhiger, entschleunigter an, manchmal auch einfach gemütlich. Das heißt nicht, dass man sich alt fühlt wie ein knarzender Dachstuhl. Es fühlt sich eher an, als habe das Leben seinen Takt verändert.
Die Menschen werden immer älter – das belegen die Statistiken der Europäischen Kommission. Für Menschen, die heute geboren werden, liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in Europa bei etwa 81,7 Jahren. Gleichzeitig nimmt auch der Anteil sehr alter Menschen zu. Innerhalb von nur 20 Jahren (2004–2024) stieg der Anteil der Menschen über 80 Jahren von 3,8 % auf 6,1 %.
In Deutschland gibt es immer mehr Hochbetagte – etwa 17.900 Menschen, die mindestens 100 Jahre alt sind (Stand: Ende 2024). Das sind rund 25 % mehr als 2011. Nach Schätzungen könnte die Zahl der über‑80‑Jährigen in Deutschland bis 2070 auf rund 9,1 Millionen steigen – also ein wesentlicher Teil der Bevölkerung. Diese Zahlen zeigen, dass Altwerden längst nicht mehr eine Ausnahme, sondern für viele Menschen Realität ist und das betrifft nicht nur Einzelfälle, sondern unsere Gesellschaft als Ganzes.
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Tröstliches
Die Doku zeigt nicht nur Einschränkungen, sondern auch Würde, Gelassenheit und ein anderes Körpergefühl – ein Körper, der Geschichten erzählt. Menschen, die 80 oder älter sind, tragen Jahrzehnte mit sich, Erfahrungen, Erinnerungen und eine Tiefe, die der Jugend fehlt. Ihr Blick auf die Welt, auf die Mitmenschen, auf das eigene Leben – das hat etwas Weises, etwas Herzliches, etwas Ruhiges. In einem Alter, in dem man gelernt hat, dass nicht jeder Schritt rasant sein muss.
Altern heißt also nicht nur Abschied nehmen – von jugendlicher Agilität, von Muskelkraft, von Unbekümmertheit. Altern heißt auch: Ankommen in einem Körper, der seine Spuren trägt. Der vielleicht langsamer wird, aber ehrlicher. Der vielleicht knurrt, wenn man ihn überfordert, aber auch sanft seufzt, wenn man ihm Ruhe gönnt. Und der ein wunderbarer Begleiter für einen ruhigen, reifen Lebensabschnitt sein kann.
Klar – mit 80 zwinkert einem der Körper schon mal schelmisch zu: „Langsam, Liebling.“ Aber mit einem Lächeln. Und vielleicht mit der Überzeugung: „Ich hab’s mir verdient.“ Denn ein Leben voller Farben, Geräusche, Menschen, Erinnerungen – das spürt man. In jeder Falte. Und in jedem Atemzug.
Also ja: Manchmal fühlt sich der Körper mit 80 anders an. Meine Großmutter hatte nur teilweise Recht. Altern ist Mist, kann aber auch ziemlich spannend sein – achtsam, tief, weise.
Und das ist tatsächlich bereichernd!
In diesem Sinne – genieß‘ das Altwerden
Deine Iris Hüttemann (Redakteurin)
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Weitere Informationen und Dokumentationen zum Thema Altern
Die Menschen leben im 21. Jahrhundert, sind zum Mond geflogen, erobern die Tiefsee, reisen in Flugzeugen um die Welt, arbeiten am Klimawandel. Und sind anscheinend immer noch in den Rollenbildern der letzten Jahrhunderte gefangen!
Die Frage, ob Frauen heute zu viel fordern, lässt sich nicht beantworten, ohne den historischen Hintergrund zu betrachten. Die Anforderungen der Gegenwart stehen in einer Linie mit jenen Zeiten, in denen Frauen die Erfahrung gemacht haben, dass ihnen nichts geschenkt wurde. Jedes Stück Freiheit mussten sie sich erkämpfen. Diese Perspektive macht die modernen Erwartungen verständlich. Und vielleicht erklärt es auch, warum der Dialog zwischen den Männern und Frauen manchmal hakt: Männer entdecken gerade erst, wie es sich anfühlt, viel von sich selbst zu verlangen, während Frauen gelernt haben, dass das „Nicht Fordern“ zwangsläufig bedeutet, weniger zu bekommen.
Nehmen wir diesen historischen Blick ernst, erscheint die Frage „Fordern Frauen zu viel?“ plötzlich in einem anderen Licht. Vielleicht fordern Frauen nicht zu viel – vielleicht haben sie gelernt, endlich genug zu fordern.
Ein Blick zurück: Wie haben Frauen überhaupt gelernt „zu fordern“?
Forderungen durften Frauen jahrhundertelang nicht stellen! Die Geschichte der Gleichberechtigung ist nicht nur eine Reihe politischer Veränderungen, sondern ein leiser und oft gefährlicher Kampf um die weibliche Selbstbehauptung. Die modernen Forderungen entstehen nicht aus dem Nichts, sie sind das Resultat einer langen Tradition des „fordern Müssens“. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Leben der meisten Frauen durch eine Vielzahl von Pflichten definiert. Sie durften für eine funktionierende Familie sorgen, aber nicht über die Regeln bestimmen. Ihre „Selbstbestimmung“ galt nur innerhalb dessen, was als „weiblich“ angesehen wurde. Schulbildung und Studium wurden ihnen zwar nicht grundsätzlich verboten, aber meist erschwert. Frauen, die dennoch studierten oder berufliche Ambitionen zeigten, wurden als eigensinnig wahrgenommen, als Mensch, der seine „natürliche Aufgabe“ verfehlte. Forderungen nach Mitbestimmung galten als unweiblich und wurden manchmal sogar als Bedrohung für die gesellschaftliche Ordnung betrachtet.
Es ist erstaunlich, wie viel Mut Frauen brauchten, um einfach nur die Stimme zu erheben. Frauenrechtlerinnen wurden verspottet, kriminalisiert, oft verhaftet. Die frühen Feministinnen wussten, dass Gleichberechtigung kein Wunschzettel ist, der einreicht wird, sondern ein kraftaufwendiges Ringen um das Recht, überhaupt eine eigene Meinung vertreten zu dürfen. Dass Frauen wählen dürfen, über ihr Geld selbst entscheiden können oder ohne Erlaubnis ihres Ehemannes arbeiten dürfen, steckt historisch betrachtet noch in den Kinderschuhen.
Das Bewusstsein, dass die vermeintlichen Naturgesetze über Rollenbilder überhaupt keine sind, wuchs nur langsam. Je mehr Frauen Zugang zu Bildung, politischer Teilhabe und finanzieller Unabhängigkeit bekamen, desto mehr veränderte sich das Bild von dem, was eine Frau sein kann. Und mit dieser Veränderung keimte auch der Mut, Erwartungen zu artikulieren – die Forderungen nach Respekt, auf Augenhöhe zu agieren und dem Recht, nicht nur für die Familie, sondern auch für sich selbst zu existieren. Was damals noch Hoffnung war, ist heute in vielen Ländern Realität – aber eben nicht konfliktfrei. Frauen der Gegenwart stehen mit Plakaten auf der Straße, nicht weil sie wählen wollen, sondern weil sie partnerschaftliche Verantwortung einfordern. Sie können ein eigenes Konto eröffnen und ringen nun um das Recht, nicht allein die emotionale Last der Familien-Fürsorge zu tragen. Aus der Vergangenheit sind keine ungeduldigen Forderungen entstanden, sondern ein historisch tief verwurzeltes Bewusstsein dafür, mit welcher Notwendigkeit Erwartungen aus- und angesprochen werden müssen, statt zu schweigen.
Diskussion „Fordern Frauen zu viel?“
In der ZDF-Diskussion „Auf der Couch“ geht es um die provokante Frage „Fordern Frauen zu viel?“. Gemeint ist die weibliche Erwartungshaltung gegenüber Männern in einer zunehmend gleichberechtigten Gesellschaft. Die Kulturwissenschaftlerin Tara-Louise Wittwer und der Coach Ozan Taş wollen genau diese Spannung ausloten.
Erwartung versus Druck
Tara-Louise Wittwer vertritt eine klare Position: Sie sieht, dass Frauen längst nicht mehr nur erwarten, sondern berechtigterweise auf Gleichberechtigung beharren. Ihrer Ansicht nach müssen Männer sich ihrer bisherigen Privilegien bewusstwerden und dann aktiv zu einer Gleichstellung beitragen. Die Gleichberechtigung ist kein Geschenk, sondern ein Mindset, für das Mann einsteht, auch gegen gesellschaftliche Widerstände.
Auf der anderen Seite steht Ozan Taş, der das Bild eines Mannes zeichnet, der unter dem Gewicht moderner Erwartungen leidet. Für ihn sind viele der Ansprüche, die Frauen an Männer richten, sehr hoch. Das erzeugt nicht nur Druck, sondern verunsichert tief: Mannsein im Jahr 2025 ist nicht automatisch eine komfortable Rolle, sondern eine Herausforderung, die viele überfordert. Der Moderator Leon Windscheid nutzt in der Gesprächsrunde Interventionen, die aus der systemischen Paartherapie stammen: Er fordert beide Seiten auf, nicht nur ihre Argumente vorzutragen, sondern auch die Perspektive der jeweils anderen Seiten nachzuspüren. Das Ziel ist nicht, einen Gewinner zu küren, sondern Verständnis aufzubauen – ein Dialog auf Augenhöhe.
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Woher kommt die Spannung?
Die Debatte, ob Frauen zu viel fordern, ist kein neues Phänomen, aber sie bekommt in diesem Gespräch eine neue Tiefe. Auf den ersten Blick scheinbar eine simple These: Frauen verlangen von Männern mehr als früher, vor allem im Hinblick auf Gleichstellung. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass es vor allem um gesellschaftliche Rollenbilder, alte Muster und die gleichmäßige Verteilung von Verantwortung geht.
Wittwer weist darauf hin, dass strukturelle Ungleichheiten nach wie vor existieren. Gleichstellung ist nicht nur ein moralischer Anspruch, sondern auch eine politische Realität, die aktiv mitgestaltet werden muss – und zwar auch von Männern. Taş wiederum bringt das psychologische Gegenbild: Er plädiert dafür, dass nicht alle Forderungen als berechtigte Forderung nach Gerechtigkeit gelesen werden dürfen, sondern kritisch hinterfragt werden müssen, weil sie neuen Leistungsdruck erzeugen.
Das Gespräch offenbart eine zentrale Spannung: Der Wunsch nach Gleichberechtigung trifft auf Angst – die Angst mancher Männer, den neuen Erwartungen nicht gerecht zu werden. Und das sowohl im Beruf als auch im Privaten, in Beziehungen, im Alltag.
Der psychologische Hintergrund
Die in der Runde angesprochenen Konflikte lassen sich gut durch den Begriff des Geschlechtsrollenstresses erklären. Dieser Begriff beschreibt den inneren Konflikt, der entsteht, wenn Personen mit den gesellschaftlichen Erwartungen nicht übereinstimmen oder diese nicht erfüllen können.
Für Männer kann das besonders belastend sein. Wenn traditionelle Rollenbilder – stark, rational, emotional kontrolliert – nach wie vor präsent sind, aber gleichzeitig neue Erwartungen – Gleichberechtigung, Mitgefühl, Kooperation – erhoben werden, entsteht ein Spannungsfeld, in dem viele Männer unsicher sind, woran sie sich orientieren sollen. Die „Auf der Couch“-Diskussion macht das spürbar: Taş spricht vom Gefühl, dass nicht nur Leistung erwartet wird, sondern auch emotionale Verfügbarkeit – eine Kombination, die für viele Männer schwer auszubalancieren ist.
Wittwer plädiert dagegen, dass diese Spannung kein Zeichen von Schwäche, sondern von Veränderung ist. Wer sich seinen Privilegien bewusst wird und bereit ist, sich zu verändern, leistet einen aktiven Beitrag zur Gleichstellung. Für sie ist der Druck, den manche Männer verspüren, kein Argument gegen Forderungen, sondern ein Anstoß, die Gesellschaft neu zu denken.
<Hier wäre der Platz für die Annäherung 😊>
Was bedeutet das für uns heute?
Diese Talkrunde ist mehr als nur eine kontroverse Frage: Sie ist ein Spiegel unserer Zeit. In einer Ära, in der Gleichberechtigung nicht mehr als ferner Traum, sondern als realer Anspruch existiert, müssen wir neu verhandeln, was wir voneinander erwarten dürfen – und was für beide Seite fair erscheint.
Frauen fordern nicht mehr nur Teilhabe, sondern eine gleichwertige Partnerschaft. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass Männer nicht allen neuen Erwartungen ohne innere Konflikte gerecht werden können. Der Wandel zu einer gleichberechtigten Gesellschaft braucht nicht nur Forderungen, sondern auch Empathie, Dialog und die Bereitschaft, alte Muster aufzubrechen – auf beiden Seiten.
Diese Diskussion ist aus unserer Sicht eine Empfehlung, wenn Du Dich mit dem Thema auseinandersetzen willst, musst oder kannst.
Ich bin Anfang sechzig und seit vielen Jahren geschieden – von meiner großen Liebe. Aber war sie es wirklich, die große Liebe? Sind wir nicht alle mal, mehr oder weniger verliebt? Wie wird aus dem Verliebtsein Liebe und wie wird diese Liebe groß?
Alles beginnt und die Welt steht still
Ich weiß noch genau, wie es war, als ich zum ersten Mal dachte: Das ist sie – die große Liebe. Dieses Gefühl, wenn das Herz bis zum Hals klopft, die Welt stillsteht. Er war groß, sportlich, gutaussehend … und 10 Jahre jünger als ich. Da waren sie, meine Schmetterlinge. Und sofort auch mein zweiter Gedanke: viel zu jung und unerfahren, das wird nie was mit uns.
Wir Frauen neigen dazu, solche Momente zu analysieren – Männer erleben sie einfach anders. Für viele von ihnen ist die große Liebe weniger ein Feuerwerk, sondern das beruhigende Gefühl, angekommen zu sein. So war es auch bei mir: In meinem Bauch feierten Schmetterlinge eine Party und mein Mann war froh, nicht mehr nach einer Partnerin suchen zu müssen.
Meine Geschichte ist nur eine von vielen, genauer gesagt von vielen ähnlichen. Der MDR ist der #Lebensniceheit „Die große Liebe finden“ aus der Spur. Die Dokumentation zeigt: Die große Liebe ist kein Ziel, an dem man ankommt, sondern eine Reise. Sie entsteht, wächst, verändert sich – und fordert. Denn sie lebt von Nähe, Vertrauen und dem Mut, sich immer wieder aufeinander einzulassen.
Romantik trifft Realität – Zahlen, die berühren
Trotz aller Dating-Apps, trotz Schnelllebigkeit glauben wir an die Liebe. Laut einer MDR-Umfrage sagen 79 Prozent der Menschen in Deutschland, dass Liebe der wichtigste Grund für eine Partnerschaft ist. Das ist doch schön, oder? Gleichzeitig empfinden 67 Prozent, dass die Beziehungen anders sind als früher – offener, aber auch komplexer.
Liebe ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Sie braucht Zeit, Kommunikation und die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen. Sie macht Arbeit, verlangt Kompromisse. Für mich ist die große Liebe kein Dauerrausch gewesen, sondern dieses leise, verlässliche Gefühl, wahrgenommen zu werden – mit all meinen Stärken und Schwächen. Mein Mann beschrieb es nüchterner, aber nicht weniger tief: „Weil ich Dir vertraue, auch wenn ich still bin“, sagte er mir einmal. Vielleicht ist das der Kern: Wir fühlen unterschiedlich, aber wir meinen dasselbe.
Der Alltag – das Herzstück der großen Liebe
In der MDR-Doku erzählen Paare, dass sich die wahre Liebe nicht in großen Gesten zeigt, sondern in den kleinen Momenten. In einem Kaffee am Morgen, im Blick über den Küchentisch, im Zuhören oder im Schweigen. Große Liebe ist oft erstaunlich unspektakulär – und gerade deshalb so stark.
Zahlen belegen das Bedürfnis nach Verlässlichkeit: 78 Prozent der Befragten glauben, dass die monogame Beziehung auch in Zukunft die wichtigste Form des Zusammenseins bleibt. Wir suchen Abenteuer, ja – aber wir sehnen uns nach einem Zuhause. Nach jemandem, der da ist, wenn der Alltag schwierig wird.
Männer sind da pragmatischer. Mein Mann sagte einmal: „Für mich ist große Liebe, wenn ich weiß, dass Du da bist – auch wenn wir beide gerade schweigen.“ Vielleicht steckt darin die (ganze) Wahrheit.
Zwischen Sehnsucht und Selbstbestimmung
Wir leben in einer Zeit, in der Liebe viele Gesichter hat. Offen, polyamor, monogam, lesbisch, schwul, digital – alles scheint möglich. Und doch sagen 66 Prozent der Befragten, dass die gesellschaftlichen Rollenbilder (aus der Zeit unserer Eltern) immer noch Druck erzeugen. Besonders junge Menschen spüren das: Sie sollen unabhängig sein und gleichzeitig tief lieben, frei bleiben und dennoch Nähe leben.
Ich kenne dieses Spannungsfeld nur zu gut. Man will stark sein und trotzdem weich, eigenständig und doch verbunden. Es ist nicht immer einfach, in dieser Mischung authentisch zu bleiben. Aber vielleicht macht genau das die Liebe heute aus, sie darf Freiheit und Verbindlichkeit zugleich sein.
Wenn die große Liebe sich verändert
Nicht jede große Liebe bleibt, wie sie begann. Manche trennen sich nach ein paar Jahren – in meinem Fall waren es vierzehn. Andere Paare trennen sich, manche finden sich wieder. In der ZDF-Sendung erzählte ein Ehepaar, das seit 30 Jahren zusammen ist: „Wir haben uns dreimal getrennt – und jedes Mal wieder füreinander entschieden.“ Das ist vielleicht das schönste Bekenntnis zur Liebe: Sie ist wandelbar, aber nicht flüchtig.
Manchmal sehne ich mich nach dem Anfang – nach diesem elektrischen Knistern, nach dem Gefühl, dass alles neu ist. Doch dann denke ich: Liebe muss nicht immer brennen. Manchmal reicht es, wenn sie wärmt. Und vielleicht ist das eine erwachsene Form der großen Liebe – die, die ruhig, beständig und frei von Drama ist.
Was bleibt, wenn die Schmetterlinge fliegen
Mein bester Freund sagte mir einmal: „Liebe ist wie ein Muskel. Wenn man sie nicht benutzt, verkümmert sie.“ Große Liebe ist kein Zufall, sie ist eine Entscheidung – immer wieder. Sie zeigt sich im Dranbleiben, im Vertrauen, im gemeinsamen Wachsen.
Wir sollten aufhören, die große Liebe mit Perfektion zu verwechseln, wir sind einfache Menschen, keine ausgereiften Maschinen. Liebe ist kein Film, kein endloser romantischer Film. Sie ist echt, manchmal unbequem. Sie kann laut sein oder leise, jung oder alt, zärtlich oder wild, aber ehrlich. Die große Liebe ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann immer hat. Sie ist eine Reise. Ein Abenteuer mit Anker.
Am Ende ist die große Liebe das, was bleibt, wenn die Schmetterlinge längst weitergeflogen sind – und man trotzdem lächelt, wenn man den anderen ansieht.
Er sagt es so: „Große Liebe ist, wenn sie nicht weggeht, obwohl sie könnte.“ Ich finde, schöner kann man es nicht sagen.
Für Dich, liebe Leserin: Erlaube Dir Junge-Mädchen-Romantik und Alltagstauglichkeit. Erlaube Dir Nähe und Eigenständigkeit. Es ist nicht die große Liebe, von der wir geliebt werden – wir lieben uns, wenn wir füreinander da sind.
Wenn Du diesen einen Menschen gefunden hast, bei dem Dein Herz ruhig wird – halte ihn fest, aber nicht mit Druck. Lass ihm Raum, die Luft zum Atmen, bleib selbst frei. Und wenn Du noch auf der Suche bist: Bleib offen, sei authentisch. Die große Liebe findet sich, wenn wir am wenigsten mit ihr rechnen.
Wenn Du einen Partner oder eine Partnerin an Deiner Seite hast, frag ihn oder sie ruhig: „Was bedeutet für dich große Liebe?“ Höre zu. Denn dieses Bild davon mag anders sein als Deins – aber womöglich ergänzen sich eure Bilder, eure Vorstellungen.
Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dich inspiriert, Deine eigene Vorstellung von großer Liebe zu reflektieren. Denn sie ist nicht nur da draußen – sie ist auch hier, in Dir, in uns.