Frauengesundheit: Ein Blick zurück auf 2022

Frauengesundheit: Ein Blick zurück auf 2022

Die Inhalte unserer Beiträge waren im letzten Jahr sehr vielfältig und bunt. Zum Jahresbeginn gönnen wir uns und Dir erstmal einen Rückblick auf unser Themen-Potpourri.

Interne Veränderungen gehören dazu

Im letzten Jahr ist uns klar geworden, dass wir ein Archiv einrichten wollen, in dem es sich „ordentlich“ stöbern lässt. Gesagt, getan: Wie bisher gibt es die (Volltext-)Suche und den Klick im Hauptmenü auf unsere Themenschwerpunkte, vor allem „Frauen“, „Leben“ und „Gesund(heit)“. Dort werden die drei aktuellen Beiträge direkt angezeigt. Im Menüpunkt „Archiv“ kannst Du ebenfalls nach Schwerpunkten und zusätzlich nach Gastbeiträgen suchen. Ergänzend haben wir im Redaktionsteam beschlossen, dass wir ein klassisches, monatliches Archiv einrichten, um die Stöbermöglichkeiten zu erweitern.

Eine bunte Mischung

Doch womit haben wir uns redaktionell im letzten Jahr beschäftigt?

In unseren Beiträgen ging es um den Online-Giganten Amazon, um das Altersheim für Kühe: Hof Butenland und um Menschen, die sich der Selbstoptimierung verschrieben haben: „Die Ich-Vermesser“. Verrückt dieses Spektrum, oder?

Wir haben veranschaulicht, dass introvertierte Menschen anders agieren müssen und erschreckend festgestellt, dass die weltweit etwa 6% der von „ADHS“ betroffenen Kinder und Jugendlichen, häufig mit Falschdiagnosen zu kämpfen haben.

Im Beitrag „Mehrwert Mietkleidung: Shopping war gestern“ ging es um den nachhaltigen Umgang mit Bekleidung und einige Tipps wie Du einen Streit entschärfen kannst, haben wir für Dich zusammengefasst. Das Wort „gleich“ hat für viele Menschen eine andere Bedeutung, doch wie sich das wissenschaftlich untermauern lässt, kannst Du hier erfahren.

Gesundheit ist ein hohes Gut  

Die Themen Brustkrebs und Endometriose werden uns noch länger beschäftigen, beide Themen sind so wichtig für uns Frauen. Erst nach vielen Jahren voller Schmerzen gibt es eine Endo-Diagnose, daher brauchen die Betroffenen unser Verständnis und wesentlich mehr Aufklärung. Auch der Bericht zum „Lipödem“ hatte es in sich, denn Heilungschancen gibt es nicht.

Um das große Tabuthema Inkontinenz ging es in vielen Artikeln: „Spielend den Beckenboden stärken?!“, „Der Beckenboden gut erklärt!“ und „Beckenbodentraining nach der Geburt“. Das Thema „Kann ich mit schwachem Beckenboden Sport treiben?“ wurde von Nina Weber in ein neues Licht gerückt und wir haben uns der Frage „Nehmen wir durch Sport wirklich ab?“ gewidmet.

Gastbeiträge

Im Gastbeitrag von Dr. Ina Mähringer „Stiefkind Psyche“ ging es um die Umsetzung präventiver Maßnahmen, die das psychische Wohlbefinden im Unternehmen steigern, damit die wichtige Ressource Mensch auch weiterhin eine Ressource bleibt. Um den Alltag als Mutter ging es bei Jenny Weber von Preventlia: „Raus aus dem Mama-Stress im Alltag“. Dr. Lucas Halbmayer hat uns das Thema „Schlaganfall bei Frauen“ näher gebracht.

Katharina Schultejans hat uns im Interview mit ihrer These „Die Vielfalt ist Realität – Wir sollten lernen, damit umzugehen“ begeistert, denn es geht dabei nicht um eine Trend- oder Modeerscheinung. Beate Rupietta von der Assum GmbH hat noch einen draufgesetzt und sagte im Interview „Der Mitarbeiter ist König“. Die Personaldienstleisterin und Gesundheitsökonomin geht eher ungewöhnliche Wege und das mit großem Erfolg.

Fazit

2022 war für uns ein vielfältiges und buntes Jahr. Es hat großen Spaß gemacht, uns mit diesem breiten Themenspektrum auseinanderzusetzen. Bisher standen beiuns die Frauen im Fokus – das werden wir auch 2023 so fortsetzen. Wir haben schon einiges auf dem Redaktionsplan, was uns zu unseren Themen noch am Herzen liegt. Doch ohne Dich brauchen wir uns die Mühe nicht zu machen. An dieser Stelle bedanken wir uns bei Dir für Deine Treue – die vielen Reaktionen, die wir bekommen haben, motivieren uns so sehr, auch in Zukunft eifrig weiter über Frauen – Leben – Gesund zu schreiben😊.

Für 2023 wünschen wir Dir beste Gesundheit, bereichernde Begegnungen, ein Stück vom Glück und eine tiefe Zufriedenheit.

Herzliche Grüße

Dein Redaktionsteam Frauengesundheit.life

Beckenbodentraining nach der Geburt: Darum ist es so wichtig

Beckenbodentraining nach der Geburt: Darum ist es so wichtig

Unser Körper vollbringt während der Schwangerschaft und Geburt eine wahre Meisterleistung. Daher ist es nach der Geburt, dem sogenannten Wochenbett, so wichtig für frischgebackene Mamas, sich zu erholen. In dieser Zeit beginnen viele Frauen, sich mit dem Thema Rückbildung und Beckenbodentraining näher zu beschäftigen. Warum ist Beckenbodentraining nach der Geburt wichtig und wie lange dauert das Ganze?

In diesem Artikel beantworten wir Deine Fragen rund um das Thema Beckenbodentraining nach der Geburt und stellen Dir das smarte Hilfsmittel Emy vor.

Was ist der Beckenboden?

Zunächst werfen wir einen genaueren Blick auf den Beckenboden, um zu verstehen, wie er aufgebaut ist und welche Rolle er für unsere Gesundheit spielt.

Der Beckenboden ist eine Gruppe von Muskeln in Form einer „Hängematte“, die sich vom Schambein bis zum Steißbein erstreckt. Unsere Beckenbodenmuskeln arbeiten jeden Tag, denn sie stützen die Organe des kleinen Beckens (Blase, Gebärmutter sowie Rektum).

Außerdem sorgt unser Beckenboden dafür, dass unsere Schließmuskeln sicher schließen. Wie eine Art Wasserhahn kontrolliert er so die Blase und den Darm und spielt eine wichtige Rolle für unsere Kontinenz.

Der Beckenboden besteht aus langsamen Muskelfasern, die ihm Kraft verleihen und so für die Unterstützung der Organe sorgen und aus schnellen Muskelfasern, die zur Abdichtung der Schließmuskeln beitragen.

Was passiert, wenn der Beckenboden nicht mehr richtig arbeitet?

Ein geschwächter Beckenboden kann zu verschiedenen Problemen führen:

ungewolltem Urinverlust bei körperlicher Anstrengung (dazu zählt neben dem Sport oder Tragen von schweren Lasten auch Husten, Niesen oder Lachen.)

  • Auftreten eines Prolapses (ein Absinken der Organe)
  • analer Inkontinenz
  • einem Schweregefühl im Becken
  • vaginalen Blähungen
  • weniger Empfindungen beim Geschlechtsverkehr

Der Beckenboden wird in verschiedenen Phasen unseres Lebens verstärkt belastet und geschwächt, beispielsweise während der Schwangerschaft, der Geburt und den Wechseljahren.

Warum ist Beckenbodentraining nach der Geburt so wichtig?

Während der Schwangerschaft dehnen sich die Bauchmuskeln, um Platz für das Baby zu schaffen, und können so den Beckenboden weniger unterstützen. Der Druck auf den Beckenboden wird immer stärker und schwächt ihn, je größer das Baby wird. Zudem tragen Deine Beckenbodenmuskeln 9 Monate lang das Gewicht des Babys. Auch wenn das Baby anfangs nicht viel wiegt, ist es normal, dass Deine Muskeln im Laufe der Monate müde und schlaff werden.
Aus diesem Grund ist ein Beckenbodentraining auch nach einem Kaiserschnitt sehr wichtig und sollte nicht vernachlässigt werden.

Während der Geburt wird der Beckenboden einer starken Belastung ausgesetzt. Das gilt umso mehr, wenn das Baby sehr groß ist oder während der Geburt Risse auftreten.

Das Beckenbodentraining nach der Geburt ist daher unerlässlich, um den gesamten Muskelapparat zu stärken, damit er seine Stütz- und Haltefunktion erfüllen kann. Zudem kann sanftes Beckenbodentraining dazu beitragen, eventuelle Geburtsverletzungen der Vagina schneller verheilen zu lassen.

Auch wenn Du nach der Geburt nicht an Problemen leidest, solltest Du eine Rückbildung durchführen, um Probleme zu vermeiden, die erst mit fortschreitendem Alter auftreten können.

Wann sollte man mit dem Beckenbodentraining nach der Geburt beginnen?

Du solltest in der Regel 6 bis 8 Wochen nach der Entbindung mit dem Beckenbodentraining beginnen. Es ist besser, etwas zu warten, um dem Gewebe genügend Zeit zum Heilen zu geben.

Dann beginnt für die meisten Frauen auch der Rückbildungskurs. In diesen Kursen werden Übungen gezeigt, mit denen Du deinen Körper wieder stärken kannst. Hierbei steht nicht nur der Beckenboden, sondern auch der Bauch im Fokus. In der Regel werden 10 Trainingsstunden von Deiner Krankenkasse übernommen.  

Nach dem Rückbildungskurs

Wenn Dein Rückbildungskurs vorbei ist, Du jedoch immer noch Probleme haben solltest, zögere nicht Deine Ärztin/Deinen Arzt darauf anzusprechen. Jede Frau ist einzigartig und bei manchen Frauen genügen 10 Stunden nicht, um wieder das gleiche Körpergefühl zu entwickeln wie vor der Geburt. Wenn Probleme wie Urinverluste beim Niesen oder Husten auftreten, sollten das für Dich Alarmzeichen sein. Du solltest nicht zögern, eine medizinische Fachkraft darauf anzusprechen. Er oder sie kann Dir zusätzlich weitere Trainingseinheiten oder auch Hilfsmittel wie den smarten Beckenbodentrainer Emy verordnen, die Dich beim weiteren Training zu Hause unterstützen.

Beckenbodentraining nach der Geburt mit Emy

Blasenschwäche kann eines der Probleme sein, die mit einem schwachen Beckenboden auftreten. Das Gute: Mit einer Stärkung der Beckenbodenmuskulatur und aktivem Training kannst Du etwas gegen die Symptome tun, sodass diese deutlich schwächer werden oder sogar ganz verschwinden.

Emy ist ein smarter Beckenbodentrainer mit App, mit dem Du spielerisch und aktiv Deinen Beckenboden trainieren kannst. Der intravaginale Trainer misst in Echtzeit Deine Beckenboden-Anspannung. Mit Hilfe der Biofeedback-Technologie und einer App kannst Du Deine Beckenboden-Anspannung direkt auf dem Handy sehen und verfolgen. So kannst Du zum Beispiel einen Ballon über Hindernisse fliegen lassen – und das nur mit der An- und Entspannung Deines Beckenbodens. Außerdem kannst Du Deine Fortschritte über die App direkt nachverfolgen. Die Spiele passen sich im Schwierigkeitsgrad automatisch an Deinen Trainingsstand an, sodass Du immer optimal gefordert und gefördert wirst. 

Emy wurde im Rahmen einer klinischen Studie getestet und die Wirksamkeit wurde nachgewiesen. Nutzerinnen sprechen von Verbesserungen nach nur durchschnittlich 3 Wochen.

Und das Beste: Emy kann Dir bei Problemen auch von einem Arzt auf Hilfsmittel-Rezept verordnet werden, wenn Du nach der Geburt an Blasenschwäche leidest. Wichtig ist hierbei lediglich die Angabe der Hilfsmittelnummer 15.25.19.2027 sowie der Diagnose durch Deinen Arzt.

Der Beckenboden ist wichtig – ein Leben lang!


Der Autor: Paul Grandemange, Mitgründer von Fizimed, Physiotherapeut mit Spezialisierung auf den Beckenboden

Paul Grandemange hat den Beckenbodentrainer Emy entwickelt, um Patientinnen eine wirksame Lösung für das Beckenbodentraining zu Hause mitzugeben, die zudem Spaß macht und sich einfach in den Alltag integrieren lässt. Er ist überzeugt, dass spielerisches Training die Therapietreue und den Erfolg erhöhen. Mit Fizimed möchte er noch stärker für das Thema Beckenboden sensibilisieren und Aufmerksamkeit schaffen.

Kontaktdaten:
E-Mail Paul Grandemange
E-Mail Fizimed
Website Fizimed
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Der Schlaganfall bei Frauen

Der Schlaganfall bei Frauen

Ein Schlaganfall kommt häufiger vor als man vielleicht denkt und reißt Menschen aus ihrem gewohnten Leben. Die Erkrankung wird die Zukunft der Gesellschaft stark prägen, da sie weltweit die zweithäufigste Todesursache und führend bei den Ursachen für langfristige Behinderungen ist.[1] Es gibt unterschiedliche, geschlechtsspezifische Risikofaktoren und Ursachen, die Prognosen beeinflussen.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall ist entweder ein Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall) oder eine Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall). Ein Hirninfarkt wird durch den Verschluss einer Hirnarterie verursacht, wobei hinter dem Gefäßverschluss ein Sauerstoffmangel entsteht und Hirnnervenzellen in Folge absterben. Bei einer Hirnblutung reißen Hirnarterien, wobei zwischen einer subarachnoidal Blutung (Aneurysmablutung in das Hirnnervenwasser) und einer Blutung in das Hirngewebe (intraparenchymale Blutung) unterschieden wird.

Das Schlaganfallrisiko im Vergleich

Weltweit gesehen gibt es 57 Prozent weibliche und 43 Prozent männliche Schlaganfallpatienten. Das größere Risiko an einem Schlaganfall zu erkranken haben zwar die Männer, aber da weibliche Personen durchschnittlich älter werden, gibt es insgesamt mehr Frauen, die an einem Schlaganfall erkranken. Wird die längere Lebensdauer von Frauen nicht berücksichtigt, sind Männer häufiger davon betroffen.[2]

Im Durchschnitt erleiden Frauen erst mit 75 Jahren einen Schlaganfall, also etwa 10 Jahre später als Männer. In Deutschland liegt die Wahrscheinlichkeit im Alter von 40 bis 79 Jahren betroffen zu sein bei Frauen etwas niedriger (2,5 Prozent) als bei Männern (3,3 Prozent).[3] Doch im Alter von über 80 Jahren nimmt die Anzahl der Frauen, die von einem Schlaganfall betroffen sind, deutlich zu.

Interessanterweise haben Männer – unabhängig vom Alter – das doppelt so hohe Risiko an einer Hirnblutung zu erkranken. Das liegt sehr wahrscheinlich am häufigen Risikofaktor Bluthochdruck bei Männern.[5]

Geschlechterspezifische Risikofaktoren

Aufgrund des einzigartigen hormonellen Wechselspiels bei Frauen gibt es geschlechtsspezifische Risikofaktoren. Sowohl der Zeitpunkt der Menopause als auch Schwangerschaftsverläufe oder das Stillverhalten bei Müttern haben einen Einfluss auf das Schlaganfallrisiko im späteren Leben.

Risikofaktoren können sein:[4][5]

  • späte Menopause ab 55 Jahre
  • Schwangerschafts-Bluthochdruck
  • Früh- und Totgeburten
  • kein Stillen
  • Einnahme von Hormonpräparaten, wie der Pille oder eine Hormonersatztherapie (insbesondere in Verbindung mit Rauchen oder bei Übergewicht)

Typische Ursachen, Anzeichen und Symptome

Frauen mit einem Schlaganfall haben vorher häufig Vorhofflimmern, das ist eine Herzrhythmusstörung, die im höheren Alter auftritt. Weibliche Patienten haben hingegen seltener die typischen Risikofaktoren, wie Bluthochdruck oder Hypercholesterinämie (erhöhte Blutfette).[6] Interessanterweise gehen die Verläufe mit Vorhofflimmern mit mehr neurologischen Ausfällen einher als bei männlichen Schlaganfallpatienten.

Haben Frauen jedoch einen hohen Bluthochdruck, steigt das Risiko über das der Männer.[7] Eine besondere Risikogruppe sind Frauen mit Diabetes. Die Erkrankung verdoppelt das Schlaganfallrisiko.[8]

Frauen haben nicht nur häufiger Migräne, sondern auch ein höheres Schlaganfallrisiko als männliche Migränepatienten. Bei der Sinusvenenthrombose (Sonderform des Schlaganfalls) sind häufiger junge Frauen betroffen.

Doch generell haben alle Patient:innen die gleichen klassischen Symptome. Darunter zählen Halbseiten- und Gesichtslähmungen, Sprach- sowie Sprechstörungen und Gangstörungen mit Schwindel.

Studien haben jedoch gezeigt, dass Frauen ihre Schlaganfallsymptome anders beschreiben und gelegentlich unspezifische Vorboten oder seltene Zusatzsymptome haben. Dazu zählen:[9]

  • Kopf- oder Gliederschmerzen
  • Übelkeit
  • Verwirrtheit
  • Harninkontinenz
  • Schluckbeschwerden

Unterscheidungsmöglichkeiten

Die klassischen Schlaganfallsymptome, wie Halbseitenlähmung oder Sprachstörung, in Kombination mit den unspezifischen Vorboten bedürfen immer einer ärztlichen Abklärung. Außerdem sind plötzlich einsetzende „Donnerschlagkopfschmerzen“ sowie unbekannte oder nicht auf Schmerztabletten ansprechende Kopfschmerzen – im Zusammenhang mit den unspezifischen Symptomen – höchstverdächtig auf eine Hirnblutung.

Wichtig zu wissen ist, dass eine Migräne mit neurologischen Ausfällen wie Sprachstörung oder Kribbeln in den Armen einhergehen kann. Dieses Phänomen wird Aura genannt, kommt typischerweise vor den pochenden Migränekopfschmerzen und dauert maximal 30 Minuten an.

Natürlich kann man nur zwischen einem Schlaganfall oder Migräne unterscheiden, wenn man in der Vergangenheit bereits Migränekopfschmerzen ohne Aura hatte. Sogenannte positiv Symptome, das heißt Flimmern oder Farbsehen über bzw. vor den Augen, sind ebenfalls typisch für eine Migräne-Aura, während ein Schlaganfall immer eine negative Symptomatik in Sinne von schwarzen Flecken oder Gesichtsfeldausfällen (Hemianopsie) bewirkt.

Folgen und Prognose bei Schlaganfallpatient:innen

Die Krankenhaussterblichkeit von Frauen und Männer ist identisch. Weil Frauen beim Schlaganfall älter und schwerer betroffen sind, erholen sie sich schlechter und kommen seltener selbständig in den Alltag zurück.[10] Durch das Vorhofflimmern entstehen schwerere Schlaganfälle mit mehr Defiziten, weil große Hirnarterien durch ein Gerinnsel aus dem Herzen verstopfen. Bei Frauen wird deswegen im Verlauf häufiger die Post-Schlaganfall-Depression diagnostiziert.

Bei weiblichen Patienten wird der Schlaganfall erst bis zu dreimal später diagnostiziert, weil sie aufgrund des hohen Erkrankungsalters häufiger allein leben. Außerdem verharmlosen Frauen oft ihre Schlaganfallsymptome und rufen erst spät den Notarzt.

Therapie bei einem Schlaganfall

Sowohl die starke Blutverdünnung (Lysetherapie) zum Auflösen eines Gerinnsels, als auch die Thrombektomie (Katheter zum Bergen des Gerinnsels) wirken gleich effektiv bei Frauen und Männern.[11]

Ebenfalls konnte kein Unterschied bei den blutverdünnenden Medikamenten zum Schutz vor einem zweiten Schlaganfall (Sekundärprophylaxe) wie Thrombozytenaggregationshemmern („leichte Blutverdünnung“) oder „starken Blutverdünnern“ (orale Antikoagulation) gefunden werden.

Zusammenfassend

Frauen erleiden später und größere Schlaganfälle, dabei ist Vorhofflimmern als Schlaganfallursache bei ihnen häufiger als bei männlichen Patienten. Aufgrund des höheren Erkrankungsalters und den schwerwiegenderen neurologischen Ausfällen durch den Gefäßverschluss bei Vorhofflimmern, erholen sich Frauen schlechter von einem Schlaganfall.

Der Rat der Redaktion
Verharmlosen Sie Ihre Symptome nicht, melden Sie sich sofort unter der Notfallnummer 112 oder rufen Sie Familienmitglieder zur Hilfe – lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. In vielen Städten gibt es sogenannte Stroke-Units, die auf Schlaganfälle und ihre Behandlung spezialisiert sind. Hier sind Sie gut aufgehoben und werden adäquat behandelt.


Der Autor: Dr. Lucas Halbmayer, Betreiber der Website „www.schlaganfall-wissen.de“

Lucas-Michael Halbmayer ist Facharzt für Neurologie und in der Rehabilitation, insbesondere von Schlaganfallpatient:innen, spezialisiert. Er betreibt die Website www.schlaganfall-wissen.de um sowohl Betroffenen als auch Angehörigen während und nach einem Schlaganfall zu helfen.

Kontaktdaten:

Dr. Lucas-Michael Halbmayer
Schlaganfall Wissen, Hilfe und Beratung
Gumpendorfer Str 142
1060 Wien

E-Mail

Website: www.schlaganfall-wissen.de


Fußnoten:

[1] Lopez AD, Mathers CD, Ezzati M, Jamison DT, Murray CJ. Global and regional burden of disease and risk factors, 2001: systematic analysis of population health data. Lancet. 2006 May 27;367(9524):1747-57. doi: 10.1016/S0140-6736(06)68770-9. PMID: 16731270.

[2] Bushnell CD, Chaturvedi S, Gage KR, Herson PS, Hurn PD, Jiménez MC, Kittner SJ, Madsen TE, McCullough LD, McDermott M, Reeves MJ, Rundek T. Sex differences in stroke: Challenges and opportunities. J Cereb Blood Flow Metab. 2018 Dec;38(12):2179-2191. doi: 10.1177/0271678X18793324. Epub 2018 Aug 17. PMID: 30114967; PMCID: PMC6282222.

[3] Busch MA, Schienkiewitz A, Nowossadeck E, Gößwald A. Prävalenz des Schlaganfalls bei Erwachsenen im Alter von 40 bis 79 Jahren in Deutschland: Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) [Prevalence of stroke in adults aged 40 to 79 years in Germany: results of the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1)]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2013 May;56(5-6):656-60. German. doi: 10.1007/s00103-012-1659-0. PMID: 23703483.

[4] Poorthuis MH, Algra AM, Algra A, Kappelle LJ, Klijn CJ. Female- and Male-Specific Risk Factors for Stroke: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Neurol. 2017 Jan 1;74(1):75-81. doi: 10.1001/jamaneurol.2016.3482. PMID: 27842176.

[5] Peters SAE, Yang L, Guo Y, Chen Y, Bian Z, Du J, Yang J, Li S, Li L, Woodward M, Chen Z. Breastfeeding and the Risk of Maternal Cardiovascular Disease: A Prospective Study of 300 000 Chinese Women. J Am Heart Assoc. 2017 Jun 21;6(6):e006081. doi: 10.1161/JAHA.117.006081. PMID: 28637778; PMCID: PMC5669201.

[6] Emdin CA, Wong CX, Hsiao AJ, Altman DG, Peters SA, Woodward M, Odutayo AA. Atrial fibrillation as risk factor for cardiovascular disease and death in women compared with men: systematic review and meta-analysis of cohort studies. BMJ. 2016 Jan 19;532:h7013. doi: 10.1136/bmj.h7013. PMID: 26786546; PMCID: PMC5482349.

[7] Madsen TE, Howard G, Kleindorfer DO, Furie KL, Oparil S, Manson JE, Liu S, Howard VJ. Sex Differences in Hypertension and Stroke Risk in the REGARDS Study: A Longitudinal Cohort Study. Hypertension. 2019 Oct;74(4):749-755. doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.119.12729. Epub 2019 Aug 13. PMID: 31405299; PMCID: PMC6741430.

[8] Peters SA, Huxley RR, Woodward M. Diabetes as a risk factor for stroke in women compared with men: a systematic review and meta-analysis of 64 cohorts, including 775,385 individuals and 12,539 strokes. Lancet. 2014 Jun 7;383(9933):1973-80. doi: 10.1016/S0140-6736(14)60040-4. Epub 2014 Mar 7. PMID: 24613026.

[9] Carcel C, Woodward M, Wang X, Bushnell C, Sandset EC. Sex matters in stroke: A review of recent evidence on the differences between women and men. Front Neuroendocrinol. 2020 Oct;59:100870. doi: 10.1016/j.yfrne.2020.100870. Epub 2020 Sep 1. PMID: 32882229.

[10] Gall S, Phan H, Madsen TE, Reeves M, Rist P, Jimenez M, Lichtman J, Dong L, Lisabeth LD. Focused Update of Sex Differences in Patient Reported Outcome Measures After Stroke. Stroke. 2018 Mar;49(3):531-535. doi: 10.1161/STROKEAHA.117.018417. Epub 2018 Feb 8. PMID: 29438087.

[11] Bushnell C, Howard VJ, Lisabeth L, Caso V, Gall S, Kleindorfer D, Chaturvedi S, Madsen TE, Demel SL, Lee SJ, Reeves M. Sex differences in the evaluation and treatment of acute ischaemic stroke. Lancet Neurol. 2018 Jul;17(7):641-650. doi: 10.1016/S1474-4422(18)30201-1. PMID: 29914709.

Der Beckenboden gut erklärt!

Der Beckenboden gut erklärt!

Im 2-Minuten-Film „Beckenbodentraining hilft bei Blasenschwäche“ erklärt Dr. Carsten Lekutat auf sehr anschauliche Art und Weise, was es mit dem Beckenboden auf sich hat. Der Beckenboden ist ein starker kleiner Muskelapparat, der wie eine Hängematte zwischen Steißbein und Schambein sitzt. Die elastische Muskelgruppe verhindert zum Beispiel, dass die Organe „herausfallen“, doch hat sie noch weitere, wichtige Features.

Ein straffer Beckenboden stabilisiert das Becken und unterstützt die Funktion der Harnröhre und des Blasenschließmuskels. Er schützt vor Inkontinenz und das ist nicht nur für Frauen interessant, auch Männer profitieren davon. Auch Beschwerden im Iliosakralgelenk (auch Kreuz-Darmbein-Gelenk genannt) kann ein trainierter Beckenboden lindern und sorgt für die Blasenkontrolle, beispielsweise nach einer Prostataoperation.

Trainingsmöglichkeiten

Wie lässt sich ein Muskel trainieren, von dem man nicht weiß, wie es sich anfühlt, wenn man ihn anspannt? Von Atemtechniken (wie u. a. hier zu lesen) über eine Physiotherapie bis zum Einsatz eines Beckenbodentrainers gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, unter denen Du wählen kannst. Und auch die Kombination der verschiedenen Methoden ist sinnvoll. Denn eins ist sicher: Eine Muskelgruppe, die man nicht sehen kann, lässt sich jederzeit unauffällig trainieren – sobald das Gespür dafür vorhanden ist.

Der Link zum MDR Beitrag: Beckenbodentraining hilft bei Blasenschwäche (2:00 min)

Weitere interessante Links:

MDR Beitrag vom 13.10.2022: Auch Männern hilft Beckenbodentraining (5:23 Minuten, verfügbar bis 13.10.2023)

RBB Beitrag vom 23.02.2022: Beckenbodentraining mit Vibrationsgeräten (5:58 Minuten, verfügbar bis 23.02.2023)

BR Beitrag Tele-Gym: Beckenbodentraining mit Gabi Fastner (S07/E02) (14:28 Minuten)

HR Beitrag vom 11.10.2022: Beckenboden-Schaden nach der Geburt (9:16 Minuten, verfügbar bis 11.10.2023)

Zeit – wie gleich ist sie?

Zeit – wie gleich ist sie?

„Einszweidrei, im Sauseschritt. Läuft die Zeit; wir laufen mit.“ Entspricht dieser Reim von Wilhelm Busch der Realität? Können wir die Zeit beeinflussen oder müssen wir einfach mitgehen?

In der Dokumentation von 3 Sat Nano „Die Abschaffung der Zeit“ versucht Ingolf Baur dem Wesen der Zeit auf die Spur zu kommen. Mal rast sie nur so und manchmal fühlt es sich an, als ob sie stillsteht.

Der Journalist Bauer spricht mit Marc Wittmann, einem Psychologen aus Freiburg. Er hat unser Zeitempfinden erforscht und erklärt, dass Menschen in ihrer individuellen Zeitwahrnehmung oft weit auseinander liegen. Ob man in etwas vertieft ist, sich im Flow befindet oder das Gegenteil der Fall ist, hängt mit dem eigenen Körperempfinden zusammen. Je vertiefter man ist, desto weniger nimmt man die Signale des Körpers wie Hunger und Durst wahr. Seine Forschungen haben ergeben, dass das Gefühl von Zeit erst durch das Erleben der eigenen Körperlichkeit im Hier und Jetzt entsteht.

Intensive und neue Erlebnisse verbessern die Merkfähigkeit

Ingolf Baur macht den Test und springt zum ersten Mal von einer Skischanze. Bei intensiven Erlebnissen entsteht oft das Gefühl, dass sich die Zeit ausdehnt und die Gedanken sich wesentlich schneller bewegen. Doch das ist nicht korrekt. Bei außergewöhnlichen Erlebnissen nehmen wir besser wahr, wir merken uns mehr Details und können uns im Anschluss besser erinnern. Also definiert die Intensität des Erlebens, wie schnell die Zeit verrinnt – wieder sehr individuell.

Die Ansicht, dass die Welt nur aus Ereignissen besteht, die miteinander verbunden sind und dass eine Uhr nur den Zeitraum zwischen den Ereignissen misst, vertritt Carlo Rovelli, Professor für theoretische Physik. Auch Virgine van Wassenhove, kognitive Neurowissenschaftlerin am Institut für Lebenswissenschaften Frédéric Joliot, weiß, dass aus Sicht der Hirnforschung, das Gehirn die Zeit selbst konstruiert.

Das „Jetzt“ lässt sich nicht festhalten, es gibt nur eine fließende Bewegung, ähnlich einem Fluss. Der Buddhist Lama Tilmann Borghardt meditiert täglich und vertritt die Ansicht, dass der konkrete Augenblick – das „Jetzt“ – keinen definierten Anfang und kein definierbares Ende hat und somit eher wie eine fließende Entwicklung oder ein gleitendes Erleben zu betrachten ist.

Die Manipulation des Gehirns

Im Bereich bis zu einer drittel Sekunde agiert das Gehirn sehr frei, man könnte auch sagen, es manipuliert die Sinneswahrnehmungen. Es verschiebt, verzögert und macht passend, was sonst nicht zusammenpasst.

Da z. B. die haptischen oder akustischen Eindrücke länger brauchen, während die Bilder schneller angekommen sind, sorgt unser Gehirn für die zeitliche Angleichung, damit die Wahrnehmung einen möglichst logischen Sinn ergibt. Dabei ist es wichtiger, den ankommenden Ereignissen eine Bedeutung beizumessen, als einen „korrekten“ zeitlichen Ablauf. Das hört sich kompliziert an, wird aber in der Dokumentation ab Minute 19:17 sehr anschaulich dargestellt.

Fazit

Das Zeitempfinden ist immer individuell geprägt und hängt mit unserem Körperempfinden zusammen. Wissenswert ist, dass die Bedeutungsvergabe im Gehirn eine Verfälschung der Realität darstellen kann und dass auch ein Floating Tank nicht unbedingt zum langsameren Verrinnen der Zeit beiträgt. Vielleicht sollten wir die Zeit einfach nicht so wichtig nehmen …

Diese Dokumentation bekommt von der Redaktion ein „sehr interessant“!

3 sat Dokumentation NANO vom 29.10.2021: Die Abschaffung der Zeit (verfügbar bis 27.03.2026)