Sexworkerin ist einer dieser Berufe, über die viel gesprochen wird – aber selten mit den Frauen selbst. Es ist eine Parallelwelt, die häufig mit Bildern aus Filmen bestückt werden. Sex als Dienstleistung anzubieten, ist nicht für alle vorstellbar.
Die ZDF-Dokumentation über Daria, eine selbstbestimmte Sexworkerin, versucht genau das zu ändern: hinschauen, zuhören, verstehen. Und sie zeigt, wie vielschichtig das Leben im Rotlichtmilieu wirklich ist.
Wer ist Daria – und warum dieser Job?
Daria ist eine staatlich anerkannte Erzieherin mit einer heilpädagogischen Zusatzausbildung und hat 16 Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Bis ihr klar wurde, dass sie den Kindern und deren Bedürfnissen nicht mehr gerecht werden und den Beruf auch nicht bis zur Rente ausüben kann. Dann hat sie angefangen, als Domina zu arbeiten.
Heute arbeitet Daria als Sexworkerin. Sie begleitet Menschen mit Behinderung als sogenannte Sexualbegleiterin, bietet Massagen, aber auch Paar- und Berührungscoachings und BDSM-Sessions an. Alles in allem eine riesige Bandbreite.
Sie hat sich bewusst für diesen Weg entschieden und beschreibt ihre Arbeit als selbstbestimmt – ein Begriff, der in diesem Kontext oft diskutiert wird. Was bei ihr sofort auffällt: Sie spricht offen über ihre Motivation. Es geht nicht nur um Geld, sondern auch um Nähe, um zwischenmenschliche Begegnungen und darum, Menschen etwas zu geben, das in unserer Gesellschaft oft tabuisiert wird – Nähe und Geborgenheit.
Zu ihr kommen Frauen, Paare, Männer. Paare, die etwas gemeinsam erleben wollen, oder wo ein Partner:in von Daria lernen will, damit er/sie besser mit der Sexualität der Partner:in spielen kann. Gleichzeitig wird Daria auch immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert. Sexarbeitwird schnell verurteilt, moralisch bewertet oder als Ausbeutung betrachtet. Die Doku zeigt, wie sie damit umgeht: reflektiert, selbstbewusst und durchaus kämpferisch.
Selbstbestimmt – aber nicht selbstverständlich
Der Begriff „selbstbestimmte Sexarbeit“ klingt stark – und ist es auch. Dennoch ist das für die wenigsten im Milieu Tätigen Realität. In Deutschland arbeiten schätzungsweise hunderttausende Menschen in der Sexarbeit, nicht alle sind offiziell registriert. Dabei gibt es seit 2017 das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG). Es soll das Selbstbestimmungsrecht von Prostituierten stärken, Arbeitsbedingungen verbessern und Kriminalität wie Menschenhandel bekämpfen. Dadurch wurde eine Anmeldepflicht für Prostituierte (mit verpflichtender Beratung) und eine Erlaubnispflicht für Prostitutionsstätten eingeführt.
Während Daria ihren Beruf bewusst gewählt hat, zeigen andere Beispiele eine ganz andere Seite. Einige Frauen berichten von massiven Abhängigkeiten, wirtschaftlichem Druck oder sogar Zwang. Eine ehemalige Prostituierte beschreibt denJob als „schlimmsten Job“, den sie je gemacht habe.
Vielen Behörden, Institutionen und Vereinen ist die Sexarbeit ein Dorn im Auge und sollte am besten verschwinden. Sie plädieren für ein Sex-Kauf-Verbot, das heißt, jegliche Art der Sexarbeit sollte verschwinden. Das würde sie in die Illegalität drängen und nur noch mehr schwierige Situationen für die Sexarbeiterinnen mit sich bringen.
Die Wahrheit liegt – wie so oft – irgendwo dazwischen. Es gibt sie leider nicht – die eine Wahrheit.
Ein Blick hinter die Kulissen: Wie vielfältig Sexarbeit ist
Wer an Sexarbeit denkt, hat oft ein sehr klischeehaftes Bild im Kopf. Doch das Rotlichtmilieu ist deutlich vielfältiger. Da ist zum Beispiel die Escort-Arbeit: Treffen in Hotels, oft mit Stammkunden, manchmal eher Gespräche als Sex. Für einige Frauen bedeutet das mehr Kontrolle über Zeit, Preise und Auswahl der Kunden.
Dann gibt es Dominas, die mit Machtspielen und Fetischen arbeiten – ein Bereich, der oft weniger mit klassischem Sex zu tun hat, sondern mit Inszenierung, Psychologie und klaren Regeln.
Und schließlich der Straßenstrich: die wohl härteste Form der Sexarbeit. Hier zeigt sich, wie eng das Thema mit Armut, Migration und sozialer Unsicherheit verknüpft ist. Frauen arbeiten unter prekären Bedingungen, oft ohne Absicherung für Leib und Leben.
Zwischen diesen Welten liegen oft nur wenige Kilometer – aber Welten an Lebensrealität.
Spannend ist der Punkt, den Daria anspricht: Sexarbeit ist nicht nur körperlich. Viele Kunden suchen Gespräche, Bestätigung oder einfach Nähe. Gerade in einer Gesellschaft, in der Einsamkeit und Unverbindlichkeit in der Partnerschaft zunimmt, wird Sexarbeit für manche zu einer Art emotionalem Ventil.
Das bedeutet aber nicht, dass die Arbeit einfach ist. Im Gegenteil: Sie erfordert ein hohes Maß an emotionaler Abgrenzung, Selbstkenntnis und manchmal auch psychischer Stärke.
Was alle Formen der Sexarbeit verbindet, ist das Stigma.
Viele Sexworkerinnen führen ein Doppelleben, sprechen nicht offen über ihren Beruf – aus Angst vor Ausgrenzung. Selbstbestimmung hört meist dort auf, wo gesellschaftliche Akzeptanz fehlt. Gleichzeitig gibt es in der Szene auch ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung von außen: als Dienstleistung, als Arbeit, als Teil einer pluralen Gesellschaft.
Und was bleibt?
Die Geschichte von Daria zu einem Thema unseres Magazins zu machen, war uns wichtig. Sie gehört zu den Tabu-Themen, die wir immer wieder aufgreifen. Die ZDF-Dokumentation macht eine Perspektive sichtbar, die oft untergeht: Sexarbeit ist weder nur Ausbeutung noch nur Freiheit. Sie ist ein Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse – mit all ihren Widersprüchen.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Dass wir genauer hinschauen müssen. Und vor allem hinhören.
Mich hat diese Dokumentation berührt, gefesselt.
Stolz zu sein auf ihre eigene Arbeit, obwohl sie dafür stigmatisiert wird, das ist Stärke – das ist Daria.
Unsere Empfehlung: wenn Du mehr über Sexarbeit wissen willst, schau Dir unbedingt diese Sendung an und lies unsere bisherigen Beiträge zum Thema.
Das 18. Jahrhundert war kein Zeitalter, in dem sich Frauen frei entwickeln durften. Sie hatten Hausfrau und Mutter zu sein und ihrem Ehemann zu gehorchen. Bestimmte Instrumente, wie z. B. Orgel oder Cello, waren für sie tabu. Dabei hätten sie die Beine spreizen müssen und das galt höchst unsittlich. Auch eine Anstellung als Musikerin wäre undenkbar gewesen, und das nicht nur, weil die Kirche der Hauptarbeitgeber für Musiker war. Nur in der Abgeschiedenheit eines Nonnenklosters durften Frauen auch Komponistinnen sein, alle Instrumente spielen und eigene Stücke zu Gehör bringen.
Der Film „Mozart’s Schwester“ ist eine GEO-Filmdokumentation, die im November 2024 ihre Europapremiere in Salzburg feierte.
Maria Anna Walburga Ignatia Mozart, von der Familie liebevoll „Nannerl“ genannt, wurde am 30. Juli 1751 in Salzburg geboren, ihr berühmter Bruder Wolfgang Amadeus folgte 5 Jahre später. Die beiden wurden von ihrem Vater, dem Geiger und späteren Vizekapellmeister, Leopold Mozart zu Hause unterrichtet. Sie erhielten eine gute Allgemeinbildung und die gleiche musikalische Ausbildung, in der sich das Talent der beiden Kinder schnell zeigte. Als sie 8 Jahre alt war, erhielt Maria Anna von ihrem Vater ein Notenbuch, dass sie zum Üben inspirierte und Stücke enthielt, mit denen sie zugleich ihre Fingerfertigkeit trainieren konnte. Ihr Bruder eiferte ihr schon mit 5 Jahren nach und konnte bereits zu diesem Zeitpunkt erste Stücke aus dem Notenbuch spielen, das bis heute als „Nannerl-Buch“ bekannt ist.
Der Vater wollte seine beiden Wunderkinder bekannt machen, ihre Karrieren fördern und organisierte 1762 eine erste Tournee nach Wien und München. Nannerl und Wolfgang Amadeus spielten im Alter von 10 und 6 Jahren zum ersten Mal vor dem Königspaar in Wien. Dieses Konzert brachte der Familie mehr Geld ein, als der Jahresverdienst des Vaters und sicherte so den Unterhalt der Familie. Die nächste Tournee sollte durch Europa gehen und insgesamt drei Jahre dauern, sie endete 1766 in London. Für die beiden Kinder war das eine aufregende Zeit, in der sie Sehenswürdigkeiten bestaunen und großartige Musiker kennenlernen konnten, auch wenn die langen Reisen in der Kutsche sehr beschwerlich waren. Nannerl hielt ihre Erinnerungen in einer Art Tagebuch fest und entwickelte in dieser Zeit ihre Fähigkeiten und ihr Talent weiter. Sie wurde mit viel Aufmerksamkeit bedacht, dennoch stand meist ihr kleiner Bruder im Mittelpunkt, war er doch 5 Jahre jünger.
Sie war 15 Jahre alt, als sie aus London wieder in Salzburg eintrafen – und damit galt sie als Erwachsene, die nicht mehr als Pianistin auftreten durfte. Zu diesem Zeitpunkt veränderte sich die Gleichbehandlung der beiden Kinder, die der Vater stets praktiziert hatte. Fortan durfte nur noch Wolfgang Amadeus auf Tournee gehen. Die gesellschaftlichen Zwänge im Zeitalter der Vernunft (die ausschließlich den Männern zugeordnet war) ließen nichts anderes zu. Nannerl wurde von ihrer Mutter zu einer guten Hausfrau und Mutter ausgebildet. Sie muss sehr frustriert gewesen sein, denn ihr Tagebuch enthielt ab diesem Zeitpunkt nur noch Notizen über das Wetter. Sie nutzte die Musik als Ventil, spielte weiterhin für Bekannte, gab Klavierunterricht und besserte so das Familieneinkommen auf.
Mit ihrem Bruder hielt sie stetigen Briefkontakt. Leider sind ihre Briefe nicht mehr aufzufinden, doch ein Teil ihrer Kompositionen wurde in den Nachrichten von ihrem Bruder gefunden, in denen er sie lobt und ermuntert, weitere Stück zu komponieren.
Während der gemeinsamen Zeit in Salzburg, als sie 22 und er 17 Jahre waren – schrieb Wolfgang ein Klavierstück für vier Hände, das sie gemeinsam spielen konnten und in dem ihre kunstvolle Virtuosität sehr gut zur Geltung kam. Als ihre Mutter und ihr Bruder auf Reisen waren, um eine Anstellung für ihn zu finden, kümmerte Nannerl sich um den väterlichen Haushalt. Mit 33 Jahren ließ sie sich auf eine Vernunftehe mit Freiherrn Johann Baptist von Berchtold zu Sonnenburg ein. Sie zog zu ihm und seinen fünf Kindern nach Sankt Gilgen, ein Ort fernab kulturellen Lebens, an einem See gelegen, dessen feuchte Luft ihren Instrumenten schadete. Sie brachte drei eigene Kinder zur Welt und konnte sich dank der Bediensteten im Adelshaus, weiterhin täglich drei Stunden ihren Übungen und der Musik widmen. Auch wenn das keinen Menschen weit und breit interessierte. Nur für ihren Bruder blieb sie die Person, auf deren musikalisches Urteil er allergrößten Wert legte.
Nach dem Tod ihres Bruders im Jahr 1791 versorgt sie den Biografen und einen Verlag mit Erinnerungen aus der gemeinsamen Kindheit. 10 Jahre später starb ihr Mann und sie zog im Alter von 50 Jahren mit den Kindern nach Salzburg zurück. Sie war als Baronin finanziell abgesichert, nahm aber ihre Tätigkeit als Klavierlehrerin und Pianistin wieder auf. Da sie jetzt den Status einer Witwe hatte, durfte sie wieder öffentlich auftreten und wurde erneut als großes Talent bewundert und gefeiert. In den Folgejahren wurde sie von vielen Menschen besucht, die Mozarts Schwester kennenlernen wollten. Mit 74 Jahren erblindete Nannerl und starb im Oktober 1829 an „Entkräftung“.
Mein persönliches Resümee
Die Filmdokumentation „Mozart’s Schwester“ hat mich sehr beeindruckt. Die Mischung der filmischen Darstellung mit Expertenaussagen von Musiker:innen, Historiker:innen und Wissenschaftler:innen, bietet einen spannenden Einblick in die Zeit, das Talent von Maria Anna Mozart und die damalige Rolle der Frau als Musikerin.
Und ich frage mich, ob sie in einer anderen Zeit bessere Bedingungen vorgefunden hätte? Ob sie ebenfalls so berühmt wie ihr Bruder hätte werden können.
Interessanter Fakt
Im Film berichtet Gabriella Di Laccio, Sopranistin, Gründerin und Direktorin der DONNE Foundation (The Global Voice for Women in Music) davon, wie sie neugierig geworden ist, weil sie viele Konzerte besucht hat, in denen nie Stücke von Komponistinnen gespielt wurden. Sie hat recherchiert und bei einer Befragung (2022/2023) der Top 110 Orchester in 30 Ländern kam heraus, dass immer noch 92% der Stücke im Orchesterrepertoire von Männern komponiert wurden – und 87% von toten Männern mit weißer Hautfarbe. Immerhin – die Zahlen haben sich in der letzten Befragung schon positiv verändert, mehr dazu findest Du unter DONNE Foundation Research.
Auch wenn der Film sehr sehenswert ist, es gibt ihn leider nur im kostenpflichtigen TV. Aber auf Youtube findest Du hingegen einiges zu Maria Anna Mozart. Solltest Du weitere Aspekte finden, teile sie gern im Kommentar.
Deine Helga
Verlinkungen:
GEO Filmdokumentation: „Mozart‘s Sister“ zu sehen auf RTL+ (kostenpflichtig)
Der Vollständigkeit halber: Es gibt noch eine Serie in der ARD Mediathek: Mozart/Mozart: Wolfgang Amadeus und das „Nannerl“, doch die SWR Serien-Kritik ist so übel ausgefallen, dass ich das hier nicht verlinken mag.
Wer träumt nicht von der Rente? Endlich genug Zeit für lange Frühstücke ohne Termine, für ausgedehnte Urlaubreisen in ferne Länder, inspirierende Freiwilligenprojekte oder einfach Chillen und einem stummen Wecker, der nicht mehr mitten in der Nacht klingelt.
Aber für viele Frauen in Deutschland ist dieser Traum nicht nur eine Frage des „Möchte ich gerne“, er hängt unweigerlich mit dem Wort „Geld“ zusammen. Wir leben zwar im fortschrittlichen 21. Jahrhundert, aber in der Realität schauen Frauen auch nach einem langen Arbeitsleben häufig mit einem mulmigen Gefühl auf den Ruhestand. In Deutschland arbeiten rund 77 % der Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren, dennoch sind viele von der Altersarmut betroffen. Das hängt damit zusammen, dass Frauen häufig nur in Teilzeit arbeiten und nebenbei Kinder oder Eltern versorgen. Sie bekommen geringere Löhne und haben Ausfälle durch die Erziehungszeiten. Bei vielen Frauen führen diese Gründe zu einer Rente unter 1.000 Euro. Besonders betroffen sind Frauen mit biografischen Brüchen, Alleinerziehende oder Minijoberinnen.
Frauen im Alter über 65 Jahren bekommen deutlich weniger Rente als Männer: Deren durchschnittliche jährliche Renteneinkünfte lagen – nach aktuellen Zahlen – fast ein Drittel niedriger als die der Männer (Quelle: Destatis). Was bedeutet das für den (Renten-)Alltag? Viele Frauen schauen auf einen Rentenbescheid, bei dem am Ende des Monats nicht mehr viel übrigbleibt.
Meine Geschichte
Ich bin Iris, 63 Jahre, seit 10 Jahren selbständig und arbeite unter anderem als Redakteurin in unserem Team. Vor der Selbständigkeit habe ich über 30 Jahre festangestellt und mit einem überdurchschnittlich guten Gehalt gearbeitet. In den Jahren der Selbständigkeit konnte ich nur noch wenig Geld in die Rentenkasse einzahlen, was sich am Ende natürlich auf die Höhe der zu erwartenden Rente auswirkt. Mit 63 Jahren stehe ich jetzt vor der Frage, wann kann und wann will ich in Rente gehen? Und wie muss ich mein Leben verändern, damit ich mit meiner Rente gut leben kann?
Schnell war mir klar, dass ich meine Ausgaben reduzieren muss, wenn ich mit meiner Rente auskommen will. Meine Lösung, mit der ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen habe: ich bin endlich dorthin gezogen, wo ich schon sehr lange wohnen wollte – nach Friesland. Mit meiner neuen, kleineren Wohnung, ebenerdig und ruhig gelegen, erfülle ich mir den langgehegten Traum vom Landleben und habe meine Ausgaben gleichzeitig um ein Viertel reduziert. So kann ich ab Mai 2026 sogar drei Jahre früher Rente beziehen und trotz der Abschläge von rund 11 % (!) gut leben.
Andere Frauen erzählen ihre Geschichten
Es gibt weitere Beispiele, die wir für Dich in unterschiedlichen Dokumentationen gefunden haben.
Da ist Heidi, 65 Jahre, aus Nordhessen. Sie hat ihr ganzes Leben in unterschiedlichen Berufen gearbeitet – im Einzelhandel, als Hospizhelferin und zeitweise im Büro. Ihre Rente? Rund 600 Euro im Monat. So viel, dass sie trotz harter Arbeit ihr Leben nicht so gestalten kann, wie sie es sich erträumt hatte. Arbeit im Ruhestand? Für Heidi keine romantische Idee, sondern Notwendigkeit: Sie arbeitet noch an sechs Tagen in der Woche in einem Minijob, weil sie sich besser fühlt, wenn sie Geld verdient und weil sie ihren Enkeln etwas bieten möchte, ohne nur zuzusehen.
Und dann ist da die 71-jährige Frau aus Regensburg, die über 45 Jahre Vollzeit gearbeitet hat – als Erzieherin, später in technischen Betrieben. Trotz dieser langen Erwerbsbiografie reicht ihre Rente nicht einmal für einen gelegentlichen Café-Besuch am Nachmittag. Sie erzählt, dass sie lieber zu Hause bleibt, Wasser trinkt und genau nachrechnet, statt wie früher spontan mit Freundinnen auszugehen. Sie beantragt Wohngeld und muss sich Unterstützung von sozialen Einrichtungen holen, um über die Runden zu kommen. Dabei hat sie ihr ganzes Leben lang gearbeitet und sich nichts zu Schulden kommen lassen.
Dorishat früh vorgesorgt, sich extra privat abgesichert und bezieht jetzt eine stabile Rente. Sie kommt mit wenig aus, hat aber die Sorge, kein Polster für Unvorhergesehenes zu haben. Daher hat sie einen 450-Euro-Job angenommen und spart diesen Betrag. Es sind ihre Rücklagen für die Steuer und unvorhergesehene Ausgaben. Und für sie ist es einfach schöner, mit Menschen in Kontakt zu sein und aktiv zu bleiben. Sie genießt ihren Ruhestand mit einem Sinn für Selbstbestimmung und Lebensfreude.
Bleibt das entspannte Rentenleben ein Traum?
Die Beispiele machen deutlich, wie unterschiedlich das Leben in der Rente verlaufen kann: Frauen, die mit trotzigem Lächeln weitermachen, Frauen, die nicht aufgegeben haben, und Frauen, die trotz harter Arbeit über Jahrzehnte immer noch ums finanzielle Überleben kämpfen müssen. All das hat seine Gründe: mehr Teilzeitbeschäftigung, Pausen im Berufsleben für unbezahlte und familiäreCare-Arbeit, geringere Löhne in typisch weiblichen Branchen, das sind die Tatsachen, dass fast die Hälfte aller Frauen im Rentenalter ein Risiko der Altersarmut trägt.
Aber was bleibt von dem Traum von der Rente, wenn die finanzielle Basis nicht vorhanden ist? Für viele ist es ein Mix aus Anpassung, neuen Routinen und neuem Mut. Einige Frauen entdecken in der Rente mehr Zeit für Freundschaften und Ausflüge, die sie sich früher zeitlich nicht leisten konnten. Sie melden sich zu Volkshochschulkursen an, machen Pilates am Vormittag, gestalten ihren Garten um oder lernen endlich Spanisch. Die Zeit der Rente wird so zu einer Bühne für Selbstverwirklichung – trotz oder gerade wegen der Herausforderungen.
Und da sind sie, die schönen Momente: Der Kaffee am frühen Morgen mit langjährigen Freundinnen, die Fahrradtour mitten in der Woche, das Konzert im Park oder einfach der Blick auf den See an einem Sommernachmittag. Manche Frauen sehen die Rente nicht als Ende der Leistungsfähigkeit, sondern als Anfang einer neuen Freiheit. Es ist die Freiheit, den eigenen Tag selbstbestimmt zu gestalten, statt einem Zeitplan zu folgen, der von anderen diktiert wird.
Ja, die Zahlen sind hart. Viele Frauen wissen, dass ihre Rente niedriger ausfällt als die ihrer männlichen Altersgenossen, und berichten von Existenzängsten und Sparsamkeitsstrategien, um zurechtzukommen. Aber gleichzeitig haben sie ihre Träume – Bücher, die sie noch schreiben möchten, Reisen, die sie noch antreten wollen, Enkelkinder, die sie aufwachsen sehen möchten und die Kunst, jeden Tag mit einem Lächeln zu beginnen.
So viel ist klar: Der Traum von Rente ist nicht einfach eine Abfolge von Zahlen auf dem Kontoauszug – er ist eine Lebensphase, die man bewusst leben kann, mit all den Höhen und Tiefen. Und wir Frauen, die wir unseren Traum heute leben, zeigen, dass das Leben auch im Alter so bunt und vielfältig ist wie das Leben selbst.
Hast Du noch Gedanken oder Tipps für unsere Leser:innen, dann hinterlasse uns gern einen Kommentar.
Ich wünsche Dir, dass Du Dir von Deiner Rente alle Träume erfüllen kannst!
2016 bekam sie als Küchenchefin im Restaurant „Schloss Loersfeld“ ihren ersten Michelin Stern. Da war sie gerade 27 Jahre alt und die jüngste Sterneköchin – eine von insgesamt 17 Sterneköchinnen in Deutschland. Im Gegensatz dazu gibt es hier jedoch 301 Sterneköche.
2018 verließ Julia das Restaurant und machte eine Weltreise, um neue Aromen zu entdecken und weiter zu lernen. Damit hat sie den ersten Stern wieder „verloren“, denn der blieb in der Gastronomie, aber ihr Anspruch, ihr Ehrgeiz und ihre Neugier sind geblieben.
Als sie mit ihrem Lebenspartner Yunus 2021 in der Kölner Innenstadt das Sahila – The Restaurant und nebenan die Yu*lia Mezze Bar eröffnete, war wieder ein „Stern“ das Ziel, auf das sie unermüdlich hinarbeitete. 2023 war es dann so weit: sie bekam einen Michelin-Stern für ihr Restaurant „Sahila“ – und auch in den Folgejahren wurde sie immer wieder ausgezeichnet.
Julia Komp ist Teil des perfekt funktionierenden multi-kulturellen Teams. Sie liebt es, Fische zu filetieren und präsentiert im „Sahila“ internationale Spitzenküche, die Tradition und Moderne miteinander vereint. Sie und ihr Team lassen immer neue Menü-Kreationen als geschmackliche Weltreise entstehen. Ihre Mitarbeiter mögen die ruhige und angenehme Chefin, die zwar hohe Anforderungen stellt, aber die Menschen in ihrem Team wertschätzt. Alle Mitarbeiter dürfen sich mit eigenen oder Familienrezepten einbringen. Doch bevor diese Gerichte es auf die Menükarte schaffen, müssen sie Julia mit Geschmack und Komposition überzeugen. Die Gäste erleben eine Weltreise mit wunderbaren Gerichten und mit vielfältigen Aromen, die eigene Geschichten erzählen und für Begeisterung sorgen.
Ein Leben für die Küche
Julias Anspruch an sich selbst ist hoch: perfekt, kreativ und fleißig – mit dieser Leidenschaft steht sie jeden Tag in der Küche. Sie kümmert sich um Bestellungen, bereitet vieles vor, behält alles im Auge und geht abends zu den Gästen. Sie trägt die Verantwortung und hat ihr Leben lang hart für die Anerkennung gekämpft. Die letzten 14 Jahre hat sie in der Küche verbracht, aber das geht nur, wenn man – wie Julia – Spaß an der Arbeit hat.
Selbst an ihren freien Tagen fährt sie zu Lieferanten, denkt über neue Gerichte nach oder versucht abzuschalten. Dabei ist für das Familienleben nur wenig Zeit. In der ZDF-Dokumentation „Friederike klopft an! Julia – Sterneköchin mit Biss“ antwortet sie auf die Frage, ob sie sich vorstellen kann, Kinder zu bekommen: „Das wird eine Herausforderung. Aber das ist ja genau mein Ding.“
Julia Komp ist eine Frau, die ihre Ziele engagiert und fokussiert angeht. Ihr ist bewusst, dass ihr Leben ziemlich durchgetaktet ist und sie auch an den freien Tagen nicht nur entspannt auf der Couch sitzen mag. Sie ist lebenslustig, neugierig und möchte weiter lernen – und das lebt sie mit jeder Faser ihres Seins.
Stell dir vor, jeden Monat gehen Millionen Liter einer Ressource verloren, die im besten Fall mehr kann als nur „lästig“ zu sein. Klingt das nach einem ökologischen Skandal oder einem verpassten medizinischen Durchbruch? In der neuen ARTE-Doku „Verschwenden wir Periodenblut?“ wird genau diese Frage gestellt: Wieso schmeißen wir eigentlich etwas weg, das uns so natürlich begleitet, aber vielleicht so viel mehr sein könnte als nur der nervige Teil des Monats? Kann es sein, dass es nicht erforscht oder genutzt wird, weil es „aus“ einer Frau kommt? In der Vergangenheit standen die Männer im Fokus, wenn es zum Beispiel um die Entwicklung von Medikamenten oder Untersuchungen zu Heilungsmöglichkeiten ging.
Menstruationsblut, dieser rote Fluss, der immerhin 43 Mio. Frauen in Deutschland monatlich über viele Jahre begleitet, gilt in unserer Gesellschaft meist als lästig, eklig oder schlichtweg als Abfall.
Grundlegendes
Frauen verlieren während ihrer Periode zwischen 30 und 120 ml Blut, jeden Monat; rund 400mal, bevor die Menopause einsetzt. Sie verlieren also 12 bis 48 Liter Blut in ihrem Leben. Monatlich landen weltweit mehr als 100 Millionen Liter des sogenannten Periodenbluts im Müll oder im Abwasser – nur, weil wir es nicht anders kennen und es als „unnütze Flüssigkeit“ betrachten. Dabei ist es längst klar, dass wir hier etwas völlig unterschätzt haben.
Ein kleiner Blick ins Grundlegende sei gestattet: Menstruation, die sogenannte Regelblutung oder schlicht „Periode“, ist ein ganz natürlicher Teil des weiblichen Körpers und seines Zyklus. Der Begriff beschreibt eine periodisch wiederkehrende Blutung aus der Gebärmutter, bei der die vorher aufgebaute Schleimhaut abgestoßen wird – ein Vorgang, der im Durchschnitt vier bis fünf Tage dauert und etwa einmal im Monat stattfindet.
Screenshot aus der Dokumentation – Copyright: ARTE
Period Shaming – warum wir uns immer noch schämen
Menstruation ist biologisch banal, gesellschaftlich aber noch immer aufgeladen. Der Begriff „Period Shaming“ beschreibt genau dieses Phänomen: das Beschämen, Tabuisieren oder Lächerlich machen von Menschen, die menstruieren. Period Shaming führt weltweit dazu, dass Betroffene ihre Periode verstecken, nicht darüber sprechen oder sogar von Bildung und Arbeit ausgeschlossen werden. In manchen Kulturen gelten menstruierende Frauen als „unrein“, dürfen bestimmte Orte nicht betreten oder werden sozial isoliert. Aber auch bei uns zeigt sich das, nur subtiler: blaue Flüssigkeiten in Werbespots, peinliches Schweigen auf der Arbeit oder das reflexartige Verbergen des Tampons auf dem Weg zur Toilette. Diese Scham befeuert das Mindset, dass Menstruation ein Störfaktor ist – und genau das bremst Forschung, Aufklärung und medizinischen Fortschritt.
Screenshot aus der Dokumentation – Copyright: ARTE
Fortschritte durch intensive Forschung
Besonders spannend ist die Frage nach dem, was dieses Periodenblut sein könnte. Forscherinnen und Forscher schauen genauer hin: Was, wenn sie ein unterschätztes medizinisches Potenzial erkennen? In der Doku erzählen Medizinerinnen, Start-ups und Wissenschaftlerinnen von Projekten, die genau das versuchen.
Da ist zum Beispiel die Ärztin, die eine Menstruationsbinde entwickelt hat, die mehr kann, als nur Blut aufsaugen: Sie misst damit den Blutzuckerspiegel – ein völlig neuer Blick auf einen Alltagsgegenstand. Oder die Idee, dass Periodenblut helfen könnte, Krankheiten wie Gebärmutterhalskrebs oder sogar Endometriose leichter zu erkennen.
Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen und gleichzeitig eine der am schlechtesten verstandenen. Es handelt es sich dabei um eine Krankheit, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst. Dieses Gewebe reagiert auf den Zyklus, blutet mit – kann aber nicht abfließen. Die Folge sind oft starke Schmerzen, Entzündungen, Verwachsungen und in manchen Fällen Unfruchtbarkeit. Das Bittere daran: Viele Betroffene hören jahrelang, dass ihre Schmerzen „normal“ seien. Die durchschnittliche Zeit bis zur Diagnose liegt bei fünf bis sieben Jahren. Gerade hier könnte Periodenblut künftig eine Schlüsselrolle spielen, weil es Hinweise auf Entzündungen, hormonelle Veränderungen oder krankhafte Prozesse liefern kann, die bisher unsichtbar sind.
Gerade bei für Endometriose-Betroffene liegt eine großartige Verbesserung darin, wenn die Forschenden etwas im Periodenblut finden könnten, das auf solche Erkrankungen hinweist. Dann wäre das nicht nur ein medizinischer Fortschritt – es wäre ein sozialer Fortschritt für alle, die jahrelang leiden mussten und nicht ernst genommen wurden.
Dass die Forschung dieses Potenzial erst jetzt entdeckt – oder besser: ernsthaft erforscht – liegt nicht nur an der Wissenschaft selbst, sondern auch an gesellschaftlichen Hürden. Jahrhunderte lang galt Menstruationsblut als giftig oder gefährlich. Selbst renommierte Mediziner:innen des frühen 20. Jahrhunderts gingen davon aus, dass ein sogenanntes Menotoxin existiert, ein „Gift“, das im Blut menstruierender Frauen stecken könnte. Für diese Theorie gab es keinerlei wissenschaftliche Belege und sie gilt heute als überholter Irrglaube.
Wissenschaftlich betrachtet ist Menstruationsblut weit mehr als nur Blut. Es enthält auch Teile der Gebärmutterschleimhaut, die während des Zyklus aufgebaut und wieder abgestoßen wird, gemischt mit Schleim und weiteren Zellen. Diese Mischung macht es zu einem einzigartigen Biomaterial, das Forscherinnen und Forscher inzwischen mit neuen Augen sehen. Ein bisschen verrückt klingt es ja: Wir haben jahrzehntelang einen Teil unseres Körpers einfach als Abfall betrachtet, während sich darin vielleicht Hinweise auf unsere Gesundheit verbergen, vielleicht sogar Bausteine, die zur Heilung beitragen könnten. In Australien haben Studien gezeigt, dass Periodenblut bei der Wundheilung helfen kann. In Berlin untersucht man darin gefundene Stammzellen für mögliche therapeutische Anwendungen bei Arthrose.
Und dann ist da noch dieser Gedanke, der nach dem Schauen der Doku bleibt: Warum hat sich überhaupt so lange niemand ernsthaft darum gekümmert? Ein Grund ist sicher, dass medizinische Forschung lange Zeit männlich dominiert war. Dieser Umstand hat auch bei anderen Gesundheitsbelangen von Frauen dazu geführt, dass Untersuchungen als nachgelagerte Prioritäten eingestuft wurden. Vieles klingt ein bisschen nach Zukunftsmusik. Aber genau darin liegt der Reiz: Dieses vermeintlich „lästige“ monatliche Ereignis könnte uns helfen, Krankheiten früher zu erkennen, Schmerzen zu lindern und ein Stück weit mehr Verständnis für unseren eigenen Körper zu entwickeln. Und je mehr wir dieses Thema enttabuisieren, desto eher verlässt es die Ecke des „Schamvollen“ und geht dorthin, wo es hingehört: ins Licht der Forschung, ins Gespräch und mitten in unser Leben.
Denn am Ende ist Periodenblut nichts anderes als ein natürlicher Teil unseres Körpers – erstmal eben Menstruation, ein Zyklus, der uns begleitet und formt. Und vielleicht bald auch ein Schatz, der uns besser verstehen lässt, was in unserem Körper passiert. Wir verlieren jeden Monat ein kleines Stück von uns selbst – und gewinnen zukünftig neue, weitreichende Erkenntnisse, die das Leben ein Stück besser machen.