Sepsis: Warum sterben jährlich 85.000 Menschen?

Sepsis: Warum sterben jährlich 85.000 Menschen?

Ein Notfall, der zu oft nicht als Notfall erkannt wird

Das Wissenschaftsmagazin NANO zeigt in der Dokumentation „Sepsis: Warum sterben jährlich 85.000 Menschen?“ eindrücklich, warum eine sogenannte „Blutvergiftung“ so gefährlich ist. Sie sieht am Anfang selten dramatisch aus. Betroffene wirken vielleicht „nur“ sehr krank, atmen schneller, sind verwirrt, haben Fieber, Schüttelfrost oder Herzrasen. Gerade diese unspezifischen Symptome machen die Erkrankung tückisch. Was für Laien wie eine schwere Grippe aussehen kann, ist für die Mediziner ein Wettlauf gegen die Zeit.

Medizinisch betrachtet ist bei einer Sepsis tatsächlich kein „Gift im Blut“, der Begriff „Blutvergiftung“ irritiert etwas. Der Auslöser ist eine Infektion, wie etwa durch Bakterien, Viren oder Pilze. Gefährlich wird es, weil die Immunabwehr nicht mehr nur gezielt gegen die Erreger arbeitet, sondern den ganzen Körper in attackiert. Dann werden Gewebe und Organe geschädigt und im schlimmsten Fall versagen Lunge, Niere, Herz oder Kreislauf. Kommt es zu einem septischen Schock, fällt der Blutdruck lebensbedrohlich ab.

Jaceks Geschichte zeigt, was verlorene Stunden bedeuten

In der NANO-Dokumentation steht unter anderem die Geschichte von Jacek Kardas im Mittelpunkt. Einige Tage nach einer Routineoperation erlitt er zuhause einen Magendurchbruch. Erst Stunden nach der Einlieferung in die Notaufnahme wurde die Sepsis erkannt. Die Folgen waren massiv: Organversagen, eine lange Rehabilitation, psychische Belastungen und der Verlust seiner beruflichen Existenz. Sein Schicksal macht deutlich, dass Sepsis nicht nur eine todbringende Krankheit ist. Wer überlebt, hat oft lange mit körperlichen und seelischen Folgen zu kämpfen.

Gerade Frauen kennen die Situation, für andere Verantwortung zu übernehmen: für Kinder, Partner, Eltern oder pflegebedürftige Angehörige. Deshalb ist es wichtig, Kenntnisse über die Sepsis im Alltag zu haben. Eine ältere Mutter mit Harnwegsinfekt, ein Kleinkind mit hohem Fieber, eine Freundin nach einer Operation oder man selbst nach einer Lungenentzündung. In all diesen Situationen ist es entscheidend die Frage zu stellen: Könnte es Sepsis sein? Die Kampagne  #DeutschlandErkenntSepsis hat sich auf die Fahnen geschrieben, Sepsis, ihre Erkennung und Folgen bekannter machen.

Warum sterben so viele Menschen an einer „Blutvergiftung“?

Ein Hauptgrund ist die späte Diagnose. Sepsis kündigt sich nicht mit einem einzigen eindeutigen Zeichen an. Der bekannte „rote Strich“, der oft als Erkennungsmerkmal genannt wird, ist kein verlässliches Sepsis-Symptom. Er kann auf eine Entzündung der Lymphbahnen hinweisen, fehlt aber bei den meisten Sepsis-Erkrankungen. Viel wichtiger ist es, die Veränderungen des Allgemeinzustands im Blick zu behalten: plötzliches schweres Krankheitsgefühl, schnelle Atmung, Herzrasen, Verwirrtheit, Benommenheit, Fieber, Schüttelfrost, kalte oder fleckige Haut und starke Schmerzen.

Ein weiterer Grund liegt im Gesundheitssystem. In Kliniken, Notaufnahmen, Rettungsdiensten und Arztpraxen müssen viele Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden. Wenn Warnsysteme fehlen, Laborwerte nicht schnell genug verfügbar sind oder Zuständigkeiten unklar bleiben, geht kostbare Zeit verloren. Fachleute kritisieren seit Jahren, dass Deutschland im internationalen Vergleich starken Nachholbedarf bei der strukturierten Früherkennung, digitaler Unterstützung und der konsequenten Umsetzung der Sepsis-Standards hat.

Hinzu kommt: Sepsis wird gesellschaftlich unterschätzt. Herzinfarkt und Schlaganfall sind als Notfälle fest im Bewusstsein verankert. Viele wissen, dass Brustschmerz, halbseitige Lähmung oder Sprachstörungen sofortiges Handeln erfordern. Bei Sepsis fehlt dieses Wissen zumeist. Dabei zählt auch hier jede Stunde. Je früher die Infektion kontrolliert, Antibiotika oder andere passende Medikamente gegeben, Flüssigkeit verabreicht und Organfunktionen überwacht werden, desto größer sind Überlebenschancen und reduzierte Folgeschäden.

Was passiert im Körper?

Bei einer normalen Infektion arbeitet die Abwehr wie eine gut koordinierte Einsatztruppe: Sie erkennt Erreger, bekämpft sie und fährt anschließend die Reaktion wieder herunter. Bei einer Sepsis gerät dieses System sofort aus dem Gleichgewicht. Entzündungsbotenstoffe, also körpereigene Signalstoffe, werden in großer Menge ausgeschüttet. Dadurch werden Blutgefäße durchlässiger, wichtige Organe schlechter durchblutet, die Blutgerinnung gestört und in der Folge bekommen Zellen zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe.

Das erklärt, warum eine Sepsis so schnell kippen kann. Ein Mensch kann morgens noch ansprechbar sein und wenige Stunden später auf der Intensivstation um sein Leben kämpfen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Neugeborene, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, chronisch Kranke sowie Patientinnen und Patienten nach Operationen. Aber eine Sepsis kann grundsätzlich jede und jeden treffen, auch Menschen ohne Vorerkrankungen.

Digitale Warnsysteme und Schnelltests: Hoffnung auf frühere Diagnosen

Die NANO-Dokumentation zeigt zwei Ansätze, die Leben retten könnten. An der Universitätsmedizin Greifswald wird eine Screening-Software eingesetzt, die Patientendaten fortlaufend auswertet und Alarm schlägt, wenn Werte kritisch werden. Screening bedeutet: Es wird systematisch nach Warnzeichen gesucht, noch bevor jemand offensichtlich im Schockzustand ist. Solche Systeme können Pflegekräfte, Ärzte und Ärztinnen entlasten. Sie ersetzen nicht die klinische Aufmerksamkeit, aber helfen, Veränderungen schneller zu erkennen.

Im Main-Taunus-Kreis wird zudem ein Schnelltest auf Procalcitonin erprobt. Das Prohormon ist ein Indikator, der bei schweren bakteriellen Infektionen ansteigen kann. Er weist darauf hin, dass es eine Sepsis sein könnte und ermöglicht in der Gesamtbetrachtung aller Symptome und Befunde eine schnellere Entscheidung. Besonders hilfreich ist der Einsatz im Rettungswagen oder in Arztpraxen, also, bevor Betroffene überhaupt in der Klinik angekommen sind. Solche Innovationen zeigen, dass Unterstützung für beschleunigte Diagnosen möglich sind und die Todesfallraten sinken können. Die Weltgesundheitsorganisation hat Sepsis bereits 2017 als globale Gesundheitsbedrohung eingestuft und fordert bessere Prävention, frühere Diagnose und wirksame Behandlungspfade. In Deutschland verweisen Fachgesellschaften, Patientensicherheitsinitiativen und die Sepsis-Stiftung darauf, dass ein erheblicher Teil schwerer Verläufe vermeidbar wäre, wenn Infektionen schneller erkannt, Impfungen (z. B. Grippe, Pneumokokken oder COVID-19) konsequent genutzt, Hygienestandards eingehalten und mögliche Erkrankungen als Verdachtsfälle strukturiert behandelt würden.

Die Warnzeichen, die jede Familie kennen sollte

Eine Sepsis beginnt meist mit einer Infektion. Entscheidend ist deshalb die Kombination aus Infekt und einer deutlichen Verschlechterung der körperlichen und/oder geistigen Verfassung – Verwirrtheit, Luftnot, schneller Atem, hohe Pulsfrequenz, kaum ansprechbar, Krankheitsgefühl. Auch kalte, blasse oder marmorierte Haut, ein starker Blutdruckabfall, extreme Schmerzen oder ungewöhnliche Schläfrigkeit sind Alarmsignale.

Aber Achtung: Bei Babys und Kindern können Warnzeichen anders aussehen. Trinkschwäche, ungewöhnliche Teilnahmslosigkeit, schnelle Atmung, blasse oder fleckige Haut, schrilles Schreien, Krampfanfälle oder ein Zustand, der den Eltern „nicht geheuer“ ist, gehören ernst genommen. Auch in der Schwangerschaft, im Wochenbett und bei älteren Menschen kann eine Sepsis untypisch verlaufen. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu früh Hilfe holen als einmal zu spät.

Bei Verdacht auf eine Sepsis sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden. Die ausdrückliche Erwähnung, dass eine Infektion vorliegt oder vermutet wird und dass man an Sepsis denkt, ist wichtig. Dieser Satz kann helfen, die Dringlichkeit klarzumachen. Sepsis ist kein Fall für Abwarten, Hausmittel oder „morgen zum Arzt gehen“. Sie ist ein medizinischer Notfall.

Was wir selbst tun können

Eine Sepsis lässt sich nicht immer verhindern. Aber das Risiko kann verringert sich, wenn wir unsere Infektionen ernst nehmen und rechtzeitig behandeln lassen. Dazu gehört ggf. ein guter Impfschutz, etwa gegen Grippe, Pneumokokken oder COVID-19, eine gute Wundversorgung, Händehygiene, das vollständige Auskurieren schwerer Infekte und das Gespräch mit dem Arzt, wenn Beschwerden sich verschlechtern.

Ebenso wichtig ist die Nachsorge. Viele Überlebende berichten von Erschöpfung, Konzentrationsproblemen, Schmerzen, Muskelschwäche, Schlafstörungen, Angst oder Depressionen. Diese Folgen werden nicht immer sofort mit der Sepsis in Verbindung gebracht. Wer eine Sepsis überlebt hat, braucht deshalb nicht nur medizinische Kontrolle, sondern oft auch Rehabilitation, psychologische Unterstützung und Verständnis im Umfeld.

Mehr Bewusstsein kann Leben retten

Die Zahl von jährlich mindestens 85.000 Todesfällen ist deshalb mehr als eine Statistik. Sie steht für Menschen, deren Infektion zu spät als lebensbedrohlich erkannt wurde, für Familien, die jemanden verloren haben, und für Überlebende, deren Alltag sich von einem Tag auf den anderen stark verändert hat. Die Sepsis ist gefährlich, weil sie schnell ist und weil sie im Bewusstsein vieler Menschen noch nicht die Aufmerksamkeit hat, den Herzinfarkt und Schlaganfall längst haben.

Die wichtigste Botschaft lautet daher: Eine schwere Infektion plus plötzliche Verschlechterung sind Warnsignale. Wer dann an Sepsis denkt, nachfragt, den Notruf wählt und nicht lockerlässt, kann die so wichtige Behandlungszeit herausholen. Und ganz sicher ist eins: bei einer Sepsis bedeutet Zeit oft Leben.

Anmerkung der Redaktion

Wir sind auf das Thema „Sepsis“ durch die NANO-Dokumentation „Sepsis: Warum sterben jährlich 85.000 Menschen?“ von 3sat/ZDF aufmerksam geworden.

Natürlich sind wir keine Ärztinnen, trotzdem haben wir uns entschieden, diesen Beitrag zu schreiben. Unser Ziel ist, Dich für das Thema zu sensibilisieren und damit vielleicht dazu beizutragen, dass in Zukunft weniger Menschen an einer Blutvergiftung sterben. Der Beitrag ist absichtlich allgemein gehalten und mit kompetenten Quellen versehen, bei denen Du Dich umfangreich informieren kannst.


Quellen:

3sat/ZDF NANO – Sepsis: Warum sterben jährlich 85.000 Menschen?

ZDF Heute Nachrichten – Sepsis: So gefährlich ist eine Blutvergiftung

Sepsis verstehen, erkennen und vorbeugen

DeutschlandErkenntSepsis

Institut für Qualitätssicherung und Transparenz in Gesundheitswesen

Robert Koch Institut – Sepsis – Epidemiologisches Bulletin

Ärztekammer Niedersachsen – Sepsis – so gefährlich wie Herzinfarkt oder Schlaganfall

Alleinerziehend – Es wird getan, was getan werden muss!

Alleinerziehend – Es wird getan, was getan werden muss!

Es sieht von außen betrachtet ganz alltäglich aus: Die Organisation einer Familie als Alleinerziehende:r . Doch dieser Eindruck täuscht über die Realität hinweg. Anders als Eltern in einer Paarbeziehung tragen sie die alleinige Verantwortung für die (minderjährigen) Kinder. Teilweise ohne Unterstützung durch Großeltern oder Geschwister, wuppen sie das tägliche Leben zwischen Erziehung, Haushalt und Erwerbstätigkeit, die oft schlecht- oder unterbezahlt ist. Finanzielle Sorgen schweben wie dunkle Wolken über dem ständigen Funktionieren müssen. Es ist kaum Zeit für eigene Bedürfnisse. Das Wohl der Kinder steht immer an erster Stelle. 

  • „Ich schlafe im Wohnzimmer, damit meine drei Kinder ein eigenes Zimmer haben.“
  • „Wenn Du glaubst du kannst nicht mehr, dann darfst Du dich nicht hinsetzen und musst Dir eine neue Aufgabe suchen.“
  • „Man kann versuchen, die Rolle (der Mutter) mit zu übernehmen und ich habe auch gelernt aufzupassen, dass die Große (Tochter) nicht die Mutterrolle für die Kleine (Tochter) übernimmt.“

Drei Dokumentationen über den Alltag von Alleinerziehenden

Wir haben drei Dokumentationen aus vielen Sendungen herausgegriffen, die das Spannungsfeld von alleinerziehenden Elternteilen bodenständig, real und nachvollziehbar darlegen, ohne eine künstliche Dramatik.

Zu den Inhalten

Die zu Wort kommenden Alleinerziehenden stehen parat, müssen stets funktionieren und managen den Familienalltag. Zeit für sich können sich die wenigsten nehmen. Eher wird die Wochenarbeitszeit im Teilzeitjob aufgestockt oder ein Minijob noch dazu genommen, damit sich die finanzielle Lage verbessert.

Es tauchen Fragen auf, die sich Paare nicht stellen müssen. Was tun, wenn ein Kind mit dem Notarzt ins Krankenhaus muss und das zweite Kind nicht mitgenommen werden kann? Wie entscheidet sich (in diesem Fall) die Mutter? Warum werden die politischen Weichen nicht so gestellt, dass in solchen Fällen schnelle Unterstützung erfolgen kann? Was kann man ausrichten, wenn man als taubstummes Elternteil den Kindergarten erreichen muss, es aber nur eine Telefonnummer gibt?

In den Sendungen wird deutlich, dass fehlende Zugänge zu Hilfsangeboten, unüberwindbare Barrieren sind. Es geht um Menschen, die Unterstützung benötigen und die oft dafür kämpfen müssen, um zu bekommen, was ihnen zusteht. Zahlt ein Elternteil keinen Unterhalt, müssen für jedes Kind separate Formulare ausgefüllt und ein Rechtsbeistand beantragt werden, damit dieser das Geld einfordern kann. Die Bürokratie macht es nur noch schwerer.

Einige Fakten:

  • Im Jahr 2024 waren laut des Statistischen Bundesamtes rund 2,3 Millionen Mütter und etwa 496.000 Väter in Deutschland alleinerziehend (Quelle: Statista, abgerufen am 16.10.2025). Mehr als jeder dritte Haushalt von Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern ist auf staatliche Hilfe angewiesen.
  • Über 40% der Alleinerziehenden fühlen sich finanziell unter Druck.
  • Lt. Bertelsmann Stiftung sind 43% der Alleinerziehenden arm.
  • Rund 15% der alleinerziehenden Mütter haben Depressionen, bei Müttern in Partnerschaften sind es nur 6%. (RKI)
  • Alleinerziehende sind doppelt so oft unzufrieden mit ihrem Leben, wie Eltern in einer Partnerschaft.

Fazit

Was von außen betrachtet normal zu sein scheint, ist ein riesiger Kraftakt für die Elternteile, die sich ohne Partner:in um die Kinder kümmern. Die jederzeit mit dem Schlimmsten rechnen und hoffen, dass alles gut geht. Das ist eine starke mentale und körperliche Belastung, die große Achtung, viel Beachtung und schnellstmöglich andere Rahmenbedingungen braucht! 

Weitere interessante Links:

Die Entfremdung verfremden – Ein Artikel auf „nd Journalismus von links“ über die Retrospektive des Werks von Margaret Raspé, einer Pionierin der Videokunst, die bereits in den 70er-Jahren eine Alleinerziehende war.

Schmerzen, ein Überblick: von der Entstehung bis zur Linderung

Schmerzen, ein Überblick: von der Entstehung bis zur Linderung

In der WDR Sendung Quarks „Aua! Die Wissenschaft vom Schmerz“ wird das Thema Schmerz genauer unter die Lupe genommen. Zum einen sind Schmerzen ein Warnsignal des Körpers, zum anderen behindern sie uns im Alltag. Sie schränken unsere Bewegungsfreiheit ein, verursachen einen dichten „Nebel“ im Kopf oder treiben Menschen in die Isolation. Wie ist der aktuelle Stand der Medizin und welche anderen Möglichkeiten stehen heute zur Verfügung, mit (dauerhaften) Schmerzen umzugehen?

Die kurzweilige Sendung ermöglich einen guten Einblick in den aktuellen Stand von Medizin und Forschung – von der Entstehung der Schmerzen, über die Wirkung von Schmerzmitteln und Placebos bis zu neuen Therapiemöglichkeiten bei chronischen Schmerzen.

Im Beitrag werden u. a. diese Fragen beantwortet:

  • Wie entsteht Schmerz?
  • Was ist der Unterschied zu chronischen Schmerzen?
  • Was passiert bei Akkupunktur?
  • Wie wirksam ist Hypnose zur Schmerzlinderung bei Endometriose?
  • Wie kann VR (Virtuelle Realität) bei der Schmerzreduktion unterstützen?
  • Wie wirkungsvoll ist die geistige Forderung, die Konzentration auf andere Themen (also quasi eine Ablenkung), hinsichtlich des Schmerzempfindens?
  • Wie gut funktionieren Placebos bei echten Schmerzen?

Mach Dich schlau und erfahre in knackigen 45 Minuten viel Wissenswertes rund um das Thema Schmerz.

Hier findest Du die gesamte Dokumentation:

ARD Mediathek – WDR Quarks vom 12.06.2025: Aua! Die Wissenschaft vom Schmerz (verfügbar bis 12.06.2030)

Wir haben uns bereits mit einem Schmerzthema beschäftigt. Lies gerne unseren Beitrag im Blog: Endometriose: Betroffene fordern Anerkennung und Bekanntheit!

Hebamme – Ein unverzichtbarer Beruf mit großen Herausforderungen

Hebamme – Ein unverzichtbarer Beruf mit großen Herausforderungen

Hebammen haben eine wichtige Aufgabe in der Geburtshilfe und der Betreuung werdender Mütter. Für werdende Mütter wird es immer schwieriger, eine Hebamme zu finden, die sie durch ihre Schwangerschaft begleitet. Dabei ist der Hebammenmangel längst kein neues Thema mehr. In ländlichen Regionen gibt es oft nur wenige Hebammen, die eine große Anzahl an Frauen versorgen müssen. Die freiberuflichen Hebammen haben mit schwierigen Arbeitsbedingungen zu kämpfen, darunter hohe Versicherungskosten, unzureichende Honorare und unregelmäßige Arbeitszeiten.

Gerade die Geburtshilfe ist für viele Hebammen nicht mehr tragbar, weil die Kosten für die Berufshaftpflichtversicherung immens hoch sind. Das führt dazu, dass immer weniger Hebammen Geburtshilfe anbieten und den Fokus auf die Vor- und Nachsorge legen. In vielen ländlichen Regionen gibt es mittlerweile kaum noch Hebammen, sodass Hebammen und Schwangere weite Strecken fahren müssen, um eine entsprechende Betreuung rund um die Geburt zu geben und zu erhalten. Auch die Arbeit in abgelegenen Regionen ist häufig mit großen Herausforderungen verbunden. Während die Hebammen in den Städten meist in Kliniken oder Geburtshäusern arbeiten, müssen sie auf dem Land oft lange Wegstrecken zurücklegen, um Frauen in der Schwangerschaft, unter der Geburt oder im Wochenbett zu betreuen. Das bedeutet nicht nur eine hohe zeitliche Belastung, sondern auch eine große logistische Herausforderung.

Hebamme untersucht Bauch einer schwangeren Frau mit CTG-Scan in der Praxis

Daniela Becherer – Hebamme mit Herz und Haltung im Schwarzwald

​In der SWR-Dokumentation „Friederike klopft an: Daniela – die Hebamme auf dem Land“ gibt Daniela Einblicke in ihren Alltag. Sie spricht über die Herausforderungen, die mit ihrer Arbeit verbunden sind, und darüber, wie sie versucht, sich selbst dabei nicht zu verlieren. Die Dokumentation zeigt, mit wie viel Herzblut sie sich für die bestmögliche Versorgung schwangerer Frauen auf dem Land einsetzt.​

Wer Daniela Becherer kennenlernt, merkt schnell: Diese Frau ist ganz in ihrem Element. Seit über 20 Jahren begleitet sie Frauen rund um Geburt, Schwangerschaft und Stillzeit – mit viel Engagement, medizinischem Wissen und menschlicher Wärme. Doch Daniela ist nicht nur Hebamme, sondern auch Mutter von zwei Töchtern. Sie weiß also genau, was diese Zeit für die Frauen bedeutet.

Familie als Rückhalt – und Herausforderung

Danielas Lebensmittelpunkt ist ihre Familie. Mit ihrem Mann und den zwei Kindern lebt sie in einem kleinen Ort im Schwarzwald. Ganz in der Nähe, in St. Georgen, hat sie gemeinsam mit einer Gynäkologin und einer Hebammen-Kollegin Praxisräume gemietet. Ihre Kinder sind inzwischen im Schulalter, was den Familienalltag abwechslungsreich – und manchmal auch chaotisch – gestaltet. Die morgendlichen Abläufe gleichen einem kleinen Orchester: Brotdosen packen, Turnbeutel kontrollieren, Kinder motivieren, anziehen, verabschieden. Und dann: ab ins Auto, oft direkt zum ersten Hausbesuch. Doch das System Becherer funktioniert. Klare Absprachen, feste Rituale und die Bereitschaft aller, mitanzupacken, helfen dabei, dass sich niemand verliert. Daniela und ihr Mann teilen sich die Care-Arbeit so auf, dass Freiräume entstehen – auch wenn spontane Notfälle manchmal alles über den Haufen werfen. „Flexibilität ist bei uns kein Schlagwort – sondern gelebte Realität“, sagt Daniela mit einem Schmunzeln.

Hebamme sitzt im Auto auf dem Weg zu einer Patientin

Berufung mit System

In ihrer Hebammenpraxis bietet Daniela viele Leistungen an: Von der Schwangerenvorsorge über Geburtsvorbereitung bis zur Wochenbettbetreuung, Rückbildung und Stillberatung. Die Kurse finden entweder vor Ort oder – je nach Bedarf – auch online statt. Neben ihrem fachlichen Wissen hat sie eine zusätzliche Qualifikation als Krankenschwester, was ihr ermöglicht, über die Geburtsvorbereitung und -nachsorge hinaus, Müttern weitere Angebote zu machen

Auch die Naturheilkundliche Begleitung ist ihr wichtig. Akupunktur gehört für Daniela zur Vorbereitung der Mütter auf die Geburt dazu – nicht nur zur Linderung von Beschwerden, sondern auch zur mentalen Stärkung. Ihre Philosophie: Frauen in ihrer Selbstwirksamkeit zu unterstützen, deren Vertrauen in den eigenen Körper aufzubauen und Geburt nicht nur als medizinischen Vorgang, sondern als Lebensereignis zu begreifen.

Logistik trifft Herzarbeit

Der Alltag als Landhebamme bedeutet: viele Kilometer auf der Straße. Ihre Patientinnen wohnen weit verstreut in der ländlichen Region um Triberg, Schönwald und St. Georgen. Manchmal sind es täglich über 100 Kilometer, die sie zwischen Kursen, Hausbesuchen und Notfällen zurücklegt. In der Doku „Friederike klopft an“ schildert Daniela, wie ihre Arbeit sie manchmal bis an die Grenze der Erschöpfung bringt – weil sie nicht nur ihren Beruf liebt, sondern auch spürt, wie dringend sie gebraucht wird. Die Gesundheitsversorgung auf dem Land ist lückenhaft, Hebammen sind rar. Daniela steht oft unter Druck – emotional wie organisatorisch. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen. Um nicht auszubrennen, hat sich die Familie kleine, aber wirkungsvolle Routinen geschaffen: Gemeinsame Abendessen, Waldspaziergänge am Wochenende, Zeitfenster ohne Handy oder Dienstbereitschaft. Daniela nennt das „Anker im Alltag“. Und wenn ihr alles zu viel wird, geht sie zu ihren Bienen. Hier findet sie die Ruhe, die sie braucht, um ihre Akkus wieder aufzuladen.

Imkerin versorgt ihre Bienen am Stock, einige Biene schwirren aus

Politisches Engagement als Teil der Lösung

Über ihre Arbeit hinaus engagiert sich Daniela für bessere Rahmenbedingungen in der Geburtshilfe. Sie war mehrere Jahre im Vorstand des Landesverbandes der Hebammen Baden-Württemberg tätig. Ihr Ziel: die Arbeitsbedingungen für Hebammen zu verbessern und die Versorgungslage auf dem Land weiter auszubauen.

Stimmen der betreuten Familien: Nähe, die bleibt

Wer mit Daniela gearbeitet hat, bleibt oft lange mit ihr verbunden. Die Rückmeldungen der Eltern sind voller Dankbarkeit – für ihre ruhige, stärkende Art, für die offenen Gespräche, die praktischen Tipps und den Humor, wenn’s mal schwierig wurde. Und nicht selten hört Daniela beim Hausbesuch ein fröhliches Kinderlachen: „Mama, die Hebamme ist wieder da!“

Zwischen Kraftakt und Herzenssache

Daniela Becherer ist eine Frau, die mit ihrer Arbeit einen echten Unterschied macht. Als Mutter, Partnerin, Hebamme und Netzwerkerin lebt sie ein Modell, das zeigt: Mit Organisation, Teamgeist – und ganz viel Herz – lässt sich auch ein scheinbar unmöglicher Alltag meistern. Ihre Geschichte ist eine, die Mut macht. Sie zeigt, wie wertvoll Hebammenarbeit ist – für jede einzelne Familie und für unsere Gesellschaft.


Für mehr Infos und persönliche Einblicke besucht gern Danielas Website: www.hebamme-becherer.de
Dokumentation Daniela – die Hebamme auf dem Land (SWR) (verfügbar bis 27.03.2027)

Beckenbodentrainer auf Rezept: Elvie und Emy im Vergleich        

Beckenbodentrainer auf Rezept: Elvie und Emy im Vergleich        

Bei ungefähr jeder vierten Frau in Deutschland treten unangenehme Erfahrungen mit Inkontinenz auf. Dabei betrifft ungewollter Harnverlust nicht nur Frauen ab 55 Jahren, sondern kann ebenso bei Frauen nach einer Schwangerschaft auftreten – also im Alter zwischen 20 bis 45 Jahren.  Sportlerinnen und besonders Leistungssportlerinnen aller Altersklassen können ebenfalls betroffen sein. (Mehr dazu findest Du in unserem Beitrag: Inkontinenz trifft auch junge Sportlerinnen).

Der Beckenboden ist ein starker kleiner Muskelapparat, der wie eine Hängematte zwischen Steißbein und Schambein sitzt. Ist dieser Muskelapparat gesund und fest, ist Dein Körper optimal auf Schwangerschaft, Entbindung und Älterwerden vorbereitet. Im Laufe der Zeit, nach einer Entbindung oder bei anstrengendem Sport, lässt die Flexibilität des Muskels nach. Das Ergebnis der Muskelschwäche ist meistens Inkontinenz.

Auf dem deutschen Markt werden viele Inkontinenz-Produkte angeboten. Die Palette reicht von aufsaugenden Damenbinden und Harnverlustprodukten bis hin zu physiotherapeutischen Anwendungen. Diese Mittel „vertuschen“ nur die Auswirkungen einer Inkontinenz, können den Beckenboden aber nicht stärken. Außerdem ist es schwierig, einen Muskel zu trainieren, den man nicht sieht – und hier kommt ein Beckenbodentrainer ins Spiel!

Speziell in Deutschland ist es möglich, Beckenbodentrainer für eine nachhaltige Verbesserung der Beckenbodenmuskulatur per Rezept zu erhalten. Dabei handelt es sich zum Beispiel um die Beckenbodentrainer Elvie (Willow Innovations, Inc.) und den Emy (Fizimed SAS), die beide über eine Hilfsmittel-Nummer verfügen. Bis auf die Rezeptgebühr werden die Kosten von den meisten Krankenkassen übernommen. (Solltest Du ein Privatrezept haben, kannst Du die Kostenübernahme im Vorfeld klären.)

  • Elvie Trainer: Hilfsmittel-Nr. 15.25.19.2026
  • Emy: Hilfsmittel-Nr. 15.25.19.2027

Der Vergleich

Wir haben die beiden Beckenbodentrainer genauer unter die Lupe genommen, ihre Anwendung und Funktionen getestet und sie miteinander verglichen.

  • Beide bieten Dir eine effektive Lösung bei einer Beckenbodenschwäche und Harninkontinenz.
  • Beide Beckenbodentrainer arbeiten in Verbindung mit Apps, bieten Dir unterschiedliche Trainingspläne, die Deine spezifischen Bedürfnisse berücksichtigen und Dir die Fortschritte anzeigen.  
  • Der große Vorteil: Du bist auf keinen Termin festgelegt, sondern kannst das Training ganz individuell in Deinen Alltag einbauen.

Den umfassenden Überblick und Antworten auf weitere Fragen findest Du hier: https://dein-beckenbodentrainer.info/