Mein Traum von der Rente – und wie Frauen ihn wirklich leben

Mein Traum von der Rente – und wie Frauen ihn wirklich leben

Wer träumt nicht von der Rente? Endlich genug Zeit für lange Frühstücke ohne Termine, für ausgedehnte Urlaubreisen in ferne Länder, inspirierende Freiwilligenprojekte oder einfach Chillen und einem stummen Wecker, der nicht mehr mitten in der Nacht klingelt.

Aber für viele Frauen in Deutschland ist dieser Traum nicht nur eine Frage des „Möchte ich gerne“, er hängt unweigerlich mit dem Wort „Geld“ zusammen. Wir leben zwar im fortschrittlichen 21. Jahrhundert, aber in der Realität schauen Frauen auch nach einem langen Arbeitsleben häufig mit einem mulmigen Gefühl auf den Ruhestand. In Deutschland arbeiten rund 77 % der Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren, dennoch sind viele von der Altersarmut betroffen. Das hängt damit zusammen, dass Frauen häufig nur in Teilzeit arbeiten und nebenbei Kinder oder Eltern versorgen. Sie bekommen geringere Löhne und haben Ausfälle durch die Erziehungszeiten. Bei vielen Frauen führen diese Gründe zu einer Rente unter 1.000 Euro. Besonders betroffen sind Frauen mit biografischen Brüchen, Alleinerziehende oder Minijoberinnen. 

Frauen im Alter über 65 Jahren bekommen deutlich weniger Rente als Männer: Deren durchschnittliche jährliche Renteneinkünfte lagen – nach aktuellen Zahlen – fast ein Drittel niedriger als die der Männer (Quelle: Destatis). Was bedeutet das für den (Renten-)Alltag? Viele Frauen schauen auf einen Rentenbescheid, bei dem am Ende des Monats nicht mehr viel übrigbleibt.

Meine Geschichte

Eine Frau stützt ihren Kopf auf ihre Faust und lächelt in die Kamera. Sie trägt ein oranges T-Shirt.

Ich bin Iris, 63 Jahre, seit 10 Jahren selbständig und arbeite unter anderem als Redakteurin in unserem Team. Vor der Selbständigkeit habe ich über 30 Jahre festangestellt und mit einem überdurchschnittlich guten Gehalt gearbeitet. In den Jahren der Selbständigkeit konnte ich nur noch wenig Geld in die Rentenkasse einzahlen, was sich am Ende natürlich auf die Höhe der zu erwartenden Rente auswirkt. Mit 63 Jahren stehe ich jetzt vor der Frage, wann kann und wann will ich in Rente gehen? Und wie muss ich mein Leben verändern, damit ich mit meiner Rente gut leben kann?

Schnell war mir klar, dass ich meine Ausgaben reduzieren muss, wenn ich mit meiner Rente auskommen will. Meine Lösung, mit der ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen habe: ich bin endlich dorthin gezogen, wo ich schon sehr lange wohnen wollte – nach Friesland. Mit meiner neuen, kleineren Wohnung, ebenerdig und ruhig gelegen, erfülle ich mir den langgehegten Traum vom Landleben und habe meine Ausgaben gleichzeitig um ein Viertel reduziert. So kann ich ab Mai 2026 sogar drei Jahre früher Rente beziehen und trotz der Abschläge von rund 11 % (!) gut leben.

Andere Frauen erzählen ihre Geschichten

Es gibt weitere Beispiele, die wir für Dich in unterschiedlichen Dokumentationen gefunden haben.

Da ist Heidi, 65 Jahre, aus Nordhessen. Sie hat ihr ganzes Leben in unterschiedlichen Berufen gearbeitet – im Einzelhandel, als Hospizhelferin und zeitweise im Büro. Ihre Rente? Rund 600 Euro im Monat. So viel, dass sie trotz harter Arbeit ihr Leben nicht so gestalten kann, wie sie es sich erträumt hatte. Arbeit im Ruhestand? Für Heidi keine romantische Idee, sondern Notwendigkeit: Sie arbeitet noch an sechs Tagen in der Woche in einem Minijob, weil sie sich besser fühlt, wenn sie Geld verdient und weil sie ihren Enkeln etwas bieten möchte, ohne nur zuzusehen.

Und dann ist da die 71-jährige Frau aus Regensburg, die über 45 Jahre Vollzeit gearbeitet hat – als Erzieherin, später in technischen Betrieben. Trotz dieser langen Erwerbsbiografie reicht ihre Rente nicht einmal für einen gelegentlichen Café-Besuch am Nachmittag. Sie erzählt, dass sie lieber zu Hause bleibt, Wasser trinkt und genau nachrechnet, statt wie früher spontan mit Freundinnen auszugehen. Sie beantragt Wohngeld und muss sich Unterstützung von sozialen Einrichtungen holen, um über die Runden zu kommen. Dabei hat sie ihr ganzes Leben lang gearbeitet und sich nichts zu Schulden kommen lassen.

Eine Frau mit langen grauen Haaren zeigt einem kleinen Mädchen, wie eine Hagebutte geschnitten wird.

Doris hat früh vorgesorgt, sich extra privat abgesichert und bezieht jetzt eine stabile Rente. Sie kommt mit wenig aus, hat aber die Sorge, kein Polster für Unvorhergesehenes zu haben. Daher hat sie einen 450-Euro-Job angenommen und spart diesen Betrag. Es sind ihre Rücklagen für die Steuer und unvorhergesehene Ausgaben. Und für sie ist es einfach schöner, mit Menschen in Kontakt zu sein und aktiv zu bleiben. Sie genießt ihren Ruhestand mit einem Sinn für Selbstbestimmung und Lebensfreude.

Bleibt das entspannte Rentenleben ein Traum?

Die Beispiele machen deutlich, wie unterschiedlich das Leben in der Rente verlaufen kann: Frauen, die mit trotzigem Lächeln weitermachen, Frauen, die nicht aufgegeben haben, und Frauen, die trotz harter Arbeit über Jahrzehnte immer noch ums finanzielle Überleben kämpfen müssen. All das hat seine Gründe: mehr Teilzeitbeschäftigung, Pausen im Berufsleben für unbezahlte und familiäre Care-Arbeit, geringere Löhne in typisch weiblichen Branchen, das sind die Tatsachen, dass fast die Hälfte aller Frauen im Rentenalter ein Risiko der Altersarmut trägt.

Aber was bleibt von dem Traum von der Rente, wenn die finanzielle Basis nicht vorhanden ist? Für viele ist es ein Mix aus Anpassung, neuen Routinen und neuem Mut. Einige Frauen entdecken in der Rente mehr Zeit für Freundschaften und Ausflüge, die sie sich früher zeitlich nicht leisten konnten. Sie melden sich zu Volkshochschulkursen an, machen Pilates am Vormittag, gestalten ihren Garten um oder lernen endlich Spanisch. Die Zeit der Rente wird so zu einer Bühne für Selbstverwirklichung – trotz oder gerade wegen der Herausforderungen.

Drei ältere Frauen sitzen gemeinsam beim Frühstück und stoßen mit ihren Kaffeetassen aus einen schönen Tag an.

Und da sind sie, die schönen Momente: Der Kaffee am frühen Morgen mit langjährigen Freundinnen, die Fahrradtour mitten in der Woche, das Konzert im Park oder einfach der Blick auf den See an einem Sommernachmittag. Manche Frauen sehen die Rente nicht als Ende der Leistungsfähigkeit, sondern als Anfang einer neuen Freiheit. Es ist die Freiheit, den eigenen Tag selbstbestimmt zu gestalten, statt einem Zeitplan zu folgen, der von anderen diktiert wird.

Ja, die Zahlen sind hart. Viele Frauen wissen, dass ihre Rente niedriger ausfällt als die ihrer männlichen Altersgenossen, und berichten von Existenzängsten und Sparsamkeitsstrategien, um zurechtzukommen. Aber gleichzeitig haben sie ihre Träume – Bücher, die sie noch schreiben möchten, Reisen, die sie noch antreten wollen, Enkelkinder, die sie aufwachsen sehen möchten und die Kunst, jeden Tag mit einem Lächeln zu beginnen.

So viel ist klar: Der Traum von Rente ist nicht einfach eine Abfolge von Zahlen auf dem Kontoauszug – er ist eine Lebensphase, die man bewusst leben kann, mit all den Höhen und Tiefen. Und wir Frauen, die wir unseren Traum heute leben, zeigen, dass das Leben auch im Alter so bunt und vielfältig ist wie das Leben selbst.

Hast Du noch Gedanken oder Tipps für unsere Leser:innen, dann hinterlasse uns gern einen Kommentar.

Ich wünsche Dir, dass Du Dir von Deiner Rente alle Träume erfüllen kannst!

Deine Iris


Hier noch die Links mit weiteren Informationen

ZDF-Dokumentation:Mein Traum von Rente (verfügbar bis 18.01.2027)

ARD/WDR-Dokumentation: Ein Leben lang gearbeitet – aber wofür? (Youtube)

ZDF 37° Armut trotz Arbeit: Wenn die Rente nicht zum Leben reicht (Youtube)


Unsere Beiträge zum Thema „Altwerden“

Alt werden – ein Prozess auf unserem Lebensweg
Die Vorsorgevollmacht – Entscheidungen für den Fall der Fälle
Die Patientenverfügung, das verbindliche Recht auf Selbstbestimmung
Die Betreuungsverfügung und der Grundsatz der Erforderlichkeit
Digitales Erbe – Was passiert mit Deinen Online-Daten nach dem Tod?
Mein letzter Wille – Warum ein Testament so wichtig ist und was Du beachten solltest

Frauen in der Armutsfalle

Frauen in der Armutsfalle

Frauen verdienen im Beruf immer noch weniger als Männer in vergleichbaren Positionen. Zusätzlich managen Frauen den Haushalt, erziehen häufig die Kinder, sind stark in der Care-Arbeit und pflegen die Angehörigen. Ihr Risiko in der Alternsarmut zu landen, unterschätzen die meisten, zudem kümmern sich nur wenige um ihre Finanzen. Rund 70 Prozent der heute berufstätigen Frauen müssen damit rechnen, sich im Alter drastisch einschränken zu müssen.

Frauen in der Armutsfalle - Statistik
Frauen in der Armutsfalle – Statistik

Ein persönlicher Einblick

Das wird mir sehr wahrscheinlich auch so gehen. Ich werde dieses Jahr 63 – ok, der offiziellen Renteneintritt ist zwar erst 2029, aber will ich wirklich noch so lange arbeiten? Die Frage stelle ich mir immer wieder.

Ich habe sofort nach meinem Studium 1986 angefangen zu arbeiten – 30 Jahre festangestellt und in Vollzeit. Für „weibliche“ Verhältnisse habe ich immer gut verdient. Im Januar 2015 wurde ich entlassen – genau wie meine 2.999 Kollegen:innen. Ich war Anfang 50 und die freundlichsten Absagen bei der Suche nach einer neuen Stelle waren „Sie sind unflexibel!“ (heißt: sie haben zu viel Erfahrung und wir können sie nicht mehr nach unseren Wünschen formen) und „Sie sind überqualifiziert!“ (heißt: wir müssen ihnen ein gutes Gehalt zahlen und dazu sind wir nicht bereit).

Also habe ich mich selbständig gemacht und bin es bis heute. Der Wechsel von einer Festanstellung in die Selbständigkeit war ein Schritt vom sicheren und geregelten monatlichen Auskommen hin zu Monaten mit nur begrenzt planbaren und wechselhaften Umsätzen. Ich musste mich von meinem bis dato gewohnten Lebensstandard verabschieden und mich mit den neuen Gegebenheiten arrangieren. Vielleicht waren diese Einschränkungen gut für mich, denn so ist der Unterschied zur Rente nicht mehr so krass.

Trotz meines guten Verdienstes wird meine Rente aufgrund der vielen selbstständigen Jahre nicht sehr üppig ausfallen. Ich werde mich, wie viele Frauen, deutlich einschränken müssen. Für mich heißt das vor allem, meine schöne Wohnung mit Aussicht aufzugeben und mir eine kleinere und günstigere Wohnung zu suchen. Auch meine drei bis vier Urlaube im Jahr sind dann Geschichte. Eine Traumreise werde ich mir schon gar nicht mehr leisten können. Teure Hobbies und Restaurantbesuche sind dann auch nicht mehr finanzierbar.

Wenn das Geld nicht ausreicht – Die leise Bedrohung im Ruhestand

So wie es mir mit der Rente geht, geht es der Mehrheit der Frauen. Altersarmut ist kein abstraktes Phänomen, sondern eine Realität, in der sich immer mehr Frauen wiederfinden. Trotz jahrelanger Berufstätigkeit, guter Ausbildung und sorgfältiger Lebensplanung sehen sie sich am Ende ihres Arbeitslebens mit einem Rentenbescheid konfrontiert, der kaum zum Leben reicht. Traditionelle Rollenbilder, Teilzeit- bzw. Care-Arbeit und die Abwesenheit der eigenen finanziellen (Zukunfts-)Planung wirken sich über Jahrzehnte kumulierend aus.

Die ZDF-Reportage „Frauen in der Armutsfalle – Viel Arbeit, wenig Lohn“ begleitet vier Frauen auf ihrem individuellen Weg – von der Generation des Schweigens bis zur jungen Studentin, die bereits heute auf ihre finanzielle Zukunft setzt. Ihre Lebensgeschichten verdeutlichen: Altersarmut ist kein persönliches Schicksal, sondern ein gesellschaftliches Versagen.

Frauen in der Armutsfalle - Hilde Fromm
Frauen in der Armutsfalle – Hilde Fromm

Sprachlosigkeit als Stolperfalle

Die 68-jährige Hilde Fromm verkörpert eine Generation, die „über Geld nicht spricht“. Als gelernte Rechtsanwaltsgehilfin bekam sie nach der Geburt ihrer beiden Töchter nur noch Jobs zu Niedriglöhnen. Auch wenn sie immer hart gearbeitet hat, fehlte ihr das Bewusstsein für die langfristige Bedeutung der Rentenabsicherung. Finanzplanung war ein ungeliebtes Thema, Riesterrente, Fondssparpläne oder private Rentenversicherungen spielten in ihrem Leben keine Rolle. Heute, wo jeder eingehende Cent sorgfältig kalkuliert werden muss, spürt sie die Folgen dieses Schweigens. Der Gang zur Tafel wird für sie zur Routine, und regelmäßige Besuche bei der LichtBlick Seniorenhilfe e. V. ermöglichen ihr erst den wöchentlichen Einkauf. Die einst moderne Frau fühlt sich von einer Gesellschaft im Stich gelassen, die Rentengerechtigkeit predigt, aber keine wirksamen Mechanismen schafft, um Frauen wie ihr einen würdigen Ruhestand zu ermöglichen.

Frauen in der Armutsfalle - Jana Schütze
Frauen in der Armutsfalle – Jana Schütze

Die Schattenseiten der Teilzeit

Jana Schütze ist 51 Jahre alt und war lange Jahre als OP-Assistenz in einem städtischen Klinikum tätig. Mit der Geburt ihres zweiten Kindes entschied sie sich bewusst für eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Die neue Stelle als Sterilisationsassistentin finanzierte zwar die Bedürfnisse der inzwischen sechsköpfigen Familie, führte jedoch zu einem drastischen Einkommensverlust – und damit auch zu einem spürbar geringeren Rentenkonto. Zunächst empfand Jana es als Erleichterung, nicht mehr jeden Nachmittag im Klinikkittel zu verbringen und sich den Kindern und dem Haushalt zu widmen. Erst Jahre später wurde ihr bewusst, wie stark sich diese Entscheidung auf ihre Zukunft auswirkt. Teilzeit bedeutet nicht nur weniger Gehalt im Hier und Jetzt, sondern auch eine schleichende, aber stetige Verringerung der späteren Rentenbezüge. Dabei hatte sie mit dem Management des Haushaltes und der Erziehung ihrer vier Kinder eigentlich einen zweiten (Teilzeit-)Job. Wenn Jana heute ihren Rentenbescheid liest, empfindet sie vor allem eines: Sorge. Und die Erkenntnis, dass sie über Jahre hinweg Entscheidungen getroffen hat, ohne das langfristige Risiko zu erkennen. Erst die Beratung der Deutschen Rentenversicherung machte ihr deutlich, dass ihr ja die Jahre der Kindererziehung auf die Rente angerechnet werden und ihre Rente damit um einiges höher ausfallen wird als anfangs gedacht.

Frauen in der Armutsfalle - Mandy Mewes
Frauen in der Armutsfalle – Mandy Mewes

Wenn der Absturz zum Alltag wird

Mandy Mewes, 47 Jahre alt und ehemalige Bundeswehrsoldatin und Militärpolizistin, hat gelernt, sich durchzusetzen und klar zu sagen, was sie will. Nach der Bundeswehr arbeitete sie als Betriebsleiterin in einem Sicherheitsunternehmen. Sie besaß alles, was man sich unter einem komfortablen Leben vorstellt: einen gut dotierten Job, Dienstwagen, regelmäßige Urlaube und eine großzügige Wohnung. Doch die Geburt ihrer Tochter und die anschließende Trennung von ihrem Partner führten sie in eine Welt, die sie sich nie hätte ausmalen können. Der Unterhalt blieb aus, die gemeinsam aufgenommenen Kredite waren weiterhin zu bedienen. Als alleinerziehende Mutter macht sie sich als Personalberaterin selbständig – das ging allerdings schief.

Aus finanzieller Unabhängigkeit wechselte das Leben in eine existenzielle Bedrohung: Mandy rutscht ins Bürgergeld. Plötzlich muss sie als Mutter eines Kleinkindes von 1.200 € leben. Die Verzweiflung sitzt tief, denn Mandy ahnt: Wenn sie heute schon mit knapper Not über die Runden kommt, droht ihr im Alter völlige Verarmung. Die Reportage zeigt, wie wenig Rücklagen bei vielen alleinerziehenden Müttern möglich sind und wie schnell die dünne Fassade von Stabilität einstürzen kann. Heute gibt Mandy ihre Erfahrung aus der Bundeswehrzeit an junge Frauen weiter und bringt ihnen in einem Selbstverteidigungskurs bei, übergriffigen Männer Grenzen zu zeigen. Denn sie weiß, dass das Erlernte für die Frauen auch in anderen Lebenssituationen hilfreich sein kann. Trotz einer Weiterbildung sucht sie immer noch einen neuen Arbeitsplatz, denn sie würde sehr gerne wieder selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen.

Frauen in der Armutsfalle - Laura Stuhldreier
Frauen in der Armutsfalle – Laura Stuhldreier

Vorsorge als Akt der Selbstermächtigung

Die 22-jährige Studentin Laura Stuhldreier gehört zur ersten Generation, die scheinbar selbstverständlich Zugang zu Finanzinformationen und digitalen Anlagemöglichkeiten hat. Während ihre Großmütter und Mütter oftmals aus Unsicherheit oder Unwissenheit auf eine private Altersvorsorge verzichteten, hat sie bereits im ersten Semester begonnen, kleine Beträge in einen ETF-Sparplan zu investieren. Dank des Zinseszinseffekts und der langfristigen Wachstumsprognosen sieht sie ihre Strategie als Versicherung gegen eine ungewisse Rentenrealität. Für Laura ist klar, dass finanzielle Selbstbestimmung kein Thema ist, das man aufschiebt: Wer früh beginnt, profitiert später umso mehr. Mithilfe von Blogs, Podcasts und YouTube-Kanälen hat sie sich Wissen angeeignet, das ihr Umfeld oft belächelt, das für ihre Generation aber überlebenswichtig sein könnte. An der Universität Münster studiert sie Volkswirtschaftslehre und organisiert mit einigen Studienkolleginnen nebenbei einen Kurs für Frauen. Darin gibt sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen über ihren Umgang mit der Altersvorsorge weiter.

Wege aus der Armutsfalle

Die Lebensgeschichten von Hilde, Jana, Mandy und Laura zeigen eines unmissverständlich: Ohne strukturelle Änderungen werden noch viele Frauen in eine Zukunft ohne ausreichende finanzielle Mittel rutschen. Es braucht eine neue Offenheit, damit über Geld gesprochen wird – von der Schule bis ins Berufsleben. Jobs, die heute noch als familienfreundlich gelten, müssen so gestaltet werden, dass sie die Rentenansprüche nicht ausdünnen. Arbeitgeber sind gefordert, transparente Lohnstrukturen zu etablieren und gleiche Bezahlung für alle Geschlechter zu garantieren. Die Politik wiederum muss gezielt Anreize setzen, damit Frauen unabhängig von ihrer Lebenssituation frühzeitig in die Altersvorsorge investieren können.

Solidarische Netzwerke und niedrigschwellige Beratungsangebote können betroffene Frauen unterstützen, finanzielle Stolperfallen zu erkennen und zu umschiffen. Nur wenn jeder Akteur – von der Einzelperson bis zur Gesellschaft – Verantwortung übernimmt, lässt sich die Armutsfalle endgültig schließen und das Leben und Altern in Würde und Sicherheit gewährleisten.

Einen Tipp habe ich noch aus persönlicher Erfahrung:
Es ist sehr hilfreich, frühzeitig einen Termin bei der Deutschen Rentenversicherung zu vereinbaren. Die Beratung ist kostenlos. So kann man sicher sein, dass auch alle anrechenbaren Zeiten, z. B. Studienjahre, Elternzeit, Kindererziehung, in einem Rentenbescheid berücksichtigt werden. Und vielleicht kommt dann ja die Überraschung und die Rente ist höher als ursprünglich gedacht.


Die ZDF-Reportage „Frauen in der Armutsfalle“ ist noch bis Januar 2030 verfügbar.

Wir haben uns bereits in einem älteren Beitrag mit der Gleichberechtigung der Frauen beschäftigt. 

Weitere Informationen finden Sie bei der Lichtblick Seniorenhilfe e. V.
und der Deutschen Rentenversicherung.